„Wir können nicht einfach tun, was wir immer getan haben“

(c) M Härtig / TMA Hellerau

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Weltmissionssonntag. Ein sperriger Titel. Ein Titel, der in unserer Sprache eher hinderlich ist als förderlich, wenn es um Verkündigung und Glauben und so weiter geht. Und vor allem ist er eine Mauer, wenn es um den ‚digitalen Kontinent’ geht. Der Papst hat am Dienstag seine Botschaft für den diesjährigen Tag dieses Titels vorgelegt. Und ich mag mir meine Gedanken dazu machen.

Auf meinem digitalen Schreibtisch liegt schon seit längerem eine kurze Rede, die vor knapp einem Jahr gehalten wurde, die zu bearbeiten ich aber nicht gekommen bin. Erzbischof Claudio Celli hat sie bei der Bischofssynode hier in Rom gehalten; Celli ist Präsident des Päpstlichen Rates für Kommunikation, also der Leiter der Fachstelle für den berühmten ‚digitalen Kontinent’. Jetzt bin ich durch eine Anfrage auf eine deutsche Übersetzung aufmerksam gemacht worden, und mich bei Georg Schimmerl bedankend greife ich diese Übersetzung auf.

 

„Die Neuevangelisierung fordert uns heraus, die „Neuheiten“ in unserem kulturellen Umfeld aufmerksam wahr zu nehmen und  sie fordert  uns auf, die Gute Nachricht von Jesus Christus zu verkünden. Sie fordert uns heraus, auch auf die neuen Methoden die wir nützen sollten, zu achten.  Die neuen Medien sind für beide Aufgaben von Relevanz, weil sie zurzeit die Kultur, in der wir leben radikal verändern und uns zugleich neue Wege öffnen, um die Botschaft des Evangeliums mitzuteilen.“

 

Celli spricht dann von den technischen Veränderungen, dass brauche ich hier nicht wieder zu geben. Dann aber qualifiziert Celli die Änderungen:

 

„Die neuen Technologien haben nicht einfach nur unsere Art zu kommunizieren verändert, sie haben unsere Kommunikation selbst umgeformt. Die neuen Technologien und die neuen Medien schaffen zurzeit eine neue kulturelle Infrastruktur, die die Landschaft und das Gebiet der Kommunikation selbst beeinflussen. Diese neue Kultur verändert das Leben der Menschen und ihre Weisen, zu kommunizieren. Wir können nicht einfach tun, was wir immer getan haben indem wir die neuen Technologien nur benutzen. Wir brauchen heute mehr als je zuvor die „Kühnheit und Weisheit“ von der Paul VI in „Evangelii nuntiandi“ sprach.“

 

„Wir können nicht einfach tun, was wir immer getan haben indem wir die neuen Technologien benutzen.“ Den Satz muss man sich auf der Zunge und im Hirn zergehen lassen. Sein Schluss: Kirche muss ihre Kommunikation verändern, und zwar nicht nur die Form.

 

„Es ist bereits ein Gemeinplatz, wenn man sagt, dass der Stil der Auseinandersetzung im digitalen Forum, vor allem im sogenannten Web 2.0 spontan, interaktiv und partzipativ ist. Als Kirche sind wir mehr daran gewöhnt, zu predigen, zu lehren, und Erklärungen herauszugeben. Das sind wichtige Aktivitäten, aber die wirksamsten Formen der digitalen Auseinandersetzung sind jene, die die Menschen direkt einbeziehen, die versuchen auf ihre spezifischen Fragen zu antworten, und die offen sind für den Dialog. In der Kirche sind wir daran gewohnt, geschriebene Texte als Kommunikationsmittel  zu gebrauchen. Ich bin nicht davon überzeugt, dass diese Form die Jüngeren anspricht, die an eine andere Sprache gewohnt sind, eine Sprache die vor allem in der Konvergenz von Wort, Schrift, Ton und Bild wurzelt.“

 

Aber das ist noch nicht alles: Kommunikation in der bunten neuen Welt findet eben nicht nur an der Tastatur des Computers statt:

 

„Wir müssen die Kapazitäten der Kunst, der Musik, der Literatur wiederentdecken, damit es uns gelingt, die Geheimnisse des Glaubens auszudrücken und Geist und Herzen zu berühren. Wir müssen neu lernen, der Welt in der wir unseren Glauben feiern, zu zeigen, wie wir zu dienen versuchen, wie unser Leben voll ist von Gnade und Segen.

(…) Ein großer Teil unserer religiösen und kirchlichen Sprache ist sogar für Gläubige schwer verständlich. Viele unserer Bilder und Symbole müssen unseren Zeitgenossen erklärt werden, vor allem der jungen Generation, die keine religiöse Bildung erhalten hat – weder in  der Familie noch in der Schule. Wir können auch in unseren traditionell christlichen Ländern nicht mehr davon ausgehen, dass man mit unseren grundlegenden Überzeugungen vertraut ist. Wir können die Inhalte unseres Glaubens nicht verniedlichen oder reduzieren aber wir sind gerufen neue Weisen zu finden, ihn in seiner Fülle auszudrücken.“

 

Das alles ist aber quasi nur ein Vorspiel zu dem, was Kommunikation bei den Kommunikatoren verändert:

 

„Eine andere Charkteristik der neuen Medien kann eine besondere Herausforderung für das kommunikative Engagement der Kirche darstellen: die neuen Medien sind wirklich eine offene Welt, frei, „auf Augenhöhe“, sie anerkennen oder privilegieren nicht automatisch Beiträge von etablierten Autoritäten oder Institutionen. In einem solchen Umfeld ist Autorität kein Recht sondern muss verdient werden. Das bedeutet, dass die kirchliche Hierarchie genauso wie die politische und  gesellschaftliche neue Formen finden muss, um ihre eigene Kommunikation zu erarbeiten, damit ihr Beitrag in diesem Forum die angemessene Aufmerksamkeit erhält.“

 

Nun könnte man das so interpretieren, als hebelte Celli hier das Amtsverständnis der Kirche aus: Autorität kommt nicht von der Weihe, sondern von der Gemeinde her. Aber ich glaube nicht, dass er hier darum geht. Ich glaube eher, dass diese an der Realität der Dinge gemessene Sicht Freiräume schafft auch für das Amt.

