Ein Blick vom Ende der Welt – Europa und der Papst

Vortrag vor der Kommende in Dortmund, 23. November

Angela Merkel war erbost. So erbost sogar, dass sie zum Telefonhörer griff, um Papst Franziskus anzurufen. Im November 2014 war das, nach der Rede des Papstes vor dem Europaparlament. Ob es wahr sei, dass er – der Papst – Europa mit einer „unfruchtbaren Frau“ verglichen habe. Der Papst habe sie dann beruhigt. Europa habe immer noch tiefe Wurzeln, in den dunkelsten Momenten habe Europa immer noch ungeahnte Ressourcen gezeigt.

Als Journalist muss ich meinen Beitrag heute Abend einfach mit dieser kleinen Episode aus dem Leben des Papstes beginnen. Einen kleinen Fehler hat diese Episode allerdings, sie ist schlicht erfunden. Nicht wahr. Hat nie stattgefunden. Leider sind in italienischen Medien die Grenzen zwischen Belletristik und Berichterstattung manchmal fließend, selbst in der selbsterklärten Spitze des Qualitätsjournalismus, im Corriere della Sera. Und leider leiden einige deutsche Kolleginnen und Kollegen darunter, zu schnell zu glauben, was andere Journalisten schreiben.

Der Papst und Europa: Besuch in Straßburg

Der Papst und Europa: Besuch in Straßburg

Aber es gilt ja auch das Sprichwort „si non è vero, e ben trovato“, wenn es auch nicht wahr ist, so ist es doch treffend erfunden. Was da Frau Merkel in den Mund gelegt wurde, ist etwas, was als Einwand nicht von der Hand zu weisen ist. Und so fand sich die Bemerkung von der „unfruchtbaren Frau“ in vielen Überschriften, zum Glück nicht bei Radio Vatikan. Wir haben mit dem Thema des Papstes getitelt: „Das europäische Projekt darf nicht scheitern“.

Dieses kleine Schattenboxen zu Beginn zeigt schon, wie komplex das wird, sich darüber zu unterhalten, was der Papst von Europa hält, will, erwartet. Wie übrigens bei anderen Themen auch, seine manchmal für europäische Ohren blumige Metaphorik schafft es in die Überschriften – samt erfundener Episoden – das was dahinter steht ist dann schon schwieriger zu umreißen.

 

„Das europäische Projekt darf nicht scheitern“

 

An dieser Stelle möchte ich das einmal etwas überblickshaft anschauen. Dazu darf ich Ihnen erst einmal ein Raster anbieten. Beginnen möchte ich mit den Klassikern, den Europa-Reden des Papstes, zwei in Straßburg und eine in Rom anlässlich der Entgegennahme des Karlspreises. Dann möchte ich zweitens über den politischen Papst Franziskus sprechen. Drittens soll es dann um das Ende der Welt gehen.

Der Papst beginnt seinen Blick auf Europa mit der Feststellung einer Wahrnehmung: „Einer ausgedehnteren, einflussreicheren Union scheint sich jedoch das Bild eines etwas gealterten und erdrückten Europas zuzugesellen, das dazu neigt, sich in einem Kontext, der es oft nüchtern, misstrauisch und manchmal sogar argwöhnisch betrachtet, weniger als Protagonist zu fühlen“. Er spricht über die Union, weil der Adressat das Europaparlament der EU ist. Diese Verunsicherung überträgt sich auch auf die Menschen, sie ist nicht nur abstrakt: „Eine der Krankheiten, die ich heute in Europa am meisten verbreitet sehe, ist die besondere Einsamkeit dessen, der keine Bindungen hat. Das wird speziell sichtbar bei den alten Menschen, die oft ihrem Schicksal überlassen sind, wie auch bei den Jugendlichen, die keine Bezugspunkte und keine Zukunfts-Chancen haben; es wird sichtbar bei den vielen Armen, die unsere Städte bevölkern; es wird sichtbar in dem verlorenen Blick der Migranten, die hierher gekommen sind, auf der Suche nach einer besseren Zukunft“.

Die EU hält sich also zurück. Sie ist verunsichert, wer oder was sie sein soll. Und die Menschen spüren das, vor allem die Schwachen.

 

Auf der Suche nach Zukunft

 

Dann folgt in der ersten Rede das Hohelied auf die Förderung und den Schutz der Würde des Menschen, einer Antriebsfeder aller europäischen Zusammenarbeit und Identität. Und dann weiter, zurück zur Diagnose: „unhaltbarer Überfluss“, der „den Nächsten gegenüber gleichgültig ist“, Steigerung des Misstrauens der Bürger in die Institutionen Europas, und die Betrachtung des Menschen als Teil einer Wohlstands-Maschine: „Der Mensch ist in Gefahr, zu einem bloßen Räderwerk in einem Mechanismus herabgewürdigt zu werden, der ihn nach dem Maß eines zu gebrauchenden Konsumgutes behandelt, so dass er – wie wir leider oft beobachten – wenn das Leben diesem Mechanismus nicht mehr zweckdienlich ist, ohne viel Bedenken ausgesondert wird“. Mir selber – wenn ich diese persönliche Bemerkung einfließen lassen darf – ist das in den 90er Jahren aufgefallen, als man in der Politik gar nicht mehr über Deutschland sprach, sondern fast nur noch über den ‚Wirtschaftsstandort Deutschland‘. Eine tief gehende Entmenschlichung, deren Gift wir auf den Plätzen Dresdens und anderswo Wirkung zeigen sehen.

Die Antwort des Papstes darauf ist geradezu dialektisch: „Gerade ausgehend von der Notwendigkeit einer Öffnung zum Transzendenten möchte ich die Zentralität des Menschen bekräftigen, der andernfalls zum Spielball der Moden und der jeweiligen Mächte wird“. Die Spannung zwischen Himmel und Erde, zwischen Humanität und Transzendenz, und gerade das sehen des Einen im Anderen, mache Europa aus und könne neu Kraft geben. Dort hätte dann die „Einheit in Verschiedenheit“ Platz. Soweit im Bravourritt und zugegeben verkürzend die erste Rede.

Erwartung, Mahnung, Lob: der Papst spricht zu Europa

Erwartung, Mahnung, Lob: der Papst spricht zu Europa

Die zweite Rede an jenem Tag, dem 25. November 2014 – vor fast genau zwei Jahren – hielt er vor dem Europarat. Nur zwei zentrale Gedanke daraus. Der Papst spricht von einer Multipolarität und einer Transversalität des Kontinents. Es gibt vielfältigen kulturelle, religiöse und politische Pole; Kulturen sind nicht mit Staaten deckungsgleich, Eigenheiten gilt es zu achten und zu „globalisieren“. „Die Multipolarität auf ursprüngliche Weise zu globalisieren – ich betone: auf ursprüngliche Weise“, so lautet das Zitat dazu. Das Beispiel, dass er wählt ist der Polyeder, also eine geometrische Figur, die aus ungleichen Flächen besteht und wo die einzelnen Punkte der Oberfläche nicht alle gleich weit entfernt vom Mittelpunkt sind, das Lieblings-Bild des Papstes, wenn es um Verschiedenheit in Einheit geht. „Europa ist weder denkbar noch konstruierbar, ohne diese multipolare Wirklichkeit von Grund auf anzunehmen“.

