Wirklich!

Es mag an dieser Stelle eine Wiederholung sein, aber jeden Morgen, beim Blick in die Zeitungen und ins Netz, fällt es mir mit schöner Regelmäßigkeit ein: Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee, Evangelii Gaudium Nr. 231. Es ist eines der vier Prinzipien, welche vom Papst in seiner Programmschrift vorgelegt werden.

Papst Franziskus mahnt: Hier bei einem Besuch in einer römischen Pfarrei

Papst Franziskus mahnt: Hier bei einem Besuch in einer römischen Pfarrei

Es fällt mir natürlich immer deswegen ein, weil mit in Zeitungen und im Internet der Herr begegnet, der sich seine eigene Wirklichkeit baut. Der Lügt, der nachweislich Falschinformation benutzt, der wenn darauf hingewiesen beschimpft. Das ganze wäre tragisch, wenn es sich dabei nicht um den mächtigsten Mann der Welt handeln würde.

Dass Politiker lügen, ist so neu nicht, das geht zurück wohl bis in die römische Republik. Dass das aber systematisch benutzt wird und immun gegen Wirklichkeit ist, das ist neu. Kein Wunder, dass immer mehr Kommentatoren auf Richard Nixon hinweisen, nicht der Kriminalität des Verhaltens wegen, sondern wegen einer offensichtlichen Unfähigkeit, sich aus der eigenen Weltsicht – alle sind gegen mich – zu befreien.

Was hilft? Ein Lob der Wirklichkeit. Mit dem Papst. Jedenfalls soll das hier ein kleiner Beitrag sein, es mag vielleicht zu politisch sein, aber hier ist Gefahr im Verzug, und das nicht nur in den US of A, sondern auch auf den Plätzen Dresdens, bei Facebook, in Gesprächen die ich leider auch führen muss.

 

Die Idee löst sich von der Wirklichkeit

 

Es muss vermieden werden, dass sich die Idee von der Wirklichkeit löst, sagt der Papst in seinem Schreiben, zwischen beiden muss „ein ständiger Dialog hergestellt“ werden. Dieser ist aber nicht hierarchiefrei, denn „die Wirklichkeit steht über der Idee.“

Der Papst warnt im Anschluss davor, was passiert, wenn man das nicht einhält, nämlich vor den „Formen der Verschleierung der Wirklichkeit“: „die engelhaften Purismen, die Totalitarismen des Relativen, die in Erklärungen ausgedrückten Nominalismen, die mehr formalen als realen Projekte, die geschichtswidrigen Fundamentalismen, die Ethizismen ohne Güte, die Intellektualismen ohne Weisheit.“ Da fehlt was. Als ich das heute noch einmal nachgelesen habe war das meine erste Reaktion: da fehlt was!

Idee, das kann auch das um sich selber kreisen sein, ein Nationalismus, der in Wirklichkeit (!) ein Egoismus ist. Idee kann auch Wirklichkeit beschädigen. Wir haben im TV einen Herrn, der als Beweis für die Wirklichkeit seiner Ideen angibt, dass es andere – die Menschen – ja auch glauben. Der Vorfälle in Schweden und in den USA erfindet, und damit seine Politik begründet. Das ist gefährlich.

 

Ein theologisches Problem entsteht

 

Also stellt sich gar nicht die Frage von Evangelii Gaudium, dass hier Wirklichkeit verschleiert wird. Sie wird ignoriert, sie verliert ihren Wert, ihre Autorität als meine Vorstellungen korrigierend.

„Die Idee – die begriffliche Ausarbeitung – dient dazu, die Wirklichkeit zu erfassen, zu verstehen und zu lenken“. So weit so gut, das ist noch einmal aus Evangelii Gaudium (232). Die Idee – Vorstellung, Weltsicht, etc. – welche die Wirklicheit ignoriert, was ist das dann?

Vielleicht bin ich ja naiv, aber ich glaube tatsächlich, dass „die Welt ist alles, was der Fall ist“, um Wittgenstein zu zitieren. Meine Vorstellungen müssen überprüfbar, mindestens hinterfragbar sein.

