Das Gesetz des Herrn Goodwin

Seit ich Zeitung lese oder Nachrichten schaue lässt mich immer wieder sprachlos zurück, wie denkfrei einige Menschen den großen roten Knopf drücken und Nazi- / Hitler- / oder sonstige verwandte Vergleiche ziehen. Warum – fragt sich der denkende Mensch – tun die das? Das sind intelligente Menschen, die wissen, dass man damit Opfer beleidigt, dass man damit diese Zeit für das eigene Argument instrumentalisiert und so weiter. Trotzdem tun die das.

Seit ich im Internet Blogs verfolge oder andere Seiten mit Kommentarfunktion, häufen sich die Beobachtungen dieses Phänomens. Scheinbar glauben einige Menschen, nur so zu einer Diskussion beitragen zu können, vor allem, wenn sie geschützt anonym bleiben können.

Welch Freude, als ich dieser Tage Godwin’s Gesetz entdeckte. Zugegeben, ich bin was die logischen Gesetze des Internets angeht, nicht sehr belesen, und so war mir das bisher entgangen. Die Freude, dass sich jemand Gedanken darüber gemacht hat, warum das denn so sei, war um so gräßer. In diesem Fall war es Herr Mike Goodwin, der die Abläufe des Netzes beschrieben hat.

Goodwin macht das mathematisch: „Mit zunehmender Dauer einer Internet-Diskussion tendiert die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen solchen Nazi-Vergleich bringt, gen Eins.“ Das erklärt nicht wirklich das Anfangsdilemma, nämlich warum das im Einzelfall jemand in einer Talkshow, in einem Artikel oder einem sonstigen Medienauftritt tut. Aber es beschreibt mathematisch den Vorgang im Netz. Zugegeben: Er tut es auf Grund von Erfahrung und nicht auf Grund von naturwissenschaftlichen Messungen, aber dafür liefert er auch Ironie gleich mit.

Debatten dieser Art sind emotional und führen zur Erregung. Man will seine Zuhörer mit dem eigene Argument mitnehmen, und das geht am besten durch Aufreger. Was ist der garantierte Aufreger in den Medien? Der Nazi Vergleich. Das geht beim Schreiben oder Sprechen am Hirn vorbei direkt vom Bauch in die Finger (vorausgesetzt, es geschieht nicht absichtlich und damit bösartig).

Medienerprobte Menschen kennen die böse Wirkung von „Progrom“, „Hitler“, „Verbrechen während des Krieges“, gefolgt von einem „aber“ oder einem Vergleich. Aber der Bauch weiß, dass das maximale Aufmerksamkeit erlangt und das Hirn bemerkt nicht, um welchen Preis das geschicht und welche Art von Aufmerksamkeit das bekommt. Sie wollen rhetorische Übertreibung, tun aber etwas völlig anderes.

Dank Herrn Goodwin wissen wir – sie schon länger, ich seit kurzem – dass sich das beschreiben lässt. Was wie ich finde ziemlich tief blicken lässt.

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8 Antworten auf Das Gesetz des Herrn Goodwin

  1. Gast sagt:

    Wozu die Aufregung? Kardinal Meisner hat Richard Dawkins ganz eindeutig NICHT zum Nazi erklärt! Generalvikar Schwaderlapp hat das in einem kath.net Interview ganz eindeutig und ein für allemal festgestellt:

    Schwaderlapp: Der Kardinal hat weder Richard Dawkins zum Nazi erklärt, noch hat er die Naturwissenschaften pauschal verteufelt. Der Vergleichspunkt ist viel grundsätzlicher: Wer – aus welcher Perspektive auch immer – den Menschen allein als bloßes Produkt der biologischen Abstammung oder der Evolution, der Gene oder der Rasse sieht, der verkürzt ihn auf die Ebene des rein Biologischen und beraubt ihn seiner Menschenwürde.

    Quelle: http://www.kath.net/detail.php?id=24407

    Die ganze Aufregung um Godwins Law ist der Mühe nicht wert; kein Katholik wird jemals irgendwen mit den Nazis vergleichen, weil sich alle Katholiken wie ein Mann den Nazis entgegen gestellt haben. Katholiken waren die Widerstandskämpfer der ersten Stund! Ich erinnere an die vielen katholischen Märtyrer der Nazizeit wie Maximilian Kolbe, Jägerstetter, Edith Stein oder gar den Löwen von Münster Clemens August Kardinal Graf von Galen, der sich in flammenden Predigten den Nazis entgegen gestemmt hat und für Juden, Homosexuelle und Sinti und Roma in Konzentrationslagern gekämpft hat und den von den Nazis begonnenen Weltkrieg von Anfang an schärfstes verurteilt hat.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Kurze Nachfrage: wie komme Sie auf Kaedinal Meisner? Um den geht es doch gar nicht.

      • Gast sagt:

        Wirklich nicht? Ich dachte immer, dass SE Kardinal Meisner von den linken Alt-68ern immer wieder der Übererfüllung von GodwinsLaw geziehen wird, obwohl er das ja nie getan hat! Ich wollte das nur klarstellen, dass er das nie und nimmer getan hat; außerdem ist er ja selbst wehrhaft genug.

    • KRP sagt:

      Sagen Sie mal wo leben Sie denn, wie kann man denn behaupten kein Katholik wird jemals irgendwen vergleichen…Haben sich wirklich immer alle Katholiken immer allen Nazis entgegengestellt? Das wage ich doch zu bezweifeln. Wo kommen den jetzt die ganzen Rechtsradikalen her, ohne jemanden anzugreifen aber da sind mit Sicherheit auch Kinder von Katholiken dabei. Ein bisschen mehr nachdenken bevor man sowas schreibt wäre auch nicht verkehrt.

  2. Pingback: Religion und Internet: Fünf Thesen über Konsum und Kommunikation | Laudetur Jesus Christus

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