Neuevangelisierung: Wie geht das? Was ist das? Interview Nr. 2

Ein Interview meiner Kollegin Gudrun Sailer mit Augustinerchorherr Nicolaus Buhlmann, Mitarbeiter im Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung.

Das Thema des Treffens werden die neuen Evangelisatoren sein; wer kann das sein?

„Das ist nicht notwendigerweise ein Berufschrist, also ein Priester, eine Ordensfrau oder ein Ordensmann, sondern was wir eigentlich brauchen sind Menschen, die dort wo sie arbeiten und leben, in der Berufswelt, in ihrer familiären freundschaftlichen Welt, bereit sind, den Mund aufzutun und die Schweigespirale zu durchbrechen. Das heißt, Gott wieder ins Gespräch zu bringen.“

Dass in säkularen Ländern der „Grundwasserspiegel des Glaubens“ sinkt, hatte bereits Papst Paul VI. in den 1970er-Jahren erkannt. Johannes Paul II. sprach sehr oft über diese Herausforderung, doch erst Benedikt XVI. stellte die Neuevangelisierung auch institutionell auf eigene Beine. Welche Reaktionen die neue Glaubensoffensive der Kirche in den säkularen westlichen Gesellschaften Europas hervorrufen wird, ist für Nikolaus Buhlmann nicht abzusehen.

„Ich halte alles für möglich, von Zustimmung bis zu echter Ablehnung. Denn im Augenblick geht es ja um nichts Geringeres als um eine regelrechte Mentalitätsänderung. Diese Mentalitätsänderung bedeutet, wir Christen in den westlichen Ländern müssen akzeptieren, dass wir zu Minderheit geworden sind oder zumindest dabei sind, zur Minderheit zu werden. Wir müssen des Weiteren akzeptieren, dass wir, wenn wir überleben wollen, darauf setzen müssen zu wachsen.“

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21 Kommentare zu Neuevangelisierung: Wie geht das? Was ist das? Interview Nr. 2

  1. Maletzka sagt:

    Während ich das Interview las kam bei mir ein Gedanke hoch – arbeiten wir an einer neuen „Strategie“ wieder, um mehr Christen zu gewinnen?

    Kann man das mit einer Strategie machen? Berechnend, ohne in der Tat das Bewusstsein eines Christen zu haben? Vielleicht muss man hier beginnen, das Bewusstsein stärken, nur wie?

    Es kann mir aber keiner sagen, dass dies ohne die Hirten geht. Wir sind ja ein Teil der Natur und wir brauchen Vorzeigebilder. In einer Familie, oder in einer Firma, wo der „Vater oder Chef“ eine Kultur ausstrahlt – sieht man auch die Früchte. Wir sind noch nicht „heilig“, wir sind auf dem Weg dorthin 🙂

    Beim Lesen des obigen Artikels fiel mir eine Predigt vom Prälat Dr. Klaus Krämer vom 11.10.11 auf, die ich im Radio morgen früh vor der Arbeit gehört habe. Und die erlaube ich mir teilweise zu zittieren.
    http://www.katholisches-rundfunkreferat-nrw.de/index.php?id=inhalt_9867

    „(…)Eine Szene aus einer Landgemeinde im Senegal, dem Beispielland der diesjährigen missio-Aktion zum Sonntag der Weltmission. Das Motiv ist auf den Plakaten zu sehen, die in diesen Tagen in vielen Kirchen, Schaukästen und Plakatwänden auf die Aktion hinweisen.
    Dieses Motiv ist ein sehr sprechendes Bild für die Situation der Christen im Senegal: Kirche im Dialog. Als kleine Minderheit von fünf Prozent der Bevölkerung geben die Christen nicht den Ton an in diesem vom Islam geprägten Land. Und doch verstecken sie sich nicht. Die Christen im Senegal sind eine selbstbewusste Minderheit, die den Kontakt zu den anderen Menschen aktiv sucht, die eine gestaltende Rolle im öffentlichen Leben spielt und dadurch die senegalesische Gesellschaft mit prägt und mit bestimmt. ’Dialog des Lebens’ nennen das die Vertreter der Kirche im Senegal. Dieser Dialog nimmt die Lebenswirklichkeit der Mitmenschen ernst. Er nimmt Anteil an dem, was die Menschen bewegt, was sie beschäftigt, was ihnen Sorge macht und woraus sie Kraft für ihren Alltag schöpfen. Dieser Dialog nimmt Anteil am anderen, er teilt zugleich aber auch mit, aus welchen Quellen Christinnen und Christen leben, was ihnen Kraft gibt, woraus sie Hoffnung schöpfen und was ihnen Mut macht, trotz vieler Schwierigkeiten nicht aufzugeben. Der ’Dialog des Lebens’ ist ein unaufdringliches Zeugnis des Glaubens im Alltag der Menschen. Und vielleicht gerade darum ein besonders glaubwürdiges und einladendes Zeugnis.

