„Die Nächstenliebe ist aus der Mode gekommen“

An diesem Samstag traf Papst Franziskus im Theater von Rio auf die Vertreter von Kultur und Gesellschaft und hielt seine Rede, sozusagen die Konzerthausrede Rios. Das können Sie bei Radio Vatikan auf der Webseite lesen.

Besonders beeindruckt hat mich aber die Ansprache des jungen Mannes, der für die Gesellschaft Brasiliens sprach: Walmyr Goncalves da Silva Júnior. Brasilien ist ein verwundetes Land, die Demos haben das gezeigt. Diese Ansprache geht wunderbar damit um.

 

Heiliger Vater,

ich denke, dass wir alle bewegt und geehrt sind, an diesem geschwisterlichen Treffen teilnehmen zu können, aber wenn ich auf die Gesichter aller hier blicke, denke ich, dass sie alle ruhiger sind als ich. (…)

Mein Name ist Walmyr Junior, ich bin 28 Jahre alt und ich arbeite in der Jugendarbeit des Erzbistums Rio de Janeiro mit. Ich bin die Frucht der Ehe von Márcia und Walmyr und teile diese Freude mit meiner Schwester Isabela Christina, die auch hier ist.

Weil ich in der Favela Marcílio Dias nel Complexo da Maré lebe und weil ich von Vater- und Mutterseite ein Waise bin hatte ich alle Chancen, in die Statistik als ein weiteres jugendliches Todesopfer der Gewalt in unserer Stadt einzugehen.

 

Aus der Drogenabhängigkeit heraus

 

Immer habe ich im Viertel, in dem ich lebe, die Drogenhändler angezeigt, die die Jugend als Handlanger ausnutzen. Als ich selber das erste Mal Drogen genommen habe, habe ich an meiner eigenen Haut den Schmerz der Jugend gespürt, die der Drogenabhängigkeit wegen ausgegrenzt ist. Mir ist es gelungen, diese meine Schwäche zu überwinden, als meine Pfarrei mich einlud, als Ehrenamtlicher an einem Projekt in der Gemeinde mitzumachen. Von diesem Moment an habe ich entschieden, meine Geschichte neu zu schreiben.

Der Wunsch, einen Sinn für mein Leben zu finden, hat mich auf die Suche nach neuen Wegen gebracht. Es freut mich, dass ich sagen kann, dass ich dank eines Stipendiums einen Abschluss in Geschichte an der katholischen Universität der Jesuiten in Rio gemacht habe.

 

Ich möchte sagen, dass es eine Ehre für mich ist, für die Gesellschaft und in ihrem Namen hier zu sprechen. Heiliger Vater, seien Sie sicher, dass ich mir nie vorgestellt hätte, einmal diese Ehre zu haben. Nachdem ich die Einladung erhalten hatte und mir begonnen habe Gedanken darüber zu machen, was ich denn wohl sagen sollte, war mir eines sofort klar: Auch ich bin Gesellschaft. Gemeinsam mit allen Menschen hier, gemeinsam mit allen Menschen, die sich für den Wandel unserer Stadt und unseres Landes engagieren.

Hier, Heiliger Vater, sind Menschen versammelt, die ihr Wissen und ihre Vernunft, ihre Gaben und Fähigkeiten dafür einsetzen, dass auf dieser Welt Frieden, Gerechtigkeit, Hoffnung, Einheit und Versöhnung herrschen.

 

Auch ich bin Gesellschaft

 

Sprecher der Gesellschaft zu sein ist eine Herausforderung für mich, wir sind hier vor so vielen Kameras und über die sprechen wir zur Welt! Gleichzeitig wenden wir uns an alle auf dem digitalen Kontinent, über den wir unsere Privatsphäre verlieren und zu öffentlichen und ausgesetzten Menschen werden. Leider entstehen auch in dieser Welt Widerspruch und Ungleichheit, so viel Armut und Tod, so viel Leid und Unglück.

