Die universalistische Sicht des Gemeinwohls

Es ist der Tag der Brexit-Abstimmung. Als bekennender Anglophiler lässt mich ratlos zurück, wie in den vergangenen Wochen dort auf der Insel debattiert wurde und was für grober Unfug bis hin zu Verstellungen und Fehlinformationen über Europa offen behauptet werden durften. Aber mehr noch als die Inhalte hat mich die Selbstverständlichkeit irritiert, mit der ohne jede Vorstellung einer gemeinsamen Zukunft gewettert wurde.

Die einen schüren die Angst vor der Migration, das ist schlicht das Rückgrat der Brexit-Kampagne. Die anderen schüren die Angst vor wirtschaftlichen Nachteilen. Alle sind gegen etwas, kaum einer ist für etwas. Nun ist der Pragmatismus der Insel ja legentär, trotzdem hätte ich ihnen etwas mehr Vorstellungsvermögen zugetraut.

Johannes Paul II. im Jahr 2004

Johannes Paul II. im Jahr 2004

Und weil das Ganze ja auch hier bei uns nicht so wirklich selten ist und die Argumente – vor allem gegen die Migration und die Flüchtlinge – salonfähig zu werden drohen, habe ich noch mal ein wenig geblättert. 1999 hatte es eine Bischofssynode im Vatikan zum Thema Europa gegeben, 2003 veröffentlichte Papst Johannes Paul II. sein Abschlussdokument, „Ecclesia in Europa“. Da stehen viele Dinge drin, einiges ist mir aber besonders ins Auge gefallen.

Was mir besonders aufgefallen ist, ist die Begründung: Die universalistische Sicht des Gemeinwohls fordert die Dinge, welche der Papst aufzählt. Und: Man darf nicht in Gleichgültigkeit gegenüber den universalen menschlichen Werten verfallen. Das ist ein wenig die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, wie wir sie auch von Papst Fanziskus vorgehalten bekommen. Universal, nicht partikular. Gemeinsam, nicht getrennt. Zusammen, nicht auseinander. Das lese ich in den Zeilen von Johannes Paul II.

 

Lesen wir beim Papst:

  1. Zu den Herausforderungen, die sich heute dem Dienst am Evangelium der Hoffnung stellen, zählt auch das wachsende Phänomen der Zuwanderungen, das von der Kirche die Fähigkeit verlangt, jede Person, welchem Volk oder welcher Nation sie auch angehört, aufzunehmen. Es spornt auch die gesamte europäische Gesellschaft und ihre Institutionen zur Suche nach einer gerechten Ordnung und nach Weisen des Zusammenlebens an, die alle respektieren, sowie nach der Legalität in einem Prozeß möglicher Integration.

In Anbetracht des Zustandes von Elend, Unterentwicklung oder auch unzureichender Freiheit, der leider noch immer in verschiedenen Ländern herrscht und viele zum Verlassen ihres Landes treibt, bedarf es eines mutigen Einsatzes von seiten aller für die Verwirklichung einer gerechteren internationalen Wirtschaftsordnung, die in der Lage ist, die wirkliche Entwicklung aller Völker und aller Länder zu fördern.

  1. Angesichts des Migrationsphänomens steht für Europa die Fähigkeit auf dem Spiel, Formen einer intelligenten Aufnahme und Gastfreundschaft Raum zu geben. Die »universalistische« Sicht des Gemeinwohls fordert das: Man muß den Blick weiten, um die Bedürfnisse der ganzen Menschheitsfamilie im Auge zu haben. Das Phänomen der Globalisierung fordert Öffnung und Teilen, wenn es nicht Wurzel von Ausschließung und Ausgrenzung sein soll, sondern vielmehr von solidarischer Teilnahme aller an der Produktion und am Austausch der Güter.

