Sprechen so als ob

Ein Mitbruder von mir hält einen Vortrag, in Berlin. Es geht um Flüchtlinge und darum, was der Vatikan und der Papst für eine Perspektive auf diese Frage hat.

Und es passiert, was passieren muss, er bekommt Rückmeldungen. Gute und kritische, soweit, so gut. Leider bekommt er aber auch die üblichen Rückmeldungen: Unterwerfung, realitätsfremd schließlich täten die nur so als ob sie in Gefahr wären und so weiter.

P Czerny, der Vortragende, bei der Arbeit

Weil der Mitbruder Kanadier ist zeigt er mir diese Rückmeldungen und fragt, was er antworten soll.

Nichts. Weil die Debatte bereits durch die Anfrage zu ist, kein Raum für Interesse, Bewegung, Austausch. Und bereits die Wortwahl schafft das. Neudeutsch: das “Framing”.

Bekannt wurde der Begriff jetzt vor allem durch das unsägliche Wort des “Asyltourismus”, das der bayerische Ministerpräsident meinte benutzen zu sollen und das so auffällig war, dass es bei Twitter zum Trend wurde. Es wurde benutzt, um die Debatte zu dominieren, noch bevor jemand anders etwas sagt. Und die Twitter-Blase verstärkte das Echo, selbst durch Kritik.

 

Framing

 

Auch das Wort von der “Rechtssicherheit” ist auch so ein Framing, als ob wir in den vergangenen Jahren in einer Anarchie gelebt hätten.

Genau das macht auch einer der Emailschreiber: “Hier geht es um Unterwerfung unter den Mohammedanismus, den offensichtlich der Papst und seine Berater wollen.” Die Worte “Unterwerfung” und das Unwort “Mohemmedanismus” lassen gar keine Debatte mehr zu, das Framing ist so stark dass jeder, der sich darauf einlässt, nur noch in Verteidigung steht. Das Land würde durch Flüchtlinge “geflutet” ist auch so ein Beispiel. Die Zahlen zeigen etwas völlig anderes, aber Sinn von Framing ist unter anderem, ohne Verweis auf Realität Debatte zu prägen, färben und zu bestimmen. Weiterlesen

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Im Lagerdenken gefangen

Es ist ein Charakteristikum der Verwirrung, dass die Schuld immer beim Anderen liegt. Oder so könnte man meinen.

Wir haben kirchlich schwierige Wochen hinter uns, der so genannte Kommunionstreit war komplex und zog sich hin, Briefe hin und Erklärungen her, und die Berichterstattung war auch nicht immer hilfreich.

Ist das nun Erneuerung oder Bewahrung? Sala della Benedizione, Vatikan

Ist das nun Erneuerung oder Bewahrung? Sala della Benedizione, Vatikan

Das Schlimmste an der Sache war wohl die Feststellung, wie wenig Menschen sich für derlei noch interessieren. Hier wurden Menschen verprellt, hier wurde nicht für den Glauben geworben, nicht christliches Leben gezeigt, sondern Zank und schlechte Kommunikation und so weiter. Nicht schön.

Innerkirchlich stärkt das das Lagerdenken. Das sich meistens auf Lager bezieht, die es so gar nicht gibt. Ein Beispiel, hier aus der Berichterstattung einer großen deutschen Wochenzeitung.

Zitat: „Im konkreten Fall haben sich die Bischöfe darüber zerstritten, ob evangelische Protestanten ihre katholischen Ehepartner in Zukunft zur Kommunion begleiten dürfen.“

Erstens: Die Bischöfe sind nicht zerstritten, über drei Viertel waren sich einig. Zweitens: was bitte sind „evangelische Protestanten“? und drittens: es ging gar nicht um „dürfen“, also um eine generelle Erlaubnis. Aber um das verstehen zu können hätte man genauer hinschauen müssen.

