Der Franziskus Effekt

Teil 1 einer kleinen Reihe

Sechs Millionen Menschen in Manila. Eine Million mehr oder weniger spielt schon keine Rolle mehr. In Rom bricht regelmäßig Mittwochs, wenn der Papst auf dem Petersplatz Generalaudienz hält, der Verkehr vollständig zusammen. In den Medien steht – fast – nur Interessiertes, man interessiert sich wieder nach all den Negativ-Titeln zu Benedikt XVI.

Und dann all die Überraschungen: Reisen und Papiere wie Evangelii Gaudium sind das eine, aber wenn ich dann die Kardinalsernennungen von diesem Jahr sehe und die Rede vor der Vatikanischen Kurie höre – Sie wissen schon, die 15 Krankheiten – dann ist das manchmal mehr Überraschung, als man verkraften kann. Oder will.

Was uns Medienschaffende besonders beeindruckt ist, dass ihm Fehler verziehen werden. Manche von seinen Sätzen oder Bildern sind so drastisch, Benedikt XVI. wäre das um die Ohren geflogen worden.

Der Franziskus-Effekt. Aber was genau ist das für eine Wirkung? Wenn man in Rom bei den Vatikan-Verstehern herumfragt, dann weiß keiner so genau, was dabei heraus kommt. Viel ist bereits über den Papst geschrieben worden, zum Teil sehr gute Bücher und Biographien, aber wenn man diese Autoren fragt, dann sind auch die überrascht von all dem, was der Papst tut und macht und will. Also: Was sind die Wirkungen dieses Papstes?

Ich möchte Ihnen vier Wirkungs-Felder vorstellen, von denen ich meine, dass sie zusammen ein ganz gutes Bild abgeben. Das alles ist noch work in progress und ich hoffe, dass ich in den Kommentaren noch von Ihnen Neues und interessante Perspektiven mitbekomme, aber als Zusammenfassung möchte ich Ihnen diese vier Punkte schon einmal anbieten.

Ich werde das in vier Folgen tun, um die einzelnen Felder auch getrennt für Kommentare anzubieten. Geboren wurden die Gedanken als Vorträge, dies hier ist eine überarbeitete schriftliche Version.

 

Der Argentinier: Vom Ende der Welt

 

Da ist erstens der Ausdruck, den Franziskus selbst geprägt hat, in der ersten Minute seines öffentlichen Wirkens: Er sei ein Papst vom Ende der Welt. Vor der Wahl war viel über einen nichteuropäischen Papst spekuliert worden, ob nicht auch mal der Rest der Welt dran sei. Lateinamerika natürlich, allen vorweg Kardinal Scherer von Sao Paolo, weil er schon Rom-Erfahrung hat. Oder der Kanadier Quellet, der sich bestens dort auskennt und auch kein Italiener ist.

Und dann kam Bergoglio.

Direkt nach dem Konklave habe ich einige Kardinäle interviewen können, Toppo aus Indien, Napier aus Südafrika und Tagle von den Philippinen. Die Frage war immer, ob nicht die Wahl eines Nicht-Europäers ein gutes Zeichen auch für ihre Kirchen sei, was Selbstbewusstsein und so weiter angeht? Die Antwort war immer dieselbe, auch wenn die Interviews nicht gemeinsam geführt wurden: Das mag schon sein, aber wir wollten den Mann, wir wollten Bergoglio.

Bergoglio bringt natürlich seine eigene Geschichte mit, das Leben in einer Diktatur, die lateinamerikanische Kolonialgeschichte, die desaströs Wirtschaftspolitik des Landes. Kirchlich bringt  er vor allem zwei Dinge mit: Aparecida und Theologie des Glaubens des Volkes Gottes.

Aparecida ist die Versammlung der Bischofskonferenzen Lateinamerikas und der Karibik 2007, benannt nach dem Tagungsort in Brasilien, einem der größten Marienheiligtümer der Welt. Der Abschlusstext, für den Kardinal Bergoglio als Redaktionsleiter verantwortlich zeichnet, ist ein Grundsatzdokument der Pastoral der Zukunft. Vieles davon wird sich später in Evangelii Gaudium wiederfinden. Es ist ein Kirchendokument, also viel zu dick und nicht fokussiert genug, findet sich aber in den Händen der Christen vor Ort wieder.

 

Missionarische Jünger Jesu sein

 

Nur einige Stichworte: Wichtig sind die Wahrnehmung der Realität und nicht das Ausgehen von Plänen und Überlegungen und dann weiter zur Anwendung. Der Text warnt vor vorschnellen Lösungen, die vielleicht Althergebrachtes stärken, aber nicht mehr passen. Der Text ist teilweise in Gebetssprache verfasst. Der Text ist sprachlich zugänglich. Der Text analysiert die  Zersetzungskräfte der Gesellschaft. Er spricht von der Misión Continental, also davon, dass alle Christen berufen sind, missionarische Jünger zu werden und die Kirche das auch verkörpern soll. Das sind nur Blitzlichter, aber es sind Bereiche, die auch heute für Papst Franziskus wichtig sind

Und er bringt die Theologie des Volkes Gottes, oder des Glaubens des Volkes Gottes, mit. Viel Tinte ist vergossen worden über „Befreiungstheologie“, ist Bergoglio nun Teil der Bewegung und wie und wie nicht. Tatsächlich bringt er eine argentinische Version der Theologie mit, die anders ist als die der ersten Generation der Befreiungstheologen mit ihren manchmal – manchmal – unchristlich-marxistischen Ideologien.

Man kann das dann später auch in Aparecida wiederfinden, ganz kurz formuliert geht es nicht mehr darum, eine Idee, ein Ideal auf die Realität anzuwenden und unterdrückte Völker zu befreien, sondern das Wahrnehmen und Ernstnehmen des Glaubens des „pueblo“, des Volkes, auch wenn das deutsche Wort „Volk“ hier vielleicht die falschen Assoziationen weckt.