 

Multipolare Wirklichkeit

 

Unter Transvesalität versteht der Papst etwas ähnliches, nur zeitlich verstanden. Zwischen den Generationen werden dieselben Worte gebraucht, aber etwas anderes gemeint, „Die Worte sind ähnlich, doch die Musik ist anders“, in den Worten Franziskus. „In der aktuellen politischen Welt Europas erweist sich der Dialog, der nur innerhalb der je eigenen (politischen, religiösen, kulturellen) Organismen stattfindet, als unfruchtbar. Die Geschichte verlangt heute die Fähigkeit, aus den Strukturen, welche die eigene Identität „einschließen“, zur Begegnung hinauszugehen, mit dem Ziel, ebendiese Identität in der brüderlichen Gegenüberstellung der Transversalität zu stärken und fruchtbarer zu machen. Ein Europa, das nur innerhalb der geschlossenen Zugehörigkeitsgruppen dialogisiert, bleibt auf halbem Wege stehen; es bedarf des jugendlichen Geistes, der die Herausforderung der Transversalität annimmt.“

Zwei eher abstrakte Gedanken aus der anderen Straßburger Rede des Papstes. Rede drei, die erwähnt werden muss, ist die Annahmerede des Karlspreises im Mai 2016. Die Ouvertüre ist schon einmal vielversprechend: „Die Kreativität, der Geist, die Fähigkeit, sich wieder aufzurichten und aus den eigenen Grenzen hinauszugehen, gehören zur Seele Europas.“ Die „Kinder des Traumes“ seien aber versucht, eigene Wege zu gehen, der Wunsch nach Einheit scheine zu erlöschen. Er greift das Beispiel aus der Europaratsrede von der Großmutter auf, vom müden Europa, um dann die Frage zu stellen, die uns heute bewegt: „Was ist los mit dir, Europa?“

Aussage Nr. Eins nach dieser Frage: „Die europäische Identität ist und war immer eine dynamische und multikulturelle Identität“. Oder etwas poetischer: „Das Gesicht Europas unterscheidet sich nämlich nicht dadurch, dass es sich anderen widersetzt, sondern dass es die Züge verschiedener Kulturen eingeprägt trägt und die Schönheit, die aus der Überwindung der Beziehungslosigkeit kommt.“

Aussage Nr. Zwei nach der Frage, was denn los sei mit dir, Europa: „Wenn es ein Wort gibt, das wir bis zur Erschöpfung wiederholen müssen, dann lautet es Dialog.“ Das sind keine Sonntags-Reden-Worte, Papst Franziskus meint damit seine „Kultur der Begegnung“, wo jeder aufgeben muss, abgeben muss, aus sich heraus gehen muss. Und das wird dann auch Methode, vor allem eine Methode für den Frieden. „Rüsten wir unsere Leute mit der Kultur des Dialogs und der Begegnung aus.“

„Mit dem Verstand und mit dem Herz, mit Hoffnung und ohne leere Nostalgien, als Sohn, der in der Mutter Europa seine Lebens- und Glaubenswurzeln hat, träume ich von einem neuen europäischen Humanismus“, das ruft er Europa zum Abschluss der Rede zu. Neun Träume nennt er, aus politischen Gründen zitiere ich hier nur einen: „Ich träume von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist, sondern vielmehr eine Einladung zu einem größeren Einsatz mit der Würde der ganzen menschlichen Person.“

 

Von Aachen ans Ende der Welt

 

Nun haben Sie mich ja nicht eingeladen, um Papstreden zu referieren. Wichtig ist es, sich das noch einmal in aller Kürze vor Augen zu führen, zumal ich glaube, dass der beste Weg, diesen Papst zu verstehen, das Nachgehen seiner Gedankenwege ist.

Ein Kranz für die Verstorbenen: Der Papst 2013 auf Lampedusa

Ein Kranz für die Verstorbenen: Der Papst 2013 auf Lampedusa

Eingangs hatte ich Ihnen versprochen, drei Schwerpunkte zu setzen. Nach den Reden des Papstes zu Europa direkt möchte ich deswegen die Perspektive etwas weiten, sozusagen ein Weitwinkelobjektiv aufschrauben. Es soll mir um den politischen Papst Franziskus gehen. „Die Zukunft der Welt liegt nicht nur in den Händen der Mächtigen, der großen Mächte und der Eliten. Sie liegt grundsätzlich in den Händen der Völker und in ihrer Fähigkeit, sich zu organisieren. Es liegt in ihrer Hand, die mit Demut und Überzeugung den Prozess des Wandels leiten kann.“ Ein Zitat aus einer Rede vor der Versammlung der Weltsozialbewegungen, die er immer wieder besucht und die verschiedenste Gruppen zusammen fasst, zum Horror westlicher Medien auch gerne Politiker wie Eva Morales oder zum Horror einiger Katholiken auch Kommunisten. Ich sage das nicht schnippisch, im Osten Europas – und ich lebe mit vielen Osteuropäern zusammen – ist das ein Thema, die Schneise der Zerstörung durch die sozialistischen Regime ist lange noch nicht zugewachsen.

Zurück zu seiner Rede, ich bin fest davon überzeugt, dass man diese Rede vor den Sozialbewegungen zusammen lesen muss mit einer anderen Rede, im gleichen Jahr – 2015 – gehalten, auch auf dem Doppelkontinent Amerika, die zweite aber vor dem US-Kongress, der so ziemlich das Gegenteil der Versammlung der Weltsozialbewegungen ist.

Es ist spannend, diese beiden Perspektiven des Papstes zusammen zu sehen, weil man dann nämlich feststellt, dass sie gar nicht so weit voneinander entfernt liegen. Weder sagt der Papst jedem Publikum, was es hören möchte, noch widersprechen sich dadurch seine Aussagen. Im Gegenteil. Papst Franziskus ist überzeugt, dass wir die Welt ändern können. Und das gilt für das Establishment, das wir Politiker nennen, genauso wie für alle, die sich engagieren. Und das – die Welt ändern, im Großen oder Kleinen – nennt man politisch Handeln.

