Was der Mönch in der Seelsorge zu suchen hat

Und wieder öffnet Papst Franziskus einen neuen Reform-Schauplatz. Es ist ja nicht so, dass es davon nicht schon genug gäbe, der Papst fügt noch eines hinzu: Das Verhältnis von Bistümern zu Ordensgemeinschaften. Ende November hatte er zu Ordensoberen von Männergemeinschaften gesprochen, an diesem Wochenende wurde das Protokoll offiziell in einer italienischen kirchlichen Zeitschrift veröffentlicht.

Mönche in Heiligenkreuz

Mönche in Heiligenkreuz

„Mutuae relationes“ heißt das Dokument von 1978, das diese Beziehungen regeln sollte. Es war nach dem Zweiten Vatikanum verfasst worden, denn das Konzil hatte die Beziehungen ganz grundsätzlich geändert. Vorbei war es mit der Exemption der Orden, also der Nichtunterstellung der Gemeinschaften unter das Prinzip der Ortskirchen. Damals war gestritten und mit harten Bandagen gekämpft worden. Dass es bereits zehn Jahr nach dem Konzil Ausführungsbestimmungen brauchte, zeigt, wie komplex das Verhältnis bis heute ist.

 

Drei Probleme

 

Problem eins: Männerorden haben Priester, die nicht in der Gemeindeseelsorge eingesetzt sind. Viele Gemeinden haben keine Priester mehr, bzw. ein Priester ist für viele Gemeinde oder Gemeindeverbände zuständig. Da kommt schon mal die Frage auf, warum der Pater – zum Beispiel der Autor dieser Zeilen – eigentlich als Priester beim Radio arbeitet, was ja auch Nichtpriester können, und nicht in der Gemeindeseelsorge, wo er vielleicht gebraucht würde.

 

Problem zwei: Wenn ein Orden eine Institution nicht mehr halten kann, dann gibt er diese auf, ein Krankenhaus, eine Schule oder eine Hochschule etwa. Wenn es aber eine Pfarrei betrifft, wird es haarig, denn der Bischof kann nicht dasselbe tun, eine Pfarrei einfach aufgeben und sagen, das Bistum ziehe sich jetzt zurück. Ein Orden legt also das Problem auf den Schreibtisch des Bischofs, „jetzt bist du wieder dran“.

 

Problem drei: Viele Orden nehmen zahlenmäßig ab, vor allem in unseren Breiten. Da zieht man sich spirituell und als Organisation auf das Eigene zurück, ohne Rücksicht auf Pastoralpläne, Projektprozesse und Steuerungsgruppen. Orden denken nicht in Bistumsstrukturen, sondern – je nach Größe – weltweit.

 

Viel Spielraum für Spannungen also. Und nun kommt Papst Franziskus und will das neu regeln. Vielleicht ist er der Ideale Papst dafür. Der Papst war in Argentinien ein Bischof und ist nun in Rom auch ein Bischof und versteht sich auch so. Seine vielen Aktivitäten, Besuche und die Einladung an römische Gemeinden zu seinen Morgenmessen zeigen das. „Nachfolger Petri und Bischof von Rom“ war der Titel, den er zu beginn immer und immer wieder benutzt hat.

Der Papst war aber auch ein Ordensmann und – der veröffentlichten Mitschrift eines Treffens mit Ordensoberen nach – versteht sich auch immer noch als ein solcher. In einer Predigt vor Mitgliedern des Jesuitenordens vor zwei Wochen hat er mehrfach von „wir Jesuiten“ gesprochen. Das gab es lange nicht mehr, der letzte Ordensmann in der Nachfolge Petri war ein Kamaldulensermönch, Gregor XVI. (+ 1846). Und der war noch nicht einmal Bischof, als er zum Papst gewählt wurde. Und seitdem hat sich viel geändert im Verhältnis von Orden zu Bistümern.