Sich von dem Menschen, den Armen, den an den Rand geprägten, selbst missionieren lassen, diese Idee steckt bereits hier drin.

Der Papst kommt also als Argentinier nach Rom, mit seiner Sprache, mit dem Autor Borges und und der Geschichte um den Politiker und Diktator Perón, mit Militärdiktatur und Wirtschaftskrise. Das bedeutet aber nicht, dass er aus seinem argentinischen Hintergrund heraus erklärbar wäre. Leider passiert das hier viel zu oft: Der Papst spricht über Beichte, über den Teufel, über all die Dinge, die wir hier nie so ausdrücken würden, und dann wird das als „lateinamerikanisch“ einsortiert, wenn nicht gar abgetan. So wichtig es ist, genau hinzuschauen: Wir müssen aufpassen, nicht allzu schnell Koherenz herzustellen. Die Gefahr ist entweder die unseres Ethnozentrismus, also der Projektion unserer eigenen Werte auf eine andere Kultur – die sind noch nicht so weit, wir sind so fortschrittlich – oder es ist die Gefahr der Exotik, wie ein Tourist, der auf Reisen alles total bunt und echt und so findet, sich vielleicht eine Figur kauft die ihm als echt angeboten wird, aber keine eigene Beziehung aufbaut.

 

Wirkung: Weniger Europa

 

Wo ist hier genau die Wirkung, von der ich sprechen will?

Ein Journalist hat Mahatma Ghandi einmal gefragt, was er von der westlichen Zivilisation halte. Und Ghandi hat geantwortet: „Das wäre eine schöne Idee.“ Soll heißen: Europa wird weniger wichtig. Die Themen bleiben, bleiben auch wichtig, aber andere Themen kommen gleichberechtigt dazu. Themen mit einer eigenen Geschichte und eigenen Gedanken dahinter. Andere Perspektiven etwa auf Moral kommen gleichberechtigt dazu. Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass wir bestimmen, was das zu sein hat: Kirche. Diese zunehmende Weltkirchlichkeit sitzt jetzt als Papst auf dem Thron.

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Die deutschsprachige Kirche, Franziskus, Geschichte, Glaube und Gerechtigkeit, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Rom, Spiritualität / Geistliches Leben, Sprechen von Gott, Theologisches, Vatikan abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

47 Kommentare zu Der Franziskus Effekt

  1. smilodon sagt:

    Benedikt XVI. hatte negative „Vorschusslorbeeren“ (Präfekt der Glaubenskongregation; im deutschen Sprachraum auch die Tatsache, dass er Deutscher ist), Franziskus positive (Südamerikaner samt Möglichkeit, eventuell der Befreiungstheologie nahe zu stehen).
    Benedikt war (ist noch immer?) bei den deutschsprachigen Medien verhasst. Ich habe bei den Positivmeldungen über Franziskus immer wieder das Gefühl (ich schreibe absichtlich „Gefühl“ und nicht etwa „Eindruck“, weil das Ganze möglicherweise sehr subjektiv ist), dass man das nur geschrieben hat, um dem Benedikt noch hintennach eine reinzuwürgen. Man hat damit Franziskus als Positivfigur, als Superpapst sozusagen, aufgebaut.
    Wenn die Medien* jetzt weiter jubeln und diesen Jubel nur zaghaft zurücknehmen, dann wohl deshalb, weil man sonst allzu schnell zugeben müsste, dass man den Franziskus falsch eingeschätzt hat. Wäre schon peinlich, wenn man jetzt allzu plötzlich zugeben müsste, dass dieser Papst doch tatsächlich katholisch ist.
    Allerdings habe ich den Eindruck, dass der Rückzug der Medien langsam beginnt. Die Kaninchen-Geschichte ist ja nicht allzu gut angekommen, auch wenn man sich eher darüber lustig gemacht hat, aber es gibt schon Dinge wie diese:
    https://magazin.spiegel.de/digital/index_SP.html#SP/2015/5/131463418
    Ich denke, die Stimmung wird früher oder später umkippen uns sich ins Gegenteil verkehren, und dann wird es endlich so sein, wie es sein soll. Denn wie heißt es so schön: Ein Papst, der nur gelobt wird, macht irgendwas falsch.

    *Entschuldigung schon, dass ich diesen Ausdruck verwende, ich bin einmal von Ihnen dafür gescholten worden, von wegen Gebrauchs von Klischees oder so ähnlich, aber es geht nicht anders.

    • Suarez sagt:

      Smilodon,

      das glaube ich nicht! Ich war nie ein Ratzingerfreund und dachte während der Jahre 2005 und 2006 die ganze Zeit: Entweder habe ich oder die Presse unisono den Verstand verloren: Das ist immer noch derselbe Ratzinger, der Frauen vom Amt ausschließt, Homosexuelle diskriminiert, einer obsoleten Liturgieform anhängt: Und die Presse bejubelt einen Theologen, den ich immer für medioker gehalten habe, als geistige Potenz. So ist es also nicht. Gerade die deutsche Presse hat Ratzinger hochgejubelt. Aber dann hat er sich entzaubert. Durch die Regensburger Rede (die gerade auch ein Kardinal Bergoglio scharf kritisiert hat), durch die mit einer Unwahrheit verkaufte Wiederzulassung der unreformierten Messe, durch die theologisch hinter Nostra Aetate völlig zurückbleibende Judenfürbitte, durch die Rücknahme der Exkommunikation von theologischen Rechtsradikalen und durch den Versuch, seine privaten theologischen Überzeugungen (pro multis) anderen Christen aufzuzwingen. Da sollte man doch auch mal sehen!

