Option Benedikt?

„Das ist nicht das, wofür wir stehen“: Kardinal Blase Cupich, Erzbischof von Chicago, war sehr deutlich in einer Ansprache beim einer Demo für Lebensschutz. Er wendete sich ausdrücklich gegen die „Benedict Option“, einem Buch entnommen, das für eine katholische Gegenkultur spricht.

Moment einmal, Option Benedikt? Etwa: Entweltlichung? Nein, mitnichten. Benedikt ist in diesem Fall Benedikt von Nursia, der Klostergründer und Mönch. Das Buch hat die These, dass es ein Abwenden von der moralisch dekadenten Welt braucht, um noch christlich leben zu können.

 

Dekadenz-These

 

Kreuzgang in einem österreichischen Kloster

Klosterleben: Keine Gegenkultur

Und Kardinal Cupich ist dagegen. Danke Kardinal Cupich. Abgesehen von der sehr schlichten Einsicht, dass so eine Gegenkultur genau das Gegenteil von dem ist, was der Auftrag Jesu enthält, beruht die Annahme des Buches auf einem beliebten aber trotzdem falschen Mythos: nämlich dem, dass Benedikt sich von der moralischen Dekadenz der Römer abgewandt habe, die schlussendlich zum Untergang des römischen Reiches geführt habe.

Die These ist alt, aber falsch. Kulturkritiker können nicht von ihr lassen, sie ist einfach zu verführerisch. Witzigerweise gründet sie auf dem englischen Historiker Edward Gibbon, bei ihm ist es ausgerechnet das Christentum, welches das Imperium Romanum geschwächt habe. In Abwandlung ist das die Dekadenz-These, der wir gerne begegnen.

Der Untergang des römischen Reiches hatte viele Gründe und war Ergebnis einer Entwicklung, die nicht auf einen Grund zurück zu führen ist. Schon gar nicht auf die angebliche moralische Dekadenz.

 

Engagement

 

Und deswegen hatte auch der Rückzug Benedikts andere Gründe. Und deswegen taugt er nicht als Pate für eine Option, die für die Abwendung von der Welt wirbt. Fragen Sie einen x-beliebigen Benediktiner, oder besser noch einen Missionsbenediktiner, im Kloster leben heißt nicht sich von der Welt trennen.

Ich würde sogar behaupten, dass die beschworene Benedikt-Option letztlich nichts anderes ist als Resignation. Es ist keine positive, keine kreative Antwort auf den Ruf Christi in unserer Zeit, sondern der Versuch, zu retten was zu retten ist, weil man irgendwie mit den Herausforderungen von heute nicht klar kommt. Und Resignation scheint mir keine christliche Tugend zu sein.

Warum sage ich das hier? Spielt das hier überhaupt eine Rolle? Vielleicht nicht in der überzogenen Argumentationslogik des Autors des Buches über die angebliche „Option Benedikt“. Aber das herab schauen auf die Welt, das sich trennen wollen von angeblichen antichristlichen Strömungen, das eine innere Trennung voraussetzende Klagen über die Welt, das gibt es überall. Dagegen setzt Kardinal Cupich das Engagement. Und nicht nur er. Und das ist gut so.

 

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Naschen

Katjes ist also jetzt Vorkämpfer der Freiheit. Oder Leutturm des Rückschritts. Oder was auch immer. Wenn man von unserer Seite aus auf die Alpen schaut, bekommt man so manches nicht mit, die Debatte um die pink gekleidete Dame mit Kopftuch, die Katjes nascht, ist deswegen komplett an mir vorbei gerauscht.

Ein klug gemachter Werbespot – nein, es ist immer noch Werbung, das Bild dazu werde ich hier nicht posten – betont, dass die Süßigkeiten dieser Firma keine tierischen Produkte enthalten, von Muslimen also auch genascht werden können. Und er zeigt dazu die junge Frau, in pink – so viel Stereotyp muss sein – die zugreift. Eine Muslima mit – ja was nun? Hidschab sagen die einen, Kopftuch sagen die anderen.