 

Genau hinsehen

 

Im Bericht – ganz lagergedacht – wird dann die Frage gestellt: „Haben die deutschen Bistumschefs noch die Kraft, einen gemeinsamen Ausweg zu finden? Einen, der Liberalen, Moderaten, Konservativen und auch noch Rom passt?“

Wer dem Blog schon länger folgt weiß, dass ich diese Kategorien für nicht sehr zielführend halte. Ich sage „konservativ“ und alle glauben zu wissen, was ich meine. Was aber in Wirklichkeit passiert ist das Zücken von Vorurteilen, die sich bei einem solchen Wort automatisch regen. Das Gleiche gilt für „Moderate“ oder auch „Liberale“ oder „Fortschrittliche“ oder „Moderne“, suchen Sie sich was aus.

 

Das Zücken von Vorurteilen

 

Der Bericht, den ich hier anonym zitiere, schließt dann auch mit dem Satz, dass keines der „Lager“ wisse, wie es weitergehe.

Im normalen Sprachgebrauch ist das genau so verbreitet, man wähnt sich progressiv, modern, aufgeschlossen, oder treu, konservativ, und tut doch nichts Anderes als durch diese Worte Vorurteile wachzurufen.

Den Kolleginnen und Kollegen mag ich sagen, dass die Verwendung von derlei Lager-Etiketten nichts erklärt. Gar nichts. Das ist schlechter Journalismus, weil er nicht verstehen will, sondern sich mit dem Vorurteil zufriedengibt. Mein Vorwurf ist also der des mangelnden Interesses.

 

Werch ein illtum!

 

Allen anderen: wer wirklich hören und verstehen will, was der jeweils andere meint – ganz gleich ob man dafür oder dagegen ist – der muss raus aus dem Lagerdenken. Das ist unbequem, aber es ist der einzige Weg.

Wer es ironisch mag, hier noch mal und immer wieder Ernst Jandl: „manche meinen // lechts und rinks // kann man nicht // velwechsern. // werch ein illtum!“ (Lichtung)

 

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Macht und deren Missbrauch

Die Deutsche Kinderhilfe hat die Rechnung aufgemacht: Sie hat die jüngste polizeiliche Kriminalstatistik aufgeblättert, die medial vor allem auf die Frage nach Kriminalität von Flüchtlingen berichtet wurde, und hat sie auf Verbrechen gegen Kinder untersucht.

Ein deprimierendes Bild, wertet die SZ, weil sich die Statistik nicht wirklich von den Vorjahren unterscheidet. Staufen bei Freiburg war das sichtbarste und grausamste, aber dahinter sind viele andere Kinder.

 

250 pro Woche

 

Zitat: „Die Zahl der Misshandlungen stagniert seit Jahren auf hohem Niveau“. Die Statistik spricht von 13.539 Kindern, die Opfer von sexuellem Missbrauch wurden, also 250 Kinder pro Woche. Pro Woche.

Und es fehlt auch nicht der Hinweis, dass sich das – weil Statistik – nur auf das Hellfeld beziehen kann, also auf angezeigte Taten.

Die Statistik wurde vor fast einem Monat vorgestellt, in der vergangenen Woche kam dann die kirchliche Dimension hinzu, in Berlin haben sich Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche öffentlich und noch einmal Geschichten von solchem Missbrauch angehört, von Zerstörung und Gewalt.

 

Zuhören!

 

Die Kirche habe damals und lange nicht zugehört, und dann nur getan, was sie auf Grund von Druck hat tun müssen. Und so weiter. Alles Dinge, die wir schon oft gehört haben. Aber offensichtlich auch Dinge, die immer wieder ausgesprochen werden müssen, damit sie nicht in den Hintergrund geraten. Weiterlesen

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Eine Frage der Autorität

„Bei euch aber soll es nicht so sein“: Ein Satz aus der Schrift, aus dem Munde Jesu in den Erzählungen der Evangelien. Und ein Satz, wie er uns Christen eigentlich dauernd nervös machen muss. Wenn der Herr uns etwas für das Zusammenleben und die Organisation als Gemeinschaft und als Kirche mitgegeben hat, dann das. Als Vorgabe und als Frage an das eigene Gewissen.

Und wir müssen sagen, dass das für uns nicht zutrifft. Bei uns ist es so wie bei den anderen. War es und ist es. Leider zu oft und leider auch immer sichtbar.