Der Papst führt in seiner Argumentation ein theologisches Argument ein, das an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll: „Die Wirklichkeit steht über der Idee. Dieses Kriterium ist verbunden mit der Inkarnation des Wortes und seiner Umsetzung in die Praxis: » Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, Jesus Christus sei im Fleisch gekommen, ist aus Gott « (1 Joh 4,2).“ Soll heißen: Gott hat entschieden, Mensch zu werden, in die Wirklichkeit der Welt zu kommen. Wenn wir aber das Konzept von Wirklichkeit zertrümmern, weil es uns halt anders passt, dann bekommen wir ein theologisches Problem dazu. Wir verstehen nicht mehr, was Gott da gemacht hat, wenn wir uns unsere Welt zusammen basteln und das auch noch glauben wollen.

 

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Franziskus, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Kirche und Medien, Neulich im Internet, Theologisches abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

23 Kommentare zu Wirklich!

  1. Roswitha Steffens sagt:

    Wirklichkeit fordert die Anteilnahme am Leben durch jede Person und zwar ganz bewusst im Auftrag ihrer eigenen Persönlichkeit. Mehr ist das nicht, denn alles andere wäre eine Lüge, eine Farce dem gegenüber, dessen Leben man verkörpert.

    Man kann sich seine Welt nicht bauen, wie man sie gerne hätte, denn würde das jeder tun, würden alle im Chaos landen. Die Welt muss man nehmen wie sie ist und daran arbeiten ihr den Anteil abzugewinnen, der einem selbst zusteht. Das ist ja die Herausforderung an uns Menschen, der wir gewachsen sind, eben weil wir so begabt sind, wie wir es sind. Wir können unsere Begabungen für das Gemeinwesen einsetzen, um daraus keine Privatsache zu machen, was bereits die Wirklichkeit ausschließen würde. Begabungen sind die natürliche Möglichkeit zur Verbesserung des Lebensraums. Was also jeder Begabung zu Grunde liegen sollte ist das Bewusstsein dafür, was ihr bereits vorausgegangen ist.

    Die Gesamtlage lässt sich durch die Menschheit reflektieren, wir können das, wenn wir dafür das Gehirn einsetzen, dessen Bewusstsein in der Lage ist all das zu verarbeiten, was uns gesund und am Leben erhält. Damit meine ich jetzt nicht die Vorgaben derer, die sich permanent in die persönlichen Angelegenheiten einmischen, die jeder selbst zu verantworten hat. Ich versuche durch meine Sichtweise die Aufmerksamkeit auf uns als kausales Szenario im Gesamtbild des Universums zu lenken. Wir, als Ganzes an der Menschlichkeit gemessen, die Gott verkörpert, stehen für den Erhalt eines Lebensraumes, dem nichts mehr nachfolgt. Gott legte in Jesus die Menschlichkeit aus der Menschheit, die ihm dafür zur Verfügung stand. Die Menschheit ist fester Bestandteil dessen, was uns, zumindest nach meinen geistigen Fähigkeiten, die Gegenwart zur Verfügung stellt in der wir heute leben können. Was in der Zukunft aus dieser Tatsache wird, das sollten wir der Zeit überlassen, denn sie stellt ihre Anforderungen jeden Tag an den Lebensraum, den sie verkörpern kann. Je eher wir uns der Wirklichkeit stellen und dafür die Menschlichkeit an den Tag legen, die Gott gegeben ist, umso schneller können wir alle an unserem Wesen genesen. Damit meine ich nicht die Bekämpfung von Krankheiten, die durch gute Ärzte in den Griff zu bekommen sind, ich meine damit die Gesundheit aus einer Kausalität, der wir selbst durch unsere gelebte Menschlichkeit verwehren, was sie täglich von uns fordert.

    Wir sind der Teil der Erde, der durch sein Wesen die Atmosphäre provoziert, die das Leben fördert dem wir uns einfach nicht annehmen wollen. Menschlichkeit kann Sachverhalte aufklären, von denen einzelne Menschen gar keine Ahnung haben, weil sie nicht daran interessiert sind und trotzdem ihren Teil dazu beitragen.

    Ich vertraue der Kraft, die ihre Energie in Zeit setzt und den gesunden Menschenverstand verkörpert, um dadurch zu erfüllen, was der Wirklichkeit entspricht. Da werden sich wohl auch die Menschen noch bekehren, die sich gegen die Wirklichkeit aussprechen und damit nur sich selbst in Frage stellen.

