Einmal hin und zurück, bitte

Am 25. Juli feiert die Kirche den heiligen Jakob, den Apostel Jakobus den Ältern. Auf spanisch: Santiago. Sie ahnen, worum es in diesem Beitrag geht. Genau, um das Pilgern.

Bild: Ansgar Koreng

Bild: Ansgar Koreng

In diesen Tagen kommen anlässlich des Festes einige Meldungen über die Agenturen, so zum Beispiel die Schätzung, dass es etwa zehn Österreicher jährlich sind, die den gesamten Weg gehen, also 3.000 Kilometer in etwa 100 Tagestouren.

Insgesamt werden im Jahr etwa 210.000 Pilger in Santiago gezählt, gemessen an den ausgegebenen Pilgerurkunden, für die die gelaufenen letzten 100 Kilometer ausgegeben werden.

Warum pilgert man? Weil es ein körperliches Beten ist. So allgemein möchte ich das mal als These anbieten. Man läuft, der Körper – normalerweise unterbeansprucht – übernimmt die Hauptlast, es ist belastend, es ist anstrengend aber auch zutiefst befriedigend, man muss Schweinehunde überwinden und Berge und Wetter und dergleichen und kommt voran.

 

Niederschwellig und schweißtreibend

 

Das ist geistliches Leben ganz praktisch.

Kein Wunder also, dass das Pilgern zunimmt und in Mode gekommen ist, nicht nur unter Christen. Irgendwie kann man da etwas Geistliches mitmachen, ohne gleich voll und ganz einzusteigen, es ist niederschwellig und auch deswegen beliebt.

Die Agentur Kathpress schlüsselt auf: 51 Prozent der Pilger führten religiöse Motive an, 43 Prozent „ausschließlich religiöse“. Sechs Prozent sagten hingegen, Religion spiele für ihren Weg keine Rolle. Männer sind bei den Wallfahrern leicht in der Überzahl (55 Prozent), ein gleich großer Anteil gehört der Altersgruppe zwischen 30 und 60 Jahren an.

Gestern habe ich auch hier in Rom zwei Pilger in Empfang genommen, die den Franziskus-Weg gegangen sind, voller Erfahrungen und müde, wie das halt so ist. Die Welt sieht anders aus und die Wichtigkeiten orientieren sich auf eine für die Pilger angenehme und gute Weise neu, auch das ein Effekt des Pilgern.

An dieser Stelle möchte ich aber eine meiner Thesen zum Pilgern loswerden: Im Mittelalter geboren gab es damals noch nicht die Möglichkeit der schnellen Rückreise. Also lautet meine These: Für das Pilgern, wie es damals bis vor vielleicht 100 Jahren Praxis war, war die Rückreise genau so anstrengend und zeitraubend wie die Hinreise. Der Rückweg war genau so lang wie der Hinweg. Daraus folgt dann, dass es genauso wichtig ist, die geistlichen Erfahrungen aus der Pilgerreise zurück in den Alltag zu bringen. Ein Flugzeug oder ein Bus überspringt diesen Teil heute vollständig, heute in Santiago angekommen bin ich übermorgen schon wieder zurück am Schreibtisch, sozusagen.

Der Rückweg wäre aber längst nicht so spektakulär. Während auf dem Hinweg sich alles auf ein gemeinsames Ziel zu bewegt und dann in einer Gemeinschaftserfahrung vor Ort mündet, wäre ein Rückweg eher ein auseinanderlaufen. Man hat nicht mehr die Besonderheit – den Pilgerort – vor Augen, sondern den eigenen Alltag. Es gibt keine außergewöhnliche Erfahrung, denn diese liegt ja hinter einem.

Trotzdem gefällt mir das Gedankenexperiment. Um diese Form der Spiritualität wirklich vollständig ins eigene Leben zu integrieren, gehört der Rückweg dazu. Ich will niemandem die Erfahrungen absprechen, die sie machen. Ganz im Gegenteil, mein „Neid“ begleitet sie, ich würde das auch mal gerne machen. Aber das Grau des Alltags fasziniert mich als Herausforderung mindestens so sehr wie die Freude, endlich angekommen zu sein.

Der Weg ist das Ziel.

 

 

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2 Kommentare zu Einmal hin und zurück, bitte

  1. Teresa_von_A. sagt:

    Der Rückweg kann schon mal ein Leben lang dauern. Wir sind als Kinder mit den Erwachsenen gepilgert.In der Grundschule. Ich war 1971 als Malteserhelferin mit dem Lazarettzug in Lourdes, da war der Rückweg so lang wie der HinwegEinen Tag und eine Nacht im Zug mit unheilbar Kranken.. Ich habe bis heute nicht vergessen, was da los war.Ich kenne Menschen, die flogen mal nach Santiago um zu gucken..im Rahmen einer Weltreise. Pilgern hat was mit Religion zu tun. Ich denke an das Buch von Ignatius von Loyola: Bericht des Pilgers. Er hat sein ganzes Leben als Pilgerreise betrachtet.Wenn der Weg das Ziel ist, weiß man nicht und muss man nicht wissen, wo man landet. Ob man eine Urkunde bekommt.

  2. KRP sagt:

    Ich bin auch der Meinung wie Teresa die von Ignatius schreibt das Pilgern das ganze Leben betrifft. Mir geht es wie Ihnen P.Hagenkord ich würde auch gerne pilgern ist alles schon in Planung seit 4 Jahren bis auf ein kurzes Stück wo ich noch keinen konkreten Streckenplan habe. Vielleicht würde es mir helfen mich auf den Weg zu machen wenn Sie mich als Frau dann auch empfangen so wie die beiden Franziskus Pilger. Nur ich könnte das nicht in einem Stück laufen sondern auf Etappen, würde schon aus beruflichen Gründen nicht gehen. Aber so eine Pilgerreise wäre schon ein großer Wunsch von mir. Vielleicht treffen wir uns ja mal in Rom wenn ich das letzte Wegstück das mir noch fehlt in meiner Planung habe.Wenn ich dann ankomme weiss ich vielleicht ob mein Weg das rechte Ziel ist.

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