 

Ich spreche auch für die vielen Brüder und Schwestern, die aus verschiedenen Gründen nicht hier sein können und die Freude nicht teilen können, die wir heute empfinden. Ich möchte allen Jugendlichen einen Raum geben, die auf verschiedene Weisen ums Leben gekommen sind. Ich trage zum Beispiel die Erinnerung an die Jugendlichen mit mir, die hier ganz in der Nähe, bei der Kirche Candelária umgebracht wurden. Es ist zwanzig Jahre her, aber diese Erinnerungen werden nie ausgelöscht. Ich erinnere mich an die Jugendlichen, die auf der Suche nach Unterhaltung Opfer des Feuers in der Diskothek ‚Kiss’ wurden, im Staat Rio Grande do Sul in der Stadt Santa Maria. Ich denke an die Drogenabhängigen und Obdachlosen, die Dank der Hilfe von vielen als Pilger an diesem WJT teilnehmen.

 

Ich denke aber auch in gleicher Weise an die Jugendlichen, die der Grund sind für die vielen Formen von Gewalt, die auch vergessen sind und denen auch Gewalt angetan wurde. Auch sie sind meine Geschwister, auch sie sind unsere Geschwister!

 

Trauer und das Bauen an einer neuen Welt

 

Aber Heiliger Vater, ich bin nicht nur voller Trauer und voller Erinnerungen an meine Brüder und Schwestern, die Opfer von Gewalt wurden. Ich stehe hier auch für die Jugendlichen, die einen neuen Morgen erwarten, die eine neue Welt bauen, die ihre Leben teilen, auch wenn sie keine Orientierung oder Inspiration haben. In unserem Land ist die Jugend auf die Plätze gegangen um ihr Recht auf ein würdiges Leben einzuklagen. Ich bin ganz klein vor dieser Menge.

 

Weil es diesen Durst nach einem erfüllten Leben gibt habe ich die Hoffnung, dass ich eines Tages sehen werden, dass sich die Menschen lieben und respektieren, mehr als jetzt, und Frauen und Männer zu sehen, Kinder und Jugendliche, Alt und Jung, die gemeinsam eine Gesellschaft der Liebe bauen.

Die Globalisierung hat neue Gesichter der Armut in unserer Gesellschaft geschaffen. Gesichter ohne das Recht, eigene Rechte zu haben, wie der junge Jesus Christus, ans Kreuz geschlagen, ein jugendliches Gesicht mit einem Leben von Liebe und Solidarität vor sich.

 

Mit Blick auf das eigene Leben

 

Ich habe Gott einmal gefragt, warum es diese Ungleichheit und diese Gewalt gibt. In Gott habe ich meine Antwort gefunden: Die Nächstenliebe ist aus der Mode gekommen.

Für mich, Heiliger Vater, ist diese Antwort zur aus der Mode gekommenen Nächstenliebe keine Behauptung, sondern eine Provokation. Ich habe auf meine eigene Geschichte geblickt und obwohl ich Waise bin die Liebe meiner Familie gesehen. Ich habe gesehen, wie ich Menschen liebe und wie ich kämpfe für die Freiheit und für die Rechte der Jugend. Das sagt, dass die Liebe eben nicht aus der Mode gekommen ist, weil ich meine Nächsten geliebt habe. Nie habe ich eine stabile Zukunft gesucht und dadurch meine Ideale aufgeben wollen. Ich wollte immer mein Leben ändern und dadurch auch das Leben anderer. Das ist für mich eine andauernde Beschäftigung: hilfreich sein, liebend und geliebt seiend. Das ist für mich der Sinn eines Lebens in Gemeinschaft.

 

Mich freut, dass dieser WJT auch ein soziales Erbe hinterlässt [der von Papst eingeweihte neue Flügel der Drogenklinik in Rio], das sie am vergangenen Mittwoch gesegnet haben. Mich freut es, wenn ich daran denke, dass dieses Erbe die Mauern des Ortes übersteigt, den sie besucht haben. Wie sie wissen, haben wir hier ein großes Netzwerk von Menschen und Einrichtungen, welche die Kräfte vereinen wollen um Leben umzugestalten, genau so wie meines umgestaltet wurde.

