Invasion und kulturelle Bereicherung: Papstworte

„Arabische Invasion”. Mehr braucht es nicht, um mal wieder einen Papst-Satz durch die Medien zu treiben. Mehr wird auch über die Unterredung vom vergangenen Samstag gar nicht berichtet, dabei ist der Artikel im Osservatore Romano und in der Zeitschrift La Vie – wo das Original erschienen ist – umgerechnet mehrere Seiten lang. Nur die eine Formulierung und alle wundern sich wieder.

Ceterum censeo – bitte entschuldigen Sie, wenn ich mich hier immer wiederhole – man muss den Papst in der Sprechsituation und im Zusammenhang hören oder lesen, seine Sätze funktionieren als Kommunikation mit den Menschen, die vor ihm stehen oder sitzen, nicht als allgemeingültige Aussagen für alle Menschen immer und überall, schon gar nicht wenn es nur einige Worte sind, die heraus genommen werden.

Papst Franziskus - bitte immer ganz zuhören!

Papst Franziskus – bitte immer ganz zuhören!

Dabei ist das Ganze vom Papst angeschnittene Thema sehr spannend. Wohin geht Europa? Immerhin hatte er mit einer französischen Gruppe gesprochen, da liegt das Thema nahe. Vor allem ist das auch deswegen interessant, weil sonst wenig zum Thema Europa zu hören ist, wie immer wieder gesagt wird. Also: Wie kann man auf die geistliche Krise Europas antworten? Wie kann man der Moderne begegnen, auch kritisch begegnen, ohne reaktionär zu werden? Wie gehören Spiritualität und Politik – im weiten Sinn des Wortes verstanden – zusammen? Darum ging es dem Papst.

 

Berufung Europas

 

Es war eine recht lange Ansprache, berichtet La Vie, so lang dass der Papst an einer Stelle aufstand um Wasser zu holen – nicht für sich selbst, sondern für die Übersetzerin. „Emmanuel Lévinas hat seine Philosophie auf die Begegnung mit dem Anderen gegründet, der Andere hat ein Gesicht. Man muss aus sich heraus gehen, um es zu betrachten.“ Es sind solche Sätze, die einen wünschen lassen, dabei gewesen zu sein. Da kommen Dinge zusammen, seine philosophischen Interessen, seine geistliche Haltung, sein pastorales Tun.

Europa sei der einzige Kontinent, welcher der Welt eine gewisse Einheit geben könne, so der Papst zum Thema Globalisierung. „China hat vielleicht die ältere Kultur, aber Europa hat eine Berufung zur Universalität und zum Dienst.“ Da soll noch mal jemand sagen, der Papst ‚vom Ende der Welt’ mache sich keine Gedanken zu Europa.

In Straßburg, bei den Institutionen Europas, hatte er schon Reden dazu gehalten, damals hatte er Europa mit einer müden alten Frau verglichen, nicht zur Begeisterung der Europa-Fans. Könne man das wieder rückgängig machen, so die Frage am vergangenen Samstag? „Ja, unter einigen Bedingungen.“ Wenn Europa sich verjüngen wolle, „dann muss es die eigenen kulturellen Wurzeln wieder entdecken.” Ein Gedanke, der nicht neu ist, den wir bei Benedikt XVI. und bei Johannes Paul II. aus Papst-Mund auch schon gehört haben. Aber dann wieder echt Franziskus: „Unter allen Ländern des Westens hat Europa die stärksten und die tiefsten Wurzeln. Durch die Kolonisierung haben diese Wurzeln auch die Neue Welt erreicht. Aber weil es seine eigene Geschichte vergisst, wird Europa schwach. Und es riskiert, ein leerer Ort zu werden.“

 

Das Zitat

 

Aber nehmen wir uns das Zitat vor, das im Augenblick Aufmerksamkeit findet. „Wir können heute von einer arabischen Invasion sprechen. Das ist eine soziale Tatsache,“ gibt La Vie wieder. Der Papst habe da aber sofort anfügt, dass die Theoretiker der extremen Rechten, die Angst vor der großen Vertreibung und Verdrängung schürten, enttäuscht werden. „Wie viele Invasionen hat Europa nicht schon in seiner Geschichte gesehen!“, da ist wieder die Verbindung zum vorher gesagten, Europa müsse seine Geschichte kennen.

