Auswirkungen der Erbsünde

Erbsünde ist schwer zu messen. Qua Mensch, qua Geschöpf, sind wir nicht unschuldig, sondern immer schon erlösungsbedürftig. Erzählt wird das mit der Geschichte des Adam, dessen „wahrhaft heilbringende Sünde“ (Exsultet) auch uns einbezieht. Und wenn das Exsultet „Adam“ sagt und Paulus vom „neuen Adam“ spricht, ist der Mensch als Mensch gemeint, ob er nun Adam oder Eva heißt.

Erbsünde ist schwer zu messen: Was ist nun meine, was deine, was unsere, was strukturelle Sünde? Und was ist sozusagen ererbt?

Jesus, Johannes und Maria: Relief in Steingaden

Jesus, Johannes und Maria: Relief in Steingaden

Zugegeben, dieser Gedanke fällt irgendwie vom Himmel, es gibt keinerlei aktuellen Bezug dafür, muss es ja aber auch nicht. Deswegen erlaube ich mir, hier zum Gedanken weiter zu schreiben.

Mir fiel gestern eine Notiz in die Hände, die ich vor Jahren einmal gemacht habe. Sie stammt von einem Nicht-Theologen, einem Versicherungsmanager, den ich kenne. Der sagte mir einmal „die Auswirkungen der Erbsünde sieht man daran, dass jede Generation dieselben Fehler machen muss, immer neu. Wir können nicht wie andere Lebewesen Erfahrungen vererben.“

Jetzt einmal abgesehen von der langfristigen Evolution, in der wir selbstverständlich auf Umwelt reagieren und uns ändern, ist das ein wahrer Satz. Wir vererben Erfahrungen nicht weiter, wir müssen alle dieselben Fehler machen und aus denselben Fehlern lernen. Durch Einsicht kann man das vielleicht vermeiden, nicht aber durch Vererbung.

Die Erbsünde – so der Satz – lässt uns alle von vorne anfangen. Sie sagt, dass wir alle erlösungsbedürftig sind und dass keiner einen Vorsprung hat.

Interessanterweise ist dieser Satz aber auch die Definition von etwas ganz andere. Es ist auch die Definition von Freiheit.

 

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18 Kommentare zu Auswirkungen der Erbsünde

  1. Roswitha Steffens sagt:

    Ich glaube, es gibt ein Erbe, nämlich die Worte, die uns dabei helfen uns gegenseitig anzunähern im gemeinsamen Bemühen um die Begrifflichkeit ihrer Inhalte:

    Als Kind fragt man sich warum man nicht seine eigenen Erfahrungen sammeln darf, Vernunft sagt darauf, das tust du bereits, aber ich muss erst erwachsen werden, um dich auch wirklich zu verstehen und damit den Erfahrungsschatz austauschen, der uns beide miteinander verbindet.

    Gerade als erwachsene Frau und Mutter eigener Kinder führe ich mit meinen Eltern viele Gespräche über das Leben mit Gott und bin dankbar dafür, dass ich mich ihnen verständlich machen kann. Ich hoffe sehr, ich kann ihnen all das zurückgeben, was sie mir so aufopferungsvoll in die Wiege legten, ohne sich jemals darüber zu beklagen, wie anspruchsvoll das war.

  2. Franziska sagt:

    Aber wir kommen doch alle in den Himmel, oder?

    • Silvia Brückner sagt:

      Bisher habe ich mich nicht getraut, auf diese Frage zu antworten.

      Aber heute hat unser junger Vikar, geweiht 2015 und damit noch ganz nahe dran an aktuellen theologischen Erkenntnissen (hat auch in Rom studiert) in der Predigt diese Auffassung „wir kommen Alle in den Himmel“ ausdrücklich verneint.

      Es gibt keinen Automatismus, hat er gesagt, sondern es kommt auf unser Leben an.

  3. G.F. sagt:

    Die Erbsünde ist der Aufstand der Menschen gegen Gott und die Freiheit die wir haben, es zu tun oder zu lassen. Selbst ein Kleinkind ohne Einsicht, kann aufrührerische Tendenzen durchblicken lassen. An einer Supermarkt-Kasse kann man das häufiger beobachten. Also kann man die Vererbung nicht so ohne weiteres von der Hand weisen.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Es gibt keine Kleinkinder ohne Einsicht, denn Kinder tragen die Einsicht des Herrn und kämpfen damit um die Fürsorge ihrer Eltern.