 

Ich möchte damit schließen, noch einmal meine Dankbarkeit dafür auszudrücken, dass ich hier sein darf und unsere Gesellschaft vertreten, vor all diesen Persönlichkeiten, die viel besser als ich geeignet sind weil sie eine reichere Lebensgeschichte haben und Zeugnis geben können. Da es aber meine Aufgabe geworden ist, hier zu stehen, biete ich mein Leben an, meine Gaben, alles was ich habe und bin um hilfreich zu sein bei der Umgestaltung der sozialen Welt unserer Jugend.

 

Ich nehme diese Arbeit auf mich mit der gleichen Hoffnung und Utopie, welche die Heiligen Franziskus von Assisi und Ignatius von Loyola dazu gebracht haben, ihr Leben zu geben für das, was Jesus mit unserem Leben vorhat. Diese Heiligen bringen uns dazu, mit Mut und Kraft die tägliche Aufgaben unseres Lebens anzugehen.

 

Heiliger Vater, segne mich, segne unsere Jugend und uns alle!

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17 Kommentare zu „Die Nächstenliebe ist aus der Mode gekommen“

  1. H.Sattel sagt:

    „Die Nächstenliebe ist aus der Mode gekommen…“…..erinnert mich an die Worte des Apostel Paulus im dessen zweiten Brief an Timotheus, darin er ihm prophezeit, dass in den letzten Tagen schwere Zeiten anbrechen werden: die Menschen selbstsüchtig sein werden, habgierig, prahlerisch…..ohne Ehrfurcht, unversöhnlich…und mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt……den Schein der Frömmigkeit zwar wahren, doch deren Kraft verleugnen werden. (2Tim. 3,1 ff)
    Diese Beobachtung, bzw. Erkennntnis des jungen Mannes weiter denkend….weiter und näher beobachtend, lässt wohl auch erahnen, wie sehr der Geist Gottes unseres Herrn weniger „aus der Mode“ gekommen ist, als dass Er vielmehr gemeiden, zurück gedrängt und sogar verfolgt wird….Ihn erneut, bzw. immer noch töten wollend und Er aber immer wieder in, mit und durch Menschen guten wie auch furchtlosen Willens auch immer wieder neu aufersteht.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Aber der Junge Mann sagt doch das Gegenteil! Sie ist nicht aus der Mode gekommen, er kann sie in seinem eigenen Leben sehen! Unsere Welt mag von diesem Aus-der-Mode berichten, unsere Leben tun das Gegenteil.

      • H.Sattel sagt:

        Ja, das ist richtig. Der junge Mann sieht die „Wiedererweckung“/“Auferstehung“ der (Nächsten-)Liebe in seinem eigenem Leben, wie auch im Leben so vieler anderer gerade junger Menschen, die eben auch diesen Traum von einer/der neuen Welt Gottes weniger träumen, sondern diesen Traum versuchen zu leben, so dass eben dieser Traum auch Wahrheit/Wirklichkeit ein stückweit wird bzw. geworden ist. Und wenn Sie, geehrter P.Hagenkord meinen Beitrag genau lesen, dann werden Sie erkennen und feststellen, dass ich im Grunde sage, dass die (Nächsten-)Liebe nach dem Willen und Beispiel des Fleisch gewordenen Gottes in, mit und durch Jesus Christus gar nicht „aus der Mode“ kommen kann durch eben jene Menschen die guten und eben furchtlosen Willens sind und die sich eben für die gesunde Lehre einsetzen: nicht nach eigenen Wünschen und Vorstellungen immer neue Lehrer wie auch Lehren sucht und erfindet und somit das Wort des Glaubens „verwässert“, bzw. „verweltlicht“….den Schein der Frömmigkeit also wahrend und in mit und durch einen solchen Schein/Scheinheiligkeit den Menschen eigentlich in die Irre führt.
        Und eigentlich wollte ich mit meinem Beitrag „nur“ ausdrücken“ wie wahrhaftig und zeitlos auch das Wort eines Paulus` ist und dessen Aufruf zum unerschrockenen Einsatz uns heute genau so gilt wie dessen Zuhörern damals: uns vielleicht sogar mehr, darin eben wir jene Menschen sind, dessen Situation Paulus in seinem Brief Timotheus beschreibt. Ob allerdings unser Leben das Gegenteil einer aus der Mode gekommenen (Nächsten-)Liebe bezeugt und keine Scheinheiligkeit darstellt, darin sollten wir uns immer wieder neu selbst in Frage stellen, bzw. in Frage stellen lassen und dann ehrlich zu uns selber sein. Auch dieses Hinterfragen/ Sich-in-Frage-stellen-lassen ist aus der Mode gekommen…..wohl aus Furcht aus dem Schein treten zu müssen…….wenn das Wort Gottes in, mit und durch Menschen wieder an Kraft gewinnt und somit eben insoweit auch neu Fleisch und Blut annimmt….
        Der junge Mann hat sehr gut beobachtet…und im Gegensatz vielleicht zu uns: Sein Wort befolgend…..unerschrocken auch ob der Konsequenzen gegenüber dem Geist der Welt…….. zu dessen Unerschrockenheit eben auch ein Franziskus aufruft, nicht weniger aber auch aber im Besonderen dessen beiden Vorgänger.

