Das Franziskus-Paradox

Stärke ist, eine Entscheidung zu treffen. Stärke ist, eine Position zu haben und deswegen auch unbequeme Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen. Stärke ist, auszuhalten und eben stärker zu sein, nicht nachzugeben.

Schwäche ist, eben keine Entscheidung zu treffen, sich nicht fest zu legen, keine Position zu verteidigen. Man kann flexibler bleiben, aber man ist dann nicht stark.

Die Bibel sieht das etwas anders, da sind es regelmäßig die Nachgeborenen Söhne, die gewinnen, die Isaaks, Josephs und Davids, und nicht die von der Gesellschaft Vorgesehenen, die Starken. Die Schrift hat es geradezu zum Prinzip, dass unsere Vorstellungen von der Ordnung der Stärke auf den Kopf gestellt wird, vor allem durch das Mittel des Traums, des Schwächsten weil unkontrollierbarsten unserer Zugänge zur Welt.

Die Theologie des Neuen Testaments bringt das im Kreuz auf die Spitze: Der Allmächtige wird klein und schwach, in einer Krippe, setzt sich nicht durch Stärke durch, sondern überwindet das Stärkste was es gibt auf der Welt – den Tod – durch die eigene Schwäche und den Tod am Kreuz.

Papst Franizskus

Papst Franizskus

Das mindestens sollte uns zu denken geben, wenn wir an Autorität im Christentum denken.

Das allein sollte uns zu denken geben, wenn wir Stärke und Schwäche und ihre Beziehung zu Autorität bedenken, vor allem wenn es um diesen Papst geht.

Er zieht oft und gerne Kritik auf sich, eine „Hermeneutik der Spontaneität“ wird ihm vorgeworfen, dass er sein Schreiben Amoris Laetitia nicht erkläre, dass nicht klar sei, was er wolle und so weiter. Matthias Matussek nimmt die Extremposition ein, wenn er in einem Artikel den Papst „beliebig, gefällig, anbiedernd“ nennt. Und dann alles mögliche herbeizerrt, bis hin zu nicht überprüfbaren Behauptungen, um zu provozieren.

 

Man will klare Entscheidungen, bekommt aber Prozesse

 

Auch andere wollen den Papst provozieren oder erwarten sich Reaktionen und Klarstellungen. Aber genau das macht der Papst nicht. Und hier liegt der Kern dessen, was ich einmal das „Paradox Franziskus“ nennen möchte.

Papst Franziskus nimmt absichtlich eine Position der Schwäche ein, indem er immer wieder nicht entscheidet, nicht seine Autorität nutzt, um Streitfragen oder überhaupt Fragen zu entscheiden. Nehmen wir Amoris Laetitia: er könnte auf die so genannten Dubia der Kardinäle antworten und die Streitfrage schließen, etwa durch ein Dokument der Glaubenskongregation oder anders. Aber das will er nicht. Er will die Fragen offen halten, damit sich etwas entwickelt.

„Zeit ist wichtiger als der Raum“, nennt er das, also Prozesse sind wichtiger als das Einnehmen von Positionen. In einem solchen Prozess ist man aber in einer Position der Schwäche, Position einnehmen hingegen wäre eine Position der Stärke.

Nehmen wir die gesamte Formulierung aus Evangelii Gaudium, Nr. 223:  „Dieses Prinzip erlaubt uns, langfristig zu arbeiten, ohne davon besessen zu sein, sofortige Ergebnisse zu erzielen. Es hilft uns, schwierige und widrige Situationen mit Geduld zu ertragen oder Änderungen bei unseren Vorhaben hinzunehmen, die uns die Dynamik der Wirklichkeit auferlegt. Es lädt uns ein, die Spannung zwischen Fülle und Beschränkung anzunehmen, indem wir der Zeit die Priorität einräumen. Eine der Sünden, die wir gelegentlich in der sozialpolitischen Tätigkeit beobachten, besteht darin, dem Raum gegenüber der Zeit und den Abläufen Vorrang zu geben. Dem Raum Vorrang geben bedeutet sich vormachen, alles in der Gegenwart gelöst zu haben und alle Räume der Macht und der Selbstbestätigung in Besitz nehmen zu wollen. Damit werden die Prozesse eingefroren. Man beansprucht, sie aufzuhalten. Der Zeit Vorrang zu geben bedeutet sich damit zu befassen, Prozesse in Gang zu setzen anstatt Räume zu besitzen.“ Und dann einige Sätze weiter: „Dies geschehe ohne Ängstlichkeit, sondern mit klaren Überzeugungen und mit Entschlossenheit.“ Also nicht schwach.