Jeder muß sich um das Wachstum einer reifen Kultur der Aufnahme bemühen, die der gleichen Würde aller Menschen und der pflichtgemäßen Solidarität gegenüber den Schwächsten Rechnung trägt und deshalb erfordert, daß jedem Einwanderer die Grundrechte zuerkannt werden. In der Verantwortung der öffentlichen Behörden liegt es, die Kontrolle der Zuwanderungsströme unter Berücksichtigung der Erfordernisse des Gemeinwohls durchzuführen. Die Aufnahme muß immer unter Einhaltung der Gesetze erfolgen und daher, wenn nötig, mit der Ausschaltung von Mißbräuchen einhergehen.

  1. Es ist ebenfalls notwendig, sich für die Erarbeitung möglicher Formen einer echten Integration der gesetzlich aufgenommenen Zuwanderer in das Gesellschafts- und Kulturgefüge der verschiedenen europäischen Nationen einzusetzen. Die Integration erfordert, daß man nicht der Gleichgültigkeit gegenüber den universalen menschlichen Werten verfallen darf und daß das besondere kulturelle Erbe jeder Nation bewahrt werden muß. Ein friedliches Zusammenleben und ein Austausch der jeweiligen inneren Reichtümer wird den Aufbau eines Europa möglich machen, das gemeinsames Haus zu sein versteht, in das jeder aufgenommen werden kann, in dem keiner diskriminiert wird und alle als Mitglieder einer einzigen großen Familie behandelt werden und verantwortungsvoll leben.

 

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48 Kommentare zu Die universalistische Sicht des Gemeinwohls

  1. Rosi Steffens sagt:

    Wenn ich Ihren Text lese Pater Hagenkord, dann glaube ich fast, Menschen verdrängen die Geschichte aus ihrem Zeitbewusstsein und bewahren sie dafür in ihrem persönlichen Gedächtnis auf, um sich bei Gelegenheit darüber aufzuregen oder sich dafür zu rechtfertigen. Es ist doch einfach nur jammerschade, dass das englische Volk so zerrissen ist, dass es sich nicht darüber einigen kann, was die gravierenden Vorteile eines geeinten Europas sind. Dass nicht alles gut ist, was derzeit auf dem Tablett serviert wird, das ist uns allen sehr wohl bewusst, nur wie anders als durch Zusammenhalt sollten wir unsere Probleme lösen können? Gemeinsame Kompromisse zu finden, bis individuelle Lösungen sie tragen können, sodass alle damit leben können, das ist doch der Weg zum Ziel. Ich hoffe sehr, das englische Volk besinnt sich auf den Frieden in dem es gerade lebt, um aus diesem Bewusstsein zu schöpfen, das nur der gemeinsame Frieden auch eine tragende Gemeinschaft bilden kann, um ein geeintes Europa in seinem Werteverständnis zu unterstützen, das sich mit allen europäischen Völkern messen kann. Wir leben bereits in dieser Gemeinschaft, nur gibt es immer wieder einzelne Menschen die glauben, sie könnten sagen wo der Weg Europas hinführt. Kein Mensch kann in die Zukunft blicken, wir können sie mitgestalten indem wir nachhaltig an unser aller Gegenwart arbeiten, um sie Stück für Stück besser zu machen, doch vorbestimmen, das können wir unsere Zukunft nicht.

    • Andreas sagt:

      Ein demokratischer Austritt Großbritanniens aus einem politisch unreifen Staatenkonglomerat wäre weder ein Weltuntergang noch ein Friedensbruch. Die geographische Zugehörigkeit zu Europa verändert sich nicht und die Briten behalten ihre geliebte Queen wie die Schweiz ihre anmutigen Berge und Täler.

      • Pater Hagenkord sagt:

        Stimmt, weder Weltuntergang noch Friedensbruch. Aber zu glauben, dass im getrennt sein die Zukunft liegen könnte, ist politisch naiv, so sehr die Unreife der Strukturen zu kritisieren ist.