Orden haben ein anderes Verständnis von Gehorsam, von interner Kommunikation, Orden lassen nur eigene Mitglieder auf Entscheidungspositionen, Orden sind Lebensgemeinschaften, die nach eigenen Regeln funktionieren, sie lassen sich nicht nach den üblichen Regeln von Organisationsentwicklung und Leitung verstehen.

Bistümer wiederum sind das theologische Ordnungsprinzip der Kirche. Da kann – und darf – man nicht einfach ausscheren. Also genug Spannung.

Glatt auflösen lässt sich das nicht. Wenn der Papst sagt, er will einerseits nicht, dass die Orden „Hilfsmaterial“ seien, andererseits kenne er die Spannungen gut, die sich zum Beispiel der Aufgabe einer Ordensniederlassung ergeben, dann legt er den Finger genau in die Wunde. Ein weiteres Reform-Thema also.

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38 Kommentare zu Was der Mönch in der Seelsorge zu suchen hat

  1. Silvia Brückner sagt:

    Ich denke, auch was dieses Thema – den von Papst Franziskus neu eröffneten Reformschauplatz, wie Sie, lieber Pater Hagenkord das nennen – angeht, muss man offen sein für Veränderungen.

    Unsere Kirche befindet sich in einer Phase des Umbruchs, sa müssen Alle Federn lassen.

    Ansonsten höre ich aus Ihren Blogbeiträgen einen zunehmenden Unmut an Ihrem „neuen Chef“ heraus. Sehen Sie es mal positiv: Sie verdanken es dem Führungsstil des „neuen Chefs“, dass Sie sich getrauen können, Ihren Unmut hier offen zu äußern und zur Diskussion zu stellen, ohne deswegen Ihre Stelle bei Radio Vatikan zu gefährden.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Dass ich mit dem neuen Papst nicht zufrieden sei, höre und lese ich hier schon zum wiederholten Male. Ich weiß nicht, was Sie da herauslesen oder hineinlesen, aber das stimmt nicht. Unmut soll ich hier äußern? Das ist reine Phantasie.

      • Rudi sagt:

        Ja Herr Pater Hagenkord , so muss das wohl sein, auch sie müssen „Federn lassen“ und stehen dann ganz schön gerupft da. Nichts für ungut, aber manches kann man nur mit Humor nehmen.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Tut mir Leid, aber ich verstehe nicht, was Sie da sagen wollen. Warum stehe ich jetzt gerupft da?

          • Rudi sagt:

            Mit „gerupft“ meinte ich so einen Wortwechsel den sie mittlerweile mit Frau Brückner geführt haben und der sich schon im ersten Kommentar abzeichnete. Ich bitte um Verzeihung für meinen missverständlichen Kommentar.

      • smilodon sagt:

        Machen Sie sich keine Gedanken, Pater Hagenkord. Für Frau Brückner ist jeder Beitrag, in dem Franziskus nicht ausdrücklich bejubelt wird, ein Franziskus-kritischer Beitrag.

    • Arnd sagt:

      Frau Brückner, ich denke Sie verwechseln gebotende journalistische Zurückhaltung mit Unzufriedenheit.
      Ich kann auch ganz gut verstehen, dass Pater Hagenkord als Jesuit etwas zurückhaltender berichtet als es jemand täte, der nicht derselben Ordensgemeinschaft angehört. Sonst gilt man schnell als kritikloser Cheerleader.

      • Silvia Brückner sagt:

        @Arnd, ich meine nicht die „gebotene journalistische Zurückhaltung“ sondern deren Gegenteil zwischen den Zeilen.

        Aber weil P.Hagenkord schon selbst das Thema angeschnitten hat:
        Warum muss eigentlich ein Priester die deutsche Redaktion von Radio Vatikan leiten, wenn Priester in den Gemeinden dringend gebraucht werden?

        Ich würde mir ja ins Fäustchen lachen, wenn Papst Franziskus selbst auf diese Idee käme!!!!

        • Pater Hagenkord sagt:

          Warum würden Sie lachen?

