Ein Schritt, nicht nur Symbolismus

Das Thema ist nicht vorbei. Ein Treffen des Papstes mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt und von Missbrauch ist ein Schritt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Vertreter von Betroffenen haben das Ereignis im Vatikan als „Public Relations Event bezeichnet“, nachzulesen bei der BBC oder USANews, um nur zwei zu nennen.

Leere Stellungnahmen seien das, reiner Symbolismus. Geld müsse fließen, etc., je nach Vertreter sind die Schwerpunkte der Kritik verschieden. Und ein Punkt dabei stimmt ja auch: Wenn der Papst sagt, dass Bischöfe und andere kirchliche Obere daran gemessen werden, wie sie sich um den Schutz Minderjähriger kümmern, dann ist das erst einmal ein Wort. Die Umsetzung muss – soweit sie noch nicht existiert – folgen. Hier gibt es aber bereits in einigen Ländern klare Strukturen, und die sechs Betroffenen kommen auch aus solchen Ländern.

 

Wut, Zorn, Erinnerung

 

Auch in diesem Blog sind Kommentare eingestellt worden, die verlangen, dass dieses oder jenes noch gehört und gelesen werden soll. Wegen des beschimpfenden Charakters der Texte habe ich die dann nicht eingestellt, aber die Tatsache dass sie gibt zeigt doch, dass es immer noch nicht einfach ist, über das Thema zu sprechen.

Der Papst hat in seiner Predigt am Montag wie ich finde gute Worte gefunden. Und Pater Hans Zollner im Interview mit mir auch. Er kennt zwei der Betroffenen, er hat die angespannte Atmosphäre vor dem Treffen mitbekommen, aber auch das, was er Dankbarkeit, Gelöstheit und Hoffnung nennt.

Es ist jetzt nicht alles gut. Fern davon. Dass es eine Kommission im Vatikan braucht zeigt ja auch deutlich, dass es immer noch Nachholbedarf gibt.

Aber der erste Schritt ist das Zuhören. Und einen solchen hat der Papst getan. Er hat gezeigt, was zu tun ist und den Bischöfen davor sehr deutlich gemacht, dass das auch ihre Aufgabe ist. Und nicht nur ihre. Aber nur über Zuhören öffnet man Türen. Ein Mitglied der Päpstlichen Kommission, Mary Collins, selber Missbrauchs-Opfer, hatte die Idee zu dem Treffen, berichtet Pater Zollner.

Was bedeutet das für die Realität, jenseits des Symbolischen? Die Eingeladenen hätten durch das Treffen noch einmal einen inneren Prozess durchlaufen, Erinnerung, Wut, Zorn, Enttäuschung, zerstörtes Vertrauen, all das sei wieder hoch gekommen, so Pater Zollner. Und das habe dann zu einer Klärung beigetragen.

Ein Schritt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Und weil es nun die Predigt auch auf Deutsch gibt, stelle ich auch diese hier ein.

Das Bild von Petrus, der Jesus aus dieser Sitzung mit dem schrecklichen Verhör herauskommen sieht, dem Blick Jesu begegnet und weint – dieses Bild steigt heute in meinem Herzen auf, da ich Ihrem Blick und dem so vieler Männer und Frauen, Jungen und Mädchen begegne. Ich spüre den Blick Jesu und bitte um die Gnade seines Gebetes. Um die Gnade, dass die Kirche weinen möge und Wiedergutmachung übe für ihre Söhne und Töchter, die ihre Aufgabe verraten und unschuldige Menschen missbraucht haben. Und ich bin Ihnen allen heute dankbar, dass Sie von weit her gekommen sind.

Seit langem trage ich in meinem Herzen den tiefen Schmerz, das Leid, das so lange Zeit verborgen, so lange Zeit verschleiert wurde mit einer Komplizenschaft, für die es keine Erklärung gibt – solange bis irgendjemand wahrgenommen hat, dass Jesus schaute, und ein anderer ebenfalls und noch einer… und sie entschlossen sich, diesen Blick auszuhalten.

