Der Tiger im Busch

Wir waren mal Jäger. Also nicht wir persönlich, sondern als Mensch. Wir haben gejagt, um uns ernähren zu können. Und das war gefährlich, denn andere meist vierbeinige Wesen sind auf dieselbe Idee gekommen. Da wir aber schwächer und langsamer sind als die meisten anderen Jäger, haben wir uns anders angepasst, durch Werkzeuge etwa. Was uns geblieben ist, sind die Fähigkeiten, Gefahren schnell zu erkennen. War ja auch lebensnotwendig.

Ein Geräusch im Gebüsch? Könnte ein Tiger sein oder sowas, also schnell weg. So in etwa. Damit das auch wirklich funktioniert und wir den Hinweis aus dem eigenen Körper vielleicht wegen großen Hungers ignorieren, haben wir uns einen Trick einfallen lassen. Gefahren werden schlicht vergrößert wahrgenommen. Das soll sicherstellen, dass wir wenn wir mal abgelenkt sind die Gefahrensignale garantiert nicht ignorieren.

Früher hat man geglaubt, dass dafür ein Teil des Hirns zuständig sei, der „Mandelkern“ genannt wurde, heute weiß man, dass die Amygdala zumindest nicht alleine für Angst zuständig ist. Wir kommen dem ganzen also nur langsam auf die Spur. Andere Menschen, die sich mit der Frage der Bedeutung von Angst bei der Wahrnehmung befassen, nennen es einfach einen Instinkt, so etwa der Statistiker Hans Rosling.

Wie dem auch sei, wir reagieren stärker auf etwas, was uns Angst macht, als auf etwas, was potentiell positiv ist. Einfach weil das, wovor wir Angst haben, uns fressen könnte. Das führt aber dazu, dass wir Angstmachendes viel stärker wahrnehmen oder dessen Bedeutung und Rolle in der Welt viel stärker einordnen.

Ganze Zeitungskonzerne haben darauf ihre Verkaufsstrategie ausgerichtet, Hollywood fährt damit ganz gut und Politiker haben das nicht erst jetzt mit Trump entdeckt, das ist viel älter.

 

Gefährlich aber nicht wichtig

 

Dabei gilt es aber eine Regel zu beachten, die der schon zitierte Hans Rosling anbringt: Haie sind gefährlich, aber nicht wichtig. Soll heißen: wovor wir Angst haben ist tatsächlich nicht harmlos, umbringen tut uns aber nicht der Hai (auch wenn das viel Aufmerksamkeit in den Medien bekommt), sondern das Rauchen und der Autounfall. Oder die Erderwärmung. Oder der Krebs.

Der Tiger – um im Bild meiner Überschrift zu bleiben – lauert also woanders im Busch, als wir das vermuten. Und so die Angst bewusst geschürt wird, lenkt sie von wirklich drohenden Gefahren ab.

Warum ich das schreibe? Weil ich mich gerade durch jede Menge Beträge und Bücher zum Thema Hass und Internet bewege. Nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig, aber notwendig. Ein wichtiges Instrument der Kommunikation ist vergiftet, jedenfalls zum Teil, da muss man doch was tun können.

Viel Angst gibt es da, mir scheint das jedenfalls so zu sein und deswegen interessiert mich das Thema besonders. Ängste, so sagt der Soziologe Heinz Bude, lassen sich aber nicht überzeugen, dass sie unbegründet seien. Sie lassen sich nur „binden und zerstreuen“. Man muss sich also unterhalten und nicht weglaufen.

OK, manchmal ist ein Tiger eben ein Tiger, das kommt in unseren Breiten aber eher selten vor. Ein wenig mehr Ruhe und Gelassenheit würden schon helfen, den vielen falschen Tigern die Klauen zu ziehen.

 

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27 Kommentare zu Der Tiger im Busch

  1. Ro sagt:

    Den Tiger gibt es bei uns nicht mehr, dafür aber zahlreiche
    neu Gefahren (Statistiken helfen). Der Schaden der Menschen
    durch diese neuen Gefahren entsteht ist nicht seltener und
    auch nicht angenehmer wie Schäden zu Tigerzeiten. Aber das
    kann man natürlich nur erkennen wenn man nicht weiterhin
    nur nach dem Tiger Ausschau hält.

