Ein Geist ohne Gott, ein Geist ohne Fleisch

Christsein heute – Gedanken zu einem Papstschreiben, Teil 2

Über das Erkennen der Versuchung zur Erkenntnis des eigenen Weges kommen: eine von Papst Franziskus immer und immer wieder verwendete Methode geistlichen Wachsens und Vorangehens. Auch in Gaudete et Exsultate, dessen zweites Kapitel ich hier anschauen will.

Wer sich verläuft und rekonstruiert, wie und warum er sich verlaufen hat, der findet auch wieder zurück auf den richtigen Weg. Wer nicht weiß, wo er falsch abgebogen ist und in welche Richtung, kann auch mit der richtigen Richtung nichts anfangen, wenn ich das mal etwas grob übersetzen darf.

 

Subtile Feinde

 

Es geht dem Papst um zwei Grund-Versuchungen. Der Papst nennt sie “subtile Feinde der Heiligkeit”, aber so subtil sind die manchmal gar nicht. In der dem Papst eigenen Kombination von theologischem Sprechen und pastoraler Übersetzung in ein und demselben Satz sagt er:

“In ihnen kommt ein als katholische Wahrheit getarnter anthropozentrischer Immanentismus zum Ausdruck. Betrachten wir diese zwei Formen vermeintlicher doktrineller oder disziplinarischer Sicherheit, die Anlass gibt zu einem narzisstischen und autoritären Elitebewusstsein, wo man, anstatt die anderen zu evangelisieren, sie analysiert und bewertet und, anstatt den Zugang zur Gnade zu erleichtern, die Energien im Kontrollieren verbraucht. In beiden Fällen existiert weder für Jesus Christus noch für die Menschen ein wirkliches Interesse” (35).

Petrus und Paulus, nicht Gnostik und Pelagius: Dom zu Sankt Gallen

Petrus und Paulus, nicht Gnostik und Pelagius: Dom zu Sankt Gallen

Es geht um Pelagianiamus und Gnostizismus, bzw. um deren heutigen Erscheinungsformen.

Immer wieder nimmt der Papst Bezug auf diese beiden -ismen, die das Drama der menschlichen Freiheit umreißen. Auch die Glaubenskongregation hat sich vertiefend damit befasst. Hier im Blog bin ich deswegen auch schon einige Male auf die beiden – Pelagius und die Gnostiker, vor allem aber auf die -ismen die sich darauf gründen – zu sprechen gekommen.

 

Über die Versuchung zur Erkenntnis

 

Deswegen zeichne ich hier nicht noch einmal nach, was der Papst genau sagt, das ist auch besser direkt zu lesen. Ich möchte nur auf etwas anderes hinweisen, was mir in diesem zweiten Kapitel wichtig scheint.

In der Mitte, zwischen den beiden Versuchungen, steckt ein kleiner Abschnitt über die “Grenzen der Vernunft”. Es geht um die Art und Weise, auf die Wahrheit zu reagieren. Da es uns nicht gelingt, sie so auszudrücken, wie wir sie vom Herrn empfangen haben – unserer menschlichen Begrenztheit wegen und weil Gott immer größer ist als alles, was wir ausdrücken können – müssen wir mit dieser Begrenztheit umgehen. Weiterlesen

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Christsein heute – Gedanken zu einem Papstschreiben

Teil 1

Der Papst will Reform. Vielleicht passt das nicht immer auf die Vorstellungen, die wir mit dem Wort verbinden, vielleicht kommt es da zu ziemlich viel Knirschen, wie in den vergangenen Tagen zu beobachten war. Vielleicht gehen wir auch einfach falsch, wenn wir unsre – zentraleuropäischen – Vorstellungen zum Maßstab nehmen.