Und die Wenigen, die begonnen haben zu weinen, haben unser Gewissen mit diesen Verbrechen und schweren Sünden belastet. Das ist meine Bestürzung und mein Schmerz über die Tatsache, dass einige Priester und Bischöfe die Unschuld von Minderjährigen und ihre eigene priesterliche Berufung geschändet haben, indem sie sich an ihnen sexuell vergingen. Es handelt sich um mehr als niederträchtige Taten. Es ist wie ein gotteslästerlicher Kult, denn diese Knaben und Mädchen waren dem priesterlichen Charisma anvertraut, damit sie zu Gott geführt würden, und jene haben sie dem Götzen ihrer Lüsternheit geopfert. Sie haben das Bild Gottes selbst beschmutzt, nach dessen Ähnlichkeit wir geschaffen worden sind. Die Kindheit – das wissen wir alle – ist ein Schatz. Das junge Herz, das so offen und von Vertrauen erfüllt ist, betrachtet die Geheimnisse der Liebe Gottes und zeigt sich in einzigartiger Weise bereit, im Glauben genährt zu werden. Heute erblickt das Herz der Kirche in den Augen dieser kleinen Buben und Mädchen die Augen Jesu und möchte weinen. Sie bittet um die Gnade, zu weinen angesichts der verdammenswerten Taten des Missbrauchs, die an Minderjährigen begangen wurden – Taten, die Narben für das ganze Leben hinterlassen haben.

Ich weiß, dass diese Wunden eine Quelle tiefer und oft unerbittlicher emotionaler und geistlicher Beklemmung, ja sogar von Verzweiflung sind. Viele von denen, die diese Erfahrung durchgemacht haben, haben Palliative gesucht auf dem Weg der Suchtmittel. Andere haben eine Beziehungsstörung zu den Eltern, zum Ehepartner und zu den eigenen Kindern erlitten. Das Leiden der Familien ist besonders schwer gewesen, da der durch den Missbrauch hervorgerufene Schaden diese lebenswichtigen familiären Beziehungen in Mitleidenschaft zieht.

Einige haben sogar die furchtbare Tragödie des Selbstmords eines lieben Menschen durchlitten. Das Sterben dieser von Gott so geliebten Kinder lastet auf meinem Herzen und Gewissen und dem der ganzen Kirche. Diesen Familien bekunde ich meine Gefühle der Liebe und des Schmerzes. Jesus, der mit der Leidenschaft des Hasses gefoltert und verhört worden ist, wird an einen anderen Ort gebracht und schaut. Er schaut einen der Seinen an, jenen, der ihn verleugnet hatte, und bringt ihn zum Weinen. Bitten wir um diese Gnade zusammen mit jener der Wiedergutmachung.

Die Sünden des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch Priester üben eine verheerende Wirkung auf den Glauben und auf die Hoffnung auf Gott aus. Einige haben sich an den Glauben geklammert, während bei anderen der Treubruch und die Verlassenheit ihren Glauben an Gott aufgerieben haben. Ihre Anwesenheit hier spricht vom Wunder der Hoffnung, die stärker ist, als die tiefste Finsternis. Zweifellos ist es ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, dass wir heute diese Gelegenheit haben, uns zu begegnen, Gott anzubeten, einander in die Augen zu schauen und die Gnade der Versöhnung zu suchen.

Vor Gott und seinem Volk drücke ich meinen Schmerz über die Sünden und schweren Verbrechen der sexuellen Missbräuche aus, die Mitglieder des Klerus Ihnen gegenüber begangen haben, und bitte demütig um Verzeihung.

Ebenso bitte ich Sie um Verzeihung für die Sünden der Unterlassung seitens Verantwortlicher in der Kirche, die nicht angemessen auf die Missbrauchsanzeigen reagiert haben, die von Familienangehörigen und von Missbrauchsopfern selbst vorgebracht wurden. Dies hat noch zu zusätzlichem Leiden derer geführt, die missbraucht worden sind, und andere Minderjährige, die sich in Risikosituationen befanden, in Gefahr gebracht.