    • Wrightflyer sagt:

      Ich bin 38 Jahre alt und habe mindestens das Doppelte wie durchschnittliche Gleichaltrige erlebt. Ich will meinen Lebenslauf hier nicht ausbreiten, aber das kann Ihnen jeder bestätigen der mich näher kennt.
      Uns eins kann ich Ihnen sagen: Natürlich ist ein gesundes Gefahrenbewusstsein wichtig um zu überleben. Aber eben ein GESUNDES Gefahrenbewusstsein. Wer sich ständig auf seine Ängste fixiert, auf das was vielleicht passieren könnte (und meistens fokussiert man sich auf das Falsche, sonst würden wir z.B. jetzt ins belgische Parlament in Brüssel einmarschieren und die Regierung zwingen diese Schrott-AKWs abzuschalten), der verpasst das Leben.
      Wichtig ist, seine Situation realistisch einzuschätzen. Und heutzutage heißt das auch: Wie geht es uns im Vergleich mit Menschen in anderen Ländern? Haben WIR wirklich Gund uns zu fürchten oder nicht eher die Menschen in Syrien, im Jemen, in der Ukraine?

      Ich habe ein Patenkind, nächstes Jahr soll noch eins dazukommen. Es wird manche schockieren daß ich meinen Patenkindern auch mal nicht so schöne und gelungene Erlebnisse wünsche, wenn auch nichts wirklich schlimmes wie Arbeitslosigkeit oder den Verlust von Körperteilen. Aber es ist schon so daß ich es den beiden wünsche daß sie auch Erlebnisse haben die ihnen innere Stärke verleihen und die Fähigkeit, mit Ängsten wirklich umzugehen statt sich von ihnen vor sich her treiben zu lassen. Kurz: Unabhängige und kritische Charaktere zu werden.

  2. Silvia Brückner sagt:

    Wenn nun aber staatliche Behörden vor zunehmender Terrorgefahr warnen, z.B. durch IS – Rückkehrer oder sogenannte „einsame Wölfe“, die sich selbst radikalisieren, so ist das eine reale Gefahr, die kein vernünftiger Mensch ignorieren darf und die man nicht herunterspielen sollte.

    Dass die vielen Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern und sonstige Events dieser festlichen Zeit daher besonderer Aufmerksamkeit seitens der staatlichen Sicherheitsdienste bedürfen, ist eine Tatsache. Trotzdem wird es keine hundertprozentige Sicherheit geben können.

    Dass wir bisher in Deutschland sehr großes Glück hatten, weil größere Anschläge verhindert werden konnten, sollte uns dankbar aber nicht sorglos oder leichtsinnig machen.

    Ich bete jeden Tag darum, dass wir weiterhin vor Terrorakten bewahrt bleiben.

    Die Gefahr als solche auch zu bennen, hat nichts mit Hass zu tun sondern mit gesundem Menschenverstand.

    • Wrightflyer sagt:

      Wissen Sie worum ich bete? Wollen Sie das wirklich wissen?

      Ich bete vor allem darum daß die verfluchten Kriege aufhören! Ich bete darum daß keine apathischen syrischen Kinder mehr aus Trümmern ausgegraben werden oder die Eltern ihre Kinder ganz beerdigen müssen! Ich bete darum daß der Jemen nicht auch noch zu einem Inferno wie Syrien wird! Ich bete darum daß der Irak nach so langen langen Jahren Krieg endlich wieder Frieden findet! Ich bete darum daß es Afghanistan gelingen möge an den Modernisierungsprozess der vor dem Einmarsch der Sowjets am Laufen war wieder anzuknüpfen! Für Basra und Fallujah kann man leider nichts mehr tun, aber ich bete darum daß anderen Städten das schlimme Schicksal erspart bleibt daß Neugeborene viel zu oft nicht lebensfähige Missgeburten sind weil die Mütter radioaktiven Staub aus dem Krieg einatmen! Ich bete für die Ukraine, denn auch dort herrscht Krieg und verlieren Menschen ihre Angehörigen und ihre wirtschaftliche Existenz! Eine ganze Pharmafirma verlagert sich schon hierher nach Deutschland aus sehr real begründeter Angst! Ich bete für die Kurden in der Türkei und die Homosexuellen un ethnische Minderheiten swie die Tschetschenen in Russland, denn in Diktaturen findet man IMMER das Muster daß nach außen Krieg und nach innen Hass auf Minderheiten geschürt wird!