 

„Wir lernen gerade, das Modell des „Pults und der aus Respekt gegenüber unserer Position  zuhörenden Versammlung“ zu überwinden. Wir sind verpflichtet uns so auszudrücken, dass wir einbeziehen und andere gewinnen, die ihrerseits mit ihren Freunden unsere Ideen teilen als „followers“ und Partner im Dialog. In diesem Sinn wird die Rolle der Laien immer zentraler.  Wir müssen  die Stimmen der vielen Katholiken in den Blogs und sozialen Netzwerken und anderen digitalen Foren „aufwerten“,  damit sie evangelisieren, die Weisungen des Evangeliums teilen , die Lehre der Kirche darstellen  und auf die Fragen der anderen antworten können. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir ihnen eine bessere Ausbildung und Information anbieten können, damit sie glaubwürdige und überzeugende Protagonisten sein können, Zeugen der guten Nachricht des Evangeliums. Ich denke an die Kirche, die dazu gerufen ist, einen respektvollen Dialog mit allen aufzubauen- mitten  in einer zunehmend multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft -um jedem den Grund der Hoffnung zu bezeugen, die sie im Herzen trägt.“

 

Cellis Vision:

 

„Eine Kirche die den Mann und die Frau von heute auf den nicht immer leichten Pfaden des Lebens begleitet, die es versteht ihnen nahe zu sein, die es versteht, ihnen  in auf ihrer Suche nach der Wahrheit beizustehen, die es versteht, das barmherzige Antlitz des Vaters zu zeigen, der seiner Liebe zum Menschen treu ist in Jesus Christus seinem Sohn.“

 

Die gesamte Übersetzung ist hier zu finden

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34 Kommentare zu „Wir können nicht einfach tun, was wir immer getan haben“

  1. Lieber Herr Hagenkord,
    Sie sprechen in Ihrem Blog ein wichtiges Thema an. Das Kommunikationsverhalten, vor allem der Jüngeren, hat sich bereits verändert. Auf diese weltbewegende Entwicklung reagiert die Kirche aber nur sehr schwerfällig, obwohl sie damit das beste Kommunikationsinstrument in der Hand hat. Nicht nur zur Evangelisierung, sondern auch um die Botschaft, Informationen und Seelsorge zu vermitteln. Immer mehr Priester sind auf Twitter, FB und Co., aber neben dem Papst sollten vor allem die Kardinäle und Bischöfe in den SMN vertreten sein. Denn nur hier können sie die (jungen) Menschen treffen. Auch für alle caritativen Verbände/Vereine bieten sich die neuen Medien an, Aufklärung zu betreiben,ihr Angebot sichtbar zu machen und Unterstützer zu finden. Außerdem sind die Netzwerke ein gutes Medium den Menschen echte Lebenshilfe zu geben, Werte zu vermitteln und Atheisten sowie Abtrünnige neugierig zu machen. Als strategisches Marketinginstrument darf es in der Kirche nicht fehlen! Und es sollten nicht Jahrzehnte vergehen, bevor sich alte Strukturen den neuen anpassen. Beste Grüße aus München – Ursula Becker

  2. Urbe sagt:

    guter Kommentar und wichtiges Thema. An das bereits veränderte Kommunikationsverhalten – vor allem bei Jugendlichen – hat sich die Kirche und ihre Dienste – noch nicht angepasst. Es wäre aber fatal, wenn hier abgewartet wird. Die SMN sind das wichtigste Kommunikationsmittel in einer modernen Kirche. Hier kann die Botschaft vermittelt, Werte aufgezeigt und seelsorgerische Dienste angeboten werden – und das einem Millionenpublikum. „Wir sind verpflichtet uns so auszudrücken, dass wir einbeziehen und andere gewinnen, die ihrerseits mit ihren Freunden unsere Ideen teilen, als „followers“ und Partner im Dialog.“ Dieser Satz spricht in die Zukunft einer Kirche, die wieder missionieren und mit einer verständlichen Sprache, wie Jesus sie benutzt hat, zu den Gläubigen sprechen kann. Denn es ist eine Kunst etwas Kompliziertes in einfachen Worten auszudrücken. Nur wenige beherrschen diese Kunst…

  3. veruschka sagt:

    Wenn Sie die jungen Menschen erreichen will, dann muss die Kirche sich tatsächlich zu diesen hinbewegen (da reicht ein Weltjugendtag nicht aus… auch wenn dieses Ereignis immer sehr schön anzuschauen ist). Die Jugend ist besonders auch deshalb so wichtig, weil wir in einer Zeit des Jugendwahns leben (zumindest in den Ländern, denen es gut geht… und die sind für die Kirche insofern wichtig, weil sie Gelder bereitstellen können und (höhere) Kirchensteuer zahlen): Ältere Leute (v. a.) Frauen orientieren sich heute schon daran, wie sich denn etwa die jungen Leute kleiden (und Männer ihrerseits färben sich zunehmend die Haare). Auch die über 60Jährigen sind heute zum Beispiel auf Facebook. Alle wollen Schritt halten und jung bleiben. Alles schaut also auf die Jugend/jungen Erwachsenen.
    Papst Franziskus hat ganz richtig erkannt, dass Jugendlichen vor allem „Authenzität“ wichtig ist. Und noch eines: Junge Menschen sind enorm leidenschaftlich bzw. emotional (das ist nichts Neues, muss aber hier betont werden).
    Wirklich erfolgreiche Musikinterpreten wirken in ihren Darbietungen zum einen ehrlich und zum anderen leidenschaftlich (vgl. etwa Balladen von Pink oder Robbie Williams). Die anderen Kunstrichtungen sind relativ unwichtig für die breite Masse der Jugendlichen (selbst im Film spielt die Musik eine wesentliche Rolle).
    Ohne Musik geht bei Jugendlichen garnichts mehr: Der iPod ist beim Sport mit dabei, in der U-Bahn und überall wo es geht.
    Die Idole junger Menschen sind heute oft junge Musiker.
    Wenn die Kirche sich das etwas zu Nutzen machen würde, wäre sie gut beraten.
    Ganz konkret etwa sollte das bei Gottesdiensten mit dem Papst umgesetzt werden. Es gibt wunderschöne alte Kirchenlieder (wie etwa das „Ave Maria“ von Franz Schubert oder etliche Werke von Johann Sebastian Bach), die einen ganz anderen Zauber hätten, wenn sie etwa von einem David Garrett oder der fast engelsgleichen Katie Melua vorgetragen werden würden. Indirekt würden solche Künstler allein mit ihrem Auftritt zeigen, dass der Papst/die katholische Kirche es verdient gehört zu werden und das die profane Welt mit der sakralen Welt durchaus vereint werden kann, dass es da Schnittmenen gibt.
    Georg Gänswein war doch auch einmal auf dem Cover einer Zeitschrift abgebildet: Und da stand – sinngemäß: Schönheit ist keine Sünde.
    Ganz schlecht wäre es hingegen, wenn man im Gottesdienst aktuelle und weltliche Lieder singen würde:
    Ich war vor ein paar Wochen in einem Familiengottesdienst. Der Kaplan hatte als Leitmotif das Thema „Engel“ ausgewählt. Ein Kinderchor sang nur „Engellieder“, also irgendwelche Songs in denen das Wort Engel oder Angel vorkam: von Robbie Williams, Christel Stürmer etc. Das artete meiner Meinung nach wirklich in einen „Kindergeburtstag“ aus. Die Athmosphäre des Besinnlichen und Besonderem ging dabei völlig verloren.
    Ansonsten ist der Papst, denke ich, auf einem guten Weg. Seine Botschaften/Anliegen verstehen die Menschen (wir sind ja dann doch noch soziale Wesen), die Liturgie ist aber für Viele nicht mehr verständlich… würde man aber gerade dieser Schönheit einverleiben, wäre das anders. Aber was ist Schönheit? Und, ja, es gibt viele Formen von Schönheit. Welche ist die richtige? Monsignore Marini scheint ein recht sensibler und schöngeistiger Mensch zu sein, aber vielleicht ist er nicht der Richtige für das Amt des Zeremonienmeisters.