Wenn man den Papst nach der Reform befragen würde, bin ich sicher dass er auf den Christen und die Christin verweisen würde. Nicht auf Struktur, nicht auf bahnbrechende und alles entscheidende Einzeldinge. Sondern auf die “ständige Haltung des Aufbruchs”, die er sich wünscht, damit eine “missionarische Kirche” wächst, von der er träumt, wie er sagt.

Über sein Schreiben “Gaudete et Exsultate” habe ich hier schon geschrieben, da habe ich aber eher Einzelpunkte herausgegriffen. Oder eine allgemeine Zusammenfassung geschrieben. An dieser Stelle mag ich mich aber noch mal an dem ganzen Text versuchen, um der Reform nahe zu kommen, die Papst Franziskus mit uns versucht.

Die Sünderin und der Herr: Nähe zu Jesus setzt kein Perfekt-Sein voraus. Beichtstuhl in Sankt Gallen

Die Sünderin und der Herr: Nähe zu Jesus setzt kein Perfekt-Sein voraus. Beichtstuhl in Sankt Gallen

Sein Ausgangspunkt ist das Heilig-Sein, dazu die Selbsterkenntnis, wie wir es schon von ihm gewohnt sind: “Erkennen wir unsere Schwachheit, aber lassen wir zu, dass Jesus sie in seine Hände nimmt und uns in die Mission hinaustreibt” (131).

Dazu gehört dann auf die Aufforderung, keine Angst zu haben vor der Heiligkeit. Oder vielleicht müsste man hier besser sagen, keine Angst zu haben, sein Christsein auch wirklich voll zu leben. “Du wirst dabei zu dem Menschen werden, an den der Vater dachte, als er dich geschaffen hat, und die wirst deinem eigenen Wesen treu bleiben” (32) lautet das Versprechen.

 

Dem eigenen Wesen treu bleiben

 

Zwei Dinge dürfen wir dabei nicht übersehen. Erstens die “Heiligkeit von nebenan”, wie der Papst sagt, also ein nicht immer sofort spektakuläres und damit vielleicht Angst machendes Christentum, sondern einfache, schlichte, stille Heiligkeit.

Zweitens hat Heiligkeit (= Christsein) auch immer eine Dynamik, und zwar eine die uns biblisch gesprochen zu einem Volk macht. Sie ist gemeinschaftlich, nichts nur allein für mich.

Was auch nervös machen kann sind die vielen Heiligenlegenden die wir immer wieder zitieren und die wir auf Säulen in unseren Kirchen sehen. Heldenmut gleich, furchtlos scheinen die gewesen zu sein. Dabei gilt:

“Es gibt Zeugnisse, die als Anregung und Motivation hilfreich sind, aber nicht als zu kopierendes Modell. Das könnte uns nämlich sogar von dem einzigartigen und besonderen Weg abbringen, den der Herr für uns vorgesehen hat. Worauf es ankommt, ist, dass jeder Gläubige seinen eigenen Weg erkennt und sein Bestes zum Vorschein bringt, das, was Gott so persönlich in ihn hineingelegt hat (vgl. 1 Kor 12,7), und nicht, dass er sich verausgabt, indem er versucht, etwas nachzuahmen, das gar nicht für ihn gedacht war.” (Nr. 11) Weiterlesen

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Verbeulte Kirche

Der Konflikt ist schwer erträglich. Ein heikles, wichtiges und für Christen in Deutschland zentrales Thema wird zerrissen: die deutschen Bischöfe entwickeln – über Jahrzehnte hinweg – eine Regelung für den Kommunionempfang des nichtkatholischen Teils einer Ehe, einige wehren sich dagegen und appellieren an Rom.

Kommunionempfang? Ein Beulen-Thema

Kommunionempfang? Ein Beulen-Thema

Rom entscheidet in dem Sinn, dass es der Bischofskonferenz überlässt “möglichst einmütig” zu entscheiden. Darüber hatte ich selber hier auch geschrieben, “Synodalität beim Entstehen zuschauen” hatte ich es genannt. Und nun Befehl zurück, in einem Brief nimmt der Präfekt der Glaubenskongregation das mit Bezug auf den Papst zurück.

