Dieser Jesus ist mir zu klein

Es ist eine reife Zeit für Bücher über Jesus. Klaus Berger – er hat darüber auch hier in diesem Blog gesprochen – oder Papst Benedikt XVI., um nur die Bekanntesten der letzten Jahre zu nennen. Aber es gibt auch noch andere.

Hans Küng zum Beispiel. Der hat auch wieder ein Buch geschrieben, „Jesus“. In den 90ern hatte er sein „Projekt Weltethos“ auf den Weg gebracht, und zwar durch Institut, Bücher, Tagungen, Vorträge und generell viel Wort. Aber er ist auch einen Schritt weiter gegangen und hat ein Libretto zu einem Chorwerk geschrieben, das der britische Komponist Jonathan Harvey vertonte und das im Oktober von niemand geringerem als Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern aufgeführt wurde. Ein ehrenwertes Unterfangen, den Schritt aus dem Wort heraus zu gehen und andere Mittel der Weitergabe und Auseinandersetzung zu versuchen.

Was seinen „Jesus“ angeht, scheint es etwas anderes zu sein, es will ein Buch über die historische Gestalt sein. Ich muss Sie vorwarnen: Ich habe das Buch selber nicht gelesen. Ich habe aber die Berichterstattung über die Buchvorstellung verfolgt. Es ginge ihm nicht um den dogmatischen Jesus, sondern um den Menschen aus Fleisch und Blut, so Küng. Nicht überraschend sieht Küng sich selbst in diesem Jesus: Jesus habe das politisch-religiöse Establishment herausgefordert und die Sache sei schlecht ausgegangen. Fällt ihnen da etwas auf?

Und so wird der Abend der Buchvorstellung – Thomas Gottschalk war der Vorstellende – dann auch berichtet: Es sei mehr um Küng gegangen, als um den historischen Jesus. Abgesehen, dass das die Gefahr bei jeder Reduzierung Jesu auf bloß einen Menschen ist, sehe ich da noch etwas anderes:

Küngs Jesus ist ungefährlich, weil er eben nicht der Jesus der Glaubenswahrheiten ist (das sagt er ausdrücklich, um „seinen“ Jesus vom Jesus der Bücher Papst Benedikt XVI. abzugrenzen) sondern ein Rebell. Und bei allem Respekt für Rebellen: Die bleiben in der Welt. Mit diesem Jesus an der Seite kann sich Küng – und können sich andere – eben nur den immer gleichen Themen zuwenden. Oder haben Sie Küng schon einmal über den Glauben sprechen hören?

Mit ist dieser Jesus zu wenig. Er ist mir zu klein, zu verzweckt. Seit Jahren höre und lese ich immer wieder, dass Jesus in Wirklichkeit ganz anders gewesen sei. Und der nächste Schritt ist dann immer der, dass dieser Jesus dann einer neuen Vorstellung, Mode, Ideologie, Methode, ‚Spiritualität’ oder sonst etwas anderem unterworfen wird. Wie der des Rebellen.

Der nächste Schritt ist dann der, dass wir von Jesus sprechen in der Form „Für mich ist er …“. Dann ist er endgültig privatisiert und unschädlich gemacht. Jesus war ein Rebell. Und er bleibt einer. Er rebelliert gegen die Schubladen, in die ihn Menschen heute stecken.

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16 Kommentare zu Dieser Jesus ist mir zu klein

