Theologie nach Missbrauch

Immer und immer noch und immer wieder müssen wir – Kirche, Gesellschaft, Familien – uns dem Schmutz stellen, vor dem wir eigentlich und verständlicherweise fast automatisch lieber die Augen verschließen wollen. Sexuelle Gewalt ist ein Thema geworden, Prävention auch, und doch fehlen immer noch Dimensionen am Verstehen dessen, was Menschen angetan wurde, und an dem, wie darauf reagiert wurde. Oder nicht reagiert wurde.

An diesem Samstag war ich bei einer eindrucksvollen Veranstaltung. Daniel Pittet, jahrelang als Jugendlicher Opfer sexueller Gewalt, hatte im Februar ein Buch mit seiner Geschichte veröffentlicht, es ist ein brutales, explizites Buch geworden, wie eben auch seine Geschichte brutal und explizit ist. Papst Franziskus hatte ein Vorwort beigesteuert.

Daniel Pittet bei der Buchvorstellung, im Vordergrund Pater Zollner

Daniel Pittet bei der Buchvorstellung, im Vordergrund Pater Zollner

Dieses Buch ist nun auch in Rom vorgestellt worden, im Beisein des Autors. Und was ich einleitend angemerkt habe, ist das was ich aus dem Vormittag mitgenommen habe. Da war einerseits Daniel Pittet selbst, im Interview ist das auf unserer RV-Webseite nachzulesen. Ein Mann, der keine Angst hat, der frei ist, wie er sagt. Den seine Vergebung für den Täter frei gemacht hat. So frei, dass es einem den Atem nimmt. Der überhaupt nich moralisch rüber kommt, keine Forderungen stellt, keine Anklage erhebt. Der nur sein ganzes restliches Leben sich gegen Pädophilie einsetzen will, wie er sagt, und dabei eine erstaunlich Empathie für die Täter hat. Ein ganz außergewöhnlicher Mann, der dafür betet, dass er einmal gemeinsam mit seinem Peiniger im Himmel sein wird.

 

Mit dem Täter gemeinsam in den Himmel kommen

 

Andererseits war da aber auch eine Einleitung, Pater Hans Zollner von der Gregoriana, Leiter des Kinderschutzzentrums dort und auch Mitglied in der päpstlichen Einrichtung mit dem gleichen Ziel, sprach über seine Weise, Missbrauch in der Kirche heute zu sehen.

Und das kam ganz und gar nicht ohne Forderungen aus. Klagend, anklagend, irgendwo dazwischen lag die Absicht hinter den mit nicht wenig Ärger und Mahnung vorgebrachten Sätzen. Wobei ich selber nicht den Eindruck hatte, dass da Selbstgerechtigkeit im Spiel war.

Seine Frage am Samstag war die nach der Theologie. Wo sei die Theologie mit ihren Antworten auf den Missbrauch? Kirchenrecht, Psychologie, Pastoraltheologie, Bistumsorganisation, all das hat auf den Missbrauch reagiert. Aber die Theologie?

 

Der Anruf Gottes in all dem

 

In den Worten von Pater Zollner: „Wo ist der Anruf Gottes in all dem?“ Gerade im Zuhören oder Lesen von Daniel Pittets Geschichte wird das eine notwendige Frage, denn Bittest Geschichte ist auch ein Glaubenszeugnis. Er ist ein Mann des Gebets, nach all den Vergewaltigungen, dem Verrat durch die Oberen, dem Kreuzweg betet er für seinen Peiniger. Was sagt das über Gott in der Welt? Über Leiden?

Und verschärft, wie Pater Zollner es formuliert, was sagt es über das Priestertum und das Amt, wenn wir es als Vermittler zu Gott, an Christi statt während der Messe, begreifen, wenn diese Menschen andere missbrauchen und ihnen so zu allem anderen auch noch den Weg zu Gott verstellen? Es sei befremdlich, so Zollner, wie wenig Stellungnahme es aus der Kirche zur spirituellen und theologischen Dimension von Missbrauch gebe.

Sein Vorschlage war, hier mehr auf Gott zu vertrauen, mehr auf Gott zu schauen denn auf den Menschen. Nach dem Hören der Geschichte von Daniel Pittet gebe ich zu, dass mir das im Augenblick schwer fällt, die leichte Schwere seiner Erzählung ist noch ganz bei mir. Aber Zollner hat schon recht, hier ist noch was, was zu tun ist.

Also denn, Theologen, seid ermutigt! Lest und hört und dann denkt. Pittet und andere haben Zeugnis abgelegt, ein Zeugnis unter Zittern unter der Gefahr der Re-Traumatisierung, wie Zollner es nennt. Wie steht es da um Erlösung? Um die Anwesenheit Gottes in der Welt?

 

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Die deutschsprachige Kirche, Franziskus, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

55 Kommentare zu Theologie nach Missbrauch

  1. Rika sagt:

    Dass Daniel Pittet, ein Missbrauchsopfer eines Ordenspriesters, anderen Opfern Schweigen empfiehlt, finde ich sehr befremdlich. Bisher hat das Schweigen der Opfer die Täter und ihre Helfer geschützt. Will Pittet tatsächlich, dass der Täterschutz fortgesetzt wird? Wäre es nicht angemessener und für Opfer hilfreicher, wenn Pittet diejenigen, die von Opfern angesprochen werden, aufforderte, den Opfern zuzuhören, ihnen zu glauben, und wenn er die notwendigen personellen Konsequenzen ebenso anmahnte wie die Beseitigung der systemischen Ursachen?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Er empfiehlt ja nicht generell Schweigen, sondern weist darauf hin, wie schwer reden sein kann. Und da sagt er, dass es manchmal eben besser für den Betroffenen sein kann. Pittet will keinen Täterschutz, sondern erstens das Beste für die Betroffenen und zweitens, dass deren Wille gehört wird und nicht über den hinweg gegangen wird. Was für die Opfer angemessen ist, sollen die Opfer selber entscheiden können.