          • Silvia Brückner sagt:

            Warum ich lachen würde? Weil es Ihnen dann passieren könnte, dass Sie Ihren Sessel bei Radio Vatikan mit dem mit Sicherheit härteren Stuhl eines Gemeindepfarrers vertauschen müssten.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Ihre Arroganz möchte ich besitzen.

          • Silvia Brückner sagt:

            Warum so heftig, P. Hagenkord? Kann es sein, dass ich ins Schwarze getroffen habe? Wenn ja, was wäre daran arrogant?

          • Pater Hagenkord sagt:

            Ein netter Versuch, einfach das Gegenteil aus dem heraus zu lesen, was ich sage. Nein, Sie haben nicht ins Schwarze getroffen, nicht mal in die grobe Gegend des Ziels. Sie haben schlicht nicht verstanden, worum es mir geht und machen sehr heftige Vorwürfe ohne mich zu kennen. Priestertum – wie andere Kommentatoren hier geschrieben haben – versteht sich weiter als das Füllen von Pfarreistellen. Warum unterstellen Sie mir, ich würde mir einen netten Beruf aussuchen anstatt die Härten der Pastoral zu suchen? Das ist ziemlich daneben.

        • herzbua sagt:

          So richtig gut scheinen sie mir doch nicht informiert zu sein liebe Frau Brückner: Wenn es nicht gerade um die extrem kontemplativen Orden geht, ist es zumindest in unseren Breiten üblich, dass Mitglieder der Abteien und Klöster die um ihr Kloster herum gelegenen Pfarreien versorgen und als Pfarrer „installiert“ sind, und das nicht erst seit der Säkularisation. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein Mönch, der das kontemplativen Leben gewählt hat, in einer Pfarrei tätig sein kann. Ich gehe davon aus – und Pater Hagenkord kann mich gerne korrigieren – dass auch die Jesuiten weltweit Pfarreien versorgen. Somit sehe ich in dem ganzen gar nichts Neues. Zur Unzufriedenheit mit unseren neuen Papst: in meinen Augen versucht er mit seinen täglichen Predigten zu viel auf einmal unters Volk zu bringen. Mir redet er zu viel.

  2. KRP sagt:

    Mit den Orden denke ich verhält es sich wie mit den Familien, sind Ordensgemeinschaften doch wie ein Familienverbund es sollte bestimmt jedes einzelne Mitglied in diesem Verbund von Gemeinschaft seine Stellung und Platz finden. Wie in jeder Familie wird das sicher nicht ohne entsprechende Spannungen gehen, wie es unter Menschen üblich ist. Ich denke mal die Phase des Umbruchs hat nicht erst gestern begonnen bzw. vor ca. einem Jahr sondern schon viel früher denn ohne den Rücktritt den es so noch nicht gegeben hat, würde niemand von Reform der RKK sprechen. So sehr ich mir gerade im ökumenischen Bereich ein zusammenwachsen der Konfessionen wünschen würde kann eine Reform doch nicht von heute auf morgen oder bereits gestern passieren.

    • Silvia Brückner sagt:

      Was den von Ihnen angesprochenen Rücktritt anging, der erfolgte aber erst vor knapp einem Jahr und war an sich schon so etwas wie eine Reform des Papstamtes.

      • KRP sagt:

        Ich meine das stand schon länger fest so wie ich Papst em. kenne und genau das habe ich doch geschrieben das da die Reform schon begann.

      • KRP sagt:

        Und nicht nur seit dem Rücktritt sondern es begann schon mit all den vielen Kritiken und Aufdeckungen die ja auch von irgendwo her gekommen sind. Genauso wie die Missbrauchsdebatten die sind auch schon seit mehreren Jahren.

  3. Br. Martin sagt:

    Danke für die Zusammenfassung. Es bleibt spannend, auch und gerade für uns Ordensleute.

