Der Unzufriedene

Wenn man Papst Franziskus etwas nicht vorwerfen kann, dann ist es, dass er es Allen recht machen will. Er ist kein Populist. Deswegen gibt es auch immer wieder Unzufriedene, die etwa vertrauliche Dokumente an Journalisten weitergeben oder die anonym offene Briefe schreiben. Wie jetzt.

Im Focus ist ein Brief eines solchen Menschen veröffentlicht. Er bezeichnet sich als ehemaligen Mitarbeiter im Vatikan, was man aber natürlich nicht nachprüfen kann, weil der Text anonym bleibt. Aber glauben wir das mal einfach, zumindest für die Dauer dieses Textes.

In diesem Brief sammelt sich alles, was inner-kurial immer wieder an Kritik geäußert wurde und wird. Interessant ist, dass es eben nicht die in deutschsprachigen Ländern beliebte kirchenpolitische Schubladisierung ist, mit der man die Vorwürfe greifen kann.

Kritik an Päpsten ist normal, das haben wir immer gehabt und werden wir auch immer haben, da muss man kein Prophet sein. Nun sind diese Vorwürfe aber sehr persönlich: Eitelkeit, Anti-Intellektualität, zu emotional. Er würde zum Beispiel seinen einfachen Lebensstil übertrieben zur Schau stellen. Dagegen kann man einwenden, dass ein Blick in die Bibel reicht, um zu verstehen, was der Papst will. Es geht ihm nicht um ihn selber, deswegen gehen die Vorwürfe hier ins Leere, es geht ihm darum, dass der Verkünder glaubwürdig ist. Dass die Verkünder keinen Widerspruch zwischen sich und der Botschaft, zwischen sich und Jesus entstehen lassen, etwa durch Lebensstil. Dazu braucht es immer Mal wieder Impulse, wir Menschen und die menschlichen Institutionen zumal neigen nun einmal dazu, bequem zu werden und es sich einzurichten. Wobei Impuls ein eher schwaches Wort ist für das, was der Papst macht, er rüttelt vielmehr. Das ist keine Zurschaustellung.

 

Der Papst und sein Stil

 

Der nächste Vorwurf: Der Papst respektiere nicht, was im Vatikan alles an Wissen und Erfahrung in den Prozeduren und Verfahren gespeichert sei, autoritär setze er sich über die bisher geübte Praxis hinweg. Nun hat die Kurie ja nur einen einzigen Sinn: Das Ausüben des Petrusdienstes zu ermöglichen. Wenn es das Papstamt nicht gäbe, gäbe es auch keinen Vatikan, die Kurie ist nicht das Koordinations- und Leitungsgremium der Kirche, sondern Ausführungsorgan des Papstamtes.

Natürlich bringt jeder Papst seinen eigenen Stil mit, und Papst Franziskus hat uns alle mit seinen spontanen Aktionen überrascht. Natürlich erzeugt das Unruhe, Kirchenreform ist super, außer man ist selber der zu Reformierende, sozusagen. Der Schluss – und den sehe ich bei sehr, sehr vielen Mitarbeitern in der Kurie – ist dann aber der, dass man sich dem Papst anpasst. Nicht umgekehrt. Das ist kein Papismus, sondern liegt in der Natur der Sache.

Das Papstamt liegt zwischen zwei Dynamiken: zum einen ist jeder Papst nicht „Nachfolger des Papstes XY“ sondern „Nachfolger des Apostels Petrus“. Das heißt, dass jeder Papst „sein“ Papstamt selber ausformulieren muss, er setzt nicht einfach das Amt seines Vorgängers fort. Andererseits ist der Papst gebunden, durch Schrift und Tradition, er ist nicht Herr, sondern Diener der Kirche. Ein Blick in die Geschichte zeigt uns aber, dass die Form der Kirche, wie wir sie heute kennen, gar nicht so alt ist. Wenn also dieser Papst eine Neuausrichtung in Angriff nimmt, hin auf eine Kirche für die Zukunft, dann tut er das in Ausübung seines Amtes, nicht in Missachtung. Noch einmal, das ist kein Popismus, das liegt in der Natur der Sache.

