Synode, Synode

In dieser Woche ist es wieder soweit, die nächste Versammlung der Bischofssynode startet, drei Jahre war Pause. Am Mittwoch geht es los, für dieses Jahr hat der Papst die Dauer noch einmal verlängert, dreieinhalb Wochen wird sie lang sein.

Für mich wird es die sechste sein, wieder werde ich drinnen sitzen und bei der Kommunikation und der Pressearbeit aushelfen.

Abschlussrede des Papstes bei der Synode

Da ist sie wieder, die Bischofssynode. Hier die Abschlusssitzung von 2015

Worum geht es? Fragen wir den Papst, der ja durch die Synode beraten werden soll, der hat bei der Vorsynode gesagt:

„Auf der bevorstehenden Synode sollen insbesondere die Voraussetzungen entwickelt werden, die notwendig sind, um die Jugendlichen mit Leidenschaft und Sachkenntnis in der Berufungs-entscheidung zu begleiten, also darin, »die Berufung zur Liebe und zum Leben in Fülle zu erkennen und anzunehmen« (Vorbereitungsdokument, Einleitung). Wir alle haben diese Berufung. … Das ist die grundlegende Gewissheit: Gott liebt jeden Menschen, und an jeden richtet er persönlich einen Ruf. Es ist ein Geschenk, das uns, wenn wir es entdecken, mit Freude erfüllt.“

Also: es geht darum, wie junge Menschen ihre Beziehung zu Gott entdecken können und wie die Kirche dabei helfen kann. Aber nicht Einzeln, nicht für sich selber, so der Papst Anfang des Jahres:

„Ja, wir sind individuell gerufen, aber immer als Teil einer größeren Gruppe. Es gibt keine „Selfie“-Berufung, es gibt keine. Die Berufung erfordert, dass ein anderer dir das Foto macht, und das werden wir jetzt tun. So liegen die Dinge.“

Ein zweiter Zweck:

„Die bevorstehende Synode wird auch ein Appell an die Kirche sein, eine erneuerte jugendliche Dynamik wiederzuentdecken.“ (Noch einmal aus der Vorsynoden-Ansprache)

Das kann wie aus einer Sonntagsrede klingen, wenn man es aber ernst nimmt, dann hat das Folgen. Und zwar bringt das Unruhe.

 

Das bringt Unruhe

 

Und auch hierzu hat der Papst was zu sagen, und zwar ziemlich viel. Nur ein Zitat, aus der Ansprache, wo er das erste Mal deutlich von Unruhe gesprochen hat, auf Spanisch, und deswegen das nicht wirklich höfliche Wort lío benutzt hat.

Ich möchte euch sagen, welche Wirkung ich vom Weltjugendtag erhoffe: Ich hoffe, dass es einen Wirbel [lío] gibt. Hier wird es einen Wirbel geben, ja, den wird es geben. „Que acá en Río va a haber lío, va a haber” – “In Rio wirst du was erleben, da wird es einen Wirbel geben”. Aber ich will, dass ihr auch in den Diözesen Wirbel macht, ich will, dass man hinausgeht, ich will, dass die Kirche auf die Straßen hinausgeht, ich will, dass wir standhalten gegen alle Weltlichkeit, Unbeweglichkeit, Bequemlichkeit, gegen den Klerikalismus und alles In-sich-verschlossen-sein. Die Pfarreien, die Schulen, die verschiedenen Einrichtungen sind da, um hinauszugehen …, wenn sie es nicht tun, werden sie eine NGO, und die Kirche darf nie eine NGO sein. Die Bischöfe und Priester mögen mir verzeihen, wenn einige nachher Verwirrung [lío] stiften.

Aus derselben Ansprache hänge ich auch ein Zitat an, was die Ergebnisse der Synode vielleicht nicht vorwegnimmt, aber mindestens zeigt, wie der Papst selber der verfolgen der eigenen Berufung versteht. Nämlich nicht im Grübeln und Nachdenken, sondern in Nachfolge. Man entdeckt die Berufung darin, dass man ihr nachgeht. Klingt vielleicht etwas widersprüchlich, aber das gehört zum Thema Berufung vielleicht dazu.

„Was müssen wir tun, Pater? – Schau, lies die Seligpreisungen, die werden dir gut tun. Wenn du dann wissen willst, was du konkret tun musst, lies Matthäus, Kapitel 25. Das ist das Muster, nach dem wir gerichtet werden. Mit diesen beiden Dingen habt ihr den Aktionsplan: die Seligpreisungen und Matthäus 25. Ihr braucht nichts anderes mehr zu lesen. Darum bitte ich euch von ganzem Herzen.”