      • AR35 sagt:

        Lieber Suarez,
        ich sehe das ein wenig differenzierter als Sie. Was die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbrüder (im Speziellen Williamson) und die Judenfürbitte angeht, so gebe ich Ihnen Recht, wenngleich ich die Intention Benedikts durchaus verstehen kann, und vergessen wir nicht, auch Franziskus strebt ein eine Verbesserung zwischen KK und Piusbruderschaft an, wie er es selbst in einem Interview sagte.
        Die Regensburger Rede war brillant und prophetisch, wir brauchen uns ja heute nur auf der Welt umzuschauen, und jeder kann sich selbst ein Bild davon machen, wie Recht Benedikt XVI. mit seinen Darlegungen hatte. Im Übrigen, dass Kardinal Bergoglio die Rede kritisiert hat wird zwar kolportiert, ob es stimmt, ist wieder eine andere Frage. Auf jeden Fall hat er aus dieser Rede zitiert, auf dem Weg von Sri Lanka nach Manila oder von Manila zurück nach Rom, genau weiss ich es nicht mehr.
        Was die Zulassung der alten Messe angeht, so sehe ich Ihre Unterstellung, der Papst würde mit Unwahrheiten seine Ziele verfolgen, als geradezu böswillig an. Die alte Messe war nie komplett verboten, schon Papst Paul VI. liess Ausnahmen zu. Der heilige Johannes Paul II. schaffte nochmehr Freiräume und Benedikt XVI. schaffte die heutigen Regeln. Das selbe gilt für das pro multis. Von Privatmeinung kann keine Rede sein. Lesen Sie mal in der Bibel nach, dann können Sie sich selbst ein Bild davon machen, wie „privat“ die Meinung Benedikts ist, bzw. war.

        Alles Gute, lieber Suarez!

        • Suarez sagt:

          Ach AR, lesen Sie doch Georg May, der ist doch kein Freund der Alten Messe – die Ausnahmegenehmigungen von Paul VI. sind Ausnahmen. Das ist Kirchenrecht. Akzeptieren Sie es doch einfach. Als Kardinal hat Ratzinger ausdrücklich vom Verbot der Alten Messe gesprochen und selbstverständlich hat Paul VI. das alte Messbuch verboten.

          • Suarez sagt:

            Muss heißen: May ist kein Freund der Messreform und kein Freund von Paul VI. Da war ich zu schnell.

          • AR35 sagt:

            Sie schreiben es ja selbst, Suarez, es gab Ausnahmegenehmigungen. Die Alte Messe, die ich noch nie besucht habe, um das zu betonen, war nie verboten. Akzeptieren Sie es doch einfach!

          • Suarez sagt:

            Verehrter AR,

            „Ausnahmegenehmigung“ ist nur dann ein sinnvoller Begriff, wenn es ein generelles Verbot gibt. Und ein Indult ist nur dann sinnvoll, wenn es eine Abschaffung und ein Verbot gibt. Wer über Chinesisch spricht, sollte eine Grundahnung von dieser Sprache haben, und wer über Kirchenrecht spricht, sollte nicht wirre Behauptungen über dasselbige schreiben. Natürlich hat Paul VI. das Messbuch von Pius V. in seiner zuletzt von Johannes XXIII. reformierten Form abgeschafft und durch sein eigenes römisches Messbuch ersetzt. Da ist nicht nur der gesetzgeberische Wille von Paul VI. glasklar, sondern auch die Abrogationsformel der Apostolischen Konstitution „Missale Romanum“.

          • AR35 sagt:

            Es gibt keinen Grund, jemandem Verwirrtheit zu bescheinigen, den man gar nicht kennt. Wir sind hier doch nicht im Bayern!

            Ich möchte Sie auf das Schreiben „Quattuor abhinc annos“ Johannes Pauls II. aufmerksam machen, in dem er die Erlaubnis erteilt, die Alte Messe, nach dem Römischen Messbuch von 1962, zu feiern, aber nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Ortsbischofs. Dieses Schreiben sollte „weit und grosszügig angewandt werden.“

            Lassen wir es jetzt darauf bewenden. In dem Punkt kommen wir eben nicht zusammen.

            Alles Gute!

          • Suarez sagt:

            „Ich möchte Sie auf das Schreiben “Quattuor abhinc annos” Johannes Pauls II. aufmerksam machen, in dem er die Erlaubnis erteilt, die Alte Messe, nach dem Römischen Messbuch von 1962, zu feiern“ – richtig, der Papst musste erlauben, weil der sel. Paul VI. es zuvor verboten hatte. Ich sehe mit Freuden, dass Sie es eingesehen haben, schließlich ist das Kirchenrecht ja eindeutig!

          • AR35 sagt:

            Es ist schön, dass Sie Ihren Wortschatz etwas bereinigt haben, dennoch wiegt Ihre Unterstellung schwer, der Papst hätte mit Unwahrheiten seine Ziele verfolgt, was nicht der Wahrheit entspricht! Sie sollten sich für diese Entgleisung entschuldigen.

            Alles Gute!

      • Silvia Brückner sagt:

        Lieber Suarez, Frauen werden leider auch von Papst Franziskus nach wie vor vom Amt ausgeschlossen.

        Wie Sie aus einem anderen Blog wissen, habe auch ich Benedikt nie verehrt sondern sehr kritisch gesehen, bis heute. Aber mit seiner Regensburger Rede hat er – aus meiner Sicht, die natürlich niemand teilen muss – Recht gehabt.

        So viel Meinungsfreiheit sollte man auch einem Papst und Theologen, den man nicht schätzt, zubilligen.

  2. Dieser Papst spricht eine Sprache, die nicht erst übersetzt werden muss. Kirchensprech ist wie Beamten- oder Politikersprech nicht dazu da, in einen Dialog mit dem je anderen Gegenüber zu treten.
    Nein, hiermit werden Positionen abgesteckt, Grenzen gezogen, Gebote und Verbote erteilt. Antworten werden weder gewünscht noch erwartet, Hauptsache, es wird gespurt!
    Was immer für Inhalte Franziskus transportiert, sie kommen an. Darauf wird eifrig reagiert. Sie sind Gesprächsstoff und werden nicht ohne eine Reaktion durchpassieren gelassen.
    Das finde ich sehr erfreulich.
    Er wird verstanden und das ist gut.