    • Silvia Brückner sagt:

      „Die Liturgie ist für Viele nicht mehr verständlich“:

      Genau das ist der springende Punkt. Als Lektorin habe ich angefangen, mich intensiv mit den Texten der von mir vorgetragenen Lesungen zu beschäftigen und dabei komme ich sehr schnell zu der Erkenntnis, dass wahrscheinlich kein Mensch diese Texte versteht und weshalb sie vorgetragen werden.

      Deshalb habe ich kürzlich in unserer Wort – Gottes – Feier eine kurze, nur drei Sätze umfassende – Einführung gegeben.

      Dies ist aber nur ein beispiel für Verständnisprobleme.

      Ich würde mir in unseren Gottesdiensten mehr Stille wünschen, auch mal ein meditatives Element und verständliche Zeichenhandlungen dazu Texte, die das Herz ansprechen.

    • Teresa_von_A. sagt:

      Veruschka, es geht ja doch um Gott und nicht um Entertainment. Warum der eine Mensch glaubt und Gott sucht und der andere nicht..ist mir ein Geheimnis. Ich stamme aus alles andere als frommen Verhältnissen.An Kirche habe ich schreckliche Erinnerungen.Nein, mir hat niemand aus dem Bereich Mensch den Weg bereitet. Im Gegenteil.Wer sich an Gott hält, hat alles, was er braucht. Kirche ist Gemeinschaft und nicht Kino. Wenn die Gemeinde dem Priester nichts entgegenbringt im Gottesdienst, kann der sich auf den Kopf stellen. Auch hier:..Kommunikation,Geben und Nehmen.sonst wird nüscht. Ich bin Diplomtheologin ausser Dienst.Jahrgang 1949.In der religiösen Begleitung wird über das Wirken Gottes im Leben geredet. Unabhängig vom Schulabschluss. P.S: Fragen je blöder ,desto besser? Besser für wen?

  4. Pingback: Kirche lernt Kommunikation neu | gerne-katholisch.de BLOG

  5. veruschka sagt:

    Sehr geehrter Herr Pater Hagenkord,

    schreiben Sie auf Radio Vatikan noch Ausführlicheres über den Kongress zur Liturgie in Würzburg? Das wäre in diesem Zusammenhang auch sehr interessant.
    Kann man irgendwo die Mitschriften oder ähnliches davon lesen?
    Und gibt es ein verständliches Büchlein (bitte nicht zu lang), das Laien die Liturgie erklären kann? Papst Benedikt hat noch als Kardinal eines verfasst: „Der Geist der Liturgie. Eine Einführung“. Ist dieses verständlich genug?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Hmmm. Also zum Kongress wollen wir Samstagabend in der Sendung etwas machen, aber das steht noch nicht fest. Was die Literatur angeht muss ich gestehen, dass ich da keinen Überblick habe. Ich habe nicht in Deutschland studiert und kenne die Bücherlandschaft nicht. Ratzinger ist Ratzinger: Immer gut. Die Frage ist nur, ob es das ist, was Sie brauchen. Sollte das eher praktisch sein? Theologisch? Geistlich?

      • veruschka sagt:

        Ich habe nicht viel Ahnung von der Liturgie und möchte einfach den Gottesdienst besser verstehen. Das ist alles… also etwas „Praktisches“, etwas für den normalen Laien (der im Gottesdienst sitzt), wäre gut.

    • Teresa_von_A. sagt:

      Crashkurs Liturgie von Liborius Olaf Lumma und wenn man den hinter sich hat, alles andere..das ist eine relativ einfache Grundlage.

  6. veruschka sagt:

    Und jetzt habe ich noch eine wahrscheinlich ziemlich blöde Frage:
    Ich würde wirklich gerne öfter zum Beichten gehen, aber mir bringt weder der Beichtgottesdienst noch die traditionelle Form (also das Gespräch im Beichtstuhl) viel.
    Das einzige was daran immer gut ist, ist, dass ich mich überwinden muss da überhaupt hin zu gehen und nach der Beichte jedesmal froh bin, wenn ich’s hinter mich gebracht habe. Also ich weiß nicht recht, ob dieses Gefühl der Erleichterung wirklich daher rührt, dass mir meine Sünden vergeben wurden.
    Beim Beichtgottesdienst zählt der Pfarrer immer alle möglich Sünden auf, die mich nicht so sehr betreffen (das mag‘ ich überhaupt nicht). Was den Beichtstuhl angeht: Da wäre es ja sehr gut, wenn man ein richtiges Gespräch mit dem Priester führen würde… aber ich bin da immer sehr gehemmt und rassle meine Sünden (die ich mir vorher auf einem kleinen Zettel notiert habe) stichpunktartig runter; ich gehe also nicht näher auf Einzelheiten ein. Und der Priester ist dann meistens ziemlich enttäuscht und hat den Eindruck, dass ich die Beichte nicht so ganz ernst nehme.
    Mir würde es sehr viel bringen, wenn ich etwa einen Text schreiben könnte (so wie das hier im Blog geschieht) bzw. mit einem Priester per E-Mail oder Chat jede Woche kommunizieren könnte (also ich fühle mich im Beichtstuhl immer etwas abgehetzt). Wieso gibt es solche Formen der Beichte nicht? Da fehlt der persönliche Kontakt, nicht? Oder hat das auch andere Gründe? Es handelt sich dabei ja um ein Sakrament.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Genau. Das Sakrament setzt die physische Anwesenheit voraus. Es gibt aber viele mögliche Weisen, sich auf eine Beichte vorzubereiten, etwa durch einen Briefverkehr etc. Was die Form angeht, gibt es mittlerweile so viele Weisen, dass man nicht die wählen muss, die Ihnen nicht passt. Es gibt immer wieder Beichtgespräche ohne den Beichtstuhl etc. Wahrscheinlich auch in Ihrer Gegend.