        • Konstantin sagt:

          Morgen wird mein Kommentar schon veraltet sein. Aber: Der grosse Teil „der Briten“ wird heute aus einer Naivität ein NO ankreuzen, soweit ich BBC verfolge. GB lebt in einer „Wolke der glorreichen Vergangenheit“, die zum Teil auch zutrifft, mit der man aber heute keine Politik machen kann. Brüssel ist nicht an allem schuld. GB weisst immer auf die lange Tradition hin, dass allein langt aber nicht für die Gegenwart und erst recht nicht für die Zukunft. Parallelen sehe ich auch in der kath. Kirche.

        • Andreas sagt:

          Wenn ich richtig informiert bin, hat sich die Vatikanstadt von vornherein entschieden, kein Mitglied der Europäischen Union zu werden. Ob das politisch naiv oder klug war, sei denen überlassen, die das besser einschätzen können.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Genau. Weil man sich nicht mit der politischen Entwicklung nur eines Kontinntes verbinden wollte, das ist der Grund.

          • Andreas sagt:

            Ein solches Argument könnten die Briten als führende Commonwealth-Nation auch für sich reklamieren: http://thecommonwealth.org/. Ein demokratisch zustande gekommener ‚Denkzettel‘ sollte die EU konstruktiv zum Nachdenken anregen anstatt in Klagen und Bestrafenwollen-Aktionen zu verfallen, sprich sie das zustande bringen lassen, was oft nichtssagend, aber vollmundig verkündet wird: „Wir gehen aus der Krise gestärkt hervor.“

  2. Andreas sagt:

    Da steht das Schlüsselwort: i n t e l l i g e n t e Aufnahme.

    • Rosi Steffens sagt:

      Intelligenz ist der Gewinn aus der eigenen Begrenztheit das zu schöpfen was durch den Glauben an Gott offenbart wird, um es als den Sachverhalt einzubringen, der dem Bewusstsein zu Grunde gelegt ist, das Gott im Wort trägt. Erst Vernunft bringt Intelligenz zum Ausdruck, da sie der Natur den Rang einräumt, aus dem sie selbst ihr Leben schöpft.

  3. Libertas sagt:

    Die Briten haben erfolgreich Napoleon und Hitler widerstanden. Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn sie nun vor Schulz und Juncker kapitulieren würden.

    Ich hoffe, sehr, daß die Briten auch diesmal die Freiheit gewählt haben!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Hitler, Schulz und Juncker in einem Atemzug. Das ist dumm, falsch und ehrabschneidend. Denken Sie, bevor Sie die Tastatur im Betrieb nehmen.

      • galahad sagt:

        Na ja, gemessen an Napoleon sind Schulz und Juncker tatsächlich doch eher kleine Lichtlein – auch wenn das die Einlassung von Herrn „Libertas“ noch nicht zu einem wirklich ernst zu nahmenden Argument machen würde.

    • Konstantin sagt:

      Erstens möchte ich den Kommentar von P. Hagenkord (21:06) mit Nachdruck unterstreichen. Zweitens ist die imperiale Grossmacht England nur noch in den Schulbüchern zu finden. Und welche Freiheit meinen die Briten eigentlich? Was versteht dieses Land unter Freiheit? Freiheit von was? Freiheit von Brüssel? Antiquierter Freiheitsbegriff, der sich auch im Stil, im Habitus „der Briten“ zeigt, besonders im Parlament? Drittens möchte ich nicht missverstanden werden, wenn ich in meinem Kommentar (17:54) einen politischen Zusammenhang mit der kath. Kirche herstellen wollte. Es ging mir darum, dass Tradition, manchmal auch in ganz banalen Dingen, ein Hindernis für die kath. Kirche ist für ihre Zukunft.

  4. Konstantin sagt:

    Nachtrag
    P. Hagenkord zu Ihrem Kommentar (21:06). Wenn ich in anderen Blogs so schreibe, bekomme ich immer einen „roten Balken“. 🙂 Gelebte Freiheit des Wortes auf RV. Danke.