  2. veruschka sagt:

    Ich finde schon, dass sie „aus der Mode gekommen ist“. Wenn sie „in Mode wäre“, würde uns die Ansprache nicht so bewegen. Dann würde ja schließlich jeder so handeln wie dieser junge Mann. Seine Bereitschaft zu helfen, bzw. sogar den Nächsten zu lieben, verdient es offensichtlich besonders herausgestellt zu werden.
    Dieser junge Mann ist also alles andere als gewöhnlich, aber zugleich macht er einem auch bewusst, dass es solche Menschen eben auch gibt.
    Gerade seine Ausage, dass er „Freude“ hat, auf der Welt zu sein ist grandios. Dass er seine Drogensucht mit Hilfe der Nächstenliebe besiegen konnte, lässt einen auch sehr aufhorchen: Seine „Orientierungslosigkeit“ bzw. „Schwäche“ konnte er überwinden, indem er sich mit den Problemen anderer beschäftigt hat (einfach einmal zugehört hat… und sich selbst dabei vergessen hat), Gemeinschaft als etwas wirklich Wichtiges für sich erkannt hat.
    „In Mode“ ist es – zumindest in der westlichen Welt, die ja soviel auf Moden hält – etwa, sich nichts gefallen zu lassen, sich selbst zu verwirklichen, sich selbst zu „perfektionieren“, über die unwichtigsten Dinge (per Handy) stundenlang zu „schwafeln“. Das ist „in Mode“! Aber diese Form von Suche nach sich selbst, führt zum Alleinsein und schließlich zur Orientierungslosigkeit, von der der junge Mann ja auch gesprochen hat. Übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsum gibt es auch bei uns.
    Seine Nächstenliebe, sein tiefes Interesse gegenüber dem Hilfsbedürftigen, hat ihn jedenfalls unglaublich stark gemacht. Vielleicht ist er ja so stark, dass er die „Nächstenliebe“ tatsächlich „in Mode bringen“ kann.

    • H.Sattel sagt:

      Veruschka, lassen Sie sich vom Augenschein nicht blenden, da die Nächstenliebe im Verborgenen bleiben will, dort wo auch Gott wohnt und eben somit auch allein das Verborgene sieht und diese Liebe (mit sich selbst) zu belohnen wünscht. Nächstenliebe ist schon keine Nächstenliebe mehr, wenn „ich“ gesehen und (vielleicht) auch noch Lob von der (Um-)Welt haben will. Aber ich denke, dass dies hier bei diesem Mann nicht der Fall ist, der übrigens nicht allein dafür verantwortlich ist, dass der Nächstenliebe wieder Raum und die Herrschaft gegeben wird. Da sind wir alle gefordert:. Sie und ich…., darin wir uns eben auch eingestehen müssen, dass wir oft in dieser göttlichen Übung überfordert sind, weil vielleicht zuviel Welt, zuviel „Erde“ noch in uns ist, die uns beherrschr und eben etwas anderes lehrt als das Wort Gottes….

