Der Papst und die Bombe

Ob Nordkoreas Diktator Kim Jong-un sich speziell den UNO-Tag gegen Atomwaffentests ausgesucht hat, um wieder einmal eine Rakete fliegen zu lassen, können wir nicht wissen. Wissen tun wir aber, dass es bei all diesen Provokationen und Machtspielen immer um Nuklearwaffen geht.

Erst im vergangenen Jahr hat Nordkorea zwei Atomwaffentests durchgeführt, oder besser: behauptet, sie durchgeführt zu haben. Messungen woanders beweisen nicht unbedingt, dass die auch ein Erfolg waren.

Papst Franziskus 2015 vor der UNO

Papst Franziskus 2015 vor der UNO

Die UNO wollte 2009 durch einen Beschluss der Generalversammlung erreichen, dass nukleare Tests eingestellt werden. Solche Tests braucht man, um die Waffe auch einsatzbereit zu machen. Ein Teststopp würde also letztlich zum Abschaffen dieser Waffen führen. Also ein guter Plan.

Wenn jetzt wieder Raketen fliegen und bei jeder neu entdeckten Rakete die Frage auftaucht, ob die nicht vielleicht einen nuklearen Sprengkopf nach Nordamerika tragen könnte, dann wird diese Frage und damit der Tag gegen Atomwaffentests wieder aktuell.

 

So kann man keinen Frieden machen

 

Die „Androhung wechselseitiger Zerstörung“ könne nicht die Grundlage friedlichen Zusammenlebens zwischen Völkern und Staaten sein. So hat sich Papst Franziskus bereits 2014 in die Debatte eingeschaltet. Die Jugend von heute und morgen verdiene eine friedliche Weltordnung. „Jetzt ist die Zeit, auf die Logik der Angst mit der Ethik der Verantwortung zu antworten“. Kling wie auf die aktuelle Situation gemünzt: „Logik der Angst“, das sieht man dauernd im TV.

In seinem Statement damals an die ‚Konferenz über die humanitären Auswirkungen von Nuklearwaffen’ in Wien schraubt der Papst auch sozusagen das Weitwinkelobjektiv vor die Problematik, es geht halt nicht nur um diese Waffen. „In Atomwaffen zu investieren, verschwendet den Wohlstand der Nationen“, schreibt Franziskus. Die Mittel wären weit besser investiert in menschliche Entwicklung, Bildung, Gesundheit und den Kampf gegen extreme Armut. Es seien die Armen und die Schwachen am Rand der Gesellschaft, die für atomare Hochrüstung den Preis bezahlen würden. Auch das gehört in die Debatte von heute hinein.

Und ja, der Papst blickt auch ganz konkret auf die Situation in Korea. „Die Experimente auf der koreanischen Halbinsel sind erschütternd; sie destabilisieren die gesamte Region und stellen die ganze internationale Gemeinschaft vor die beunruhigende Frage nach der Gefahr eines neuen nuklearen Rüstungswettlaufes“, sagte er beim Empfang für das diplomatische Corps Anfang diesen Jahres, die Nuklear-Tests in Nordkorea aufgreifend. „Noch immer sind die Worte des heiligen Johannes XXIII. in der Enzyklika Pacem in terris aktuell, als er sagte: ‚Gesunde Vernunft und Rücksicht auf die Menschenwürde [fordern] dringend, dass der allgemeine Rüstungswettlauf aufhört; dass ferner die in verschiedenen Staaten bereits zur Verfügung stehenden Waffen auf beiden Seiten und gleichzeitig vermindert werden; dass Atomwaffen verboten werden’.“

 

Auch Korea im Blick

 

Vor der UNO 2015 hat er das Thema angesprochen, und an die UNO gerichtet – bzw. an eine Anti-Atomwaffen-Konferenz dort – systematisiert er seine Gedanken noch einmal: Erstens sind Atomwaffen in einer Welt voller asymetrischer Konflikte keine Lösungen in dem Sinn, dass man mit ihnen auf Terror und dergleichen antworten könnte. Zweitens hätte der Einsatz solcher Waffen humanitäre und ökologische Konsequenzen sondergleichen. Drittens – siehe oben – verschwendet der Bau und das Testen wertvolle Ressourcen, die eigentlich für was anderes gut wären, nämlich für Menschen.