Andererseits ist der Mut, den Sie und andere bewiesen haben, indem Sie die Wahrheit aufgedeckt haben, ein Dienst der Liebe gewesen, insofern er Licht auf eine schreckliche Finsternis im Leben der Kirche geworfen hat. Es gibt keinen Platz in einem kirchlichen Dienstamt für jene, die diesen Missbrauch begehen; und ich stehe dafür ein, keinen Schaden zu dulden, der von irgend jemandem – sei er Priester oder nicht – einem Minderjährigen zugefügt wurde. Alle Bischöfe müssen ihren Hirtendienst mit größter Achtsamkeit ausüben, um den Schutz der Minderjährigen zu garantieren, und werden für diese Verantwortung zur Rechenschaft gezogen.

Für uns alle gilt der Rat, den Jesus denen gibt, die jemanden zum Bösen verführen: der Mühlstein und das Meer (vgl. Mt 18,6).

Seien wir außerdem weiterhin wachsam bei der Ausbildung von Priesteramtskandidaten. Ich zähle auf die Mitglieder der Päpstlichen Kommission für den Schutz der Minderjährigen – alle Minderjährigen, gleich welcher Religion sie angehören, sind Sprösslinge, auf die Gott mit Liebe schaut.

Ich erbitte diese Hilfe, dass sie mir zur Seite stehen, um sicherzustellen, dass wir in der universalen Kirche über die besten Strategien und Verfahren zum Schutz der Minderjährigen und zur Befähigung kirchlichen Personals für eine Implementierung dieser Strategien und Verfahren verfügen können. Wir müssen alles tun, was möglich ist, damit diese Sünden sich in der Kirche nicht wiederholen.

Brüder und Schwestern, da wir alle Mitglieder der Familie Gottes sind, sind wir alle dazu berufen, in die Dynamik der Barmherzigkeit einzutreten. Jesus, unser Herr und Retter, ist dafür das erhabenste Beispiel – er, der Unschuldige, der am Kreuz unsere Sünden auf sich nahm. Versöhnt zu sein ist das wahre Wesen unserer gemeinsamen Identität als Menschen in der Nachfolge Jesu Christi. Indem wir zu ihm umkehren und dabei von unserer heiligsten Mutter, der Mutter am Fuß des Kreuzes, begleitet werden, wollen wir mit dem ganzen Volk Gottes die Gnade der Versöhnung erbitten. Die milde Fürsprache der Mutter Gottes des zärtlichen Erbarmens ist eine unerschöpfliche Quelle der Hilfe auf unserem Weg der Heilung.

Sie und alle, die Missbräuche von Priestern erlitten haben, sind von Gott geliebt. Ich bete, dass die Überreste der Dunkelheit, die Sie berührt hat, durch die Umarmung des Christkindes geheilt werden und dass dem Schaden, der Ihnen zugefügt wurde, ein Glaube und eine wiedergewonnene Freude folgen mögen.

Ich danke für diese Begegnung und, bitte, beten Sie für mich, dass die Augen meines Herzens immer deutlich den Weg der barmherzigen Liebe sehen und dass Gott mir den Mut schenke, diesen Weg für das Wohl der Minderjährigen zu beschreiten.

Jesus kommt aus einer ungerechten Gerichtsverhandlung, aus einem grausamen Verhör und schaut Petrus in die Augen – und Petrus weint. Wir bitten, dass er uns anschaue, dass wir uns anschauen lassen und weinen können und dass er uns die Gnade schenke, Scham zu empfinden, damit wir ihm – wie Petrus vierzig Tage danach – antworten können: „Du weißt, dass ich dich liebe“, und seine Stimme hören: „Nimm deinen Weg wieder auf und weide meine Schafe“ – und ich füge hinzu: „Und lass nicht zu, dass ein Wolf in die Herde eindringt!“

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20 Kommentare zu Ein Schritt, nicht nur Symbolismus

  1. Teresa_von_A. sagt:

    Diese Predigt berührt mich als Betroffene so sehr, dass ich im Moment versöhnt bin. Nach viereinhalb Jahren…Verzeihen kann ich immer nur etappenweise.Ich erkenne in dieser Predigt nur Herz.