      • veruschka sagt:

        „Nächstenliebe will (!) oft im Verborgenen bleiben“… das haben Sie aber sehr schön ausgedrückt. Ja, Sie haben Recht mit allem was Sie schreiben. Leider kenne ich aber nicht so viele Menschen, die Nächstenliebe üben. Und wenn ich etwa mit der Bahn fahre, dann sind es natürlich immer die lautstarken Leute die auffallen (etwa mit ihren Handygesprächen)… Menschen, die Nächstenliebe üben, sind offensichtlich einfach zu höflich/rücksichtsvoll um etwa im Zug zu telefonieren oder ähnliches zu tun. Vielleicht habe ich auch das „Problem“, dass es mir selbst viel zu gut geht. Da stumpft man dann etwas ab. Aber gut, dass Sie mich zum Nachdenken bringen!

        • veruschka sagt:

          Aber, da fällt mir noch was ein. Vielleicht ist das etwas schräg, aber ich finde es in diesem Zusammenhang ganz interessant zu erwähnen.
          Mein Bruder und ich saßen im Mai letzten Jahres in einem überfüllten Zug nach Berlin. Wir wollten die Stadt besichtigen und waren recht lustig, das heißt, wir waren etwas angetrunken. Und da ist man dann vielleicht ein bisschen lauter als sonst, soll heißen, dass wir sehr laut und heftig miteinander diskutiert haben und noch dazu saßen wir auf einer dieser Zeitungsladeflächen auf den Gänge (also wie auf einem Präsentierteller)… also wir wirkten etwas wie Raudis. Es ging bei unserer Diskussion um das Thema, was eine gute Partnerschaft denn ausmachen würde. Ich vertrat die Auffassung, dass den Leuten von heute einfach die Zeit fehlen würde, dem anderen/selbst dem Partner mal wirklich gut zuzuhören. Also „philosophierte“ ich über das Zuhören und das Stillsein und war selbst alles andere als still dabei. Viele Leute hörten uns wiederum zu… manche Schmunzelten auch (glaub‘ ich). Und auf einmal hat ein Mann von etwa 45 Jahren uns von sich erzählt (aber etwas leiser): von seinen Kindern, seiner Frau… seinem großen Haus etc. Er wirkte wie einer dieser Leute, die es „im Leben geschafft haben“ … aber er war sehr freundlich.
          Und Papst Franziskus hat ja auch gemeint, dass man ruhig ein bisschen „Wirrwarr“ verbreiten darf oder soll – deswegen traue ich mich, das hier alles zu schreiben.
          Also ich meine, dass die Nächstenliebe, die wir ja so sehr brauchen, vielleicht ein bisschen mehr „rumschreien“ müsste! Auch wenn sie dann den von ihnen beschriebenen Zauber verlieren würde. Aber schreiben Sie mir bitte gerne dazu! Viele Grüße

          • H.Sattel sagt:

            Ich denke, Veruschka, dass hier uns Jesus Christus weiter helfen kann, der ein Kind in die Mitte stellt…..in die Mitte der großen Apostel und gerade jenen damit eine gewaltige Lektion erteilt, darin Er sagt:“Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“
            Und bringen Kinder nicht den ganzen von uns bis oft ins Letzte geplante tägliche Leben durcheinander? Macht das laute Lachen, das Spielen-wollen der Kinder mit deren Eltern….usw. nicht die Ruhe kaputt nach der sich die Eltern nach harter Arbeit sehnen?……
            Kinder sind anstrengend, wie neues Leben eben von natur aus Kraft kostet und nicht weniger Flexibilität: das Zurückschrauben des „Ich“, sich auf das neue quirlige Leben herab-und einlassen.
            Lautsein muss somit nicht unbedingt mit der Lautstärke zu tun haben…..vielleicht in diesem Sinne mit mehr Lebendigkeit, Wahrhaftigkeit und nicht weniger Freude mit der gesunden Sorglosigkeit eines Kindes gegenüber der Zukunft, da es eben Vertrauen in dessen Eltern hat. Und da wir Kinder Gottes nicht „nur“ heißen, sondern es wirklich sind, so denke ich, dass die Handlung Jesu, aber auch die Worte eines Franziskus dieses Kindsein „anzumahnen“ suchen…..