  2. Ein spannender Gedanke, post-faktisches Denken und Handeln mit Grundfragen der Theologie in Beziehung zu setzen. Für mich tun sich da auch systemtheoretische Perspektiven auf:

    Das bahnbrechende Buch von Varela / Maturana, Der Baum der Erkenntnis, handelt von selbstreferentiellen Systemen. Die Elemente, aus denen diese Systeme aufgebaut sind, stellen sie selber her. Von außen kann dieser Prozess nicht beeinflusst werden, das System ist mit sich selbst beschäftigt. Lassen wir diesen Gedanken einfach unkommentiert so stehen und halten nur fest, dass auch das post-faktische Denken selbstreferentiell ist. Es hat sich gegen äußere Einflüsse abgeschottet und schafft sich seine eigene Wirklichkeit.

    Bildet der Konstruktivismus bzw. die Theorie selbstreferentieller Systeme damit den theoretischen Überbau für den grassierenden Populismus heute? Wo sind die Grenzen selbstreferentieller Systeme?

    Drei Argumente dazu:
    Ich kann mir zwar in Gedanken meine eigene Welt schaffen, aber lebe noch immer in der Wirklichkeit, von der ich abhängig bin. Diese Abhängigkeit, Unsicherheit, Armut führt mich zur Demut und zur Einsicht in die eigene Bedürftigkeit. Das selbstreferentielle System öffnet sich zur Umwelt hin.

    Oder aber ich fühle mich autark oder suche die Autarkie. Dann hindert mich nichts daran, mir meine eigene Welt einzurichten und sogar die Wirklichkeit um mich herum zu negieren oder gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen. Hier sind wir beim post-faktischen Danken und Handeln angelangt, das sich gegen Fakten und Argumente von außen immunisiert hat.

    Ein dritter Weg führt bei Varela / Maturana nun interessanter Weise über die Liebe, setzt also den Blick von außen voraus: Ich erkenne, dass meine Wahrnehmung der Wirklichkeit selektiv ist und dass es auch andere Wirklichkeiten um mich herum gibt. Indem ich mich damit auseinandersetze, lerne ich mich selber besser kennen. Meine Welt wird bunter, mein Leben reicher – Leben in Fülle also.

    Was ich sagen wollte: Wir sollten den Versuch unternehmen, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aus systemtheoretischer und theologischer Sicht zu betrachten. Es könnte dann sein, dass wir uns unversehens mit starken Argumenten mitten in der aktuellen weltpolitischen Auseinandersetzung wiederfinden.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Dazu habe ich mich der Bionik angenähert und für mich persönlich festgestellt, dass es vielleicht besser wäre zuerst deren Motivation aus der Natur zu hinterfragen, bevor ihre Techniken in den Nutzen der Menschheit gestellt werden.

      Diese Erkenntnis resultiert aus der Tatsache, dass die Menschheit ganz offensichtlich nicht in der Lage ist ihren Lebensraum vernünftig zu erhalten. Menschen können sich einander näher bringen und missbrauchen dennoch ihre eigene Natur, um deren Möglichkeiten gegen sich selbst zu richten. Es wäre wesentlich sinnvoller sich der kausalen Eigenschaft des Menschen bewusst anzunehmen, um daraus zu fördern, was falsches Verhalten disziplinieren kann.

      Um meine Gedanken abzuschließen: „Das Mundwerk ist mit eine der schärfsten Waffen, die der Menschheit zur Verfügung stehen. In Kombination mit dem Gehirn, dessen Möglichkeiten den einzelnen Horizont bei weitem übersteigen dürften, kann die Lüge ein Leben lähmen, dessen ganzes Potential durch das einzelne Gewissen getragen ist.“

  3. Jorge sagt:

    Das ist eine der Kernbotschaften von Franz seit Anbeginn.

    Er hat immer gegen die „Ideologisierung“ des Glaubens gepredigt.
    Leider drückt er sich dabei nicht immer so aus, dass ihn auch diejenigen verstehen, die das vor allem betrifft (Amerikaner und Konvertiten).

    In Amerika und besonders im Lager der gegenwärtigen Widerständler, ist der Katholizismus extrem von diesem Ideologie-Virus befallen. Den meisten ist das aber anscheinend gar nicht bewusst, denn auch in den intellektuellen amerikanischen Theologenkreisen (auch da viele Konvertiten am Werk) finde ich da keinerlei Diskussionen drüber.

    Ursachen sind glaube ich vor allem der traditionelle Konfessionalismus dort, der sich mit kapitalistischem Marktdenken und der geschichtslosen Kultur zu einem „Supermarkt der Religionen“ vermengt.

