Bert Brecht und Panama. Oder: Wo ist hier das Verbrechen?

Die Firma Mossack Fonseca in Panama wehrt sich. Es geht um die jetzt durch die Medien gehenden Panama-Papers, die Firma hat in 40 Jahren 240.000 Firmen gegründet. Kein Schreibfehler, das wird mit Berufung auf einen der Inhaber der Firma genau so berichtet.

Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen“, sagt dieser Herr. Das ist korrekt, aber irgendwie will das keiner so richtig ernst nehmen, immerhin geht es darum, das Geld steuerfrei geparkt und illegal außer Landes gebracht wurde.

Die Liste der Menschen mit Briefkastenfirmen ist lang und illuster. Die Verteidigung sieht also so aus, dass man das alles nicht benutzen darf, schließlich sei das illegal. Da mag ich an dieser Stelle mich gar nicht lange über Moralität und den Beitrag zum Gemeinwohl auslassen, den diese pseudo-Firmen an den Menschen vorbei schleusen, die es bräuchten, an Schulen, an Bildung insgesamt, an Gesundheitswesen und so weiter und so weiter. Da will ich nur einfach mal wieder Bert Brecht zitieren, nie war er so wertvoll wie heute: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Aus der Dreigroschenoper, Akt III.

 

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12 Kommentare zu Bert Brecht und Panama. Oder: Wo ist hier das Verbrechen?

  1. Amica sagt:

    Die 376 Journalisten aus 67 Ländern sollen weltweit ein Jahr hierzu recherchiert haben. Alles blieb geheim. Selbst Reinigungspersonal durfte nicht in die Arbeitsräume der Journalisten (eine wirklich staubige Atmosphäre). Gestern wurde es öffentlich gemacht und jetzt existiert schon eine deutsche Wikipedia-Seite zu den Panamapapers sowie Facebookseiten.
    Wie solche „Briefkastenfirmen“ wirklich funktionieren, ist mir nach wie vor nicht wirklich klar, aber hierbei sind die Journalisten die Helden der nächsten Zeit. Weltweit haben sie sich zusammengeschlossen und akribisch diese Flut an Material relativ schnell aufgearbeitet. Cool ist das schon: was Gemeinschaftsgeist alles vermag.
    Spannend finde ich auch, dass betreffende Steuersünder die einem Journalisten der einflussreichen Länder wenig sagen, nun von Journalisten des betreffenden Landes richtig zerlegt werden können. Das ist gerecht. Auf einen Schurken in etwa Afrika geht ein Journalist der westlichen Länder wohl nicht groß ein, da konzentriert man sich eher auf das Umfeld von etwa Putin.
    Jedenfalls ist das eine Form von Journalismus die sehr seriös und nahezu wissenschaftlich-exakt vorgeht. Und solche Untersuchungen brauchen eben Zeit… etwas was Journalisten zumeist eher nicht zur Verfügung steht.

    • Konstantin sagt:

      Herr Amica
      Bevor sie solche KOmmentare auf RV schreiben, empfehle ich ihnen doch einige Infos mehr einzuhohlen. Das dürfte ja über das Internet kein problem sein. 🙂 Ich weiss gar nicht wo ich bei meiner kritik anfangen soll. Ich schätze ihre Kommentare sonst, aber hier scheinen sie doch überfordert zu sein, wenn ihnen noch nicht einmal klar ist was eine „Briefkastenfirma“ ist, von einem begriff der heute fast gar nicht mehr geläufig ist.Hier hat sich auch niemand schnell „zusammengeschlossen“ Weiterhin ist der Begriff „Steuersünder“ schon lange veraltet.Und zum Schluss: Journalismus kann sehr seriös sein, aber niemals „wissenschaftlich-exakt“. daher bitte ich sie doch bleiben sie dort, wo sie richtig gut sind, bei der Theologie. Pater H. bitte ich um Verzeihung für diese meine Worte.

      • Amica sagt:

        Na, viele meiner Kommentare dürften Sie nicht gelesen haben! 🙂 …
        sonst wüssten Sie erstens, dass ich kein „Herr“ bin und zweitens, dass die Theologie nicht mein Fachgebiet ist. Hi, hi.
        Im Übrigen genau lesen: Bspl.: „nahezu(!) wissenschaftlich-exakt“ bedeutet nicht „wissenschaftlich-exakt“, sondern der Exaktheit in den Wissenschaften ähnlich.
        Und von „schnell (!) zusammen geschlossen“ habe ich auch nichts geschrieben.
        Mir scheint, Sie haben meinen Kommentar nicht richtig gelesen. Tipp: öfter lesen. 😉
        Und ob der Begriff „Steuersünder“ nun veraltet ist oder nicht, ist mir herzlich gleichgültig. Ich bin kein Jurist und Sie haben ja dann doch verstanden, was ich meinte.
        Nix für ungut und kritisieren Sie ruhig, aber bitte vorher Texte genau lesen. Alles andere ist unhöflich.

  2. Monika Bialas sagt:

    Ich denke, dass alle Rechtsanwaltsfirmen gehackt werden sollten, denn „wie’s da drin aussieht“, geht jeden was an.