Der Papst nimmt den Bus

Glaubwuerdig: auch mal den Bus nehmen

Papst Franziskus hat gestern – Donnnerstag – in seiner Predigt bei der Liturgie zur Ernennung neuer Kardinäle diesen Satz aufgegriffen. Und das passt ja auch, die höchste Würde für einen Bischof, oftmals in der Vergangenheit „Fürsten der Kirche” genannt – und sich auch so benehmend – ist bei Rang und Würde das Thema besonders angemessen, nicht weil es hier ausgeprägter wäre, sondern schlicht weil es sichtbarer ist.

 

Wichtigkeiten und Eitelkeiten

 

Das „so” Jesu, das bezieht sich auf die Welt, die man gewinnen will, wie die Schrift sagt. Eine Gemeinschaft, die zu sehr auf sich selber schaut, die sich mit sich selber befasst und den Würden und Wichtigkeiten und Eitelkeiten und Weltlichkeiten.

Soweit, so gut. Aber dann fügt der Papst noch eine Dimension an. Das Ganze ist nämlich nicht nur eine moralische Frage, sondern eine Frage des Auftrags. Nur wenn ich aufhöre, eigene Interessen in den Blick zu nehmen, biblisch gesagt nur wenn ich mich bekehre, dann ist was ich sage und tue auch wirksam. Weiterlesen

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Verlust

Verlustangst: Liest man Analysen der Unsicherheit der Gegenwart, der Motive für den Erfolg des Populismus und für anderes, findet man immer wieder diese Begründung. Wir haben Angst, etwas zu verlieren. Abzusinken.

Die automatische Reaktion lautet meistens, dass das ein Gefühl ist, dass man sich die Fakten genauer anschauen muss, dass unterm Strich mehr rauskommt obwohl es sich nach weniger anfühlt und so weiter. Schlicht: dass das Verlustgefühl „nur” ein Gefühl ist.

Und das ist dann der Moment, in dem die gesellschaftliche Debatte und dann die politische Debatte einsetzt.

 

Kultur, Tradition, Identität

 

Der Schutz des Eigenen, der eigenen Kultur, der eigenen Tradition, ja, auch des eigenen Christlichen, steht hoch im Kurs. Je größer der Druck wird, je mehr man glaubt (und ich benutze das unpersönliche „man“ hier sehr bewusst), desto wichtiger scheint dieser Schutz zu werden. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es echter oder nur wahrgenommener Verlust ist, er ist in jedem Fall ‚wirklich‘, er hat Wirklichkeit, er hat Konsequenzen.

So können denn Menschen sich gegen andere Menschen einsetzen, und als Zeichen das Kreuz wählen. Das Kreuz, Zeichen der Hingabe, wird zu einem Zeichen der Abgrenzung.

Aus der eigenen Logik mag das vielleicht konsequent sein, man verteidigt ja angeblich das so genannte „christliche Abendland“ gegen den Verlust von Identität.

 

Abgrenzung oder Hingabe

 

Die christliche Botschaft wird dabei aber uminterpretiert, das „Mein Nächster ist ein Österreicher“ aus dem Wahlkampf entspricht dabei dem politischen „die italienische Regierung hilft Italienern“ des neuen Innenministers hier in Italien.

Zwei Dinge: erstens der Satz, der hier kommen muss. Mit Christentum hat das wenig zu tun, die Abgrenzung von „wir“ und „die“ sind keine biblischen Kategorien mehr, Paulus macht das sehr klar. Dieser Einsatz (Soldaten an die Grenzen, Staatsversagen, angeblicher „Asyltourismus“) für eine Identität kann sich nicht auf das Christentum berufen. Weiterlesen

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Aus der Position der Überlegenheit

Erinnern Sie sich noch an das Foto Papst und Trump? Der Präsident lächelt, der Papst blickt missmutig drein. Das war alles, was es für die Berichterstattung brauchte. Das Foto ging um die Welt, da hätte der Weltfrieden ausbrechen können, die Begegnung war durch das Foto ein für allemal bewertet.