  4. Jeannette Meyer sagt:

    Wie interessant, von dererlei Kircheninterna zu lesen. Das Ordensleben ist mir nicht bekannt, mit Benediktinern, Franziskanern und Redemptoristen hatte ich jedoch schon näheren Kontakt. Dass sich das Verhältnis zwischen den Orden und den Bistümern auch heute spannungsreich gestaltet. kann ich mir gut vorstellen, ein gewisser „Eigensinn“ der Ordensangehörigen gehört ja auch zu ihrem Selbstverständnis in der Nachfolge. Als mit Papst Franziskus der Aspekt der Armut wieder in den Vordergrund gerückt ist, musste ich daran denken, wie ich vor einiger Zeit in dem Roman „Der Name der Rose“ von dem Philosophen U. Eco über den jahrhundertealten Reiz von Reichtum und Armut in der Nachfolge Christi gelesen habe. Von Eco wird sehr anschaulich im Kapitel „Fünfter Tag“ ein Disput im 14. Jahrhundert zwischen Minoriten und ihren Kritikern, ich meine, es war zumindest ein Dominikaner dabei, auch Bischöfe und gelehrte Theologen, geschildert, wobei dort alle doch sehr bemüht waren, in Treue zum Heiligen Stuhl zu erscheinen. Die Fliehkraft ist in der Kirche wohl zu allen Zeiten extrem stark und der Papst ist zu keiner Zeit um die Aufgabe zu beneiden, dieses enorme Wirken zusammenzuhalten.

  5. Grüblerin sagt:

    Guter Artikel, der ein sehr spannendes Themenfeld darstellt, über das bis jetzt recht wenig in der Öffentlichkeit zu lesen ist / war. Jedenfalls habe ich nicht soviel davon mitbekommen.
    Doch ist das nicht alles ein bisschen viel auf einmal an Reformen? Wird denn der Überblick behalten??

  6. Marco Hüsing sagt:

    Ich bin der Meinung, man muss die Priesterberufung von der Pfarre berufung trennen. Es muss unterschieden werden, ob jemand zum Pfarrer oder Kaplan sein berufen ist, oder zum Priestersein allein. Vor allem in kontemplative Orden sehen sich die Priester nicht als Pfarrer, aber als gute Priester. Vor allem ein Benediktiner-Mönch ist nicht im allgemeinen Berufen in der Pfarrei zu hocken, sondern ist berufen zum Lob-Gottes. Vielleicht gibt es in einigen Klöster zu viele Priester. Die unnötig sind. Aber muss man alles mit den Nützlichkeit abgegolten werden?
    Und P. Hagenkort, auch Sie kennen bestimmt Mitbrüder, die gute Priester sind, aber als Pfarrer schrecklich wären. Ich studiere in Sankt Georgen und habe mit einigen Priester zu tun. Ich hoffe Rom fängt an wieder mehr zu differenzieren und den Geist raum zulassen und auch Priester im Kloster zu lassen ohne Pfarrei. Da können sie auch den Seelen helfen.

  7. KRP sagt:

    Ich finde es gut das P. Hagenkord nicht nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ schreibt sondern aus der Sicht aller Kirchenmitglieder auch aus Sicht der Orden und das auch Orden sich ggf. auf Abstriche gefasst machen sollten. Den „Jubel“ und die „Schönrederei“ gibt es in der normalen Deutschen Pressearbeit zur Zeit eh reichlich genug. Ich bin ja mal gespannt wenn die ersten kritischen Presseberichte die Runde machen und wie dann die Reaktionen sind? Das wird dann bestimmt lustig. 🙂

  8. Peter Lauschus sagt:

    Als „Weltpriester“ einer deutschen Diözese, der mit mehreren Ordenspriestern in einem Pastoralen Raum zusammenarbeitet, möchte ich bemerken, dass eine Zusammenarbeit gut geht, aber Ordenspriester als Lückenbüßer? Nein! Jeder Orden hat sein Charisma und seine Aufgabe. Einen Dominikaner zum Pfarrer zu machen, nur weil er Priester ist, wäre dann falsch, wenn er dadurch das Charisma seines Ordens und die Gemeinschaft seines Ordens für die er sich entschieden hat, nicht mehr leben kann. Ein Dominikaner (Jesuit, Franziskaner, Benediktiner ….) soll seine Berufung leben, damit hilft er der Kirche genauso, wie ein Weltpriester der sein Charisma in der Diözese lebt.