 

Die Welt verändern

 

Und was ein Politiker – eigentlich – ist, hat der Papst in seiner Ansprache vor dem US-Kongress deutlich gemacht. Es geht um Träume und das Gemeinwohl, und dann geht es um Praxis und konkrete Schritte. Von seinen vier Beispiel-Persönlichkeiten waren alle ganz unterschiedliche Typen dieses Typs Politiker: Abraham Lincoln, Martin Luther King, Dorothy Day – eine katholische Aktivistin für die Arbeiterbewegung – und der Trappistenmönch Thomas Merton.

In diesem Sinn kann man auch ungefährlich vom Papst als Politiker sprechen, seine Träume – siehe Karlspreisrede – wollen nicht nur Träume bleiben, er spricht auch nicht nur abstrakt über die Rolle von Religion in  Gesellschaft und Staat, sondern wird konkret: Abschaffung der Todesstrafe, Aufnahme von Immigranten (interessanterweise machte er in den USA keine Unterscheidung zwischen legal und illegal), Würde für die Ausgeschlossenen, Gefängnisse nicht nur zur Bestrafung sondern auch zur Resozialisation, dazu die Themen Umwelt, Frieden und der Dialog mit Kuba und dem Iran, die Liste der konkreten Dinge bei der Papstrede ist lang. Außerhalb der Rede fällt natürlich als erstes Syrien ein, wo der Papst sich immer wieder engagiert, bei wachsender Verzweiflung auf allen Seiten. Opferseiten, muss das natürlich heißen, noch profitieren ja zu viele politisch von diesem Morden.

Leider hat Politik einen schlechten Ruf, in den USA einen noch viel schlechteren als bei uns. Und Donald Trump wird da jetzt auch nicht viel daran ändern. Politik ist aber die einzige Art und Weise, die Welt zu verändern, wenn wir nicht auf Diktatoren setzen wollen. Das was die Fundis veranstalten, in den USA vor allem die Tea Party Bewegung, bei uns der Front National, die AfD, die Lega und die Cinque Stelle, die Liste ist lang; was die Fundis wollen ist im Letzten unpolitisch, weil man nichts ändern will. Änderung setzt nämlich Prozesse voraus, und die will man nicht. Man will Recht haben, in allem, Punkt. Das ist aber unpolitisch.

 

„Their problems are our problems“

 

„Their problems are our problems“: dieser Satz aus der Papstrede in Washington ist letztlich der Kern des Politischen. Wer sich nicht mit den eigenen Problemen zufrieden gibt, sondern Verantwortung für andere übernimmt, macht sich ihre Probleme zu eigen. Und er bekommt auch Probleme, die er sich gar nicht ausgesucht hat. Klimafragen, Hunger, Zugang zu Wasser, „Dach, Erde, Arbeit“, wie die Schlagworte der Weltsozialbewegungen lautet, das sind alles Probleme, die allen zuwachsen, die Verantwortung übernehmen.

Und dann ist es eigentlich auch egal, ob man das als Vertreter von Landlosen tut oder als US-Senator.

Fluchtpunkt des Politischen, wie es der Papst vielleicht nicht definiert aber doch beschrieben hat, ist das Gemeinwohl, der Aufbau einer Gesellschaft. Das Gegenteil dazu – und dazu schlage an die Rede an die Volksbewegungen nach – sind Partikularinteressen, die Interessen der Mächtigen, seien es Konzerne oder Parteistrategen und Wahlkämpfer.

Und wir werden gemessen werden, „yardstick“ sagte der Papst, es gibt Fragen, an denen zukünftige Generationen ablesen, ob wir gescheitert sind, ob wir uns wirklich gemüht haben oder ob wir in Bequemlichkeit alles abgeschoben haben.

Und diese Messlatten suchen wir uns nicht aus, nicht wir bestimmen, nach was wir einmal gemessen werden. Das ist das Gemeine daran. Ich bin zum Beispiel fest davon überzeugt, dass der Umgang mit den Flüchtlingen weltweit eine solche Messlatte ist, die an uns angelegt werden wird.

 

Drücken gilt nicht

 

Hier liegt unser Auftrag, für das Wohl aller und das Wohl aller gemeinsam, das Gemeinwohl, zu arbeiten.

Drücken gilt nicht. Ich möchte einen Satz abwandeln, den der Papst über den Umgang mit Hass und Terror gesagt hat: Wenn wir uns dem Gegner nur in Gegnerschaft stellen, dann werden wir so wie er. „The enemy without feeds the enemy within“, innerlich sind wir dann nicht besser. Abgewandelt lautet der Satz dann: wenn ich mich drücke, beschädige ich mich selber. Wenn wir uns diesen – letztlich politischen – Aufgaben nicht stellen, macht das was mit uns. Wir müssen nicht gleich in Parteien eintreten, politisches Handeln geht auch ganz anders. Aber mit dem Wegsehen füttern wir den Feind in uns, den „Feind der menschlichen Natur“, wie ihn der heilige Ignatius – Gründer des Jesuitenordens – nennt. Der Feind, der in uns steckt und uns von uns selber wegbringen will, von dem wozu wir eigentlich geschaffen und gewollt sind.

Lassen Sie mich das, was ich beim Papst lese, einmal einen Volkstribuns-Satz sagen: überlassen wir die Politik nicht nur den Politikern. Dafür ist sie viel zu wichtig.

Beziehen wir das nun auf Europa, denn dazu sind wir ja hier. Die Felder hatte ich anhand der Papstreden zum Thema angerissen, die Verunsicherung als Hintergrundfarbe, der Überfluss, das Misstrauen, dagegen dann die Zentralität des Menschen, die Vielfalt der Kulturen und die Herkunft Europas aus der Migration, die Kultur der Begegnung.

Es stellt sich aber nun ein Problem in unseren Weg. Formulieren wir es zunächst positiv: die Begeisterten nach der Karlspreis-Rede wie etwa unsere Botschafterin und viele andere haben es so ausgedrückt: es braucht einen Papst vom Ende der Welt, um Europa so etwas sagen zu können.

Das geht aber auch negativ: Der Papst ist vom Ende der Welt, was weiß der schon von Europa, politisch – siehe Sozialbewegungen, siehe Wirtschaftskritik – sei er zu sehr vom Nationalismus und Dritten Weg des Juan Domingo Perón geprägt, vom Krausismo, wie die philosophische Denkschule dahinter heißt. Abstrakt sei das ja ganz gut, aber sobald es konkret wird, werde es für uns unanwendbar weil zu fern.

 

Peripherie, immer wieder die Peripherie

 

Und tatsächlich: Der Papst selber sprach von sich ja als „vom Ende der Welt kommend“. Er meinte damals, am Tag seiner Wahl, die Perspektive Roms, des Zentrums der Weltkirche. Im Nachhinein können wir es auch verstehen als einen Kommentar dazu, warum er gewählt wurde: Man wollte jemanden von außerhalb, um die allfällige Reform endlich anzugehen.