    Kirche im Dialog mit den Menschen – das ist denke ich ein schönes Bild für eine Kirche, die ihre Mission ernstnimmt. Eine Kirche, die auch heute noch davon überzeugt ist, dass sie den Menschen etwas zu sagen hat, dass die Botschaft des Glaubens eine hilfreiche, eine befreiende, eine ermutigende Botschaft ist.

    Glaube kommt vom Hören – das hat schon der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer kurz und bündig festgestellt. Glaube braucht lebendigen Austausch und das Zeugnis eigener Erfahrungen. Nur im Dialog, in der Ernsthaftigkeit eines offenen Gesprächs bekommt der Glaube den Raum, in dem er sich entfalten kann und Zugang findet zu den Herzen der Menschen.(…)“

  2. Monika Humpert sagt:

    ich möchte gern bewußt provokativ komentieren : Die Neuevangelisierung setzt nicht bei kirchlichen Strukturen an, sondern bei den angeblich nicht mehr christlichen Menschen. In den modernen sozialen Demokratien sind wir zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte für mehr Menschen denn je dem Wunsch Jesu, nämlich das Reich Gottes schon auf Erden wahr werden zu lassen, nicht nur im Himmel, näher denn je gekommen. Unendlich viele Nöte wurden beseitigt, auch viele von der Kirche verursachte, z.B. das „schlechte Gewissen“, mit dem man viele Menschen in absurder Weise belastet hat. Wir leben in der „säkularen“ zum ersten Mal auch seit Jahrzehnten in einer friedlichen Welt, in der sehr viel Lachen, Freundlichkeit, Toleranz und Lebensfreude herrscht. Eigentlich ist es vorallem für die Theologen schlechter geworden, die ihren privilegierten Stand in der Gesellschaft eingebüßt haben. Geht es ihnen vielleicht nur um die Rückeroberung der alten Privilegien ?Ich behaupte, für viele Menschen stellt sich die Frage: Ist katholische Theologie und Jesusnachfolge noch unter einen Hut zu bringen ? Was ist am Papst oder an den Bischöfen christlich (nicht nur im Sinn von traditionell) ? Was haben sie mit Jesus zu tun ? Peinlich ist es ja nicht, für Jesus zu stehen, sondern hinter dem Papst (Amtsverständnis und sein menschenfernes Gottesverständnis). Ich glaube nicht, dass es nur eine Frage der Mediennutzung ist und ich kann mir nicht vorstellen, dass Hausbesuche daran etwas ändern.Die Frage müsste sein, wie hat die Kirche es in den letzten Jahrzehnten geschafft, sich abzuschaffen? Was ist gemeint mit, den Glauben leben ? Ist damit ein modern aufgepeppter religiöser Trachtenverein gemeint ? Braucht die Botschaft Jesu eigentlich Theologen ? Was genau ist denn die frohe Botschaft und warum sollten Menschen sie nicht hören wollen? Ist sie nicht mit Menschen- und Grundrechten mehr denn je in der Welt ? Besteht mit der Neuevangelisierung nicht die Gefahr, Unfriedlichkeit in die Welt zu bringen, die heute wie früher ja sehr oft unter religiösen Vorzeichen geschürt wird, bei dem Versuch, einen „religiösen Verein“ neu zu aktiviern, der sich vorallem definiert durch Abgrenzung nach außen, selbst zu den Protestanten. Wer zieht die Grenze von drin und draußen? Wo Gott ist, ist Zukunft behauptet der Papst. Was soll das denn heißen? Dann ist Gott jedenfalls nicht (mehr)in der katholischen Kirche. Vielleicht ist er einfach flügge geworden. Vielleicht ist das Absterben der Kirche ein gutes Zeichen, denn sie hat ihre Katalysatorenfunktion erfüllt. (das Weizenkorn muss sterben..)

    • Maletzka sagt:

      Liebe Monika Humpert, auch meine Antwort wird ein wenig provokativ, deshalb bitte mit Abstand sie zu lesen.