      • Rika sagt:

        Im Artikel heißt es: „Nicht alle Menschen – Opfer, Überlebende, Beteiligte – können über ihre Erfahrung und ihre Geschichte sprechen. Was sagt er diesen Menschen? ‚Ich sage ihnen, dass es manchmal besser ist, zu schweigen. Es ist sehr hart, wenn man spricht. Ich habe viele Briefe bekommen, die das erzählen. Zum Beispiel in der Familie, die Menschen müssen weggehen, weil ihnen nicht geglaubt wird. Der Onkel, der Vater, die Mutter, ja auch Mütter, damit kann man nachher nur sehr schwer leben. Sprechen kann man mit guten Freunden und mit dem Psychiater, ansonsten muss man fast schweigen.‘ Er selber habe Glück gehabt, man habe ihm sofort geglaubt, auch der Priester und sein Bischof, zu denen er gegangen sei. Aber auch aus der Kirche kämen bis heute Vorwürfe, dass er zu viel spreche, dass er der Kirche Schaden zugefügt habe.“
        D.h. Daniel Pittet empfiehlt Schweigen, weil Opfern nicht geglaubt wird und sie nur schwer damit leben können, und weil ihnen vorgeworfen wird, sie würden der Kirche Schaden zufügen. Das ist nach meiner Erfahrung absolut realistisch, dass Opfer ausgegrenzt werden aus Familien und Gemeinden. Realistisch ist auch, dass sie – sofern sie Opfer von Priestern sind – als Nestbeschmutzer betrachtet werden, die der (und nicht selten: ihrer) Kirche schaden.
        Noch einmal meine Frage: Ist das die Kirche Jesu Christi, der sich den Verwundeten und Ausgegrenzten zuwandte, in der die heute Verwundeten und Ausgegrenzten lieber nicht zu erkennen geben sollen, dass sie Opfer eines Verbrechens wurden und – wie Pittet bezeugt – anhaltend darunter leiden? Müsste nicht jeder Christ/jede Christin, Amtsträger inklusive, sich bemühen, denen zu glauben und mit denen solidarisch zu sein, die unter die Räuber gefallen sind?

        • Pater Hagenkord sagt:

          Ja. Eindeutig ja.

        • @Rika, das bringen Sie genau auf den Punkt!

          pars pro toto:
          vor Jahren Groer in Wien!

          welche psychische Erniedrigung musste das Opfer hinnehmen,
          weil dieser Herr es geschafft hat mit seiner „unschuldig“ säuselnden Stimme selbst den von mir so geschätzten Kardinal Schönborn einzulullen:

          bis zum Tod hat er das eigentliche Verbrechen geleugnet!!

          in Hildesheim hat man daraus gelernt: die Vorwürfe gegen Janssens einem früheren Diözesanbischof wurden sofort nicht nur thematisiert-ein späterer Nachfolger hat auch sofort notwendige Schritte eingeleitet..

          Warum gibt’s immer noch so wenig Theologen wie Zöllner-er muss ja wohl immer noch um die Notwendigkeit dieser seiner Tätigkeit Kämpfen..
          zum glück hat er in Franziskus einen 100% Unterstützer!!

          ja OPFERSSCHUTZ geht über alles -immer wieder diese

          falschen „Rücksichtnahmen“

          ****************************************************************
          @Rika ein persönliches Memento in einem völlig anderen Kontext!!
          als ich Ihren Nicknamen (?)hier las musste ich an meine vor 3 Jahren verstorbene Freundin denken. sie hatte DIESEN Kosenamen R von Friederike abgeleitet.
          Ich glaubte bis jetzt dass es keine weitere Namensträgerin gibt.. nichts für ungut..

        • Angelika Oetken sagt:

          „weil ihnen nicht geglaubt wird“.

          Unglauben zu äußern, sagt nichts darüber aus, was man wirklich weiß oder denkt. Im Hinblick auf Kindesmissbrauch handelt es sich bei solchen Reaktionen sehr häufig um eine Abwehrstrategie, die dazu dient, Opfer oder Mitbetroffene zum Schweigen zu bringen, indem sie als Lügner oder unglaubwürdig hingestellt werden. Es ist nur all zu menschlich, sich der Auseinandersetzung mit unangenehmen oder sogar bedrohlichen Realitäten zu entziehen. Immerhin geht es beim sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen um etwas, das einen der intimsten und ambivalentesten Bereiche unserer Existenz betrifft: die Sexualität mit all ihren Facetten.

          Gemeinsam mit anderen Opfern und Mitbetroffenen habe ich dazu 2016 eine Stellungnahme verfasst https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/was-wir-als-missbrauchsopfer-mitzuteilen-haben/

          Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  2. Franziska sagt:

    Ich habe Sie nicht verstanden. Kommen die Täter nun mit uns gemeinsam in den Himmel oder nicht?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das ist zum Glück nicht unsere Entscheidung.

    • Elasund sagt:

      Gott vergibt alles. Er gibt allen eine neue Chance. Er schenkt seine Barmherzigkeit jedem, der darum bittet. Ich glaube, dass Vergewaltiger und Missbrauchstäter in den Himmel kommen können. Dann auch natürlich gemeinsam „mit uns“. Es gibt wohl nur einen Himmel, oder? Dass damit alle in den Himmel kommen oder dass es eine leere Hölle gibt, glaube ich nicht. Nur Gott kennt die Herzen. Viele Täter sind selbst als Kinder missbraucht worden. Die Frage nach der Schuld ist nicht so einfach. Wichtig (und vorrangig) ist selbstverständlich Opferschutz, gleichwohl vergibt Gott. Moses war ein Mörder, Paulus auch und König David zumindest ein Ehebrecher.

      • Silvia Brückner sagt:

        Wieso war Moses ein Mörder? Verwechseln Sie da nicht was?

        • Pater Hagenkord sagt:

          Exodus 2:11-12: „Die Jahre vergingen und Mose wuchs heran. Eines Tages ging er zu seinen Brüdern hinaus und schaute ihnen bei der Fronarbeit zu. Da sah er, wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen seiner Stammesbrüder. Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass sonst niemand da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.“ Das ist wohl damit gemeint.

      • Gabriele Luzia sagt:

        Meinen Dank für Ihre Sicht auf diese Frage, so verstehe ich Gottes Barmherzigkeit auch.
        „DER Himmel“ ist eben nicht von dieser Welt.
        Aber letztlich wissen wir nicht, wie es DORT sein wird.