Aber genau deswegen war mir der zweite Schritt wichtig, der politische Papst. Was der Papst sagt, muss konkret werden. Die Konkretion, die Umsetzung, und der Traum dahinter beziehen sich aufeinander, das eine geht nicht ohne das andere. Das „vom Ende der Welt“ darf nicht zu einer Selbstimmunisierung werden, der Verweis auf kulturelle, philosophische oder historische Bedingtheit darf nicht dazu führen, dass wir eine Relevanz außerhalb dieser Bedingungen für uns nicht zulassen wollen. Die Konkretion rettet uns vor dieser Selbstimmunisierung.

Natürlich rede ich hier über den einen Satz, der wie kein anderer bei uns – auch in der politischen und journalistischen Lebensform – auf Kritik gestoßen ist und der diese Debatte geradezu fokussiert: „Diese Wirtschaft tötet“. Der Satz stammt aus Evangelii Gaudium und muss eigentlich heißen „Diese ausschließende Wirtschaft tötet“, aber auch diese vollständige Zitation beruhigt die Gemüter wenig.

Viele Debattenbeiträge sind sehr ausgewogen und widersprechen dem Papst ausdrücklich, aber lassen Sie mich das des Dramas wegen einmal boshaft überspitzt formulieren: Was versteht das Ende der Welt schon von sozialer Marktwirtschaft in Europa?

Ich will das Sprechen vom „Ende der Welt“ nicht über die Maßen strapazieren, dahinter liegt aber ein methodisches Prinzip des Papstes, das für uns – kirchlich wie gesellschaftlich und erst recht politisch – wichtig ist, nämlich das Prinzip, das sich beim Papst hinter dem Wort ‚Peripherie‘ verbirgt.

 

Obdachlose, Lampedusa

 

Sein Europa ist das der Peripherie. Er empfing erst vor zwei Wochen Obdachlose aus ganz Europa, und wenn Europa nicht zu ihm kommt, dann fährt er hin, nach Lampedusa, nach Albanien, Lesbos, Sarajevo. Das sind die Peripherien, und nur von denen her versteht man das Zentrum. Soll heißen, ich muss mit den Augen und den Wahrnehmungsweisen der Peripherie schauen, nicht mit unseren Analysewerkzeugen auf sie. Das ist der Trick. Ich muss mit den Augen derer, die unseren Reichtum hier sehen – per TV, per Werbung, per allgegenwärtiger Verheißung – und keine Chance auf ihn haben sehen. Ich muss mit den Augen der jungen Menschen sehen, die bei der skandalösen Jugendarbeitslosigkeit Europas erst gar keine Chance bekommen.

Es ist der Perspektivwechsel, der den Papst dazu führt zu sagen, dass es eine Wirtschaft gibt, die Menschen ausschließt. Und er greift da auch rhetorisch zu starken Mitteln: „Wer regiert? Das Geld. Wie regiert es? Mit Angst.“ Auch das ein Ausschnitt aus einer Rede vor den Weltsozialbewegungen, der bislang letzten, vor drei Wochen.

Da zuckt es uns durch die Finger, bei uns gibt es so viel Ehrenamt, so viel guten Willen, so viel durch echten Humanismus bewegtes Handeln, das auf das Regieren des Geldes zu reduzieren ist unfair. Ist es wahrscheinlich auch. Aber Millionen von Menschen sehen das anders. Und diese Perspektive ruft der Papst auf.

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung wird im kommenden Jahr mehr besitzen als die restlichen 99 Prozent zusammen. Die Zahlen stammen von Oxfam, einer großen britischen Hilfsorganisation. Die Schere zwischen reich und arm klafft immer weiter auseinander. Oder so: Die reichsten 85 Menschen besitzen genau so viel wie die ärmere Hälfte der Menschheit zusammen: 85 Menschen einerseits, 3,5 Milliarden Menschen andererseits. Und so weiter.

 

„Imperialismus des internationalen Kapitals“

 

Das ist die Perspektive, mit der der Papst auf die Güter der Welt blickt. Er tut das nicht als einziger, in einem ausführlichen Interview für ein Buch neulich hat er darüber gesprochen und sehr viel Wert darauf gelegt, dass das, was er sagt, alte Kirche ist. „Imperialismus des internationalen Kapitals“ stammt von Pius XI., für Benedikt XVI. stand das sich Annehmen des Armen und der Glaube an den einen Gott im AT auf gleicher Stufe, Paul VI. sagt, dass es kein absolutes unbedingtes Recht auf Eigentum gibt, aber nicht nur Päpste: Lesen Sie mal die Kirchenväter, 1.800 Jahre her, zum Beispiel Basilius von Caeserea. Aber man darf sich nicht vertun, hier geht es nicht um eine ausführliche und tiefe Analyse wirtschaftlicher Verhältnisse. Hier geht es um die Armen. Oder präziser: die ausgeschlossenen, die nicht teilnehmen können. Es geht um die, die keine Funktion im Konsum-Kapitalismus erfüllen und weggeworfen werden. Die Opfer sind die Kinder, ungeborene und solche ohne Perspektive, und es sind die Alten Menschen. Das ist die Trias, die er immer wieder nennt: ungeborene, perspektivlose junge und allein gelassene alte Menschen.

Lesen Sie die Reaktionen auf einen Blogeintrag von mir: wenn es um Eigentum geht, hört bei uns hier im Westen der Spaß auf. Da geht es ums Eingemachte. Eigentum verpflichtet, sagt unsere Verfassung, aber wenn der Papst (Paul VI. und jetzt Franziskus) die Absolutheit des Rechts auf Eigentum bezweifelt, dann geht das gar nicht. Protest! Soziale Marktwirtschaft! Wir sind doch nicht Argentinien!

Die Zahlen, die ich oben genannt habe, hatten aber einen Sinn. Die Wirtschaftsordnung, die uns hier in Deutschland, Österreich und der Schweiz reich gemacht hat, schafft Armut und Hunger und Tod. Noch einmal, es geht hier nicht um eine Analyse, sondern um den Blick auf die Opfer, und dann noch einmal strenger um den Blick aus der Perspektive der Opfer. Die Armutsfrage ist für Franziskus eine Glaubensfrage, an ihr entscheidet sich, ob jemand die Sache Jesu ernst nimmt oder nicht. Und das können wir hier im Wohlstand nicht einfach wegstecken.

 

Setzen auf Verantwortung

 

Ja, er lobt auch Unternehmer, er spricht von verantwortlichen Unternehmern. Aber er personalisiert, es geht um Unternehmer, nicht um Unternehmen. Der Papst setzt auch hier auf die Verantwortung des Einzelnen, nicht der Struktur.

Fakt ist aber, dass unsere Welt nicht gerecht ist, obwohl es genug Güter gäbe, alle Menschen satt zu machen. Und: Wir werfen Menschen weg. Und weinen noch nicht einmal mehr darüber.

