Papst-Sprache

Papst Franziskus hat einen Brief geschrieben, gerichtet an die Bischöfe Chiles. Die Geschichte ist bekannt, es geht um Vorwürfe gegen einen Bischof, er habe einen Missbrauchstäter gedeckt. Und Papst Franziskus decke nun diesen Bischof. Der Papst hatte sich im Januar sehr deutlich geäußert – Verleumdung war das Wort – und musste schnell zurück rudern, auch Kardinal O’Malley, der die Missbrauchskommission im Vatikan leitet, hat sich schnell und differenziert geäußert.

Und jetzt hat sich der Papst wieder geäußert:

„Soweit es mich betrifft, erkenne ich an, und möchte Sie bitten es getreu zu übermitteln, dass ich bei der Beurteilung und Wahrnehmung der Situation schwerwiegende Fehler gemacht habe, insbesondere aufgrund eines Mangels an wahrheitsgemäßen und ausgewogenen Informationen. In diesem Augenblick entschuldige ich mich bei allen, die ich beleidigt habe, und ich hoffe, ich werde es in den kommenden Wochen persönlich bei den Treffen mit Vertretern der befragten Personen persönlich tun können.“

Fehler bekennen: Papst Franziskus, hier beim Kreuzweg am Kolosseum

Fehler bekennen: Papst Franziskus, hier beim Kreuzweg am Kolosseum

Es braucht sicherlich noch Zeit, einsinken zu lassen, was das genau bedeutet. So eine Sprache aus dem Mund eines Papstes, dieses Papstes. Als ich den Bericht gestern gemacht habe, habe ich zuerst meinem Spanisch nicht über den Weg getraut.

Aber einen Eindruck habe ich jetzt schon: Die deutlichen und harten Worte, die er gegenüber anderen verwendet, die ist er auch bereit auf sich selber anzuwenden. Respekt!

Bei Facebook hat jemand unter dem Stück kommentiert, Ehrlichkeit sei die Schwester der Gerechtigkeit. Es gehört geistliche Reife dazu, das so öffentlich und in so einer Rolle auch sagen zu können.

Hoffen wir, dass es für diejenigen, die daran leiden mussten, ein Schritt in die richtige Richtung ist.

 

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16 Kommentare zu Papst-Sprache

  1. bernard sagt:

    Hab mir gestern schon mit – zugegeben – gewisser Bitterkeit gedacht: So eine Entschuldigung hätte auch einem (nachmals) heiligen Papst gut angestanden: Johannes Paul II. …

  2. Carmen Fink sagt:

    Ich habe es eben schon unter einen anderen Artikel geschrieben, ich Wiederhole mich gerne. Ich verneige mich vor diesen Papst. Nun was es bedeutet Fehler einzugestehen weiß wohl jeder*e von uns aber dies auch in der Öffentlichkeit, als Oberhaupt der katholischen Kirche zu tun ist respektabel und aller Ehren wert.
    Es werden nun Konsequenzen folgen, Rücktritte vielleicht aber was noch wichtiger ist es wird den Betroffenen des Missbrauchs Glauben geschenkt. Zuhören, ich hoffe PF wird es weiterhin tun.
    Respekt PF

  3. Amica sagt:

    Es braucht aber auch viel Kraft: alles Relevante zu lesen und zu überdenken, dann den richtigen Ton zu finden und jetzt auch persönlich zu den Betroffenen zu gehen.
    Der Papst ist ja auch nicht mehr der Jüngste.

    Liebe ist oft ein echter Kraftakt.
    Der Papst ist echt ein Vorbild.

  4. Beobachter sagt:

    „… insbesondere aufgrund eines Mangels an wahrheitsgemäßen und ausgewogenen Informationen“

    Eigentlich trifft ihn ja keine Schuld!

    • Carmen Fink sagt:

      Ist das einzige was mich ein wenig gestört hat, aber ich denke er wurde Getäuscht von Klerikern in Chile.
      Ein Opfer ist PF allerdings nicht, denn es gab genügend Hinweise z.B. einen Brief eines Opfers aus der Hand von Kardinal Sean O‘Malley, da weiß man natürlich nicht ob PF ihn gelesen hat.