  3. Roswitha Steffens sagt:

    Es ist schon bezeichnend, dass sich erwachsene Menschen gegen die eigenen Nachkommen richten und deren Unschuld missbrauchen. Das zeugt von einem Versagen, dessen Ausmaß ungeahnte Größe angenommen hat und heute ausschließlich durch die Anerkennung dieser unsagbaren Schuld wieder gut gemacht werden kann. Diese Schuld betrifft Menschen, die sich an ihrem eigenen Wesen vergehen, es erniedrigen, peinigen und auf die schlimmste Art dazu missbrauchen, ihre ureigenen Triebe zu befriedigen.

    Opfer können sich von den Tätern befreien indem sie deren Schuld Gott überantworten, um durch ihn und seine unendliche Liebe das Vertrauen wieder zu finden, das in ihnen steckt. Ganz tief im Innersten der Seele liegt ein winziger Samen, den es gilt zum Keimen zu bringen, um durch Gott die Reinheit in dem Wesen zu entdecken, dass sich für die Opfer stark macht und für die Täter vor Gott Gnade erbittet.

    „Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“ Dieser von Christus ins Leben gestellte Satz zeigt Schuld dort wo sie kein Mensch vermutet. Wir sind der Schöpfung entnommen, die ihr Wesen in einem Wort auf ihren Schöpfer begrenzt. Wer also Worte einsetzt, um seine Taten zu beschönigen, zu verschleiern oder gar zu verleugnen, der ist nicht würdig das Wort Mensch zu führen. Opfer sollten sprechen, denn sie sind die, die das Leid tragen, dessen sich ihre Peiniger oft gar nicht bewusst sind. Ich glaube an Gott, der die Menschheit ins Leben führte, denn seine Liebe zu dem Wesen, das alle Grenzen überwinden kann, indem es den Zugang über das Herz findet, das in der Einheit schlägt, die das Leben aus Gott erzeugt.

    Ich glaube, wenn wir uns einig darüber sind, dass die Krone der Schöpfung nicht der Mensch an sich ist sonder im Umgang mit der Würde seiner Person liegt, dann haben wir die Einheit erreicht, die das All mit einem Wort erschaffen hat. Wir können sie wahrnehmen, annehmen und durch sie erfahren, was das Leben noch alles zu bieten hat.

    So gerne würde ich mit diesen Worten Trost spenden für die Opfer, die sich zu Wort melden und die, die in aller Stille Trost suchen, für die, die in ihrer Familie den Halt finden, den sie brauchen und für die, denen die Täter noch im Nacken sitzen. Ich möchte all denen die Angst nehmen, die sich verloren fühlen durch eine Welt ohne Mitleid, denn das Wesen, das die Menschheit eint, das leidet unter der Last, die es zu tragen hat und Gott wird die Welt für dieses Wesen mit seiner ganzen Liebe neu gestalten. Es braucht Zeit dieses Leben in seinen neuen Strukturen zu finden, doch es ist stark dieses Leben, denn es vertraut auf seine Einheit, die durch Gott ewig besteht.

  4. Gabriele Luzia sagt:

    Gott sei Dank hat Daniel Pittet durchgehalten, das an ihm begangene Verbrechen zu benennen, und er hat gute Wege gefunden in die katholische Öffentlichkeit.
    Ich frage mich, warum brauchte es nur so elendig lange Zeiten, in denen ebenso betroffene Menschen seelisch verkümmerten und sich wahrscheinlich größtenteils von dieser Kirche abwandten, bis die Römisch-Katholische Kirche selbst endlich die Schuld eigener „Mitarbeiter“, sprich PRIESTER, anerkennen und benennen konnte?!
    Heute, schätze ich mal, sind es gerade maximal 30 Jahre her, dass Menschen sich trauen, dagegen „aufzustehen“, sich zu erinnern und Missbrauch zu benennen – und seit wann werden sie überhaupt angehört und ernstgenommen…
    Ich danke Pater Zollner für seinen Mut, sich diesem thematischen Ansturm zu stellen, so Vieles aufzunehmen, was vielleicht nicht zu seinem eigenen Leben gehörte, und dieses Leid mit aller Klarheit zu benennen und den Betroffenen ein Podium zu geben.
    Aktuelles Thema im Frühgottesdienst von Papst Franziskus in „Sta. Marta“ ist die Fähigkeit der Christen des „Mitleidens“… es geht ja nicht nur um Flüchtlinge und anders Ausgegrenzte… Sexuellen Missbrauch zu begreifen in dem Ausmaß, in dem es Daniel Pittet benennt, und als solchen zu betiteln in unserer Kirche, dieses Bewusstsein hat sich doch weitestgehend erst durch die sog. „Sexuelle Revolution“ auch für Christen gebildet.

    • Marco sagt:

      Es sind leider viel zu viele feige Männer im Klerus. Die gleichen Männer, die sich nicht getraut haben, als Nestbeschmutzer und Petzen dazustehen, trauen sich heute auch nicht, zur Wahrheit zu stehen.

      Damals wie heute. Damals Missbrauch, heute die Sexualmoral der Kirche und ihre Ehelehre.

      Man ist so sehr damit beschäftigt, „gütig“ zu sein, dass es da keinen Platz mehr für Wahrheit gibt.

      „Im Namen der Liebe Gottes weigert man sich, die Härte des von Gott ausgewählten Weges hinzunehmen.“

      Das Problem ist Feigheit und Unredlichkeit. Damals wie heute.

      Wer sich heute nicht traut von Ehebruch zu sprechen, weil es zu hart ist, steht nicht besser da als wer sich damals nicht traute von Missbrauch zu sprechen, weil es zu hart war.

      • Pater Hagenkord sagt:

        Ehebruch mit Missbrauch zu vergleichen, auch nur in diesem einen Punkt, sollte sich eigentlich von selbst verbieten. Sollte.

        • Marco sagt:

          Das stimmt, das eine ist ein größeres Übel als das Andere. Die Ursache für das Schweigen ist aber die gleiche, das meinte ich.

          Aber es ist ja ganz salonfähig, den Mord von Ungeborenen durch ihre eigenen Eltern mit Umweltschutz zu vergleichen. Vielleicht sollte man sich da erst recht zu Wort melden?

