Verfahren

Zwei konträre Aussagen können nicht gleichzeitig wahr sein. Als vor zwei Wochen das Magazin Focus meldete, der Abschlussbericht zu Limburg sei fertig und er werde Bischof Tebartz-van Elst so gut wie frei sprechen, musste die für den Bericht verantwortliche Deutsche Bischofskonferenz dementieren: Der Bericht sei noch nicht fertig. „Fakten, Fakten, Fakten“? Fehlanzeige. Das gleiche Dementi könnte die dbk gestern abgesetzt haben, dieses Mal über das Magazin Spiegel mit der genau gegenteiligen Meldung: Der Bericht belaste den Bischof sehr stark und mehr noch als bisher bekannt.

Mindestens eines der beiden Blätter muss sich dringend neue Informationsquellen beschaffen, um sich nicht weiter vor aller Welt vorführen zu lassen.

Meine Respekt vor den Recherchefähigkeiten des Spiegel ist immens, aber auch nach diesem neuesten Bericht bin ich weiter von dem überzeugt, was ich im Oktober gesagt habe: Der Papst hat richtig gehandelt, ein Verfahren einzusetzen und es lokal zu verorten. Dort wird untersucht und gesammelt, und erst wenn alles feststeht, dann wird entschieden. Nicht auf die Schnelle, nicht auf Hörensagen, sondern mit Tatsachen.

Das ist wie bei der so genannten „Vatikanbank“, dem IOR. Da hatten die Medien in ihren Schnellmeldungen im letzten Jahr spekuliert, der neue Papst Franziskus wolle es auflösen. Stattdessen passiert dasselbe wie im Limburger Fall: Eine Kommission – in diesem Fall Fachleute von außen – schaut sich die Bank an und dann wird entschieden, was geändert werden muss, wie es weiter gehen muss, wozu das Institut weiter dienen kann. Danach, nicht aus dem Bauch heraus davor.

Im Spiegel-Bericht wird ein namentlich nicht weiter genannter Priester zitiert, der sagt, jeder Tag der ohne Entscheidung vergehe schade dem Ansehen von Papst Franziskus. Das ist ein ganz gefährlicher Satz. So sehr ich den Druck verstehen kann, so ist es doch nur ein klares Verfahren, was die Situation lösen kann.

Geduld ist anstrengend, aber die müssen wir jetzt aufbringen.

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8 Kommentare zu Verfahren

  1. Carmen Fink sagt:

    Dazu habe ich Fragen, warum streut Georg Gänswein diese Aussage: Kommission wird Tebartz-van Elst entlasten http://kath.net/news/44550 . Warum halten sich die Würdenträger im Vatikan nicht zurück? Dies dient nun auch niemanden sondern bringt Unruhe. Das der Spiegel oder der Focus spekuliert liegt in der Natur der Sache, bringt zwar auch Unruhe kann man aber einordnen. Kirchenmänner sollten nicht mitmachen finde ich und es ärgert mich auch und zeigt wie parteiisch die Herren sind. Franziskus wird entscheiden und alle sollten Geduld haben.

  2. Rudi sagt:

    Von Focus, Spiegel und Co. erwarte ich mittlerweile nichts anderes. Aber warum hat sich Erzbischof Gänswein zu Limburg geäußert?

  3. Arnd sagt:

    Ich frage mich dasselbe wie Carmen Fink. Und gebe mir als Antwort: Weil ein Kampf um das Kirchenbild inszeniert wird, die sog. Konservativen (Gänswien, Müller, Brandmüller) gegen die sog. Liberalen (viele dt. Diözesanbischöfe, die lieberale Öffentlichkeit). Die Medien saugen die gestreuten Informationen nur begierig auf. Die Quelle des Focus scheint Mons. Gänswein zu sein, denn er hat seine Auffassung, dass der Bischof von Limburg entlastet sei, in Übereinstimmung mit dem Focus, der sich auf „Vatikankreise“ berief, ganz offen geäußert. Er hat zu Zeiten Benedikts mit Hintergrundtreffen linientreuer Medien verdeckt Kirchenpolitik gemacht, nun muss er sich nicht mehr so zurückhalten. Ich denke, man kann also diese Meldung dem Focus nicht anlasten. Man hat der Information geglaubt. Ob der Spiegel recht hat, wird sich zeigen.

  4. Silvia Brückner sagt:

    Für mein Empfinden mischt sich Erzbischof Gänswein zur Zeit sowieso viel zu viel in Form von Interviews in die Kirchenpolitik ein.

    Jetzt hat er sich zum Beispiel zur bevorstehenden Wahl des Vorsitzenden der DBK geäußert.

    Ich finde es äußerst unangebracht, dass er sich öffentlich in Dinge einmischt, die den Präfekt des päpstlichen Haushalts nichts angehen.