  5. Heinssohn sagt:

    Mir scheint, die Wahl, die die Briten getroffen haben, wäre nicht die Ihre gewesen, Herr Pater.
    Aber schwafeln Sie einfach mal nicht so viel von Demokratie sondern akzeptieren Sie die Entscheidung des Souveräns auch dann, wenn sie Ihren abgehobenen Vorstellungen nicht entspricht.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Da liegen Sie richtig, ich hätte anders gewählt. Aber mit der Demokratie ist das so eine Sache, man darf eigene Meinungen haben und dementsprechend abstimmen. Das ist kein Schwafeln von Demokratie. Auch wenn Sie meine Vorstellungen für abgehoben halten – was auch immer das bedeuten soll – darf ich immer noch eine Meinung haben. Und auch dann noch, wenn GB nun entschieden hat. Übrigens haben nicht die Briten eine Wahl getroffen, das muss auch mal gesagt sein. Sondern nur knapp über die Hälfte von 72% Wahlbeteiligung. Ein Drittel der Bevölkerung hat nichts zur Zukunft des eigenen Landes zu sagen, das muss auch mal gesagt werden.

    • Rosi Steffens sagt:

      Ich finde es dem heutigen Erkenntnisstand vollkommen unangemessen Teilbevölkerungen vor Wahlen zu stellen, die dem Zusammenschluss aller Völker die Konsequenzen daraus aufbürden. Jetzt geht es darum, wie vernünftig mit dem Ergebnis aus dieser Wahl umgegangen wird, um trotz allem einen gemeinsamen Weg für ein Europa mit England zu finden. Alle Europäer sind Teil dieser Wahl, denn in ihren Köpfen wächst der Zusammenhalt oder zerfällt in seine Nationalismen. Von Gleichberechtigung und Gleichstellung war dieses Referendum genauso weit entfernt und von Demokratie ebenso, wie die EU selbst. Nicht ein einziges Land sollte über das Schicksal aller bestimmen können, sondern alle sollten als Souverän mitbestimmen wie das Recht auf Frieden und Freiheit gelebt werden kann. Menschen müssen mittragen was die Zeit nach politischen Entscheidungen mit sich bringt, weil das Leben seine Bedingungen dafür in den Raum stellt. Einzig der Mensch ist in der Lage mitzuerleben was aus seiner Natur ein angemessenes Leben schöpfen kann.

      • Rosi Steffens sagt:

        Verkürzt bedeutet das, der nächste Tag kommt bestimmt und auch die Sonnne scheint weiter, einzig der Mensch muss noch erkennen warum er für dieses Schauspiel so unwichtig ist.

    • Kosakenzipfel sagt:

      „…akzeptieren Sie die Entscheidung des Souveräns auch dann, wenn sie Ihren abgehobenen Vorstellungen nicht entspricht…“

      Ich bin mal gespannt, wie souverän sich die Brexit-Befürworter geben werden, wenn sich Schottland (inklusive Ölvorkommen), Gibraltar (inklusive milliardenschwerem Glücksspiel- und Sportwettenmarkt) und Nordirland abspalten werden. Wenn ausländische Firmen viel weniger investieren und Jobs abbauen. Wenn Erasmus eingestellt wird, und sich kein Normalsterblicher mehr ein Studium auf dem Kontinent wird leisten können.

      p.s. Wenn ich mir die Siegesposen von Höcke, lePen, Trump, Wilders, Johnson, Farage und dem traurigen Rest anschaue, wird mir speiübel. „Der Souverän“ wird sich noch schämen, wem er da blind hinterhergedackelt ist – auch wenn es dann längst kein zurück mehr gibt.

  6. Rosi Steffens sagt:

    Ich finde man darf eines nicht vergessen, dass Volk Englands ist geteilt in seiner Ansicht zum Austritt aus der EU, das ist die Wahrheit, die man sich vor Augen führen sollte, denn der eine Teil wird um seine Wahl betrogen.