Screenshot Spiegel Online, gemacht am 22. Juni

Screenshot Spiegel Online, gemacht am 22. Juni

Fotos sind mächtig. Wie wir neulich auch im Spiegel sehen konnten, online ist das Bild eines Papstes zu sehen, wie es unsympathischer kaum geht. Da kann die Kollegin darunter fleißig schreiben, das gewählte Foto sagt schon alles. Auch wenn es ein sympathischer Artikel wäre, gegen das Foto hätte er keine Chance.

Umso besser für die Kollegin, dass ihr Artikel gut zum Foto passt.

Die rechnet dort nämlich kräftig mit dem Papst ab, mit der katholischen Kirche und überhaupt Religion gleich mit. Hart geschrieben, schnell gedacht, alles ins maximal Negative gedreht. Der Papst ist „der bekannteste Antifeminist der Welt”, und “ bei Päpsten scheint alles als fortschrittlich zu gelten, was ohne die Androhung des Scheiterhaufens auskommt“. Soweit, so witzig.

 

Generalabrechnung

 

Hart ist vor allem der Anker der Kritik: „So redet einer, der zugleich Chef der Institution ist, die massenhaftes Leid an Kindern und Jugendlichen ermöglicht hat und sich weiterhin mit der vollständigen Aufklärung dieser Fälle schwertut.“ Wenn wir in der Kirche um Vertrauen werben wollen, dann muss dieses Kapitel aufgearbeitet werden. Und damit sind wir noch längst nicht durch.

Meine Kritik am Stück – und das muss dann auch sein – entzündet sich an einem anderen Punkt. Ok, an zwei Punkten. Das Foto ist der erste Punkt. Wie gesagt. Aber im Untertitel tritt eine Haltung zu Tage, die leider sehr verbreitet ist. Die Autorin sagt, dass der Papst Positionen vertritt, die eine „Zumutung sind für alle, die in der Gegenwart leben“. Weiterlesen

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„Das Leben des Christen ist ein ständiger Kampf“

Christsein heute – Gedanken zu einem Papstschreiben, Teil 5

Wir, die wir religiös aktiv sind, reflektiv und auf Blogs und in Papsttexten nachlesen und nachdenken, wir sind gleichzeitig auch gute Konsumenten. Wir sehen uns als kritisch und distanziert, aufgeklärt und fortschrittlich, ganz gleich was für Ansichten wir konkret vertreten.

Dagegen setzt der Papst einen harten Satz: „Das Leben des Christen ist ein ständiger Kampf“ (158). Nicht Konsum. Nicht weiter-so. Nicht zurück lehnen und sehen, ob der Mann in Rom die Reform schafft oder nicht. „Es bedarf Kraft und Mut, um den Versuchungen des Teufels zu widerstehen und das Evangelium zu verkünden“ ist die Botschaft von Franziskus“. Jawohl, der Teufel.

Auf den Herrn hören: Dom von Sankt Gallen

Auf den Herrn hören: Dom von Sankt Gallen

Normalerweise spricht der Papst zu diesen Gelegenheiten über Mondanität, „mondanità“. Hier nicht, hier verschärft er die Gangart und den Ton und spricht vom Teufel.

Uns ist das unangenehm. Meistens – und ganz fortschrittlich kritisch – verlegen wir in diesem Augenblick die Debatte auf die Frage, ob es den Teufel überhaupt gibt und ob das nicht eine vergangene Sprache ist die unserem modernen Denken gar nicht entspricht und so weiter. Aber darum geht es dem Papst nicht.

Als Einzelpunkt habe ich das an dieser Stelle schon einmal besprochen. „Der Papst differenziert dann sein Sprechen vom Teufel: einerseits lasse nur diese Anwesenheit des Bösen die Dramatik der Zerstörung verstehen, andererseits dürfe man nicht naiv sein und etwa biblische Schriften um-deutend übernehmen. Das endet dann aber in dem Satz „Wir sollen also nicht denken, dass dies ein Mythos, ein Schauspiel, ein Symbol, ein Bild oder eine Idee sei“, das Sprechen vom Teufel bleibt. Was sich ja bis ins Vaterunser hinein zeigt, „Erlöse uns von dem Bösen“.“ (161)

 

Das ist unangenehm

 

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, was für eine Rolle das Sprechen vom Teufel methodisch im Denken des Papstes einnimmt. Denn das Thema Methode hat sich ja durch die vergangenen Beiträge gezogen.