 

Der Ort der Autorität

 

Das alleine ist noch nicht paradox. Was es aber dazu macht ist die Tatsache, dass Papst Franziskus mit dieser Haltung den Ort der Autorität besetzt, das Papstamt. Das ist für viele nur schwer auszuhalten, etwa für die Kardinäle, welche ihre Dubia vorgebracht haben, und manch einen Katholiken, der sich Klärungen und Vorgaben erwartet, die aus einer Position der Stärke heraus formuliert werden.

Das ist ja auch verständlich, einer Christen immer mehr abverlangenden Gesellschaft kann man mit Widerstand begegnen, also mit Stärke. Sonntagsgebot, Abtreibung, Religionsunterricht, Flüchtlinge, ohne Reihenfolge einfach nur aufgezählt: Christen müssen sich rechtfertigen, vor anderen und immer wieder auch vor sich selbst, wenn sie beides wollen, Mitglieder der Gesellschaft sein und als überzeugte Christen leben. Da könnte ein wenig geliehene Stärke in Form klarer Ansagen helfen.

Dieser Ort der Autorität bleibt aber von einer Haltung besetzt, die immer wieder genau diese Akte der Stärke nicht setzt. Das meine ich, wenn ich vom Paradox Franziskus spreche. Er räumt den Ort der Autorität nicht, überlässt ihn nicht anderen, aber er entzieht sich auch den Raum besetzenden Akten, welche diese Autorität ausdrücken würden.

 

Ein Veränderer des Amtes

 

Das macht ihn zu einem Veränderer des Amtes. Das mag unbequem sein, wenn man Klarheit erwartet, Autorität eben, aber es ist wahrscheinlich die einzige Weise, der Komplexität unserer Zeit zu begegnen.

Die Autorität inne haben, sie aber nicht nutzen, sondern sie Prozessen, Entwicklungen und Schwächen zu unterwerfen, das ist das Franziskus-Paradox.

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45 Kommentare zu Das Franziskus-Paradox

  1. Suarez sagt:

    Es gibt genügend Dogmen. Mehr Dogmen zu verabschieden bedeutet letztlich nur, dass man mehr Häretiker schafft. Papst Franz schafft dagegen Freiräume, er zeigt an, dass Katholizität weiter und freier ist als der rechte Rand tönt. Und das ist gut so.

  2. Carlos sagt:

    Der Verzicht auf Führung ohne den Verzicht auf das Amt ist ein Widerspruch. Ebenso ist, etwas zu sagen, und dann keine Fragen beantworten zu wollen, ein widersprüchlicher Wille. Wenn dieser Wille dann sich dann auch noch darüber beschwert, dass irgendwelche „Rigiden“ „keine Erklärungen brauchen“, weil sie „alles wissen“… wie müsste er ehrlicherweise genannt werden?

    Man kann versuchen, diese Widersprüche in unklaren Gedanken zu versenken, vom Erkenntniswunsch geleitet, es handele sich doch um keine Widersprüche sondern nur um Paradoxa.