Der Papst ist kein Wirtschaftsrevolutionär, aber einer, der den Menschen radikal in die Mitte alles Nachdenkens über Wirtschaft, Kultur und Rechte gestellt sehen will.

Es wird Zeit, das Ganze jetzt wieder auf Europa zurück zu biegen. Ich zitiere aus der Europarat-Rede: „In der weltweiten sozialen Wirklichkeit von heute ist es daher über die begrenzten Interessen der Unternehmen und einer fragwürdigen wirtschaftlichen Rationalität hinaus notwendig, dass als Priorität weiterhin das Ziel verfolgt wird, allen Zugang zur Arbeit zu verschaffen“. Hier nur ein Ziel, das er uns gibt.

Aus der Wirtschaftskritik – einige Zeilen vorher heißt es, wir bräuchten neue Wirtschaftsmodelle – heraus entstehen ganz konkrete Ziele, wie die Ziele selber aus der Wahrnehmung der Wirklichkeit der Schwachen und der Peripherie heraus entstanden sind. Er lobt dort ausdrücklich die soziale Marktwirtschaft, sein Anliegen ist aber kein wirtschafts-philosophisches, es sind ganz konkrete Anliegen, mit denen der Papst Europa konfrontiert.

Ein anderes, ebenfalls sehr konkretes Anliegen: Europa sei „die Heimat der Menschenrechte“, und wer auch immer seinen Fuß auf europäischen Boden setzt, müsste das spüren können, so Papst Franziskus im April 2016 auf Lesbos.

 

Der Finger liegt in Wunden

 

Der Blick vom Ende der Welt auf Europa sieht Potentialität, aber er nervt uns auch. Er legt den Finger in Wunden, die wir vielleicht gar nicht als solche erkennen. Die Nationalismen Polens, Ungarns und Großbritanniens verstehen wir nicht recht, den Ärger Afrikas über abgeschottete Märkte hören wir nicht, den Zorn der Jugend ohne Arbeit sehen wir als reines wirtschaftliches Zahlenproblem.

Der Papst packt uns Europäer am Revers und schüttelt uns. Und er tut es gut dialektisch: die Werte, die wir teilen, zeigen sich nur in ihrer Umsetzung. Und konkretes Politisches Handeln kann nur auf der Basis von Werten erfolgreich sein.

Flüchtlinge und Migranten bzw. die Beteiligung Europas an den Krisen, Kriegen und Desastern, die uns um geben und an denen wir die vergangenen hundert Jahr mutgebastelt haben auf der einen Seite und eine gerechte, den Menschen ins Zentrum setzende Wirtschaftsordnung auf der anderen Seite, das sind die beiden Dinge, die ich bei Papst Franziskus höre.

Er sagt es nicht nur uns. Aber Europa bekommt es zu hören, weil wir so viele Anlagen in uns tragen. Tradition, Werte, Träume. Das dürfen wir nicht vergessen. Und wie geht das? Machen wir es wie der Papst, gehen wir an die Peripherie, schauen wir Europa mit anderen Augen an, dann sehen wir auch, wo wir etwas tun können, ganz konkret und von Werten getragen.

 

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30 Kommentare zu Ein Blick vom Ende der Welt – Europa und der Papst

  1. Micaela Riepe sagt:

    Ein Hinweis in anderer Sache:

    Die Verfilmung der Franziskus-Biographie „El Jesuita“ ist mit dem Emmy Award ausgezeichnet worden und die vierteilige Reihe läuft jeweils Dienstags auf BibelTV. Wer den ersten Teil verpasst hat, wiederholt wird der heute um 19:05.

  2. Amica sagt:

    Haben Sie super geschrieben: Sehr intelligent und inhaltsschwer, für einen Vortrag fast zu fundiert.
    Viele Kommentare wird’s dafür aber hier wohl nicht regnen, da Sie uns das im Blog ja stückchenweise vorgesetzt haben.
    Aber der Aufsatz sollte in einer Fachzeitschrift publiziert werden. Der enthält einfach alles, was man über den Papst und Europa wissen muss. Er sollte eine Pflichtlektüre für jeden Journalisten werden.
    Echt schön!

  3. @lieber P. Hagenkord, weil nicht weiß wo ich diesen BESONDEREN DANK FÜR IHRE KOLLEGIN unterbringen soll..,deswegen hier:

    Gudrun Sailer-ihr heutiger Kommentar-„Unser guter Papa Franz“ auf katholisch.de

    das sind DIE Beiträge, wo ich manchmal „eifersüchtig“ auf die Zusatzbegabungen vieler Frauen bin.. so eine -fast „Liebeserklärung“ in dieser TIEFE in wenigen Strichen gezeichnet…!!
    bitte geben Sie-vermutlich nicht nur- meinen Dank weiter.. Besten Dank

    • Amica sagt:

      Ja, Gudrun Sailer ist echt klasse, eine super kluge, eben auch präzis analytisch denkende Frau. Und solche Frauen sind rar.
      Wenn Sie, Pater Hagenkord, den Blog mit ihr teilen würden, wäre das eine echte Bereicherung. Da würde mehr weiblich-katholische Intelligenz durchschimmern. Eine weibliche und männliche Sichtweise würden einander ergänzen und Sie selbst wären etwas ausgelastet.
      Auf Papstgeflüster wechseln sich ja auch ein Mann und eine Frau ab, wieso nicht auch hier?
      Ich für meinen Teil würde gerne mal mit Frau Sailer hier kommunizieren.
      Geht wohl nicht, oder?
      Schade.