      Das Christentum ist die wunderbarste Religion der Welt, da sie auf dem Prinzip der Freiheit aufbaut. Ja, dass die Freiheit regelrecht verletzt wird, und dazu von den Christen selbst, ist ja ganz andere Sache.

      Es freut mich zu hören, dass wir so nahe dem Paradies sind. Gehe aber davon aus, dass Sie eine bestimmte Gruppe von Leuten meinen. Was ist mit dem Hartz IV Empfänger? Was ist mit den Völkern der 3. Welt?
      Die Definition des Paradieses, die Sie meinen, hätte ich übrigens auch gerne gewusst 🙂

      Meinen Sie etwa, dass die Leute, denen die Kirche nicht mehr schlechtes Gewissen einredet, im Paradies und glücklich sind, oder glücklicher als früher?
      Meinen Sie, dass trotz eigenen „Schiefstände“ reicht es zu sagen, „ich bin ok, so wie ich bin“? Die Vertreter der Transaktionsanalyse haben das manchen Patienten so vermittelt. Was bringt mir aber zu sagen, dass ich Ok bin, wenn ich weiter mit meiner „schwarzer Seite“ – die jeder von uns fast hat, leben muss, dass ich immer wieder mit den gleichen, sozialen und persönlichen Problemen konfrontiert bin. Im Buch „Wer sagt: Du bist ok?“ Thomas C. Oden diskutiert darüber und zu Recht.

      Sollten wir Christen an dieser Stelle anstatt Gültigkeit, die unter dem Mantel „Toleranz“, nicht den Gebrauch aus dem „mit dem Bruder reden“ Matthäus 18,15-20 – machen? Ich spreche hierbei von den „kranken“, die Jezus zu heilen versprochen hat, nicht von den „Gesunden“, die bestimmt auch gibt‘s. Nur wir, die wir hier unsere Beiträge schreiben, gehören bestimmt nicht dazu, glauben Sie mir 🙁

      Aber, in der Tat wir sind viel weiter als in Jezus Zeiten. Wir sind viel weiter als in den Augustinus Zeiten, wir sind viel weiter als noch vor 100 Jahren. Das bezeugt unser Verhalten und Sensibilität gegenüber der Natur, gegenüber dem Nächsten, gegenüber dem Fremden. Aber, gilt dies für alle? Viele Fragen bleiben immer noch offen. Sind wir gegenüber dem Nächsten wirklich sensibel genug, lieben wir ihn wie sich selbst? Ist unsere Empathie vollentwickelt? Was machen wir im Berufsleben? Sind wir nicht ein Teil der Maschinerie geworden? Was hat das mit Menschen zu tun? Haben Sie sich Gedanken gemacht, warum kommunizieren wir so leicht und gerne im Internet, ohne den Nächsten berühren zu müssen, und warum tun wir dies nicht so gerne im Leben, Mensch zu Mensch? Ist das eine Entwicklung oder Konsequenz unseres Egoismus und Bequemlichkeit, oder steckt dahinter einfach nur Angst und ein Spiel mit der Phantasie?

      Wenn eine der Fragen mit ja beantwortet wird, dann ist das nun ein Zeichen der Unreife und wir haben eine Unterstützung beim Wachsen nötig.
      Der, der die Reife nicht kennt, denkt, dass die Welt so funktioniert wie er selbst sie sieht, sagt die Psychologie. Z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Stufentheorie_des_moralischen_Verhaltens

      Meinen Sie, dass Benedikt XVI. menschenfremd ist, deshalb weil Er die Gültigkeit des Dekalogs unterstreicht? Auch Jezus hat den Menschen aus der Moses-Zeit aktualisiert. Jezus hat aber den Dekalog nicht abgeschafft, im Gegenteil, Er hat ihn weiter als gültig erklärt – Matthäus 5,17-19v.
      Schon längst liefert uns die Psychologie Beweise darüber, was sind die Konsequenzen, wenn man auf Dauer einer Lüge und Verneinung ausgesetzt wird. Wollen Sie von Ihrem Nächsten in einem der Dekalog Gebote verletzt werden? Römer 13,10 „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses; [die] Erfüllung des Gesetzes ist also die Liebe.“

      Die Kirche ist nicht nur für eine Gruppe mit ihren Lehren da. Sie muss die universalen Weisheiten weitervermitteln. Um lokale Änderungen in den Gemeinden einzuführen, dafür ist auch der lokaler Bischofsamt verantwortlich. Da gehe ich aber davon aus, dass auch hier nicht einfach ist, wenn man demokratisch alle Stimmen beachten muss. Da sind doch dabei auch Bischöfe vertreten, die genauso denken, wie ein Teil der Gemeinde. Dabei fehlt immer noch der direkter Dialog der Gemeinde mit den Kirchenverantwortlichen. Es ist ja nicht einfach, wenn nicht hochkompliziert sogar, alle mit dem nötigen Wissensstand und Entwicklungsstufe zu versorgen.