          • Pater Hagenkord sagt:

            Und was haben Abtreibung und Schutz der Schöpfung jetzt wieder damit zu tun? Oder miteinander?

        • Hardenberg sagt:

          Ich muss ehrlich sein: Ich hätte eine derart widerliche Wortmeldung nicht freigeschaltet. Sie kriminalisiert Menschen, denen aus den verschiedensten Gründen die Treue nicht halten können und verharmlost den Missbrauch. Natürlich gibt es das Recht der Meinungsfreiheit auch für den größten Schwachsinn. Aber könnte es nicht sein, dass allein das Dastehen und das Nachgelesenwerdenkönnen solcher Zeilen eine negative Wirkung auf Opfer hat? Ich erlaube mir zu sagen: Diese haben das größere Recht auf Schutz als eine unmenschliche Freiheit, die meint alles sagen zu können…

          • Pater Hagenkord sagt:

            Leider ist das aber häufiger als man meinen mag. Und deswegen muss man damit umgehen, und zwar mit Widerspruch, öffentlich.

          • @Hardenberg ,DANKE für ihren „Klartext“

            ..auch zum Thema Schwangerschaftsabbruch wird auch so viel OBERFLÄCHLICH EINSEITIGES geschrieben!

            selbst Trump gibt ja den „Lebensschützer“-gleichzeitig „spielt“ er mit dem koreanischen Diktator mit dem koreanischen Diktator mit der totalen Vernichtung!!

            nein, Menschen wie Kardinal Lehmann oder Bischof Kamphaus und die vielen kirchlichen Beratungsstellen INCL. „Donum Vitae“ sind da für mich glaubwürdig weil sie den ganzen KONTEXT mit bedenken!!

            Ehebruch und Missbrauch in Zusammenhang zu bringen ist für die Missbrauch Opfer eine weitere unerträgliche Demütigung!!!

          • Marco sagt:

            @Herr Hardenberg,
            Das ist zwar vermutlich ehrlich, aber rein assoziativ „gedacht“ und hat mit meinem Kommentar deshalb nichts zu tun.

            Ich denke, es sollte eigentlich klar sein, dass ich über diejenigen schrieb, die nicht die Wahrheit sagen oder sehen wollen/wollten, die aber in besonderer Weise dafür verantwortlich (gewesen) wären, genau das zu tun.

            „Das Problem ist Feigheit und Unredlichkeit. Damals wie heute.“

            Früher wie heute geht es dabei um die größte Verfehlung, die jemand begehen kann, nämlich um den Verrat an der Wahrheit, die ja Person ist.

            Ob jemand zu Missbrauch schweigt, weil er so feige ist, oder ob er zur Homo-„Ehe“ oder zur „Wiederverheiratung“ schweigt, weil er so feige ist: das stellt nur ein gradueller Unterschied dar.

            So gesehen ist zwar nicht das Problem des Missbrauchs selbst aber das der Nichtaufdeckung des Missbrauchs im Grunde nach wie vor aktuell.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das Problem des Missbrauchs soll nicht mehr aktuell sein? Das kann nicht Ihr Ernst sein. Das als erste Antwort. Und zweitens: der von Ihnen gemeinte „graduelle Unterschied“ ist zynisch. Wiederverheiratung und gleichgeschlechtliche Partnerschaften ziehen nicht die gleiche Verpflichtung zum Reden nach sich wie Missbrauch. Nicht mal im Ansatz, nicht mal in reiner Abstraktion. Aufstehen und sprechen muss man hingegen bei solchen Aussagen wie den Ihren, sprechen und laut „Nein!“ sagen.

          • Hardenberg sagt:

            @Marco: Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn zwei Frauen oder zwei Männer einander heiraten. Das dürfen sie – auch gern als Sakrament und dann unauflöslich. Ehe war für Abraham und Jakob in der Bibel was anderes als für David und Salomo und erst recht für Jesus. Und wenn P. Hagenkord diese widerborstige Meinung stehen zu lassen erlaubt: Was die Kirche momentan so zu verteidigen meint, als sei es die Herzmitte des christlichen Glaubens (mit Verlaub, das ist die Trinität und nicht die Ehe), das gibt es in dieser rosaroten Wunschvorstellung erst seit 180 Jahren. Niemanden wird etwas weggenommen durch eine staatliche oder kirchliche Homoehe, mit Ausnahme der heterosexuellen Männer, die meinen sich nur als Oppositum zu Homosexuellen definieren zu können. Und abermals: Ihr post zeigt erschreckend, dass Sie null Takt gegenüber Missbrauchsopfern haben.

      • Elasund sagt:

        Eine Frage (ich weiß nicht, ob Sie P. Hagenkord diese beantworten können): Ich kann mich erinnern, dass ich ungefähr 1995 von den Missbrauchsfällen im Canisius-Kolleg Berlin gewusst habe (durch einen Betroffenen). Deswegen vermute ich, dass es vielen Jesuiten zu dieser Zeit oder auch früher ebenfalls bekannt war. Wieso wurde geschwiegen? Was waren die Gründe dafür? Das müssen doch bewusste Entscheidungen von vielen einzelnen Jesuiten gewesen sein, oder? Die „Job-Rotation“ der Jesuiten hätte es doch früher ermöglicht, dass ein unbeteiligter Jesuit einen Entschuldigungsbrief schreibt.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Ich kann nicht für „die Jesuiten“ sprechen, nur für mich. Ich war 1997-99 dort und ich habe es nicht gewusst. Solche Vermutungen, so plausibel Sie sein mögen, führen nicht weiter. Denn as der Vermutung wird bei Ihnen im nächsten Satz schon eine Gewissheit, ohne dass Sie das begründet hätten.

          • Roswitha Steffens sagt:

            Was geschieht wenn Täter den Missbrauch beichten und dabei ihre Opfer mit Namen benennen?

          • Pater Hagenkord sagt:

            Abstrakt kann ich das nicht beantworten, das kann man nur konkret und an der einzelnen Geschichte entscheiden.

          • Roswitha Steffens sagt:

            Was ist daran abstrakt, Missbrauch verursacht Leid in unbekanntem Ausmaß und muss! als solcher ohne Ausnahme zur Rechenschaft gezogen werden! Ist dazu ein Priester berechtigt, dem sich der Täter anvertraut, um mit ihm eine Schuld zu teilen, die er absolut allein zu tilgen hat?