    Das ändert aber nichts.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Ich bedauere, dass Sie meinen Text als „unklare Gedanken“ sehen. Tatsächlich glaube ich tatsächlich, dass Leitung in der Kirche sich nicht auf Festlegungen einschränken lässt. Manchmal – erlauben Sie mir eine biblische Formulierung – führt Leitung hinaus ins Weite.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Wenn man das Amt als höchste Instanz sieht und sich dabei selbst als Amtsinhaber stets in Frage stellt, dann teilt man es als Wort im Gespräch seiner Kohärenz mit den von Ihm Betroffenen.

      Mit seiner Arbeit in der Öffentlichkeit zeigt Papst Franziskus doch nur, dass er nicht Herrscher sein will sondern Mitglied einer Kirche, deren Würde er im Amt des Nachfolgers Petri vertritt und nicht für sich selbst beansprucht. Damit sind in meinen Augen alle Kirchenmitglieder dazu berufen, sich diesem Amt zu unterwerfen, um ihm in letzter Konsequenz auch wirklich als die Gemeinschaft gerecht werden, die die Nachfolge Christi fordert.

      • Suarez sagt:

        Eine kleine Klugscheißerei: Die Kirche hat nicht Mitglieder, sondern Glieder (so ist die Fachsprache). Im Übrigen stimme ich Ihnen aber zu. „Mit uns Christ, für uns Bischof“, das trifft auf unseren Franz zu!

        • Roswitha Steffens sagt:

          Vielleicht könnte man ja anerkannte Glaubensgemeinschaften als die Mitglieder bezeichnen, die sich aus der christlichen Herangehensweise aus dem Menschen Jesus entwickelt haben?

          Nicht jeder ist im Besitz der Liebe, die das Durchhalten auf dem Weg der katholischen Kirche ermöglicht. Ich fände das eine schöne Idee, indem man sich freundschaftlich mit den „Anführern“ dieser Mitglieder, die sie letztendlich in Jesus ja auch sind, auseinandersetzt.

          • Antonius Theiler geb.1941 sagt:

            Wie haben Sie Recht mit der Bibel (Neues Testament).
            Es könnte so schön sein, wenn der Wortschatz des Nazareners wie ein Sieb unter die theologischen Bücher gehalten werden könnte. Die Körner würden durchfallen und zu nahrhaftem Brot für die Welt verbacken. Die anderen Worte wären die Streu, der Wind würde sie verwehen. Ach da würde es still werden und mancher könnte den Atem für nützliche Arbeit verwenden. Ich höre aus Franziskus Worten das Brot, nur viele wollen es nicht essen.

    • Suarez sagt:

      Sie leiden unter einem grotesken Missverständnis: Sie glauben, dass sich die Wahrheit ausschließlich in irrtumsimmune Sätze gießen lässt. Da muss ich Sie enttäuschen. Die Wahrheit ist Gott in seiner zweiten Daseinsweise, der Logos, der in Jesus von Nazaret Mensch geworden ist.
      Satzwahrheiten, wie sie Sie oder die vier untreuen Kardinäle einfordern, holen NIE die personale Wahrheit Jesu ein – der Papst hat das verstanden und führt diesem Verständnis nach die Kirche. Übrigens m.E. weitaus besser als sein Vorgänger, der auch nicht führen konnte und wollte und dies ja auch in seinem letzten Interview zugegeben hat.

  3. Silvia Brückner sagt:

    Vermutlich wird aber irgendwann einer der Nachfolger von Papst Franziskus die „losen Enden der teilweise verwirrten roten Fäden“, wenn ich das einmal so nennen darf, aufgreifen (müssen), um das Ganze in eine für Alle verständliche und verbindliche Form zu bringen, dh., irgendwann wird ein Papst Entscheidungen treffen, vermute ich.

    Oder Franziskus wird die von ihm angestrebte und gelebte Veränderung des Papstamtes „irgendwie“ festschreiben und damit für seine Nachfolger verbindlich machen.