      In all diesen Ländern leben auch Menschen, die haben bei weitem mehr Grund Angst zu haben als wir, und sie sind kein Stück weniger wichtig als wir!

      Und JA, ich gehe auf Weihnachtsmärkte und auf Jahrmärkte wie die Mess in meiner Heimatstadt ***!!
      Nur auf das Oktoberfest kriegen mich keine 10 Pferde, weil ich hochgradig allergisch gegen Dirndl und Lederhosen bin! Ehrlich, wenn ich schon in Wabngen im Allgäu nahezu Brechreiz bekommen habe, werde ich das Oktoberfest ganz sicher nicht durchhalten….

      Das heißt nicht das ich die schlechten Seiten des Islams nicht auch sehen würde.
      Aber ich will Ihnen mal etwas sagen: In Griechenland gibt es teilweise heute noch Blutrache. Und sehr viel Nachholbedarf in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Und Zwangsehen: Eine Bekannte meiner Mutter hat von einem griechischen(!) Mädchen erfahren das zwangsverheiratet werden sollte. Aber wenn Sie sich richtig erinnern habe ich mich im Nachbarblog schon vehement gegen das Aushungern Griechenlands unter Schäubles Spardiktat gewandt! Denn zu einem ganzen Volk unmenschlich sein darf nicht die Antwort auf das Böse einzelner sein.

    • KRP sagt:

      Liebe Silvia Sie können und mögen gerne beten vor jeglicher Gefahr von Terror aber wenn dann auch für alle das alle verschont bleiben auch der Rest der ganzen Welt. Angst ist ein ganz Normaler Prozess der den Menschen mitgegeben wurde um zu Überleben früher wie heute, jedem Menschen egal ob auf dem Weihnachtsmarkt oder in Syrien. P. Hagenkord schreibt sehr gut was ihn beschäftigt nämlich das es Menschen gibt die sich noch das Geschäft mit der Angst nicht entgehen lassen und noch schüren und dazu gehören auch Parteien.

  3. Roswitha Steffens sagt:

    Ich denke es ist ein Unterschied ob man die Gefahr beim Namen nennt und wie dann damit umgegangen wird. Wenn man davon ausgeht, dass gesunder Menschenverstand und Vernunft irgendwie zusammen gehören, dann sollte jeder Mensch in der Lage sein mit derartigen Informationen entsprechend umzugehen und sie nicht dazu nutzen, eigene Ängste die daraus entstehen so zu verbreiten, dass eine allgemeine Panik ausbricht oder ein Hass daraus erwächst, der sich dann gegen Menschengruppen richtet, die man vermeintlich als Terroristen pauschaliert. Es ist nicht hilfreich mit der Angst seiner Mitmenschen zu spielen, um, vielleicht aus gutem Willen heraus, einen Konsens im Umgang damit zu finden. Dahingegen sollten Ängste von jedem selbst so ernst genommen werden, dass sie mit oder ohne fremde Hilfe überwunden werden können. Wir sind gut beraten dafür unsere Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen und sie nicht einzusetzen, um Ängste zu schühren oder hochzuspielen, wo sie vielleicht noch auf kleiner Sparflamme kochen und überwunden werden können.

    • Wrightflyer sagt:

      Umso wichtiger ist, den evolutionsbiologischen Wurzeln der Antgst auf den Grund zu gehen!

      Sehen Sie: Die häufigsten Quallen in der Ostsee sind ganz simple Ohrenquallen. Die völlig harmlos sind. Theoretisch weiß ich das. Aber 5 Jahre im Norden haben aus meiner früheren Abneigung gegen Quallen eine saftige Phobie gemacht. Trotz aller Logik und Vernunft werde ich ganz sicher nicht mehr freiwillig in der Ostsee baden.
      (Abgesehen davon daß sie ein Symptom für den alarmierenden Zustand unserer Meere sind: Es gibt nicht mehr genug Fische um die Glibberviecher alle zu futtern).