  3. Konstantin sagt:

    Geehrter P.Hagenkord
    Bei allem resperkt, aber ihre (sehr sehr kurze) Einführung ist mit einer „heissen Nadel“ geschtrickt. Ich hoffe doch, auch wenn jetzt zu diesem Zeitpunkt (4.2016/ 23.35) schon Informationen vorliegen, die alles denkliche übersteigen, was sie und ich nur erarnnen können. Ich kann nur schmunzeln, was das deutsche TV zu „stande bringt“ an Informationen, wenn man im „Mutterland“ der Briefkastenfirmen lebt.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Warum mit kurzer Nadel gestrickt? Ich bin nur schlicht sprachlos ob der Dimensionen und nutze den Blog, darüber zur Debatte einzuladen. Ich bin keiner der Journalisten, die sich an der Aufklärung und dem Studium der Terrabytes von Dateien beteiligen, also ist das alles, was mir bleibt. UNd das finde ich auch gar nicht so schlimm.

  4. chrisma sagt:

    Recht hat er der gute BB. Wenn ich mir heute die Stellungnahme der Kanzlei Mossack Fonseca so ansehe, werde ich ein zweites mal richtig wütend. Der Öffentlichkeit fehle das Fachwissen, um „die Arbeit von Firmen wie uns“ richtig einordnen zu können.“ Was meint dies anderes als: Ihr seid zu doof um unserer Arbeit für die nackte Gier einiger Menschen zu durchschauen. Was den Journalisten die diesen Apparat aufgedeckt haben gelungen ist ein gutes Stück investigativer Journalismus. Der Sumpf trocknet langsam, aber er trocknet stetig….

    Übrigens Evangeli Gaudi ist ein guter Leitfaden für den Sumpf der hier sichtbar wird

  5. So UNTERSCHIEDLICHE Wurzeln der KommunISMUS und der KapitalISMUS auch haben und die will ich überhaupt NICHT RELATIVIEREN (u.a. Meinungsfreiheit)
    aber trotzdem sind beide MENSSCHENVERACHTEND!!

    in den Gründungsjahren der BRD gab es mal einen Versuch -maßgeblich mitentwickelt von Nell Breuning- eine SOZIALE Marktwirtschaft zu installieren;

    leider wird dieses Projekt- spätestens seit dem Kanzler Schröder immer mehr zugunsten eines markliberalen Kurses abgewickelt..

    es gibt da viele Beispiele( Gewinne aus Spekulationen werden mit weniger Steuern bedacht als zum Beispiel in der REALEN Wirtschaft ) das auszuführen übersteigt einen Poste : aber ein Beispiel:

    wie wurde Norbert Blüm verleumdet wegen seines Engagements für die umlagefinanzierte Rente.

    und die „Lösung“ bestand dann darin, dass irgendwelchen Lobbyisten-PRIVAT VERSICHERUNGEN, die NICHT dem Gemeinwohl DIENEN, Raum gegeben wurde ihr Geschäfte mit Abhängigen zu machen!!
    anstatt die durch mehr Steuergerechtigkeit den Fehlbetrag auszugleichen.

    finanziell wohlhabende Leute zahlen in der Regel UNTER(!!) 50% Steuern!!-obwohl dieses Klientel, auch nach diesen Abzügen ,wirtschaftlich immer noch ein gutes Auskommen hätten usf. usf..

    bezüglich „Briefkästen“ diese Leute können das doch ganz legal machen, WEIL alle Regierungen dieses zulassen….
    also alle „Steuervermeider“ das bessere Wort wäre Kapital-Verbrecher bewegen sich im Schutz ihrer Gesetzgeber!..

    die Conclusio beschreibt Papst Franziskus in EG sehr treffend mit dem Begriff “ DIESE WIRTSCHAFT TÖTET“

  6. das neue kurze Papst Video im Netz ist geradezu ein Zeugnis und der „kategorische Imperativ“ für die gerechte Entlohnung derer, die es fürs „tägliche Brot“ brauchen!! welch ein Kontrast..

    @Pater Hagenkord,bei Domradio bzw. katholisch.de aber auch anderen Medien wird von einem Besuch von Franziskus in Lesbos geschrieben. sind das seriöse Meldungen?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Die Reise zu den Flüchtlingen mag – wie es der Papstsprecher heute gesagt hat – geplant sein, es gibt aber weder Datum noch genaue Angaben. Also bislang alles Spekulation. Was die Kollegen natürlich nicht von Meldungen abhält.

  7. Chrisma sagt:

    Mir sind heute noch zwei Zahlen aufgefallen: Die Versorgung von 1 Mio Flüchtlingen kostet in Europa im Jahr 12, 5 Milliarden. 1.000 Milliarden hingegen kostet Europa jährlich die Steuerflucht der Konzerne und Superreichen.

    Oder wie Jakob Augstein es in seiner Kolumne so gut auf den Punkt bringt:

    „Der Westen, der so stolz auf seine Werte ist, verschließt seine Grenzen für verängstige Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben. Aber er öffnet sie für schmutziges Geld auf der Suche nach einer besseren Anlage. Die Verbrecher, die Ausländern die Häuser anzünden und Menschen verprügeln, der hässliche Pöbel, der mit seinem Geschrei den Flüchtlingen Angst macht, die glatten Damen und Herren von der AfD, die mit ihren kalten Parolen die Parlamente erobern – sie sind alle die nützlichen Deppen dieses Systems. „

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