    Aus meiner Sicht scheinen wir uns z.Zt. in einer Übergangsphase des Papstamtes hin zu einem neuen Amtsverständnis zu befinden.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Das erschreckt mich jetzt aber aus Ihrer Feder, denn in der Bibel ist doch bereits alles für die Menschen festgeschrieben, die Jesus nachfolgen wollen. Es liegt also „nur“ noch am Verständnis des Einzelnen mit seinem Glauben die Gewissenhaftigkeit zu erbeten, die das persönliche Ziel erreichbar macht.

      Außerdem habe ich nicht den Eindruck, dass sich die Kirche jemals zurück entwickelt hat, vielmehr hat sie all ihre Kraft dafür aufgewendet ohne „Gedächtnisverlust“ die Gegenwart Gottes am Leben zu erhalten.

    • Suarez sagt:

      „Oder Franziskus wird die von ihm angestrebte und gelebte Veränderung des Papstamtes „irgendwie“ festschreiben und damit für seine Nachfolger verbindlich machen.“

      Tja, der Witz an der plena potestas ist, dass KEIN Papst gebunden ist an seine Vorgänger. Daher ein Literaturtipp: V. Reinhardt, Pontifex. Brandaktuell. Da kann man sehr schön nachlesen, wie quälend lang es gedauert hat, die päpstliche Vetternwirtschaft abzustellen. Von Nikolaus V. im 15. Jahrhundert bis zu Pius VII. im 19. Jahrhundert hat es nur zwei Innozenzpäpste gegeben, die wirklich vorbildlich ohne Nepotismus ausgekommen sind. Der Kirchenstaat wurde da ausgequetscht wie eine Zitrone…

      Der Ordenbruder von P. Hagenkord, P. A. Batlogg, hat Benedikt XVI. m.E. nicht zu Unrecht ausdrücklich des Ämter-Nepotismus geziehen. Da hebt sich Franz schon sehr wohltuend ab.

  4. Ich mache einmal den Versuch, die Haltung von Papst Franziskus als Weisheit zu beschreiben:

    In der Soziologie spricht man von Weisheit als der Fähigkeit, auch in ambivalenten Situationen handlungsfähig zu bleiben.

    Und Google fördert eine interessante Textstelle zu Tage, in der die Weisheit Israels als das Wissen um die Ambivalenz der wahrgenommenen Phänomen bezeichnet wird. https://books.google.de/books?id=smvJxdD0UBwC&pg=PA97&lpg=PA97&dq=weisheit+ambivalenz&source=bl&ots=Qf6TBdujiC&sig=AvVPRWrw_M6Iv79Mcv2yjdEKOPk&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjl4Ze_39PTAhUF1xoKHeP6C384ChDoAQgqMAI#v=onepage&q=weisheit%20ambivalenz&f=false

  5. Wrightflyer sagt:

    Ich habe es im Nachbarblog schon mehrfach gesagt und ich sage es auch hier:
    Die römischen Katholiken müssen sich entscheiden ob sie sich zu einer synodalen Kirche entwickeln wollen wo jeder die Dinge mittragen und mitentwickeln kann, ODER ob sie einen diktatorischen Papst wie noch Wojtywa haben wollen, einen der „durchregiert“, Widerstände gegen seine Anordnungen bricht und Anweisungen erteilt denen man gefälligst widerspruchslos zu folgen hat, beides auf einmal geht nicht, das Leben ist kein Ponyhof!
    Letzteres ist natürlich bequem, es wird nicht verlangt daß man irgendetwas mitverantwortet. Auch muss man sich nicht mit der Gesamtheit der Kirche der man angehört befassen, mit allen unterschiedlichen Sichtweisen und Lebenssituationen, alles dreht sich um den Papst und entweder findet man ihn voll blöd oder hängt ihm fanatisch an. Man muss natürlich weiterhin mit Stillstand und Lethargie leben, wenn man das so haben will.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Ich glaube, diese Frage stellt sich für einen Christen nicht, denn alle Menschen sind gleich in ihrer Art zu leben und das sollten sich die hinter die Ohren schreiben, die immer noch nach einem Anführer suchen, der ihnen ihren Weg aufzeigt, sagt wie sie ihn gehen sollen und sie in die Zukunft führt. Vorleben! das ist die Devise und nicht vorsagen und dann doch anders handeln.