Europa habe in der Vergangenheit sich selber immer überwunden, sei immer über sich selbst hinaus gegangen und habe sich „bereichert wiedergefunden durch die Begegnung der Kulturen“. Bereichert! Wer auch immer das eine Zitat aus dem Zusammenhang reißt und das vor seinen politischen Karren spannen will, der möge aufmerken: Es geht um Bereicherung! Nicht um Angst.

 

Vermint durch nationale Egoismen

 

Der Papst spricht dann weiter über die Großen, über Schumann und Adenauer, die die Vision dafür gehabt hätten, über die Krise in Europa, „vermint durch nationale Egoismen“, über die kleinlichen Schachereien und wenig weitblickenden Spielchen. Starke Sprache des Papstes.

Aber nicht nur Europa muss sich verjüngen, das Gleiche gilt auch für das Christentum. Und der Weg dahin führt für ihn über die Barmherzigkeit. Sich selbst zu ‚dezentrieren’, auf den Anderen zugehen, den Dialog riskieren, so beschreibt er Barmherzigkeit. Für ihn sei die Barmherzigkeit etwas, was nun aus dem Süden käme und ein anderer Name für Humanismus sei.

 

Dialog

 

Und dann der Dialog. Sein Rezept für alles, auch wenn er dafür kritisiert wird, aus der Ukraine, aus Zeitungsredaktionen, wo immer auch her. Am Beginn des Krieges stehe die ideologische Degenration der Religionen, so der Papst. Also Dialog, leider gibt es das als deutsches Verb nicht, „Dialog und noch mal Dialog“, der Papst spricht aber in Verbform. Deswegen sei auch eine Begegnung mit einer der höchsten geistlichen Autoritäten des sunnitischen Islam in Vorbereitung, der Al Azhar Universität von Kairo.

„Etwas ist klar“, schließt der Beobachter seinen Artikel. „Der informell sprechende Papst weiß genau, wohin er die Kirche führen möchte: heraus aus den Mauern, in das Risiko der Begegnung.“ Dem ist wenig hinzu zu fügen, denn das gilt offenbar auch für seine Worte. Er spricht, er riskiert, aber wenn man mitmacht und nicht nur Einzelworte heraus bricht um seine Zeitungsseite zu füllen, dann kann man viel verstehen.

 

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22 Kommentare zu Invasion und kulturelle Bereicherung: Papstworte

  1. Pingback: Invasion und kulturelle Bereicherung: Verwirrung um Papstworte - Vaticanhistory-News-Blog - Kirchengeschichte bei VH

  2. Carmen Fink sagt:

    Wer Franziskus folgt weiß dass das so nicht stimmt. Dieses Zitat dient nur den Zeitschriften höhere Auflagen zu erziehlen, auch wenn einige im gesamten Text den Kontext erklären.
    Ich könnte nun zig Beispiel anbringen um ihre Worte zu untermauern aber ihr Text spricht für sich.
    Danke für Ihre Stellungnahme.

  3. Danke @Pater Hagenkord : nicht nur für die Klarstellung einer-offenbar-von manchen Kreisen gewünschte „Engführung“. aber auch für die Erläuterung der gesamten Ansprache.
    gibt’s da eine deutsche Übersetzung?

    für mich selber habe ich schon früher draus gelernt an der Person Kardinal Wölkis. Selbst „meine“ Zeitung (Süddt. Zeitung)hat da anfangs nicht richtig recherchiert (Opus Dei – Günstling Meißners-Schwulen Fresser usf.) alles so nicht richtig!
    ich mag ihn sehr, und das nicht nur weil er auch Fußballfan ist grins..
    nein sein Engagement für Flüchtlinge ,Ausgegrenzte aber auch die neuen Wege im Erzbistum; ja auch seine Emanzipation vom früheren Chef, OHNE aber mit im menschlich zu brechen. Chapeau!

    um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: kritischer Journalismus ist lebensnotwendig! Herr Leyendecker von der SZ beispielsweise; Er war es auch, der selbstkritisch die Causa Wulf nachgearbeitet hat.
    im Idealfall sollten sich Wahrhaftigkeit und Fairness begegnen!