      • veruschka sagt:

        Gut, dann werde ich mich da einmal näher informieren. Wir haben am Ort ja auch einen sehr frommen Pfarrer (er hat aber keine Email-Adresse). Ich war bisher immer in einer Nachbargemeinde Beichten (und da sitzt dann immer ein anderer/fremder Priester im Beichtstuhl… oft auch ein pensionierter). Also ich sollte mich vielleicht auch einmal festlegen… die meisten Leute haben ja sicherlich nur einen Beichtvater (aber eine Beichtmutter würde mir persönlich natürlich besser gefallen… aber gut… ich weiß schon).
        Das mit dem Brief finde ich so oder so keine schlechte Idee… ich kann ja vor der Beichte einen ausführlichen Brief nur für mich schreiben. Das dauert zwar dann länger, ist aber sicherlich recht effektiv. Dann bin ich vielleicht auch gesprächiger 🙂 Ja, so mache ich das. Vielen Dank!

  7. H.Sattel sagt:

    Ich muss Ihnen vollkommen zustimmen, darin Sie sagen, dass wir diesen Satz „uns auf der Zunge und im Hirn zergehen lassen“ müssen.
    Bei all diesen guten Überlegungen fällt mir aber auch ein Wort des Franz v. Assisi ein, der sagt:“Brüder, lasst uns mehr durch unser Leben predigen als durch gewandte und kluge Worte….“ Und zu jenen Überlegungen könnte man diese Aufforderung des Mannes aus Assisi auch dahingehend ergänzen: durch einschlägig gute Kunst, Musik, Literatur gleich auf welchem Weg diese den Menschen erreicht. Und nicht zuletzt ist es der Herr selbst, der eben sagt, dass jeder Ihm Bruder, Schwester und (sogar) Mutter ist, der Sein Wort nicht nur hört, sondern auch befolgt, darin Er sich ja selbst zum Vorbild macht und uns nicht allein im Wort begegnet und sich mitzuteilen sucht, sondern eben Fleisch und Blut wird….! Die Frage und die Aufgabe ist wohl jene, wie wir uns Menschen dazu ermuntern, Jesus darin nachzufolgen, indem wir uns eben selbst zum „Medium“ Seiner Botschaft machen…

  8. H.Sattel sagt:

    „Wir können nicht einfach tun, was wir immer getan haben“, darin wir eben nicht etwas von uns geben wie z.B. unser Wissen, erworbene Erkenntnisse, die wir in Worte zusammenfassen; unsere Talente in Musik oder Kunst…., sondern dass wir uns selber geben…uns „ausliefern“… uns verschenken ohne Furcht vor Leid, Schmerz. Unser Herz nach Seinem Herz formen lassen – unseren Geist nach Seinem Geist ausrichten. Das können wir tun und das haben wir nicht immer getan, bzw.“stiefmütterlich“ behandelt, darin unser Wissen und unsere gewonnene Erkenntnis sogar zum „Ankläger“ wird, wenn es „nur“ bei Wort bleibt……

  9. veruschka sagt:

    Auch wenn ich hier schon übermäßig Vieles und Unnötiges/auch Dummes von mir gegeben habe, möchte ich noch etwas schreiben:
    Ich denke, dass vor allem das Charisma eines Menschen, also auch eines Priesters, entscheidend ist, ob er die Menschen erreichen kann oder nicht. Das ist im Grunde das aller Wichtigste… ohne das geht garnichts… da hilft auch die neueste Technik nichts.
    Es gibt strebsame bzw. ehrgeizige Menschen, die sich ein Leben lang fragen, weshalb sie keine Karriere gemacht haben… die ständig irgendweche Kurse für Rhetorik oder souveränes Auftreten besuchen… die sich also mehr und mehr verbiegen lassen: Das ruft letztendlich nur das Gegenteil hervor (sie werden dadurch genormt bzw. furchtbar langweilig).
    Vielleicht sollte die Kirche eher darauf schauen, dass das „Feuer“ und die „Leidenschaft“ der jungen Priester nicht erlischt. Vielleicht sollte sie eher auf ihre Priester schauen, als auf die Gläubigen. Das hätte ja dann auch etwas von einer Kettenreaktion.
    Ich meine, man kann den Papst grandios finden, aber wenn man am Gottesdienst in der jeweiligen Gemeinde teilnimmt und einen der zuständige Priester nicht berühren kann, dann hilft ein noch so guter Papst auch nicht so viel.
    Ideal wäre es natürlich wenn man den Papst klonen könnte… und jede Gemeinde ihren eigenen Franziskus hätte 🙂
    Die Natur ist halt ein Stück weit gemein.

    • veruschka sagt:

      Ich meine auch, dass die Menschen vielleicht in gerade einem Bereich die Globalisierung nicht auch noch spüren wollen: Kirche sollte vielleicht etwas zutiefst Persönliches und Stabiles bleiben. Man sollte wieder mehr das Gefühl verspüren in seinem näheren Umfeld etwas bewirken zu wollen. Der für den Gäubigen zuständige Priester sollte eine Art Lehrer und väterlicher Freund sein. Vielleicht könnte man ja auch eine Art Weltjugendtag für die katholischen Priester der Welt veranstalten. Vielleicht bräuchten Sie mehr „Steicheleinheiten“ von ihrem Chef. Vieleicht sollte jeder Priester der Welt einmal die Hand vom Papst geschüttelt haben. Keine Ahnung.

      • Teresa_von_A. sagt:

        Hallo, Veruschka,Fragen macht klug :-). Ich denke, man soll den Priester erstmal Mensch sein lassen. Charisma macht die Gläubigen auch unfrei..ich will gar nicht mitgerissen werden, ich möchte Austausch.Da zitiere ich dann wieder einen meiner Lieblingssätze von Ignatius von Loyola: El amor consiste en comunicacion de las dos partes. Die Liebe besteht im Mitteilen..jeder gibt, was er hat und Charisma ist eher Konsumverhalten.Zum Thema Beichte sage ich, nicht die Menge macht es, sondern die Qualität.Und auch das ist Kommunikation und nicht Schuttabladen.Ich selber halte eine Menge vom Partikularexamen, sprich, man sucht sich ein Fehlverhalten raus und geht damit einige Monate um. Sündenkatalogleier..damit kann ich nichts mit anfangen, muss aber jeder selber wissen. Die für mich allerbeste Vorbereitung auf Beichtgespräche ist die abendliche Tagesrückschau. Den Tag vor Gott bringen, mit ihm besprechen, was gelaufen ist, wo er mir begegnet ist, habe ich das bemerkt ,oder nicht..ich habe seit 2 Jahren nach ewiger Suche einen ausgezeichneten religiösen Begleiter. Kaffeeklatsch und Friede, Freude, Eierkuchen ist das n i c h t, sondern oft eine Strapaze für uns beide. Von nichts kommt nichts.