  4. Wrightflyer sagt:

    Ein sehr guter Text, Herr Hagenkord! Sie sprechen da etwas sehr wichtiges an!
    Die evolutionsbiologischen Mechanismen der Angst zu verstehen ist heute wichtiger denn je. Diese sind schon sehr wichtig, ohne ein gesundes Gefahrenbewusstsein leben wir nicht lange. Aber Angst kann auch lähmen und zu völlig falschen Handlumngen und zu einem völlig falschen Fokus verführen.
    Sie sprechen schon das richtige an: Wir machen uns vorzugsweise wegen den Dingen Sorgen die in den Medien aufgebauscht werden. Nicht aber vor manchen Dingen vor denen wir zu Recht Angst haben sollten, z.B. vor belgischen Atomreaktoren mit tausenden Rissen im Druckbehälter.

    Manche Ängste muss man auch einfach verdrängen um leben zu können wo man gerade lebt. Das geht den Belgiern so mit ihren Schrott-AKWs, das geht aber auch den Leuten etwas weiter südlich von Ihnen so, in Neapel.

    Leider führt Angst auch zu Hass. Und dazu, die Not der anderen nicht mehr zu sehen.
    Dieser Hass richtet sich dann vorzugsweise gegen diejenigen denen es weniger gut geht als einem selbst, denn diejenigen könnten einem ja etwas wegnehmen.
    Aktuell bieten sich da natürlich Flüchtlinge an. Dabei ist die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge dankbar, friedlich und integrationswillig. Die Leute wollen ihre Ruhe, keinen Krieg mehr und einen Job.

    Bzw. es ist auch umgekehrt der Fall: Menschen mit einem sehr engen und egozentrischen Fokus sind nicht in der Lage, die eigene Lebenssituation realistisch mit der z.B. in Kriegsgebieten wie Syrien, dem Jemen oder der Ukraine zu vergleichen.

    Nennen wir es beim Namen:
    Sie sprechen auf die Ängst an daß hinter jedem Fremden aus südlichen Ländern ein Messerstecher oder Bombenleger oder Vergewaltiger steckt. NATÜRLICH haben gewisse Interessensgruppen ein lebhaftes Interesse daran diese Ängste zu schüren. Völlig verängstigt sind wir viel zu beschäftigt damit auf Flüchtlingen herumzuhacken und stellen keine Fragen WOHER all diese Waffen und vor allem die endlos viele Munition für die vielen Kriege heutzutage kommen. Oder warum immer mehr Leute Flaschen aus Mülleimer sammeln wenn doch die Konzerngewinne explodieren.

    Daß Märchenerzähler unterwegs sind habe ich erst vor einigen Wochen auf einem Spieleabend mitbekommen:
    Eine dort meinte daß ihre Arbeitskollegin nicht in meinen Heimatstadtteil **** ziehen will, weil die vielen Flüchtlinge die dort in den ehemaligen US-Kasernen einquartiert sind „die ganze Zeit gaffen“ würden. Ein sarkastischer Teil von mir sollte schon sagen: Das ist wohl eher ein Wunschtraum… Aber Tatsache ist: Wann immer ich dieses Jahr daheim war habe ich NICHTS!!! von Gaffen oder sonst einer Belästigung Einheimischer erlebt. Und das sind dort immerhin Erstaufnahmeeinricghtungen, also Durchgangslager.

    Insgesamt betrachte ich den Islam mit seinem Frauenbild und seinem allgemeinen Reformstau schon kritisch.
    Aber momentan sind die islamischen Länder mit den ganzen Kriegen oder Erdogans neuer Diktatur in der Türkei (Edzard Reuter der als Sozialdemokrat in die Türkei geflüchtet ist und bislang immer mit der Türkei verbunden war findet die Situation dort heute mit den Anfangsjahren der Nazizeit vergleichbar) in einer Situation wo die Menschen dort vor allem unsere Hilfe und unsere Solidarität brauchen, nicht unseren Hass, unsere Angst, unsere Gleichgültigkeit.