            Jesus wurde nicht missbraucht, er hat für uns gelitten, aber er wurde nicht missbraucht!

            Missbrauch ist für mich ein Zulassen der Triebe, die aus purer Sexualität hervorgerufen, mit all ihren Arten der Erniedrigung, Unterdrückung und Beherrschung einhergehen, die nicht der Würde eines Menschen entsprechen. Missbrauch hat nichts mit Glauben und Liebe zu tun, das ist eine Verleumdung all dessen was uns als Menschheit lieb und wertvoll ist.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Sie haben Recht, Missbrauch hat nichts Gutes. Allerdings ist eine Formulierung wie „Missbrauch ist für mich“ gefährlich. Was Missbrauch ist, hat nichts Subjektives, das kann nicht jeder und jede für sich entscheiden. Die überwiegende Mehrheit von Wissenschaftlern etwa bringt Missbrauch nicht in erster Linie in Verbindung mit Sexualität, sondern mit Macht. Deswegen spricht man ja auch vermehrt von „sexueller Gewalt“.
            Und was ich mit „abstrakt“ meine: Keine Situation ist wie die andere. Erster und wichtigster Punkt ist, was für die Opfer und Beteiligten des Missbrauchs das Wichtigste ist. Es gilt aber auch das Beichtgeheimnis, ich darf Wissen aus der Beichte nicht außerhalb der Beichte verwenden. Das kann man nicht am grünen Tisch auflösen, das muss man mit dem Täter tun. Das hat auch nichts mit Teilen von Schuld zu tun, was auch immer Sie damit meinen.

          • Elasund sagt:

            @PDater Hagenkord, da haben Sie recht. Es sind lediglich Vermutungen. Die Frage nach dem Schweigen bleibt allerdings, ob es jetzt viele Jesuiten waren oder nur wenige. Es gibt auch Betroffene / Opfer (keine Ahnung ob nur Einzelfälle), die z. B. den Gang an die Öffentlichkeit von P. Mertes schwer daneben fanden. Es ist schwierig dann genauer nachzufragen, warum das jemand so empfindet. – Ist es angemessen beim Schweigen der Mitbrüder (ausschließlich) Feigheit und Unredlichkeit zu vermuten? Hatten sie (oder gibt es) gute Gründe (öffentlich) nichts zu sagen?

          • Pater Hagenkord sagt:

            Sie sagen Schweigen. Ich sage Unwissenheit. Sie behaupten etwas. Also: Wer wusste was und hat geschwiegen?

          • Elasund sagt:

            Aufgrund Ihrer Frage fiel mir ein, dass ich folgendes gelesen habe:
            https://www.jesuiten.org/fileadmin/Redaktion/Downloads/Bericht_27_05_2010_aktuell.pdf – so ab S. 20. – Das ist aber die Frage nach dem Nichthandeln, ich frage nach dem bewußten Schweigen (möglicherweise nach einem Prozess der Unterscheidung). Ich kann das wohl in wenigen Sätzen nicht so formulieren, dass klar wir, worum es mir geht.

  5. Roswitha Steffens sagt:

    Woher können Wissenschaftler, die selbst von Missbrauch nicht betroffen sind, ihr Wissen gewinnen, ohne subjektiv zu sein?

    Sexuelle Gewalt ist der Übergriff des Menschen auf die Würde einer Person, die sich dem Täter entzieht. Damit will ich sagen, wir, alle Menschen, leben nicht als Menschen, weil wir uns sexuell als solche fortpflanzen können, wir existieren als Menschheit, weil wir diese Tatsache an ein Wort binden, das uns die Wahrheit abverlangt, derer wir uns selbst, jeder einzelne Mensch, der daraus entsteht, annehmen.

    Es liegt also in der ganz persönlichen Entscheidung aus dieser Würde als Mensch zu leben oder sich dem Trieb seiner Sexualität hinzugeben, um ihre Gewalt zur Stillung der Lust einzusetzen.

    Die Beichte sollte Täter nicht vor ihrer gerechten Strafe schützen, indem sie die Entscheidung dafür dem Priester im Beichtstuhl auferlegt. Sie sollte den Täter vom Sünder unterscheiden und vor den Richter führen, der sein Urteil im Namen des Volkes spricht.

    Man muss das Wissen um die Tat nicht mit dem Täter auflösen, man muss sein Opfer mit dem Wissen um seine Tat durch ein gerechtes Urteil von der Last dieses unendlichen Leides befreien.

    Es ist selbstverständlich, dass man sich als Mensch nicht an anderen Menschen vergeht, das sollte jeder Person klar sein und danach sollten insbesondere Amtsinhaber handeln.

    Missbrauch muss nicht geklärt werden, er muss verhindert werden und zwar mit allen Mitteln, die der Rechtsstaat dafür zur Verfügung stellt.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Wissenschaftler können das, weil sie Wissenschaft betreiben. Wir brauchen hier nicht über die Unmöglichkeit vollständiger Objektivität zu philosophieren, aber Wissenschaft ist etwas anderes als „für mich“. Die Ergebnisse sind austauschbar, sie sind überprüfbar und falsifizierbar, und sie dienen vor allem dafür, nicht meinem Eindruck, sondern wirklichen Ursachen auf den Grund zu gehen.
      Zum Beispiel liegt es nicht immer in der persönlichen Entscheidung, Gewalt anzuwenden. Manchmal ist es eine psychische Krankheit, die das auslöst. Das soll nichts entschuldigen, aber es kann dazu beitragen, Missbrauch durch Therapie potentieller Täter zu verhindern. In Berlin gibt es an der Charité gute Erfahrungen damit.
      Und es geht eben nicht immer um sexuelle Lust, sondern um eine Macht-Lust. Das ist nicht dasselbe, das kann uns die Wissenschaft erklären.
      Auch halte ich es für völlig verfehlt zu meinen, man könne allein mit einem Urteil die Opfer vom Leid befreien. Dazu gehört viel, viel mehr als das.
      Und: Beichte ist nicht Teil der Strafverfolgung. Beichte soll nicht Täter schützen, sondern Sündern den Zugang zu Gott ermöglichen, zu seiner Vergebung. Die Beichte macht genau das, sie unterscheidet Täter von Sünder und spricht mit dem Sünder. Aber sie kann und darf Täter nicht vor Richter führen. Dafür ist sie nicht da.