  3. Videns sagt:

    Ja, sechs millionen waren bei der Veranstaltung in Manila anwesend. Nur einen Gottesdienst würde ich diesen Menschenauflauf nicht unbedingt nennen.

  4. Kosmas sagt:

    Zum Franziskuseffekt gehört m.E. ein sehr archaischer und zugleich bedeutsamer Punkt: Der Papst redet nicht nur über Jesus, sondern er erinnert in dem was er sagt , wie er redet und was er zeigt und tut an die jesuanischen Geschichten und damit an Jesus. Das ahnen die Leute und es berührt sie und lässt sie hoffen. Das wirkt stärker als das Schreiben eines Buches über Jesus Christus. Sein Symbolsprache passt dazu: Sie geht hinter das kaiserlich-konstantinische Hofzermoniell und seine vielfältigen Fortsetzungen zurück. Das ist keine Stilfrage, wie man immer verharmlosend sagt; es ist ein anderes Paradigma: Nicht mehr das Modell des „Gott geschuldeten Kultes“, sondern das der „jesuanischen Nachfolge.“ Auch wenn manche Leute darüber traurig sind und sich bedroht fühlen, ist es für diesen Wechsel höchste Zeit geworden! Der Zusammenhang von Kirche und Evangelium ist auch in Rom wieder fühl und sehbar.

    • Toribio sagt:

      Geehrte(r) Kosmas,
      das ahnen die Leute nicht nur, sondern sie fühlen die Bilder in der Sprache von Papst Franziskus aus der urchristlichen Zeit in ihrem Innern und sind dadurch aus meiner Sicht glücklich berührt und von Jesus dem Christus und dessen klaren Worten fasziniert sowie IHM nahe und mit IHM meditativ verbunden.
      Leider gibt es heute nicht mehr viele Geistliche und Kleriker, die diese bildhafte Sprache unseres „Jesus der Christus“beherrschen, weil sie es scheinbar nie praktiziert und gelernt haben und ich vermute mal nicht genug in die Aussagen unseres HERRN eingedrungen sind und diese so nicht meditativ in ihren Herzen gefestigt haben.
      Es wird aus meiner Sicht noch viel Zeit vergehen müssen bis der Zusammenhang von Kirche und Evangelium auch wieder in Rom und vor allem in der Gemeinschaft der gläubigen Christinnen und Christen fühl- und sehbar sein wird, nach all diesen fehlgeleiteten Kapriolen katholischer Theologen, die oft sogar gegebenen und bewiesenen Fakten aus der Hl. Schrift anzweifeln, nur um etwas neues zu behaupten und als kirchliche Lehrmeinung zu verkaufen.
      Sie suchen scheinbar lieber den Streit um des Kaisers Bart, als dass sie nach der Wahrheit der Hl. Schrift leben, diese steig beleuchten und hinterfragen und den Gläubigen als Evangelium predigen.
      Das und nichts anderes wäre ihre Berufung. Weltliche Neigungen sollten ihnen eher fremd sein, da sie sonst aus meiner Sicht ihren Beruf/ ihre Berufung verfehlt haben.
      Denn ich sähe ihre Berufung eher geistlich göttlich und dem Reich Gottes und dadurch auch den Menschen dienend.
      Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass GOTT ein greifen wird. Ob strafend oder verbindend und uns segnend, das müssen wir schon IHM überlassen in gläubigem Vertrauen.

      • Anna sagt:

        Wunderbar wie sie sich ausdrücken können. Ich sehe das genauso und freue mich so dass Bewegung in die Kirche kommt und eben nicht so wie sich das viele vorgestellt haben sondern über die eigene Hinwendung zu Jesus Christus. Mit Christus reden und nicht über ihn 🙂

  5. Toribio sagt:

    Papst Franziskus ist sicherlich eine Gnade und ein Segen Gottes für unsere Kirche, aber was nützt das alles, wenn der Kurienstab nicht funktioniert oder der eine oder andere Kleriker nicht hinter ihm steht, wie man es eigentlich erwarten können müsste.
    Man kann nur darauf hoffen, dass es mehr aufrichtige und treue Kardinäle, Bischöfe und sonstige Bedienstete gibt, die ihn bei seiner schweren Hirtenaufgabe unterstützen und beistehen.
    Könnte es nicht vielleicht auch sein, dass der Impuls, der zum Rücktritt von Benedikt XVI. geführt hat in der Illoalität des einen oder anderen Kurienmitgliedes oder aus den Fachgebietenen begründet ist?
    Werden wir wohl nicht so schnell erfahren, weil die Vertuschung im Vatikan noch bestens zu funktionieren scheint.

  6. KRP sagt:

    Ich finde Sie haben es sehr gut auf gen Punkt gebracht in Ihrem letzten Absatz. Europa wird weniger wichtig und auch der Franziskus Effekt ist meines erachtens auch nur in den Afrikanischen, Asiatischen und Südamerikanischen Ländern sichtbar. Auch wenn in Europa – Deutschland die Medien etwas und ich betone etwas positiver über Papst Franziskus schreibt ist es dennoch nicht zu übersehen das in unseren Breiten ein Rückgang der katholischen Werte (nicht nur Kath.)festzustellen ist. Meines erachtens hat das aber nichts mit einer sogenannten Islamisierung zutun, wenn man es auch oft so hinstellen möchte.