  9. S.G. sagt:

    Meine Meinung ist, dass die Orden in der bisherigen Geschichte immer die Kirche reformiert haben. In den Orden wird die Gottesliebe tagtäglich praktiziert.
    Nur wenn man tagtäglich im Gespräch mit Gott ist, kann man auch eine Beziehung zu Gott haben/finden. Die Ordensleute müssen, ob sie wollen oder nicht, mitten in der Arbeit zum Gebet schreiten. Sie können sich somit Gott „ohne Wenn und Aber“ hingeben, ohne dass irgendjemand was dagegen sagen kann. Eine Beziehung lebt nun mal von regem Austausch.
    Diesen regelmäßigen Austausch sehe ich bei den Weltpriestern leider nicht gegeben. Sie „verkommen“ immer mehr zu Managern ihrer Gemeinde. Warum muss zum Beispiel ein Priester Verwaltungsratvorsitzender sein? Warum können das nicht hauptamtliche Laien machen? Warum muss ein Priester Caritasrektor sein? Kann das nicht ein hauptamtlicher Laie (hier könnte man doch Frauen einsetzen!) machen? Ein Priester sollte eigentlich ständig für die Gemeinde beten, da die Gemeindemitglieder durch ihre weltliche Arbeit keine Zeit dafür haben. Der Priester sollte durch seinen Dienst die Gemeinde heiligen. Da aber selbst in der Kirche alles verwaltet werden muss, hat der Priester keine Zeit mehr für den täglichen Gottesdienst, die regelmäßige Beichte, die Seelsorge und das persönliche Gebet. Ohne den Weinstock (Jesus) vertrocknet die Rebe (Priester). Wenn man heutzutage Seelsorge benötigt, antwortet der unpersönliche Anrufbeantworter – oft kommt nicht einmal ein Rückruf zustande. Bei uns im Bistum wird jetzt angedacht, dass die Pfarrsekretärin pastoral ausgebildet werden soll, da sie die erste Anlaufstelle in der Gemeinde ist, damit der Pfarrer entlastet werden soll. Die Sekretärin soll dann die Fähigkeiten einer Pastoralreferentin haben, zu einem 480,00 €-Job!
    Wie soll diese damit, wenn sie zum Beispiel alleinerziehend ist, ihre Familie ernähren können? Weil die Welt- Kirche keine Priester mehr hat, kommen solche „Schnellschüsse“ zustande…
    Jetzt sollen die Orden dafür herhalten, das finde ich unmöglich!
    Wenn jemand in einen Orden geht, hat dieser bewusst eine Form gewählt, die der Welt abgewandt ist – warum sollen diese Ordensleute Lückenbüßer für eine verfehlte Personalpolitik der Weltkirche spielen? Die Kirche soll mehr Frauen (Laien) in den Personalstellen, Führungspositionen, Gemeinden anstellen, damit die wenigen, noch vorhandenen Weltpriester entlastet werden. Hier kann sich die Deutsche Katholische Kirche profilieren! Weibliche Personalchefs haben bestimmt auch ein besseres Gespür bei der Einstellung eines Priesters in der jeweiligen Gemeinde (siehe Kindesmissbrauchsdebatte).
    Das Kloster Heiligenkreuz hat Zulauf ohne Ende. Hunderte von Jugendlichen kommen zu den Virgilen, da man in diesem Kloster förmlich Gottes Gegenwart spürt. Und warum? Weil dort die Priester durch das Stundengebet und die täglichen Messen fest in Gott verankert sind und das strahlt dann auf die Besucher ab.
    Strahlen unsere Gemeindepfarrer Gottes Gegenwart aus?
    Das möchte ich bezweifeln…..