  1. A.Wachsmann sagt:

    wie freue ich mich immer wieder neu, dass ich all diese bücher nicht kenne.den spaß erlaube ich mir bis ans ende meines lebens. und wie habe ich nur theologiediplom ohne diese jesusbücher machen können? jeder schreibt sich selber in büchern, den verdacht habe ich an allen ecken und enden. der historische jesus war damals in meinem studium nicht auffindbar. habe ich gelernt. und lebe immer noch, der lebendige geist jesu ist nacherzählt von begeisterten jüngern in der bibel, nt, zu finden. er war ein mensch, so heißt es doch: gott wurde mensch.nicht überhöhte christusgestalt. und menschen sind widersprüchlich.mal mitgefühl mit maria magdalena, mal zieht er aggressiv..stimmt: heiliger zorn, sonst erträgt man es nicht..durch den tempel.mal will er seine ruhe. mal geht er übers wasser. beruhigt den sturm. ich kenne gott sei dank einen priester (jesuit), der gut mit diesen widersprüchlichkeiten umgehen kann und einem nicht die ohren vollpredigt oder über was anderes redet..jesus ist mensch, sogar verbrecher offiziell, einsam, fühlte sich von gott verlassen, wurde von seinen sogenannten freunden verraten..hatte angst am ölberg..hat sich nicht auf seiner gottessohnschaft ausgeruht, sondern wollte den kelch erstmal nicht.hat geliebt und wollte geliebt werden..das alles sind erzählungen von begeisterten jüngern. w a r u m brauchen wir noch jesusbücher? ich halte mich an ignatius und seine art, mit bibel umzugehen..jesus ist auferstanden und..werden wir nicht auch auferstehen? diesen jesus aus den erzählungen kann man als vorbild nehmen. den überhöhten nicht.ein revoluzzer, der den willen gottes ernstgenommen hat. und also ist die verbíndung zum himmel da.töchter und söhne gottes sind wir alle..neuere theologie.mit entsprechender verantwortung.für unser seelenheil, für das heil der erde.nachfolge jesu ist das.es ging gott wohl drum, wie wir als menschen ihn suchen und ihn finden. nicht als überhöhte christusse. der überhöhte christus ist der, den wir anbeten. als einen teil der trinität.jesus ist der, der uns den weg weist als menschen.

  2. A.Wachsmann sagt:

    jesus wurde immer schon in eine schublade gesteckt. als ich kind war, war er der jesus des jüngsten tages. dann wird jesus am jüngsten tag zu euch sagen, seht, ich kenne euch nicht..bischen apokalypse dazu macht ja nichts.genau dagegegn, gegen diese entsetzliche rächergottschublade haben sich die gewandt, die ihn irdisch werden ließen..irdisch ist nicht schlecht. noch der irdische jesus ist anstrengend. sehr anstrengend. 40 tage wüste mit versuchungen. was ist da früher draus geworden? jesus hat ja gewußt, dass er gott ist. aha. der 12 jährige im tempel, der seinen eltern entwischt..jesus hat ja gewußt, dass er gott ist..alle widersprüchlichkeiten im nt wurden so gebogen, dass sie paßten. jesus hat immer alles gewußt..na, dann fühle ich als mensch mich doch ver—die apostel wurden gleich mit überhöht. wer sagt, m i r ist dieser jesus zu wenig, reduziert ihn auch auf eigene bedürfnisse. jesus als mensch ist arbeit genug. toleranz, liebe, geliebt werden wollen von stümpern wie petrus, die mehr als liebhaben nicht zustandebringen.weinen über den tod des lazarus..seiner zeit voraus sein, was die gängige moral angeht. ausflippen..klug sein.lasst ihn auf der erde, den jesus. da haben wir satt und genug zu tun, wenn wir den verstehen und gar ihm nachfolgen wollen.auf der erde und den willen des vaters ernstnehmen.

  3. Ameleo sagt:

    Eine ein wenig differenzierte Kritik an Küngs „neuem“ Buch findet sich auf den Seiten der DBK: http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=7924.

    „Jesus ist für mich…“ zeigt gerade die große Bandbreite und das weite Spektrum dessen, was er alles umfasst. Es macht ihn weder harmlos noch verkürzt es ihn. Seine ganze Fülle kann ohnehin niemand erfassen – ja: auch nicht die römisch-katholische Kirche, selbst wenn sie so etwas für sich beanspruchte!

  4. KRP sagt:

    Es ist eingleisig Jesus n u r als menschlichen Rebell, zu sehen. Er ist sehr viel mehr und weit größer er ist göttlicher Rebell, er sieht die Welt nicht nur mit menschlichen Augen er sieht aus den Augen Gottes und er hat die ganze Welt im Blick. Kann ein Mensch wirklich die ganze Welt im Blick haben? Ich glaube nicht.Ich habe gestern ein Interview mit dem Astronaut Ulrich Hans Walter gesehen er hat erzählt wie er die Erde gesehen hat vom Weltraum aus, als ganzes ohne Grenzen, Grenzen die Menschen gemacht haben. Gott sieht die Welt auch ohne Grenzen im Ganzen nicht nur Teile was der Mensch sieht, das ist mir eingefallen jetzt beim lesen diese Artikels. Menschen sehen nur Teile, Gott sieht alles.

