China? China!

Es ist uns eine ganz und gar fremde Welt. Weder die Sprache, noch die Geschichte haben viel gemein mit uns. Dabei ist es einer der großen Player auf der Welt, heute mehr als je zuvor: China.

Der Vatikan hat ein vorläufiges Abkommen mit der Volksrepublik geschlossen, in dem es um die Ernennung von Bischöfen geht. Und Papst Franziskus hat im Anschluss daran eine Botschaft an alle Katholiken Chinas und darüber hinaus verfasst, in der es genau darum geht.

Bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz

Bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz

Viele Päpste haben sich lange Zeit um ein solches Abkommen bemüht, nach langen Verhandlungen ist es nun soweit. Auch wenn das noch nicht das Ende ist, sondern – wie alle betonen – ein Schritt oder ein neuer Anfang.

Jetzt sind also alle Bischöfe Chinas in Gemeinschaft mit der Weltkirche und Rom, auch die ohne Erlaubnis Roms geweihten. Und es gibt ein Verfahren zur Ernennung neuer Bischöfe, das alle Beteiligten einbezieht, so verstehe ich das Faktum, dass es ein Abkommen gibt.

 

Was ist denn die Alternative?

 

Die Kritik ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Laut war ein chinesischer Kardinal, der hart mit dem Vatikan ins Gericht geht und behauptet, der Papst sei gar nicht richtig informiert (was dieser selbst in einer Pressekonferenz widerlegt hat).

Kritik gab es aber auch hier, bei uns. Zum Teil sehr deutliche.

Nun kann man ja denken, was man will. China ist ein Land, das aus unserer Perspektive schwer zu verstehen ist. Sprache und Kultur und Geschichte sind nicht die unseren. Gleichzeitig kommen all diese Alarmgeschichten in den Medien vor, über Afrika und Lateinamerika und die Investitionen Chinas dort.

 

Kritik von außen

 

Und natürlich über Kontrolle und so weiter. Die Katholische Kirche liefere nun die Katholiken dem Staat aus, lautet – mehr oder weniger scharf – die Grundkritik. Sie gebe ihre Unabhängigkeit auf.

Bisher gab es Spaltungen. In den Medien hier werden die meist als „Untergrundkirche“ und „Patriotische Kirche“ in zwei Lager geteilt, aber wie mir alle Chinesen, die ich kenne, versichern, ist die Lage etwas komplexer. Schwarz/weiß macht sich gut, passt aber nicht auf die Realität.

 

Was hilft den Menschen?

 

In meinen Überlegungen beim Schreiben von vielen Artikeln dazu im Frühsommer dieses Jahres bin ich immer wieder auf dieselbe Frage gestoßen: Was ist denn die Alternative? Man kann verlangen, dass sich alle Katholiken in den Widerstand begeben und die Spaltung weiter besteht, das macht sich vor allem gut von außen, wenn man das nicht erleben muss. Aber menschlich und kirchlich ist das falsch.

Außerdem: Die Frage ist doch, was den Menschen dort hilft. Nicht wie viele Einfluss der Papst hat oder so, sondern das Leben der Gemeinden und der Menschen steht im Vordergrund. Spannungen mit dem Staat helfen nicht. Rechte helfen. Und auch wenn es erst einmal nur um Bischofsernennungen geht, das ist doch was.

Ein Kollege meinte vor einiger Zeit, von einem „Reichskonkordat“ sprechen zu müssen, er verglich das damals nur erwartete Abkommen also mit dem Vertrag Vatikan – Nazi-Deutschland. Das ist purer Eurozentrismus.

Dialog ist besser als kein Dialog. Natürlich weiß keiner, wie sich das Abkommen auswirken wird. Aber wir wissen, dass wir ohne Abkommen nicht besser dastünden als jetzt. Und um der Christinnen und Christen dort willen freue ich mich, dass der Schritt gemacht wurde.

 

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16 Kommentare zu China? China!

  1. bernard sagt:

    Ich will’s ja gerne glauben, dass das Vatikan-China-Abkommen den katholischen Chinesen hilft; sie hätten es bitter nötig nach so langer dramatischer Verfolgung (die ja offenbar noch nicht abgeschlossen ist). Aber so lange man nicht wirklich weiß, was alles in dem Vertrag steht, ist eine Beurteilung schwierig. Die war es auch zu Zeiten des (europäischen) Ostblocks, als ein Agostino Casaroli mit den Regimes dort verhandelt hat und sich – durchaus auch aus berechtigten strategischen Gründen – nicht wirklich in die Karten schauen ließ. Als der Ostblock dann zusammenbrach, kam einiges heraus, was zwar der Kirche als “Institution” genützt hat, “den Menschen” aber nicht unbedingt. Die Untergrundpfarrer in der Ex-CSSR beispielsweise, die fühlten sich schon im Stich gelassen – etwa wenn sie unter den obwaltenden Bedingungen (zur Tarnung gegenüber der Geheimpolizei?)geheiratet hatten und dann schmächlich in die griechisch-katholische Kirche abgedrängt wurden…

  2. mig sagt:

    “Was ist denn die Alternative?”