  7. Petra sagt:

    Benedikt xvi verliess Rom auf der Strasse Richtung Castel Gandolfo. Er hatte genug von Allem, wollte seine Ruhe haben und nur noch beten. An einer Bushaltestelle kam ihm Jesus entgegen und fragte „quo vadis Benedikt?“ Benedikt antwortete: „och, ich geh mal in den Ruhestand, wird mir alles zu anstrengend hier. Und du?“. Jesus antwortete „ich bin auf dem Weg nach Rom und lass mich ein zweites Mal kreuzigen“ und Benedikt sagte „OKay, dann machs mal gut“.
    Seitdem ist nichts mehr unauflöslich; ich weiss: Papsttum ist kein Sakrament, nein! Es ist mehr: es ist die Petrusnachfolge!
    So sehr es weh tat JPII in den letzten Jahren zu sehen, so demütig, teils beschämend, mitleidig, grausam, gefühlt vorgeführt es sich für mich als Exkommunizierte darstellte: heute, in Erinnerung, war er ein ungeheures Beispiel für den Weg am Kreuz bis zum bitteren Ende. Ich muss fast weinen, wenn ich heute Bilder aus dieser Zeit sehe. Und Benedikt sitzt in der Sonne rum.
    Was ist Franziskus für mich? Ein netter alter Mann, der will dass sich alle lieb haben und an den LIEBEN Gott glauben: niedlich und ich frage mich, wann er zurücktritt, weil er auch nicht mehr will und uns sowieso nicht mehr erreicht. Erfolg in 3.Welt Ländern zu haben ist gar nichts (wert). Solange man unserer westlichen Welt nichts mehr zu sagen hat geht man unter. Auch in der 3. Welt wird man das merken, wenn wir zulassen, dass sie sich mal wirklich entwickelt.
    Nichts ist mehr unauflöslich……………

    • Silvia Brückner sagt:

      @Petra, Ihr Beitrag stimmt mich sehr nachdenklich. Er hat zwar einen pessimistischen Unterton aber trifft durchaus meine eigene momentane Gefühlslage.

      Der Erfolg der katholischen Kirche in den Entwicklungsländern hängt eben genau damit zusammen, dass diese Länder noch auf dem Weg sind, sich zu entwickeln und wenn sie das – trotz des kirchlichen Einflusses – irgendwann geschafft haben, wird es dort mit der Treue zur katholischen Kirche genauso aussehen wie bei uns in Europa.

      Das sage ich als gläubige und praktizierende Katholikin aus der „Generation Konzil“.

      Noch lebendige Gemeinden in Deutschland sind vor allem deswegen lebendig, weil sie nach neuen Wegen der Verkündigung und des glaubwürdig gelebten Christ seins suchen auch wenn die Kirchenbürokratie oft noch im Wege steht.

      • Konstantin sagt:

        Es gehört zu einer gewissen Überheblichkeit der christlichen Kichen, insbesondere der kath. Kirche (leider) in Europa zu behaupten, die Kirchen in den sogenannten Entwicklungsländern “ noch auf dem Weg sind zu entwickeln“. Entwickeln wohin, frage ich mich dann immer. Eines ist eine Tatsache, dass das Christentum und ihre Kirchen in Europa auch auf einem Weg der „Entwicklung“ sind – allerdings nach „unten“. Die demografischen Zahlen sind nicht weg zu diskutieren. Die Kichenbürokratie in diesem Zusammenhang zu nennen, ist ein „Totschlagargument“. Die Kirchen in Europa liegen in vielen Bereichen am Boden. Und gerade meine/unsere kath. Kirche ist so träge(Synonyme beachten) geworden, um wieder „aufzustehen“. Die christlichen Kirchen in den sogenannten Entwicklungsländern haben uns schon längst überholt auf dem gemeinsamen Weg. Und sie haben die Kraft sich zu entwickeln, aber nicht in unserem Verständnis. Sie kennen nämlich nur einen Richtung – den Weg vorwärts.

        • Silvia Brückner sagt:

          @Konstantin, als ich von der noch ausstehenden Entwicklung in den Entwicklungsländern gesprochen habe, meinte ich nicht die Entwicklung der katholischen Kirche in diesen Ländern sonder die der Menschen zu mehr Bildung, mehr Wohlstand, mehr Individualität und geistiger Unabhängigkeit von kirchlichen Autoritäten.

          Es gibt zumindest mir zu denken, dass die katholische Kirche dort am stärksten ist, wo die Menschen (sehr) arm, wenig gebildet und sehr Kinderreich sind.

          Das war bei uns in Europa noch zur Zeit meiner Urgroßeltern, also im neunzehnten Jahrhundert, ganz ähnlich.

          Mein Großvater war der dritte Sohn einer kinderreichen, sehr frommen Kleinbauernfamilie, war Ministrand wie alle seine Brüder. Dann zog er mit 19 Jahren in die Großstadt, bildete sich weiter und gewann Abstand zum typisch katholischen Milieu seiner Herkunft, begann, Vieles kritisch zu sehen.

          Und diese Entwicklung werden die Katholiken in den entwicklungsländern früher oder später auch durchlaufen, wenn man ihnen Zugang zur Bildung gibt und die Möglichkeit, aus der Armut raus zu kommen und genügend Aufklärung für die Familienplanung.

          • Konstantin sagt:

            Das müssen Sie mir etwas genauer erklären. Die Entwicklung der Menschen in den Entwicklungsländern hängt also unter anderem ab, von der „geistigen Unabhängigkeit von kirchlichen Autoritäten“? Übrigens ist der Atheismus immer ein gutes Zeichen für eine geistige Unabhängigkeit. Und das endet dann also alles in einer genügenden “ Aufklärung für die Familienplanung.“ Bewunderung für den, der das versteht. Aber vielleicht habe ich das ja wieder nicht verstanden.

          • Konstantin sagt:

            Ach ja, dass wollte ich noch fragen. Was bedeutet für sie als Europäerin „genügend Aufklärung für die Familienplanung.“ Sie wissen doch als ehem. Sozialarbeiterin (?), dass Familienplanung in Entwicklungsländern einen anderen Stellenwert und eine andere gesellschaftliche Dimension hat, als bei uns. Kinderreichtum ist ja bei uns schon ein Schimpfwort geworden, noch schlimmer, weite Kreise unserer Gesellschaft definieren Kinderreichtum als asozial.