    Wenn sich der katholische Glaube in einem Konkurrenzsystem unter vielen Konfessionen bewegt, zwischen denen man je nach Belieben hin- und herkonvertiert, muss sich die eigene „Sekte“ durch möglichst unverwechselbare Alleinstellungsmerkmale von den anderen abgrenzen und auszeichnen. Du musst Wettbewerber ausstechen und dich klar von ihnen unterscheiden, um attraktiv zu bleiben. Das geht am besten durch eine Ideologie. Du brauchst eine „Lehre“ (Ideologie) und musst Abweichler („Dissenter“), die sich nicht linientreu an die Parteidoktrin halten, schnell aussondern.
    Diese Mentalität lag der (letztlich gescheiterten) Dissenter-Kampagne der Glaubenskongregation unter Levada zugrunde, einer Phase, in der man die amerikanische Kirche in Rom gern als vital und zukunftsweisend ansah.

    Die kuriose Konsequenz ist, dass diejenigen, die sich für besonders katholisch halten, weil sie die Parteilinie „apologetisch“ (in Amerika ist das kein Schimpfwort, sondern wird als Apostolat verstanden) verteidigen und rein erhalten, im Grunde genommen die ekklesiologische Dimension der „Katholizität“ gar nicht mehr wahrnehmen.

    Man verwechselt den Glauben mit einem Parteiprogramm und meint, Katholischsein sei durch bestimmte Doktrinen (Familienideologie, Naturrechtsideologie, Pro-Life-Ideologie, Liturgie-Ideologie, Priester-Ideologie) bestimmt. Vielen ist es wichtiger, „linientreu“ katholisch zu sein, als überhaupt christlich zu denken und zu fühlen. Am Ende spielt man das eine gegen das andere aus und will „Katholizität“ ohne Christentum.
    So passiert es bspw. bei den neuthomistischen Philosophen in Amerika, die eigtl. gar keine Gnadenlehre mehr kennen, sondern aus dem angeblich „katholischen“ Neothomismus eine Art Naturreligion mit unverrückbaren „objektiven“ Moralgrundsätzen etc. basteln, wo Erlösung und Befreiung keine Rolle mehr spielt. Auch das ist glaube ich aus der Abgrenzung von den radikalerlöserischen Evangelikalen her zu verstehen, die das „Christliche“ genau in die andere Richtung verabsolutieren.

    Ein Aufsatz, der diese Sonderentwicklung in der Spätphase des Pontifikats Benedikt XVI. ganz gut analysiert und beschreibt, ist von Thomas Schärtl („Amerikanisierter Katholizismus?“ In: Stimmen der Zeit 7/2012, S. 459-471).

  4. Skeptiker sagt:

    Das geht so lange gut, wie „Wirklichkeit“ nicht zu einem Synonym für „Welt“ verkommt.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Ich glaube die Welt ist das tägliche Ereignis aus ihren Inhalten, die reflektiert durch die Menschheit ein mehr oder weniger vollständiges Bild ergeben.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich verstanden habe, was Sie damit sagen wollen. Wo genau ist der Unterschied, den Sie im Blick haben?

      • Skeptiker sagt:

        Welt ist das, was durchscheint, wenn ein Ordensführer die Worte Jesu als unverbindlich bewertet und dem individuellen Gewissen unterwirft.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Da haben Sie aber ziemlich falsch gelesen. Oder nur die recht einseitigen Übersetzungen.

          • Skeptiker sagt:

            Q: Cardinal Gerhard L. Müller, prefect of the congregation for the doctrine of the faith, has said with regard to marriage that the words of Jesus are very clear and “no power in heaven and on earth, neither an angel nor the pope, neither a council nor a law of the bishops has the faculty to modify them.”

            A: So then, there would have to be a lot of reflection on what Jesus really said. At that time, no one had a recorder to take down his words. What is known is that the words of Jesus must be contextualized, they are expressed in a language, in a specific setting, they are addressed to someone in particular.

            Q: But if all the worlds of Jesus must be examined and brought back to their historical context, they do not have an absolute value.

            A: Over the last century in the Church there has been a great blossoming of studies that seek to understand exactly what Jesus meant to say… That is not relativism, but attests that the word is relative, the Gospel is written by human beings, it is accepted by the Church which is made up of human persons… So it is true that no one can change the word of Jesus, but one must know what it was!