      • Roswitha Steffens sagt:

        Wissenschaft ist ein „für mich“, denn jeder Wissenschaftler ist vorrangig ein Mensch wie Sie und ich. Auch er kann nur nach persönlichem Ermessen beurteilen wie weit sein Wissen reicht, um entsprechend des Sachgebietes aus dem es verifiziert wird damit zu arbeiten. Es ist müßig über Wissen und darüber zu reden, wer es letztendlich schafft, denn jeder ist dabei sich selbst der Nächste und doch tragen wir es alle gemeinsam, indem wir es für unsere Fortbildung einsetzen.

        Auf was ich jedoch noch eingehen möchte ist die kranke Psyche, denn was macht die Psyche krank, wo sie aus der gesunden Seele eines neugeborenen Kindes erwächst?

        Außerdem habe ich von sexuellem Trieb und nicht von sexueller Lust geschrieben, was sich in der Art der Befriedigung durch Gewalt oder Liebe ganz klar differenzieren lässt. Meines Erachtens sollte jede Person sich selbst so im Griff haben, dass Mitmenschen nicht durch sie belästigt werden, denn erst das macht uns zu gleichwertigen Partnern und lässt den gesunden Abstand wahren, der unbedingt nötig ist, um sich selbst daraus zu identifizieren.

        Noch etwas, objektiv zu sein liegt im Anliegen der Menschheit, die Zeit dafür einsetzt, ihr Potenzial zu erneuern und es ihr nicht absprechen. Wenn ich also „für mich“ schreibe, dann beruht das auf Erfahrungswerten, die mir mein Leben bietet, um sie für die Zukunft einzusetzen, die ich hoffentlich auch mit ihnen und unzähligen anderen Menschen noch teilen kann. Sie soll von Missbrauch frei sein indem er rechtmäßig verurteilt und nicht unrechtmäßig aus Sicht der Täter bewertet wird.

        Für mich gibt es eine Grenze und die liegt beim Missbrauch von unschuldigen Kindern, die uns Erwachsenen Dank Gott anvertraut sind, um aus ihrer Existenz zu schöpfen was sie mit unserem Leben verbindet. Diese Würde als Mensch wahrzunehmen ist ein Privileg der Menschlichkeit, die bereits in unserer Wiege lag.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Pardon, aber da muss ich direkt „Nein“ sagen. Wissenschaft bemüht sich, eben genau nicht nach persönlichem Ermessen zu urteilen. Dass jede Generation neue Thesen hat ist Beweis dafür, dass das nicht immer gelingt, aber auch Beweis für das Bemühen. Das beruht eben nicht auf den Erfahrungswerten einzelner, sondern auf gemeinsam gefundenen und immer wieder veränderten geteilten und kommunizierten Kriterien.
          Und wenn Sie sagen, dass jeder Mensch sich selbst im Griff haben sollte, dann zeugt das von gutem Willen ihrerseits. Aber die Realität ist eine andere. Manchmal ist die Wirklichkeit eben nicht so.

          • Hardenberg sagt:

            Danke für diesen Einspruch.

          • Roswitha Steffens sagt:

            Was ist denn dann der Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit und zwischen Wissen und Glauben? Steht das Wissen wirklich über dem Glauben, der das Leben durch Gott begleitet oder sollte das Wissen sich eher vom Glauben tragen lassen der es in der Einheit des Geistes führt, der als Leben daraus erwächst?

            Steht nicht die Sicherheit über die eigene Person selbst zu herrschen auf dem Papier, das uns alle miteinander verbindet, um ihr damit das zu geben, was allgemein als Wahrheit erreicht werden kann?

            Wie sollte Gott unser aller Herz gewinnen ohne die Liebe, die für dieses Herz lebt?

            Ich glaube an die Heilige Katholische Kirche, denn diese Kirche erhält für mich den Bund mit Gott, um in der Gemeinschaft des Glaubens der Mutter Gottes zu dienen, die seinen Dank mit dem Kind erfährt, das den Namen durch Gott trägt, der damit ihre reine Seele erreicht.

            Kind zu sein bedeutet Freiheit ohne Worte zu genießen, die Freiheit, die jeder Mensch zur Geburt geschenkt bekommt. Erst mit unseren Sinnen lernen wir, dass es Menschen gibt, die uns suchen, um sich selbst dadurch zu erkennen und gemeinsam mit uns zu leben.

            Ich weiß, es ist schwierig meinen Worten zu folgen, doch ich möchte Sie bitten, es zu versuchen, denn ich habe den Eindruck, Sie sind etwas genervt von mir.

            Ich trage keinen guten Willen in mir, ich trage die Würde, die mir Gott in die Wiege legte und versuche mit dieser Würde die Worte zu finden, die sie dem Glauben näher bringen, der mich leitet, wenn ich Wissen aufnehme, um mich darüber zu informieren, wo ich selbst mit meinen Annahmen stehe.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Unterschied zwischen Realität und Wirklichkeit? Mein erster Geschichts-Professor hat immer gesagt: „Die Realität ist in Wirklichkeit ganz anders.“ Pardon, aber das ist dasselbe.
            Und was Wissen und Glauben angeht: die stehen nicht einer über dem anderen, das sind einfach zwei verschiedene Dinge.
            Und was das für ein Papier sein soll, das uns alle verbindet, weiß ich wirklich nicht. Es ist wirklich schwer zu entdecken, was Sie sagen wollen.

          • Roswitha Steffens sagt:

            Vielleicht liegt das daran, dass ich eigentlich gar nichts sagen will sondern nur den Gedanken auf die Sprünge helfen will, die im Sinne der Gemeinschaft existieren, der auch ich angehöre.

            Zwischen Realität (Mensch) und Wirklichkeit (Person) steht für mich die Fomulierung aus dem Inhalt beider, den es gilt so objektiv wie möglich anzunehmen, um daraus einen aktuellen Wissensstand in Auftrag zu nehmen, der uns als Einheit fordert.