 

Süßigkeit und Tatortkommissar

 

Die einen freuen sich jetzt, dass sie mit ihrem Kopftuch endlich auch in der Wirklichkeit angekommen sind. Und es gibt ja keine wirklichere Wirklichkeit als die Werbung. Außer Tatortkommissaren. Die anderen fordern einen Boykott der Firma, weil die dadurch ein frauenverachtendes Menschenbild verbreiten. Weil es das ja sonst in der Werbung nicht gibt (Achtung! Das war Ironie!).

Die Alpen helfen mir. Soviel kann ich schon mal sagen. Weder sehe ich den Beweis der Islamisierung Deutschlands, noch sehe ich ein Bollwerk gegen die Befreiung der Frauen errichtet. Gleichzeitig bedeutet die Abbildung von Realität noch nicht, dass diese auch gut ist. Zwangs-Bekleidung gehört dazu.

Die Alpen helfen, weil so vieles aus der Ferne etwas entspannter rüberkommt. Da sind so viele Debatten zu führen. Zum Beispiel darüber, wie Frauen in der Werbung dargestellt werden. Als ob die vom beworbenen Produkt völlig losgelöste fast-Nacktheit von Frauen nicht frauenverachtend wäre.

 

Körperlichkeit, Freiheit, Konsum

 

Auch braucht es eine Debatte über Zwang und Körperlichkeit, über Freiheit und Druck, vor allem auch darüber, was zur Anregung des Konsums geht und was nicht geht. Und als Ergebnis braucht es vielleicht gar keine Regeln, keine Gesetze, sondern einfach nur die Schärfung des gesunden Menschenverstandes.

Das wäre doch mal ein gutes Ergebnis einer Werbekampagne.

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Wo lernt Kirche?

Zwei gegensätzliche Meldungen liegen auf meinem Tisch. Rechts der Bericht von gestern, über die neue oder besser neu heraus gegebene Konstitution für die kirchlichen Unis und Fakultäten. Links eine Meldung über die – mögliche – Reduktion der Anzahl kirchlicher katholischer Fakultäten in Deutschland von 19 auf vielleicht vier.

Mein Blick wandert von links nach rechts und zurück und ich frage mich, wie das zusammen passen soll. Rechts – die neue Konstitution – will die Dialogfähigkeit stärken, wie uns der Untersekretär der zuständigen Institution im Vatikan, Pater Friedrich Bechina gesagt hat.

Die Welt da draußen- Wie bekommen wir die und unsere Theologie zusammen?

Die Welt da draußen- Wie bekommen wir die und unsere Theologie zusammen?

Mir fiel besonders ins Auge, wie er den „Dialog in einer polarisierten Gesellschaft, den Dialog in einer manchmal polarisierten Kirche“ betont hat. Und das ist wahr, das brauchen wir, auch intellektuell, auch akademisch, auch theologisch.

Aber dann ist links mit Bezug auf dieselbe Institution – die Vatikanische Bildungskongregation – zu hören, dass es vielleicht in Deutschland nur noch vier bis fünf solche Fakultäten brauche. So lautet jedenfalls die Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur.

Es stimmt, die Anzahl der Studierenden geht zurück. Und Unis sind ja nicht nur Denk-Orte, sondern vor allem auch Ausbildungsorte. Damit im Zusammenhang steht auch die innerkirchliche Ausbildung, als Priesterseminare und andere Ausbildungsstätten.

