Verstehe das einer

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Rorschach Test – Was sehen Sie?

„Nach Golde drängt, / Am Golde hängt / Doch alles.“ Der Seufzer Magaretes aus dem Faust hallt durch unsere Konsumkultur. Drängen und Hängen tut auch die Aufmerksamkeit in Sachen Vatikan;Vatikanbank und Moneyval stehen auf der Agenda. Zumindest für uns Vatikaner hier, ich denke nicht, dass dieses Thema das Sommerloch daheim bestimmt hat. Nur wir Römer wälzen uns durch die 240 Seiten Bericht.

Einfach ist das nicht. Schon während der Berichterstattung über die ‚Finanzprodukte’, die uns in die wirtschaftliche Krise geführt haben, habe ich innerlich die weiße Fahne gehisst. Das versteht doch kein Mensch mehr, wie dort gehandelt wird. Aber auch normale Geldgeschäfte sind nicht automatisch dem gesunden Menschenverstand zugänglich.

Seit Jahren versucht der Vatikan, klare Regeln und Transparenz seiner Geldgeschäfte herzustellen. Die Organisation, die er dazu zur Hilfe gerufen hat, ist Moneyval. Bei Moneyval geht es eigentlich darum, Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu überprüfen, es geht also vor allem darum, Geldwäsche über die Vatikanbank unmöglich zu machen.

Weil Bank- und Finanzabläufe aber komplex sind, dauert das. Strukturen müssen geschaffen (wie die vatikanische Aufsichtsbehörde, die Benedikt XVI. 2010 ins Leben gerufen hat) und Verfahren geklärt werden. Ob das von Erfolg gekrönt ist, darüber entscheiden die Experten von Moneyval.

Ein Fortschrittsbericht ist vom Vatikan in dieser Woche vorgestellt worden. Und schon wieder hisse ich die weiße Fahne. Dieses mal aber nicht vor dem Bericht, sondern vor der Berichterstattung. Alle möglichen Überschriften folgten der Veröffentlichung. Von „Vatikan besteht Test“ bis hin zu „Vatikan verfehlt Standarts“ war alles dabei. Manchmal sogar im selben Artikel.

Der Bericht ist schlicht zu komplex. Und er enthält Lob wie auch Kritik. Der Kollege John Allen nennt ihn einen „Rorschach-Test“ für Journalisten: Man könne darin finden, was man assoziativ wahrnehme.

Wie ist das also zu bewerten? Auf dem langen Weg zur Transparenz sei der Vatikan erstaunlich weit gekommen und das in sehr kurzer Zeit, so die Experten. Das reicht mir eigentlich als erster Eindruck. Die sich anschließenden benannten Probleme existieren noch, der zuständige Vatikanbeamte benannte sie bei der Vorstellung des Berichtes und garantierte, dass man dem nachgehen werde. Interessanter aber als die Einzelkritik finde ich die Gesamtwahrnehmung: Es gibt sie also, die Dynamik zu mehr Transparenz. Und auch wenn es nicht immer alles glatt geht und der Prozess nicht immer sofort die Ergebnisse zeigt, die die Überschriften sich wünschen, so beruhigt mich die Tatsache, dass die 240 Seiten des Berichtes den Fortschritt und den Willen zum Fortschritt dokumentieren. Weiter so.

Wiederhall gefunden hat das nicht. Was natürlich auch daran liegt, dass das Thema keinen Kontrast zulässt. Siehe die sehr unterschiedlichen Bewertungen. Außerdem sind Meldungen über die Normalität der Dinge nicht wirklich verkaufsfähig: Über einen Kreis der Interessierten hinaus wird das Dokument nicht wahrgenommen werden. Erst wenn es wieder einen so genannten Skandal gibt, dann wird die Aufmerksamkeit wieder kommen. Um den Vers Goethes ganz zu zitieren: „Nach Golde drängt, / Am Golde hängt / Doch alles. Ach wir Armen!”

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