    • A.Wachsmann sagt:

      wer den willen gottes tut, sieht die welt auch mit den augen gottes.von unten sogar.wenn man gott oben im weltraum lokalisiert..gott in allen dingen ist etwas schwieriger.wenn man meditiert, fallen die schranken von zeit und raum.auch der mensch hat den göttlichen funken.

      • KRP sagt:

        Der Mensch mag den göttlichen Funken haben oder erkennen, aber die ganze Flamme erkennt er denke ich erst am Ende seines irdischen Weges.

        • A.Wachsmann sagt:

          on ne voit bien qu’avec le coeur. l’essentiel est invisible pour les yeux.

        • A.Wachsmann sagt:

          den göttlichen funken im anderen erkennt man tunlichst zu lebzeiten, weil nämlich dieser göttliche funke doch der grund ist, alle zu lieben, auch die verbrecher..habe ich mal sehr ausführlich gelernt.zumindest sind alle menschen von gott erschaffen nach seinem ebenbild.und laut teresa von avila, kirchenlehrerin seit 1970, hat gott das bild eines jeden menschen in seinem innern.in meines herzens tiefe, trage ich dein portrait, so echt gemalt..sähst du, wie es vor leben strahlt, verstummte jede bange frage.—o seele suche dich in mir..und, seele, suche mich in dir..in diesem gebet geht es auch um die liebe..da steht nichts von jesusbüchern, sondern von selber entdecken..ein langer weg und keine wohlfühltheologie.

          • KRP sagt:

            Man sieht nur mit dem Herzen gut, das wichtige ist für die augen unsichtbar genau und aus diesem Grund ist das Suchen, finden und entdecken ein langer Weg der bis ans Ende des irdischen Lebens andauert. Stückwerk ist unser erkennen, und sicher nicht in all diesen was weiss ich in wievielen Büchern die es gibt.

  5. A.Wachsmann sagt:

    jesus ist erstmal mensch und als solcher nicht bereits gott auf erden.es sei denn, mesch ist jemand, der vor sich hindumpft.alles ,was er getan hat ,wird gleich überhöht. wer hat da die glaubensprobleme, küng oder kirche..nebenbei kommt der heilige vater sehr viel besser mit küng klar als die künggegener.wenn es verboten ist, zu sagen, was jesus für uns oder für mich ist..man kann nur soviel glauben, wie die erfahrungen und der verstand hergeben. oder man übernimmt sang- und klanglos kirche oder den pfarrer. der eine prediger nennt ihn unseren freund, der andee unseren bruder, der nächste den herrn..was stimmt denn? quadratur des kreises. wenn jesus nicht bald mensch sein darf mit bezug zu gott ,wie man ihn haben muss….himmel und erde…wenn lieber über ihn geredet wird als mit ihm..sehe ich schwarz. teresa von avila hatte nicht viel kontakt zur bibel, weil bibel damals nicht in die landessprache übersetzt werden durfte und frauen bibel nur in auszügen vorgesetzt bekamen von männern..sie hat ihn direkt erfahren, den christus.jesus. hat ihn unseren freund genannt. ihren geliebten am ende ihres lebens. wenn ich mir ansehe, was mit jesus alles verbraten wird, ist er fast umsonst auf die welt und umsonst gestorben. man läßt ihn nicht mensch sein. die heiligen durften auch nicht mensch sein und dürfen es bis heut oft nicht. kein wunder, dass selberdenkende sich ihren jesus selber zusammensuchen., man betrachte das jesusgebet..wer es übt, kennt die folgen.der jesus ,der einem da begegnet ist anders.kein buchjesus.kein kirchenjesus.ich hab immer den eindruck, katholiken sind bis heut bibelscheu.und meditationsscheu.

  6. P. Krafft sagt:

    Ist das ein Wettstreit wer kennt Christus besser, niemand kennt den Sohn besser als der Vater und niemand kennt den Vater besser als der Sohn.