 

Digitale Revolution

 

Aber dann sagt Pater Bechina im Interview mit uns diesen Satz: „Wir sprechen von einer digitalen Revolution und von anderen kulturellen Revolutionen in unseren Tagen. Und da braucht es auch eine neue Fähigkeit, vor diesen Voraussetzungen sich einfach wieder neu vom Evangelium inspirieren zu lassen. Das heißt, neu in das Evangelium hineinzuhören und davon ausgehend, auch mit den Mitteln einer digitalen Kommunikation und anderen Formen des menschlichen Kontakts, brauchen wir immer wieder neue Ausdrucksformen, aber immer wieder des gleichen Evangeliums.“ Das ist eine Aufgabe für die Theologie, denn auch wenn wir das nicht mögen, die Welt ist nun einmal so. Die Welt ändert sich nicht einfach, wir erleben einen Umbruch. Und der will durchdacht und theologisch begleitet werden, vom Evangelium her. Weiterlesen

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Beim Planen das Beten vergessen

Ein wenig Römerbrief hilft immer. Alle großen Theologen haben mit ihrem Denken beim Römerbrief begonnen. Behauptete jedenfalls meine Exegese-Professorin. Um dann anzufügen: Arius und Pelagius und Luther aber auch.

Erlösung hat mit Kreuz zu tun, mit Beten, mit Gemeinschaft. Gebets-Kreuz in Sankt Petri, Hamburg

Erlösung hat mit Kreuz zu tun, mit Beten, mit Gemeinschaft. Gebets-Kreuz in Sankt Petri, Hamburg

Was nur heißt, dass der Römerbrief für unser Verständnis von unserem Glauben eine wichtige Rolle hat. Wie auch Papst Franziskus findet. Christus hat uns den Geist geschenkt, der neue Beziehungen mit dem Vater und den Menschen stiftet, so drückte der Papst es heute vor der Vollversammlung der Glaubenskongregation aus. Wir glauben, dass die Erlösung in der Gemeinschaft mit Christus bestehe, „auf diese Weise werden wir eins mit dem Vater, wie Kinder durch den einen Sohn und so werden wir ein einziger Leib in dem Er der „Erstgeborene unter vielen Brüdern“ ist“, letzteres ist das Zitat aus Römer 8:29.

Komplexe Gedanken, abstrakte Gedanken, die normalerweise vielleicht im alltäglichen Beten und Denken nicht immer vorkommen, außer in den formalen Gebeten wie dem Credo. Warum das aber wichtig ist und vor allem auch aktuell ist, hat der Papst in der Ansprache direkt davor gesagt: Unser Verständnis von Erlösung ist wichtig mit Blick auf ein Denken, das den Einzelnen und das Individuum auch als Quelle der eigenen Erlösung sieht.

 

All die „neo“-Versuchungen

 

Der Papst nennt seine alten „Gegner“, den neo-Pelagianismus und den neo-Gnostizismus. Pelagius hatte gelehrt, dass es vom Menschen abhänge, ob er sündige oder nicht, die Erlösung durch Gott sei also nicht unbedingt notwendig. „Notwendig“ ist das Schlüsselwort hier, wir Menschen können also auch ohne Gott selig werden, aus eigener Kraft heraus. Das Präfix „neo“ heißt lediglich, dass es moderne Formen dieses Pelagianismus gibt. Die vielbesprochene „Selbstoptimierung“ gehört dazu, also all die Versuche, sich selbst optimal zu gestalten. Eine säkulare Version von Erlösung, ohne Himmel, und „Sünde“ wird eher mit „Kalorien“ übersetzt.

Aber es sind nicht nur die säkularen Pelagianer, die hier her gehören, es gibt auch viele Versuchungen unter uns Christen, alles selber schaffen zu wollen. All das Planen vergisst schon mal das Beten, Erlösung und damit die Gemeinschaft mit Christus wird als etwas zu Schaffendes empfunden, nicht als etwa zu Empfangendes. Das Ganze läuft eher subtil und nicht so offensichtlich wir bei der säkularen Variante, umso schwieriger ist es zu entdecken.