      Viel zu viele Eltern nehmen diese Herausforderung als solche gar nicht wahr und wälzen sie dadurch auf ihr Umfeld ab, das damit belastet wird obwohl es ohnehin bereits sozial schwache Erwachsene auffangen muss.

      Ich will dies nicht als Vorwurf an Eltern verstanden wissen, denn unser aller Leben hat uns vorgegaukelt wir trügen nicht das Recht für die Würde unserer Kinder sondern nur die Gesetzmäßigkeiten daraus.

      Kindeswohl stärkt die Gemeinschaft aus der es erwächst, die Familie, die es erhalten kann und nicht an allgemein gültiges Anspruchsdenken verliert.

  4. … ja die “ bösen“ Kinder..

    Gibts da nicht noch die Geschichte vom „Mühlstein „…

    Mit was wir die Kleinen. doch alles belasten..
    ??
    Na- vielleicht doch wieder zurück zu „Zucht und Ordnung „??

    Kinder mit dieser Last zu befrachten- das geht gar nicht!!

    Es gibt ein schönes Kinderlied für Erwachsene:

    SIND SO KLEINE HÄNDE
    Von Bettina Wegener
    Bei YouTube leicht zu finden

    Das ist auch meine Antwort

  5. Actuarius sagt:

    Logischerweise kann man nicht für etwas Schuld und Verantwortung tragen, was allen Menschen natürlicherweise von Geburt an auferlegt ist, so daß man darin absolut keine Freiheit hat. Schon Kant hat erkannt, „dass die unschicklichste Art, sich den Ursprung des moralisch Bösen im Menschen vorzustellen, die ist, es sich als durch Anerbung von den ersten Eltern auf uns gekommen vorzustellen.“ Die augustinisch-tridentinische Erbsündenlehre dürfte eher der Versuch sein, eine ihr zugrunde liegende altorientalische Denkweise, in einem christlichen Kontext zu formulieren und zu dogmatisieren. Nichtsdestotrotz gehört sie unter Ockhams Rasiermesser.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das geht mir ein wenig zu schnell, so kann man mit Lehre nicht umgehen, finde ich. Die „Erbsünde“ spricht eben auch davon, dass alle Menschen ausnahmslos erlösungsbedürftig sind.

      • Actuarius sagt:

        Vielen Religionen wohnt das Bemühen inne, den Menschen zu erlösen, sie benötigen dafür aber keine spezifische Erbsündenlehre, die nach Meinung vieler mehr Probleme schafft als sie Einsicht und religiöse Orientierung vermittelt. Der Mensch hat eben seinen Ursprung nicht in einem Adam, was Paulus bei seinen Betrachtungen im Römerbrief (und Korintherbrief) nicht in den Blick nimmt.

        • carn sagt:

          „Vielen Religionen wohnt das Bemühen inne, den Menschen zu erlösen, sie benötigen dafür aber keine spezifische Erbsündenlehre, die nach Meinung vieler mehr Probleme schafft als sie Einsicht und religiöse Orientierung vermittelt.“

          Erstes Kriterium sollte aber nicht sein, wie gut sich ein Bemühen einer bestimmten Religion für menschliche Ohren, Verstand, Herz und Stolz anfühlt, sondern muss sein, ob denn irgendwas an der Religion wahr sein könnte.

  6. Michael sagt:

    Es wird festgestellt, dass wir alle „erlösungsbedürftig“ sind. Wird aber durch diese Feststellung die Erlösungstat des fleischgewordenen Wortes geleugnet: Gott, der den Menschen ja von dieser ‚Erbsünde‘ erlöst und befreit hat? Bedarf es damit nicht allein der Annahme dieser Erlösung?…

    • Pater Hagenkord sagt:

      Der Tod und die Auferstehung Jesu machen uns nicht einfach sündenfrei, wenn wir das Annehmen, wenn wir unter annehmen akzeptieren meinen. Es geht – in Jesu Worten – um Umkehr, Bekehrung.