  4. Herbert Klupp sagt:

    Darf man einen Papst kritisieren ? Schon, das nimmt sich doch „alle Welt“ heraus. Aber ich, als tiefgläubiger Katholik ? Ich unterwerfe mich dem Papst und der Kirche, und wenn von dorther jemals etwas Ungerechtes auf mich käme – ich bete dafür, daß ich dann die Zähne zusammen beißen und es tragen kann. Aber schweigen, wenn Falsches verkündet wird, das kann ich nicht. Wer darin einen Widerspruch sieht, mag mich gerne verurteilen. Ich folge darin unserem Paulus, der sinngemäß sagt: weist einander zurecht. Papst Franziskus ( und daher auch der obiger Artikel ) irrt an zwei Stellen. Die Klimaänderungen, und damit auch die möglichen Belastungen durch das Klima, kommen aus der Natur, von der Sonne und aus einem „ewigen“ Spiel von Veränderungen ( von Temp, Regen, Wind, Wasserstand usw ) unaufhörlich an allen Stellen der Erde. Wer den neuen „Lügenmärchen“ von der „menschengemachten Klimakatastrophe“ folgt, ist im Irrtum, und er sollte umkehren. Der andere Irrtum besteht in der Annahme, daß wir ( der Westen ) reich sind, weil andere arm sind, oder gar durch uns in Armut gehalten werden. Die Armut kommt jedoch aus korrupten Systemen, aus kriegerischem Alltag, aus geistiger Sklaverei ( wie im Islam, Hinduismus, usw ).
    Ich füge gerne hinzu, daß es eben NUR ZWEI Punkte sind, wo Irrtum vorliegt. Viele, viele andere Ausführungen des Papstes ( und des Artikels oben ) sind goldrichtig, und ich unterschreibe das gerne, und bin dankbar für die Ausführungen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Auf einen Ihrer zwei Punkte möchte ich antworten, nämlich den Klimawandel. Da liegen Sie falsch. Das ist kein Glaubensartikel, sondern eine Frage, die sich wissenschaftlich behandeln lässt und die wissenschaftlich behandelt wird.
      Wenn ich krank bin wird der Arzt mir sagen, dass ich älter werde und dass nicht mehr alles so funktioniert wie früher. Das ist Ihr natürlicher Wandel. Wenn der Arzt mir dann aber auch sagt, ich hätte Krebs oder irgend eine andere Krankheit oder dass ich aufhören muss zu rauchen oder so, und dass das heilbare oder therapierbare Effekte seien, dann mag ich mir eine zweite Meinung einholen, eine dritte. Irgendwann sollte ich den Rat der Fachleute aber akzeptieren und mein Leben ändern.
      Die überwältigende Mehrheit wissenschaftlicher Studien zeigt, dass der Mensch negativ zum Klimawandel beiträgt. Das Verbrennen von fossilen Brennstoffen – mal ganz abgesehen davon, dass die unsere Umwelt direkt beeinflussen, etwa die Luft, die wir Atmen – nimmt Einfluss. Wir können das noch ändern, und mit Blick auf diejenigen, die nichts von den Vorteilen haben aber die Nachteile tragen müssen, erwächst uns auch eine Verantwortung.
      Mit Verlaub, die Annahme, dass der Klimawandel ein „Lügemnärchen“ sei, auch wenn Sie das Wort in Anführungszeichen setzen, ist fahrlässig. Und ich bin froh, dass der Papst das zum Teil unseres Glaubens gemacht hat. So wie die vergangenen Päpste seit Leo XIII. soziale Fragen zur Soziallehre verdichtet haben, so hat auch dieser Papst einen wichtigen Schritt getan.

      • Herbert Klupp sagt:

        Lieber Pater Hagenkord, beim Thema Klima gibt es sehr, sehr viele Argumente dafür, daß es sich hier um einen riesigen „Schwindel“ handelt. Hier ist viel, viel zu wenig Platz, um das alles auch nur ansatzweise ausbreiten zu können. Leider finden Sie solche gravierenden Argumente nicht in den großen Medien. Das ist ja genau der Schwindel, bzw ein integrativer Teil dieses „Megafakes“.
        Hier von mir nur soviel: das CO2, das durch Verbrennung von Kohle, Öl und Gas frei wird, ist mitnichten ein Schadstoff, sondern ein wunderbarer, ungiftiger Stoff des LEBENS. Durch die dramatische menschengemachte Erhöhung des CO2-Anteils in der Atmosphäre kann bereits weltweit ein besseres Pflanzenwachstum beobachtet werden. CO2 wird von den Pflanzen zum Einatmen“ benötigt, wie von uns der Sauerstoff. Bei „Ausatmen“ sorgen die Pflnazen für uns und wir ( Mensch und Tier ) für die Pflanzen. Sodann: der Sauerstoffgehalt der Luft liegt bei 21%, der CO2-Gehalt bei lediglich 0,05% ! Wärmer wird es auf der Erde wegen des aktuellen Erdzyklus von einer Eiszeit in eine Warmzeit. Insofern – möglicherweise – unser CO2 ein kleines bischen zu einer schnelleren Erwärmung beiträgt, ist das nur zu begrüßen. Alles Leben gelingt besser bei leicht höheren Temperaturen. Das umgekehrte, eine weltweite Abkühlung, DAS wäre eine Katastrophe. Und dann noch die Dimensionen: alle „Klimahysteriker“ reden von 2 Grad Erwärmung bis 2100, bzw von 4 Grad, wen wir „keine Maßnahmen“ ergreifen. Lieber Pater Hagenkord: 4 Grad in 80 Jahren, das entspricht 0,4 Grad in 10 Jahren, also etwas praktisch nicht fühlbares, und das über 10 Jahre verteilt. Lieber Pater Hagenkord, das ist alles ein einziger riesengroßer „Fake“ ( mit dem allerdings eine Menge Geld für bestimmte Leute herausgepreßt werden kann – deshalb funktioniert der „Fake“ – leider )

        • Pater Hagenkord sagt:

          CO2 ist ein Stoff des Lebens, aber wie bei allem ist auch das eine Frage der Menge. Wir produzieren zu viel davon, die Wärme entweicht nicht mehr, wie sie soll. Schauen Sie auf einen Menschen. Nur wenige Grade nennen wir Fieber. Auch die von Ihnen herunter gespielten 0,4 Grad. Und wenige Grade mehr sind der sichere Tod. Das Ökosystem ist balanciert, der Menschliche Körper wie das ganze System sehr anfällig. Wenn wir jetzt darin eine große Schwankung verursachen – und das tun wir, das sagen uns alle Klimastudien – dann tragen wir dazu bei.
          Außerdem: wenige Grade mehr bedeutet schon großes Schmelzen der Erdkappen und damit die Erhöhung der Meeresspiegel. Das mag uns nichts ausmachen – noch – aber wir verstehen noch gar nicht, was das mit Meeresströmungen macht, von Inseln und ihren Bewohnern ganz zu schweigen.
          Ich bin kein „Klimahysteriker“. Aber ich denke nach und verschließe meine Augen nicht vor einem von uns mit verursachtem Wandel, unter dem die Welt leidet und noch mehr leiden wird.
          Und was Ihren Vorwurf angeht, damit würden einige Menschen Geld verdienen: Verdient wird mit Umweltzerstörung im großen Stil, das gegen einige Studien aufzurechnen ist einfach nur zynisch.