 

Erlösung kann ich nicht machen

 

Und meistens gibt es das auch nicht in Reinkultur, sondern eben als Versuchung, als eine Tendenz, als etwas was sich einschleicht. Denn wenn alles von mir abhängt, dann habe ich es wenigstens im Griff oder im Blick, selbst im Fall eines Scheiterns. Ich bin von niemandem anderen abhängig in meiner Lösung vom Schlechten und Bösen als von mir. Das wirkt positiv wie negativ. Weiterlesen

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„Verwüstungen des Lebens“

Es war eigentlich eine einzige Rede, aufgeteilt auf vier Events. Oder aufgeteilt in vier Perspektiven: Tag Eins der Papstreise nach Peru – der Freitag – hatte eigentlich nur ein Thema, das schon alleine deswegen im Vordergrund stand, weil der Papst nicht etwa zuerst vom Präsidenten offiziell vor den Vertretern vor Staat und Gesellschaft empfangen wurde – das war erst der vierte und letzte Event des Tages – sondern als erstes nach Amazonien flog, nach Puerto Maldonado.

Traditioneller Tanz beim Treffenmit den Völkern Amazoniens, Foto Alessandro de Carolis, (c) Vatican News

Traditioneller Tanz beim Treffenmit den Völkern Amazoniens, Foto Alessandro de Carolis, (c) Vatican News

Amazonien also: die Würde und Weisheit der indigenen Völker, die Ausbeutung der Schöpfung – Natur wie Mensch – und die Notwendigkeit, dass vor allem die Menschen vor Ort die Protagonisten sein müssen.

Normal ist, dass der Papst eine Botschaft pro Rede hat, manchmal doppelt sich das. Aber gleich vier, einschließlich einer Ansprache vor Kindern und Jugendlichen, das ist schon außergewöhnlich.

Laudato Si’ in praktischer Anwendung würde ich das nennen.

 

Enzyklika konkret

 

Immer fing der Papst positiv an, Lob des Landes, der Kultur und so weiter. Un dann kam der Schatten, „der Lobgesang stockt“, wie er es bei der ersten Rede am Freitag gesagt hat. Dort sprach er vor allem über die Bedrohungen für die auchtochtonen Völker, die indigenen Völker, die Menschen Amazoniens. In der zweiten Rede ging es etwas abstrakter um die Wegwefkultur, die eine Gefahr für Mensch und Umwelt, für die Schöpfung darstellt. Und in der dritten Rede sprach er von seiner Traurigkeit angesichts der Zerstörung von Wäldern und Vergiftung von Flüssen. In der vierten und letzten Rede, der Rede vor Präsident, Regierung und anderen wichtigen Menschen, band er das alles noch einmal zusammen.

Er könne nicht hierher kommen, ohne darüber zu sprechen, hat er in mehreren Versionen gesagt. Weiterlesen

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Kopfschütteln. Und Glückwünsche

Es ist traurig, dass es so vorhersehbar war. In den Papstfliegern gibt es neuerdings Wifi, und so sind wir in ständigem Kontakt mit unseren Kollegen im Flieger. Noch vor der Landung in Iquique erreichte uns also die Nachricht samt Film und Fotos von der Hochzeit, die der Papst auf dem Flieger gefeiert hatte. Ich gehe also durch die Redaktionen und sage denen, dass es in Kürze ein Video und Fotos geben wird. Die erste Reaktion der englischsprachigen Redaktion: Das gibt Stress.

Und es ist wahr, vor allem das Kommentariat der angelsächsischen Welt musste diese Eheschließung gleich in Frage stellen. War das überhaupt gültig? Sind da nicht viel zu viele kirchenrechtliche Regeln missachtet worden?

Einen Überblick können Sie bei Cruxnow finden.

Und als ob das nicht reicht: Wird damit gleich der ganze Vorbereitungsprozess auf die Ehe verwässert? Ist das nicht gleich der Untergang des Abendlandes?

 

Das angelsächsische Kommentariat

 

Dass das Paar – zwei Flugbegleiter von LATAM – schon 2010 heiraten wollte und nur durch den Einsturz der Kirche beim Erdbeben davon abgehalten wurde, dass es also schon Vorbereitung gegeben hat: egal. Da will man sich aufregen, da will man was finden, also findet man was auch. Und im Ton schlechter kirchenrechtlicher Selbstgerechtigkeit ignoriert man die Menschen und zerbricht sich über die rechte Regelanwendung den Kopf.