Der Brief wurde durchgestochen, die Empfänger haben vom dem Brief aus den Medien erfahren. Das allein zeigt schon, dass es hier einigen nicht um Inhalte, sondern um das Beschädigen von Personen geht. So viel zum Thema Sorge um Kollegialität, Weltkirchlichkeit und den Glauben. Einige spielen hier ihre Spiele.

 

Schwer zu ertragen

 

Aber auch der Inhalt ist schwer zu ertragen. Ist das nun wirklich ein Zurück? Wie lese ich das? Was hat der Papst nun wirklich Erzbischof – bald Kardinal – Ladaria aufgetragen? Wir dürfen nicht vergessen, dass der Papst immer und immer wieder auf sein Amt als Garant der Einheit in Debatten hinweist, er delegiert keine Autorität, das ist nicht Sinn der Synodalität.

Auf mich wirkt das Ganze – von außen betrachtet – wie eine der Beulen, von denen der Papst spricht. Weiterlesen

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Ökologischer Imperativ

Klassiker sollen ja manchmal helfen. Klassiker des Denkens, der Einsicht, manchmal auch einfach nur des gesunden Menschenverstandes. Leider ist es diesen Klassikern auch eigen, dass sie gerne vergessen werden, vor allem in der Praxis. Im Alltag.

Über einen bin ich gerade wieder gestolpert, auf der Suche nach der Frage nach Verantwortung. Wenn ich in die Welt der Politik hineinschaue – Italien lässt mich schaudern – dann drängt sich diese Frage geradezu auf. Zerstörung und kaputt machen all überall, Horizonte schön klein machen, auf sich selber schauen. Mit dem Ergebnis der Verantwortungslosigkeit.

 

Ein Satz von Hans Jonas

 

Der Klassiker, den ich wiederentdeckt habe, ist ein Satz von Hans Jonas, sein so genannter ökologischer Imperativ: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.”

Das ist durch und durch konservativ gedacht, Jonas will bewahren und empfiehlt auf Nummer sicher zu gehen. Oder anders formuliert, er entwickelt eine Zukunftsethik basierend auf Vorsicht. Da wir nicht wirklich abschätzen können, was die Folgen von technischen Entwicklungen sein werden, sei grundsätzlich die schlechtere Prognose der besseren vorzuziehen. Klingt furchtsam, bei den Folgen, welche die Technik auf Umwelt und Menschen schon jetzt hat, ist aber vielleicht übertriebener Optimismus unangebracht.

 

Übertriebener Optimismus scheint unangebracht

 

Das lässt sich auch übersetzen in die politische und gesellschaftliche Welt. Die Geister, die wir rufen, werden wir halt nicht mehr los. Eine gesunde konservative Haltung, welche das Risiko scheut weil die Folgen schlicht nicht absehbar sind, ist vielleicht gar nicht so schlecht.

Zumindest lohnt es sich, sie wieder zu entdecken.

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Gretchenfrage: wie hältst du es mit dem Kreuz?

1Ab heute gilt in Bayern: „Im Eingangsbereich eines jeden Dienstgebäudes im Freistaat [Bayern] ist als Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayerns deutlich wahrnehmbar ein Kreuz als sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Bayern und Deutschland anzubringen. (…) Das Kreuz ist das grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung.”

Borgo Pio, Roma: Ein Madonnenbild auf meinem Weg zur Arbeit

Borgo Pio, Roma: Ein Madonnenbild auf meinem Weg zur Arbeit

Wenn ich hier in Roma durch die Straßen gehe, begegnet mit eine solche geschichtliche und kulturelle Prägung an fast jeder Straßenecke. Madonnen vor allem, seltener Kreuze, aber auch sehr viele Kirchen und Klöster.