    • Andreas sagt:

      Das trifft auf jede demokratische Wahl zu. Aber Sie wollen doch wohl nicht die jetzige Wahl mit der des vormaligen US-Präsidenten in eine Schublade stecken! Das dadurch entstandene Desaster reicht bis heute. http://www.heise.de/tp/artikel/11/11100/1.html

      • Rosi Steffens sagt:

        Dann sollte man sich vielleicht einmal Gedanken darüber machen, wie demokratisch menschliche Wahlen sind, wenn Quantität das Leben bestimmen kann und nicht durch Qualität der menschliche Anspruch aufgedeckt werden kann. Muss sich durch Wahlen gleich etwas verändern oder kann man das Ziel bewusst beibehalten, um nur den Weg dorthin zu überdenken? Wie vor der Ehe wird man einmal vor die Entscheidung gestellt dieses Leben zu teilen oder für sich zu behalten, und dann wird man im Laufe der Zeit immer wieder vor die gleiche Wahl gestellt, um den Weg zu finden, der die ganze Menschheit in einem Gedanken eint. Sie ist nämlich der Sachverhalt, der das Leben ständig in Turbulenzen stürzt, was bereichernd aber auch sehr zerstörend wirken kann.

        • Andreas sagt:

          Die Wahl eines Parlaments mit der Wahl eines Ehepartners zu vergleichen hinkt gewaltig. Bei ersterer ist eine zeitliche Befristung in aller Regel per se mitgegeben. Es ist halt so, der Dümmste wie der Hochbegabteste haben jeweils bloß eine einzige Stimme bzw. einen Wahlzettel.

          • Rosi Steffens sagt:

            Die Ehe ist ebenfalls zeitlich befristet, sie wird durch den Tod eines Partners beendet und erfährt ihren Anspruch durch das gemeinsame Leben. Auch die Menschheit ist eine Lebensgemeinschaft, die sich die Erde als ihr Zuhause teilt. Eine offene und ehrliche Wahl sollte nicht das Leben bestimmen das ihr nachfolgt sondern das Bestehende durch gemeinsame Werte teilen, um diese über den Tod hinaus als wertvolle Errungenschaften zu würdigen. Das menschliche Wesen in all seiner Güte und Herrlichkeit sollte doch wohl in der Lage sein den Frieden und die Freiheit zu erhalten, die ihm von Natur aus bereits in die Wiege gelegt sind. Das mit der Stimme ist so eine Sache, denn wenn sie sich auf ihr Gewählt sein beschränkt und dazwischen nicht das Leben vermitteln kann, das sie erfüllt, dann liegt diese Stimme zwar im menschlichen Charakter, darüber hinaus jedoch trägt sie ihren Sinn nicht ins bestehende Leben. Im Heiliger Geist ist die ganze Menschheit Eins und aus dieser geistigen Einheit kann sich jede Person dieses Lebens für würdig erweisen indem sie es kommuniziert. Gott hat sich für uns alle entschieden indem er unser Wesen im eigenen Sohn als seine Menschlichkeit offenbarte. Nun liegt es am Volk diesem Wesen eine Stimme zu geben, die sich dessen würdig erweist was Menschlichkeit in der Lage ist zu verwirklichen. Politik ist die Möglichkeit ohne Zwang, den demokratischen Grundregeln ihre Natur abzugewinnen, die sich im Volk durch seiner Lebensführung offenbart. Wenn Politik versagt, dann sollte man sich Gedanken darüber machen, warum das der Fall ist und jeder sollte dann aus den eigenen Fehlern lernen.

          • Andreas sagt:

            Nun ja, Sie werden doch zwischen einer fest bestimmten und einer biologisch unbestimmten zeitlichen Befristung zu unterscheiden wissen.

          • Rosi Steffens sagt:

            Wer oder was macht denn den Unterschied? Wenn ich morgen sterbe, so fällt die Bestimmung meiner Wahl in die Hände derer, die damit weiterleben müssen.

          • Andreas sagt:

            „Wenn“ und nicht „dass“ – das macht den Unterschied.