Dass es Regeln und Verfahren gibt und geben muss: geschenkt. Die sind wichtig, sie schütze nämlich. Aber bei derlei Debatten kann ich nur noch den Kopf schütteln.

Meine erste Reaktion will ich hier gleich auch noch anhängen: Noch bevor ich das lächelnde „Was für ein Papst!“ gedacht habe, habe ich mit meinen Kollegen erst einmal gemeinsam ein „Glückwünsche“ an das entfernte Paar ausgebracht. Wenn man wirklich die Ehe wertschätzen will, dann wäre das der erste Schritt. Nicht das mäkeln.

 

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Die Genialität des Pater Alberto Hurtado SJ

Kein Chilene ist von Papst Franziskus während seiner Reise häufiger zitiert worden als der heilige Alberto Hurtado. Wenn ich richtig gezählt habe, waren es nur zwei Ansprachen oder Predigten, in denen er nicht vorkam. Und irgendwie spiegelt das auch die Realität in Chile wieder, es gibt kaum ein katholisches Haus, in dem kein Bild des Heiligen hängt. Er bedeutet der Kirche dort sehr viel, und auch über die Kirche hinaus hat er eine feste Rolle in der Gesellschaft des Landes. Während meines Jahres dort in Chile habe ich oft erlebt, wie jemand einen Satz des Heiligen begann, etwa in deiner Predigt, und der Rest der Versammelten den Text mitsprechen konnte. Er ist eine Bezugsgröße der Menschen und vor allem der Christen.

Alberto Hurtado SJ

Alberto Hurtado SJ

Hurtado war ein Jesuitenpater und er hat es als einziger katholischer Heiliger weit und breit an die Fassade des Hauptgebäudes der Gewerkschaften Chiles gebracht. Das liegt wohl daran, dass er eine Gewerkschaftsbewegung mit gegründet hat, eine christliche und durchaus in Konkurrenz zu den marxistischen, aber die Rechte der Arbeiter standen bei ihm immer um Fokus.

Hurtado war zunächst Jurist, bevor er in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Jesuit und Priester wurde. Sein 1944 gegründetes Projekt „Hogar de Cristo“ besteht noch heute und versorgt monatlich weit über 20.000 der Ärmsten Chiles.

Im Vorhof der Kirche des Wallfahrtsorts Alberto Hurtado in Santiago steht heute noch der kleine grüne Pickups-Truck aus den 40er Jahren, mit dem Hurtado durch die Hauptstadt fuhr, Kinder aufsammelte oder ihnen zumindest Essen und was zum Anziehen brachte. Für die obdachlosen Kinder hatte er sehr bald ein Heim errichtet und dazu eine Organisation, die sich um die Kinder kümmern sollte.

 

Sozialer Humanismus

 

Als er 2005 heilig gesprochen wurde, konnten noch viele von den Kindern, die er von der Straße geholt hatte, dabei sein.

Das spricht für sein Engagement aus katholischer Soziallehre heraus, ein aktiv gelebtes Christentum. Und wenn man die Jesuiten fragt, die ihn noch gekannt haben – er starb 1952 an Krebs – dann war es sogar ein sehr, sehr aktiv gelebtes Christentum. Nicht immer einfach für die Menschen um ihn herum. Als Mensch hatte er durchaus auch depressive Phasen, Heiligkeit bedeutet eben nicht Perfektion. Weiterlesen

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Ausgesprochen

Es ist eines der großen Themen der Kirche in Chile, wie es das ab 2010 in Deutschland auch war: die sexuelle Gewalt, ausgeübt von Klerikern und Ordensleuten. Und während im Vorfeld des Papstbesuches dort zunächst der Blick auf die Spannungen mit der indigenen Bevölkerung des Landes auf den Titelseiten landeten – der Versuch, Kirchen anzuzünden, wird einer gewaltbereiten Gruppe von Mapuche zugeschrieben – ist es nun der Missbrauch, der sich als Thema durch den Besuch zieht.