Das gibt es in Bayern auch, der Unterschied ist nur, dass jetzt Kreuze aufgehängt werden, wo vorher keine waren.

Wir sind uns glaube ich einig darin dass wir sagen können, dass das Aufhängen von Kreuzen noch niemanden zum Christen macht. So meinte die bayerische Regierung das ja auch, es soll ein Zeichen von kultureller Identität und christlich-abendländischer Prägung sein. Kein religiöses Symbol.

 

Was hängt bei mir an der Wand?

 

Nun mag ich die Debatte darum nicht noch einmal aufmachen, jedenfalls nicht hier und heute. Ich möchte aber eine andere Frage stellen, die auch hierher gehört. Wir sollen uns auf uns selbst zurück besinnen, empfiehlt der heilige Ignatius in seinen Gebetsübungen: Was hat das alles mit mir zu tun?

Habe ich ein Kreuz aufgehängt? Eine Ikone oder ein anderes eindeutig christliches Zeichen? Warum? Warum nicht? Habe ich Hemmungen, mein Christsein offen zu zeigen? Mache ich im Restaurant ein Kreuzzeichen? Warum? Warum nicht? Und so weiter und so weiter.

Wenn die Kirchen das Kreuz als religiöses Zeichen verteidigen, oder Christen das Aufhängen von Kreuzen in Amtsräumen gut finden, dann darf die Frage schon gestellt werden, was das Kreuz bedeutet. Nicht allgemein, abstrakt, sondern konkret, für mich.

Wie hältst du es mit dem Kreuze?, abgewandelt mit Gretchen gefragt.

Bayern sieht es als Ausdruck der eigenen historisch gewachsenen Identität. Ist das auch bei mir persönlich so? Ist das Teil meiner eigenen Identität?

Als Spekulation stelle ich mir das auch als Diskussionsgegenstand vor, an diesem Freitag, bei der Audienz von Papst Franziskus für Ministerpräsident Söder.

 

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Christsein schützt vor Intoleranz nicht

Zeit zum Nachdenken: Offensichtlich ist Christsein nicht gleichbedeutend mit tolerant sein. Jedenfalls statistisch betrachtet.

Die TAZ schrieb an diesem Mittwoch „Unter den Christen in Deutschland und Westeuropa ist die Ablehnung von Juden, Muslimen und Migranten weiter verbreitet als unter Konfessionslosen.“ Und die SZ: „Christen neigen eher als Konfessionslose zu der Aussage, der Islam sei nicht mit den Werten des Landes zu vereinbaren, und befürworten, dass die Einwanderung verringert werden müsse.“ Beide – und andere – berichten über Zahlen des PEW Institut in den USA, und die stehen für saubere statistische Arbeit.

Es gibt also eine Verschiebung zwischen dem, wofür etwa Papst Franziskus steht, und dem, was offensichtlich die Mehrheit der Christen denkt. Wofür steht dann das Christentum?

 

Christentum, wohin?

 

Diese Auseinandersetzung wird gerade offen ausgetragen. Lehre und Kirche, Abendland und Identität, alles wird ins Feld geführt. Und während die einen bewahren wollen, was ist oder vielleicht nur noch war, wollen die anderen aufmachen, weiter gehen.

Die Zahlen der Ablehnung sollten uns da zu denken geben. Wozu führt uns ein konsequent gelebtes christliches Leben? Zu Werten? Nein. Zu Fortschritt? Auch nicht. Aber was bedeutet das nun genau, näher zu Christus zu kommen, Christus nachzufolgen? Wie sieht das aus, welche Haltungen hat das zur Folge?

Mindestens die statistische Häufung von Ablehnung nur auf Grund von Herkunft oder Glauben muss uns nervös machen. Jawohl, ich habe „nur“ geschrieben, denn das kann kein Grund für Ablehnung sein. Darf es für Christen nicht.

Die Debatte, wohin das Christentum führt, wird offen geführt. Am Ergebnis wird sich zeigen, ob Christentum bei uns zukunftsfähig ist.