  7. Michael sagt:

    Ja, das meinte ich damit. Aber grundsätzlich, so glaube ich, sind wir von der ‚Erbsünde‘, von der Schuld des (ersten) ‚Adam‘ befreit, was ja auch im Gebet, das der selbst Herr uns zu beten gelehrt hat, zum Ausdruck kommt. Hier ein Auszug aus dem aramäischen übersetzt:“Name aller Namen, unsere kleine Identität entwirrt sich in Dir, Du gibst sie uns zurück als eine Aufgabe….“
    Glaube und Gehorsam in das Wort Gottes ist also unsere Aufgabe, darin wir aus der „Schuld Adams“ lernen.
    Und was anderes ist der Wille Gottes, als dass wir auf diessm Weg der Umkehr bleiben und das tun, was Er dem Menschen aufgetragen hat: wir uns einander lieben sollen wie Er uns geliebt hat und immer noch liebt: immer lieben wird?
    Bekehrung, Umkehr also, dessen Ziel unser eigentlicher Anfang ist?
    Anfang, den uns Gott wieder geschenkt hat durch die „Wiedereinsetzung in den vorhergehenden (Urzu-)Stand?

    • Roswitha Steffens sagt:

      Wer hätte wen von Sünde befreien sollen? Liegt es nicht an jedem Einzelnen sich der Sünde als Mensch zu stellen und damit vor Gott hinzutreten, um Ihn um Vergebung zu bitten? Jesus hat unsere Sünden übernommen und bat Gott um die Barmherzigkeit ihrer Vergebung, doch damit hat er nicht automatisch jeden von uns in sein Herz geschlossen, sondern Gott um dieses Herz für alle gebeten. Darum müssen wir täglich bitten, dass wir dieses Herz seiner Mutter erreichen, die durch Gottes Liebe mit jedem Tag erwachsener wird, so lange, bis wir uns Ihrer im eigenen Ich sicher sind und mit diesem Vertrauen in das Volk des Herrn durch die Vergebung unserer Sünden Gott jeden Tag empfangen können.

      Ich glaube Kirche tritt für das Volk in die Nachfolge, die sich durch die Mutter Gottes für den Herrn ergibt, um daraus zu schöpfen, welche unendliche Liebe den Herrn nicht nur geboren hat sondern auch Tag und Nacht in seinem Dasein begleitet. Gott ist das Ziel eines Lebens, das Demokratie nicht nur im Wort verpackt und mit Gesetzen beschwert, das Leben selbst ist Demokratie, die sich mit Hilfe der Natur durchsetzt, die aus Gott erwächst, um sich mit Hilfe der Menschheit in ihm, durch ihn und mit ihm täglich zu regenerieren.

      • Michael sagt:

        Heisst Demokratie nicht, dass alle Macht vom Volke ausgeht? Vielleicht ist dies jene Sünde, die der Mensch an die nächste Generation weiter vererbt, da Gottes Geist ja in allem und über alles herrschen soll…und es dem Menschen aufgetragen ist, dass diese Herrschaft auch wieder auf der Erde zu dessen Recht und Gerechtigkeit kommt. So sagt der Herr auch:“..euch aber soll es zuerst um Sein Reich und um Seine Gerechtigkeit gehen…“
        Wie kann Demokratie also aus Gott kommen und/oder von Ihm gewollt sein? Oder habe ich Sie falsch verstanden?

        • Roswitha Steffens sagt:

          Welche Macht sollte vom Volk ausgehen, wenn sie nicht durch Gott erzeugt wäre und seinem Maß entspäche?

          Er hat der Menschheit einzig 10 Gebote auferlegt, um damit die Angst vor sich selbst zu nehmen. Wir aber haben untereinander Angst gesät, indem wir seine Gebote nicht achteten und Strafen umsetzten, die diesen Geboten widersprochen haben.

          Gott richtet und kein Mensch sollte glauben, das wäre anders. Was könnte demokratischer sein, als das, was sich daraus als heutiges Bild ergibt?

          • Michael sagt:

            Gibt es nicht auch eine Macht, die nicht von Gott kommt? Herrscht etwa der Geist Gottes in, mit und durch die Demokratie, in, mit und durch der Mensch und nicht Gott auf der Erde herrscht?
            Ohne jeden Zweifel: der Geist des Herrn herrscht in, mit und durch den Menschen; nicht weniger aber soll der Mensch durch den Geist Gottes beherrscht, bzw. erfüllt sein.
            Offenbart also die Demokratie die Herrschaft Gottes oder die Herrschaft des Menschen über Gott und den Menschen? Wenn Seine Herrschaft, Seine Gerechtigkeit nicht von dieser Welt sind, wie soll Demokratie von Gott erzeugt sein, als vielmehr von Ihm geduldet als Respekt vor der Freiheit des Menschen, in, mit und durch diese er sich gegen die Herrschaft Gottes entscheidet: dem Reiche Gottes bis heute Gewalt antut?

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