      Wenn sich die Mentalität des Schweigens und Vertuschen nicht ändert wird es PF schwer haben mit seiner Null-Toleranzlinie.
      Es wird sehr schwer sein wieder Vertrauen herzustellen, ich wünsche PF die Kraft die er braucht, dafür bete ich .
      Trotzdem zolle ich ihm meinen Respekt für seine Vergebungsbitte.

  5. HJB sagt:

    Aus Radio Vatikan Newsletter:
    https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-04/deutschland-marx-bedford-strohm-syrien-angriff-kritik.html

    „Kardinal Reinhard Marx hat Verständnis für den Angriff der USA, Frankreich und Großbritannien in Syrien gezeigt, übte zugleich aber auch deutliche Kritik.

    Die Großmächte hätten leider „keinen Weg gefunden, dieses Schlachten, so muss man eigentlich sagen, zu beenden“. Er fügte hinzu: „Giftgas einzusetzen, das ist so entsetzlich und so furchtbar, dass wir eigentlich nur sprachlos sind über eine solche Gewalt. Und dass dann Reaktionen kommen, das kann man verstehen – nur die Lösung für dieses Land und für die Menschen besteht nicht in militärischen Aktionen.““

    Frage: Woher weiß Kardinal Marx, dass Syrien (sprich: Assad) den Giftgas-Angriff vorgenommen hat?

    Die Kirche sollte sich nicht hinter die offizielle (deutsche) Politik stellen, die übrigens auch keine Beweise hat, zumal berechtigte Zweifel an den Behauptungen des „Westens“ bestehen !

    Es ist einfach unerträglich, was hier von offiziellen Stellen geschwätzt wird !

    Unmittelbar bevor die unabhängige Untersuchungskommission in Syrien ihre Arbeit am Samstag aufnehmen will, wird mit Raketen etc. verhindert, dass noch etwas festgestellt werden kann …

    Anbei noch ein Link, der eine wissenschaftliche Analyse mit Stand Mitte dieser Woche enthält:
    https://www.br.de/mediathek/podcast/b5-thema-des-tages/die-interessenlagen-in-syrien-eskaliert-der-konflikt/612350

    Wo liegt nun die Wahrheit ? Ich bahaupte: Kardinal Marx weiß es genauso wenig wie ich.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Geschwätzt wird nicht nur von offiziellen Stellen … . Krieg ist grausam und löst nichts, aber genauso wenig kann man Giftgasangriffe einfach so durchgehen lassen. Und was soll das dann gewesen sein? Eine Inszenierung um eine Legitimation für einen Angriff zu bekommen? Ich bitte Sie!

      • HJB sagt:

        Pater Hagenkord, vielleicht war es auch gar kein Giftgasangriff… Ärzte, die die von dem angeblichen Giftgasangriff Betroffenen in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt haben, sagen aus, keine Spuren eines Giftgasangriffes festgestellt zu haben !
        Einen Link hierzu könnte ich hier zur Verfügung stellen, aber ich wollte eigentlich nicht, dass die weltliche Politik mit einzelnen detaillierten Begründungen etc. hier im Vatikan Blog (und von mir hier eingestellt) einen überdimensionalen Raum einnimmt.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Ich glaube nicht an diese Verschwörungstheorien, die gerne von denen kommen, die auch sonst gerne mal Lüge Einsetzen, um Keile zwischen Menschen zu treiben.

          • HJB sagt:

            Ok, das ist eine eindeutige Aussage.
            Und Trump und Fr. Merkel sowie der EU glauben Sie – im Gegensatz zu Putin ?

            Reine Verschwörungstheorien mag ich auch nicht. Deshalb möchte ich noch einen Link (Vortrag eines seriösen und langjährigen Experten) einstellen: http://www.tele-akademie.de/begleit/video_ta180318.php

          • Pater Hagenkord sagt:

            Auf jeden Fall mehr. Nicht immer und in allem, aber ich bin unter anderem überzeugt davon, dass bei uns keine Verschwörung wird geheim bleiben können. Alles kommt ans Licht, allein das gibt den Systen hier bei uns mehr Glaubwürdigkeit.
            Im Übrigen debattiere ich gerne über die gigantischen Fehler und die Verantwortung, die wir hier im Westen für den Wahnsinn im Nahen Osten haben, niemand ist hier unschuldig.

