Der Pressebalkon

Man berichtet nicht über ein Ereignis, sondern man berichtet, was andere über ein Ereignis berichten. So in etwa charakterisiert ein erfahrener Vatikan-Journalist das, was er derzeit in Rom tut. Anstatt selber bei der Synode dabei sein zu können, müsse man sich auf die Berichte der Berichterstatter verlassen. Also unter anderem auf meinen.

Vor der Pressekonferenz: Im Büro sind die Bischöfe Kurtz (USA/links) und Osorno (Spanien/rechts) dazwischen Kardinal Tagle (Philippinen).

Vor der Pressekonferenz: Im Büro sind die Bischöfe Kurtz (USA/links) und Osoro (Spanien/rechts) dazwischen Kardinal Tagle (Philippinen).

Man müsste die Synode in der Audienzhalle stattfinden lassen, wollte man alle Journalisten unterbringen wollen, die zusehen wollten. Zumindest an Tag Eins. Vielleicht auch noch an Tag Zwei. Außerdem würden die Worte der Synodenmitglieder dann an die Kameras und die Schreibblöcke gerichtet, nicht an die anwesenden Anderen, es ist wie in Bundestag und anderen Parlamenten, nehmen wir nur einmal an, ganz hypothetisch, ein Beitrag würde die Pros und Cons von Frauenpriesterweihe debattieren. Wirklich nur hypothetisch, um einen Fall zu konstruieren. Dann würde fünf Minuten später getwittert: „Synode diskutiert Frauenpriestertum“ und sämtliche Berichterstattung, sämtliche Fragen bei Interviews, ganz zu schweigen von Erwartungshaltungen, würden sich um diese eine Frage drehen. Man kann also gar nicht nachdenklich ein Argument von allen Seiten betrachten, außer man tut es vertraulich. Der Papst wollte diese Offenheit und Vertraulichkeit und die schließen eine volle Transparenz aus.

Damit wird es schwer, zu berichten. Und schlimmer noch, die Schwierigkeit selber wird zum Thema. Denn nicht alle halten sich an die Regeln. Kardinal Baldisseri, Leiter der Synode, nannte es „grave“, schwerwiegend, dass auf der Webseite der polnischen Bischofskonferenz Zusammenfassungen aller bisherigen Statements samt Namen erschienen sind. Das widerspreche der Vertraulichkeit, in der gesprochen werde.

 

Wer veröffentlicht was?

 

Nicht wenige Synodalen sind ziemlich verärgert, dass sich einer heraus nimmt, sich nicht an die Regeln halten zu müssen.

Einige Bischöfe haben ihre Texte selber online gestellt, wie etwa Erzbischof Heiner Koch. Das dürfen sie ausdrücklich auch. Aber den anderen das Recht zu nehmen, darüber selber zu entscheiden, und edierte Versionen samt Namen zu veröffentlichen, das ist schon ein Ding.

Jetzt wird derjenige, der sich nicht daran gehalten hat, im Netz von interessierten Kreisen dafür gelobt, den ausdrücklichen Willen des Papstes missachtet zu haben. Soviel zum Thema Treue zum Papstamt.

Aber zurück zum Thema: Wie berichtet man also über die Synode? Eine perfekte Lösung gibt es nicht. Natürlich gibt es Vorsicht von Seiten der Journalisten, den Worten derer zu Glauben, die einerseits für die Institution arbeiten und andererseits die einzige Informationsquelle sind, jedenfalls was die Zusammenschau angeht (man kann ja auch einzelne Interviews anfragen und der Vatikan ermutigt auch dazu). Eine alle Seiten zufrieden stellende Lösung dafür gibt es nicht. Vertraulichkeit wird gewünscht und irgendwie muss man sie schützen.

Also sitzen wir hier im Pressebalkon, hören zu und lesen mit, machen Notizen, gruppieren und ordnen Dinge, die irgendwie zusammen gehören, gewichten je nachdem, was oft oder nur selten genannt wird, und versuchen so gut wir können zu berichten.

 

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14 Kommentare zu Der Pressebalkon

  1. Carmen Fink sagt:

    Danke!

  2. Micaela Riepe sagt:

    Ich fühle mich gut informiert durch verschiedene Blogs. Wie gesagt, mir gefällt die Methode der vertraulichen Debatte wirklich gut und unabhängig von den unterschiedlichen Schwerpunkten bei den Erebnissen der Kleingruppen spüre ich eine Lebendigkeit, ob ich die Positionen nun teile oder nicht.

    Was da wieder im Netz kursiert, ist Kinderkram: jetzt haben wir´s dem Papa wieder mal gegeben. Wer´s braucht … .:-)

  3. JLTD sagt:

    Danke, Pater!

  4. Angelika Oetken sagt:

    Was Herr Koch anführt, wirkt sehr bodenständig http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=2928&cHash=5b8961f7a51bbd54369dd03214eefd46 Sieht so aus, als könne er eine Bereicherung für Berlin sein und sich hier wohl genug fühlen, um eine gute Arbeit zu machen. Gerade in Berlin gibt es eine Menge aufzuarbeiten.