  6. JURIJ TERSEGLAV sagt:

    S.Brückner schreibt dass nicht der jetzige, sondern ein zukünftiger Papst „die Losen Enden der teilweise verwirten roten Faden in verbindliche Form“ bringen wird.
    Derartige Verbindlichkeiten hat unter anderen Paul VI. geschafen mit seiner „Verhütungsverordnung (Antibabypille, Kondom)“ Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Das Volk Gottes lebt vielmehr nach seinem eigenen Gewissen und nicht so wie es von der Kirche vorgeschrieben ist – Sünde hin oder her. Ähnlich verhält es sich heute schon in den meisten Fällen mit dem Kommunionsverbot für Wiederverheiratete. Die Ökumene ist an der Basis sehr lebendig, weil die Lebenswirklichkeit eine ander ist. In theologischen Fragen ist fast alles klar. Die Verwirklichung der Ökumene ist aber nicht möglich ohne klar definierte Ziele. Diese Definition ist aber eine große Machtfrage des Primates in der Kirche und dementsprechend das größte Hindernis einer Zieldefinition der Ökumene. Und was macht das Volk Gottes inzwischen? Es überholt die Amtsinhaber und die starren Verbindlichkeiten.

    • Mai sagt:

      Das ‚Prinzip‘, die Zeit sei wichtiger (und damit wertvoller) als der Raum, verkennt, dass die Größe des Raumes, sprich seine Energiedichte, es ist, die bestimmt, welche Prozesse überhaupt zu einer gewissen Zeit gemäß den Anfangsbedingungen erlaubt sind. Man sollte vorsichtig sein, mit Begriffen, von denen jeder mit seinen beschränkten Alltagssinnen glaubt zu wissen, was gemeint ist, ein ‚Prinzip‘ zu konstruieren, dem die Welt nachprüfbar nur eingeschränkt entspricht. Der Raum ist eben kein großer wandloser Kasten, vor dem eine Uhr tickt, und mehr als ein Reagenzglas, in dem ein Chemieingenieur die im Glas ablaufenden Reaktionsprozesse analysiert. Im übrigen, je mehr man sich absichtslos um Vernunft bemüht, desto weniger braucht man sich um vermeintlich starke oder schwache Positionen zu kümmern, denn sie heben sich auf. In diesem Sinne war der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. eine Stärke in der Schwäche, das heißt vernünftig.

  7. Silvia Brückner sagt:

    Prozesse anzustoßen und damit Entwicklung zu ermöglichen, finde ich grundsätzlich gut. Bei Papst Franziskus aber habe ich den Eindruck, dass er sich oft in Widersprüche verwickelt, ohne die dann aufzuklären. und das schafft Verwirrung.

    Damit meine ich nicht nur seine Worte, die er oft unbedacht wählt, sondern auch seine Taten, wie z.B. sein Zugehen auf die Piusbruderschaft oder jetzt, dass er den doch offenbar unbeliebten und erzkonservativen Bischof Huonder (Schweiz) über dessen 75. Geburtstag hinaus noch weitere zwei Jahre im Amt belässt.

    Ich erkenne da keine rote Linie sondern, wie gesagt, eine Menge Widersprüche und die verwirren offenbar nicht nur mich, wenn man die Diskussionen im Internet verfolgt.

    Wobei das Gerücht umgeht, dass der Papst hinter den Kulissen sogar außerordentlich autoritär regieren soll.

    • Carmen Fink sagt:

      Woher wollen sie wissen das sein Worte „unbedacht“ sind, dass Interpretieren sie und andere hinein.