  2. Juergen sagt:

    Wenn Bischöfe daran gemessen werden sollen, wie sie sich um den Schutz von Minderjährigen bemühen, dann möchte ich doch mal wissen, was es mit der Sache auf sich hat, die heute auch durch die Presse geht. Wie also der Papst einen gewissen ehem. Erzbischof von Buenos Aires bemisst.

    http://www.digitaljournal.com/news/religion/watchdog-group-alleges-pope-francis-covered-up-sex-abuse/article/388836

    • Pater Hagenkord sagt:

      Den Bericht des „watchdog“ muss man genau lesen: Da steht zum Beispiel drin, dass in einem Fall Bergoglio gar nicht zuständig war, dass er in einem anderen Fall jemanden – einen Externen – engagiert hat der nichts gefunden hat, und dass es um einen Ordensmann ging, auch das fällt nicht in die Juristiktion eines Bischofs. Wenn ein verurteilter Täter behauptet, der Kardinal sei immer an seiner Seite gewesen, dann bin ich da sehr vorsichtig, was dessen Glaubwürdigkeit angeht. Außerdem benutzt der Artikel, den Sie angeben, für meine Begriffe zu häufig das Wort „alledge“ (behaupten/unterstellen). Hier geht es um sehr schwere Vorwürfe, da reicht so etwas nicht aus.
      Ich will nichts herunterspielen, aber für ein „Urteil“ reicht das nicht aus. Ferndiagnosen von hier aus werden dem nicht gerecht.

      • Teresa_von_A. sagt:

        Solch eine Behauptung muss bewiesen werden.Was damals bei seiner Wahl an „Juntageschichten“ über ihn geschrieben wurden, hat auch nicht gestimmt. Ich lass mir einstweilen diese wunderbare Predigt nicht verderben. Die Zuständigkeiten in der katholischen Kirche sind nicht so einfach zu durchschauen wie man denkt. Unsere Zeitungen hier sind erst bei der Exkommunikation der Mafioso und auch da geht man schnurstracks am Kirchenrecht vorbei und zieht Sensation vor.Der Papst ist vom Wesen her ein Mensch, der immer zu den Unterdrückten hält.Das sind die MIßbrauchsopfer. Warum sollte er je anders gewesen sein.

    • Teresa_von_A. sagt:

      Das steht ja in der Predigt. In der Bibel steht, dass Petrus bereut und weint und Jesus ihm verzeiht.Ich bin sicher, wenn Judas am Leben geblieben wäre, hätte er ihm auch verziehen. Also Vergangenheit ade.Mich als Betroffene interessiert, was heute ist.Und heute ist dieser Jesuitenpapst ein Geschenk des Himmels.

      • Peter Lehmann sagt:

        Den Fall Judas sehe ich etwas anders.
        Ist Judas vielleicht sogar von Jesus dazu ausgewählt worden ? Hatte Judas eine Chance, wenn Jesus verkündet: „Einer von Euch wird mich verraten“. Wenn nicht Judas, dann eben ein anderer. Einer musste der „Verräter“ sein, sonst hätte der Chef falsch geweissagt. Also warum sollte er Judas dann verzeihen, wenn der „Verrat“ um Jesus Wahrhaftigkeit zu bestätigen, erforderlich war?