    Er darf seine Privatmeinung haben, aber die gehört nicht als Interview in alle möglichen Zeitungen.

    Und dass er offenbar den Focus darüber informiert hat, dass eine Entlastung des Limburger Bischofs bevorstehe, empfinde ich als eine der typischen Intrigen, die man dem Vatikan nachsagt.

  5. S.G. sagt:

    In der heutigen Frankfurter Neuen Presse wird eine Theologin wie folgt zitiert:
    Der Bauskandal ist eigentlich nur die Spitze eines Eisbergs. Dem Konflikt um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst liegt vielmehr eine Schlachtlinie innerhalb der römisch-katholischer Weltkirche zugrunde, die im Bistum Limburg offen zutage tritt. Der Konflikt ist viel weitreichender, der durch den Limburger Bauskandal in der Öffentlichkeit lediglich überlagert wird.Innerhalb der katholischen Kirche und im Vatikan gibt es demnach einen Machtkampf zwischen rechtskonservativen und reformorientieren Lagern. Tebartz-van Elst sieht sich gestützt von Vertretern der rechtskonservativen Gruppe um Kurienerzbischof Georg Gänswein, den Vorsitzenden der Glaubenskongregation Erzbischof Gerhard Ludwig Müller und den scheidenden Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner. Der Erzbischof von Köln ist interessanterweise der direkte Dienstvorgesetzte des Limburger Bischofs und hätte eigentlich Tebartz-van Elst zur Ordnung rufen müssen. Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Interessen hat er das aber nicht getan. Diesen rechtskonservativen Kreisen ist die Struktur des Bistums Limburg mit seinen Synodalräten viel zu demokratisch. Nur zwei andere deutsche Bistümer haben vergleichbar „demokratische“ Strukturen wie die in Limburg. Sie sind der evangelischen Kirche näher als die klassisch hierarchisch geordneten Bistümer. Die ersten Amtshandlungen von Bischof Tebartz-van Elst seien bereits darauf ausgerichtet gewesen, diese 1969 eingeführten demokratischen Strukturen im Bistum Limburg zu zerschlagen. Die Gruppe um Meisner, Gänswein und Müller wollen in Limburg wieder ein vorsynodales Machtgefüge herstellen. In Tebartz-van Elst sehen sie einen Garanten für ihr Vorhaben. Die andere Gruppe wird innerkirchlich als „K8“ bezeichnet. Zu ihr gehört auch der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx. Gleich nach seiner Wahl hat Papst Franziskus dieses neue, achtköpfige Beratungsgremium selbst zusammengestellt. Die Gruppe dieser Kardinäle ist eher reformorientiert. Ihr Vorsitzender, Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga gab jüngst in Köln ein Interview, in dem er erklärte, Tebartz kehre unter keinen Umständen nach Limburg zurück. Man muss dies Aussage des Kardinals als kirchenpolitische Absichtserklärung verstehen. Der Sprecher des Bistums Limburg sagte gestern zu den Spekulationen, rund um Tebartz-van Elst könnte sich ein ideologischer Kirchenkampf abspielen: Die katholische Kirche lebt aus dem Glauben an Gott und aus der Freude des Evangeliums. Sie ist dabei vielfältig und gibt Raum für unterschiedliche Meinungen und Interpretationen. Diese Meinungen, Standpunkte und Interpretationen gibt es auch im Bistum Limburg. Mit eventuell auch bestehenden Extrem-Standpunkten identifiziert sich aber im Bistum Limburg keine Mehrheit. Der Bistumsleitung liegt sehr daran, mit den unterschiedlichen Gruppen, mit unterschiedlichen Meinungen und Standpunkten ins Gespräch zu kommen und im Gespräch zu bleiben. Tebartz arbeitet offensichtlich auf seine Wiedereinsetzung hin. Zumindest hat er durch die Rückendeckung in rechtskonservativen Kreisen des Vatikans die Hoffnung, dass er sein Amt wieder ausüben kann. Rein formal und kirchenrechtlich ist es äußerst schwer, einen amtierenden Bischof des Amtes zu entheben. Nach dem katholischen Kirchenrecht muss der Bischof selbst darum bitten, von seinem Amt enthoben zu werden. In jedem Fall müssen dramatische Gegebenheiten vorliegen, um die Rückkehr des Bischof nach Limburg unmöglich erscheinen zu lassen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Ohne die Dame, die da zitiert wird, zu kennen: Ich halte es für gefährlich, ein Verfahren zu einem Stellvertreterkrieg zu erheben. Hier geht es um angebliche Verfehlungen, die nachgewiesen werden können oder eben nicht. Hier geht es nicht um den Kampf zwischen links und rechts, gut und böse, schwarz und weiß. Das hilft beim Verständnis überhaupt nicht weiter.

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