      Ich glaube wenn man sich mit seinen Texten, Predigten, Ansprachen, AL,LS, auch Interviews beschäftigt, sieht man immer den roten Fade. Den er durch sein Handeln unterstreicht.

      Was sie als unverständlich beschreiben z.B. Piusbrüder nennt man Brückenbauen. Franziskus möchte die Wunden der Trennung überwinden, heilen und ich bin mir sicher er wird eine sehr gute Lösung finden.
      Er denkt über den Tellerrand hinaus.

      Seit frei, habt keine Angst, geht raus, hört zu, versteckt euch nicht hinter Paragraphen usw.

      @Wrightflyer aus ganzem Herzen zustimmen.

      • Silvia Brückner sagt:

        Nannte man das Zugehen auf die Piusbruderschaft auch bei Papst Benedikt Brückenbauen?

        Nein, da war es ein Skandal, in den sich sogar die deutsche Bundeskanzlerin eingeschaltet und sich angemaßt hat, den Papst in einem Telefonat, das sie mit ihm geführt hat, zu kritisieren.

        Und wie nennt man es, dass er den unbeliebten Bischof Huonder noch zwei Jahre im Amt belässt?

        Barmherzigkeit?

        • Klugheit, Papst Franziskus denkt nicht von hier bis jetzt.

        • Suarez sagt:

          Sie haben nicht den Unterschied verstanden: Bei Papst Franziskus ist keinerlei inhaltliches Identifikationspotential und auch keine inhaltliche Identifikation mit den Piussen vorhanden – im Gegensatz zu Benedikt.
          Und Huonder: Glauben Sie wirklich, dass über solche Entscheidungen der Papst selber brütet? Dafür gibt es die Bischofskongregation.

          Hauptsache, Sie finden ein Haar in der Suppe. Genauso wie Hans Küng, der auch bei jeder Gelegenheit los wird, dass er eigentlich hätte Papst werden können, wenn er nur gewollt hätte…

    • Roswitha Steffens sagt:

      Nicht Papst Franziskus verwickelt sich in Widersprüche, manche Menschen verstehen nicht was er mit seinen Worten sagen will. Was daran schwer ist, das kann ich zwar nachvollziehen, doch ich kann Ihnen im Fall von Papst Franziskus nicht zustimmen und offensichtlich auch die unzähligen Menschen nicht, die ihm nachfolgen, auch wenn sie nicht immer mit ihm einig sind.

      Auf Gerüchte sollte man nichts geben! Liebe schließt Autorität nicht aus, sie findet den richtigen Ton um ihre Würde zum Ausdruck zu bringen.

      • Gabriele Luzia sagt:

        Liebe Roswitha Steffens, auch Ihrem letzten Satz stimme ich zu, möchte ihn aber noch verstärken: die Liebe IST die höchste Autorität!
        Sehr vereinfacht gesagt: Gegen die Liebe kann man eigentlich nichts machen, man kann sie zwar unterdrücken, aber wer sie nicht annehmen will oder kann, hat nicht wirklich gelebt und das Wichtigste verpasst…

        • @gabriele Luzia
          Besonders die letzte Aussage möchte ich unterstreichen:… Es gibt KEINE HöhereI Realität wie die Liebe ,Weil „Gott selbst ad personam diese Liebe ist!!

          Aber auch alle anderen Geschöpfe – nicht. Nur die Menschen können nur mit dieser Realität glücklich leben!!

          Ich behaupte -wenn man einmal. Das Liebesspiel
          Bsp. mancher Vögel sieht – ist man doch ergriffen..!!

          (Das sehe ich nicht im Widerspruch. Zur Evolution oder dem natürlich auch allen andeuteten „Instinkte “

          NUR diese Kraft kann uns hindern beispielsweise bei den vielenToten der umgekommen -oft durch unsere Schuld – nicht zu verzweifeln!!

          • @ luzia
            Sorry mit dem H geschrieben und das ist unvollständig – aber der „“Geist“ meiner Aussage kommt hoffentlich rüber
            Natürlich „lieben “ auch die Tiere..