Dritte Baustelle: Der Papst erwecke falsche Erwartungen. Da könne man schon mal glauben, die Lehre stimme so nicht mehr und müsse an Zeitgeist oder Mehrheit oder beides angepasst werden. Damit sind wohl Sätze wie „Wer bin ich zu richten“ gemeint, den der Papst über Homosexualität gesagt hat. Oder der Besuch in der lutherischen Gemeinde und die Frage des Kommunionempfangs für Ehepaare verschiedener Konfessionen. Da sind wirklich vor allem medial Erwartungshaltungen hochgeschaukelt worden, das stimmt. Aber das ist nicht der Papst selber. Dass respektvolles Sprechen und Zeichen von Ernstnehmen von Gewissen überhaupt so viel Aufsehen erregen, sollte uns als Kirche zu denken geben. Offensichtlich ist das so neu und überraschend, dass es als Sensation wahrgenommen wird. Offensichtlich erwartet man so etwas gar nicht (mehr) von der Kirche. Das ist schlimm.

Damit werden Lehre und Disziplin der Kirche aber nicht irgendwie und irgendwem angepasst. Sondern damit wird die für unsere Zeit richtige Sprache gesucht.

 

Der Papst ist kein Funktionär

 

Ja, manche Dinge laufen nicht glatt, auch bei Papst Franziskus nicht, die berühmten Karnickel nennt der anonyme Schreiber, man könnte auch die Ohrfeigen- Diskussion hinzu fügen. Papst Franziskus hat seinen Stil und eine Persönlichkeit. Er ist kein Funktionär der Struktur, und genau deswegen hat man ihn auch gewählt, jedenfalls war das mein Eindruck vor und vor allem nach dem Konklave.

Letzter Punkt meiner kleinen Liste aus dem Brief: Der Papst kritisiere einen Klerikalismus, den es so gar nicht gebe. Das mag sein, ich kenne sehr viele Priester, die überhaupt nicht klerikal agieren. Aber wenn man sich mal länger mit Gläubigen unterhält – außerhalb des Vatikan, meine ich – dann bekommt man schnell den Eindruck, dass da was zwischen Klerus und Volk nicht stimmt. Da mögen Vorurteile dabei sein, ich habe auf meinen Reisen aber schon Formen des Standesdenkens gesehen, die mir zu Denken geben, und Klerikalismus ist ja eine Form solchen Standesdenkens, vermischt mit vermeintlich geistlichen Überzeugungen. Und für uns andere – Kleriker wie Nichtkleriker – gilt die geistliche Lehre, dass es Versuchungen gibt. Und Versuchungen muss man nennen, wenn man sie versteckt, werden sie stärker, das lehrt die geistliche Tradition. Und genau das macht der Papst auch. Also, manch einer mag sich getroffen und missverstanden fühlen von den starken Worten des Papstes. Ich lese aber gerade sämtliche Ansprachen noch einmal nach, die der Papst an Priester und Ordensleute gerichtet hat. Das Schwergewicht seiner Botschaft ist Ermutigung, nicht Kritik.

Es muss uns doch zuerst um die Botschaft und deswegen um die Glaubwürdigkeit der Boten gehen, möchte ich ein Argument von weiter oben noch mal aufgreifen. Da ist jede Form von Klerikalismus gefährlich, weil sich der ja um sich selber dreht und nicht um den Herrn.

Papst Franziskus hat seine eigene Weise des Handelns und des Agierens, das macht Unruhe und passt nicht in das System, ein System das wie wir nicht vergessen dürfen in den vergangenen Jahren nicht nur Glanzleistungen hervor gebracht hat. Wir hier brauchen die Reform. Und wir brauchen einen Papst, der es nicht Allen recht machen will. Auch uns nicht.