Es geht um Wachsamkeit und um Kampf. Will ich Christ oder Christin sein, will ich mein Christsein heute leben, dann geht das nicht in einer Selbstverständlichkeit, wie sie sozial vielleicht getragen war – oder in einigen Gegenden vielleicht noch ist.

Die uns umgebende Welt enthält eben auch Dynamiken, die uns vom Christsein abbringen wollen. „Das gegenwärtige Leben bietet enorme Möglichkeiten der Betätigung und der Ablenkung. Die Welt präsentiert sie, als wären sie alle wertvoll und gut. Alle, besonders die jungen Menschen, sind einem ständigen Zapping ausgesetzt. Man kann auf zwei oder drei Bildschirmen gleichzeitig navigieren und zugleich auf verschiedenen virtuellen Ebenen interagieren. Ohne die Weisheit der Unterscheidung können wir leicht zu Marionetten werden, die den augenblicklichen Trends ausgeliefert sind“ (167).

 

Mittelmäßigkeit und Scheitern

 

Und das gilt es zu erkennen – zu unterscheiden wie der Papst sagt – und sich dementsprechend anders zu verhalten. An dieser Stelle wieder ein harter Satz: „Wer das nicht akzeptieren will, wird scheitern oder mittelmäßig bleiben“ (162). Weiterlesen

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„Gott hat keine Angst! Er hat keine Angst!“

Christsein heute – Gedanken zu einem Papstschreiben, Teil 4

Heiligsein ist ein Lebensstil, oder wie ich bisher gesagt habe: Christsein ist ein Lebensstil. Nicht nur eine innere Haltung, nicht nur eine Frömmigkeit oder ein Glaube oder eine Überzeugung, sondern auch Ausdruck. Lebensstil eben.

So beginnt Papst Franziskus Kapitel Vier seines Schreibens Gaudete et Exsultate, über die Heiligkeit. Und nachdem der Papst die Schritte zu Einsicht und Aufbruch erläutert hat, geht es nun um Hilfen. Er nennt es „fünf große Bekundungen der Liebe zu Gott und zum Nächsten“, die besonders hilfreich sein können in einigen uns umgebenden Gefahren, nämlich „die nervöse und heftige Unruhe, die uns zerstreut und schwächt; die negative Einstellung und die Traurigkeit; die bequeme, konsumorientierte und egoistische Trägheit; der Individualismus und viele Formen einer falschen Spiritualität ohne Gottesbegegnung, die den aktuellen Religionsmarkt beherrschen“ (111).

Von Jesus lernen: Dom von Sankt Gallen

Von Jesus lernen: Dom von Sankt Gallen

Nun muss man das nicht als religionssoziologische Analyse begreifen, aber als Deutung gegenwärtiger Phänomene tragen diese Aussagen des Papstes.

Was also hilft? Der Papst greift fünf Bereiche auf.

„Das erste dieser wichtigen Merkmale ist, auf Gott hin, der uns liebt und trägt, zentriert und in ihm gefestigt zu sein“ (112). Was das bedeutet, kann man gut vom Gegenteil her verstehen. Verbale Gewalt im Internet – auch unter Katholiken – Verleumdung und Geschwätz, sich zum Richter über andere aufwerfen: das ist genau das Gegenteil davon, sich von Gott getragen zu wissen.

 

Nicht dagegenhalten

 

Das Böse soll durch das Gute besiegt werden, nicht durch Gegengewalt. Hier geht es darum, wie wir mit den Dingen umgehen, die gegen uns stehen, die unangenehm sind, die vielleicht sogar aggressiv sind. An einer anderen Stelle hat der Papst ausführlich eine Methode des Umgangs dazu beschrieben, der Kern bleibt aber dieser: Nicht dagegenhalten, sondern demütig sein. Was durchaus nicht immer angenehm ist, gibt der Papst zu. Aber: „Eine solche Haltung setzt ein durch Christus befriedetes Herz voraus, befreit von dieser Aggressivität, die aus einem überhöhten Ich hervorgeht“ (121).

