Ist sie es oder ist sie es nicht?

Ich kann es einfach nicht lassen. Seit der Konzerthausrede in Freiburg treibt mich – und den Blog – immer wieder die Frage nach der Entweltlichung um. Seit Tagen und Wochen kaue ich zum Beispiel auf der Frage herum, in wie weit diese mit der von Papst Franziskus genannten „Kirche der Armen“ zusammen hängt. Es wäre zu einfach, beide gleich zu setzen, aber verführerisch ist der Gedanke schon, dass durch diesen Papst der Gedanke weiter entwickelt wird.

Schließlich findet sich bei den beiden Päpsten viel Kontinuität. Viel mehr, als wir vielleicht bei den vielen Stiländerungen der vergangenen Woche auf den ersten Blick sehen. Papst Franziskus hat den Begriff der „Diktatur des Relativismus“ aufgegriffen und ihn in Richtung Dialog weiterentwickelt; die „arme Kirche“ auf die „Entweltlichung“ hin zu befragen scheint mir also nicht abwegig.

Bischof Overbeck bei Radio Vatikan

Bischof Overbeck bei Radio Vatikan

Neulich im Interview bei uns sagte der Bischof von Essen und Adveniat – also Lateinamerika-Hilfswerk – zuständige Bischof Franz-Josef Overbeck:

 

„Es ist eine interessante intellektuelle aber auch strukturelle Frage, ob Entweltlichung und Armut sich nicht wie zwei Seiten derselben Medaille begreifen können; das eine als die intellektuelle Ansage, die nachdenklich machende Frage wie weit wir ein Selbstbewusstsein haben, das aus dem Glauben kommt. In dieser Weise ist es wirklich angesagt, arm zu werden, nämlich ganz auf Gott zu vertrauen.

Auf der anderen Seite gehört zur Entweltlichung auf keinen Fall, die vielen positiven Elemente der Kirche in Deutschland zu vernachlässigen, mit denen wir vielen anderen helfen können.“

 

Also erstens: Intellektuell interessante Frage. Das bezieht sich auf das Verstehen von Entweltlichung und ist letztlich eine ekklesiologische Frage. Sie gehört in die Theologie. Im Augenblick übergehe ich diesen Punkt erst einmal, das ist eine Frage, der ich einmal ausführlicher nachgehen möchte.

Dann zweitens: Strukturell interessante Frage. Woher nehmen wir den Bezugspunkt unseres Lebens? Aus dem, was Benedikt XVI. „Welt“ genannt hat, also aus demselben Pool wie wir die übrigen Teile unserer Realität definieren? Oder aus dem Vertrauen in Gott? Hier treffen sich sicherlich die „Arme Kirche“ und die „Entweltlichung“.

Dann drittens: Die vielen guten Dinge der Kirche, mit denen wir anderen helfen können. Es geht also nicht um die Kirchensteuer, wie viele Schnellkommentatoren im September 2011 sofort zu wissen meinten, es geht nicht um die generelle Ablehnung einer Form oder eines Systems. Es geht um die Art und Weise, sich selber zu sehen und zu verstehen.

Es geht schlicht um die Weise, sich selbst nicht nach den Kategorien der Welt zu sehen, sondern als geliebtes Geschöpf und gewollte Gemeinschaft; die Welt ist Gottes so voll, wie Pater Alfred Delp formulierte. Wir sind geliebte und erlöste Geschöpfe Gottes, wenn wir aber uns selber in den Mittelpunkt rücken, verdunkeln wir das.

So gesehen lese ich die „arme Kirche“ in ähnlicher Richtung. Natürlich soll das auch ganz konkrete Auswirkungen haben, das will ich gar nicht verneinen oder herunter spielen. Aber es schließt sich eben doch an den Begriff Benedikt XVI. an. Die „Armen“ sind diejenigen, die in den Augen der Welt unten sind, deren Würde und Überleben gefährdet ist, damit andere reich sein können. Die Armen verstehen die Botschaft Gottes, die Reichen nicht. Die Armut kennt Hoffnung, Wunsch, Not, Bedürfnis. Der Reiche ist in Gefahr, satt zu werden. Hoffnung, Wunsch, Not und Bedürfnis sind aber Haltungen, die Gott direkt anspricht.

Hier geht es nicht um verniedlichung, Armut muss bekämpft werden und gerade wir im reichen Westen müssen mehr zu ihrer Überwindung tun. Aber gerade da hilft es vielleicht, die Welt mit den Augen der Armen zu sehen. Das rückt die Maßstäbe zurecht.

In den Worten Papst Franziskus liest sich das nun so: Was zählt ist nicht das, was in den Augen der Welt wichtig ist. Die Kategorien von Heil und von Gottes liebendem Blick kann man nur verstehen, wenn man die eigenen an die Seite legt. Für Franziskus zeigt sich Gottes Option in den Armen.