  5. Andreas sagt:

    Dass Angst und Furcht etwas Verschiedenes sind, scheint hier niemandem bekannt zu sein. Die Jäger dürften sich oft gefürchtet haben, hatten aber keine Angst. Denn sonst wären sie keine Jäger gewesen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Lieber Andreas, das ist richtig, aber dann auch wieder nicht. Wenn ich „Angst“ tatsächlich in psychologischer Hinsicht nutze, mag das stimmen. Aber im Englischen zum Beispiel gibt es die Unterscheidung nicht, da gibt es nur „fear“. Die Psychoanalyse hat dann bewirkt, dass das Wort „Angst“ auch als Lehnwort ins Englische eingeführt wird. Was ist sagen will: ich benutzte „Angst“ hier nicht existenziell, tiefenpsychologisch, sondern in dem Sinn, dass „Angst haben“ und „sich fürchten“ denselben physiologischen Prozess beschreiben.

      • Konstantin sagt:

        P. Hagenkord / 4. Dez. / 7:11
        Sie machen sich es etwas einfach, und berufen sich, wie so viele auf das „Englische“. Und dem wird der Unterschied zwischen Angst und Furcht nicht gerecht. Auch ist es zu „kurz gedacht“, dass es „denselben physiologischen Prozess“ beschreibt. Sie differenzieren, was ich sonst an ihnen schätze, zu ungenau! Die Physiologie unterscheidet sehr wohl Angst und Furcht im Sinne von „normal“ und pathologisch. Also einer Abweichung vom „normalen“.

        • Konstantin sagt:

          Nachtrag
          Machen sie in ihrer Arbeit eigentlich Erfahrungen mit Menschen, die
          „denselben physiologischen Prozess“ durchmachen müssen? Hier ist, ohne sie zu kompromittieren, Kernkompetenz gefragt! Ich mache Tag für Tag solche Erfahrungen!!!! Und wenn sie schon das „Englische“ bemühen, könnten sie doch bei Heaven und Sky anfangen. Da besteht wirklich -backlock.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Herzlichen Dank für diese Richtigstellung. Sie haben natürlich recht, wenn Sie „normal“ und „pathologisch“ unterscheiden, wobei wir da wohl in eine Debatte geraten, zu der mindestens ich nicht qualifiziert bin. Lassen Sie es mich deswegen etwas anders sagen: ohne in die „pathologische“ Variante einzutreten meine ich trotzdem, dass im allgemeinen Sprachgebrauch mit den beiden Worten dasselbe beschrieben wird.

          • Konstantin sagt:

            Das tragische an der allgemeinen Auffassung und an ihrem Kommentar ist, dass dieser „allgemeine Sprachgebrauch“ zur normalität geworden ist. Es geht mir nicht um pathologisch oder nicht. Es geht darum, dass es hier um zwei völlig diametrale „Sachverhalte“ geht, die wie sie sagen „dasselbe beschreiben“. Das tut es eben nicht! Andere Beispiele sind z.B.: Stress und Depression. „Alle reden von Stress, auch wenn es sich „nur“ um einen temporären Zustand handelt. Stress aber beschreibt einen über längeren Zeitraum, konstanten Zustand, der zur gesundheitlichen Belastung wird. Ganz zu schweigen von dem inflationär gebrauchten Wort der Depression. Nicht jede kurzzeitige physische/psychische Erschöpfung ist gleich eine Depression. Alle reden und schreiben aber davon dies in den „allgemeinen Sprachgebrauch“ übergegangen ist. Parallelen gibt es auch im religiösen Bereich. Der unreflexierteste ist: „Wir g l a u b e n doch alle an den selben Gott“. Ich kann mir diesen Ausspruch nicht zu eigen machen, obwohl auch diese Aussage einzug gehalten hat in unseren allgemeinen Sprachgebrauch.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Mir scheint, dass das hier der Fall von Apfel und Birne ist. Stress und Depression ist kein Beispiel für dieselbe Spannung zwischen zwei Begriffen. Das ist etwas anderes. Und Sie haben Recht, wenn ich über „deprimiert“ und „Depression“ spreche, dann muss ich vorsichtig sein mit dem normalen Sprachgebrauch, weil das Krankheitsbild der Depression sozial und moralisch – leider – aufgeladen ist.
            Trotzdem bleibe ich dabei, dass es möglich sein muss, im Allgemeinen zu sprechen, ohne Fachsprache zu bemühen. Ich halte auch Angst und Furcht nicht für „zwei diametarle Sachverhalte“, sondern mindestens ziemlich verwandt.