  4. Andreas sagt:

    „Eine gesunde Gesellschaft ist also ebenso an Selbständigkeit der Individuen geknüpft wie an deren innige soziale Verbundenheit.“ Albert Einstein, 1932

  5. L'Osservatore sagt:

    Wie auch immer die Worte des Papstes eingefriedet werden, Fakt ist, daß er Worte verwendet hat, für die jeder konservative Katholik öffentlich hingerichtet worden wäre.

    Dafür geht mein Dank an Seine Heiligkeit.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Hingerichtet ist doch wohl nicht die richtige Sprache. Und außerdem: Der Papst hat das eben nicht wertend gemeint. Das geht aus dem gesamten Zusammenhang hervor. Wer das aber wertend meint oder gar damit Angst macht, dem wird das öffentlich zu Recht vorgehalten.

      • JLTD sagt:

        Pater, eine „Invasion“ kann aber meiner Ansicht nach nicht anders verstanden werden als wertend. Ich finde, dieser Eindruck bleibt auch bestehen, wenn man das Wort im Kontext liest.

        Ich freue mich über diese Äußerung des Papstes. Wir brauchen keine politisch korrekte Sprache gegenüber dem Islam, sondern eine respektvolle und vor allem wahrhafte.

        Der Islam ist nicht unser Freund. Wären islamische Länder uns militärisch überlegen, wären wir schon lange entweder Moslems oder Dschimmi, so wie im ganzen ehemals christlichen Nordafrika.

        • Pater Hagenkord sagt:

          Da darf ich widersprechen: Wer spricht denn hier vom Islam? Der Papst selber spricht vom Dialog mit dem Islam. Das Wort „Invasion“ trägt das Adjektiv „arabische“, und das ist nicht dasselbe wie „islamische“. Auch die Christen, die zu uns kommen, sind Araber. Wenn Sie also arabisch mit islamisch gleich setzen, ist das eine Wertung, die das Zitat des Papstes nicht her gibt. Das hat er so nicht gesagt, soviel Genauigkeit muss schon sein.
          Und zu ihrem letzten Satz: Ich wundere mich, dass Sie sich über diese Äußerung des Papstes freuen können. Noch einmal, der Papst will den Dialog mit dem Islam, das hat er sehr früh in seinem Pontifikat gesagt, das sagt er in dieser Begegnung. Ihre Aussage deckt sich ganz und gar nicht mit dem, was Papst Franziskus sagt oder meint.

          • JLTD sagt:

            Danke, Pater. Sie haben recht, es gibt ja auch arabische Christen, weshalb so gesehen von keinem Bezug zum Islam in den Aussagen des Papstes gesprochen werden kann. Ich habe arabisch mit islamisch gleich gesetzt ohne es zu merken…

            Was das Thema betrifft bliebe damit nur noch übrig, ob „Invasion“ eine Wertung beinhaltet oder nicht. Ich denke, dass es schwer ist es anders zu lesen, auch im Kontext. Der Heilige Vater hätte ja auch „migrazione“ sagen können, was einem Italienisch und Spanisch Sprechenden genauso einfallen könnte wie „invasione“. Beides sind keine Fremdwörter im Italienischen oder Spanischen.
            Vielleicht habe ich deshalb seine Worte mit dem Islam in Verbindung gebracht, denn ich könnte diese Wortwahl kaum verstehen, wenn er dabei an die Flüchtlinge als solche gedacht hat. Und wenn ich das so überlege, finde ich es nicht unplausibel, dass er dabei gerade nicht an die vielen leidenden Flüchtlinge sondern an den Islam gedacht haben mag…

            Aber Grund zum Medienskandal ist das alles sicher nicht.

            Noch einmal danke für Ihre Stellungnahme!