    • Carlos sagt:

      Frau Brückner, ich denke, dass der Grund für die Widersprüchlichkeit, die bei weitem nicht nur Sie sehen, eine Art Subjektivismus ist.

      Wenn es ausreichend ist, ein gutmütiger und gutmeinender Mensch zu sein, wenn also das Gefühl von Liebe und die auf diesem Gefühl basierenden Handlungen genügen, wenn man nur ein „gutes Herz“ braucht und kein objektiv Gutes oder Wahres, also keine Vernunft, dann sind theologische Differenzen unwichtig (Piusbrüder/Lutheraner), Tradition unerheblich, klare Sprache entbehrlich und ja, auch Widersprüche völlig in Ordnung. Sofern man es gut meint und es situationsgerecht zu sein scheint, ist das alles dienlich. Aber Liebe ohne Wahrheit ist nicht mehr als irrationale Gefühlsduselei. Liebe ohne Wahrheit ist so heilig wie Sex mit der Ex.

      Sprachgebrauch ist auch Denkgebrauch. Wer nicht klar sprechen kann, kann auch nicht klar denken. Damit leben kann man nur, wenn man ein solches Defizit für akzeptabel hält. Z.B., weil man die Ansicht vertritt, dass es nur auf das „gute Herz“ ankommt. Solche Einseitigkeiten wären aber unmöglich katholisch.

      Eines müssen wir aber annehmen, und das ist die gute Absicht, die mit Sicherheit vorhanden ist. Wer sich zu Misstrauen, also zur Annahme von Boshaftigkeit statt von Schwäche oder Begrenztheit, hinreisen lässt, der ist der wahrlich betrogene!

      • @ Carlos die Liebe lässt sich-schon per Definitionen NICHT be-Grenzen!!!

      • Suarez sagt:

        Man merkt: das Werk des Teufels ist das Durcheinanderbringen. Es gibt keine Liebe ohne Wahrheit und keine Wahrheit ohne Liebe. Wer behauptet, dass es das eine ohne das andere geben könne, wie das @Carlos tut, hat weder von der Transzendentalienlehre in der Philosophie etwas verstanden noch vom Christentum, sondern bringt nur Durcheinander.

        • Mai sagt:

          Sic est! Wahrheit und Liebe haben eine perichoretisches Verhältnis, das christlich im Kreuz gipfelt.

          • Suarez sagt:

            Oder in der Krippe? Ich meine, das Entscheidende ist die Menschwerdung. Der Kreuzestod ist nur das abschließende Zeichen dafür, dass in der Krippe schon alles Entscheidende „getan“ war.

          • Mai sagt:

            Bedeutet das, daß außer dem Kreuz auch ein anderes „abschließendes Zeichen“ möglich gewesen wäre?

          • Suarez sagt:

            Mich würde weder eine Enthauptung noch ein friedlicher Tod Jesu von der Überzeugung abbringen, dass Jesus Gottes Sohn war. Freilich ist der Tod Jesu nun aber so geschehen, wie er geschehen ist und das hat schon eine Aussage: So sehr hat Gott die Welt geliebt. Allerdings ist die Kreuzigung nur das Äußere von etwas „Innerem“. Und das ist eben die Gottessohnschaft.

          • Mai sagt:

            Wäre in diesem Zusammenhang das Verkündigungsereignis (Lk 1,26-38) nicht noch bedeutsamer als die Krippe?

          • Suarez sagt:

            Auch darüber kann man diskutieren! Ich hatte die Krippe auch nur als Metapher für die Menschwerdung angesehen (die man sich ja durchaus im Mittelalter graduell vorgestellt hat).

          • Mai sagt:

            Schönen Dank!

