Pfingstliche Ökumene

„Ich kann einen Christen nicht verstehen, der stehen bleibt. Ein Christ muss sich bewegen!“ Eine oft gehörte Botschaft von Papst Franziskus, und auch beim ökumenischen Treffen in Caserta am vergangenen Montag legte er diese seine Sicht auf das Christentum wieder aus.

Es war ein bemerkenswertes Treffen. Die Klage lautet ja, dass in den ökumenischen Dialogen die evangelikalen Kirchen und Gemeinschaften nicht vorkommen, oft weil dort einfach kein Interesse besteht. Ökumene mit den Kirchen der Reformation ist da einfacher, wir teilen viel Tradition. Die Konflikte sind da, aber auch die Bereitschaft zum Dialog. Die Kirchen des Ostens und der Orthodoxie haben andere Anknüpfungspunkte, aber auch hier gibt es einen lebendigen Dialog.

Und jetzt hat uns Papst Franziskus gezeigt, wie ein Dialog mit Evangelikalen zu Stande kommt. Zuerst hat er vor einigen Monaten einem ihm bekannten Pastor eine Botschaft auf sein iPhone gesprochen, der Pastor Tony Palmer ist mittlerweile verstorben aber sein Auftritt mit der Papst-Botschaft ist nach wie vor bahnbrechend.

Und jetzt geht der Papst selber zu einem Treffen und spricht über Christentum. Und dann betet man gemeinsam das Vaterunser. Das macht nicht alles gut, die „Frohbotschaft vom Wohlstand“ und andere Variationen des Evangelikalen Credos sind für Katholiken nur schwer zu verdauen. Auch ist nicht damit alles falsch, was früher gesagt wurde. Die Wir haben in der Redaktion einige Anrufe bekommen, ob jetzt die Kirchen eins seien und nicht mehr gelten würde, was galt. Das stimmt natürlich nicht, es gibt sehr viele Probleme auch weiterhin zwischen den Gruppen und der Kirche, auch viel Trennendes – auch unter den Gruppen. Was den Papst aber nicht davon abhält, darüber zu sprechen, warum es die Trennungen gibt und einen Schritt auf die anderen zu zu tun.

Das gilt übrigend nicht nur für die katholische Kirche: Kurz vor dem Besuch hatte die Italienische Evangelikale Allianz noch öffentlich und deutlich die Lehre der katholischen Kirche kritisiert, eingeschlossen in die Kritik waren ausdrücklich evangelikale Gemeinschaften, die eine ökumenische Annäherung an die katholische Kirche wünschen. Kein wirklich höflicher Zug.

Man solle doch bitte anhand der Schrift genau unterscheiden, was die Begegnung bringen könne, das Ziel sei schließlich, Jesus Christus der Welt zu verkünden, so die Allianz.

Und genau das macht der Papst dann bei seiner Begegnung: Die Verkündung der Botschaft Jesu Christi. Er nimmt nicht den hingeworfenen Fehdehandschuh auf, sondern konzentriert sich auf Jesus, auf das „mit Jesus Gehen“, ausführlich wie wir es von ihm kennen.

Und dann spricht er von den Trennungen und davon, woher sie kommen.

 

„Wer stehen bleibt, vergeht“.

 

Sie entstehen durch Geschwätz. Das darf man jetzt nicht zu einfach verstehen, dahinter steht der Gedanke, dass jeder an sich denkt und jeder sich die Welt zurecht legt und die negativen Teile beim Nächsten sucht und das dann eben per Geschwätz in die Welt setzt. Man legt sich fest, bleibt stehen, Ich gehöre zu Apollo, ich zu Petrus, ich zu Paulus, zitiert der Papst die Schrift. „Und so beginnen vom ersten Moment der Kirche an die Spaltungen. Und es ist nicht der Heilige Geist, der die Spaltungen macht.“ Trennungen der Kirchen ist also nichts Göttliches, eine nicht unwichtige Aussage des Papstes. Dass es Trennung gibt, darf uns also nicht ruhig lassen. Jesus selber habe in Johannes 17 für die Einheit gebetet, das sei der Maßstab.