 

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18 Kommentare zu Der Unzufriedene

  1. Rosi Steffens sagt:

    Ich glaube Papst Franziskus ist ein sehr zeitnaher, revolutionärer Papst. Er spürt was andere Menschen, wie dieser anonyme Briefschreiber nicht nachvollziehen können. Im Grunde genommen ist es doch so, dass das Volk Gottes sich auf Gott beruft und der Mainstream von heute Gott nicht als solchen anerkennt, aus welchen Gründen auch immer. Gott ist für jeden Menschen die Herausforderung an sich selbst, denn welchen Sinn hätte dieses Wort, könnte es nicht mit dem Inhalt gefüllt werden, den die Zeit als transzendente Eigenschaft des Raumes bietet? Die scheinbar einfachste Lösung für den Menschen ist die, Gott zu ignorieren und auf die Menschen zu hören, denen man seinen Glauben schenkt und die zu ignorieren, denen man nicht vertraut, denn das fordert ein hohes Maß an Lebenszeit, ohne größeren Anstrengungen in den Anforderungen an das Menschsein ausgesetzt zu werden. Etwas schwieriger wird es dann schon, wenn man sich selbst hinterfragt, warum man den Ausführungen, Erkenntnissen oder auch Ergebnissen anderer Menschen Glauben schenkt und anderen wiederum nicht. Das menschenmögliche Maß an Glauben ist jedoch erst dann erreicht, wenn sich jeder an der Grenze wiederfindet, die ihm durch die Natur gesetzt wurde, nämlich sein Verstand, den er im Vertrauen auf Gott für sein Leben einsetzt, um durch Vernunft die persönlichen Zweifel und Ängste zu überwinden und damit das eigene Herz zu erreichen. Das führt einen automatisch zum Verständnis der von der Zeit geforderten Einsichten, die für den Menschen von tragender Bedeutung sind, um sich auch menschlich weiter entwickeln zu können.

    Gerade Papst Franziskus macht die Menschen auf die zeitlichen Inhalte aufmerksam, indem er ihnen z.B. in seiner Umweltenzyklika vorhält, wie sich ihr Menschsein auf die Umwelt aber auch auf die Mitmenschen auswirkt. Ich glaube er tut dies nicht im Bewusstsein für eine revolutionäre Entwicklung sondern er tut es einfach, weil er es tun kann. Ich kann Papst Franziskus verstehen, weil er Worte schreibt und spricht, die mir aus der Seele kommen, die uns ja allen gleich dient, um Vertrauen dort hervorzurufen, wo die Natur den Menschen beschränkt.

    Um nun noch einmal auf Gott zurückzukommen, dem wir ja hier in gewissem Sinne auch Rede und Antwort stehen, so muss ich mein Vertrauen in ihn setzen, um überhaupt einen Glauben aufbauen zu können, der die Zeit in mein Leben führt, die ich zwar als Mensch geistig nachvollziehen kann, der ich jedoch als Mensch nichts entgegenzusetzen habe, weil ich sie nicht selbst erlebt habe. Ich kann sie nur als gegeben annehmen und an meinem Verständnis für die in mich gelegten Dinge arbeiten, die in Sachverhalte führen, denen wir heute alle gleichermaßen ausgesetzt sind. Papst Franziskus hat die Gabe der Sprache und ein reines Gewissen, so kann er sich mir zumindest vermitteln, und diese beiden Dinge geben dem Menschen die Möglichkeit Mitmenschen auch anzusprechen, weil man als Person hinter seinen Äußerungen steht und Gott für das nachfolgende Leben das Vertrauen schenkt, das einen selbst auch stärken kann, wenn man die Reaktionen erfährt, die dem Papst entgegentreten. Jesus ist für mich der Beweis, dass Gottvertrauen die einzige Möglichkeit ist der Zeit den Widerstand entgegen zu setzen, den sie braucht, um das Gute im Menschen hervorzuholen.