Viertens, grundsätzlich: „Internationaler Frieden und internationale Stabilität dürfen nicht auf ein falsches Gefühl der Sicherheit gegründet sein, auf die Androhung gegenseitiger Zerstörung oder totaler Auslöschung oder indem man bloß ein Kräftegleichgewicht aufrechterhält. Frieden muss auf Gerechtigkeit, auf ganzheitliche menschliche Entwicklung, auf die Achtung der Grundrechte, die Bewahrung der Schöpfung, die Beteiligung aller am öffentlichen Leben, auf das Vertrauen zwischen den Völkern, die Unterstützung friedlicher Institutionen, auf den Zugang zu Bildung und Gesundheitswesen, auf Dialog und Solidarität gegründet sein.”

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal etwas über Atomwaffen schreiben würde und von der Wichtigkeit, die Dinger endlich abzuschaffen. Irgendwie war es immer schon klar, dass die Dinger weg müssen, dass deren Einsatz unvorstellbar wäre und dass jede Form von Abrüstung gut, richtig, wichtig und dringend ist. Ich dachte immer, dieser Gedanke hätte sich irgendwie durchgesetzt. Die USA modernisieren jetzt für zig Milliarden Dollar ihr Arsenal. Und jede Rakete aus Nordkorea lässt uns schaudern, was ein in die Enge getriebener Diktator mit seinen Waffen anfangen könnte.

Da ist es wichtig, dagegen zu halten.

 

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15 Kommentare zu Der Papst und die Bombe

  1. Roswitha Steffens sagt:

    Ich kann mich nur hinter den Papst stellen, wenn es darum geht seine Bemühungen um unseren Lebensraum und dessen Lebensbedingungen zu verstehen und dabei in Worte zu fassen, was das Volk Gottes bewegt. Es ist/war nicht immer leicht dem Heiligen Stuhl zu folgen, da er sich sehr individuell in der Person seiner aktuellen Besetzung äußert, jedoch stets aus Hingabe zum Schöpfer um den globalen Anspruch der Nächstenliebe bemüht, handelt.

    Meine Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen Stuhl und der gesunden Einstellung seinen Besetzern gegenüber kennt keine Grenzen, die sich nicht durch den Glauben an Gott in mir selbst überwinden lassen.

    Damit will ich sagen, wir können nur dann wirklich vertrauen, wenn das „Ich“ von uns als Mensch die Chance erhält sein Leben in der Ordnung wieder zu finden, die durch das Volk im Wissen um Gott besteht. Um Wissen als das Gedankengut der ganzen Menschheit zu fördern, sollte Gott das Wesen im „Ich“ als Heiligen Geist anlegen, der das ganze Leben mit Liebe erfüllen kann.

    Die Ansprache von Papst Franziskus und dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios zeigt auf, dass niemand! das Recht hat eine Waffe, egal welcher Art, gegen etwas zu richten worauf ein geteilter Anspruch besteht. Es wurden unzählige Fehler in der Vergangenheit begangen, die in eine wenig rühmliche Geschichte der Gegenwart führten, doch nun liegt es in den Händen genau dieser Gegenwart ihre Ursache für die Zerrissenheit zu überwinden, um ihr ein für allemal das Gute abzugewinnen.