            Das Problem von Realität und Wirlichkeit sehe ich in der geistigen Annahme ihrer beider Existenzen, denn zwischen den beiden besteht unendlicher Kommunikationsbedarf, um immer wieder die Einheit zu finden, die sich aus den Gemeinamkeiten ergibt, deren Formulierung ich in diesem Fall gerne Ihnen überlasse.

            Um diesen Kommentar wieder auf den Missbrauch zurückzuführen, besteht für mich als erwachsene Frau und Mutter von 2 Kindern die unbedingte Pflicht ihr Leben in dem Bewusstsein zu erhalten, das ihnen vom Schöpfer angeboren wurde, denn ich kann es sicher nicht besser verwirklichen als Er. Diese Einsicht zu leben ist die wohl schwerste Aufgabe für mich, denn meine Freiheit und die, die dadurch für meine Kinder erwächst, die beschränkt sich auf ein System der Macht, das sich durch Kinder repräsentieren lässt die im Prinzip nur Menschen fordern, die sich ihres gemeinsamen Wohls annehmen, um sich damit selbst mit einem Leben in Frieden und Freiheit zu dienen.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Es tut mir wirklich Leid, aber was Sie da über „Realität (Mensch) und Wirklichkeit (Person)“ schreiben, erschließt sich mir nicht. Das scheint mir ein willkürlicher Gebrauch von Worten zu sein, die entweder Poesie ergeben oder in sich selbst geschlossen sind.

          • Roswitha Steffens sagt:

            Pater Hagenkord, ich möchte Ihnen ausdrücklich für die Auseinandersetzung mit mir danken.

  6. @Hardenberg

    Ganz HERZLIICHEN DANK für Ihren Beitrag vom 22.9- 01.36!!!

  7. Angelika Oetken sagt:

    Folge ich dem, was von und über Daniel Pittets Schicksal und dem Vorgehen und der Persönlichkeitsstruktur des Mannes, der ihn sexualisiert gefoltert und sexuell ausgebeutet hat, veröffentlicht wurde, fällt mir auf:

    a) Pittets Vater hatte seine Mutter halb tot geschlagen, als sie mit ihrem Sohn Daniel schwanger war. Schwerste Gewalt spielte also in der Familie eine Rolle
    b) Mutter, Großmutter und der Junge Daniel lebten in prekären Verhältnissen, der Vater hatte die Familie im Stich gelassen. Pater „Joels“ Interesse an dem Kind kam den beiden Frauen ggf. auch in ökonomischer Hinsicht gelegen und das könnte zu deren „Nicht-merken“ beigetragen haben
    c) es war denn auch Pittets Großtante, die den Jungen später woanders unterbrachte, so dass er für eine Weile aus dem Dunstkreis dieses Kapuzinerpaters entkam
    d) Pater „Joel“ hielt die sexualisierten Misshandlungen, die er an dem Kind verübte filmisch fest. In den 60er- und 70er Jahren war solche Missbrauchsabbildungen begehrte Tausch- und Handelsware, noch mehr als heute, wo die Herstellung und Verbreitung der Kinderfolterdokumente technisch und organisatorisch viel einfacher ist als heute. Man sollte in Erwägung ziehen, dass dieser Ordensbruder Teil einer Gruppe von Personen war, die den Missbrauch von Kindern untereinander organisierten. Das könnte erklären, warum man diesen offensichtlich schwer psychiatrisch kranken Sexualstraftäter nicht nur lange gewähren ließ, sondern ihn sogar unterstützte. Er bekam die Möglichkeit ein abgelegenes Chalet zu mieten, um dort Jungen aus sozial schwachem Milieu zu internieren. Daniel Pittet muss, genauso wie viele andere seiner Leidensgenossen, deren Folterung mittels sexualisierter Handlungen auf Filmen und Bildern festgehalten wurde, jederzeit damit rechnen, dass die irgendwo wieder auftauchen und bis heute in Umlauf sind. Oder sogar jemand, mit dem er heute zu tun hat, diese Filme kennt oder über sie verfügt. Siehe: http://www.deutschlandfunkkultur.de/bilder-von-uns-am-schauspiel-bonn-der-verdraengte-missbrauch.1013.de.html?dram:article_id=343253
    e) Im Focus ist ein Interview abgedruckt, das eine Journalistin mit Pater „Joel“ führte. In dem sich deutliche Hinweise darauf finden, dass dieser Mann seine Missbrauchstaten im Zustand einer dissoziativen Identitätsstörung beging http://www.focus.de/politik/experten/habe-schreckliche-sachen-mit-ihm-gemacht-pater-spricht-ueber-sexuellen-missbrauch-an-achtjaehrigem_id_7489180.html Gerade bei sadistisch unterfütterten Missbrauchshandlungen durch Täterinnen bzw. Täter bei sonstigem unauffälligem Funktionieren der Person, sollte man eins solche Störung immer in Erwägung ziehen.
    f) Daniel Pittet arbeitet als Bibliothekar in der Schweiz. Er ist nach eigenen Angaben oft krank und hat eine Familie mit sechs Kindern zu versorgen. In seinem Heimatland ist die soziale Absicherung längst nicht so umfassend wie bei uns in Deutschland. Bei allen medizinisch-therapeutischen Leistungen muss man beispielsweise in Vorleistung gehen, vieles wird nicht erstattet und muss selbst getragen werden. Pittet war als junger Mann selbst Ordenspriester. Ich möchte zu bedenken geben, dass Daniel Pittet einige seiner Entscheidungen möglicherweise getroffen hat, damit seiner Familie keine Nachteile entstehen und er weiterhin für sie aufkommen kann.

    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  8. carn sagt:

    Da hier die Frage angesprochen wird, wie damit umgegangen wird, wenn ein Täter einen Missbrauch beichtet, eine ganz blöde Frage meinerseits dazu:

    Ist nicht zu erwarten, dass bei (nahezu) absolut jeder Beichte, die eine nach weltlichem Recht strafbare Tat umfasst, die auch nach kirchlichem Recht verwerflich ist, dem Täter als Buße auferlegt wird, sich selbst anzuzeigen?

    Mir erscheint das irgendwie naheliegend; da für eine gültige Beichte, die Buße erforderlich ist, hätten dann zumindest Täter, die sich doch nicht selbst anzeigen, nicht gültig gebeichtet.