      Es war nicht zu übersehen, als Benedikt XVI. in seinem Interview-Buch, Licht der Welt, eine Aussage bezüglich Verwendung von Kondomen für Aidskranke weitergab, wie die unterschiedlichen Kreise diese Aussage verzerrt und missverstanden haben.

      Die ganze Welt und unsere Umgebung funktioniert nicht so, wie uns dies unsere Betrachtungsweise sagt – deshalb, in jeder Entwicklungsstufe verstehen wir auch anders die einzelnen Bibeltexte. Daher die Frage: kann es anders, als die Kirche das tut, vermittelt werden? Sagen Sie bitte, wie?

      Ihre Frage: „Ist katholische Theologie und Jesusnachfolge noch unter einen Hut zu bringen? Was ist am Papst oder an den Bischöfen christlich (nicht nur im Sinn von traditionell)? Was haben sie mit Jesus zu tun?“ – Meine Antwort – die frohe Botschaft, die sie weitergeben 🙂

      Die Hirten, die zweifellos nicht alle Jezus-Jünger sind, sondern nur Berufschristen, wie Nicolaus Buhlmann in dem obigen Interview sie korrekterweise nennt, sind genauso Christen mit seinen Schwächen, wie die meisten von uns. Deshalb ist es auch teilweise das Zölibat unbegründet. Aber auch nur eingeschränkt unbegründet.

      Ein Wiederspruch ist da doch zu sehen, wenn die Kirche, mind. in dem Deutschen Katechismus sagt, dass die Priesterweihe nur für reifen Menschen da sein sollte. Dann müsste dies verifiziert und korrigiert werden in der Tat.

      Daher ist die Neuevangelisierung sowohl für Berufschristen, als auch für die aueßerhalb der Kreisen dringend nötig.

  3. Petra Krafft sagt:

    Ich weiß nicht recht ob ich richtig verstanden habe was ich im Interview 2 gelesen habe. Meines erachtens sollten wir Christen doch gerade nicht akzeptieren das wir eine Minderheit werden, sondern gerade dagegen angehen der Minderheit entgegen zu treten und zu wachsen und SELBSTBEWUSST, ohne Angst voller Glauben auf machen, neu aufbrechen zu neuen Ufern. Denn ich glaube Benedikt XVI hat dieses neue Amt nicht geschaffen das Christen akzeptieren sollen eine Minderheit zu werden.

  4. A.Wachsmann sagt:

    Monika Humpert. An Ihrem Post ist viel Wahres. Wobei ich persönlich die Hausbesuche sehr hoch ansiedele. Sagen wir,den persönlichen Kontakt des Seelsorgers.Wenn Medienseelsorge nicht das hält, was sie verspricht,kann man drauf verzichten. Man ist auch da relativ alleine. Mal kurz eine Begleitung und dann ist Schluss. Oder oberflächliche Exerzitien, die mich mehr an Kaffeklatsch erinnern mit der Begründung, es kommt ja sonst keiner, wenn wir hier was verlangen. Das ist nun der 3. Versuch. Erst hieß es missionieren, dann evangelisieren, nun neuevangelisieren. Als wäre es eine Sache der Technik und als wäre es mal wieder eine Sache des ungläubigen Volkes. Das ungläubige und das gläubige Volk ist allerdings etwas mehr in Richtung Oberflächlichkeit gegangen inzwischen, das muss man bekennen. Nur, was hat Kirche dagegen getan, als sich anpassen? Auf der einen Seite sind die Amtskirchenstrukturen unmenschlich (geschieden und wiederverheirate, wiederaufnahmeritus von ausgetretenen)auf der anderen Seite ist an der Basis vieles so in Richtung oberflächlich reformiert, dass einem auch da schon mal übel werden kann.Warum verlassen Katholiken die Kirche? Da fragt niemand nach. Es kommen Sprüche wie, wer geht,hat nie zu uns gehört.Oder, auf jeden, der geht, kommt einer, der eintritt.Es ist soviel im Argen in der Kirche,oben und unten, dass ich eher schwarz sehe.Da muss man sich nicht am Papst festbeissen.Es heißt, wir müssen uns mit den dunklen Seiten der Kirche befassen. Zugeben, dass Mißbrauch stattgefunden hat, genügt nicht.Die Folgen für die Opfer waren inneres Chaos, Aggressionen, Glaubensverlust,Kirchenaustritt.Da kann nicht jeder Priester vernünftig mit umgehen.Da wünsche ich mir offiziell individuelle Behandlung.Falls einer von denen sich auf Rückkehr besinnt.