        • KRP sagt:

          Weil er genau deshalb Judas verzeiht, weil er weiss das Menschen eben so sind, wie sie sind. Jesus ist Gott und Gott verzeiht weil er Gott ist und kein Mensch. Gott ist anders, er vergibt wo Menschen hartherzig sind und stur, eben nicht vergeben können oder einfach sehr lange brauchen um zur Vergebung kommen zu können. Weil sie eben Menschen sind. Gott ist Gott und eben ganz anders, er vergibt allen egal was sie gemacht haben solange sie vergeben von Herzen vergeben und das alleine kennt nur Gott weil er allein in die Herzen sieht.

          • Peter Lehmann sagt:

            KRP
            Ich meine: Ist Judas nicht möglicherweise Opfer ? Derjenige, der sich zum „Verrat“ geopfert hat, bzw. von Jesus dazu auserkoren wurde ? Dann wäre die Sicht auf Judas eine völlig andere. Dann wäre er möglicherweise der „Held“ der Geschichte. Da gäbe es dann nichts zu verzeihen, sondern eher zu danken.

          • KRP sagt:

            Ich weiss ja nicht ob ich Sie jetzt in rechter Weise verstanden habe. Doch denke ich jeder der einmal Opfer war in welcher Art auch immer der weiss das wenn man verzeiht das, dass dies dann automatisch zum Danken führt. Wer verzeiht dem wird verziehen. Ich muss verzeihen damit mir vergeben wird. Ja, das ist Dankbarkeit und wie ich persönlich denke dann auch die Aussöhnung mit der Welt und allem, also Versöhnung auf aller Ebene. Mit Gott und der Welt vielleicht die Bestimmung der Menschen, ich weiss es nicht, nur so ein Gedanke.

        • Teresa_von_A. sagt:

          Über Judas zerbricht sich jede christliche Kirche den Kopf.Wenn man an Prädestination glaubt, ist Judas Opfer.Man kann sich das heute, wo der Mensch ein Individuum ist, nicht mehr vorstellen.Aber weiterspinnen, was Jeus wohl gemacht hat nach Judas Tod, als Jesus selber im Himmel war etc..das habe ich mal in einer Predigt gehört in St. Canisius. Judas hat sich geopfert und wurde dann auch später im Christentum geopfert, indem man ihn als den Verräter und Schuldigen hingestellt hat. Heute ist er eher rehabilitiert. Was, wenn er nein gesagt hätte? So wie die Dinge lagen, wäre Jesus früher oder später trotzdem drangewesen. Das ganze Srück hat gewaltig griechischen Schicksalstouch.Ich persönlich glaube nicht, dass die Erlösungstat Jesu von Judas abhängig war. Verraten und verkauft wurde Jesus am End von allen Seiten.Im ALten Testament ist Selbsttötung in aussichtslosen Fällen angesagt. Keine Sünde.Mein Religionsunterricht in den 50 ern..Judas, auf ewig verdammt.Man kann die Sache drehen wie man will, ein Nachgeschmack bleibt. Denn vorherbestimmt sind wir durch unsere Herkunft und Kindheit und Erziehung und müssen ackern, dass wir rauskommen.Und sind verantwortlich.

          • Teresa_von_A. sagt:

            HerrLehmann, der Held der Geschichte ist er bei den Anthroposophen, die sich sehr mit Bibel beschäftigen. Judas hat in diesem Leben sein Schicksal erfüllt, man glaubt an Reinkarnation. Warum er sich opfern mußte, sagen seine früheren Leben. Es gibt da keine Strafen, sondern nur Ursache und Wirkung. Nicht nur Judasse müssen sich opfern. Eigentlich muss jeder Mensch sich opfern in jeder Inkarnation für irgendwen. Wir werden sehen, was stimmt.