    Macht auszusprechen indem man Gott für sich reklamiert ist ein Unding, denn das Wort teilt sich mit und lässt sich nicht einfach ergreifen. Es ist so anmaßend sich als Regent aufzuspielen ohne das Wesen der Legitimation dafür zu erbitten!, die persönliche Demut an den Tag zu legen, der sich durch Nächstenliebe daraus ergibt, um aus eigener Anteilnahme daran die Unversehrtheit dieser Welt erhalten zu können. Es gibt so viele Gründe Leben zu schenken, doch es gibt nur eine einzige Möglichkeit Nächstenliebe in ihrer ganzen Wahrhaftigkeit weiter zu reichen, indem man sie dem anvertraut, der aus ihrem Potential zu schöpfen vermag, was sich aus der eigenen Geburt ergibt.

    Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich denen danken, die mich in meiner Art mich zu äußern annehmen, auch ohne mich zu reflektieren. Mein Glaube leitet mich in dem, was ich in Worte fassen kann und meine Liebe trägt was daraus entsteht. Alles was mir jetzt noch bleibt liegt in der Hoffnung auf ein Wiedersehen mit all denen, die ich mit dieser Liebe erfassen kann.

  2. Franziska sagt:

    Es ist nicht gut, mit Gewalt auf Gewalt zu antworten. Herr Kim will doch nur Anerkennung. Warum geben wir ihm die nicht?
    Wenn er sein Land vereinen will, dann ist das doch nicht schlecht! Das hat Kohl doch auch gemacht.

    • Suarez sagt:

      Ich bin wahrlich kein Kohlfan. Ich habe ihn 1998 mitabgewählt und bin durchaus stolz darauf. Aber er 16 Jahre ein Kanzler, der von einem Parlament gewählt wurde, das frei und geheim von mehr als 80 % der Bevölkerung bestimmt wurde.
      Wurde in Nordkorea je frei und geheim gewählt?
      Sagen Sie, Franziska, sind Sie ein Troll oder – entschuldigen Sie – naiv?

      • carn sagt:

        „Sagen Sie, Franziska, sind Sie ein Troll oder – entschuldigen Sie – naiv?“

        Nicht unberechtigte Frage.

        Vor allem da noch zu ergänzen ist, dass:

        1. Nordkorea eine brutale Diktatur ist, womit „will dodch nur Anerkennung“ mgl. vollkommener Unfug ist, da „Herr Kim“ neben Anerkennung vielleicht auch weiter ungestört Konkurrenten und Dissidenten ERMORDEN lassen will; warum gönnen wir ihm es nicht einfach weiter zu MORDEN?

        2. Nordkorea konsequent Propaganda für Kriegsbereitschaft und Hass auf die Gegenseite macht; und zwar egal ob der aktuelle US-Präsident diplomatischer daherkommt (wie z.b. Obama) oder weniger diplomatisch (wie z.b. Trump); warum gönnen wir es ihm nicht einfach weiter zum Hass aufzustacheln?
        (Und nein, dass heißt natürlich nicht, dass Trumps aktuelle „Diplomatie“ lobenswert oder entschuldigt ist)

        3. Kim die Wiedervereinigung nur mit seinem Machterhalt will, womit sein Ziel eine Diktatur ins ganz Korea sein könnte; warum gönnen wir ihm das nicht einfach?

        4. Die gesamte nordkoreanische Führung niemals die Option einer krigerischen Wiedervereinigung vom Tisch genommen hat;

        5. Formal (ich weiß, dass ist so ein Regelding, was ja so vielen innerhalb der Kirche egal ist, aber in der Welt da draußen ist das oft noch wichtig) befindet sich Nordkorea immer noch im KRIEGSZUSTAND mit Südkorea; zusammen mit 2. und 4. macht das die Lage wenig hübsch und ein ‚gebt Herrn Kim doch einfach, was er will‘ wirkt da einfach nur lächerlich.

        • Franziska sagt:

          Ihr seid so gemein und so gewaltbereit! Nur die Liebe wird diesen Konflikt lösen. Sonst werden viele unschuldige Menschen sterben.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Warum sind die Antworten auf Ihren Kommentar „gewaltbereit“? Auch ich habe mich gefragt, was die Gleichsetzung von Kohl und Kim bezwecken soll. Die Ausgangsvoraussetzungen sind doch völlig anders. Und Liebe hat immer was mit Realität zu tun, sonst hängt sie doch in der Luft, also muss ich die Realitäten sehen können.