    Es so lassen wie bisher.

    Jeder Vertrag/Vereinbarung kann dann insgesamt ein Nachteil sein, wenn er der Gegenseite Möglichkeiten bietet, einen über den Tisch zu ziehen, und die Gegenseite nicht guten Willens ist.

    Ist dass der Fall, dann kann kein Vertrag/Vereinbarung besser sein als einer.

    Ob das hier so ist, hängt ab von:

    a) den Details der Vereinbarung – die wir nicht kennen
    b) das Ausmaß an guten Willens bei der chinesischen Führung – was uns unbekannt ist

    Deshalb ist es auch nicht weiter überraschend, dass man zu gänzlich anderen Einschätzungen kommen kann, ob diese Vereinbarung mutmasslich gut oder schlecht für die Katholiken in China sein kann.

    Denn es gibt ja durchaus ein gewissens Meinungsspektrum, ob von gutem Willen bei einer Führung auszugehen ist, die laut Bundeszentrale für politiische Bildung – einer offiziel dem Bundesinnenministerium unterstehenden Behörde – Menschenrecht und damit ggf. auch Religionsfreiheit in folgender Weise handhaben soll:

    http://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/38775/china?p=all

    “Für die kommunistische Partei Chinas (KPC) sind Menschenrechte kein unumstößliches Prinzip, sondern ein Instrument zum Machterhalt. Geschützt wird, was nützt.”

    Hätte die BPB recht, wäre natürlich zu hoffen, dass sich die vatikanischen Diplomaten genaue Gedanken darüber gemacht haben, warum die chinesische Führung denn meint, dass die Vereinbarung ihrem Machterhalt nützt. Denn davon hinge es ab, wie sie sich als Vertragspartner verhalten.

  3. mich erinnert die Opposition zu diesem PASTORALEN

    -ist ja nur ein erster Schritt zu einer Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen –

    bei allen Unterschieden an die späten 1960er Jahren bei uns an die Ostpolitik Brandt(Bahr)-Scheel.

    was war DAS für ein Aufstand der damaligen CDU/CSU Opposition – man muss wissen, dass das in Teilen eine ganz andere Partei war..

    es gab da ja noch Leute die Teile Ostpolens (Masuren) in die BRD einverleiben wollten.. JA!!

    der Brandt`sche Kniefall am Warschauer Ghetto 1970 wurde von aufgehetzten Landsleuten verhöhnt…

    WOHIN als ein wichtiger Baustein Baustein die Versöhnungspolitik Brandts 1989 geführt hat ist bekannt..

    die jetzige Initiative von Papst Franziskus sehe ich ähnlich.

  4. Elasund sagt:

    Meinen ersten Bischof habe ich bei meiner Firmung gesehen. Vermutlich ist es bei vielen chinesischen Katholiken nicht anders. Chinesische Christen sind in Untergrundkirchen, weil sie sich nicht offiziell registrieren lassen möchten. Diese Registrierung bedeutet, dass der Pastor genehmigt sein muss von den chinesischen Behörden und dass ein offizieller Vertreter des Staates bei allen Versammlungen dabei ist und dass auch der Inhalt der Lehre überwacht wird. Ja, es ist nicht schwarz/weiß und manche lassen sich dann doch registrieren, weil sie damit doch irgendwie mehr Freiheit haben als ohne Registrierung. Also diese Frage würde mich viel mehr interessieren als Bischofsernennungen: Wie ist es mit den Gottesdiensten der chinesischen Katholiken? Kommen die jetzt unter die Aufsicht des Staates? Und was passiert, mit den katholischen Gemeinden das weiterhin nicht möchten?

  5. Michael Ellwanger sagt:

    China ist mir nicht fremd. Konfuzius, Sun Tzu und die Chinesischen Kulis. Sie kennen kein Wort für den Himmel.

    Apple weiß warum es in China produzieren lässt. Die Kalifornier sind nicht in der Lage iPhones in der Quantität und Qualität zu produzieren wie die Chinesen.

  6. Einfacher Katholik sagt:

    Mich irritieren an diesem “Abkommen” gleich mehrere Aspekte. Das Schicksal der Kirche in China, die nun den Kommunisten gänzlich ausgeliefert zu werden droht, ist ein Aspekt.
    Ein anderer, nicht ganz so offensichtlicher Aspekt, der irritiert, ist ein Name, der im Zusammenhang mit diesem “Abkommen” immer wieder fällt: McCarrick

    • Pater Hagenkord sagt:

      Der Name wird zwar herbei behauptet, bis jetzt habe ich aber noch nichts gelesen oder gehört, was irgend ein Beweis wäre, dass er wirklich involviert war.
      Und ob das eine “Auslieferung” sein wird, hat sich der Vatikan sicherlich gut überlegt.