 

Verschiedenheit, nicht Trennung

 

„Was macht der Heilige Geist? … Der Geist schafft ‚Verschiedenheit’ in der Kirche.“ Und der Papst zitiert den ersten Korintherbrief, Kapitel 12. „Er schafft Verschiedenheit! Und diese Verschiedenheit ist reich und schön. Und dann macht derselbe Heilige Geist die Einheit, und so ist die Kirche eine Einheit in Vielfalt,” sie ist „versöhnte Vielfalt“.

Für uns heute dürfe deswegen Einheit nicht eine Äquidistanz zwischen allen bedeuten. Alle gleich und gleich weit weg vom Zentrum. „Nein! Das wäre Uniformität. Und der Heilige Geist schafft keine Einheitlichkeit!”

Die Figur, die der Papst an dieser Stelle immer wieder und auch am Montag in Caserta zitiert, ist die geometriche Figur des Polyeders (Evangelii Gaudium 236). Der sei eine Einheit, aber aus unterschiedlichen Teilen, jedes Teil mit seinen Eigenheiten und seinem Charisma; das sei Einheit in der Verschiedenheit.

Die Aufforderung des Papstes zu einer Theologie der Ökumene: „Bemühen wir uns, diese Verschiedenheit mehr in die Harmonie des Heiligen Geistes zu bringen, damit sie Einheit wird.“ Das ist mehr als gegenseitige Achtung, das ist mehr als gegenseitiger Respekt, da fordert der Papst Nachdenken und Annäherung, eine sehr ökumenische Einstellung.

Noch einmal zurück zu dem, was trennt. Der Papst legt wert darauf, dass es genannt wird. Oder in der Terminologie des Sakramentes der Versöhnung: Ohne Reue keine Lossprechung. In der Geschichte der Kirche gab es hässliche Kapitel, in denen es um Trennung ging, um Anklagen und um Gesetze gegen andere, zum Beispiel die Gesetze gegen „die Reinheit der Rasse“, und die seien dann auch noch von Getauften gutgeheißen worden. Daran schloss er die Bitte um Vergebung an, ganz ausdrücklich als Hirte der Katholiken, d.h. im Namen der Kirche.

Die Geschichte dahinter – die Frage nach der Reinheit der Rasse – ist eine sehr italienische Geschichte, es geht um die Rassegesetze des Faschismus Italiens, in die hinein auch das Sprechen des Papstes von den Versuchungen durch den Teufel gehört.

Aber wenn wir von dieser Formulierung abstrahieren, bleibt die Bitte des Papstes nicht weniger aktuell. Sie ist konkreter, weil in einen bestimmten Ort und eine bestimmte Geschichte hinein gesprochen, aber auch wir sind gemeint. Die Vergebung, um die der Papst bittet, geht auch uns an.

Der Papst ist nicht zu den Evangelikalen gegangen, sondern zu Geschwistern im Glauben. So schloss der Papst seine Ansprache. In Buenos Aires seien es zunächst die Evangelikalen gewesen, die auf ihn zugekommen seien. Dort sei die Freundschaft entstanden, die ihn hierher, nach Caserta, gebracht hat.

Begegnungen verwandeln Menschen, so Franziskus. Besser als mit diesen Papstworten kann man die dort entstehende Ökumene nicht ausdrücken. Der Rest wird sich zeigen, das war ein Schritt und andere werden folgen und einige werden darüber nicht glücklich sein, auf allen Seiten nicht. Aber die Einheit aller Christen ist eine Aufgabe. Alles zu tun, die Trennung zu überwinden, ehrt den Papst.

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2 Kommentare zu Pfingstliche Ökumene

  1. Bluebeardy sagt:

    Spannend in dem Zusammenhang:
    INCONTRO CON I SACERDOTI DELLA DIOCESI
    DISCORSO DEL SANTO PADRE FRANCESCO
    http://w2.vatican.va/content/francesco/it/speeches/2014/july/documents/papa-francesco_20140726_clero-caserta.html

    leider nur italienisch – aber Bing hilft…..

    • Pater Hagenkord sagt:

      Leider haben wir hier nicht die Zeit, alles zu übersetzen, aber wir bemühen uns …
      Sie meinen wohl das mit der Kreativität und dem Gebet, oder? Fantastisch.

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