Das Beispiel des Jona

Und noch einmal einige Gedanken zu Gaudete et Exsultate, einen ersten Beitrag hatte ich ja schon eingestellt.

„Wie der Prophet Jona sind wir immer latent in der Versuchung, an einen sicheren Ort zu fliehen, der viele Namen haben kann: Individualismus, Spiritualismus, Einschließen in kleine Welten, Abhängigkeit, Sich-Einrichten, Wiederholung bereits festgelegter Schemata, Dogmatismus, Nostalgie, Pessimismus, Zuflucht zu den Normen“ (GE 134) ist ein Abschnitt, der sehr viel von dem zusammenfasst, was der Papst immer wieder über die Versuchungen sagt.

Hinaus gehen? Oder in Sicherheit bleiben? Oude Kerk, Amsterdam

Hinaus gehen? Oder in Sicherheit bleiben? Oude Kerk, Amsterdam

Es wird deutlich, dass es eben keine moralischen Urteile sind, die der Papst fällt. Es geht ihm um die Alternative entweder hin zu Gott oder weg von Gott, also letztlich um eine geistliche Wahl.

Viele der Debatten um die starken Worte und Aufforderungen des Papstes drehen sich um die Frage, was man jetzt tun müsse oder dürfe, eben um moralische Fragen.

Gaudete et Exsultate ist ja so etwas wie die Aktualisierung und Fortschreibung von Evangelii Gaudium (veröffentlicht 2013), also schauen wir in diesen älteren und ausführlichen Text hinein. Auch da spricht der Papst von den Versuchungen. „Heute kann man bei vielen in der Seelsorge Tätigen, einschließlich der gottgeweihten Personen, eine übertriebene Sorge um die persönlichen Räume der Selbständigkeit und der Entspannung feststellen“ (EG 78).

Oder er spricht von der Versuchung, die eigene Identität und Überzeugung zu verbergen (EG 79). Oder vom „praktischen Relativismus“, der darin besteht „so zu handeln, als gäbe es Gott nicht“ (EG 80). Oder: „Die Isolierung, die eine Version des Immanentismus ist, kann sich in einer falschen Autonomie ausdrücken, die Gott ausschließt und die doch auch im Religiösen eine Art spirituellen Konsumismus finden kann, der ihrem krankhaften Individualismus entgegenkommt“ (EG 89).

 

Im Problem liegt schon der Kern der Lösung

 

Und in diesem Sinn geht es weiter. Der oben zitierte Abschnitt nimmt das auf. Jona soll aufbrechen und verkünden, stattdessen flieht er. Aber auch hier liegt wie auch in dem im vorhergehenden Blogeintrag beschriebenen Thema im Problem auch der Kern für seien Lösung.

Der Papst schreibt weiter: „Die Schwierigkeiten können jedoch so etwas sein wie der Sturm, wie der Wal, wie der Wurm, der den Rizinusstrauch des Jona vertrocknen ließ, oder wie der Wind und die Sonne, die Jona auf den Kopf brannten; und ebenso wie für ihn, so können sie für uns die Funktion haben, uns zu diesem Gott zurückkehren zu lassen, der Zärtlichkeit ist und der uns auf eine ständige und erneuernde Wanderung mitnehmen möchte“ (GE 134).

 

Es braucht Begegnung

 

Auch in den vermeintlich sicheren Orten gibt es also Hinweise auf den Wunsch Gottes für uns, seinen „Ruf“, wie wir das geistlich nennen. Dazu braucht es keine abstrakten Erwägungen, sondern Begegnung mit Christus, wie Franziskus in Evangelii Gaudium sagt: „Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen“ (EG 3).

Hier liegt der Kern der Bewegung, in der Begegnung. Nicht im Dürfen und Müssen, nicht in den Regeln, sondern in der Begegnung, und die beginnt mit dem Gebet und darin, in meinem Nächsten immer auch Christus zu erkennen.

„Mit Jesus vereint, suchen wir, was er sucht, lieben wir, was er liebt. Letztlich suchen wir die Ehre des Vaters und leben und handeln ‚zum Lob seiner herrlichen Gnade‘ (Eph 1,6)“ (EG 267).

 

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3 Kommentare zu Das Beispiel des Jona

  1. Antonius Theiler geb.1941 sagt:

    Jetzt geht mir ein Lichtlein auf, warum die Wale so gejagt werden! Die Wale hätten eine Menge Menschen zu verschlucken, da würde der Plastikabfall in den Weltmeeren keine Rolle spielen.

  2. Antonius Theiler geb.1941 sagt:

    Zurück zur Ernsthaftigkeit. Eine Literatur Empfehlung: „Die drei Greise“ von Lew Tolstoi. Übersetzt auf Technik: Eine Konstruktion ist erst dann perfekt, wenn man nichts mehr weglassen kann. Oder, nicht der Buchstabe, der Herzschlag macht den Glauben.
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/-9470/18

  3. Antonius Theiler geb.1941 sagt:

    Zurück zur Ernsthaftigkeit. Eine Literatur Empfehlung: „Die drei Greise“ von Lew Tolstoi. Übersetzt auf Technik: Eine Konstruktion ist erst dann perfekt, wenn man nichts mehr weglassen kann. Oder, nicht der Buchstabe, der Herzschlag macht den Glauben.
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/-9470/18

    Ich habe jetzt weiter darüber nachgedacht, wie soll es sein?
    Lasst uns viele Bücher schreiben und die Kirchen werden gesund. Das funktioniert nicht, Pater Hagenkord. Die Schwätzer und Schreiber schaffen nur die Variationen vom Hund und dem wackeligen Eckstein, keiner hört dann noch hin und das Haus fällt ein.
    Ein Streicheln, ein drücken ans Herz, wie es Franziskus macht, ist der Mörtel der verbindet.
    Da fragen dann liebe Menschen: Passt das zu einem Papst ohne Doktorhut?
    Warum hat eigentlich Jesus von Nazaret keine Bücher geschrieben?
    Aber ich lese nur ein Buch, so wird meine… Nein, so geht es nicht! Es geht nur um ein Wort:
    „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“

    Was steht im Vorwort meiner Literaturempfehlung „Die drei Greise“?

    Indem ihr aber betet, machet nicht viel Worte wie die Heiden; denn sie meinen, dass sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen.
    Werdet also nicht ihnen gleich; denn euer Vater weis schon vorher, wessen ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet. (Matthäus 6, 7, 8.)
    Was sagte der Bischof am Ende der Geschichte von Tolstoi den drei Greisen? Das ist doch schön. Jetzt suche ich keine Insel. Ich habe wessen ich bedarf schon gefunden?

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