    Oder kann das vorkommen, dass man schlimme und nach weltlichem Recht strafbare Sünden beichtet und der Beichvater unterlässt es, die Selbstanzeige als Buße aufzuerlegen?

    Das erschiene mir irgendwie so naja.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das ist nicht ganz korrekt: Ich darf als Beichtvater nicht die Buße der Selbstanzeige auferlegen. Es kann auch Reue ohne Selbstanzeige geben. Wohlgemerkt: kann.

      • carn sagt:

        Danke für die Information.

        „Ich darf als Beichtvater nicht die Buße der Selbstanzeige auferlegen.“

        Warum ist das ausgeschlossen?

        Der Beichtvater darf doch ein Werk der Wiedergutmachung auferlegen; und Selbstanzeige bzw. Geständnis ist zumindest auch eine Art der Wiedergutmachung.

        In der Rechtswissenschaft ist ein akzeptierter Zweck von Strafe sogar die Versöhnung:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Strafzwecktheorie#Relative_Straftheorien
        „positiv: Die positive Generalprävention soll das Vertrauen der Gesellschaft in die Rechtsordnung stärken. Dabei lassen sich drei unterschiedliche, ineinander übergehende Ziele und Wirkungen herausarbeiten: die Einübung der Rechtstreue als Lerneffekt; der Vertrauenseffekt, der sich ergibt, wenn der Bürger sieht, dass das Recht sich durchsetzt; und der Befriedigungseffekt, der sich einstellt, wenn sich das allgemeine Rechtsbewusstsein auf Grund der Sanktion beruhigt und den Konflikt mit dem Täter als erledigt ansieht.“

        Da wirkt es etwas seltsam warum im Sinne der Wiedergutmachung keine Selbstanzeige auferlegt werden könnte.

        Ich glaube Ihnen natürlich, dass es so ist; ich verstehe nur nicht den Hintergrund.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Das ist ausgeschlossen, weil die absolute Trennung zwischen „Forum Internum“ und „Forum Externum“ gewahrt sein muss. Beichte gehört zum Internum, das bleibt bei den Beteiligten. Strafe und Selbstanzeige gehören zum Externum. Eine Verpflichtung zur Selbstanzeige würde diese Trennung verletzen. Deswegen ist sie nicht erlaubt.

    • Angelika Oetken sagt:

      Wer Kinder oder Jugendliche missbraucht, begeht eine Straftat. Die meisten Täterinnen und Täter handeln zwar aus einer günstigen Gelegenheit heraus, trotzdem verwenden sie recht viel Mühe auf die Einschüchterung ihrer Opfer und die Täuschung oder Nötigung ihrer Umgebung. D. h. KindesmissbraucherInnen agieren selten im Affekt. Ihnen ist bewusst, dass das, was sie tun falsch bzw. strafbar ist. Sogar die Vergewaltiger erwachsener Personen durchlaufen so etwas wie eine „Ausbildung“, bis sie das erste Mal sexuelle Gewalt ausüben. Neben dem physischen Befriedigungsaspekt, ist auch das Gefühl der machtvollen Überlegenheit und das Wissen um die Demütigung und physischen Beschädidungen, die das Opfer erfährt, etwas, das Täterinnen und Täter an ihren Übergriffen reizt.

      Normales, unbeschädigtes sexuelles Miteinander dagegen, basiert auf Einvernehmlichkeit und die setzt voraus, die Konsequenzen der sexuellen Interaktion absehen und die Situation kontrollieren zu können.

      Kurzum: wer Sexualstraftaten begeht, ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch in anderen Bereichen gestört bzw. kriminell. Ich könnte mir vorstellen, dass es katholische Täterinnen und Täter gibt, die im Wissen, dass der Priester, der die Beichte abnimmt, zum Schweigen verpflichtet ist und nachdem er eine Buße auferlegt hat, eine Absolution erteilt, Missbrauchstaten beichten. Und zwar nicht, um ihr Gewissen zu erleichtern oder nach Wegen zur Wiedergutmachung zu suchen, sondern um den Priester bzw. Priesterkollegen, wenn die Täter selbst welche sind, zum Mitwisser zu machen. Und im Wissen um dessen Schweigepflicht dafür zu sorgen, dass dem Priester, dem man seine Straftaten gebeichtet hat, die Möglichkeit genommen wird, die Missbrauchskriminalität irgendwo anzuzeigen. Sei es bei den Behörden, oder eben beim Dienstherrn. So vorzugehen, stellt verbreitetes Täterverhalten dar. Besonders bei dem Typus, den man als „sozialen Zocker“ bezeichnen muss. Ein ähnlicher Effekt, wie bei Kleptomanie und Brandstiftung. Straftaten, denen von einigen Fachleuten eine ganz deutliche sexuelle Komponente zugeschrieben werden.

      VG
      Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

      • carn sagt:

        „Und im Wissen um dessen Schweigepflicht dafür zu sorgen, dass dem Priester, dem man seine Straftaten gebeichtet hat, die Möglichkeit genommen wird, die Missbrauchskriminalität irgendwo anzuzeigen.“

        Wieso wird dem Priester diese Möglichkeit genommen?

        Der Priester darf doch lediglich nicht das Wissen aus der Beichte nutzen; alles andere schon.

        Wenn also z.b. Priester A, den B im Verdacht hat, Missbrauch zu begehen, dann darf der Priester A das auch weiter melden/anzeigen, selbst wenn der B zu ihm kommt und die Tat „beichtet“; denn er hat ja seinen Verdacht aus anderen Gründen als dem in der „Beichte“ gesagten.

        (Die Anführungsstriche gibts, da eine „Beichte“, um den Beichvater von Anzeigen abzuhalten, keine echte Beichte sein dürfte, da es an Reue fehlen dürfte)

  9. carn sagt:

    @Marco

    Ich vermute zwar zu wissen, was sie ausdrücken wollten. Aber das hat nicht wirklich geklappt. Und wann man mal bei einem heiklen Thema den falschen Eindruck bei anderen erweckt, macht man es nur selten durch weitere Aussagen besser.

    Also gut sein lassen.

Schreibe einen Kommentar zu Hardenberg Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*