        • veruschka sagt:

          Liebe Teresa_von_A.,
          ich will den Priester ja „Mensch sein lassen“ (das ist es ja gerade was ich will!). Ich möchte halt auch, dass mehr junge Leute in die Kirche gehen… ihr überhaupt eine Chance geben! Vorletzten Sonntag waren erstaunlich viele junge Leute (auch mehrere Mütter mit ihren Kleinkindern) in meiner Kiche. Das fand ich sehr schön. Und das hatte sicherlich mit dem Charisma des Papstes (vor allem am WJT) zu tun.
          Ich verstehe, dass Ihnen andere Dinge wichtiger sind, also der „Austausch“ mit einem Geistlichen etwa: Aber schauen Sie, Sie sind eben kein gewöhnlicher Laie, sonder eine ausgebildete Seelsorgerin (Hab‘ ich das noch richtig im Kopf?… Ich finde Ihr Kommentare immer sehr lehrreich und lese die auch gerne… Sie erwähnten doch einmal Ihre Tätigkeit im Bistum Berlin, oder nicht?). Das heißt, Sie haben sich intensiv mit der Lehre der katholischen Kirche beschäftig und können tatsächlich mit einem Geistlichen tiefgründig diskutieren. Das ist sehr schön! Aber denken Sie vielleicht einmal zurück. Weshalb nimmt der Glaube in Ihrem Leben so einen großen Stellenwert ein? Vielleicht gab es da ja auch eine Art Initialerlebnis. Das war vielleicht eines in dem Charisma bzw. irgendetwas Leidenschaftliches oder Extremes Sie dazu bewegte, sich intensivst mit Gott und der Kirche auseinander zu setzen.
          Ihre „abendliche Tagesrückschau“ ist sicherlich sehr zu empfehlen (Sie haben darüber ja ausführlicher in dem Beitrag zu den Exerzitien des Ignatius von Loyola geschrieben. Das war auch sehr spannend!). Aber damit wäre ich momentan noch etwas überfordert.
          Ich liebe die jungen Menschen von heute sehr (die meisten von denen haben es echt nicht leicht)… und ich denke, dass gerade diese Altergruppe sehr empfänglich für den Glauben und die ethischen Grundsätze der katholischen Kirche wären. Aber die kann man dieser Altersgruppe wohl am besten in charismatischer Weise vermitteln. Wenn diese Laien dann älter werden, suchen sie vielleicht auch eher nach einem Geistlichen der auch ruhigere Töne anschlagen kann. Aber kann oder sollte ein Geistlicher nicht von Beidem etwas haben?
          Aber vielleicht gebrauche ich das Wort „Charisma“ auch falsch. Ich meinte damit nicht nur einen lauten Menschen, ich meinte damit vielmehr einen Menschen der 100% von dem was er sagt überzeugt ist, der lebt was er spricht und der deshalb voller Leben ist und der deshalb auch nicht anders kann, als dieser durchwegs positiven Lebenseinstellung Ausdruck zu verleihen.
          Viele liebe Grüße

          PS: Und ich werde weiterhin Fragen stellen… je blöder desto besser! 🙂

          • Silvia Brückner sagt:

            Hallo Veruschka, ich nehme an, dass Sie selbst zur jungen Generation gehören.
            Da ich selbst seit kurzem zu denjenigen gehöre, die Wortgottesdienste gestalten dürfen, interessiert mich sehr, wie für Sie ein gelungener Sonntagsgottesdienst gestaltet sein sollte, welche Elemente enthalten sein sollten (es gibt natürlich Vorgaben, aber innerhalb dieser Vorgaben kann man schon variieren), welche Teile des Gottesdienstes Sie besonders ansprechen oder auch nicht.

          • veruschka sagt:

            Liebe Frau Brückner,
            ich bin vielleicht nicht der typische Vorzeigekatholik und wenn ich im Nachfolgenden falsche Ausdrücke verwende, dann müssen Sie mich unbedingt korrigieren. Ich will ja gerne auch etwas dazu lernen 🙂
            Dann versuch‘ ich’s einmal:
            Also ich gehe immer am Sonntag in die Kirche (um 18:30)… und das seit etwa einem Jahr.
            Bisher habe ich erst einem reinen Wortgottesdienst beigewohnt: Am Karfreitag letzten Jahres: er wurde von der Seelsorgerin meiner Kirche gehalten und ich muss sagen, die konnte wirklich sehr gut predigen (das hatte Feuer). Es war auch kein Problem, als sie den Part von Jesus bei der Lesung der Passion übernahm. Eine Frau kann das, denke ich, genau so gut wie ein Mann!
            Aber zurück zum gewöhnlichen Gottesdienst (also auch einer mit Eucharistischer Liturgie) den ich einmal in der Woche besuche:
            Ich glaube, dass es sich dabei um die Eucharistiefeier nach dem Missale Romanum (seit 1969/70) handelt: Der Crashkurs zur Liturgie, den mir Teresa von A. empfohlen hat, ist heute per Post gekommen… also ich vergleiche meine Überlegungen gerade mit einem Schema daraus.
            Beim Wortgottesdienst gefällt es mir eigentlich sehr gut, dass die Erste Lesung immer aus dem Alten Testament stammen muss und die Zweite aus dem Neuen: Das macht dem Gläubigen bewusst, dass sich das Christentum ja nicht nur auf das NT bezieht, sondern seine Wurzeln im jüdischen Glauben hat. Ich kenne halt auch einige mittelalterlichen Gemälde oder Flügelaltäre, wo man diesen Vergleich zu Altem und Neuem Testament bewusst dargestellt hat … das ist mir also relativ vertraut.
            Nur ich bin da vielleicht ein Einzelfall unter den jüngeren Leuten. Vielleicht wäre es, wie Sie ja bereits erwähnt haben, auch ganz gut moderne Texte hierfür zu verwenden (es gibt ja wunderschöne, auch sehr anrührige geistliche Lyrik; die deutschen Romantiker (die waren ja auch sehr junge Leute) oder Dietrich Bonhöfer zum Beispiel).
            Bei den Fürbitten finde ich es etwa sehr schön, wenn man nach deren Vortrag den Besucher dazu auffordert, im stillen ein Fürbitte für eine ihm nahestehende Person zu formulieren… wenn es dann also für vielleicht eine halbe Minute ganz still ist in der Kirche (ich denke dann etwa an meinen verstorbenen Großvater… oder an meine Oma, die mich immer fragt, ob ich denn auch für sie gebetet habe).
            Bei der Eucharistischen Liturgie muss ich ihnen ehrlich sagen, dass ich daran nur teilnehme, wenn ich auch vorher gebeichtet habe (also zweimal im Jahr). Das hat uns mein Vater noch so eingebleut… der war früher Ministrant. Aber ich schaue dann immer in die Gesichter der Leute, die die Kommunion empfangen haben, und das freut mich dann irgendwie.
            Aber ich mag‘ das Gebet über die Opfergaben und das Vorbereitungsgebet für die Kommunion sehr gerne. Ich finde das Niederknien irgendwie sehr ansprechend: Da fühlt man so etwas wie „Demut“ (einen völlig veralterten Begriff kann man da eigentlich erst verstehen). Gerade die eucharistische Liturgie wirkt sehr Spirituell und „alterwürdig“ auf mich: Die muss so bleiben wie sie ist. Aber nun gut, wahrscheinlich wurde die früher ja ganz anders gefeiert… also noch vor dem Konzil.
            Bei den „Abschlussriten“ mag ich die Erteilung des Segens sehr. Dürfen Sie in Ihrem Wortgottesdienst einen Segen erteilen? Oder darf das nur der Priester? Das tut halt irgendwie total gut: Wenn man demütig zu Boden schaut, sich sehr bedächtig bekreuzigt und eine geweihte Person einen segnet, dann gibt das schon Kraft.
            Aber eines finde ich besonders schön: Wir haben ja einen Priester und einen Kaplan. Und wenn der Kaplan den Gottesdienst hält, hat er immer eine feste Formel: „Ich wünsche Ihnen eine gute Woche.“ sagt er immer. Das finde ich sehr schön, weil ja wirklich eine neue Arbeitswoche beginnt. Das wirkt immer sehr persönlich und ehrlich (weil es so einfache, schmucklose Wort sind)… so als wären wir wirklich seine Kinder oder Schächen. Wenn unser eigentlicher Pfarrer den Gottesdienst hält, bin ich fast immer ein bisshen enttäuscht, weil mir keine „gute Woche“ gewünscht wird.
            Der Kaplan ist übrigens Inder und das ist vielleicht auch sehr ansprechend für junge Leute. Die Predigten haben einen ganz anderen Grundtenor als beim Pfarrer. Es wird mir da eigentlich immer bewusst wie gut es uns Westeuropäern bzw. speziell den Deutschen zumindest finanziell geht. Und da wir jüngeren Leute auch gerne das Multikulti mögen, ist das halt immer sehr schön. Also vielleicht können Sie in Ihren Wortgottesdienst auch Texte einbringen, die aus verschiedenen Kulturkreisen herrühren.
            Ja, mehr kann ich Ihnen auch nicht sagen. Vielleicht noch, dass ich immer froh bin, wenn ich Lieder aus dem Gotteslob singen kann, die ich schon einigermaßen kenne. Das ist manchmal noch ein Problem… da summt man kalt dann bloß irgendwie mit. 🙂
            Aber vielleicht könnten Sie, liebe Frau Brückner, mir hier kurz auflisten oder schildern, wie Sie denn Ihren Wortgottesdienst halten. Vielleicht am Beispiel Ihres letzten. Mich interessiert das sehr!
            Viele liebe Grüße!

          • Silvia Brückner sagt:

            Hallo Veruschka, danke für Ihre ausführliche Antwort.
            Ich bin erst seit 13.7. 2013 zum Halten von Wortgottesfeiern beauftragt und wir sind jetzt also zu dritt und hatten kürzlich auch zu dritt einen Wortgottesdienst gehalten, in dem ich auch Lektorin war.

            Bei uns gab es nur eine Lesung, die aus dem AT, was ich schade finde, gerade im Wortgottesdienst hätte man zwei nehmen können.
            Die erste Lesung ist übrigens immer aus dem AT und steht inhaltlich im Zusammenhang mit dem Evangelium.
            Ich habe vor der Lesung eine ganz kurze Einführung gegeben, damit die Leute den Sinn verstehen.
            Bei uns ist es grundsätzlich üblich, die Leute zu begrüßen und zum Schluss eine gute Woche zu wünschen, in dem Fall auch schöne Ferien und gute Erholung, weil es der erste Feriensonntag war. Das macht aber auch der Pfarrer so.
            An Karfreitag gibt es nie eine Eucharistiefeier sondern einen speziellen Wortgottesdienst, die Karfreitagsliturgie.
            Die Idee, Texte aus anderen Kulturen aufzunehmen, finde ich gut, man könnte diese auch in den Fürbitten berücksichtigen. Bei uns wird im Wortgottesdienst immer die Kommunion ausgeteilt.
            Die Texte der Lesung und des Evangeliums dürfen nicht durch andere Texte ersetzt werden. Aber an Stelle der Predigt kann man z.B. eine kurze Meditation halten, die zum Evangelium oder zur Lesung passt. Man könnte auch eine Dialogpredigt halten oder Bibelteilen machen, Letzteres geht aber nicht in einer großen Gemeinde.

          • veruschka sagt:

            Liebe Frau Brückner,
            wie genau wird das eigentlich mit der Lesung aus dem Alten Testament gehandhabt? Die Zweite Lesung wird ja von der Kirche oder irgendeinem Kalender vorgegeben (sie ist wahrscheinlich weltweit die gleiche). Aber was ist mit der Ersten Lesung? Sie muss zur Lesung aus dem Neuen Testament bzw. dem Evangelium inhaltlich passen, wie Sie ja geschrieben haben: Aber ist diese Lesung auch vorgegeben oder darf sie vom Leiter des Gottesdienstes selbst aus dem AT ausgesucht werden?
            Und wie genau sehen denn „Dialogpredigten“ aus bzw. das „Bibelteilen“?
            Ich meine, „Dialog“ wirkt ja immer sehr lebendig. Aber bei „Dialogpredigten“ werden wohl Texte von zwei Personen vorgetragen bzw. mehr oder weniger vorgelesen. Ich könnte mir vorstellen, dass so eine Vorgehensweise auch leicht aufgesetzt wirken kann. Also, es ist wohl sehr schwierig, diesen doch einstudierten Dialog so zu vermitteln, dass es lebendig bzw. spontan wirkt. Aber ich habe einer solchen Form von Predigt noch nie beigewohnt.
            Wenn eine Predigt frei gehalten wird, finde ich das eigentlich auch immer recht gut. Auch wenn der Prediger eine kleine persönliche Geschichte zum Thema erzählen kann (oder eine Begebenheit im Leben einer außergewöhnlichen Person nacherzählt), wirkt die Predigt noch einmal mehr lebendig.
            Und was die anderen Kulturen angeht: Also für mich meint „andere Kultur“ darüberhinaus sogar die Zeit meiner Großmutter oder noch älterer Generationen. Ich denke, dass sich junge Leute auch für die Vergangenheit ihres eigenen Landes sehr interessieren können… und vielleicht ist mir die Kultur im Deutschlande der Nachkriegszeit ferner als die Kultur bzw. das Leben eines Japaners von heute.
            Das ist vielleicht auch das Problem: Auf der einen Seite bin ich froh, wenn mir Dinge vertraut sind (Beständigkeit ausdrücken), auf der anderen Seite interessiere ich mich für Dinge, die etwas Geheimnisvolles/Fremdes umgibt.
            Ich finde es jedenfalls bemerkenswert, wie viele Möglichkeiten es gibt, den Gottesdienst zu gestalten! Da kann man ja richtig kreativ sein (aber es setzt natürlich auch viel Wissen voraus… was Sie ja besitzen 🙂 ).
            Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Freude bei Ihrer neuen Aufgabe!!!

          • Silvia Brückner sagt:

            Liebe Veruschka, ich bin auch noch Anfängerin im Wort – Gottes – Team und auf die Erfahrung der beiden Anderen angewiesen.

            Es gibt eine Leseordnung, die die Lesungen und das Evangelium vorgibt. Die Leseordnung ist in die Lesejahre A B C, also in drei Jahre aufgeteilt.
            Die Dialogpredigt ist ein Dialog über das Evangelium, kein Lesen mit verteilten Rollen. Aber das muss auch vorher geübt werden.
            Bibelteilen haben wir während des Kurses gemacht, das geht aber nur im kleinen Kreis. Jeder, der will, kann etwas zum Evangelium sagen, wie es ihm damit ergangen ist, welches Wort bei ihm hängen geblieben ist.
            Bibelteilen soll aber ausdrücklich keine Diskussion sein, sondern man hört aufeinander und lässt einfach stehen, was jeder gesagt hat.
            Aber da bei uns am Sonntag, auch beim Wortgottesdienst, die relativ große Kirche proppenvoll ist, geht das nicht. Das könnten dann höchsten die Leiter des Gottesdienstes, unter Umständen noch mit älteren Ministranten machen und die Gemeinde hört zu und macht sich ihre eigenen Gedanken.

            Krieg und die ersten Jahre der Nachkriegszeit kenne ich auch nur vom Erzählen. Ich bin im Januar 1951 geboren und verglichen mit heute war das noch eine ganz andere Welt. Es ist faszinierend, was man heute in einem einzigen Menschenleben erleben kann.

        • Dolorus sagt:

          Hallo liebe Teresa,
          Ihr Zitat:
          Hallo, Veruschka,Fragen macht klug 🙂
          Kennen Sie auch noch Ihre Blogbeiträge mit Veruschka zu dem Leitthema „Darüber sprechen!“?
          Oh Gott, oh Gott, haben das auch Sie geschrieben?
          Gute Besserung!

      • veruschka sagt:

        Anscheinend wurde 2009/10 ein „Priesterjahr“ von Papst Benedikt ausgerufen. Ich hab‘ das gegoogelt: 2010 fand das größte internationale Priestertreffen aller Zeiten in Rom statt (es handelte sich dabei um eine Fortsetzung der „Internationalen Begegnungen des Klerus“, die von 1996-2004 an unterschiedlichen Orten stattgefunden haben). Schauen Sie, Papst Benedikt ist doch ein wirklich kluger Fuchs! Das könnte man vielleicht noch ausbauen und jedes Jahr so ein Treffen veranstalten.
        Man stelle sich das bildlich vor: Die Stadt des katholischen Klerus noch viel schwärzer als sonst eingefärbt.

      • Teresa_von_A. sagt:

        vielleicht sollten die katholiken mal mehr streicheleinheiten verteilen an die priester als ansprüche stellen. meine rede seit jahren.und laienapostolat wäre eine gute möglichkeit, jeden katholiken an seine eigene verantwortung zu erinnern. reich gottes ist sicher kein königreich mit oben pfarrern und unten gläubigen und bedienungsmentalität.

  10. Teresa_von_A. sagt:

    Ein Gebet von Teresa von Avila, welches Gott zu ihr gesprochen hat:O Seele, suche dich in mir
    und, Seele, suche mich in dir.
    Die Liebe hat in meinem Wesen
    dich abgebildet treu und klar.
    Kein Maler kann so wunderbar
    o Seele, deine Züge lesen.
    Hat doch die Liebe dich erkoren
    als meines Herzen schönste Zier.
    Bist du verwirrt, bist du verloren,
    o Seele, suche dich in mir.
    In meines Herzens Tiefe
    trage ich dein Portrait
    so echt gemalt.
    Sähst du, wie es vor Leben strahlt,
    verstummte jede bange Frage.
    Und wenn dein Sehnen mich nicht findet,
    dann such nicht dort und such nicht hier.
    Gedenk, was dich im Tiefsten bindet,
    und, Seele, suche mich in dir.
    Du bist mein Haus und meine Bleibe,
    bist meine Heimat für und für.
    Ich klopfe stets an deine Tür,
    dass dich kein Trachten von mir treibe.
    Und meinst du, ich sei fern von dir
    dann ruf mich und du wirst erfassen,
    dass ich dich keinen Schritt verlassen.
    Und, Seele, suche mich in dir.

