Von Eitelkeit und großem Einsatz

Rom zu reformieren ist wie die Sphinx in Ägypten mit einer Zahnbürste zu reinigen: Lockere Worte wieder einmal, die eine ernste Realität beschreiben. Papst Franziskus hat seine Weihnachtsansprache an seine Mitarbeiter (es war nur eine Frau dabei) dazu genutzt, grundsätzliches zu sagen. Und mit diesem Zitat eines belgischen Bischofs aus dem 19. Jahrhundert begonnen. Er weiß, wovon er redet.

Um eine Reform zu erreichen, brauche es deswegen „Geduld, Hingabe und Takt“, weil die Kurie eine „alte, komplexe, ehrwürdige“ Institution sei, in der Menschen aus sehr vielen Kulturen arbeiten, vielen Sprachen, vielen Mentalitäten.

Alle Jahre wieder: der Papst und seine Kurie

Alle Jahre wieder: der Papst und seine Kurie

Und warum gibt es die Kurie? Um dem Petrusdienst zu dienen. Eine Verwaltung, die in sich selbst abgeschlossen sei – ich übersetze: die um sich selbst kreist – verrät den Grund, warum es sie überhaupt gibt.

Soweit, so gut. Es gibt aber wohl keinen Beobachter, der nicht halb auf die vergangenen Weihnachtsansprachen geschielt hätte, vor allem auf die 15 Krankheiten der Seele und die Antibiotika im Jahr darauf. Der Papst hält sich ja bekanntermaßen nicht zurück, wenn er zu den engsten Mitarbeitern und über die engsten Mitarbeiter spricht.

Aber leider gebe es eben auch diejenigen, die sich von Ehrgeiz oder Eitelkeit korrumpieren ließen und die Größe ihrer Verantwortung in der Reform und im Dienst nicht erkannt haben. Und wenn diese dann „schonend entfernt“ werden, machten sie sich selbst zu Märtyrern des Systems und zu Opfern des „nicht-informierten Papstes“ oder der „alten Garde“. Anstatt also eigene Fehler zu sehen, suchten diese die Schuld nur beim anderen.

Es versteht sich von selbst, dass der Papst – wie immer – keinen Namen nennt.

 

Das Lob nicht vergessen!

 

Dann kam aber auch gleich das Lob für den außerordentlich großen Teil treu arbeitender Menschen mit „lobenswertem Einsatz, Treue, Kompetenz, Hingabe und viel Heiligkeit“. Bitte bei der Wahrnehmung der Papstworte diesen Teil nicht vergessen!

Denn diese Formulierungen erwartet man ja irgendwie, lobende Worte scheinen nicht des berichtens wert. Die ersteren aber scheinen direkt aus den vielen Mediengeschichten über den Papst entnommen, der nicht-informierte Papst ist ein gerne genommener Vorwurf, auch die „alte Garde“ und so weiter. Und das sich selbst zum Opfer erklären haben wir auch schon mal gelesen, nicht wahr?

Das Gegenmittel: Mea culpa. Also auf sich selber schauen, die eigenen Fehler und Schwächen sehen und anerkennen statt das auf andere zu projizieren. Es ist also weniger eine systemische denn eine spirituelle Kritik, welche der Papst da äußert.

Dass in einer Institution wie dem Vatikan nicht alles glatt läuft, wissen wir. Dass das auch immer menschliche Geschichten sind, auch. Dass man sich gerne gegenseitig kritisiert, vor allem auch gerne privat oder anonym Journalisten gegenüber, ist ein vatikanischen Phänomen. Dass direkt kritisiert wird, ist in diesem Pontifikat neu, aber so wirklich überraschend auch nicht.

 

Anonyme Kritik

 

Ich lese die Ansprache von diesem Jahr so: Der Papst weiß sehr wohl, wie es um die Kurie und ihre Mitarbeiter bestellt ist. Er sagt nicht immer was, was ja auch nicht seine Aufgabe ist, aber er nimmt wahr, was schief läuft. Und er sieht auch das Gute, was leider bei der Berichterstattung gerne durch den Rost fällt. Ich gehe jede Wette ein, dass in jeder Überschrift zur Ansprache die Kritik genannt wird.

An dieser Stelle müsste man eigentlich über die zweite Ansprache von heute sprechen, die er an alle Mitarbeiter des Vatikan gerichtet hat. Da bat er – wie in der Vergangenheit auch schon – um Vergebung für die eigenen Fehler und die Fehler der Kleriker im Vatikan und lobte den Einsatz. Außerdem sprache er sich sehr deutlich für Arbeitnehmerrechte im Vatikan aus, auch das manchmal ein etwas schwieriges Kapitel.

Es war wieder einmal der reflektierende Blick auf die Kurie und deren Aktivitäten und Mitarbeiter, welchen der Papst an diesem Donnerstag geliefert hat. Direkt, deutlich in den Sprachbildern, kritisch aber auch lobend. Damit kann ich selber als Vatikanmitarbeiter gut arbeiten.

 

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13 Kommentare zu Von Eitelkeit und großem Einsatz

  1. Rosi Steffens sagt:

    Ihr 1. Satz brachte mich spontan zum Lachen, ich fühlte mich direkt angesprochen in meinen fruchtlosen Bemühungen, zu meinen eigenen PC Zugang zu erhalten.

    • Rosi Steffens sagt:

      Pater ich werde mich gerne an die vergangenen Jahre mit diesem Blog erinnern und hoffe er wird auch weiterhin bestehen bleiben.