          • veruschka sagt:

            Sie sprechen die Kinder an. Das finde ich wieder sehr weise von Ihnen.
            Aber ich muss auch sagen, dass die Unterredung mit Ihnen mich sehr anstrengt… also im positiven Sinne! Offensichtlich kommt da gerade das Kind in Ihnen durch! 🙂
            So eine anstrengende Unterredung habe ich schon lange nicht mehr geführt.
            Aber wissen Sie, ich bin ein großer Freund des Konkreten. Vielleicht könnten Sie mir etwas mehr darüber erzählen, wie sich die „Wahrhaftigkeit“, die „Freude“ und „Sorglosigkeit“ in Ihrem Leben äußern?
            Und strengen Sie sich selbst an, wieder Kind zu sein (ermahnen Sie sich selbst dazu), oder kommt das von Innen? Sie denken ja auch über sehr Vieles sehr intensiv nach und haben die Bibel sehr gut studiert… hat man da nicht das Problem, zu vergeistigt zu sein? Das Kind in sich mehr und mehr zu verlieren. Andererseits geben Kinder manchmal Äußerungen von sich, die selbst der Weiseste nicht überbieten kann.
            Gestern hat der Pfarrer in meiner Kirche etwa vom „richtigen Beten“/den verschiedenen Formen des Betens gesprochen. Und da hat er auch erzählt, dass er in einer Grundschulklasse einmal nachgefragt habe, wie das Beten denn gehen würde. Darauf meldete sich ein kleines Mädchen und faltete die Hände und meinte nur: „So geht das.“
            Beten ist für mich persönlich ein großes Problem. Wie beten Sie?

  3. H.Sattel sagt:

    @ Veruschka: Wenn selbst die Apostel den Herrn bitten, dass Er diese beten lehren möge, wieviel weniger vermag „ich“ zu beten, muss „ich“ den Herrn bitten, dass Er mich in rechter Weise beten lehren möge. So ist es auch ein Paulus, der schreibt, dass wir nicht wissen wie wir in rechter Weise beten sollen, aber der Geist des Herrn ist es, der in uns betet…. So ist wohl beten vor allem auch ein Hören.“Höre, o Israel…“
    Und wenn wir uns die Worte Mariens zu Herzen nehmen, darin wir tun sollen, was Er sagt, dann werden wir ganz sicher Seine Gemeinschaft stets verspüren. Schauen wir also „nur“ auf Ihn und nicht was und wie andere es machen, da der Herr jeden persönlich anspricht….im Verborgenen, d h. im Geist…..

    • veruschka sagt:

      Mein/e liebe/r H. Sattel,

      Jesus hat den Aposteln aber ein sehr konkretes Gebet mit auf den Weg gegeben: das „Vater Unser“, oder?
      Aber das alleine reicht eben nicht aus. Oder ist in diesem Gebet Alles enthalten?
      Und seien Sie bitte nicht so bescheiden: Sie könnten mich schon etwas mehr in Ihre Art des Betens einweihen, davon würde ich sicherlich profitieren. Soviel ich nämlich weiß, gehört auch das Lehren von Unwissenden zu den „Werken der Barmherzigkeit“.
      Nun, gut. Ich verstehe, dass das sehr ins Persönliche hineingehen würde.
      Sie sind jedenfalls sehr vom heiligen Geist erfüllt. Das sehe ich schon.
      Ich werde also über Ihre Worte bzw. die Jesu bzw. die Mariens nachdenken müssen (vielleicht kann das ja auch schon ein Gebet sein).
      Viele freundliche Grüße und vielleicht können wir in diesem Blog wieder einmal miteinander sprechen! 🙂

      • H.Sattel sagt:

        …wir verstehen uns! Ja, auch das Nachsinnen über das Wort Gottes ist m.E. Gebet. Und im Übrigen können wir auch von den Propheten das Beten lernen….überhaupt vom „alten Volk Gottes“, da brauchen Sie z.B.“nur“ die Psalmen zu nehmen….. als Möglichkeit Gott in Ihr Leben aufzunehmen….Ihn teilhaben lassen an Freud und Leid…die Sprache des Herzens eben. Und im Übrigen: Gegenüber dem Allwissenden Gott und das was wir von Ihm (noch) nicht erkannt haben, sind wir alle Unwissend, darin selbst Bescheidenheit noch Prahlerei ist mit Wissen, das nicht vom „ich“ selbst kommt. Wie sagt doch Franz v. Assisi.:“Wir können uns nur unserer Sünden rühmen…““…alle Erkenntnis aber kommt von Gott…“
        Vertrauen wir also darauf, dass Er selbst Seine Kinder mit Erkenntnis zur rechten Zeit speist und uns das rechte Beten lehrt. Ihnen eine besinnliche Zeit bis (vielleicht) zum nächsten mal.

  4. Irrelevanz der Moral

    „Heute, unter der Herrschaft der Monopole, widerstreitet die Betätigung des Eigennutzes oft genug dem gemeinen Wohl. Daher die gut gemeinten Ratschläge der Moralisten und Ethiker, den Eigennutz zu bekämpfen. Sie haben nicht begriffen, dass der Eigennutz an und für sich durchaus am Platze ist, und dass es nur einige rein technische Mängel unserer Wirtschaft sind, derentwegen der Eigennutz so häufig zu Ungerechtigkeiten führt. In einer monopolbefreiten Wirtschaft hingegen, in der es nur eine Art des Einkommens, den Lohn, geben wird, laufen Eigennutz und Gemeinnutz dauernd parallel. Je mehr die Einzelnen dann, ihrem Eigennutz gehorchend, arbeiten, umso besser werden sie den Interessen der Allgemeinheit dienen.
    Der heutige endlose Widerstreit zwischen Eigennutz und Gemeinnutzen ist eine ganz zwangsläufige Folge des herrschenden Geldstreik- und Bodenmonopols. Eine von diesen beiden Monopolen befreite Wirtschaft entzieht diesem Widerstreit für immer die Grundlage, weil in ihr der Mensch aus Eigennutz stets so handeln wird, wie es das Gemeininteresse erfordert. Die seit Jahrtausenden von Religionsgründern, Religionslehrern, Philosophen, Moralisten usw. aufrecht erhaltene Lehre von der Sündhaftigkeit der menschlichen Natur wegen ihrer Eigennützigkeit findet damit ein für allemal ihr Ende. Es ist keineswegs notwendig, dass wir, diesen Lehren folgend, uns durch Äonen hindurch abmühen, um uns selbst zu überwinden, um eines Tages vielleicht doch noch gemeinnützig zu werden – sondern wir können schon jetzt, heute, in dieser Stunde, die Verbrüderung der bisherigen Widersacher Eigennutz und Gemeinnutz vollziehen. Es ist dazu nicht erforderlich, dass wir den Menschen reformieren, es genügt vielmehr, wenn wir das fehlerhafte Menschenwerk, unser Geldwesen und Bodenrecht, ändern.“

    Otto Valentin (aus „Die Lösung der Sozialen Frage“, 1952)

    Wie naiv ist es, zu glauben, die Moral könnte irgendeine Relevanz für das menschliche Zusammenleben haben, wenn die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, nur in der Form eines primitiven Ausbeutungsmittels (Zinsgeld) existiert, das prinzipbedingt zu systemischer Ungerechtigkeit (Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten) und damit zwangsläufig zu Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg führt?

    Und wie naiv ist es weiterhin, zu glauben, die berühmteste Persönlichkeit der Welt, auf der bis heute die planetare Zeitrechnung basiert, wäre nichts weiter gewesen als ein moralisierender Wanderprediger?

    In der Tat – Dummheit ist ein unvergleichlich gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit:

    http://www.swupload.com/data/Das-Juengste-Gericht.pdf

    • H.Sattel sagt:

      Toller Beitrag, nur: was wollen Sie uns damit wirklich sagen? Trägt Ihr Beitrag einer besseren Welt bei….oder ist er eben (auch) „viel Lärm um Nichts“? Gut gebrüllt -Löwe!
      Das war es dann aber auch schon. Und ein wenig erinnert Ihr Beitrag mich an den Psalmisten, der schreibt.“…der Teufel geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht wen er verschlingen kann…“ Gesucht und gefunden?….