 

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„Wo zwei oder drei …“

Ein langer Text. Und ein kaum wahrgenommener Text. Dabei ist das Thema eines der zentralen Themen dieses Papstes und die Autoren sind sowas wie der theologische Think-Tank des Vatikan: Die Internationale Theologische Kommission, angegliedert an die Glaubenskongregation, hat vor einiger Zeit einen Text veröffentlicht – vorerst nur auf Italienisch – der sich um das Thema „Synodalität“ dreht.

Wie gesagt, das Ding ist lang und ausführlich, historisch und biblisch, und sehr grundlegend. Deswegen vielleicht nicht unbedingt anwendungsfreundlich, aber das ist ja auch nicht die Intention. Es geht um die Grundlage, wie Synodalität auf Katholisch zu denken ist.

An dieser Stelle nur einige Beobachtungen aus der Lektüre, mir weiter geholfen haben, das Projekt Franziskus etwas besser zu verstehen.

 

Kreisförmige Bewegungen

 

Wer diesen Blog ab uns zu mal liest, weiß vielleicht, dass ich selber „Synodalität“ mit „Neufindung der Balance zwischen Universal und Lokal“ übersetze. Soll heißen, es geht weder von oben herab, noch geht es um eine Regionalisierung, sondern es geht um eine Balance. Und genau hierzu gibt mir der Text einige Anstöße.

Petersplatz und Apostolischer Palast, Vatikan

Das Zentrum, Ort der Synodalität

Mehrere Male wird im Text von einer kreisförmigen Bewegung gesprochen: Der Glaubenssinn der Gläubigen, die Unterscheidung auf verschiedenen Ebenen der Kirche und der Themen, und schließlich die Leitung der Kirche durch die Bischöfe bleiben aufeinander bezogen.

Das eine ersetzt nicht das andere, alle gehören zusammen. Kreisbewegung „fördert die Taufwürde und die Mit-Verantwortlichkeit aller, würdigt die Existenz der verschiedenen Charismen, welche der Heilige Geist dem Volk Gottes schenkt, und erkennt den besonderen Dienst der Hirten in der kollegialen und hierarchischen Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom an“, heißt es im Text (Nr. 72).

Warum kreisförmig? Weil das eine immer auf das nächste verweist und das wieder weiter, dadurch entsteht Dynamik. Erst einmal im Kopf, aber wenn das auch wirklich gelebt wird, dann auch real.

 

Nicht so wie im Schulbuch

 

Erinnern Sie sich an die Grafiken in den Schulbüchern, zur Weimarer Verfassung etwa oder zur Französischen Revolution? Da wurde gerne mit Pfeilen erklärt, wer wen wählt, ernennt, kontrolliert etc. Aber genau das ist mit dem Verweis von dem einen auf das andere hier nicht gemeint. Die kreisförmige Bewegung ist keine Legitimations-Schleife, keine Verfassung. Dafür – und das macht der Text auch immer wieder klar – steht einzig der Bezug auf den Herrn, ohne den das alles leer wäre. Weiterlesen

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Wahrheit, Freiheit und Begegnung

Wahrheit ist Begegnung: diesen Satz haben wir schon einige Male aus dem Mund von Papst Franziskus gehört. Er ziert Buchtitel und Essays über ihn, ist wunderbar griffig und leicht überraschend in der Aussage, so dass man ihn gerne aufgreift.

Gott in Beziehung zu uns: Christus

Gott in Beziehung zu uns: Christus

Die Aussage spielt etwas mit dem Gedanken, dass Wahrheit zwischen Buchdeckeln zu finden sei, dass sie aufgeschrieben Sätze, logische Formeln oder Ähnliches sein soll. Und das macht sich immer gut.