 

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8 Kommentare zu Synode, Synode

  1. river runner sagt:

    @ Pater Hagenkord,

    Sie schreiben „ es geht darum, wie junge Menschen ihre Beziehung zu Gott entdecken können und wie die Kirche dabei helfen kann. ……., so der Papst Anfang des Jahres….“

    Meine Meinung dazu ist: Die Papst kann im Jahr 2018 nicht von oben helfen, dem Papst wird zur Zeit von unten geholfen. In Chile hat er in 2018 folgenden Nachhilfeunterricht durch das Volk erhalten:

    Der Text, den Sie oben zitieren, stammt aus der Predigt von Franziskus am 16. Januar 2018 in der Kathetrale von Santiago de Chile. Anlass war die Begegnung des Papstes mit Priestern, Ordensleuten, Geweihten und Seminaristen.

    Vor der Tür der Kathedrale, im Januar 2018, in Santiago de Chile, erst vor wenigen Monaten, protestierte das Volk gegen den Papst. Denn auf seiner Chilereise hat Franziskus Bischof Barros erneut öffentlich in Santiago de Chile verteidigt und damit die Geschädigten des Missbrauchs durch Fernando Karadima erneut vor den Kopf gestossen.

    Dadurch kam es im Januar 2018 zu Protesten in Chile. Das unkluge Verhalten des Papstes in Chile veranlasste sogar einen Kardinal, den Vorsitzenden der päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal O´Malley, öffentlich Kritik am Papst zu üben.

    Erst im April 2018 rückte Franziskus von Barros ab und äußerte
    “Scham” und “Schmerz” angesichts des Leidens der Missbrauchsopfer.
    Danach reichten dann alle chilenischen Bischöfe ihren Rücktritt ein:

    https://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-alle-chilenischen-bischoefe-reichen-ruecktritt-ein-1.3985643

    In anderen Worten: Das Kirchenvolk unterrichtet, und Papst und Bischöfe hören zu.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Im Grunde gebe ich Ihnen Recht, auch wenn die Abläufe hier so nicht hintereinander passen. Der Papst war schon nicht mehr in Santiago, als er auf Barros angesprochen wurde und das unglückliche Zitat viel, die Proteste in Santiago können sich also gar nicht darauf bezogen haben. Aber einmal abgesehen davon, dass die Proteste und Beteiligung, das zu Wort melden und Reden helfen, da sind wir uns einig.

  2. Der Beobachter sagt:

    Es gibt offensichtlich einiges, von dem dieser Wirbel abzulenken hat …

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das ist erst einmal nur eine Anspielung, vielleicht geht es ja auch etwas genauer

    • mig sagt:

      Ich denke nicht, dass dieser Wirbel von dem Umgang mit Missbrauch in der Kirche ablenken soll.

      Kann mir eher vorstellen, dass der Wirbel den Zweck hat, dass der Papst das leichter durchgesetzt bekommt, was seinerseits ohnehin beabsichtigt ist.

      • Pater Hagenkord sagt:

        Sie wollen ernsthaft behaupten, das sei taktisch gewollt? Was für ein Zynismus.

        • mig sagt:

          Wir verwenden da wohl Sprache verschieden; für mich ist ein “Kann mir … vorstellen” etwas ganz anderes als zu behaupten, dass irgendwas so sei.

          Ich kann mir vorstellen, dass Trump im wörtlichen Sinne auf der Gehaltsliste des russischen Geheimdienstes steht; aber für viel wahrscheinlicher halte ich, dass es nicht so ist, weshalb ich es nicht behaupte.

          Und genauso halte ich es für wahrscheinlicher, dass es nicht taktisch gewollt ist.

          Nur als Ablenkung zum Missbrauchsskandal kann ich es mir eben nicht vorstellen; denn die Synode ist ja zu dem Datum seit 1-2 Jahren geplant; damals konnte man noch nicht wissen, dass kurz vorher das Thema so akut wird; ergo nicht vorstellbar, dass der Wirbel als Ablenkung für die Enthüllungen der letzten Monate geplant war.

  3. Stephan sagt:

    Ich kannte eine Heilige, die lebte aus den Seligpreisungen, dem Vaterunser und dem sicheren Wissen über den einzigartigen Schatz des ihr gegebenen Lebens und des Lebens der anderen und konnte beides in sich lebendig halten, sowie die Gefahr des Verfehlens des Lebens. So erreichte sie die Fülle des Lebens. Das ist eine schöne Formulierung vom Papst hier über die Fülle des Lebens. Leider wird heutzutage praktisch nicht mehr über den Himmel gesprochen oder Transzendenz. Ohne das besteht leider das Risiko, daß das erwähnte Evangelium plump materialistisch, etwa calvinistisch, oder moralisch verstanden wird. Aus Freude über den Text in Ihrem Blog füge ich noch Verse der polnischen Dichterin Wislawa Szymborska dazu:

    Es fehlte nicht viel,
    und meine Mutter hätte Herrn Zbigniew B.
    aus Zdunska Wola geheiratet.
    Hätten sie eine Tochter gehabt, wäre das nicht ich gewesen.
    Vielleicht eine mit besserem Gedächtnis für Namen und Gesichter…

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