Gesunder Menschenverstand, bitte!

„Der gesunde Verstand ist die am besten verteilte Sache der Welt, denn jeder denkt, genug davon zu haben.” So – in etwa – sieht Rene Descartes die Dinge. Man könnte daran zweifeln, wenn man die Nachricht liest, dass ein französisches Satiremagazin erneut Mohammed- Karikaturen veröffentlicht hat. Jetzt, in dieser Situation. Als ob der dumme Film in den letzten Wochen nicht schon genug Unruhe gestiftet hätte.

Aber halt: Es geht auch um die Pressefreiheit. Die ist ein hohes Gut und man sollte hohe Preise dafür bezahlen, sie schützen zu können. „Charlie Hebdo“ – so heißt das Magazin – weiß ein Lied davon zu singen, nach der letzten Aktion dieser Art wurden die Redaktionsräume abgebrannt.

Aber ist das wirklich eine Frage der Pressefreiheit? Wir wissen doch heute schon, wie darauf reagiert werden wird. Erneut Proteste, erneut verbrannte Fahnen, der Hass wird geschürt, Menschenleben werden gefährdet und jeder Weg in Richtung Verständigung wird erneut verbaut.

Ich mag die Pressefreiheit. Aber sie ist keine Götze. Wenn ich die Wirkungen meines Tuns vernünftig und begründet abschätzen kann, dann gehört das in eine ethische Abwägung meines Handelns hinein. Natürlich darf ich mich nicht den Ideologen beugen, die den Zorn und die Wut bewusst gegen den Westen instrumentalisieren. Aber ich sollte vielleicht doch vorsichtig damit sein, diesen Ideologen immer neue Munition zu geben.

Noch mal zurück zur Libanonreise des vergangenen Wochenendes: Man kann als prominenter Christ in den Libanon reisen und über den Frieden sprechen. Der Papst hat es gezeigt. Jede neue Aktion aber, die die Irritationen und das gegenseitige Unverständnis schürt, unterläuft jeden Versuch auf Verständigung. Und vor allem unterläuft es die Vernunftanstrengungen der Menschen, die ihn ihren Ländern gegen die Ideologen anzutreten haben, seien die Populisten hier oder die Islamisten dort.

Die Presse ist frei, etwas zu tun, aber auch, etwas nicht zu tun. Es wird Zeit, die lächerlich wirkenden Beteuerungen der Freiheit – die letztlich doch nichts weiter sind als Verkaufsargumente – zu lassen und sich bewusst zu machen, dass man Schaden anrichtet. Schweren Schaden.

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