  5. Peter Strauss sagt:

    Zuallererst: ich empfinde die Tatsache,daß so ein Blog geschaffen worden ist,als ein positives Zeichen der Öffnung nach allen Seiten.

    Die Kommentare zum aktuellen Thema zeigen aber leider, daß es oft nicht über die Wiederholung von Allgemeinplätzen hinausgeht. Soll die Kirche ein Spielfeld falsch verstandener Demokratie werden, so wie das derzeit in der profanen Welt überall geschieht. Gewinnen werden dann immer die, die mit unterschiedlichsten Mitteln eine Mehrheit für ihr prinzipielles Dagegensein zusammenbekommen. Eine Piratenpartei in der Kirche? Schrecklicher Gedanke.Ist ein Staat unmenschlich, wenn er seine Gesetze anwendet? Sicher nein! Warum soll dann die Kirche unmenschlich, wenn sie ihre Regeln anwendet? Der Mißbrauchskandal als Argument für einen Kirchenaustritt? Der Anteil kirchlicher „Täter“ ist im Vergleich zur Gesamtzahl der Taten in unserer Gesamtgesellschaft doch eher gering. Tritt man dann auch aus der Familie und den anderen profanen „Institutionen“ aus, in denen das gleiche Schreckliche geschehen ist? Oberflächlichkeit dem muß ich zustimmen, macht sich allenthalben breit. Das ist aber nicht nur einProblem der Kirche(n). Das beginnt damit, daß man sich seine individuelle Religion zurechtzimmert und endet in der immer „schlampiger“ werdenden Liturgie, die einen letztlich nicht mehr packt, weil Spirutualität und Mystik fehlen. Immer weniger kennen und glauben das Geheimnis der Wandlung. Daher auch immer wieder das Ammenmärchen vom gemeiensamen „Abendmahl“, das es soi gar nicht geben kann. Neuevangelisation muß vor allem auch daran ansetzen, die Schönheit und Tiefe der Liturgie wiederzubeleben. Das ist aber sicher nur ein Aspekt. Ich bin Kardiologe und habe in meinem Sprechzimmer einen Hergottswinkel altbaierischer Prägung. Dies führt in der Sprechstunde oft zu sehr fruchtbaren Diskussionen über Gott und die Welt. Auch so kann Neuevangelisierung gehen.

    • Petra Krafft sagt:

      Ihr Komentar spricht mir aus der Seele, besonders hat mir dieser Satz gefallen:“Das beginnt damit, daß man sich seine individuelle Religion zurechtzimmert und endet in der immer “schlampiger” werdenden Liturgie, die einen letztlich nicht mehr packt, weil Spirutualität und Mystik fehlen“.Dazu möchte ich noch anfügen und dann sucht sich der Mensch seine Mystik und Spieritualität in der Esoterik und bei Wunderheilern.

  6. A.Wachsmann sagt:

    Mein ehemaliger Professor für Moraltheologie P. Schüller sj pflegte angesichts solcher Kommentare zu sagen, Paränese statt Argumentation.In diesem Sinne, Peter Strauss. 😉

    • Peter Strauss sagt:

      Ich bin nun mal kein Moratheologe und schon gar kein Jesuit. Muß deshalb Paränese was schlechtes sein?! Das griechische Wort bedeutet ja auch Rat und Ermahnung. Ich weiß, daß ich mit dem oben gesagten nicht alleine stehe.´Mein Rat deshalb, nicht mit um jeden Preis dem Zeitgeist hinterher zu laufen.