  10. Elisabeth sagt:

    Insgesamt eine sehr aufschlussreiche Diskussion; Ordensleute sollten tatsächlich nicht als „Ersatzpriester“ herhalten…sie würden in kürzester Zeit genau so zu Gremienmanagern „verkommen“ wie es heutzutage den meisten „Weltpriestern“ beschieden ist.
    In meiner Jugendzeit boomten die sogenannten Volksmissionen; da kamen Patres verschiedener Ordensgemeinschaften, predigten, hielten eucharistische Anbetungsstunden für die diversen „Stände“, waren zu Beichte und Beichtgesprächen bereit und „erweckten“ einfach!! So gesehen waren sie echt eine große Hilfe für die örtlichen Seelsorger, indem sie den Acker aufbrachen, sodass der Samen wieder neu gestreut werden und gediegene Frucht hervorbringen konnte!
    Mit einem anderen „Phänomen“ bin ich konfrontiert: Durch die katholischen Fernsehsender wie EWTN, K-TV, KTO usw…bekommen speziell die älteren Leute mit, dass es eigentlich so viele junge Priester gibt (Heiligenkreuz, Wigratzbad, Legionäre Christi usw…) und ich höre manchmal die erstaunte Frage: “Wo werden denn die einmal alle eingesetzt? Als Sozialarbeiter in ferne Länder geschickt zu werden, sind die eigentlich zu schade…solche Leute bräuchten wir hier usw….“
    Dieser Ansicht bin ich mittlerweile auch; mit der wunderbaren Vermehrung von Pastoralen MitarbeiterInnen (was immer damit gemeint ist) ist nämlich niemandem gedient; es wird die Papierkirche weiter gefördert, das Wesentliche bleibt auf der Strecke. Wie weiter oben ganz richtig erkannt wird, lebt eine Berufung vorwiegend von der Verbindung mit dem HERRN sprich Gebet und Stille. Und dafür haben viele „Pastorale“ weder Lust noch Zeit dazu. Da strahlt so manches „Rosenkranz-Muatterl“ mehr „religiöse Kompetenz“ aus!
    Unterm Strich gesehen scheint echt nichts übrig zu bleiben, als die Suche persönlich aufzunehmen; Beichtzentren, Gnadenstätten, Wallfahrtsorte und Gebetszentren aufsuchen und vertrauensvoll den Hl. Geist mit dem „Stillen der Sehnsucht“ zu beauftragen.

  11. chrisma sagt:

    „Meine“ Kirche in „meiner“ Stadt wird von Dominikanern geleitet. (Stadtkonvent) Und das ist gut so, sehr gut. Wir bekommen viel von der/dem dominikanischen Spiritualität/Charisma „geschenkt“, herausragende Predigten und sehr gut vorbereitete, sehr persönlich geleitete Liturgien, Seelsorge in des Wortes bester Bedeutung. Unsere Kirche ist Anziehungspunkt für die vielen „verstreuten“ Gläubigen, die in ihren Gemeinden keine Heimat finden oder was auch immer sie zu uns bringt. Es gibt einen zweiten Stadt-Konvent von Franziskaner geleitet, hier hat die typisch franziskanische Spiritualität/konkrete Hilfeleistung ihren Ort, dieses schlichte Stadtkloster liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Franziskaner betreuen seelsorgerisch ihre Stadtgemeinde, zusätzlich haben die Franziskaner im Zuge der Gemeinde Reform Ihre frühere sehr schöne alte Barockkirche wieder mit übernommen, dort gibt es ein Pastoral-Team bestehend aus OP/OFM und Stadtdechant, der aber noch seine eigene Kirche betreut und eben die Stadt. Bei uns funktioniert es also. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Charisma der rein kontemplativen Orden (so wie Benediktiner, Kartäuser etc.) zur konkreten Arbeit in den Gemeinden oder im City- Pastoral nicht so gut geeignet ist. Ich denke nicht, dass die Lösung sein kann Ordensleute aus den Klöstern, herauszulösen und in den Gemeinde Alltag zu „werfen“ . Es wird problematisch sein, bei der Auflösung einer Ordensniederlassung mal soeben die „übrig gebliebenen“ auf die Gemeinden zu verteilen. Die Orden haben die Kirche ja nun im Laufe unserer Geschichte die Kirche wieder und wieder aufgeweckt, richtig angefangen könnte diese Reform auch eine gegenseitige Befruchtung geben. Ich bin gespannt, wie Franziskus diese Reform organisatorisch angehen wird, in Zusammenarbeit mit den Orden selbstverständlich. Den Finger in die Wunde legen ist eines, die Wunde heilen ein anderes.