          • Herbert Klupp sagt:

            Lieber Pater Hagenkord, Sie sind ganz und gar im Irrtum. Ich mache daraus keinen Vorwurf, weil ich ja weiß, wie indoktriniert wir alle sind bei diesem Thema. Nur ein ganz klein bischen gesunden Menschenverstand bei Thema „Fieber der Erde“ möchte ich anmahnen. Unsere Erde hat schon wesentlich wärmere Zeiten gesehen mit wesentlich reicherem Betand an Pflanzen und Tieren. So spricht man bspw von der „Kambrischen Explosion“, weil im Kambrium, wesentlich wärmer war es damals als heute, ein mächtiges Aufleben von neuen Arten usw entstanden war. Auch stammen aus dieser Zeit die meisten unserer Kohle und Ölvorräte usw. Ich fürchte, die Deails interessieren Sie nicht. Bitte glauben Sie wenigstens dem Kind, das da ruft „der Kaiser ist ja nackt!“. Ja, genau so ist es. Keiner darf es in den großen Medien sagen, aber es ist die Wahrheit. Das CO2 macht NICHT wärmer. Und wenn es wärmer wird, ist es besser für fast alle Menschen. Die Klimahysterie ist „nackt“.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Indoktrination? Das ist Ihre Weise, Argumente nicht zur Kenntnis zu nehmen. Mich interessieren Details sehr wohl, das ist ja Ihr Problem. Mich interessieren vor allem Details, die Sie schlicht und einfach als „Lüge“ abtun. Ihr Kaiser ist ziemlich nackt, wenn ich das zurück rufen darf.

          • Andreas sagt:

            Anmerkung: Mehr als auf die Menge an CO₂ kommt auf dessen Anreicherung in der Atmosphäre pro Zeit an. Im Verlauf der Erdgeschichte war meist erheblich mehr atmosphärisches CO₂ als heute vorhanden, aber mit deutlich ‚flacheren‘ Mengenänderungen: http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Kohlendioxid_in_der_Erdgeschichte.

          • Andreas sagt:

            Anmerkung zur Anmerkung: Wenn ein relativ kurzer klimatischer Zeitraum von einhundert Jahren graphisch auf der Zeitachse einer Daumenbreite von zwei Zentimetern entspricht, müsste ein hundert Millionen Jahre langes Zeitintervall auf der Achse im gleichen Maßstab zwanzig Kilometer(!) lang sein. Im umgekehrten Maßstab entsprächen den einhundert Jahren unsichtbare zwanzig Nanometer! Man möge daraus beim Vergleichen weit auseinander liegender erdgeschichtlicher Zeiträume die richtigen Schlüsse ziehen.

        • Amica sagt:

          Wenn man ein bisschen naturverbunden lebt, einem die Veränderungen in der Umwelt doch auffallen, dann wird man den Klimawandel nicht leugnen können.
          Ein kleines Beispiel: Die Winter werden immer „angenehmer“ in unseren Breiten. Ach, wie schön. 😉 Eine Freundin von mir besitzt einen Wald und die kann mir versichern, dass durch den milden Winter die Ungezieferrate (Borkenkäfer etc.) ansteigt! Heißt: die Baumbestände zerstört werden. Fakt ist, dass die Tierchen im Geäst nicht angemessen – durch Kälte – abgetötet werden und der Baumbestand darunter leidet. Womit wir wieder beim CO-Ausstoff wären.
          Natürlich ist da der Schutz des Regenwaldes noch gravierender, aber im Kleinen spüren wir das auch schon bei uns.
          Das Ganze endet noch in einer echten Katastrophe.
          Irgendwann werden Städte wie Venedig nicht mehr existieren… Ich sollte unbedingt nochmal schnellstmöglich dahin pilgern, bevor es eine Art untergegangene Stadt meint.

        • Ich bin gegen jegliche Verschwörungstheorien!

          • Ich wollte eigentlich auf den Herbert Klump, 25.11., 11:43 antworten

          • Verschwörungstheorien revisited

            Faktisch ist die Annahme einer globalen Verschwörung der Eliten absurd, theoretisch aber ein interessantes Phänomen der heutigen Gesellschaft:

            ‚Verschwörung’ kann als Metapher für die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit durch kulturelle Eliten angesehen werden. In diesem Weltbild kommen die Perspektiven der Nicht-Eliten nicht vor. So erscheint ihnen der Mainstream der öffentlichen Meinung wie eine Verschwörung der Eliten auf Kosten derjenigen, die ausgeschlossen sind.

            Was ist zu tun? An die Ränder gehen, sich die Probleme der ‚Armen’ zu Eigen machen, ihrer Perspektive in der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit Raum geben.

            Christentum ist politisch. Danke für Ihre Analyse Pater Hagenkord!

        • Krakebusch sagt:

          Die zwei Grad bis 2100 schaffen wir innerhalb von zwei Jahren. Alles Liebe zum 16ten (15? 17?) monatlichen Temperaturrekord in Folge.

          Dürren, Überschwemmungen, Monsterstürme…Macht echt alles viel lebenswerter.

          Ein wenig Lektüre zur Desinformationskampagne von Exxon: http://www.spektrum.de/news/wie-exxon-den-klimawandel-entdeckte-und-leugnete/1374674

          p.s. Wollen Sie wirklich erzählen, dass Länder wie China ein Klimaabkommen ratifizieren, wenn fünf vor zwölf nicht längst durch wär?

    • Roswitha Steffens sagt:

      Was wir uns beim Klimawandel selbst zuzuschreiben haben, das ist die Tatsache, dass wir trotz unseres Wissens darüber nicht in der Lage sind als die Einheit darauf zu reagieren, die den Wandel durch ein Bewusstsein führen kann, das ihm entgegensteht. Alle Völker wissen um die menschlichen Defizite dieser Welt, sie werden ja auch durch Meinungen breit getreten bis zur Unkenntlichkeit. Eines aber berücksichtigt die Meinung bei ihrer Präsentation nicht, nämlich das, was uns alle miteinander verbindet. Wir wurden nicht in die Natur hineingesetzt, Gott hat uns ihr entnommen und uns damit die Möglichkeit geschenkt, uns durch die Natur so zu reflektieren, wie es seinem Wort zukommt. Je mehr wir von der Natur zerstören, umso weniger Reflektierbarkeit bleibt uns übrig. Wir zerstören unsere eigene Lebensgrundlage und das nur, weil wir mit aller Kraft nicht einsehen wollen, was das der ganzen Menschheit raubt. Es ist die Zeit, die uns fehlt, um uns mit ihrer physikalischen Eigenschaft so in Einklang zu bringen, dass wir daraus das Leben schöpfen können, das uns Gott durch Jesus zukommen ließ. Alle Zeit dieser Welt würde nicht ausreichen, um uns zur Vernunft zu bringen, doch die Zeit als menschliche Herausforderung in den Raum zu setzen, das erfordert einen gesunden Menschenverstand, der in ein gemeinsames Bewusstsein führt, das Zeit durch Vernunft tragen kann. Wenn Sie mir also erzählen wollen der Klimawandel wäre nicht durch die Menschheit provoziert, dann halte ich ihnen die Kausalität entgegen, die uns inkludiert und der Welt damit ihr Gesicht gibt. Wir haben also nicht nur einen Einfluss auf den Klimawandel, wir sind die Ursache dafür, weil wir ein Parallelsystem entwickelt haben, das so nicht funktioniert.