  7. geistlich ausgedrückt: so wir als einzelne immer wieder aufgefordert sind, uns von unseren Egoismen – und das ist ein gewaltiger Unterschied zu einem ausgewogenen dienenden ICH – zum Du zu bekehren so ist es doch auch in der europäischen Politik!

    der sich ausbreitende Nationalismus und noch schlimmer der (noch!!) an den Rändern wiederauferstandene Faschismus in fast allen europäischen Nationen lassen -menschlich gesehen- Schlimmes befürchten. der Umgang dieser Menschenverachtenden Ideologie macht sich – pars pro toto -an den Flüchtlingen fest..

    – der Völkermord des NS Staates an den Juden steht in seiner besonderen Brutalität für sich selbst!1 –

    trotzdem scheint mir , dass sich der Neofaschismus ähnlicher Muster bedient – und weil wir diese Erfahrung kennen!!- muss dieser fortgeschrittene Tumor mit allen demokratischen Mitteln wenigstens begrenzt wird!!

  8. Rosi Steffens sagt:

    GB hat durch seine Wahl Europa aufgerüttelt und das sollte man positiv bewerten. Nun das Gute aus dieser Wahl herauszufiltern dürfte wohl der Anspruch sein, den wir als Menschen in der Lage sind zu erfüllen. Wir müssen endlich damit aufhören Verantwortung zu delegieren, wir müsssen sie selbst übernehmen, weil wir auch die Konsequenzen aus unseren Handlungen oder der Unterlassung durch das nachfolgende Leben mit all denen teilen, die sich anders entscheiden.

  9. Paul sagt:

    Brüder! Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und laßt euch nicht von neuem das Joch der Eurokraten auflegen!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Und genau das verstehe ich nicht. Man kann kritisch sein, man kann die EU ablehnen, man kann sie „nur“ reformieren wollen, alles möglich. Aber dass die EU der größte Freiheitsraum ist, den Europa jemals gekannt hat, das kann man doch nicht übersehen. Und das meine ich nicht nur mit Blick auf den Binnenmarkt. Europa hat uns seit 1945 Frieden verschafft, unerhört, wenn man mal die letzten sagen wir 1.000 Jahre zurück blickt. Rechtliche Stabilität, die einzelne nicht einfach unterlaufen können. Ich kann reisen, handeln, arbeiten, alles unter grundsätzlich denselben gemeinsam festgelegten Regeln. Das schafft Freiheit.
      Ich bin gerne bereit, die Eurokraten in Kauf zu nehmen, wie ich die im Kreisverwaltungsreferat in München oder in der Bundesregierung in Berlin auch in Kauf nehme. Das ist notwendig. Denn der Raum, den wir bekommen haben und den wir wie ich finde erhalten müssen ist ein Freiheitsraum.

      • JA und vergessen wir NIE, dass die EU- geboren aus den Trümmern des 2.Weltkriegs- uns bereits 7o(!!) ohne Krieg leben lässt..

        ich hab manchmal den Eindruck das viele Jüngere diese Realität als gegeben konsumieren..

        man muss sicher über vieles-ua. die ausufernde Bürokratie – reden aber sich immer bewusst sein dass Europa in gewisser Weise
        auf einer „Insel der Seligen“ lebt..

        und wenn ich dies schreibe denke ich NATÜRLICH AUCH an die vielen SOZIALEN VERWERFUNGEN !…

        ABER wie sagte es ein großer Architekt der Ent-Spannungspolitik der 60er/70er Jahre:
        “ Frieden ist nicht alles aber ohne Frieden ist alles nichts “ EGON BAHR

        • Paul sagt:

          Wenn es nur die EU ist, die uns vor einem weiteren Krieg bewahrt, dann heißt das nichts anderes, als daß wir in der EU mit potentiellen Agressoren vereint sind, die uns nach dem Ende der EU bei nächster Gelegenheit überfallen werden. (Daß unsere Bundeswehr für einen anderen Gegner als volle Bierpaletten eine Gefahr darstellt, wird niemand ernsthaft behaupten können, also kommen nur die anderen in Frage.)