  5. chrisma sagt:

    Danke für die Berichterstattung Pater Hagenkord. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben bei Radio Vatikan. Sachlich, informativ genauso wie ich es mag. Abtpräses Schröder OSB ist eine wunderbare Ergänzung. @ Micaela Riepe danke für den link. So habe ich also alles was ich benötige um der Synode zu folgen.

  6. Pingback: Från synodens pressläktare | Signum

  7. Micaela Riepe sagt:

    Wer veröffentlicht was? Das ist hier wirklich die Frage!

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/bischofssynode-manipuliert

    katholisch.de berichtet, ein vertauliche Schreiben an Franziskus, unterzeichnet von dreizehn Kardinälen, sei heute auf L´Éxpresso online im vollen Wortlaut veröffentlicht worden. Auf diesen Brief hat wohl Franziskus am Dienstag morgen geantwortet in seiner spontanen Rede.

    In diesem Schreben geht es um Vieles, vor Allem aber um die Kritik an der neuen Debatteb-Kultur der Synode. Diese sei bewusst gewählt worden, um „um vorherbestimmte Ergebnisse in wichtigen kontroversen Fragen zu erleichtern“.

    Um diese Farce auf die Spitze zu treiben, „dementierten der Mailänder Kardinal Angelo Scola und sein Pariser Amtskollege Andre Vingt-Trois, unter den Unterzeichnern zu sein.“

    Wer hat dieses vertrauliche Schreiben an die Presse gegeben? Wer auch immer und in wessen Interesse, ich bin davon überzeugt, solche Störmanöver haben, sie sind einfach nur erbärmlich und zeugen von einer hohen Bereitschaft zur Illoyalität..

  8. Micaela Riepe sagt:

    Nein, Chrisma, hierzu ist noch lange nicht Alles gesagt.

    Ich hätte nicht erwartet, dass die Veröffentlichung des vertraulichen Briefes durch Sandro Magister solche Konsequenzen seitens der Verfasser hat, wobei diese Gruppe ja zahlenmäßig immer kleiner wird.

    Der Gipfel besteht sicher in Kardinal Müllers Aussage, diese Veröffentlichung sei ein neues Vatileaks – ein erbärmlicher Versuch, davon abzulenken, dass nur ein mit der Richtung des Schreibens Einverstandener dies an Magister hat weiterleiten können, ansonsten müsste man schon ein Vertreter der „konspirativen Hermeneutik“ sein, um das den „Liberalen“ unter zu schieben, die in dem so erzeugten Durcheinander ihre Positionen besser durchbringen könnten -, und er würde Nichts dazu sagen, ob er nun unterschrieben habe oder nicht. Gleichzeitig qualifiziert er sich wieder einmal als „ersten Mitarbeiter des Papstes“.

    Außerdem wird nun so getan, als sei zwar ein Brief gechrieben worden, doch so, wie er in der Presse zu lesen sei, ist sei der Inhalt nicht korrekt dargestellt. Und, um das Verwirrspiel noch bunter zu machen, sagt Kardinal Napier, er habe zwar einen Brief an Franziskus unterschrieben, doch nicht diesen.

    Es fällt mir sehr schwer, angesichts eines solchen Verhaltens nicht tiefer in die Seelenverfassung derer hinabzusteigen, die dieses an den Tag legen. Da lasse ich lieber den Papst von Ängsten und vor Allem von Obsessionen reden.

    Jedenfalls bin ich froh, vom Abtpräses zu lesen, in der Aula vom habe niemand über den Brief gesprochen. Das ist ein gutes Zeichen.

    • chrisma sagt:

      Liebe Micaela, klar rege ich mich hier zu Hause auch laut und vernehmlich auf. Bei einigen Kardinälen die darin verwickelt sind, ist wieder mal „Das Werk am Werk“ Zu Kardinal Müller teile ich Ihren Unmut. Aber Papst Franziskus hat in seiner Predigt klar gesagt: „Gott verlässt die Gerechten nicht, während jene, die Böses aussäen, wie Unbekannte sind, deren Namen im Himmel nicht erinnert werden.“ Mir ist die Dimension der Predigt erst nach dem unseligen Brief richtig klar geworden. Ich kann auf Erinnerungen zurückgreifen. Die Lateinamerikanische Bischofskonferenz CELAM stand lange Jahre unter dem Einfluss von konservativen Bischöfen (vielfach Opus Dei). Es entstand dann aber nach einer langen Zeit der Dunkelheit das wunderbare Apericda 2007, das unser Papst uns mit nach Europa gebracht hat. Ohne wenn und aber ist es das Pastoral der Zukunft. Es entstand unter Leitung und Anleitung von Kardinal Bergolio, der dort federführend war. Die Arbeitsweise bei der Synode ist vergleichbar. Am Ende wird der Beginn eines neuen Weges stehen. Also ich greife den Gedanken nochmal auf: da ist Bewegung drin. Folgen wir denen die mit uns die Kirche lebendig halten und „die gute Nachricht“ im Sinne Jesu mit uns leben wollen. Für die Anderen bete ich und verweigere ihnen die Gefolgschaft…..

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