          • chrisma sagt:

            Liebe Silvia, wie darf ich diesen Beitrag verstehen: sobald die Menschen gebildet genug sind, kleinen Wohlstand ihr eigen nennen können und aktiv Geburtenkontrolle ausüben können verlieren sie ihren Glauben?????? Hier kann ich Ihnen nicht folgen. Ich könnte Ihnen als Gegenmodell meine eigene Familie anbieten, dass möchte an dieser Stelle aber nicht. In der letz endlichen Quintessenz ihres Beitrages lese ich: solange wie arm, viele Kinder und doof = gläubig, wenn bisschen Geld, Bildung und wenig Kind hören die vormals Armen auf zu Glauben. Na der Tritt ins Gesicht der Armen hat gesessen. Sorry aber ich glaube Sie haben sich da verlaufen.

          • Silvia Brückner sagt:

            chrisma, ich habe nicht gesagt, dass die Menschen ihren Glauben verlieren, wenn sie Zugang zu Bildung und Wohlstand haben,sondern dass sie der Kirche kritischer gegenüber stehen, dh., mündige Christen werden, die selbst über ihr Leben entscheiden und sich nicht mehr von der Amtskirche sagen lassen, wie sie zu leben haben, so wie es auch bei uns viele praktizierende Katholiken gibt, die mündige und kritische Christen sind.

            @Konstantin, ich „muss“ überhaupt keine Fragen beantworten. Ich „muss“ hier nämlich rein gar nichts.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Kritik hat aber nichts mit Wohlstand zu tun. Und man braucht keinen Wohlstand, um kritischer Christ zu sein. Und kritischer Christ bedeutet nicht, sich von der Amtskirche nichts sagen zu lassen. Ich lese bei Ihnen sehr viele von den europäischen Sichtweisen, die sich – meiner Erfahrung mit Katholiken aus Afrika, Asien und Lateinamerika nach – nicht übertragen lassen.

          • Konstantin sagt:

            Natürlich müssen Sie hier gar nichts. Wenn Sie sich in die Ecke gedrängt fühlen, wird Ihr Tonfall immer so barsch. Ob es auch in Ihrer Gemeinde als Lektorin auch so ist?

          • Silvia Brückner sagt:

            @Konstantin, als Lektorin trage ich die vom Priester ausgewählte Lesung und die von ihm erstellten Fürbitten vor, nicht mehr und nicht weniger.

            Da habe ich gar keine Gelegenheit (und keinen Grund) einen „barschen Ton“ anzuschlagen.

            Seltsam, dass Sie als (vermutlicher) Katholik und doch hoffentlich auch Gottesdienstbesucher offenbar die Funktion des Lektors nicht kennen?!

            Übrigens fühle ich mich keineswegs von Ihnen in die Ecke gedrängt, ich beantworte nur keine bewusst polemisch gestellten Fragen mehr.

          • Konstantin sagt:

            Schön, dass Sie sich so emanzipiert haben. Ich lese noch oft Ihre Kommentare auf papst……Da war noch Leidenschaft zu spüren für unsere Kirche zusammen mit Herrn R. Aber, wie gesagt, schön, dass Sie jetzt unserer Kirche etwas kritischer gegenüberstehen.

    • Konstantin sagt:

      Hat Ihr Kommentar etwas mit Comety oder Satire zu tun? Ich möchte hier nicht noch einmal darauf hinweisen, was der „nette alte Mann“ in der kurzen Zeit seines Pontifikates positives bewirkt und erreicht hat. Darauf hinweisen möchte ich auch, dass man/frau schon seit Jahren nicht mehr von der sogenannten „3.Welt“ spricht. Sie sprechen von „Erfolg“ und “ ist gar nichts wert“ . Was verstehen sie eigentlich darunter? Ihr Kommentar wirft mehr Fragen auf, als ihr hilfloser Versuch einen konstruktiven Beitrag zu leisten.

      • Toribio sagt:

        @ Konstantin
        Sollten wir nicht alle uns etwas mehr in Kleinikeiten (3.Welt)eher in Nachsicht üben und nicht gleich petantisch reagieren?
        Frau Petra hat dies sicher nicht in böser Absicht so ausgedrückt?
        Sollten Sie nicht eher froh darüber, dass Ihnen Gott scheinbar die Fähigkeit gegeben hat, sich orthographisch und fachlich als einer der scheinbar eher Wissenden(?)hier präsentieren zu können?
        Meinen Sie nicht auch, wer den Willen hat zu verstehen, der wird auch verstehen?
        Ihnen alles Gute und eine große Portion mehr Gelassenheit.(Pax!.

      • Petra sagt:

        Gut beobachtet Konstantin :-).
        Und ich versuche nicht hilflos oder hilfsbereit konstruktiv zu sein, ich versuche überhaupt nicht konstruktiv zu sein. Es geht ja hier nicht darum ein Problem zu lösen (das tue ich den ganzen Tag und meist für viel Geld), sondern die Vielfalt der Ansichten auf Religion, RKK, Päpste und den Vatikan abzubilden. Ich werde immer noch katholisch gezählt, bin getauft und habe damit Recht (&Pflicht?) auf einen Beitrag.
        Aber wahrscheinlich habe ich was falsch verstanden…

    • Suarez sagt:

      Petra, was Sie da schreiben empfinde ich als äußerst grenzwertig. Zum Amt mit der vollumfänglichen Vollmacht gehört auch, dass man es ausfüllen kann. Wenn Ratzinger meint, er könne das nicht mehr, dann sollten wir das respektieren. Im Übrigen gibt es nichts Geschaffenes, das nicht unauflöslich wäre. Auch die Ehe, sogar die gültige und vollzogene sakramentale kann aufgelöst werden. Mindest vom Tod – und vielleicht auch vom Papst. Ich bitte Sie also nicht zu dramatisieren.