  6. cjaensch sagt:

    Langsam muß der Papst aber auch verstanden haben, wie Medien funktionieren. Wie Schlagzeilen gefunden und gemacht werden. Oft versteht er es sehr gut, genau dieses Wissen für sich zu nutzen. Ob das auch in diesem Fall das Kalkül war?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Glaube ich eher nicht. Denn er hat durch eine Übersetzerin gesprochen und das Ganze ist danach aufgeschrieben worden, das sind zu viele Schritte, das kann man nicht kalkulieren.

  7. Hans Arnold sagt:

    Das alles ist die „immanente“ Sicht eines Religionsführers. Wo bleibt die transzendente Komponente, auf welche die gesamte Menschheit wartet? Befreiungstheologie allein bringt die Menschheit nicht weiter.

    • Chrisma sagt:

      Na was hat denn das alles was Pater hier Hagenkord beschreibt und auf das die Blogger hier eingehen mit „Befreiungstheologie“ zu tun???
      Und wieso bitte wartet die „gesamte“ Menschheit“ auf die transzendente Komponente (was immer das ist). Überhaupt finde ich es doch sehr vermessen für die gesamte Menschheit schreiben zu wollen.
      Die Befreiungstheologie allerdings an sich, ist sehr wohl imstande die „Menschheit“ weiterzubringen. Beschäftigen Sie sich doch mal…..

  8. Amica sagt:

    Aber was meint denn Europa? Was sind denn unsere Wurzeln? Was unsere wichtigste Errungenschaft? Der Begriff „Freiheit“, „Aufklärung“ vielleicht?
    Wir haben uns doch verloren. Sind wir stolz Europäer zu sein? Gab es diesen Begriff überhaupt je – Europäer?
    Was meint der Papst damit?
    Ich bin noch relativ jung und ich fühle mich nicht als Europäer, nicht als Deutscher, ich bin nichts von all dem – vielleicht einfach nur Mensch. Ist das schlimm?

    • Rosi Steffens sagt:

      Nein, ich bin überzeugt das ist nicht schlimm, gerade wenn man jung ist. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft ist in meinen Augen davon abhängig, wie viele Menschen man in seine eigenen Ansichten dieser Welt, sein Umfeld, seinen Glauben, seine Gedanken integrieren kann. Je mehr Menschen es mit der Zeit werden, umso schwieriger wird es auch, all diesen Menschen die gleichen Berechtigungen zu geben. Was wir heute oft tun, das ist Menschen, die wir nicht integrieren können/wollen unseren persönlichen, sehr menschlichen und nicht göttlichen Maßstäben zu unterwerfen. Das nimmt ihnen ihre Würde, die wir alle gleich erhalten haben, indem wir als Mensch geboren wurden. Ich glaube, Gott stellt jeden Menschen als Aufgabe seiner Mitmenschen so ins Leben, wie dies die Zeit erfordert. Wenn wir uns heute als Menschheit betrachten, so sammeln wir Gottes Aufträge statt sie abzuarbeiten. Wir verursachen durch unsere Lebensweise diagnostizierbare „Unwägbarkeiten“ und sind doch nicht in der Lage dabei eine Lebensweise als Mensch in seinem göttlichen Rahmen zu beachten. Erst damit jedoch erkennen wir das Leben in seiner menschenwürdigen Aufgabe an, die an jeden von uns durch Gott gestellt ist. Damit will ich sagen, wir produzieren, statt unsere bestehenden Aufträge aus der Natur abzuarbeiten. Damit verlieren wir wertvolle Zeit durch menschliche Ansprüche an das Leben. Jeder wäre in der Lage sich als Mensch selbst über die Runden zu bringen, diese Erkenntnis trägt unsere Würde, doch wir machen uns mit unserer Art zu leben abhängig voneinander, statt ihre Vielfalt als Bereicherung der Natur und nicht als Herausforderung an den Menschen zu sehen. Es ist also nichts Schlimmes einfach nur Mensch zu sein, denn das ist es ja was Gott von uns will. Man sollte sich für ein Weltbild engagieren, dessen Gültigkeit den Tag überstehen kann indem es möglichst alle Inhalte trägt, die man selbst in seinen Nutzen stellt. Frieden und Freiheit z.B. sind die Ergebnisse aus einer sehr disziplinierten und gut organisierten Gesellschaft, die sich gleichen Grundsätzen verpflichtet fühlt und nach diesen Werten ihr Leben ausrichtet. In Deutschland scheint diese Pflicht immer mehr auf Politiker übertragen zu werden, die diese Rechte nicht allein ins Leben riefen, statt vom Volk getragen zu sein, das ihnen ihr friedliches und freies Leben zu verdanken hat. Gemeinsamkeiten sind wichtig, um ein friedliches und freies Miteinander überhaupt in die Idee zu formen, der sie sich dann stellen können, um sie als Volk zu vermitteln und gemeinsam zu verwirklichen. Europa wurde in meinen Augen nicht als Idee geformt sondern aus der Idee der Globalisierung geboren und das macht es so schwer Europa zu realisieren, denn Globalisierung ist ein Begriff, dem sich niemand unterwerfen will, er verbindet Menschen und Dinge in einem Sumpf aus dem niemand mehr herausfinden kann, weil dieser Sumpf von einzelnen Menschen künstlich angelegt wird. Europa war die Idee von Frieden, Freiheit und dem Gedanken der Brüderlichkeit, der Verbundenheit miteinander durch gemeinsame Grundsätze des Lebens. Diese Idee kann nur aus dem Ergebnis erwachsen, das die Europäer als Menschen in ihren Ländern tragen können, um aus Europa nicht einen Einheitsbrei zu machen, der sich in seinen Bedürfnissen nach den stärksten Mächten ausrichten muss. Sie sind also sicher nicht alleine, wenn sie sich weder mit Deutschland, noch mit Europa identifizieren können und im Ausgleich dafür ein Leben als Mensch führen. Nur sollte dies jeder Mensch nach dem Vorbild Jesus tun, um auch aus diesem Bild eine Gemeinschaft zu begründen, die sich über ihr Menschsein identifizieren kann und nicht im Egoismus der stärkeren/lauteren ihren Zusammenhalt verliert. Je eher die Menschheit an einem Strang zieht, um Frieden und Freiheit zu erhalten und an der Brüderlichkeit zu arbeiten, umso leichter wird das Leben für alle Völker werden.

  9. Pingback: Spiritualität des Papstes | Laudetur Jesus Christus

  10. Europa in Bewegung, Europa, das mit vielerlei Problematiken ringt, die zumeist aus seinem Inneren kommen:

    – Die Frage nach den Nationalitäten, Identitäten, Religionen und Kulturen.
    – Die Frage nach Souveränität, Mitbestimmung und Teilhabe.
    – Die Frage nach der sich stark verändernden Arbeitswelt.
    – Die Frage nach sozialstaatlichen Modellen, nach dem Versicherungswesen, nach Sicherheit und Bürgerrechten.
    – Die Frage nach Umverteilung und Gerechtigkeit, nach Schuldnern und Gläubigern, nach öffentlich und privat.
    – Die Frage nach der Bevölkerungsentwicklung.
    – Die Frage nach Flucht und Migration.
    – Die Frage nach der eigenen Geschichte, nach der Stellung in der Welt, nach der Zukunft.

    Im Moment steht der Fragenkomplex Flucht und Migration an erster Stelle, doch viele andere Themen schwingen im Hintergrund mit. Und es ist meines Erachtens sehr sinnvoll, sie stets mit einzubeziehen.

    Zum Beispiel das Thema Arbeitswelt: Diese verändert sich sehr rasant; doch tragen die Sozialsysteme dem Rechnung? Ist die mehr oder minder strikte Einteilung von Ausbildung, Arbeit und Pensionierung heute noch sinnvoll, oder braucht es nicht ganz neue Work-Life-Balance-Modelle?