„Die Wahrheit passt nicht in eine Enzyklopädie“, so der Papst am 8. Mai 2013, also sehr bald nach seiner Wahl. Sie ist „eine Begegnung mit der höchsten Wahrheit, Jesus, der großen Wahrheit.“

Durch Zufall beim Aufräumen meiner Aufzeichnungen bin ich über einen Text gestolpert, der die gleiche Frage angeht, nur aus einer ganz anderen Richtung. Er erklärt sozusagen, woher der Gedanke der Verbindung von Begegnung und Wahrheit stammt, einer Verbindung, die uns ansonsten eher ungewöhnlich erscheinen mag.

 

Beginn mit der Freiheit

 

Es ist ein Text aus dem Jahr 2009, eine Ansprache des damaligen Papstes Benedikt XVI. Benedikt zieht aber noch einen weiteren Begriff hinzu, um das Ganze rund zu machen, er beginnt bei der Freiheit.

„Der Mensch ist kein Absolutum, gleichsam als könne das Ich sich abkapseln und nur dem eigenen Willen gemäß handeln. Das ist gegen die Wahrheit unseres Seins. Unsere Wahrheit ist, dass wir in erster Linie Geschöpfe Gottes sind und in der Beziehung zum Schöpfer leben. Wir sind beziehungsorientierte Wesen. Und nur wenn wir unsere Beziehungsorientiertheit annehmen, treten wir in die Wahrheit ein – wenn nicht, fallen wir der Lüge anheim und zerstören uns am Ende in ihr.”

 

Und dann die Liebe

 

Wahrheit ist also etwas, was wir an der Schöpfung sehen können, was mit dem Willen, den Gott in die Schöpfung hinein gelegt hat, ablesen können, wenn wir das denn wollen. Dazu kommt dann noch eine weitere Beziehung, wir sind nicht nur auf Gott hin geschaffen, sondern diese Beziehung hat auch einen Namen: Liebe. Weiterlesen

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Chiles Bischöfe beim Papst – und jetzt?

Das war alles? Nach all den Polemiken, nach einem missratenen Satz des Papstes zu einem Fall von Verantwortung von Bischöfen für Missbrauchsaufklärung in Chile, nach einem sehr, sehr deutlichen Papstbrief zum Thema, nach Jahren der Auseinandersetzung und der Vorwürfe, nach schwierigen Bischofsernennungen und viel Streit in der Kirche in Chile waren die Bischöfe des Landes beim Papst, drei Tage lang, und als Ergebnis – nur eine Presseerklärung?

So sah das aus: Das Treffen der Bischöfe mit dem Papst

So sah das aus: Das Treffen der Bischöfe mit dem Papst

So mag es sich vielen darstellen, denn der Brief des Papstes und die dramatische Situation im Land haben enorme Erwartungen geweckt.

Man dürstete geradezu nach einem erlösenden Wort, nach den erlösenden Entscheidungen, nach einem Machtgestus, der den Knoten endlich lösen würde. Aber genau den gab es nicht. Wieder nicht, so der Vorwurf.

Die Anklagen bleiben im Raum stehen, die Bischöfe, die sich den Vorwürfen ausgesetzt sehen, kehren nach Chile zurück und manch ein Journalist, der extra nach Rom angereist war, mag sich schon fragen, ob das nun der gerühmte Reformgeist von Papst Franziskus ist.

 

Dramatischer Vertrauensverlust

 

Und zunächst haben die Erwartungen ja recht, gerade Papst Franziskus springt immer sehr deutlich mit seinem Bischöfen um. Was er aber nicht macht und auch hier nicht gemacht hat, war eine Gerichtsverhandlung abhalten. Es gab keine Anklagen, Vorwürfe, Aufklärung, Abrechnung.

Vier Treffen mit dem Papst hatte es gegeben, zwei davon zum Abschluss an diesem Donnerstag.

Zunächst waren wir hier überrascht, dass das erste der Treffen schon nach kurzer Zeit zu Ende ging. Die Journalisten aus Chile hatten sich schon verabredet, vor dem Ausgang des Vatikan zu warten, aber keiner hatte damit gerechtet, dass es so schnell gehen würde.