          • Ro sagt:

            Franziska meint man kann nicht immer das Gleiche tun,
            und andere Ergebnisse erwarten.

            Und da hat sie nicht ganz unrecht, denn nichts ist
            gefährlicher als eine Idee, wenn sie unsere einzige ist.

            Alle Drohungen der letzten Jahrzehnte hatten ja recht
            wenig Wirkung.

          • Roswitha Steffens sagt:

            Liebe löst keine Konflikte, sie tritt für den Frieden ein, der seine wahre Kraft aus der Substanz schöpft, die es gilt im Gespräch zu erarbeiten, um ihr den Weg in eine gemeinsame Zukunft zu zeigen.

          • Actuarius sagt:

            Wenn Liebe immer was mit Realität zu tun hat, wäre Mt 5,44 demzufolge eine irreale, naive Aufforderung, die in der Luft hängt.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Wieso das denn? Warum ist Feindesliebe irreal, naiv, in der Luft hängend? Nur wenn sie mit Realität zu tun hat, hat sie überhaupt eine Bedeutung.

          • carn sagt:

            @Ro
            „Franziska meint man kann nicht immer das Gleiche tun,
            und andere Ergebnisse erwarten.“

            Dagegen hat vermutlich auch niemand was einzuwenden. Aber wenn man dann eine andere Idee versucht, sollte man die Lage realistisch einschätzen; ansonsten scheitert auch der neue Ansatz an Dingen, die man übersehen hat; und Kim ist eben ganz anders als Kohl.

  3. carn sagt:

    @Franziska

    Entschuldigung, falls ich gemein rüberkam.

    Aber ich fand Ihren Kommentar bereits äußerst gemein. Denn der schien eine moralische/ethische Äquivalenz zwischen Herrn Kim und Herrn Kohl zu implizieren.

    Aber Kohl hat niemanden ermorden lassen, drohte nicht alle Nase lang mit Krieg, hat nicht Atomwaffen entwickelt, hatte keine drakonisches Strafregime, hatte keine alles bespitzelnde Geheimpolizei, hat sich nicht wie quasi einen Gott verehren lassen.

    Aus dem bekannten kann man an Vorwürfen gegen Kohl eigentlich nur eindeutig seine Spendenaffäre festhalten (was quasi Betrug ist, was quasi Lüge ist) und Ehebruch ist zumindest nicht unplausibel; aber das wars, ansonsten kann man ihm höchstens vorwerfen, seine Politik sei in manchen falsch gewesen (was aber kein ethisch/moralisches Versagen sein dürfte).

    Kim hingegen hat wie angedeutet eine lange Liste alleine an Dingen, die wir wissen.

    Mir wird gerne vorgeworfen, ich würde zu oft Leute verurteilen; aber meinem Eindruck machen wir das sowieso ständig; z.b. wenn wir sagen irgendein X sei doch ähnlich wie der Massenmörder Y, dann ist das ein Urteil über X.

    Und ich finde, wenn wir sowieso das Urteilen nicht sein lassen können, dann sollte es wenigstens „fair“ sein; und „fair“ ist es eben gegenüber Kohl nicht, wenn man es so darstellt, als sei da kein nennenswerter Unterschied zu Kim.

  4. Actuarius sagt:

    Sorry, Matthäus meint ἀγάπη, da haben Sie recht.

  5. Actuarius sagt:

    „Erstens sind Atomwaffen in einer Welt voller asym(m)etrischer Konflikte keine Lösungen in dem Sinn, dass man mit ihnen nicht auf Terror und dergleichen antworten kann.“

    Hier steht ein ’nicht‘ zuviel, dünkt mir mein deutsches Sprachgefühl.

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