Das zweite Mittel ist da auf jeden Fall angenehmer: „Freude und Sinn für Humor“. „Das bisher Gesagte impliziert nicht einen apathischen, traurigen, säuerlichen, melancholischen Geist oder ein schwaches Profil ohne Kraft. Der Heilige ist fähig, mit Freude und Sinn für Humor zu leben“ (122).

Die Freude ist theologisch gesehen klarer gefasst, der Sinn für Humor begleitet sie aber, wenn man das wirklich auch leben will. Humor befreit. Und hier liegt die Verbindung zum ersten Mittel: dem befreiten Herzen.

 

Humor befreit

 

Wagemut und Eifer sind Mittel Nummer Drei in der Papst-Liste. Das entspricht dem aus-sich-heraus-gehen, das es für eine missionarische Kirche braucht. Dienst und Verkündigung und Nachfolge und all diese christlichen Begriffe setzen voraus, dass ich nicht da bleibe, wo ich bin. „Wir brauchen den Anstoß des Heiligen Geistes, um nicht durch Furcht und Berechnung gelähmt zu werden, um uns nicht daran zu gewöhnen, nur innerhalb sicherer Grenzen unterwegs zu sein“ (133). Weiterlesen

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Begegnung mit Christus

Christsein heute – Gedanken zu einem Papstschreiben, Teil 3

„Es mag viele Theorien darüber geben, was die Heiligkeit ist, mit ausführlichen Erklärungen und Unterscheidungen. Diese Reflexion kann nützlich sein, doch ist nichts erhellender, als sich dem Wort Jesu zuzuwenden und seine Art, die Wahrheit weiterzugeben, umfassender zu betrachten.” So beginnt Kapitel Drei von Gaudete et Exsultate, das jetzt Thema sein soll.

Und was gibt es dazu mehr zu sagen? Schaut auf Christus!

Jesusbegegnung am Brunnen: Darstellung an einem Beiststuhl im Dom Sankt Gallen

Jesusbegegnung am Brunnen: Darstellung an einem Beiststuhl im Dom Sankt Gallen

Aber auch das will vorbereitet sein, da ist der Papst ganz Jesuit. Überhaupt, das geistliche Vorangehen von Franziskus erinnert mich sehr an die geistliche Methode des heiligen Ignatius, die dem Jesuitenorden – und anderen Gemeinschaften – zu Grunde liegt. Der Papst kennt seinen Ignatius sehr gut.

Kurze Erinnerung: Die Erkenntnis meiner selbst und der Wille, das anzunehmen was Gott vorhat, steht zu Beginn. Der Blick auf die Versuchungen ist immer dabei. Und das alles ist keine Selbstoptimierungsstrategie, sondern Vorbereitung auf den Blick auf Jesus Christus. Und genau das tut der Papst jetzt.

 

Geistliche Methodik

 

Und das Wie ist wieder typisch: nicht eine umfassende Erklärung, sondern ein Blick auf eine konkrete Stelle in der Schrift. Nicht DER Jesus, sondern unsere konkrete Begegnung in der Meditation einer Stelle ist wichtig. Hier: die Seligpreisungen (Mt 5,3-12; Lk 6,20-23), „das Wort „glücklich“ oder „selig“ wird zum Synonym für „heilig“” (64).

Erster Schritt: Anerkennen, dass Hören auf Jesus immer Wandel bedeutet. Jesus ist nicht in die Welt gekommen, um zu bestätigen, sondern um zu rufen, und das heißt immer heraus-rufen. „Anderenfalls wird die Heiligkeit nur in Worten bestehen“ (66).

Zweiter Schritt: Erkennen, worauf wir setzen und bauen. Hier geht es um die innere Freiheit, die ich brauche, um auf Jesus hören und sein Wort annehmen zu können. An dieser Stelle wird Ignatius auch wörtlich in seiner etwas sperrigen Sprache zitiert (69).