        • Roswitha Steffens sagt:

          Wer beurteilt die Begriffe „krankhaft“ und „normal“? Für mich ist normal, wer sich menschlich so benimmt, wie es ihm in die Wiege gelegt wird. Dazu stehen jedem menschlichen Wesen Eigenschaften zur Verfügung, an denen es sich orientieren kann. Wer sich um diese Eigenschaften bemüht, um sie als Person verantwortlich mit zu tragen, der ist für mich normal. Menschen, die sich den menschlichen Eigenschaften widersetzen und sich damit ihrer Verantwortung entziehen, die schwächen das ganze Wesen, durch ihren Egoismus.

          Vor nun sechs Jahren war ich überzeugt, ich wäre Jesus, weil mir ein Gedankengut zur Verfügung steht, das ich mir nicht selbst angeeignet habe, das ich nichts desto trotz jedoch nutzen kann. Leider brauchte ich Zeit, um dieses Gedankengut so zu sortieren und aufzuarbeiten, dass ich es in meine Sprache fassen kann. Ich landete mit Blaulicht und Sirenen für drei Wochen in der stationären Aufnahmestation einer Psychiatrie. Wenn man nun davon ausgeht, dass jeder Mensch Teil dessen sein sollte, was durch Jesus im Vordergrund steht, dann erscheint mir diese „Momentaufnahme“, die als Psychose bezeichnet wird, nicht unbedingt als unnormal. Vielleicht war es nur eine Hürde in meinem Leben, die ich hinter mich bringen musste, um mich nicht nur als Mensch zu fühlen, sondern auch wirklich einer zu sein. Ich brauchte sechs Jahre, um aus mir wieder einen gesunden Menschen zu machen, der sich selbst als das anerkennt was er ist und damit den gesunden Menschenverstand manchmal so herausfordert, dass er individuell oft an seine Grenzen gerät, mir Dank „Wiki“ dennoch Antworten auf meine unzähligen Fragen anbieten kann. Die Entscheidung für richtig oder uninteressant trifft dabei mein Gewissen, an das ich persönlich Menschlichkeit als Maßstab anlege. Im Vergleich dazu finde ich es „pathologisch“ sich nicht am gesunden Menschenverstand auszurichten, um damit der Seele der Menschheit die Kraft zu geben, die sie unbedingt braucht, um Zeit für sich zu nutzen und damit das Leben, das daraus resultiert menschenwürdig zu gestalten.

          Ich hatte Angst, als ich abgeholt wurde, weil mit mir umgegangen wurde als wäre ich kein Mensch sondern ein Objekt! Es ging also um meine Existenz als Mensch! Jeder Moment aus dieser extremen Situation war für mich eine Mauer, die ich mühsam abtragen musste, um festzustellen, dass nicht alle Menschen sich für eine Menschheit einsetzen der sie jedoch ganz egoistisch ihr Wesen entziehen indem sie sich selbst als Menschen bezeichnen und dafür nur einen ganz geringen Beitrag leisten. Ohne meinen Glauben an Gott und die menschliche Einheit, die mir die nötige Kraft verlieh, hätte ich mein Leben nicht mehr erhalten können, denn es wäre in die Hände von Menschen gefallen, die sich „pathologisch“ um mich gekümmert haben, um mir damit die Würde der Selbstbestimmung abzusprechen, die nur als menschliche Einheit vor Gott treten kann, um ihr Leben durch seine Kraft zu erwirken. Aus dieser Erfahrung heraus und dank der Erlebnisse, die mein Leben bisher mit sich brachte, sehe ich Angst als die Hürde der Menschheit, um die sie sich so bemühen muss, als läge sie in den Händen ihrer Kinder. Die eigene Liebe den Kindern zu schenken, die dafür ihr Leben mit uns teilen, das denke ich lässt uns die Angst überwinden, die viele Mitmenschen daran hindert die Wahrheit so auszusprechen wie sie ist, statt sie so hinzudrehen, wie man sie gerade braucht.