    • veruschka sagt:

      Herr Wehmeier (Sie machen ihrem Pseudonym wirklich Ehre),
      wenn tatsächlich das Geld „die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung“ sein sollte, dann wäre das sehr traurig. Da das nicht der Fall ist, macht es mich wiederum sehr traurig, dass Sie noch keine anderen Erfahrungen sammeln konnten.
      Sehr verwundert es mich auch, dass Sie hier ein ellenlanges Zitat von 1952 bringen.
      Offensichtlich müssen Sie noch viel nachholen… also Lesen, Lesen, Lesen … solange bis Sie das Jahr 2013 erreicht haben… da befinden wir uns nämlich momentan, wissen Sie (schauen Sie mal auf Ihren Kalender). Und nur Zitieren wirkt auch nicht sehr intellektuell… das lässt tief blicken.
      Und was die „Naivität“ angeht, das scheint ja heutzutage (Verzeihung… ich meinte natürlich im Jahr 1952) das aller aller Schlimmste zu sein. Ich komme sicherlich in die Hölle, weil ich so naiv bin, nicht? Also ich bin lieber naiv und glücklich als…
      Ein kleiner Tipp: Da gibt es so ein Lied (sehr beliebt in den 1980er Jahren… also ich komme Ihnen freundlicherweise in der Zeitrechnung entgegen) das hat den Titel „The Logical Song“; und eine Zusatzinformation, damit Sie es auch finden: es ist von Supertramp. Hören Sie sich das mal an und dann können wir hier gerne noch endlos miteinander über Moralisten und Ethiker und die tatsächlich Verbohrten und Irrgeführten und die, die alles Besser wissen und die, die nie irgendetwas falsch machen diskutieren.
      Wieso sind Sie überhaupt auf diesen Blog geraten? Das macht mich schon stutzig!

      PS: Und Sie glauben doch nicht, dass ich mir Ihren Link anschaue. Wer weiß, was ich mir da alles einfange (so naiv bin selbst ich nicht).

    • H.Sattel sagt:

      …..der Fleisch gewordene Gott sagt es in einem Satz – mit der wesentliche Teil des Ewigen Bundes, darin wir den Nächsten lieben, wie wir uns selbst selbst zu lieben trachten sollen. Ergo: die Wahrheit kommt mit wenig Worten aus. Und nach dem Leben der Liebe werden wir gemessen, gewogen und gerichtet. Das weiß jeder der glaubt. Nur vergessen wir es manchmal, dieses Gebot uns ständig vor Augen zu halten. Aber dieses Problem werden Sie auch haben…..und somit wissen Sie wovon hier die Rede ist.

    • Guardianus sagt:

      Geehrter Blogschreiber: Ich denke, wir wissen alle, dass Geld die Welt regiert. Dort mehr und da weniger. Aber der „Mammon“ hat uns mehr oder weniger in der Hand. Aber ist es nicht ein Widerspruch in sich, darin Sie zum einen zur Überzeugung gekommen sind, dass „es nicht erforderlich ist, den Menschen zu reformieren“, sondern „es genügt, das fehlerhafte Menschenwerk….zu ändern“? Wenn Sie Letzteres ändern wollen, ist es dafür nicht notwendig, dass der Mensch sich zu ändern hat? Wie naiv ist es zu glauben, dass ohne Behandlung der „Wurzel“ gesunde „Früchte“ sich entwickeln? Nur wenn der Mensch sich ändert und umkehrt von dessen verkehrten und unguten Wegen wird sich auch dessen Werk wandeln. Wenn man aber den Zweiten Schritt vor dem Ersten tun will, wie sollten wir da nicht vor einem unüberwindbaren Problem stehen, das weniger Stillstand bedeutet, sondern: Rückschritt. Ihr Überzeugung ist also mit einem Denkfehler behaftet und ist somit keine Lösung des Problems, sondern eher eine Verschlimmerung desselbigen.

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