    Um auf den Ausgangsbrief zurückzukommen, was können Menschen schon ausrichten, die sich auf sich selbst zurückwerfen und nicht ihre Person für eine Verbesserung im Leben einsetzen?

  2. Also FOCUS.SPIEGEL. BILD. diese Art von Journalismus ist nicht meins;
    meine „Heimatzeitung“ und tägliche Lektüre ist die SZ, manchmal auch FAZ und die ZEIT, wobei ich da wirkl. ein Zeit-Problem habe,weil ich langsam lese..
    die SZ mag ich 1.wg. Heribert Prantl. Ich schätze-nicht nur- seine Leitartikel sondern spüre bei ihm auch eine gewisse Fairness.
    Das mag daher rühren weil er eben auch im Glauben verortet ist und sich gerade für die „Schwachen“ positioniert. Freu mich schon wieder auf seine Weihnachtsmeditation am 24.12.
    auch beim Rom Korrespondenten wie bei der Kirchenredaktion. Kritisch -muss ein Journalist auch sein- aber für das Ganze einstehend!!

    es ist ein „Glücksfall“, dass sich mit Johannes XXIII beginnend der Petrusdienst eigentlich immer mehr innerlich „reinigt“
    JA, äußerlich ist der Vatikan immer noch so etwas wie eine absolutistische Monarchie; deswegen ja AUCH die „Nadelstiche“ mancher hohen Würdenträger ( allein dieser Begriff steht so im Widerspruch zu Jesus..)
    Weil das Zeugnis von Franziskus einfach für dieses Bemühen steht nämlich das Evangelium-ganz im Sinne seines Namensgebers-aufscheinen zu lassen..
    Klar manches könnte vielleicht zügiger vorangehen, aber er mag den Prozess des gemeinsamen Weges..
    Andererseits kenne ich keine Person im öffentlichen Raum, wo ich das Gefühl habe den Menschen wirklich „nahe“ zu sein und seine Lauterkeit global aber auch mit dem einzelnen zu teilen..
    aktuell in Nairobi: er tröstet und beruhigt die „Armen “ nicht so sehr,ABER er „IST“ einer von ihn. Und das ist revolutionär!!

    wenn Franziskus die Eucharistie feiert fällt mir immer wieder seine unbedingte innere „Versenkung“ auf; gleichzeitig empfinde ich es so, dass er auch darin nie vom LEBEN abgekoppelt ist..

    deswegen sind mir Begriffe wie die Messe lesen oder zelebrieren wesensfremd…

    ich bin dankbar ,das er uns „gesandt“ wurde und wünsche ihm das Beste!

  3. Josef Lunzer sagt:

    Sehr geschätzter Pater Hagenkord, ein großes Danke für ihre immer wieder unaufgeregten und sachlichen Informationen aus dem „inneren Kreis der Kirche“. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag dazu, in der verwirrenden Informationsflut die Spreu vom Weizen zu trennen.

  4. chrisma sagt:

    Ok Focus und dann anonym….. das sagt alles. Die Vorwürfe die da erhoben werden stehen auch genauso in den diversen Hardcore Portalen die sich „katholisch“ nennen. Kritik kann und darf erhoben werden, sie hat sachlich und unter Namensnennung zu erfolgen. Ansonsten ist es „Schmirantentum“.
    In meinen Augen – dies ist sicher persönlich – geht der Papst die Dinge so an wie ich es mir wünsche.
    PS Pater Hagenkord, Franziskus ist gerade in Afrika……und die Reden und Bilder die von dort kommen regen mich zum Denken an, erfüllen mich mit großer Freude. Was soll ich da noch mit anonymen Denunzianten……

    • Wenn ich Papst Franziskus mit seinen Kritikern vergleiche, dann scheint er mir auf einer ganz anderen Ebene unterwegs zu sein. Sie sind ihm nicht gewachsen und spüren das wohl auch; deswegen vielleicht auch die Aggressivität und unterdrückte Wut, die in vielen Beiträgen mitschwingt.