      • Herbert Klupp sagt:

        Liebe Frau Steffens, Sie haben recht damit, daß wir ein integrativer Bestandteil der Schöpfung, hier insbesondere eben auch der irdischen (Gesamt-)Gestalt sind. Daher gilt Gottes Auftrag an uns, den „Garten Eden“ zu bebauen und zu bewahren nach wie vor und ohne irgendeine Einschränkung. Ich bin auch ein großer Freund aller Umweltschutzmaßmahmen. Angefangen von der Mülltrennung, bis hin zur Förderung von Luftfilteranlagen für die geplagten Einwohner der Megastädte der „Dritten Welt“, vom säubern eines Picknickplatzes ( ich habe meinen Kindern immer eingeschärft: wir verlassen einen Platz in der Natur mit WENIGER Unrat, als wir vorgefunden haben ) bis hin zu ADBLUE ( Technologie, damit Dieselmotoren noch viel sauberer sein können )
        Vor allem bin ich ein Förderer der Regenwalderhaltung. Die schrecklichen Rodungen des wertvollen unwiederbringlichen Tropenwaldes sind eine Schande für die „Menschheit“. Wenn aber auf breiter Front die DICKE LÜGE in die Welt gesetzt wird, CO2 sei ein „Schadstoff“, dann kämpfe ich um die Wahrheit. CO2 ist ein wunderbarer, unentbehrlicher, ungiftiger STOFF DES LEBENS, und falls CO2 zur Erwärmung beiträgt, dann nur in minimalsten Prozentzahlen. Siehe dazu meine obige Antwort an Pater Hagenkord. PS: in der „Eile“ ist mir dort ein Rechenfehler unterlaufen, den ich korrigieren möchte. Der vorletzte Satz muß richtiggestellt lauten: „4 Grad in 80 Jahren, das entspricht 0,5 Grad in 10 Jahren, also etwas praktisch nicht fühlbares, und das über 10 Jahre verteilt“

        • Pater Hagenkord sagt:

          CO2 ist kein Schadstoff, aber die Menge an CO2, die wir produzieren, schädigt. Das ist kein dicke Lüge, wie Sie behaupten.

        • Roswitha Steffens sagt:

          Also ich fühle die Veränderungen, die durch die Umwelt entstehen als Mensch sehr wohl, wer das nicht tut sollte sich vielleicht mehr Gedanken um sein Wesen machen, als die Zeit damit zu vergeuden, sich auf Wisssen zu berufen, das nur dann seinen wahren Dienst erweisen kann, wenn es von der ganzen Menschheit getragen und nicht nur von einzelnen Vertretern verteidigt wird.

        • Andreas sagt:

          Werter Herr Klupp, Sie haben recht, Kohlendioxid ist in den betrachteten Konzentrationen weder giftig noch ein Schadstoff. Und eine wärmere Welt ist auch schön: kein lästiges Aufziehen von Winterreifen mehr, dickere Äpfel und Bohnen im Garten, eine größere Insekten- und Reptilienvielfalt, weniger Verbrauch an Heizstoff und abnehmende Gelenkschmerzen. Auch die Urlaubsreisen werden preiswerter: Warum beschwerlich in fremde, heiße Länder reisen, wenn es zuhause am Swimming-Pool warm und sonnig ist? Und zu guter Letzt: Wenn Grönland und die Antarktis von ihrem dicken Eispanzer befreit sind, ist endlich genug Platz für alle Menschen, die eine neue Heimat suchen, ohne dass andere gestört werden oder ihnen etwas weggenommen wird. Lassen Sie uns darauf symbolisch eine Schippe Kohle mehr auf das Feuer im Ofen legen.

          • Herbert Klupp sagt:

            Lieber Andreas, war das jetzt Sarkasmus ? Ich bin sehr wohl für einen sorgsamen ( sparsamen ) Umgang mit fossilen Brennstoffen, weil diese endlich sind. Öl und Gas mag noch für 100 Jahre da sein, Kohle weitaus mehr – aber dennoch: wenn Gott uns aufgibt, die Schöpfung zu bebauen UND ZU BEWAHREN, dann sollten wir hier einsichtig sein, und auch bspw noch an unsere 4.te Enkelgeneration denken ! Wenn das aber auf Basis einer „dreisten Lüge“, die mir von allen großen Medien wie gleichgeschaltet „alternativlos“ aufgetischt wird, mir übergestülpt wird, dann bin ich „sauer“ ! Ich weigere mich, unter dieser großen „CO2-Lüge“ zu leben, selbst wenn die Erfinder dieser „Lüge“ irgendwann etwas positives ( Fossilbrennstoffe sparen ) im Sinn hatten.

          • Andreas sagt:

            Lieber Herbert Klupp, worin die „dreiste Lüge“ konkret bestehen soll, erschließt sich mir nicht. Ist die Molekülphysik der Treibhausgase unvollständig oder falsch? Welche Messdaten werden verkehrt interpretiert? Wenn die Treibhausgase nicht für die Erderwärmung in Frage kommen, könnte die Ursache dann möglicherweise im Erdinneren liegen, welches sich bisweilen aktiver verhalten mag und dabei heißer wird? Immerhin soll sich ja bald das Erdmagnetfeld umpolen.

    • Andreas sagt:

      @Herbert Klupp: Auf welchen Fakten und Gedankengängen beruht Ihre Annahme, dass die derzeitige Klimaveränderung lediglich ein wiederkehrendes Spiel der Natur und der Mensch daran unbeteiligt ist?

      • Krakebusch sagt:

        @Andreas: Das ist das klassische Gewäsch, das von Vereinen wie EIKE ins arme www gebläht wird.

        Nicht einmal ignorieren – das ist es nicht wert.

    • F. H. sagt:

      Zum Thema Klimawandel empfehle ich den Vortrag von Prof. Harald Lesch:

      https://www.youtube.com/watch?v=QXsMhT7DdqM

      Auch sein Buch zum gleichen Thema ist äußerst lesenswert!

      Ich bin Papst Franziskus sehr dankbar dafür, dass er das Thema Umweltschutz bzw. Achtung der Schöpfung auf seine Agenda geschrieben hat.

  5. DFG-VM sagt:

    „Das europäische Projekt darf nicht scheitern“

    Dieses Projekt der Eliten ist bereits gescheitert. Es ist gescheitert, weil diese Eliten einen europäischen Staat unter Mißachtung der nationalen Identitäten der Teilstaaten errichten wollten. Einen Staat, in dem bis hinunter auf die Größe des Toilettenpapiers alles von Brüssel aus vorgeschrieben wird.

    Der größte Fehler dieser Eliten war jedoch die Einführung des Euros als wichtiger Zwischenschritt zum Zentralstaat. Durch die Euroeinführung hat das europäische Projekt jede Legitimation verloren und wird deshalb nur noch in den Geschichtsbüchern überdauern.

    Und das ist gut so.

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