          Wenn das so ist, dann möchte ich aus diesem Verein so schnell wie möglich raus.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das sagt doch keiner, dass das „nur“ die EU ist. Aber seit 1945 ist überall in Westeuropa, nach 1989 auch im übrigen Europa die Zusammenarbeit gewachsen. Ein Ergebnis ist die EU, nicht das Einzige.

          • Paul sagt:

            Die Friedensfunktion hatte die alte EWG längst erfüllt. Aber das, dieser wahnsinnige Juncker will, ein europäischer Zentralstaat, wird ganz sicher nicht zum Frieden beitragen. Wenn es in Europa wieder einen Krieg gibt, dann wegen der EU und nicht trotz der EU.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das ist doch Unfug. Bitte entschludligen Sie, aber solche Aussagen kann man nicht einfach stehen lassen. Erstens ist Juncker nicht wahnsinnig. Sie mögen ihn nicht mögen oder seine Ansichten oder seine Absichten, wie auch immer, aber ihn einfach zu pathologisieren ist Unfug. Und für die Perspektive, dass die EU für einen Krieg verantwortlich sein könnte, gibt es null Anzeichen. Null. Das ist eine reine Behauptung.

          • Heinssohn sagt:

            Wenn Sie nun zu relativieren versuchen, Herr Pater, geht das am Inhalt der Aussagen Ihres Kollegen und insbesondere von Frau Merkel vorbei. Letztere hatte explizit die Kriegsdrohung an die Wand gemalt für den Fall, daß die EU ihren wohlverdienten Weg geht.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Ich nehme an, dass die mit „wohlverdient“ ein Auseinanderbrechen meinen, oder? Ich versuche nicht zu relativieren. Außerdem weiß ich nicht, wer mein „Kollege“ sein soll.

          • Heinssohn sagt:

            Nun, Herr Pater, so wie der Euro schon längst Europa spaltet, wird auch eine zentralistische EU, die die Herren Juncker, Schulz (und jeder beliebige französische Präsident der letzten 60 Jahre) anstreben, zunächst den Widerstandswillen der europäischen Völker gegen die Brüsseler Zentrale stärken und am Ende gar offene Feindschaften hervorbringen.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Das Argument hinkt, denn GB gar nicht im Euro ist und sehr viele Privilegien genießt, von Zentralstaat also nicht die Rede sein kann. Und schon jetzt betteln die strukturachwachem Gegenden GBs, London möge doch bitte die Millionen an Subventionen durch die EU ersetzen. Und Farage nimmt schon mal seine Wahlversprechen der Brexit-Kampagne zurück. Das ist alles nicht so einfach, wie Sie sich das denken.

          • Rosi Steffens sagt:

            Das Einzige was uns vor unserem eigenen Scheitern bewahren kann, das ist Sensibilität für die Bedürfnisse anderer, um als Menschlichkeit einzusetzen, was jedem von uns in die Wiege gelegt wurde. Heute fordern Menschen persönliche Konfrontationen mit ihren Mitmenschen heraus, die wertvolle Zeit und Kraft in Anspruch nehmen, die vielen Menschen fehlen, weil ihr Leben zwar dasselbe ist, ihre Zeit jedoch in Armut, Krankheit, Flucht der Macht unterworfen ist, die Menschen auf sie ausüben. Sollten wir zur Einsicht kommen und Europa als die Gemeinschaft anerkennen, die durch ihre Völker in der Selbstbestimmung einen gemeinsamen Weg aus dieser Machtspirale heraus finden kann, indem sie alle ihr Denkvermögen in Auftrag stellen und es nicht auf einige wenige abwälzen, dann haben wir einen Teilsieg auf unserem Weg in eine neue, eine sensiblere Zeit errungen. Wir dürfen Probleme nicht nach ihrer Präsenz bewerten, wir müssen sie an unseren eigenen Maßstäben messen, um ihnen die Priorität einzuräumen, die sie haben. Mensch zu sein ist Pflicht und kein Angebot aus eigenem Ermessen.