    Zum Beispiel das Thema Bevölkerungsentwicklung: Oft ist die Klage zu hören, Europa leide unter einem Art Juhgendmangel, was auch zu wenige Beitragszahler für die Sozialversicherungssysteme bedeutet. Nun, in der Welt gibt es genug Jugend, manche sagen, mehr als genug. Doch was hilft es, wenn viel Jugend nach Europa kommt, die zunächst mehr oder minder versorgt und kategorisiert wird, jedoch kaum Möglichkeiten hat, selbst etwas beizutragen? Lange Verfahrensdauern und andere bürokratische Hürden leisten hier einen für mich sehr fragwürdigen Beitrag. Wie aktiv ist hier die europäische Politik bzw. die Politik der einzelnen Staaten? Gibt es genügend aktive Einwanderungspolitik? Meiner Ansicht nach leisten hier weder eine eher passive Versorgungs- und Almosenmentalität noch eine Politik der Abschottung sinnvolle Dienste für die europäische Bevölkerungsentwicklung. Beides halte ich für wenig verantwortungsvoll und zudem für alle Beteiligten intransparent.

    Flucht und Migration ist für Europa alles andere als ein neues Thema. Dies ist geschichtlich sehr gut dokumentiert. Unser Kontinent ist nicht nur einer der Einwanderung und der innereuropäischen Migration, sondern auch einer der Auswanderung, Flucht und Vertreibung. Dies hat die Gesellschaften stark verändert und es ist hilfreich sich daran zu erinnern.

    Nun, können Religionsgemeinschaften einen positiven Beitrag zur Entwicklung Europas leisten? Ja, insofern sie sich als Dialogpartner und Brückenbauer engagieren und keine exklusiven Extrawelten schaffen. Im besten Fall fungieren Religionsgemeinschaften als Orte der Erinnerung, der Bildung, der Kultur, der sozialen Verantwortung; als Integrationsfaktor.

    Europa hat viel zu verteidigen, sagen viele. Ja, doch ich sage lieber: Europa hat viel anzubieten, sowohl für jene, die zu uns kommen, als auch für jene, die schon da sind. Hier nur einige Beispiele:

    – Rechtsstaatlichkeit, Gewalttentrennung, Demokratie.
    – Fragen der Menschenrechte, der Toleranz und des Respekts.
    – Fragen der Aufklärung, Wissenschaft und Forschung.
    – Fragen der Gleichstellung und Gleichbehandlung, auch wenn es immer gilt, daran zu arbeiten und das Erreichte zu hinterfragen.
    – Die Trennung zwischen Staat und Religionsgemeinschaften, auch wenn diese in verschiedener Weise und in verschiedenen Abstufungen praktiziert wird; auch hier gilt es, den Ist-Zustand immer wieder neu zu hinterfragen.
    – Religionsfreiheit, nämlich im Sinne von Freiheit zur Religionsausübung, Freiheit zur Religionszugehörigkeit, Freiheit, ein Leben außerhalb institutionalisierter Religion zu führen.

    Herzlichst, Euer Lese-Esel

  11. Pingback: Invasion och kulturellt berikande – påven har talat | Signum

  12. Georg M. sagt:

    Papst Franziskus spricht in verschiedenen

    Ansprachen für durchlässige Grenzen aus.

    Gibt es konkrete Zahlen über Flüchtlingen,

    die im Vatikanstaat Aufnahme gefunden haben?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Es gibt Zahlen von Menschen, die in den Einrichtungen des Vatikan Aufnahme gefunden haben. Die meisten – wie auch die meisten Büros des Vatikan – sind außerhalb der Mauern. In den Pfarreien des Bistums, in den Aufnahmezentren der Caritas – vor Ort in Syrien oder dem Libanon genau so wie auf Lampedusa oder in Rom – getan wird, ist beachtenswert und sehr respektabel.

  13. das Schicksal der vielen, von denen jede, Jeder EIN EINMALIGER MENSCH ist,kann man manchmal mit einer Doku eindrucksvoll ausleuchten:

    http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata//7747c5ad-75d4-3599-8aca-0c0f5e0c4729/8de8d2d0-ea7a-4f1c-bf33-c6e34ee263df?doDispatch=1

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