          • Amica sagt:

            Interessant was Sie schreiben, liebe Frau Steffens. Ich hab mal eine Dokumentation gesehen die behandelte das sog. „Jerusalem-Syndom“. Es gibt anscheinend gar nicht so wenige Menschen, die glauben, Jesus oder Maria zu sein – zumindest zeitweise. Beim „Jerusalem-Syndrom“ werden diese Vorstellungen durch den Besuch in Jerusalem ausgelöst. Irgendetwas macht der Besuch dieser Stadt mit diesen Leuten. Vielleicht sind das extrem feinfühlige Menschen, die ein besonderes Gespür für Zwischenwelten oder eine Art Metaebene besitzen – also, das ist meine These… der Film konstatierte das nicht.
            Ich denke, dass psychisch labile Menschen sowieso mehr begriffen haben als diese so sehr gefestigten Personen für die Sensibilität manchmal ein Fremdwort ist.
            Was ist mit den Mystikern? Würden wir die heute alle in die Psychatrie stecken? Kann schon sein – aus Ignoranz wohl.

          • Konstantin sagt:

            „Radikalität der Sprache gehört zur Realität“. Diesen Ausspruch mache ich mir zu eigen, auch wenn er (leider) von mir stammt. Ihren ersten Absatz kann man wohlwollend zu kenntnis nehmen. Die Frage: „Wer beurteilt……“ beantworten sie im rest ihres Kommentars.Nichts für ungut!

            MfG

          • Konstantin sagt:

            Vorbemerkung
            Es muss heissen: Diesen Ausspruch mache ich mir zu eigen, auch wenn es (leider) n i c h t von mir stammt.

          • Roswitha Steffens sagt:

            @ Konstantin, natürlich beantworte ich die Frage im ersten Absatz selbst, doch das bedeutet doch nicht, dass diese Antwort alle Mitmenschen zufrieden stellen kann. Genau darum geht es aber im Leben, die Zufriedenheit zu finden, die man durch die Antworten auf seine eigenen Fragen erhalten kann, indem man diese Fragen mit seinen Mitmenschen teilt und darauf gemeinsame Antworten sucht. Dass die Interessen der Menschen auseinander gehen, das hat seinen Sinn und sollte nicht als Defizit gewertet werden.

  6. KRP sagt:

    Neu ist das Geschäft mit der Angst ja nicht auch in früheren Zeiten gab es Institutionen die sich die Angst zu Nutzen machten. Wenn man um der Ängste willen alles meiden wollte dann müsste man sich in Watte packen.

  7. Carmen Fink sagt:

    Ich frage mich warum die die Angst zum Tagesgeschäft gemacht haben bei so vielen Menschen verfängt.
    Der „gesunde“ Menschenverstand müsste doch ein guter Ratgeber sein wie jetzt in Österreich zu erleben war.

    Mir macht Botnet ( https://de.wikipedia.org/wiki/Botnet) große Sorgen, wenn kaum noch jemand Wahrheit oder Lüge (Fake) erkennen kann.
    Ich frage mich wohin unsere Gesellschaften gehen. Es ist eine bedrückende Zeit.

  8. @lieber Pater Hagenkord, noch in einer gewissen „Schockstarre“ verhaftet,können Sie uns Nordlichtern etwas helfen, diese Abstimmung etwas besser einzuordnen:

    Wurde Renzi abgestraft, weil er-vereinfacht- den SPD Schröder- auf italienisch gegeben hat?

    immerhin ist seine Partei ja aus der KPI entstanden…- ich selbst erinnere mich noch gut in diesem Kontext an 2 bedeutende Staatsmänner: Enrico Berlinguer(KPI), ein Visionär auf den Spuren Gorbatschows,
    und Aldo Moro(Democrazia Christiana) ein persönlicher Freund von Paul VI-

    diese beiden wollten ja damals schon Italien wieder „regierbar“ machen mit ihrem „historischen Kompromiss)Italien erneuern und hatten auch soweit beide Parteien eigentlich hinter sich..

    das ganze Projekt wurde ja bekanntlich durch die „italienische RAF“ mit diesem brutalen Mord an Moro jäh beendet ,ehe es losgehen sollte..

    die Lega Nord und-inzwischen wohl auch- die Berlusconi Partei gehören ja offensichtlich auch zu den „klassischen“ Rechtsausen – Parteien..

    aber diese sog.5 Sterne „Bewegung“ mit diesem offensichtlich demagogischen eigentümlichen „Schreihals“ Grillo(?) – was ist das??

    und schließlich: Sind 60% der – doch eigentlich freiheitsliebenden -Italiener wirklich so leicht verführbar??