    • A.Wachsmann sagt:

      das ist eine auseinandersetzung, jeder erzählt hier seinen glauben. und was den vater und den sohn angeht:das ist theologie.

  7. A.Wachsmann sagt:

    was mich so engagiert sein läßt hier: dem menschlichen jesus mit seiner schrittweisen hingabe an den willen des vaters kann man nachfolgen. dem kirchenjesus nicht. ebenso den heiligen, die mensch sein dürfen.ebenso hat man zu einem priester, der mensch sein darf, eine ganz andere beziehung als zu einem überhöhten…dem jeder firlefanz angekreidet wird. müssen wir theologen ja auch mit leben..was man als theologe alles nicht darf..warum nur? als jesus darf man nichts, als heiliger nichts, als priester nichts..das ist kinderglaube.es geht um den weg..wie soll das reich gottes aussehen? mit einem guru vorneweg, der einem zeigt, wo es langgeht?haben wir doch jetzt schon.. in der esoterik ist das 30. lebensjahr das jahr der entscheidung und mit 33 hat man sich entschieden..so ist es im idealen fall. die taufe am jordan, der 12. jährige..die zeit in der wüste..der weg jesu…der kreuzweg zeigt ihn so sehr als mensch..romano guardini hat einen wunderbaren kreuzweg geschrieben.einen, dem man nacheifern kann..als mensch.immer wieder göttlicher funke zwischendurch.im leben jesu. so kann und soll der mensch es auch tun….die großen erkenntnisse kann ein mensch auch haben. sollte er sogar..sonst geht es nicht vorwärts.solange dem menschen eigendenken abgesprochen wird,ist es mit der nachfolge problematisch.sich einlassen ist nachfolge.nicht jesus in die himmlische ecke stellen. da ist er nach dem tod und das ist auch gut so.

  8. Thomas Busch sagt:

    Küng hat sich im Gottschalk-Event u.a. dahingehend geäußert, dass er sich sicher sei, wenn Jeus heute wiederkäme, er würde die Fragen der Kirche etwa im Umgang mit Wiederverheirateten oder mit der Sexualmoral anders beantworten.
    Ich kenne da noch so ein paar Kandidaten, die der Versuchung nicht widerstehen können, die Welt darüber zu belehren, was Jesus heute wohl tun und sagen würde. Vielleicht liegt’s am fortgeschrittenen Alter dieser verunglückten Prediger …

  9. A.Wachsmann sagt:

    na, das ist aber eine unsachliche wertung..fortgeschrittenes alter hat der papst auch und aus dem grunde wird er von seinen gegnern beleidigt. die frage ist doch, hat unser prof schüller sj immer gesagt: wahrheit ,oder nicht? die frage nach geschieden und..ist sehr komplex, aus dem grunde nehme ich an schweigt der papst vor sich hin.klug, wie er ist. unser kardinal woelki konnte nicht schweigen, als er im tv diesbezüglich um stellungnahme gebeten wurde und hat gesagt: wir orientieren uns am menschen, nicht am gesetz.was mir noch einfällt: auch protestanten sind gläubig und lösen diese frage ganz anders. egal wie alt oder jung.

  10. Jörg sagt:

    Küngs Masche ist immer die gleiche.Er läßt sich als Kirchenkritiker feiern indem er auf die katholische Kirche eindrischt.Er stellt Forderungen,die längst in der ev.Kirche erfüllt sind und vergleicht sich anmassend mit dem Papst,obwohl zwischen den beiden Welten liegen.
    Vermarkten tut sich das alles fantastisch und theologische Leichtgewichte wie Gottschalk haben dem natürlich nichts entgegenzusetzen.
    Dass Küng Jesus Christus klein macht ist ein Skandal.Welche Aussage des Glaubensbekenntnisses akzeptiert dieser Irrlehrer eigentlich?
    Warum treten die Bischöfe dem nicht entgegen?
    Küng wurde die kirchliche Lehrbefugnis entzogen.Sei dieser zeit schlägt er um sich,oder genauer auf die Kirche ein.Ei ganz tragischer Fall von Selbstverliebtheit und verletztheit.Lasset uns für ihn beten.

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