    • Silvia Brückner sagt:

      Ich bin als Kind einige Jahre in einer Franziskanerpfarrei in Nürnberg aufgewachsen (vor und während des Konzils) und habe gute Erinnerungen an diese Zeit.

  12. KRP sagt:

    Eine Frage habe ich noch zu Reformen die ggf. auf Orden zu kommen könnten. Die Angst die ich aus einigen Kommentare herauslese das Ordenspriester als „Lückenbüßer“ herhalten könnten ist sicher unbegründet, denn woher sollen denn diese Ordenspriester kommen wo doch die Orden auch mit dem Nachwuchs zu kämpfen haben. Soweit ich das von manchen Orden mitbekommen haben wird der Nachwuchs immer weniger und die Ordensmitglieder sind oft überaltert.

  13. Silvia Brückner sagt:

    Was ich nicht verstehe ist Folgendes:

    Unser Papst ist Jesuit und war vorher lange Diözesanbischof und davor Weihbischöfe. Der neue Erzbischof von Salzburg ist Franziskaner, diverse Kardinäle, die auch Diözesanbischöfe sind, sind ebenfalls Ordensmänner.

    Wie vereinbart sich das dann mir deren spezifischem Ordenscharisma? Keiner von denen lebt in einem Kloster, alle die von mir Genannten sind in der Leitung einer Diözese tätig, der Papst selbst leitet die Weltkirche.

  14. Peter Lauschus sagt:

    Man muss natürlich auf den jeweiligen Orden und sein Charisma schauen: Franziskaner und Dominikaner sind als Stadtorden gegründet worden um in der Seelsorge zu arbeiten, Jesuiten auch, Zisterzienser eigentlich nicht, aber Joseph II. von Österreich hat sie dazu gezwungen in die Pfarrseelsorge zu gehen. (Gab es vorher auch schon durch inkorporierte Pfarreien, entspricht aber nicht der Ursprungsintention).

    • Es öffnen sich ja immer mehr Klöster für Gäste, die aber ansonsten ihren Ordensregeln verbunden leben und gerade damit in Atmosphäre und Heilsamkeit wirken und kostbar sind. So sollte es auch bleiben. Als überzeugendes Gegenmodell für die modernen Menschen, die sonst zu anderen Dingen abdriften, die ihnen vordergründig Stille und Meditation und Sinn versprechen, diese im Kern aber nicht haben, weil Gott fehlt.
      Und die Orden, zu deren Schwerpunkten die Seelsorge gehört, haben auch eine ganz besondere Ausstrahlung. So liebe ich die Münchner Bürgersaalkirche der Marianischen Männerkongreation, die von Jesuiten geführt wird. Mittags um zwölf Uhr zum Angelus und GD ist die Kirche immer erstaunlich voll. Es tut einfach gut, mitten in München dort eine Auszeit zu nehmen in dem ganz besonderen Geist, der dort herrscht, zu „aufzutanken“ und im Tag weiter zu gehen.

  15. Pingback: Klöster, Orden und die Seelsorge: Geistliche Zentren | Laudetur Jesus Christus

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