          • carn sagt:

            „Im Übrigen debattiere ich gerne über die gigantischen Fehler und die Verantwortung, die wir hier im Westen für den Wahnsinn im Nahen Osten haben, niemand ist hier unschuldig.“

            Beim Umgang mit Assad stellt sich aber schnell die Frage, ob man frühere Fehler nicht wiederholt, zumindest wenn man auf den Sturz von Assad hinarbeitet.

            Denn als ein großer Fehler der letzten 20 Jahre gilt ja der Sturz eines Diktators, gegen den Assad ja vergleichweise „harmlos“ ist.

  6. HJB sagt:

    „Soweit es mich betrifft, erkenne ich an, und möchte Sie bitten es getreu zu übermitteln, dass ich bei der Beurteilung und Wahrnehmung der Situation schwerwiegende Fehler gemacht habe, …“

    Papst Franziskus zeigt eine Größe, die bei manchem Bischof/Kardinal in der Vergangenheit ebenso erforderlich gewesen wäre …

    In aller Demut: Meine Hochachtung, Papst Franziskus!

  7. Rosi Steffens sagt:

    Zunächst wollte ich diesen Beitrag schon gestern einstellen, war mir dann aber nicht sicher, ob er hierher passt. Nun denke ich, er kann etwas bewirken, denn er richtet sich ganz klar gegen jegliche Art bewaffneter Kriegsführung.

    Die Westmächte greifen in den Syrienkrieg ein. Um die Giftwaffenangriffe des Regimes in Syrien zu unterbinden und die Blockade des Russischen Gesandten im UN-Sicherheitsrat zur Kontrolle der Vorgehen in Syrien zu umgehen.

    Wie hoch ist der Wert des UN-Sicherheitsrates anzusehen, der sich zur Kriegsvermeidung nicht auf seinen einheitlich guten Willen verlassen kann?

    Einzelne Menschen richten Waffen gegen ihre Mitmenschen und fühlen dabei nichts als Zustimmung obwohl die Menschheit gegen Krieg ist und ernsthaft ihren Frieden sucht?

    Wie kann das sein, dass Menschen nicht mehr spüren, dass Macht und Gewalt keine Mittel sind, um legitime Ansprüche an den Raum zu stellen, der sich im Dialog vernünftig zu äußern versucht?

    Wir sehen Bilder, wir hören Berichte, wir nutzen Medien um all die Grausamkeiten dieser Welt irgendwie zu verarbeiten und eine friedliche Zukunft für unsere Kinder daraus zu gestalten. Kinder sind vollkommen unschuldig, wenn sie auf die Welt kommen und ihr gesichertes Leben in die Hände erwachsener Menschen legen, jeder von uns war selbst einmal Kind.

    Diese Sicherheit mit Waffen zu verteidigen oder gar zu erhalten ist unmöglich, denn Sicherheit ist auf den Frieden gebaut, der in dem Herz angelegt ist, das für ihn schlägt. Einzig der Wille mit diesem Herz in einen Dialog zu treten lässt die Worte suchen, die wir im Namen all derer finden müssen, deren Leben wir mit den daraus folgenden Taten in Sicherheit verbringen können.

    Ich stehe auf der Seite, die sich durch den Frieden identifizieren kann und doch bin ich auch Teil der Menschheit, die mit Waffen einen Krieg führt, der mir vollkommen fremd ist, weil ein reiner Geist dazu berufen ist in seinem Namen zu sprechen und mit einer Stimme zu kämpfen, die er als Mensch zu verantworten hat.

    Diesen Kampf um die eigene Stimme, den wünsche ich mir von all den Politikern die in Kriegs- und Krisengebieten barbarisch herrschen und die Welt damit noch heute bestimmen wollen indem sie eine Macht ausüben, die dem wahren Leben nicht Stand halten kann, weil darin jede einzelne Person ihre Verantwortung selbst übernimmt und nicht eine Person diese Verantwortung auf dem Rücken der Völker austragen kann.

  8. HJB sagt:

    Wir kommen der Wahrheit – mit der Sichtweise der unmittelbaren Beobachter – wieder ein Stück näher:

    https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2018-04/aleppo-bischof-krieg-stellvertreterkrieg-russland-usa.html

    Pater Hagenkord, vielen Dank für die heutige Diskussion und Ihren Newsletter !

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