            Q: Is it also possible to question the statement in Matthew 19:3-6: “What therefore God has joined together, let not man put asunder”?

            A: I go along with what Pope Francis says. One does not bring into doubt, one brings into discernment. . .

          • Pater Hagenkord sagt:

            Erstens wurde das Interview auf Italienisch geführt. Zweitens: was P Sosa da beschreibt, nennt man Theologie. Exegese, um genauer zu sein. Wer einfach nur Buchstaben zitiert, ohne zu denken, gleitet schnell in den Fundamentalismus ab. Das sollte einem „Skeptiker“ einleuchten.
            Und auch Kardinal Müller tut das nicht.

          • Skeptiker sagt:

            O.k. Theologie heißt also, solange heruminterpretieren, bis das gewünschte, zeitgeistkonforme Ergebnis herauskommt? Das ist Welt pur. Der Fürst der Welt dürfte darüber hocherfreut sein.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das ist jetzt wirklich entweder – Pardon – dumm oder böse. Das hat niemand so gesagt. Sie behaupten so was einfach nur aus dem blauen Himmel herunter. Es kann nämlich auch was heraus kommen, was mir ganz und gar nicht gefällt. Denken kann gefährlich sein. Probieren Sie es doch mal aus.

          • Carlos sagt:

            Wie können die Worte des Herrn einerseits „very clear“ sein und aber andererseits benötigen sie „a lot of reflection on what Jesus really said“? Und mit welcher Zeitmaschine soll man überprüfen, „what Jesus really said“? Wie ist denn „a lot of reflection on what Jesus really said“ möglich, wenn es anscheinend gar nicht klar sein soll, was er überhaupt (gar nicht?) gesagt hat, denn wir haben ja keine Aufzeichnungen?

            Das ist eine sehr seltsame Begründung.

            Ich finde die Worte zum Ehebruch in der Bibel glasklar. Wer das anders sieht, hat die Explizitheit Seiner Worte und die Tradition der Kirche als ziemlich gewichtige Gegenargumente. Erst recht, wenn er seine Zweifel in „Unterscheidung“ umbenennt.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Es gibt „die Bibel“ nicht. Damit fängt es an. Wir haben viele Textzeugen – Dokumente und Abschriften – die sich oft widersprechen. Die Bibel besteht also daraus, die wahrscheinlichste und vernünftigste Zusammenstellung aus all dem zu erstellen, was wir haben, und sie in der Tradition der Kirche gemeinsam zu lesen. Worte können also „clear“ sein, trotzdem brauche ich die Theologie – das Denken – um verstehen zu können, was das meint. Wie wurde dieses oder jenes Wort damals gebraucht? „Haus“ bedeutet in einem aramäisch-jüdischen oder auch in einem griechisch-antiken Zusammenhang etwas völlig anderes als „Haus“ auf deutsch. Das muss man erklären, übersetzen, einordnen.
            Wer das nicht tut, handelt sträflich am Wort Gottes.

          • Skeptiker sagt:

            Wenn man so argumentiert wie Sie, Herr Pater, dann können wir uns das kirchliche Lehramt sparen. Dann ist es egal, was die Kirche 2000 Jahre gelehrt hat. Dann ist auch völlig egal, was in irgendeiner dieser „vielen Textzeugen“ steht und ein jeder sucht sich die Stellen heraus, die zu seinem Lebenswandel passen.
            Die Kirche brauchen wir nur noch zur Bestätigung, daß alles was wir machen in Ordnung geht, Hauptsache unser Gewissen ist hinreichend flexibel.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das hat doch keiner gesagt. Die hauen uns hier die Extreminterpretationen um die Ohren, so kommt man doch nicht weiter. Nein, das Lehramt kann man sich nicht sparen. Nein, es ist nicht egal, was die Kirche gelehrt hat und lehrt. Es ist auch nicht egal, was in „irgendeinem“ dieser Textzeugen steht. Sie missverstehen und machen das zum Prinzip.

          • Suarez sagt:

            @Carlos

            „Ich finde die Worte zum Ehebruch in der Bibel glasklar.“ In der Tat, dann vertreten Sie also die Steinigung von Ehebrecherinnen?