 

Ein geistlicher Prozess

 

Warum bestellt der Papst 34 Bischöfe ein, um dann nach einer halben Stunde wieder auseinander zu gehen? In gewohnt trockener Manier gab der Pressesaal und in persönlichen Berichten dann Bischöfe wieder, warum die Kürze durchaus Sinn hatte: Es sollte ein geistlicher Prozess sein. Weiterlesen

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Konstruktiver Journalismus

Ein Journalist soll sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. So in etwa hat sich Hajo Friedrichs ausgedrückt, und das wird seitdem als Mantra des Journalismus zitiert. Der Satz zieht die Trennung zwischen einem Berichter und einem „Agenten“, also jemandem der eine Agenda hat, der durch das Berichten etwas anderes erreichen will als den Bericht. Insoweit ist das ein guter und richtiger Leitfaden.

In den letzten Jahren gerate ich zunehmend in Unterhaltungen – meistens informell, unter uns – zwischen Journalisten, die bemerken, dass wir uns nicht immer und nicht wirklich daran halten. Dass auch die besten Vorsätze, unabhängig zu berichten, auf einem Satz von Vorannahmen aufruhen. Und dass das die Berichterstattung prägt.

Der Autor dieses Textes interviewt, hier Kardinal Reinhard Marx

Der Autor dieses Textes interviewt, hier Kardinal Reinhard Marx

Das fliegt uns jetzt um die Ohren. Das ist kein schlechter Journalismus, aber er braucht mal wieder eine Korrektur, eine Reflexion, und die findet allüberall statt.

Nun hat der Papst selber aber Journalisten gebeten, einen „Journalismus für den Frieden“ zu üben. Ist das nun schon so eine „gute Sache“, mit der man sich nicht gemein machen soll? Oder ist Frieden nicht was Anderes, die Grundlage des Zusammenlebens, ohne das es Kommunikation gar nicht gibt, weil Macht und Waffen zählen?

„Ich möchte daher alle dazu einladen, einen Journalismus für den Frieden voranzutreiben, womit ich nicht einen Journalismus meine, dem es nur um „Schönfärberei“ geht, der das Vorhandensein schwerwiegender Probleme leugnet und einen süßlichen Tonfall annimmt. Nein, ich meine einen Journalismus, der sich nicht verstellt; der der Unwahrheit, der Effekthascherei und dem prahlerischen Reden den Kampf ansagt; ein Journalismus, der von Menschen und für Menschen gemacht ist; der sich als ein Dienst versteht, der allen Menschen zugutekommt, vor allem jenen – und das ist in unserer heutigen Welt der Großteil –, die keine Stimme haben; ein Journalismus, dem es nicht nur darum geht, Nachrichten so schnell und lukrativ wie möglich „an den Mann zu bringen“, sondern der die tatsächlichen Ursachen der Konflikte zu erforschen sucht, um ihre Wurzeln verstehen und durch die Anregung guter Handlungsweisen überwinden zu können; ein Journalismus, der sich nicht vom Strudel der Sensationsgier und der verbalen Gewalt mitreißen lässt, sondern lieber nach alternativen Lösungen sucht.“
(Papstbotschaft zum 52. Welttag der Kommunikation, veröffentlicht am 24. Januar, kursiv im Original)

Dieser Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel – der Medien – ist an diesem Sonntag, dem siebten Sonntag der Osterzeit.

 

Aufbauen, nicht zerstören

 

Journalismus und überhaupt weiter gedacht Kommunikation soll konstruktiv sein, so verstehe ich das. Soll aufbauen, nicht zerstören. Nicht Schönreden, sagt der Papst, aber eben auch nicht nur kaputt machend. Auch wenn das gekauft, geklickt, angeschaut wird. Weiterlesen

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