    • Suarez sagt:

      P.S.: Ich empfinde Ihren Vergleich der Quovadis-Legende mit dem Rücktritt von Ratzinger übrigens geschmacklos.

  8. Kaliene sagt:

    Ich glaube, der „Franziskus-Effekt“ ist kommunikatives Phänomen. „Man“ spricht und schreibt anders über ihn, als über seine Vorgänger. Und er spricht und verhält sich anders, als man es von Päpsten gewohnt ist. Wenn er wirklich etwas zu sagen hat, dann setzt er seine Brille ab oder schaut über deren Ränder hinweg ins Publikum, legt das Manuskript beiseite und redet wie ihm der Schnabel gewachsen ist – Tacheles. Gleichzeitig lässt er sich ideologisch nicht vereinnahmen. Franziskus zeichnet sich für mich dadurch aus, dass er im hohen Maße Widersprüche aufzeigt, aber auch gleichzeitig erträgt. Ertragen meine ich hier im Sinne von „nicht sofort eine Lösung parat zu haben.“ In der Psychologie nennt man so etwas Ambiguitätstoleranz. Dies bezeichnet die Fähigkeit,Ambiguitätstoleranz (v. lat. ambiguitas „Zweideutigkeit“, „Doppelsinn“), teilweise auch als Unsicherheits- oder Ungewissheitstoleranz bezeichnet, ist die Fähigkeit, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu ertragen. „Ambiguitätstolerante Personen sind in der Lage, Ambiguitäten, also Widersprüchlichkeiten, kulturell bedingte Unterschiede oder mehrdeutige Informationen, die schwer verständlich oder sogar inakzeptabel erscheinen, wahrzunehmen ohne darauf aggressiv zu reagieren oder diese einseitig negativ oder – häufig bei kulturell bedingten Unterschieden – vorbehaltlos positiv zu bewerten. Der Begriff spielt in unterschiedlichen psychologischen und pädagogischen Theorien eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Persönlichkeitsentwicklung (siehe auch: Identitätsentwicklung) und dem sozialen Lernen. Ambiguitätstoleranz ist auch eine Voraussetzung für die interkulturelle Kompetenz eines Menschen. Studien zufolge korreliert sie nicht mit seinem formalen Bildungsniveau.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Ambiguit%C3%A4tstoleranz Das ist eine außerordentliche persönliche Leistung und ein großes Talent. Und genau das kommt immer wieder an, dringt immer wieder nach außen, versammelt tausende Menschen in der Welt auf Plätzen und Straßen. Das irritiert möglicherweise diejenigen, die eine „klare Führung mit klaren Ansagen“ brauchen, aber es begeistert Menschen, die ähnlich strukturiert sind. Offenbar ganz schön viele. Da steht der Papst und redet Tacheles, anstatt zu schwurbeln oder sich irgendwelchen Protokollen zu beugen und zeigt mit dem Finger auf die Widersprüche und Unvereinbarkeiten dieser Welt und ruft dazu auf, gemeinsam eine Lösung zu finden anstatt zu sagen: „So geht das und nur so.“ Er hätte die Definitionsmacht Kraft seines Amtes. Aber wem würde die Ausübung dieser Macht in dieser Form nutzen?

    • chrisma sagt:

      @Kaliene, als jemand der auch in einem psychiatrischen Beruf „unterwegs“ ist, fand ich Ihren Ansatz zur Erklärung des „Phänomen“ Franziskus sehr spannend und auch einleuchtend. danke dafür.

    • Silvia Brückner sagt:

      @Kaline, erstens ist die Kirche kein psychologischer oder sozialpädagogischer Sandkasten (das sage ich, die ich mal Soziale Arbeit studiert habe) und zweitens sagte neulich unser Kardinal Marx sehr richtig.

      „Die Treppe wird von oben gefegt, nicht von unten“ unter dem Hinweis, dass es am Papst und an den Bischöfen ist, die nötigen Reformen umzusetzen. In einer streng hierarchischen Institution wie der römisch – katholischen Kirche sind nämlich alle Versuche der Basis, „die Treppe von unten zu fegen“, zum Scheitern verurteilt, wie einschlägige Versuche dieser Art in den letzten Jahrzehnten deutlich gezeigt haben.

      Widersprüche, Ungereimtheiten usw. kann man auch nur bis zu einem gewissen Grad tolerieren, ich meine hier tolerieren im eigentlichen Sinne von ertragen, was auch eine gewisse Leidensfähigkeit voraussetzt, diese ist von Mensch zu Mensch verschieden und hat bei JEDEM auch ihre Grenzen.

      • Kaliene sagt:

        @Silivia Brückner: weil Sie mit Ihrer Feststellung, dass die Kirche kein psychologischer Sandkasten sei und auch mit dem Zitat von Kardinal Marx im Grunde gar nicht auf den Inhalt meines Beitrages eingehen, sondern im Gegenteil: meilenweit daneben liegen – oder sollte ich besser sagen: zielen, stellt sich mir die Frage, ob darin eine Absicht steckt oder kriegen Sie es einfach nicht besser hin?

      • Toribio sagt:

        Bingo!!!!,
        Frau Brückner, voll ins Schwarze getroffen, meine ich.
        Freut mich, wie übereinstimmend Gedanken von verschiedenen Menschen sein können.

      • chrisma sagt:

        @Silvia@Toribio schön wenn sie sich im Einklang miteinander finden. Nur heißt unser Thema diesmal nicht: wir fegen (reformieren) die Kirche sondern: das Phänomen Franziskus. Dazu ist der Beitrag aus der Psychologie (allgemein) gut gesetzt und ich habe darin Franziskus gesehen, wie er „leibt und lebt“ . Die Fähigkeiten die Kaliene ihm über die Ambiguitätstoleranz zu gesteht, sind eindeutig bei zu finden. Im Übrigen enthält der Beitrag einige sehr schöne persönliche Einschätzungen von Kaliene die ich teile.