    • Gabriele Luzia sagt:

      Liebe Frau Brückner, Sie glauben den Menschen mehr als dem Heiligen Geist: Jemandem, der Ihnen irgendwann mal die Augen geöffnet hat.. und denen im Internet.
      Erinnern Sie sich wirklich nicht, wie Ihr eigenes Herz zu Beginn der Amtszeit und eine ganze Zeit danach für Papst Franziskus geschlagen hat? Ich weiß es noch ziemlich gut. In meiner Erinnerung hatten Sie sich gesehnt nach Veränderung in unserer Kirche, und Papst Franziskus erfüllte diese Sehnsucht grundsätzlich.

      Sicher geschieht es im Leben, dass man beeinflusst wird in seiner Sicht auf die Dinge, und auch, dass man seine Sicht ändert…
      Aber das Herz unterscheidet schon sicher spontan zwischen Gut und Böse.

      Natürlich kann ich mich irren in meiner Erinnerung an Ihre posts von damals hier beim RV-Blog, und ich habe auch nicht die Zeit, das zu filtern und meine Erinnerung zu überprüfen. Diese Erinnerung ist aber so stark, dass ich immer wieder fassungslos bin, was Sie hier alles gegen Papst Franziskus ins Feld führen, und sei es nur das, was Andere im Internet sagen.

      • Silvia Brückner sagt:

        @gabriele Luzia

        Ihre Erinnerung trügt Sie nicht, aber vier Jahre des Pontifikates haben mich zu einer anderen Meinung gebracht.

        Menschen können und dürfen ihre Meinung ändern, wenn sie sich getäuscht haben. Das nennt man Lernfähigkeit.

        Auch habe ich eine persönliche Entwicklung durchgemacht, die mich dazu gebracht hat, mich weitgehend vom Reformkatholizismus zu verabschieden, weil ich gemerkt habe, dass dies nicht (mehr) mein Weg ist.

        Konrad Adenauer schrieb man den Satz zu „was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an“.

        • Suarez sagt:

          Man könnte freilich auch vom Rückfall in alte Irrtümer sprechen.

        • Epiktet sagt:

          „Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an“. Ja, es gibt keine gesicherte Quellenangabe ob das Adenauer wirklich gesagt haben soll. Andererseits passt dieser Satz zu ihnen. Sie scheinen ja eine richtige Metamorphose durchgemacht zu haben. Übrigens d e n Reformkatholizismus gibt es nicht.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Ein Prozess bedingt sich aus dem vorangehenden Produkt. Wenn dieses Produkt, wie im Falle der Menschheit, die Gegenwart Gottes ist, so bedeutet das für uns Menschen, wir haben den nächsten Schritt in unserer Evolutionsgeschichte erreicht und müssen nun mit dem Ergebnis unserer Evolutionsgeschichte lernen umzugehen. Dieses gemeinsame Lernen ist für uns alle neu, denn wir teilen erstmals die Gegenwart als Person mit all den Personen, denen wir begegnen, körperlich, geistig aber auch mental, in einer Atmosphäre, die uns die Erde zur Verfügung stellt, um unsere menschlichen Eigenschaften zu fördern. Dieser Prozess ist nicht neu, doch zum ersten Mal wird er uns durch Papst Franziskus bewusst gemacht, denn er bringt sich in dieses Bewusstsein gerade mit Laudato Si als der Mensch ein, der er ist und nutzt sein Amt nicht, um sich selbst damit in den Vordergrund zu stellen. Wir alle sollten das tun, uns einbringen, ohne uns in den Vordergrund zu stellen, denn es ist für einen Menschen ganz normal sein Bestes für die Gemeinschaft zu geben in der er lebt, um damit das wertvolle Gut aus dieser Gemeinschaft, die Nächstenliebe, im Bewusstsein dafür weiter zu entwickeln.

  8. Mai sagt:

    So schön die oben angedeuteten Prozesse sind, so wenig sind sie wert, wenn sie nicht auf der Maxime ‚Handle stets so, dass du durch dein Handeln eigenes und fremdes personales Leben eher mehrst als minderst‘ fußen.

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