Und das liegt auch am Papst selber. Gleich in seiner ersten Ansprache hat Papst Franziskus das angesprochen. Klar und deutlich:

„Und hier kann ich nicht umhin, den Schmerz und die Scham zum Ausdruck zu bringen, die ich angesichts des nicht wieder gutzumachenden Schadens empfinde, der Kindern von Geistlichen der Kirche zugefügt worden ist. [Applaus] Ich möchte mich mit den Mitbrüdern im Bischofsamt vereinen; denn es ist recht, um Verzeihung zu bitten und mit allen Kräften die Opfer zu unterstützen. Zugleich müssen wir uns dafür einsetzen, dass sich dies nicht wiederholt“.

Santiago de Chile, die Franziskanerkirche, älteste Kirche des Landes

Licht und Schatten der Kirche: Santiago de Chile, die Franziskanerkirche, älteste Kirche des Landes

Und das in einer Rede vor allen Vertretern von Staat und Gesellschaft, samt diplomatischen Corps. Das ist ein deutliches Signal zu Beginn der Reise. Das zeigt sehr deutlich, dass der Papst und der Vatikan verstanden haben, welch gesellschaftliche Sprengkraft das Thema hat.

In Chile geht es vor allem immer wieder um einen Täter, der von der Kirche als Priester auf Lebenszeit suspendiert ist und der nicht auftreten darf, dessen Taten strafrechtlich aber verjährt sind. Zu seinen Vertrauten gehören einige, die seitdem Bischöfe geworden sind, in eine Versetzung eines solchen Bischofs war auch Papst Franziskus involviert. Erst vor einigen Tagen hatte die Washington Post von einem angeblichen Brief des Papstes zu diesem Thema berichtet. Ob das alles so stimmt, ist nicht klar, die Geschichte zeigt aber, wie verworren der Umgang mit den Tätern ist.

 

Für Gerechtigkeit arbeiten

 

In seiner Predigt während der ersten öffentlichen Messe hat er das Thema nicht angeschnitten, aber einen in Chile sehr bekannten Satz eines ehemaligen und sehr verehrten Bischofs zitiert: „wenn du den Frieden willst, arbeite für die Gerechtigkeit“, und das kann man durchaus auch in diesem Zusammenhang sehen.

Es folgte ein Treffen in einem Frauengefängnis, auch da war das nicht Thema, mittags traf der Papst dann eine kleine Gruppe von Missbrauchsopfern. Das war nicht Teil des offiziellen Programms, wohl auch um den Betroffenen die Entscheidung zu überlassen, das öffentlich zu machen oder nicht. Nur sie und der Papst waren dabei, niemand sonst, und der Papst habe zugehört und mit ihnen geweint, berichtete der Pressesprecher des Vatikan nachher.

Gesprochen hat der Papst dann aber wieder – wie sollte es auch anders sein – sehr deutlich beim Treffen mit Priestern, Seminaristen und Ordensleuten: Weiterlesen

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Indigene, Diktatoren, Umwelt: Papstreise nach Chile und Peru

Auf den ersten, europäischen Blick mag es wie ein Heimspiel aussehen: Papst Franziskus geht wieder auf Reisen, wieder nach Lateinamerika, dieses Mal nach Chile und Peru. Wieder nicht nach Argentinien, das ist so ziemlich das einzige, was merkwürdig erscheint, haben doch vergangene Päpste ihre Heimatländer immer wieder besucht.

Aber wenn man genauer hinschaut, dann ist das Ganze doch nicht so einfach, wie man denkt.