 

Das Meditieren des Rufes Christi

 

Und so geht Franziskus die einzelnen Seligpreisungen durch, er meditiert die Stellen und fragt nach, was das für unser christliches Leben, unser Christsein bedeutet. Ich mag das an dieser Stelle nicht einzeln nachvollziehen, das würde dem nicht gerecht, das müssen wir schon selber meditieren.

Nach seiner Schriftmeditation weist der Papst noch darauf hin, dass das Ganze kein harmloses Unterfangen ist, sondern dass hier der „Maßstab, nach dem wir geurteilt werden“ liegt (95). Es ist kein frommes Angebot, an dieser Stelle geht es darum, ob wir uns und unser Leben und Christi Ruf verfehlen oder ihn hören. Weiterlesen

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Ein Geist ohne Gott, ein Geist ohne Fleisch

Christsein heute – Gedanken zu einem Papstschreiben, Teil 2

Über das Erkennen der Versuchung zur Erkenntnis des eigenen Weges kommen: eine von Papst Franziskus immer und immer wieder verwendete Methode geistlichen Wachsens und Vorangehens. Auch in Gaudete et Exsultate, dessen zweites Kapitel ich hier anschauen will.

Wer sich verläuft und rekonstruiert, wie und warum er sich verlaufen hat, der findet auch wieder zurück auf den richtigen Weg. Wer nicht weiß, wo er falsch abgebogen ist und in welche Richtung, kann auch mit der richtigen Richtung nichts anfangen, wenn ich das mal etwas grob übersetzen darf.

 

Subtile Feinde

 

Es geht dem Papst um zwei Grund-Versuchungen. Der Papst nennt sie “subtile Feinde der Heiligkeit”, aber so subtil sind die manchmal gar nicht. In der dem Papst eigenen Kombination von theologischem Sprechen und pastoraler Übersetzung in ein und demselben Satz sagt er:

“In ihnen kommt ein als katholische Wahrheit getarnter anthropozentrischer Immanentismus zum Ausdruck. Betrachten wir diese zwei Formen vermeintlicher doktrineller oder disziplinarischer Sicherheit, die Anlass gibt zu einem narzisstischen und autoritären Elitebewusstsein, wo man, anstatt die anderen zu evangelisieren, sie analysiert und bewertet und, anstatt den Zugang zur Gnade zu erleichtern, die Energien im Kontrollieren verbraucht. In beiden Fällen existiert weder für Jesus Christus noch für die Menschen ein wirkliches Interesse” (35).

Petrus und Paulus, nicht Gnostik und Pelagius: Dom zu Sankt Gallen

Petrus und Paulus, nicht Gnostik und Pelagius: Dom zu Sankt Gallen

Es geht um Pelagianiamus und Gnostizismus, bzw. um deren heutigen Erscheinungsformen.

Immer wieder nimmt der Papst Bezug auf diese beiden -ismen, die das Drama der menschlichen Freiheit umreißen. Auch die Glaubenskongregation hat sich vertiefend damit befasst. Hier im Blog bin ich deswegen auch schon einige Male auf die beiden – Pelagius und die Gnostiker, vor allem aber auf die -ismen die sich darauf gründen – zu sprechen gekommen.

 

Über die Versuchung zur Erkenntnis

 

Deswegen zeichne ich hier nicht noch einmal nach, was der Papst genau sagt, das ist auch besser direkt zu lesen. Ich möchte nur auf etwas anderes hinweisen, was mir in diesem zweiten Kapitel wichtig scheint.

In der Mitte, zwischen den beiden Versuchungen, steckt ein kleiner Abschnitt über die “Grenzen der Vernunft”. Es geht um die Art und Weise, auf die Wahrheit zu reagieren. Da es uns nicht gelingt, sie so auszudrücken, wie wir sie vom Herrn empfangen haben – unserer menschlichen Begrenztheit wegen und weil Gott immer größer ist als alles, was wir ausdrücken können – müssen wir mit dieser Begrenztheit umgehen. Weiterlesen

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