  11. H.Sattel sagt:

    Ich denke, dass sich diese Aussage nicht allein auf den Gottesdienst bezieht, sondern eben auf das gesamte Leben, das vom Worte Gottes ausgehen und sich auf dieses hinbeziehen soll, darin eben alles zum Gottesdienst wird. Und in der Tat: hier fehlt das notwendige „Feuer“, die Leidenschaft dieses Wort des Lebens zu leben, weil es eben in dieser Welt wohl auch Leiden schafft und u.U. einsam macht, was aber eben nichts ungewöhnliches ist, wenn wir auf die Geschichte schauen, welche Gott mit dem Menschen geht, bzw.gegangen ist. Auch außerhalb der Mauern von Kirchengebäuden, können und dürfen wir so nicht weiter machen wie bisher, anders wir wohl Verrat oder wenigstens Verleumdung an Jesus Christus üben. Dieser Gedanke muss unser ganzes bisherige Leben und (vielleicht) auch „glauben“ in Frage stellen…dahingehgend, ob dieser sich vertieft hat oder eben „nur“ an dessen Oberfläche vor sich hintümpelt: sich dabei ein „gutes Gewissen“ einredend. Dieser Gedanke sagt mehr aus, was uns vielleicht lieb ist, weil er auch einen „Schlußstrich“ bedeuten kann und einen Neuanfang fordert, dem wir uns nicht entziehen dürfen. Dass dies nach 2000 Jahren aber immer noch so ist, dass wir so nicht weiter machen können, das macht unseren bisherigen Glauben und unsere Liebe zu Gott nicht gerade glaubwürdiger, sondern zeugt eher von einem Stillstand oder von einem „Sich-im-Kreise-drehen“, was ja auch schon ein Augustinus hat erkennen dürfen und was er in einer Auslegung zu Psalm 95 zum Ausdruck bringt: die 40 Jahre des Irrweges des Gottesvolkes die Gesamtheit aller Zeiten bedeutet in welcher eben das Volk Gottes in die Irre geht….. Diese 40Jahre also ein symbolisch-prophetische Zahl ist….. –
    Wenn wir also nicht mehr tun dürfen, was wir immer getan haben, dann muss auch für „Neues“, d.h. für neue Erkenntnisse Platz sein – gleich aus welcher Ecke diese kommen, darin diese eben nicht einfach ausgeschlagen werden, sondern eben auf die Wahrheit hin geprüft …auf dem Altar des Herzens erwägt und durchdacht werden. Wirklich Neues gibt es ja nichts, „nur“ eben anders….klärende Erkenntnis und da kann die Tradition und Überlieferung durchaus zu einem Hindernis werden.
    Gerade das Leben Jesu lehrt uns diese Wahrheit, da Er ja nicht gekommen ist um aufzuheben, sondern um zu erfüllen und den Menschen Seiner Gnade in die volle und ganze Wahrheit Seiner Worte/Gebote einzuführen…

  12. Teresa_von_A. sagt:

    So lange Kirche als Dienstleistungsapparat betrachtet wird, kann man Kommunikationsmittel nehmen, wie man lustig ist. So lange Priester predigen, anstatt sich auszutauschen über den Glauben,das können die auch bei Facebook schon mal sehr gut…Bibel teilen als e i n Beispiel..So lange man sich berieseln läßt bequemerweise..so lange wird es Menschen geben, die sich langweilen. Gottesdienst als ein Teil des Gemeindelebens. Nicht Kino. Kino hatten wir schon. Ohne Ergebnis.Unersättlichkeit ist das.Wer macht uns denn heute mal schöne Gefühle?Beim Gottesdienst geht es um die Wandlung zum Beispiel. Um Lesungen und Evangelium. Ist das alles nicht zeitgemäß, nicht für Jugendliche?Es gibt Vorbereitungsgruppen, die sich mit den Lesungstexten und dem Evangelium befassen. Da kann jeder hin.Lieber wartet man drauf, dass Hochwürden einem was eintrichtert?Zeitgemäß und interessant und gerade so, wie i c h es brauche.??Ich höre immer nur, was die Kirche alles muss, um zeitgemäß und interessant zu sein. Was muss denn der normale Katholik? Damit AmtsKirche sich nicht langweilt mit ihm.

  13. Teresa_von_A. sagt:

    Vielleicht ist Gott ja langweilig und müßte sich mal eine andere Sprache angewöhnen, so dass Menschen ihm zuhören. Unsere Wünsche erfüllt er meist nicht, redet undeutlich, oder ist sogar stumm,oder tot, wie mancher weiß. Ist abwesend. Das ist zeitgemäß. Nicht zuhören, keine Antwort geben, mit anderen Dingen beschäftigt sein ist zeitgemäß. Gott überfordert uns, gleicht nicht aus, was Menschen zerstören..was muss Gott tun, damit wir ihn interessant finden?Wäre er interessant, würden ja mehr Menschen an ihn glauben, nicht wahr?So wie mehr Menschen in die Kirchen gingen, w e n n, wenn und nochmal wenn, a n d e r e sich ändern.Ich weiß nicht, warum die Amtskirche sprich der Klerus ,sich das gefallen läßt, dieses Dauerwenn, ..wenn ich mir beispielsweise ansehe, wie heute Einkehrtage laufen oder Exerzitien..Kaffeklatsch ist das, zu dem man geht, wenn man nichts anderes zu tun hat. Zuspätkommen im Preis(falls man den zahlt) inbegriffen.Mal ausprobieren, ob ich das schön finde. Interessant..so abgestumpft wie die Leut sind inzwischen, bekommen sie eh nichts mehr mit. Der eine seine Berufungsgeschichte nicht, der andere den Inhalt der Liturgiefeier nicht. Was muss man denn noch an Tamtam um die Liturgietexte herum veranstalten?Eine halbe Stunde lang mal nichts wünschen, denken..fühlen..das wirkt Wunder. Stichwort Jesusgebet.Dann merkt so mancher, dass nicht das Aussen langweilig ist, sondern man selber ein Faß ohne Boden.

  14. Teresa_von_A. sagt:

    Wir können nicht einfach tun, was wir immer getan haben…es war bereits zu Jesu Zeiten so, dass er gefragt wurde, Meister,was muss ich tun..dann gab Jesus die Antwort und es kamen bedauernde Erklärungen, warum man nun leider d a s nicht tun kann..ein guter Mensch ist man, aber…in Grenzen und mehr geht nicht.Jesus ist dann weitergegangen. Hat sich nicht auf endlose Frage- und Antwortspiele eingelassen.Der reiche, der nicht ins Himmelreich kommt, ist der Besitzdenkende. geistiger Besitz, materieller, Ängste, sich nciht einlassen..und so weiter. Die andren sollen sich verbiegen, damit es einfach wird. und dann schaut man, was man abstauben kann.Die Ehrenamtlichen machen es, oder der Klerus.

  15. Teresa_von_A. sagt:

    Es lebe der Rausch in den Kirchen. Erinnert mich an was.Wie charismatisch war Jesus und wo ist er gelandet? Und: die Mißbrauchsforschungen haben unter anderem ergeben, dass die Täter beliebt waren und als klug und charismatisch galten.Modern waren. Sogar Eltern sind drauf reingefallen.Habt den Mut, euren Verstand zu benutzen. Kant.Seit den 60 ern müht Kirche sich ab, mit interessanten Gottesdiensten die Jugend anzulocken.Und Alice versucht auch seit ewigen Jahren, den Frauen und Männern zu sagen, w i e sie sein müssen.Von einem Guru zum anderen.

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