      • Annemarie Wachsmann sagt:

        Lieber Herr Peter Strauss. Jesuiten sind kreativ, deswegen schätze ich Gottesdienste mit ihnen.Selbstzusammengezimmerte Religion haben die nicht.Es ist oft besser, das Volk dort abzuholen, wo es ist. Denn sonst gehen diese Menschen.Nicht um jeden Preis, da stimme ich mit Ihnen überein.Paränese ist per se weder schlecht noch gut.Der Zeitgeist auch nicht.Mahnen ist angesagt, wenn die Grundhaltung dieselbe ist.Wenn man überzeugen will, muss man argumentieren. Ich bin etwas schockiert über Ihren Kommentar gewesen, bis heute. Wer sind Piraten in der Kirche?Bereits die Kritiker, die den Mund auch nur aufmachen? Die Piratenpartei ist atheistisch ,mit inzwischen NPD-Exlern und sie will Kirche an den Rand drängen. Wer in der kath Kirche geht Ihrer Meinung nach in diese Richtung?Gesetze des Staates und Gesetze der Kirche unterscheiden sich darin, dass es im Staat um kriminelles Verhalten geht in der Regel. Bin ich kriminell, wenn meine Ehe in die Brüche geht? Und ich dann den Mut habe, eine neue Beziehung einzugehen?(Ich bin seit 32 Jahren verheiratet, dies nur am Rande) Dann, schlampige Gottesdienste mag niemand. Ich habe in meinem langen Leben ganze 2 schlampige Gottesdienste erlebt. Lateinisches Hochamt, asperges me im Eiltempo und natürlich wieder eine Stehgreifpredigt. Urheber unser sehr traditionsbewußter Pfarrer., Kommunionausteilen an der Kommunionbank im Tempo, weil Kommunionhelfer nicht erwünscht. Das muss man sich nicht antun. Aber ich nehme an, Sie meinen mit schlampigen Gottesdiensten kreative? Nein, wenn ein Priester seine Frömmigkeit hineinbringt, sind Texte sekundär.Wenn er sie nicht hat, nützen festgelegte Formen nichts.Die Praxis zeigt es.Über Austrittsgründe sei nur dies gesagt und d as hat der Heilige Vater sehr gut in einer der letzten Osservatore Ausgaben ausgedrückt..dass es unterschiedliche Gründe zum Austrítt gibt und die Leute in der Regel jahrelang für eine Entscheidung brauchen.Und natürlich tritt man aus Familie auch aus..Thema Herrgottswinkel, da sind wir uns einig. Allerdings würden Sie da in Berlin schlechte Karten haben. In Süddeutschland ist hoffentlich die Frömmigkeit noch eine Selbstverständlichkeit? Ich habe vor vielen Jahren in Bayern gelebt.Thema Oekumene ist ein langes Kapitel für sich.

        • Peter Strauss sagt:

          Liebe Frau Wachsmann,
          nur eine kurze Antwort, weil unsere Ansichten doch shr weit auseinandergehen:

          1.Das mit der Piratenpartei war nur eine Metapher für Gruppierungen, die nur vorgeben, ein Programm zu haben. Leider kommt das gelegentlich bei den Leuten gut an.

          2. Wenn bei den Wandlungsworten der Text so abgewandelt wird, daß der Leib und das Blut Christi expressis verbis gar nicht mehr vorkommen, dann hat das mit meinem persönlichen Glauben nichts mehr zu tun.

          3. Ich kann nur für München und meine Oberbayerische Heimat sprechen: Ja, die Frömmigkeit ist bei uns noch eine Selbstverständlichkeit. In München sind die Sonntagsgottesdienste voll, wobei in den lateinischen Hochämtern in St. Kajetan und in St. Peter hochkarätige Priester und Prediger ohne Eile die Liturgie feiern, so, daß man quasi ein wenig in den Himmel schaut.

          4. Zum Thema Mystik und Spiritualität: So oft es geht besuche ich bei den Benedtiktinern in Niederalteich das Hochamt mit der „göttlichen Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos“, auch wenn das über 2 Stunden dauert.

          Beste Grüße!

  7. A.Wachsmann sagt:

    Petra Krafft, kennen Sie sich mit Esoterik, Mystik und Wunderheilern aus?

    • Petra Krafft sagt:

      Ich möchte auf Ihre an mich gestellte Frage nun antworten und versuchen zu erklären was ich meinte.
      In der Kirche haben wir eigentlich alles was Menschen überall suchen man braucht nur mit offenen Ohren, Augen Sinnen und einem offenen hörenden Herzen in den Gottesdienst gehen auf die Liturgie, den Gemeindegesang die Psalmen und dem gesamten Ablauf achten und über die biblischen Lesungen und Evangelien etwas nachdenken so findet man was so viele suchen in Esoterikmessen und wo auch immer. Angefangen bei sogenannten geweiten Wässchen die 40 Euro kosten weil sie gesegnet sind. Für das wird Geld ausgegeben, wegen der Kirchensteuer treten Menschen aus der Kirche aus obwohl sie Segen jeden Sonntag fast umsonst haben könnten für ein paar Groschen. Man läuft lieber zum Wunderheiler und zahlt für Sitzungen wo Heilung fraglich ist. Warum das alles vielleicht weil Seelsorger oftmals nicht mehr zuhören, die Beichte als Altmodisch gilt und die Menschen von Seelsorgern lieber zum Psychologen und Psychiater geschickt werden als sich mit den Problemen des Menschen auseinandersetzen zu wollen. Deshalb suchen sich Menschen die Hilfe anderswo, obwohl sie es in der Kirche genauso haben könnten wenn sie sich nur damit auseinandersetzen würden mit dem Gottesdienst, der Liturgie und der Mystik und wenn Seelsorger sie dabei unterstützen würden. Ich hoffe ich habe mich einigermaßen verständlich ausgedrückt, in meiner einfachen Naiven Art.

      • Annemarie Wachsmann sagt:

        Hallo, Petra, diese Art von Esoterik lehne ich ebenso ab wie Sie.Es gibt aber in der Esoterik Bereiche, die sind nicht so einfach fassbar und greifbar und man muss sich hüten, abzuwerten. Meine Rede neuerdings ist auch, dass Kirche riesengroß ist und eigentlich jeder Platz darin haben könnte. Leider ist eingerissen, in Traditionalisten und Reformer und links und rechts etc einzuteilen und somit in gut und böse.Zu dem Thema hat unser neuer Erzbischof Woelki eine Menge gesagt. Und mit diesen o.g. Einteilungen ist Kirche ein enger Raum.

        • Petra Krafft sagt:

          Hallo Fr. Wachsmann,
          meine Antwort sollte auf keinen Fall abwertend sein, sicher kann jeder Mensch egal welcher Ideologie er angehört seinen Platz in der Kirche finden wenn er glaubt und zum glauben angeleitet wird und dazu gehört nunmal der gesamte Ablauf angefangen bei der Liturgie und der Mystik. Papst Benedikt hat das sehr genau in seinem neuen Motu Proprio „Tür des Glaubens“ beschrieben, wie man zum Glauben findet. Nämlich sich mit dem katechismus und dem Konzil auseinandersetzen, sich mit der Geschichte und dem neuen beschäftigen nicht alles was die Geschichte mit sich bringt muß schlecht sein. Wir Menschen sollen sich gegenseitig ergänzen, Traditionalisten wie Reformer. Manchmal braucht die Reform auch die Tradition und da halte ich es mit Hr. Peter Strauß vielleicht ist es in Bayern noch anders und vielleicht könnten manche von Bayern noch lernen, aber das kann ich niemanden aufzwingen das muß jeder im Glauben selber finden und erkennen und dazu gibt Gott jedem das was für Ihn wichtig ist zum Glauben, denn jeder Mensch hat seinen eigenen Weg und soviel Wege wie es gibt, gibt es auch die Mittel dazu und alles muß sich ergänzen, das alte und das neue. Nur was man ausprobiert und studiert kann man verinnerlichen und wenn es ganz im Herzen ist, kann man es auch weitergeben und so kann Neuevangelisierung gelingen.

          • Annemarie Wachsmann sagt:

            Was Sie nun unter Mystik verstehen, verstehe ich noch nicht.Mystik ist eine Sonderbegabung. Ein Geschenk mit entsprechenden Aufgaben.Für den Mystiker faßbar, für andere nicht. Siehe Teresa von Avila und andere. Der Papst geht weit über den Katechismus hinaus.Liturgie, klar. Aber um die Liturgie wird sich ja nun am meisten gestritten. Dabei ist ein Spielraum mitinbegriffen. Die Priester bringen sich doch nicht öffentlich in Teufels Küche.Reform braucht Tradition, Tradition Reform.Die Kirche ist riesengroß und man sollte die Leute da abholen, wo sie sich befinden. Glaube hat auch mit Herkunft und Begreifen zu tun. Und mit Lebensgeschichte.