            „Wie können die Worte des Herrn einerseits ‚very clear‘ sein und aber andererseits benötigen sie ‚a lot of reflection on what Jesus really said‘?“

            Wissen Sie, was Josua nach biblischer Überlieferung und mittelalterliche Mönche täglich bis zum Lebensende gemacht haben? Die Bibel ruminiert und meditiert.

            Ihre Worte verraten, dass Sie die Bibel NICHT gelesen haben. Und verstanden haben Sie auch nichts.

  5. Stephan sagt:

    Eben habe ich auf der New York Times Seite eine Rede von Trump vor einer Versammlung der „Konservativen“ gehört und gesehen. Eine Blut-und Boden Rede…mir wird schlecht…der Mann ist böse, er hasst die Menschen, das ist zu spüren. Er hasst auch die Kultur, die die Menschen aufgebaut haben, die Rede erinnert, was Bosheit und Dummheit betrifft, auch Wortwahl und die Art der Manipulation an die Reden Kaiser Wilhelm II und Hitlers.
    Viele Historiker sind sich einig, daß der Neid Hitler hochgebracht habe. Joachim Fest betonte in seiner Hitlerbiographie, daß in den 20iger Jahren ein schamloses Zurschaustellen von Reichtum üblich wurde und die Einkommensschere zu klaffen begann……..Eben lese ich in der FAZ, der VW Vorstandschef habe nun sein eigenes Einkommen auf 10 Mio jährlich gedeckelt, das der anderen Vorstände auf 5,5 Mio. Ein früherer bekäme 3.100 Euro täglich (!) als Rente. Ein unwirkliches Gefühl beschleicht mich beim Lesen..wirklich?..wo ich auch denke, wie die meisten Menschen leben. Fängt’s nicht hier an, mit dem Wirklichkeitsverlust, mit dem gefakten? Bei der Entkoppelung von Arbeit und Geld und Würde? Bringt das vielleicht diese Trump Leute hoch und die Bereitschaft, die Wirklichkeit nicht anzuerkennen?

    • FÜR @Carlos und @Skeptiker

      kurzer Eindruck zum „Klang“ Ihrer Beiträge :

      unabhängig von der Aussage ihrer Wortmeldungen:

      mich würde -oder ist das über griffig – interessieren welche Bedeutung das LEBEN Jesu und besonders in seiner Essenz den Seligpreisungen für Sie bedeutet??

      ihre Texte kann ich eigentlich nicht mit seiner Botschaft synchronisieren …???

  6. F. H. sagt:

    Meine Rede seit Wochen und Monaten.
    ..und mir völlig unverständlich wie die Konservativen, auch die konservativen Katholiken reihenweise um- und hereinfallen auf diesen Spalter und Lügner (sorry, wenn ich das so sage, aber es wurde vor wenigen Tagen festgestellt, dass er seit Amtsantritt mindestens 133 mal nachweisbar die Unwahrheit gesagt hat). Der „Gottseibeiuns“ tut hier ein mächtiges Werk und die Frommen machen sich (wieder einmal) zu willigen Werkzeugen.
    Und dann der Mann im Hintergrund, Stephen Bannon, ein katholischer Fundi, der nicht nur hinter Trump die Strippen zieht, sonder – u.a. über Kardinal Burke – auch auf den Vatikan Einfluss zu nehmen versucht.
    Oder Paul Ryan, ebenfalls Katholik, der das alles unterstützt oder wenigstens nichts dagegen unternimmt…
    Es ist zum Verzweifeln! Hinterher will wieder keiner etwas gewusst haben…

    • F. H. sagt:

      Dieser Kommentar war als Antwort auf #5 von @Stephan gemeint.

      • Stephan sagt:

        Schon gut. Mit „Konservativen“ meinte ich hier diese Gruppierung in den USA, die sich selbst so nennen und ich habe es in Anführungszeichen gesetzt, weil sie nicht etwas bewahren, sondern wohl explizit und auch implizit etwas zerstören wollen. Korrekter wäre es, zu sagen: Die Destruktiven. Mein Kommentar bezog sich nicht auf die Kirche sondern auf Pater Hagenkords Erläuterungen zum Papst und zur amerikanischen Regierung. P. Hagenkord macht’s schon gut mit der Rückkehr auf den Boden, alles etwas abzukühlen, dann geht das Denken leichter. Es ist ja im weissen Haus doch vor allem auch Realsatire und immer noch gilt: „Stell Dir vor sie machen Krieg und keiner geht hin!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*