Der Papst und die Piusbrüder: „Es reicht nicht“

Die schismatisch orientierte Piusbruderschaft hat nicht genug getan, um Lehrdifferenzen zur katholischen Kirche zu überwinden. Damit ist ihre Rückkehr zur römisch-katholischen Kirche derzeit nicht möglich. Das befindet Papst Benedikt XVI. nach Prüfung einer Antwort der Piusbrüder auf eine Lehrmäßige Präambel aus dem Vatikan. Damit ist die Tür noch nicht geschlossen, aber es ist ein sehr deutliches Signal. Und es wird noch einmal klar, worum es bei der Debatte um die Piusbrüder die ganze Zeit über ging.

Es ging nicht um ein „zurück vors Konzil“ der Kirche, nicht um die Verharmlosung der Leugnung der Shoah, es ging nicht um ein theologisches Hobby des Papstes.  Es ging um Einheit, aber nicht um Einheit um jeden Preis.

 

Einheit, aber nicht um jeden Preis

Benedikt XVI. hat die Piusbruderschaft eingeladen, zurück zur Kirche zu kommen, und er hat goldene Brücken gebaut. Dabei ist er aber keine inhaltlichen Kompromisse eingegangen. Die ganzen Jahre über hat er immer wieder auf den Dialog der Religionen, auf die Wichtigkeit von Religionsfreiheit und die Ökumene hingewiesen, alles Punkte, an denen sich der Widerstand von Erzbischof Marcel Levebvre – des Gründers der Piusbrüder – während des Konzils entzündet hatte. Alle diese Punkte bleiben Reizworte für die schismatisch orientierte Gemeinschaft, man muss nur deren Pressemitteilungen verfolgen.

Das alles bleibt selbstverständlich Lehre der Kirche. Das alles muss ganz angenommen werden. Wenn nicht, dann reicht die Antwort eben nicht aus, wie jetzt bei den Piusbrüdern klar wurde. Einheit ist wichtig, aber die Lehre und der Glaube der Kirche eben auch.

Die Note der Glaubenskongregation und die gesetzte Frist von 30 Tagen, welche die Bruderschaft jetzt bekommen hat, macht klar, dass der Papst diesen Kurs die ganze Zeit über durchgehalten hat, gleich wie groß der Druck war, der von Seiten der Medien oder der Piusbruderschaft ausgeübt wurde.

 

Ein „leiser Gestus“ wird zum Lärm

Im März 2009, vor genau drei Jahren also, hatte Papst Benedikt einen Brief geschrieben, in dem er zur Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft und zur Kritik an dem Einschluss des Holocaustleugners Williamson Stellung nimmt. Es lohnt sich, noch einmal in diesen Brief hinein zu schauen.

Der Papst sprach vom „leisten Gestus der Barmherzigkeit“. Aus dem sei durch die Vermischung mit dem Fall des Holocaustleugners Williamson ein lautes Lärmen geworden. Deswegen sei die Geste nicht mehr als Einladung zur Versöhnung verstehbar gewesen, so der Papst, andere Themen dominierten die Debatte: „Dass diese Überlagerung zweier gegensätzlicher Vorgänge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern.“

Es sei ihm um die Einheit der Kirche gegangen, um nichts anderes. Die Rücknahme der Exkommunikation habe denselben Zweck wie die Strafe selbst verfolgt: Einladung zur Besinnung. „Von dieser disziplinären Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. (…)  Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange üben ihre Amtsträger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine Ämter rechtmäßig in der Kirche aus.“

Dieser doktrinellen Fragen wegen waren die zweijährigen Gespräche zwischen Vatikan und Bruderschaft begonnen worden, an deren Ende nun ein theologischer Text der Kirche und eine Antwort der Bruderschaft stehen, die nicht ausreicht.

Die Frage der Einheit war auf dem Tisch, ganz gemäß der selbst gesetzten Leitlinien des Papstes für sein Pontifikat. Die Bezeugung des Glaubens braucht die Einheit der Glaubenden. „Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage.“

Zum Abschluss seines Briefes wurde der Papst lesbar nachdenklich: Er hatte von der Sprungbereiten Aggressivität gesprochen, mit der auf in eingeschlagen worden sei. Aber mit dem Zitat aus dem Galaterbrief, das er in dem Brief zitierte, ist sicherlich auch die Aggression der Piusbrüder gemeint, die in ihrer Selbstgerechtigkeit immer wieder der Kirche und dem Papst vorschreiben zu meinen glaubten, was er zu tun und zu lassen habe: „Wenn ihr einander beißt und zerreißt, dann gebt acht, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ (Gal 5: 13 – 15)

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Benedikt XVI., Die deutschsprachige Kirche, Kirche und Medien, Theologisches, Vatikan abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Kommentare zu Der Papst und die Piusbrüder: „Es reicht nicht“

  1. A.Wachsmann sagt:

    es reicht nicht, ist sehr nett ausgedrückt. wenn ich mir vorstelle, wir hätten noch die zig piusbrüder als priester hier..nein, danke.

  2. Manfred Becker sagt:

    Diese ganze Diskussion macht mich unendlich traurig. Was kann daran falsch sein, wenn es in der katholischen Kirche über Jahrhunderte gültig war? Der „innere Widerspruch“ scheint hier ganz wo anders zu liegen. Der Papst hätte bei einer Einigung sicher mit sehr viel Widerspruch zu rechnen. Warum auch nicht, wenn es um die ungefälschte Wahrheit geht!

  3. Jochen Bleicher sagt:

    Das wirklich Schlimme an den Piusbrüdern ist ihre irrwitzige Hermeneutik: Sie beteuern ihre Treue zum Lehramt, aber nur, wenn dieses nicht ‚irrt‘! Damit machen sie sich selbst zu Richtern und Wächtern über die von ihnen definierte Wahrheit unter faktischem Ungehorsam dem kirchl. Lehramt gegenüber – das ist schizophren und zeigt ihre unverholene Hybris!
    Es geht also nicht um periphere Sonderregelungen – etwa ob man die Liturgie nach älterem Ritus und auf Latein feiern solle-, sondern letzlich um eine wirklich unerträgliche Besserwisserei und Unterminierung des realen Lehramtes in der Kirche. Dies zu tolerieren wäre der Anfang vom Ende desselben.
    Abgesehen davon: es geht ja nicht nur um den Papst. Die Piusbrüder zeihen 2221 Bischöfe (die auf dem 2. Vatikanum ‚Nostra Aetate‘ zugestimmt haben) des Irrtums – Erzbischof Lefebvre und die 4 von ihm geweihten Bischöfe dagegen als die Bewahrer der reinen Lehre. Welcher Ekklesiologie dies auch immer entsprungen sein mag – einer katholischen auf keinen Fall!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*