  8. MC sagt:

    Ich halte es beim Thema Neuevangelisation mit dem Hl. Franziskus, der sie ja ebenfalls in seiner Zeit betrieben hat. Wir können noch so tolle gesellschaftliche Analysen, Beratungsteams etc. aufstellen. Letzten Endes kommt es nur darauf an, ob wir, die wir missionieren – nix anderes ist es ja – dürfen dem Nächsten rüberbringen können, das es 1. toll ist Christ zu sein und 2. dass wir ein Interesse daran haben, dass er es wird.
    Über Franziskus geht das Wort um, das derjenige, der in seine braunen brennenden Augen sah, wusste, das dieser Mann ein ursprüngliches und unbedingtes Interesse an ihm, seiner Geschichte und seiner Seele hat. Wenn wir das dem Nächsten rüberbringen können, ist viel gewonnen.

  9. Petra Krafft sagt:

    Liebe Fr. Wachsmann,
    ich bin zwar keine Theologin nur in einfacher Laie und weiß nicht ob ich Mystik nun aus meiner Sicht richtig definiere, wie gesagt das ist meine Ansicht und Meinung.
    Es mag schon sein das Mystiker eine Sonderbegabung sind, so wie Teresa v. Avila, daß sie ein besonderes Geschenk sind und von Gott erhalten haben.
    Jedoch denke ich das Mystik eine Geisteshaltung ist die Gott dem Menschen schenkt da wo Menschen sich in Demut und Gebet üben (Kontemplation). Wie gesagt Demut hat etwas mit Demut und Gebet zu tun und jeder Mensch kann von diesem Gefühl oder dieser Geisteshaltung erfahren wenn er sich in Demut und Gebet übt, wie gesagt übt, es ist ein lebenslanger Prozess der erst dann endet bzw. vollendet ist am Ende eines Lebens.
    Gerade in der Liturgie kann man meines erachtens viel von Mystik finden, im beten der Psalmen, im liturgischen Gesang und in all den schönen liturgischen Handlungen.
    Natürlich hat der Glaube etwas mit der Lebensgeschichte zu tun aber Menschen die die christlichen Kirchen nicht kennen müssen doch oder besser gesagt sollten doch hingeführt werden zu der schönheit des Glaubens und das sind meiner Meinung auch die Schritte, Wege und Mittel der gottesdienstlichen Ordnung, sie müssen das doch erst kennenlernen, es muß erfahrbar gemacht werden. Was ich nicht erfahre, was man mir nicht zeigt kann ich auch nicht fassen, erkennen. Mit freunlichen Grüßen.

  10. Petra Krafft sagt:

    Liebe Fr. Wachsmann,
    ich bin zwar keine Theologin nur ein einfacher Laie und weiß nicht ob ich Mystik nun aus meiner Sicht richtig definiere, wie gesagt das ist meine Ansicht und Meinung.
    Es mag schon sein das Mystiker eine Sonderbegabung sind, so wie Teresa v. Avila, daß sie ein besonderes Geschenk sind und von Gott erhalten haben.
    Jedoch denke ich das Mystik eine Geisteshaltung ist die Gott dem Menschen schenkt da wo Menschen sich in Demut und Gebet üben (Kontemplation). Wie gesagt Mystik hat etwas mit Demut und Gebet zu tun und jeder Mensch kann von diesem Gefühl oder dieser Geisteshaltung erfahren wenn er sich in Demut und Gebet übt, wie gesagt übt, es ist ein lebenslanger Prozess der erst dann endet bzw. vollendet ist am Ende eines Lebens.
    Gerade in der Liturgie kann man meines erachtens viel von Mystik finden, im beten der Psalmen, im liturgischen Gesang und in all den schönen liturgischen Handlungen.
    Natürlich hat der Glaube etwas mit der Lebensgeschichte zu tun aber Menschen die die christlichen Kirchen nicht kennen müssen doch oder besser gesagt sollten doch hingeführt werden zu der schönheit des Glaubens und das sind meiner Meinung auch die Schritte, Wege und Mittel der gottesdienstlichen Ordnung, sie müssen das doch erst kennenlernen, es muß erfahrbar gemacht werden. Was ich nicht erfahre, was man mir nicht zeigt kann ich auch nicht fassen, erkennen. Mit freunlichen Grüßen.

  11. Cusanus sagt:

    Danke für das Interview! Ich wäre dankbar, könnten Sie in Radio Vatikan öfter Erfahrungsberichte und Projekte aus dem neuen Rat für die Neu-Evangelisierung bringen – von der römischen Warte her, können wir möglicherweise im dt-spr. Raum einiges lernen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das ist unser Projekt. Auf der Seite wollen wir auch Wichtiges dazu sammeln; vor Ort muss es dann mit Leben erfüllt werden, aber die Initiative ist international, und so hilft vielleicht unsere Vernetzung.

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