Ansicht der Kathedrale von Santiago de Chile

2009 war ich einige Monate in Chile: ein Foto von der Kathedrale von Santiago

Nehmen wir Chile: Vier Angriffe mit Brandbomben auf vier Kirchen der Hauptstadt, in Protest gegen den Papstbesuch. Dazu noch die kurze gewaltsame Besetzung der Nuntiatur – also der diplomatischen Vertretung – in Santiago. Das mag nach einigen verwirrten Seelen klingen, ist aber ein Indikator.

Und das nicht erst seit heute: die Kirche und auch der Papst (damals Johannes Paul II.) haben eine schwierige Geschichte mit der Diktatur des Landes, Johannes Paul war auf Friedensmission im Land und ist von General Pinochet damals vorgeführt worden, was zu Vorwürfen geführt hat, der Papst würde den Diktator unterstützen. Dabei hatte er davor mit dazu beigetragen, einen fast schon ausgebrochenen Krieg zwischen Chile und Argentinien zu vermeiden.

Die Monate vor meiner Ankunft in Rom habe ich selber in Chile verbracht und weiß um die Wunden, welche die Diktatur in der Gesellschaft und der Kirche hinterlassen hat, das ist noch längst nicht verheilt.

 

Proteste

 

Dann gibt es auch Spannungen in der Gesellschaft, weitere Proteste gegen die Papstreise sind angekündigt. Auch in der Kirche selbst ist es nicht einfach, auch hier in Chile hat es Missbrauchsfälle gegeben, mit denen nicht richtig umgegangen wurde, ein Mitarbeiter eines Täters ist sogar vor wenigen Jahren Bischof geworden.

Und schließlich sind da die Mapuche, die Ureinwohner des Landes, die seit einigen Jahren teilweise sogar mit Gewalt, in jedem Fall aber mit Protesten um ihre Rolle in der Gesellschaft streiten. Da wo ich in Chile war wurde sehr viel wert darauf gelegt, dass die Mapuche ihre Kultur erhalten können, das ist aber nicht immer so gewesen und auch heute nicht überall so. Der Papst wird sie besuchen, da wird natürlich erwartet, dass er sich dazu verhält. Weiterlesen

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Zahlenspiel

Es verblüfft mich etwas. Und freut mich. Und macht mich auch etwas nervös. Im Netz bin ich über eine Statistik gestolpert, welche sich unter den deutschsprachigen christlichen Blogs umgeschaut hat. Und finde diesen meinen Blog auf Platz acht. Wow.

Nun ist keiner der Artikel unter den am meisten aufgerufenen und auch die anderen Zahlen der Statistik relativieren das etwas, aber dennoch bin ich überrascht.

Jetzt müsste ich an dieser Stelle den Dank an alle Leser richten und das als Auftrag für die Zukunft verstehen und so weiter, und das ist auch alles richtig und gut, aber zuerst muss ich doch erstmal darüber nachdenken, was das für mich bedeutet.

Ich bin nicht derjenige, der mit SEO und Zahlen-Analyse versucht, möglichst weite Verbreitung zu finden. Ich schreibe über das, was mir wichtig scheint oder was mir am Herzen liegt. Aber die Zahlen zeigen mir, dass ich mich um diese Seite etwas mehr kümmern muss, scheinbar wird der Blog dann doch mehr gelesen, als die Kommentare hier im Blog das anzudeuten scheinen.

Also: dann doch der Dank an alle, die hier lesend vorbei schauen, ich werde es also zu einer meiner nächsten Aufgaben machen, mich mehr darum zu kümmern.

Bis zum nächsten Artikel also.

Hier die Liste, Quelle : Theopop – Religion, Medien, Popkultur

Top 10 christliche Blogs 2017
(In Klammern die Anzahl aller erfassten Social-Media-Aktionen im Jahr 2017)

1feinschwarz.net (19613)
2Theoleaks (16815)
3GekreuzSiegt (12101)
4Jobo72 (9465)
5The Cathwalk (7466)
6kreuz und queer (4306)
7Natur des Glaubens (4188)
8Laudetur Jesus Christus (3253)
9Hanniel (3035)
10Aufatmen in Gottes Gegenwart (2948)

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