      Was mir dazu einfällt: Vielleicht irritiert sie vor allem sein unbefangener Umgang mit Sünde. Es ist ja bei ihm schon fast eine ständige Redensart, sich selbst als Sünder zu bezeichnen. Sünder sind auf Fürbitten und Barmherzigkeit angewiesen, sie machen Fehler und lernen daraus. Vergleichbares ist von seinen Kritikern nicht bekannt. Das macht die Überlegenheit von Papst Franziskus aus: Make a difference – systemtheoretisch gesprochen.

    • @Liebe Chrisma,
      noch kurzer Nachtrag Theologie der Befreiung:(Papst Franziskus)
      GOOGELN:BOFF KATHOLISCH DE
      1.ein Papst mitten im Volk (Interview)
      2.der Armut den Kampf angesagt(Vortrag)

      (bin technisch nicht so versiert, sonst hätte ich beide Links geliefert…)

      beides schon 2013 trotzdem Bemerkenswert!!
      gute Zeit

    • sorry, der VORTRAG: SCHREI DER ARMEN !!! auch BOFF KATHOLISCH DE

  5. Helmut Meier sagt:

    Es ärgert mich, wenn der Anonymos so tut, als wäre in den letzten Pontifikaten alles gut und intellektuell top gewesen. Derweilen reichte ein kritisches Wort oder ein Einwand gegen „Humanae Vitae“ um akademische Laufbahnen zu zerstören und die, die das gefunden hatten, konnten so anonym bleiben wie dieser Schreiberling, der sein Gift verspritzt. Hoffentlich ist er ein ehemaliger Kurialer.
    Gott sei Dank – haben wir Franziskus, der zwar aus den Notwendigkeiten seiner Biografie nie zu akademischen Ehren gekommen ist, aber sein Herz, seine Ohren und Augen ganz nah bei den einfachen „Schafen“ hat. Eis polla eti – ad multos annos!!!

  6. Ich bin selbst (noch) kein Katholik, doch verfolge ich die Päpste seit Paul VI., Für Johannes XXIII. war ich noch zu klein, Jg `61. Der größte Papst des 20. Jhdt., war Johannes Paul II., er bewies die Überwindung der Irrlehre des Kommunismus. Auf Benedikt XVI. war ich stolz und bin es immer noch. Franziskus ist kein „Revoluzzer im Vatikan“, ein Jesuit eben. Er will die Heilige Römisch-Katholische Kirche zurückführen, zu den Wurzeln. Mensch unter Menschen sein, ohne den Flitter, Pomp und Firlefanz, der Vergangenheit. Präsentation ja, Prunk nein. Schlichtheit des Glaubens. So ist er nun einmal. Nicht vergessen: Auch Päpste sind Menschen, mit allen Stärken und auch Schwächen. Sei`s drum! Wenigstens knarren die Balken des Vatikans mal wieder, einbrechen werden sie nicht, können sie nicht, sollen sie nicht.

  7. B. Mütsch sagt:

    Wie ich erfahren habe, hat der Papst letzte Woche eine Rede an die deutschen Bischöfe gehalten. Ist der sicherlich interessante Redetext verfügbar?

  8. B. Mütsch sagt:

    Herzlichen Dank und einen gesegneten Advent!

  9. Johanna sagt:

    Papst Benedikt hatte das Talent, auch schwierige Zusammenhänge in klare und unmißverständliche Worte zu hüllen. Allerdings hat sich ausserhalb der Kirche kaum jemand dafür interessiert.