  7. Elasund sagt:

    Stimmt das wirklich, dass die Vereinbarung selbst nicht bekannt ist? Falls ja, WER kennt dann die Vereinbarung? Was erfahren die chinesischen Katholiken? Ich finde es okay, wenn ich als Deutsche solche “Internas” nicht erfahre, aber eigentlich diskutieren wir dann völlig im Dunkeln, oder?

  8. Michael Ellwanger sagt:

    Der verstorbene Kardinal Jean-Marie Lustiger, Bischof von Paris hat einen chinesischen Papst perhorresziert. Die Chinesen wüssten, wie man verwaltet…

  9. mig sagt:

    “Dialog”

    Das Wort mag ich inzwischen gar nicht mehr. “Gespräche führen”, “sich austauschen”, etc. alles toll; aber wenn ich “Dialog” lese ist es für mich gleich eher negativ besetzt.

    Vermutlich weil zuviele Politiker mit dem Begriff um sich schmeißen.

    • Stephan sagt:

      30 bis 50 % der Bevölkerung sollen nach unterschiedlichen Untersuchungen gar nicht dialogfähig sein. Bedenken Sie bitte einmal, ob Sie etwa dem Teil der Bevölkerung zugehören, dem das grosse Glück der Befreiung und Begegnung im Dialog verschlossen und bis jetzt unzugänglich ist?

  10. mig sagt:

    Bin gerade etwas irritiert, denn laut z.b. Catholic Herald soll jetzt erst darüber gesprochen werden, ob denn China ein dutzend “untergrund” Bischöfe hoffentlich bis Dezember anerkennen mag.

    @Pater Hagenkord: Kann das fake news sein?

    Denn irgendwie ist es irritierend, dass quasi eine Einigung verkündet wird, die dann die Spaltung der Kirche in China überwinden soll, wenn ein dutzend Bischöfe noch “abgespalten” sind und über die noch verhandelt werden muss.

    • Pater Hagenkord sagt:

      So wir richtig gezählt haben, geht es um etwa 20 Bischöfe, die von staatlicher Seite den Prozess durchlaufen, den die 8 Bischöfe von kirchlicher Seite schon durchlaufen haben. Die sind nicht abgespalten, alle Bischöfe sind in Gemeinschaft mit der Weltkirche.

      • mig sagt:

        “die von staatlicher Seite den Prozess durchlaufen, den die 8 Bischöfe von kirchlicher Seite schon durchlaufen haben.”

        “den” Prozess hieße, dass es ein mehr oder weniger spiegelbildlicher Prozess ist.

        Die 8 Bischöfe mussten doch letztlich sich dem Papst unterwerfen und ggf. sich für Fehlverhalten entschuldigen und wurden überprüft, ob sie als Bischöfe aus Sicht der Kirche geeignet sind.

        Sie mussten also gewisse Anforderungen seitens der Kirche des Papstes erfüllen; was sie offensichtlich haben.

        Heißt das, dass die 20 nunmehr auf die Erfüllung von Anforderungen der chinesischen Behörden überprüft werden müssen?

        • Pater Hagenkord sagt:

          Da ich nicht Teil der chinesischen Behörden bin, kann ich diese Frage nicht beantworten.

          • mig sagt:

            Dann gibt es eine wesentliche Unbekannte, die fast ganz in der Hand der chinesischen Behörden.

            Der Papst hat in seiner schriftlichen Botschaft bezüglich dem Abkommen um Vertrauen geworben, Vertrauen in ihn, Vertrauen in die Kirche und Vertrauen in die Führung durch den Heiligen Geist. Dieses Vertrauen soll er von jedem Katholiken haben.

            Nur da es eine bei den chinesischen Behörden liegende wesentliche Unbekannte des Abkommens gibt, müsste eigentlich jeder Befürworter des Abkommens Einsehen, dass nicht jeder Katholik das Abkommen gut finden wird.

            Denn während Vertrauen in Gott und Kirche sowieso und in den Papst in gewissem Maße katholische Pflicht sind, kann man guten Anlass haben, der Führung einer formal kommunistischen Partei nicht zu trauen.

            Ich denke da vor allem an die chinesischen Katholiken und auch an den “lauten” Kardinal, die vielleicht Grund zum Misstrauen haben und denen man deshalb schlecht vorhalten kann, wenn sie mangels Vertrauen in die Führung der Kommunistischen Partei Chinas das Abkommen ablehnen/skeptisch sehen.

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