          • Heinssohn sagt:

            Verehrter Herr Pater,

            Großbritannien ist Nettozahler. Das heißt, daß GB mehr Geld nach Brüssel überweisen muß, als seine strukturschwachen Regionen aus Brüssel erhalten.

            Und nun noch eine abschließende Bemerkung zum Thema EU und Frieden: Die EU fördern den Frieden dort, wo sie zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Völker beiträgt. Wer miteinander handelt, der schießt nicht aufeinander.
            Diesen Frieden gefährden all die, die nicht nur eine wirtschaftliche sondern auch eine politische Union wollen. Eine politische Union bedeutet Zwang, Beschränkung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker und Unfrieden.

            Wenn die EU wieder zu einer reinen wirtschaftlichen Union wird, gibt es keinen Grund mehr, aus ihr auszutreten.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Genau da sind wir verschiedener Meinung, was ja auch erst mal nichts Schlechtes ist. GB wird aber seinen strukturschwachen Regionen nichts zahlen, weil das Geld ja in das Gesundheitssystem gehen soll. GB ist Nettozahler, bekommt dafür aber einen Zugang zum Binnenmarkt ohne Zölle, der nun wegfallen wird. Oder zumindest eingeschränkt. Es ist also zudem die Frage, ob GB das Geld für Förderungen überhaupt noch haben wird.

          • Rosi Steffens sagt:

            Die „Union“ der ganzen Menschheit baut das Leben auf die Rechte dieser Erde, die mit ihren Gesetzmäßigkeiten bei gegenseitiger Anerkennung der persönlichen Würde beginnen. Daraus erwächst automatisch eine Gemeinschaft die auf geteilte Werte baut, um darin Sachverhalte zu erkennen, die durch politische Handlungen in geordnete Bahnen führen sollten. Politik hat doch nichts mit Macht zu tun, sie koordiniert im Überblick der Volksinteressen, was eine für alle tragbare Ordnung ausmacht. Was nützt uns das göttliche Maß an menschlicher Handlungsfähigkeit, wenn wir uns damit nicht den Rechten unterwerfen, die von uns genau das fordern, was uns erst selbstverständlich macht. Wir bestimmen das Leben und sollten dabei nicht vergessen, dass es in seinen Ansprüchen auf die ganze Menschheit verteilt ist und nicht zu unserer persönlichen Verfügung steht. GB ist ein Zeichen für die Handlungsfähigkeit der einzelnen Mitgliedsländer und sollte auch als solches gewertet werden, nicht mehr und auch nicht weniger.

          • Heinssohn sagt:

            @Rosi Steffens
            „Politik hat doch nichts mit Macht zu tun …“

            Wie kommen Sie denn auf dieses dünne Eis?

          • Rosi Steffens sagt:

            Ich empfinde das nicht als dünnes Eis, es ist ganz fester Boden, allerdings nur dann, wenn man Gott vertraut und nicht sein Leben auf die Menschheit baut.

  10. @Paul@Heinssohn:

    bei diesen Posts wird ja auch deutlich was für Bewusstseins Lücken über die jüngere deutsche Geschichte (seit 1933 ) vorhanden sind!!

    und Frau Merkl und Herrn Juncker DAS zu unterstellen ist einfach so töricht wie beleidigend..

    ..das ist der Stoff aus dem die Brexit-Aktivisten ihre „Argumente“ schöpfen.. WIDERLICH !!

    • Heinssohn sagt:

      Danke für diesen lange vermißten Hinweis auf 1933!

      Alle, die keinen europäischen Superstaat wollen, keine Umverteilung von produktiv zu unproduktiv, keine Einschränkungen ihres Selbstbestimmungsrechtes sind natürlich Nazis. Wie konnte ich das nur vergessen?

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