    Papst Franziskus hat eine weniger akademisch präzise, sondern mehr rustikale volksnahe Ausdrucksweise. Das führt bisweilen in und ausserhalb der Kirche zu enormen Mißverständnissen und Verdrehungen, besonders, wenn man sich nicht die Mühe macht, die Texte als Ganzes zu lesen. Aber: die Medien stürzen sich darauf, die halbe Welt interessiert sich plötzlich für die Worte des Papstes, und fast jeder hat dabei den Eindruck, der Papst würde ihm genau aus der Seele sprechen oder der eigene Meinung sein. Und das ist doch wunderbar!

  10. Damian sagt:

    Es geht bei Papst Franziskus nicht blos um einen anderen Stil. Seine Gesten und seine Geisteshaltung stellen den Geist des Evangeliums dar. Hier kann man sehen und hören, was Jesus wohl mit den Seligpreisungen gemeint hat. Und dies verträgt sich nicht mit einem solchen Ort, wie dem Vatikan. Das Leben ist eben konkret. Deshalb ist der Widerstand der darin Lebenden und Arbeitenden absolut nachvollziehbar. Es geht um eine grundlegend andere Aufassung des Katholischen. Vermutlich muss man den Gebäudekomplex genaus transformieren, wie Castel Gandolfo. Leben in Architektur macht eben Gedanken und Gefühle. Kulturell klingt das barbarisch und undenkbar, aber geistlich ist es fast ein Muss. Der Nichteinzug in den päpstlichen Palast war deshalb eine sehr kluge Symbolhandlung und ein Anfang; aber Benedikt der XVII wird wohl folgen. Einen erneuten Betriebsunfall wird man wohl bei einem – hoffentlich noch lange ausstehenden Konklave – nicht mehr zulassen wollen; aber wer weiss…

  11. „Mein Hut, der hat drei Ecken …“, o je! Der Hut des werten Herrn Anonymus scheint mir nicht eben der neueste zu sein und die Argumente, die er drinnen gesammelt hat, sind es auch nicht. Und ich habe den Eindruck, dass all diese Argumente, sagen wir, seit dem frühen Morgen des 14. März 2013 herumgeistern; zunächst leise, dann immer lauter.

    Nun, das ist jetzt wohl etwas übertrieben. Doch ich gebe zu, schließlich hab ich auch mein Sündenregister, – dass ich mich vor lauter Wissensdurst und „alles Verstehen wollen“ eine Zeit lang mit allerhand katholischen Variationen (im Internet und im „echten Leben“) auseinandergesetzt habe. Doch irgend wann (es war nach der Synode 2014) war es Zeit, Entscheidungen zu treffen. Und dies hat mir gut getan. Denn schließlich ist nicht nur wichtig, was der Mensch isst, sondern auch, was er liest.

    Die katholisch-christliche Welt hat eben viele Gesichter; und genau dies macht sie für mich so „bewohnbar“.

    Und hier noch etwas Entspannendes zum Thema Entscheiden und eine Wahl treffen.

    Pete Seeger: False from True
    https://www.youtube.com/watch?v=W0ZSTCoUMUI
    https://www.youtube.com/watch?v=7UJeb1hLOXY

    (…)
    When I found tarnish on some of my brightest dreams,
    When some folks I trusted turned out not quite what they seemed;
    Then I got to start the job of separating false from true,
    Then once more I know, I know I need the love of you.
    (…)
    Words and Music by Pete Seeger (1968)
    (c) 1968 by Sanga Music Inc.

    Herzlichst, euer Lese-Esel

  12. Papst Franziskus versucht die Botschaft Christi sehr vorbildlich umzusetzen.
    Das, das nicht jedermanns Sache ist, das darf nicht stören.
    Wenn ihm sein altes Auto recht ist und seine Straßenschuhe angenehm zu tragen sind, so ist das schon okay.

    Ich hätte auch nichts dagegen, wenn er mit dunkler Brille und Perücke mal wieder als „Unbekannter“ und „Unerkannter“ durch Roms abendliche Straßen das NORMALE LEBEN genießt.

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