Christsein: Nicht Lehre sondern Begegnung

Von Jesus das Beten lernen ist keine technische Sache, kein Erlernen von besonderen Fähigkeiten. Man lernt keine Tricks und keine besonders wirksamen Vokabeln. Es ist ein sich mitnehmen lassen in das Gebet Jesu. Wer sich von Jesus zum Gebet anleiten lässt, schaut sich nichts vom Herrn und Meister ab, sondern macht mit in diesem Gebet. Man steigt ein in die Beziehung Jesu zum Vater.

In seiner Gebetsschule ging Papst Benedikt XVI. auch an diesem Mittwoch bei der Katechese zur Generalaudienz auf die „Innere Gemeinschaft mit dem Vater“ ein, von der er in der vergangenen Woche gesprochen hatte. Von da her erschließe sich das Christsein, das Jüngersein.

Analog dazu: Wer Christsein als Befolgen von zu erlernenden Regeln betrachte, treffe nicht das Herz des Christseins. Es ginge nicht um Ethik oder Moral, nicht um das Befolgen einer Lehre. Es geht zuerst und im Kern um Nachfolge, so der Papst, also um lebendige Begegnung. Lebendige Begegnung: Das ist eine Beziehungssache, und dazu braucht es Kommunikation. Wobei wir wieder beim Gebet wären. Es brauche Offenheit und den Willen zum Verstehen, es brauche den Willen, die eigene Selbstgenügsamkeit hinter sich zu lassen. Dann werde man Christ, dann kommuniziere man, dann bete man.

Benedikt XVI. erklärte dies anhand einer Bibelstelle:

Matthäusevangelium, aus dem 11. Kapitel:
In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.

 

Wörtlich sagte der Papst:

„(..) Dieser Jubelruf ist ohne Zweifel ein Juwel im Beten des Herrn, das uns zugekommen ist. Deutlich sehen wir darin, greifen wir gleichsam die innige Gemeinschaft Jesu mit dem Vater und seine Gottessohnschaft: Jesus nennt Gott „Vater“, und er selbst ist der „Sohn“ und sagt uns, nur der Sohn selbst kennt den Vater. Das heißt kennen kann man nur jemanden mit dem man in Seinsgemeinschaft steht.

Ohne eine Gemeinschaft des Seins, des Miteinanderseins kommt auch keine Erkenntnis auf und nur er ist so beim Vater, so Eins mit ihm, dass er ihn wirklich kennt. Daher kann nur er aus seiner Sohnschaft, aus seinem Mitsein mit dem Vater sagen, wer er ist. Nur durch ihn können wir dann auch um Gott wirklich wissen.

Jesus ist der Sohn und wem offenbart er das? Dem Kleinen. Das ist die Umkehrung der Logik in der Welt. Zunächst geht man an die gescheiten, mächtigen Leute und dann sickert es auch irgendwie zu den Kleinen durch. Gott macht es umgekehrt. Er geht nicht über die Mächtigen und Großen und Gelehrten.

Die Kleinen, die Einfachen sind es, denen er sich öffnet. Und ihnen kann er sich öffnen, weil sie näher an seinem Herzen sind, weil sie auf ihn warten und sich nicht selbst genügen, sondern wissen, dass sie nur durch sein Heruntergehen ihn sehen können. So sagt uns Jesus, wenn wir Gott erkennen wollen, müssen wie –wie wir auch sonst in der Welt seien, groß oder klein, gescheit oder dumm – einfachen Herzens sein, reinen Herzen sein, müssen wir da hinkommen, wo wir zu diesen Kleinen gehören, die wissen, dass sie Gott brauchen, die auf ihn warten und für ihn offen sind.

Bei Matthäus folgt dann auf den Jubelruf die Einladung des Herrn: „Kommt alle zu mir […] Lernt von mir, denn ich bin von Herzen gütig und demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11,28.29). Von Jesus lernen.

Und was sollen wir lernen? Eben die Güte, die Demut, die wahre Reinheit des Herzens. Der Weg, den er uns zeigt und auf dem wir in allen Schwierigkeiten der Welt innere Ruhe und Frieden und Freude finden, ist der nicht irgendetwas zu wissen, nicht Theorien zu erfinden, sondern Ihm nachzugehen, Ihm ähnlich zu werden, in die Gemeinschaft mit seiner Person und so mit dem lebendigen Gott selbst zu kommen, Kinder Gottes, Söhne Gottes, Töchter Gottes zu werden. Dann leben wir richtig.

(…) In Christus dürfen wir mit kindlichem Vertrauen sagen, wie Christus gesagt hat, Gott den Vater nennen. Im Gebet wollen wir unser Herz einfach machen, offen werden für Gottes Gaben und bereit, den Willen des Vaters erfüllen und so auch dann die innere Ruhe, die Freude finden. Nutzen wir dazu diese Zeit des Advents!“

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2 Kommentare zu Christsein: Nicht Lehre sondern Begegnung

  1. Annemarie Wachsmann sagt:

    Himmlisch!!!Einfach nur himmlisch.

  2. H.Sattel sagt:

    Zu Kapitel 11: Da würde ich als “oberster Lehrer und Richter über den Glauben” und theologische Lehrmeister aber aufhorchen, darin eben der himmlische Vater es den “Kleinen und Unmündigen” offenbart und ein Paulus vom HEILIGEN GEIST erfüllt sagt:”…das Törichte in der Welt, hat GOTT erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat GOTT erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete nhat GOTT erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich vor GOTT rühmen kann.
    Aber wie es halt so ist: es sind schöne erbauliche Worte, darin es dabei bleibt, dass das, was und wie zu glauben ist, von “oben” diktiert, bzw.zugelassen wird, weil eben eine Hundertschaft Fehlbare die Unfehbarkeit ergeben, obwohl diese WORTE JESU als WAHRHEIT auch von dieser “Hundertschaft” anerkannt ist.
    So lerne ich wohl bei jenen über GOTT mehr wie bei jenen, die meinen, dass sie über GOTT und dessen Wirken Bescheid wissen. GOTT öffnet sogar einem Esel den Mund um einen in die Irre gehenden Propheten wieder auf den rechten Weg zu bringen.

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