    Sie merken, ich versuche zu verstehen aber.. vielleicht können Sie-falls sie wollen- „uns“ helfen das besser nachzuvollziehen-
    offensichtlich ist das in Italien noch mal ganz anders wie mit der AFD bzw. FPÖ
    Vielen Dank

  9. Michael Ellwanger sagt:

    Das Opfer hört den Tiger erst kommen, wenn es bereits tot ist (Nackenbiss). Für Angst, Umkehr und Flucht ist da keine Gelegenheit. Nach dem Grundsatz: „Meneaters die“ (ohne Rücksicht auf Artenschutz) gibt es dann eine Tigerjagd. Die (Jesuiten-)missionare bleiben im Dorf bei den Weibern und Kindern. Und wenn der Tiger dann ins Dorf eindringt, erstarren alle vor Schreck und Entsetzen.

  10. Roswitha Steffens sagt:

    Gefühle wiegen in eine Sicherheit, die es in dieser Form nicht gibt. Die Sicherheit erfüllt sich erst in der Menschlichkeit, die Gottes Kraft erwirkt weil sie seinem Willen entspricht. Damit will ich sagen, der Tod kann nur durch das ewige Leben endgültig überwunden werden, um damit die Menschheit vor sich selbst zu retten, indem sie sich mit ihrer Endgültigkeit selbst konfrontiert. Durch gesunden Menschenverstand wird das Leben über alle Zeiten hinaus getragen, um sich dem Lebensraum zu erschließen, der sich auch für die Menschheit daraus ergibt.

    Das Opfer hört den Tiger deshalb nicht kommen, weil es damit den Erhalt der Natur erwirkt, die das Überleben all ihrer Mitglieder sichert. Vernunft ist die Garantie für das, was menschlicher Lebensraum erfordert, denn die universelle Einheit schließt Endgültigkeit aus, weil sie von Zeit lebt. Wir Menschen sollten uns der Einzigartigkeit unserer Lebensbedingung so annehmen, dass wir darin aus Menschlichkeit entdecken, was wir aus Zeit für unser Leben erhalten, um damit Lebensräume verantwortlich mit zu gestalten. Aus der Entdeckung der eigenen Person zu sprechen, das erfordert höchste Disziplin, manchmal auch Selbstironie und Gelassenheit aber vor allem eine unbedingte Nachhaltigkeit. Gott ist ein Wort für alle Zeiten, um darin das zu reflektieren, was sich aus dem Gedächtnis an ihn ergibt. Glaube ist dabei die Resonanz, die das erfordert, was sich in jede Person als eigene Sache erschließt. Im Glauben steckt die Freiheit, die sich im Willen ausspricht, um die nötige Energie zu erhalten. Das Gewissen ist die Instanz, die sich durch Weisheit ergibt und sich in Vernunft einem Bewusstsein erschließt, das der Sprache und ihrem Fortschritt dient. Würde ist Gott eigen, der sie in die Menschheit trägt, die sich dem Bewusstsein daraus erschließt.

    Was wir wirklich brauchen ist das Vertrauen, das wir in uns selbst setzen, um damit die Menschlichkeit selbst zu verantworten, die unserem Wesen vorgegeben ist, das sich dadurch seiner ganzen Tragweite bereits bewusst ist.

    Der Mensch hört den Tiger nicht, weil es sich Gott anvertraute! Gottvertrauen fördert das Leben in seiner ganzen Stärke, die es letztendlich nur durch Gott selbst erreichen kann. Die Grenze aller Wesen liegt dort, wo sie durch Gott in Frage gestellt wird. Jedes Wesen trägt so auf seine Art zum Erhalt der Lebensenergie bei, die sich alle Lebewesen miteinander teilen.

  11. Ro sagt:

    Die Tiger unserer Tage:

    http://www.bild.de/regional/berlin/mordversuch/werden-die-ueberwachungs-bilder-veroeffentlicht-49483624.bild.html

    Diejenigen die den Tiger nicht fürchteten, wurden gefressen.
    Diese Selektion hat vermutlich die Ängste in uns wach gehalten.

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