  3. Bluebeardy sagt:

    3 Opfer vom gestrigen Treffen haben sich geoutet und statements abgegeben:

    Marie Kane, Irland
    „She said she told the Pope that “cover-up is still going on and you have the power to make these changes”.Ms Kane said that Pope Francis said it was “difficult to make these changes”. She added: “But it’s a big thing with me that Sean Brady is gone.”
    http://www.irishmirror.ie/news/irish-news/abuse-victims-urge-pope-sack-3825179

    Mark Vincent Healy,Irland
    „He pointed out that to date in the church “the focus has been on protection rather than provision of help to those abused.”….The second matter he discussed concerned what he believes is under-reporting of abuse cases by church authorities when it comes to NBSC audits on child protection. Mr Healy said Pope Francis seemed “quite shocked” at some of the figures he produced. He pointed out that in eight of Ireland’s 26 Catholic dioceses no priest had been convicted of child abuse and that, generally, despite 284 allegations against 154 priests, noneof them had been convicted…“
    https://www.irishtimes.com/news/social-affairs/pope-told-abuse-survivors-should-be-helped-to-avoid-self-harm-suicide-1.1858423

    und Peter Saunders,England National Association for People Abused in Childhood (NAPAC)
    http://www.bostonglobe.com/news/world/2014/07/07/abuse-victim-calls-meeting-pope-francis-life-changing-experience/kY7UpEiJwOOoLVd4encbZL/story.html

  4. Otto sagt:

    Ich erinnere mich noch gut, wie meine Mutter gelegentlich davon sprach, dass sie nach dem Krieg in ihrer neuen Heimat als Schulmädchen von dem dortigen katholischen Priester anzüglich angesprochen wurde. Ihren guten Eltern, gottesfürchtig und paderstädtisch fromm bis in die Knochen, konnte sie das nicht erzählen, denn „das hätte man ihr nie und nimmer abgenommen“, dass Hochwürden mit solch einem Ansinnen ‚geplagt‘ sei. Und so hat sie aus Selbstschutz lieber einen Bogen um die Kirche und Gottes Bodenpersonal gemacht. Wen wundert’s …

    • Teresa_von_A. sagt:

      Otto: die frommen Eltern sind also mitschuld. Die Priesterkaste hatte unendlich viele weltliche Mäzene. So wie wirOpfer heute gehindert werden, uns zu versöhnen.Von Kirchenhassern, die so ihre eigene Geschichte lösen wollen.. Wer den Rest seines Opferlebens im Fegfeuer der Erinnerung sein will, kann das machen.Ich selber bin froh um jeden guten Moment mit Kirche. Heute ist so einer, den lass ich mir nicht nehmen.Gott suchen und Lüsternheit finden, so ähnlich hat der Papst sich ausgedrückt. Er hat genau begriffen, was das Problem beim kirchlichen Mißbrauch war oder ist.Kirche ist nämlich kein Sportverein und da wiegt Mißbrauch schwerer. Der Papst hat viele Sätze gesagt, die aussergewöhnlich sind.Das spricht mich an.

      • Otto sagt:

        Mitschuld ist nicht die richtige Kategorie. Was ich zum zum Ausdruck bringen wollte, war, dass es für sie einfach nicht vorstellbar war, dass ein Mann, der angeblich von Gott berufen wurde, massiv gegen die Gebote verstoßen kann, die er anderen predigt und abverlangt. Die Sittlichkeit von Klerikern wurde von dieser katholischen Generation kaum hinterfragt, sondern per se vorausgesetzt, insbesondere im ultrakatholischen Paderborn der damaligen Zeit.

        • Teresa_von_A. sagt:

          Otto, ich habe selber Kinder. Wer seine Kinder verkauft um des lieben Friedens willen, sollte irgendwann auch die Rechnung bekommen.Die Sittlichkeit von Eltern und Lehrern wurde ebenso nicht hinterfragt.. Wann immer ich nach Mitverantwortlichen frage, Eltern, deren Kinder in kirchlichen Schulen drangsaliert wurden waren ja in der Regel unsichtbar..bekomme ich Antworten, die mir einfach zu einseitig sind.Auf die Art kommen wir nicht weiter.Wer im Schutz der Masse schwimmen will, muss auch mitbezahlen.Ich stamme aus einer Gegend, in der katholische Macht herrrschte und Protestanten verachtet wurden.Es gab Eltern, die haben was gesagt und mußten die Eliteschulen verlassen. Privatschule ist ja bis heute gleich reich auf ewig und Karriere und nur nicht mit dem Pöbel…was man dafür alles inkauf genommen hat. Die betreffenden Schulen sind heute komplett anders und ziehen andere Eltern an. Ich kenne eine davon sehr gut.Das Canisius Kolleg.Sehen Sie sich die Mentalität von damals an und dann wissen Sie, nicht nur der Klerus war Schuld.All die Mißbrauchsbagatellisierer von heute, die therapieresistenten, sind fromme Katholiken, denen die frommen Felle wegschwimmen und die uns Betroffene als Störenfriede betrachten, während die Priester lange nicht mehr so denken.Mich interessiert erstmal der Papst. Dass er abfärbt, muss man nicht hoffen..was er in meinem Innern erreicht hat, kann kein Therapeut.

          • Otto sagt:

            Ich kenne mich da nicht so aus wie Sie, entnehme aber Ihren Worten, dass Sie jetzt Grund haben, dankbar zu sein.

          • Teresa_von_A. sagt:

            Otto, ja, bin ich.Auch ziemlich in Tränen aufgelöst. Die Predigt hat mein Leben gerettet quasi. Der Papst geigt der Mafia die Meinung, spielt mit seinem Leben, gibt seine Seele preis, die Gespräche haben Spuren hinterlassen bei ihm, heißt es, er quält sich jahrelang ab und kommt dann zu einem Ergebnis, das natürlich er mit seiner besonderen Begabung anders hat als Priester Normalverbraucher.Er ist wortgewaltig und kann sein Entsetzen verbalisieren. Das kann nicht jeder. Aber ne fromme Rede ist es nicht, sondern lebendiges Entsetzen kombiniert mit einer der traurigsten Bibelstellen, die ich kenne und die mich lange schon begleitet.Ich habe in den letzten Wochen oft gedacht, meine Kirchenkrise bringt mich ins Nichts. Ich habe auch 3 Jahre nach Wiederaufnahme nur das Gefühl von Einsamkeit gehabt, sosehr sich auch bestimmte Menschen bemüht haben.Was ich gebraucht habe: jemanden, der uns zeigt, wie wichtig wir sind.In unsrer Gemeinde gab es im Pfarrblatt den Spruch: dann geht doch alle, ihr habt sowieso nie zu uns gehört.

  5. Christina sagt:

    „Seit langem trage ich in meinem Herzen den tiefen Schmerz, das Leid, das so lange Zeit verborgen, so lange Zeit verschleiert wurde mit einer Komplizenschaft, für die es keine Erklärung gibt – solange bis irgendjemand wahrgenommen hat, dass Jesus schaute, und ein anderer ebenfalls und noch einer… und sie entschlossen sich, diesen Blick auszuhalten. Und die Wenigen, die begonnen haben zu weinen, haben unser Gewissen mit diesen Verbrechen und schweren Sünden belastet.“ Vielleicht ein Hinweis, dass auch Franziskus sich bewusst ist, nicht konsequent genug gehandelt zu haben? Siehe dazu die www-Adresse betr. Argentinien im vorletzten Blogbeitrag.

    • Teresa_von_A. sagt:

      So sehe ich das auch, Christina. Dem Reinen ist alles rein, dachte ich.Ich gestehe dem Papst und bestimmten Teilen der Kirche einen Entwicklungsprozess zu.Anschuldigungen müssen aber bewiesen werden.Meines Erachtens hat Franziskus sich mit dieser Predigt geopfert, denn die Reaktionen von allen Seiten zeigen, dass nicht jeder ergriffen ist. Ich habe letzte Nacht nicht schlafen können,für mich ist diese Predigt die beste Therapie. Nach all den Tritten, die Geschädigte von rechts und links bekommen. Kirche ist kein Sportverein, Kirche ist der Weg zu Gott und Vorbild.

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