  9. Gabi sagt:

    Papst Franziskus spricht verständlich aus, was wir vielleicht im Elternhaus und im Religionsunterricht mal gehört und verstanden hatten: die Kirche gehört an die Seite der Armen und Entrechteten.
    Damit ist Kirche aber heute erst recht nicht mehr aus der Politik wegzureden. Parteien fühlen sich angefragt und kommen nicht über Papst Franziskus hinweg.
    Entscheidend ist m.E. aber die Verwirklichung vor Ort. Es muss merkbar werden für die Gesellschaft, dass das der Platz der Kirche ist, die sich
    auf Jesus Christus beruft. Vor Ort heißt: jeder Gläubige, jeder Pfarrer, jeder Bischof usw.

    Erst jetzt habe ich durch div. Literatur über Papst Franziskus den Unterschied zwischen „Theologie der Befreiung“ und „Theologie des Volkes“ erfahren. Die Vermischung mit marxistischer Ideologie als Teil der Befreiungstheologie war mir in DDR-Zeiten entgangen, und ich fand diese lateinamerikanischen Priester damals in den 70-iger Jahren toll und völlig richtig am Platz, die sich für Gerechtigkeit und Beseitigung von Armut auf ein neues Leben ganz dicht an der Seite des Volkes einließen- ohne ein geschütztes Leben in ihren Diözesen. Wenn jetzt Bischof Oscar Arnulfo Romero ein Seliger wird, so deshalb, weil er bei seinem Volk stand, und wenn sein Tod auch politisch ausgenutzt wurde in der DDR, so habe ich es damals nicht anders empfunden als heute: das ist ein Märtyrer. Einer von Vielen, die meisten kennt man nicht. Diese nun endlich angekündigte Seligsprechung: sie hat sich ewig hingezogen! Dabei war doch alles klar, nicht nur für das katholische „Volk“ in El Salvador…

    Die „Theologie des Volkes“ hat in Lateinamerika ihren Ursprung. Aber vielleicht ist sie viel weiter auf der Welt verbreitet, diese Ahnung im Volk, wer Gott im Leben eines jeden Menschen ist. Das Gespür des Volkes für Gott.

    • chrisma sagt:

      @Gabi mit großer Freude habe ich Ihren Beitrag gelesen. Meine Antwort, liebe Gabi sind zu erst Fragen: Wo hat sich die Theologie der Befreiung mit marxistischer Ideologie vermischt? Und was meint der Unterschied zwischen „Theologie der Befreiung“ und der „Theologie des Volkes“ Ja mein Herz – von dem ein großer Teil immer noch in Peru lebt- ist gehüpft und hat getanzt: Oskar Romero ist ein Seliger…..Besonders mag ich den Schluss Ihres Beitrages

  10. KRP sagt:

    Also ich meine Europa wird weniger wichtig genommen, die Menschen hier fühlen sich nicht ernstgenommen von der Kirche(en)und den angeblich guten Katholiken wer auch immer die sind, die jede/r sein können. Hier noch ein paar Beispiele ein angeblicher nicht Christ, oder einer mit der falschen Konfession, wird auch gleich als dieser vorgeführt und schon gar nicht ernstgenommen, ebenso ist es in Sachen Missbrauch auch der wird nicht ernstgenommen der war ja früher und heute längst nicht mehr. Die Menschen in Europa sind doch nicht mehr so ungebildet und lesen nicht nur religiöse Geschichten sondern informieren sich weltweit, allumfassender und lassen sich keine Geschichten erzählen, die denken selber mit. In einem stimme ich zu würde man der 3. Welt erlauben sich mal zu entwickeln und ihnen eigenes Denken erlauben wäre so ein Menschenauflauf geringer. Ich finde das ein Menschenauflauf nichts aussagt über den Glauben der Menschen, der sich sehr schnell ändern kann. Wer andere nicht ernstnimmt kann auch nicht erwarten ernstgenommen zu werden.

  11. chrisma sagt:

    Da steht er nun der Satz: …. (Schlußdokument Aparecida 2007) ist ein Grundsatzdokument der Pastoral der Zukunft. Es ist allemal lesenswert und nicht in „Kirchensprech“ verfasst. Dieses Pastoral der Zukunft ist das was Franziskus mit nach Rom gebracht hat und in seiner ersten Botschaft an uns sein Kirchenvolk (EG) deutlich gemacht hat. Hier setzt für mich meine persönliche Faszination für das Phänomen „Franziskus“ ein. Jahrelang war ich bis dato darin geschult die Ohren auf „Durchzug“ zu stellen wenn Rom sich zu Wort meldete (lateinamerikanische Erfahrung, die ich zurück in Europa, beibehalten hatte). Plötzlich sprach „Rom“ mein Glaubensgefühl aus. Ich hörte einen Papst, der ohne theoretische Verklausulierung direkt, unmittelbar auf das Neue Testament Bezug nahm, so wie ich es hoch in den Anden im Bibel teilen gelernt hatte. Unsere säkularisierte Welt die die ursprüngliche Botschaft des NT nicht mehr kennt, empfindet das als „Neu“ und sie horcht auf. Wir sind arm an sog. moralischen Instanzen, Papst Franziskus ist seit seinem Amtsantritt zu Einer geworden. Er lebt das Neue Testament in Wort und Tat…..
    Nun zu den beiden „manchmals“ in der sehr kurzen Einschätzung zur Theologie der Befreiung und ihrer angeblichen Nähe zum Marxismus: wie immer an dieser Stelle der sehr verehrte, sehr geliebte Dom Helder Camara: Wenn ich den Armen Essen gebe, nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten. Soweit erstmal

  12. Pingback: Der Franziskus Effekt | Laudetur Jesus Christus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*