      In der Regel ist es zwar so, dass auch mir persönliche Gespräche einen wesentlich besseren Zugang zu Menschen verschaffen, ich denke nicht so viel darüber nach was ich sage und handle dabei wesentlich spontaner, doch es macht mir auch großen Spaß mit Gedanken zu arbeiten, so wie Sie sie hier meist fordern, weil ich mich auch sehr gerne mit mir selbst auseinandersetze und deshalb hoffe ich, dieses Blog bleibt bestehen.

      In den vergangenen Jahren ist viel passiert mit dem ich nicht zu anderen Menschen gehen konnte, die Spaltung zwischen deren Realitäten und dem was ich mir nicht nehmen lassen wollte hat mich beinahe alles gekostet. Heute bin ich mir wenigstens Eines sicher, und das ist der Zusammenhalt einer Gemeinschaft, die Gott dienen will ist mehr wert als ein einzelner Kämpfer um das Recht auf Leben für alle.

      Die Kirchen schienen zu Beginn meiner Aufmerksamkeit den Glauben an Gott zu verlieren und ich musste mich einfach dafür einsetzen diese Litargie zu durchbrechen, denn was, wenn nicht die jährliche Wiederaufstehung in Christus, unserem Herrn, sollte uns die Kraft geben durchzuhalten und darüber Zeugnis abzulegen, dass nichts so viel Kraft schenkt wie die Liebe zu einem unschuldigen Kind.

  2. Rosi Steffens sagt:

    Pater Hagenkord, ich persönlich erhalte meine Antworten vom Papst über die neu Website vatikannews.va. Vielen Dank also für ihre so geduldige Auseinandersetzung mit mir, vielleicht haben wir ja einmal das Glück und sehen uns persönlich, ich kann zumindest Sie erkennen.

  3. carn sagt:

    Ist Ihnen eventuell bekannt, woraus z.b. die Stuttgarter Nachrichten folgern, die Papstktitik sei vor allem gegen Konservative gerichtet?

    https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.papst-kritisiert-verraeter-in-dem-vatikan-franziskus-zieht-gegen-konservative-vom-leder.a02b5e5a-e1a8-4685-b564-d880a23ee77f.html

    Habe jetzt auf Vatican news nur gesehen, dass er halt wie üblich die kritisiert, denen Regeln zu wichtig seien; aber dass diese Gruppe gleichbedeutend mit Konservativen sein sollen, sehe ich nicht so.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Sie kennen doch die automatischen Schnappbewegungen der Kollegen. Übrigens meiner Meinung nach einer der Gründe, weswegen immer weniger Leute Zeitung lesen: es ist so absehbar. Abgesehen dass das Etikett “konservativ” so wie es meistens benutzt wird wertlos ist, trifft es hier Leute rundum.

  4. carn sagt:

    “Und wenn diese dann „schonend entfernt“ werden, machten sie sich selbst zu Märtyrern des Systems und zu Opfern des „nicht-informierten Papstes“ oder der „alten Garde“. Anstatt also eigene Fehler zu sehen, suchten diese die Schuld nur beim anderen.

    Es versteht sich von selbst, dass der Papst – wie immer – keinen Namen nennt.”

    Hilfreich ist aber manchmal, wenn man gesagt bekommt, wo die eigenen Fehler denn liegen sollen.

    Z.b. hat Kardinal Müller einige Aussagen in Interviews gemacht, die danach klingen, als sei ihm das nicht gesagt worden. Und eventuell ist Kardinal Müller auch mit “schonend entfernt” gemeint.

    Bin blos froh, dass es mich nicht betrifft, denn zu verstehen, wen der Papst da wofür genau lobt und tadelt – also was die Betroffenen denn schlecht und was gut gemacht haben – kapiere ich nicht und würde ich wohl auch nicht als Kurienmitarbeiter kapieren.

  5. Eskilcgn sagt:

    Ich finde es echt klasse wie Franziskus das macht und das ja jetzt schon mit Tradition.
    Mich bei drucken seine Worte gegenüber der Kurie. Sein Lob und sein Tadel. Ich habe immer den Eindruck, dass es ihm um einen geistlichenWeg geht. Das hin zu bekommen ohne auf der einen Seite fromme Sauce über die Wirklichkeit zu kippen oder auf der anderen Seite sich in bloßen Strukturen zu verheddern ….. Alle Achtung.
    Vielleicht wäre das ein gutes Vorbild für manche Reform und Zukunftsbemühungen in unseren deutschen Bistümern.

    Auch seine Entschuldigung bei den Angestellten für die Kleriker. Spitze. Auch das sollte bei manch anderem Bischof schule machen.

  6. Marcantonio sagt:

    Die Zeit für die alljährliche Kurienbeschimpfung war mal wieder gekommen. Wir erleben das nicht zum ersten Mal.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Wo ist das bitte eine Beschimpfung?

      • Marcantonio sagt:

        Das Wort “Krebsgeschwür” würde ich jetzt nicht gerade als Liebkosung auffassen. Aber vielleicht meinte er damit ja auch kein Mitglied der Kurie sondern einen Vertrauten aus der Peripherie, der gerade die Schlagzeilen dominiert.

    • Reflexion eines Jahres würde ich dazu sagen.
      Nützt ja nichts Süßholz zu raspeln, dann ändert sich nie etwas.
      Ich mag seine direkte Art sehr, da weiß jeder woran man ist.
      Was wir immer sehr gut gefällt ist das Franziskus am Ende seiner Rede Bücher verschenkt dir seiner Rede unterstreichen.

  7. Christa sagt:

    Klare Worte, von Papst Franziskus und auch von Ihnen sehr sachlich berichtet. Dass Sie ausdrücklich das Lob des Papstes erwähnen, gefällt mir ebenfalls. Leider ist es tatsächlich so, dass zu 90 % die Kritik in der Rede des Papstes wahrgenommen wird – einfach mal googeln…

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