Entweltlichung hat mit Armut zu tun. Oder umgekehrt und vielleicht etwas präziser formuliert: Der Begriff der „armen Kirche“ setzt das Nachdenken über das, was Benedikt XVI. „Entweltlichung“ genannt hat kreativ fort. Und das kann unserer Kirche nur gut tun.

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51 Kommentare zu Ist sie es oder ist sie es nicht?

  1. Sabina sagt:

    Ehrlich gesagt verstehe ich den Begriff „arme Kirche“ nicht. Worauf bezieht sich „arm“? Auf das materielle, auf das geistige, auf das geistliche? „Eine Kirche der Armen“, das kann ich eher verstehen, eine Kirche, die sich auf das wirklich Wichtige des Lebens konzentriert, auf das Lebenserhaltende im Geistlichen und auch Körperlichen. Die materielle Not der Menschen zu lindern ergibt sich doch aus dem Gebot der Nächstenliebe, es ist gut, das immer wieder daran erinnert wird. Und dass wir zu wenig tun, und ja vielfach sogar Schuld tragen an der Armut in der Welt, auch hier soll die Kirche nicht müde werden zu ermahnen.
    Aber dann wünsche ich mir eine reiche Kirche, reich an Hilfe, an Ideen, an Lehre, an Ermahnung. Und reich an Hoffnung.
    Ich bin etwas abgewichen.Eigentlich haben Sie den Begriff „Entweltlichung“ in die Diskussion gestellt. Der ist mir näher, ich hatte ihn ähnlich verstanden wie Sie, dass die Maßstäbe der Welt keine Richtung geben können, sondern nur die Suche nach der Wahrheit.
    Kürzlich sprach ich mit einen Freundin über die zehn Gebote, und sie meinte, die seien ja gut und schön. aber so schwer zu befolgen, dass sie ja geradezu unmenschlich wären. Und ich konnte im ersten Moment keine rechte Antwort geben, weil ich ja selbst nicht fehlerlos nach den Geboten lebe. Leider zu spät fiel mir ein, dass ich hätte sagen sollen: unmenschlich ist der Verstoß gegen die Gebote, weil er Menschen schadet.
    Ich wünsche mir also eher eine in diesem Sinne „menschliche“ Kirche, die ich aber auch sehe.
    Vielen Dank für Ihre täglichen Gedankenanstöße.

  2. Silvia sagt:

    Entweltlichung ist ein Begriff, den jeder so auslegen kann, wie er will, weil er nichtssagend ist.

    • Teresa_von_A. sagt:

      Hab eher den Eindruck, das Wort Entweltlichung macht Ihnen Angst.Frau Silvia.Dass Sie dann etwas tun müßten, was Sie sich nicht leisten können? Wie in der Apostelgeschichte Ananias und Saphira. Die konnten sich auch nichts leisten.Wollten aber dazugehören.

      • Silvia sagt:

        Das ist schon eine ziemlich dreiste und selbstgerechte Unterstellung. Ich muss mich vor niemandem rechtfertigen außer vor Gott, deshalb gehe ich auf Ihre unterstellung auch nicht ein.

      • Silvia sagt:

        Man müsste erstmal definieren, was der Begriff „Entweltlichung“ für den Einzelnen bedeutet. Wenn damit eine weltfremde Kirche gemeint ist, die sich von der Welt und den menschen zurückzieht – und das verstehe ich unter Entweltlichung – dann macht mir diese Entweltlichung tatsächlich große Angst.

    • Teresa_von_A. sagt:

      nö. stimmt nicht, silvia.ent–ist weg..kirche weg von der welt.welt weg von kirche. wenn man weder weiß, was kirche ist, noch was welt, hat man allerdings probleme. :-). diese probleme haben aber dann wenig mit dem thema zu tun.sondern mit einem selber.das materialistische..was hat es in der kirche zu suchen? das berechnende? das sammeln von reichtümern ,anstatt sie umzuverteilen? helfen, weil man sich langweilt? in der kirche sind auch die motive ein thema..die anderen motive..um des himmelreiches willen.da wird dann nicht aufgerechnet.im reich gottes müssen input und output eben nicht stimmen.

  3. Elisabeth sagt:

    In eine ähnliche Richtung gingen auch rein intuitiv meine Gedanken. Ich hätte sie aber nie so klar greifen können. Danke.

  4. Hannes Marcel Bichler sagt:

    Die Entweltlichung bei Benedikt XVI. habe ich als eine neue Entdeckung tieferen Glaubens verstanden, durchaus verbunden mit strukturellen Konsequenzen. Die Kirche in den deutschsprachigen Ländern ist fett und träge geworden, auf sich selbst konzentriert und sich für den Nabel der Welt haltend. Allein, wenn ich daran denke, für welchen Schwachsinn es alles „Beauftragte“ in den Ordinariaten gibt. In alles und jedes glaubt man sich einbringen zu müssen. Das ist verweltlicht, weil die eigentliche Botschaft verdunkelt wird. Ich glaube nicht, dass Franzsikus mit der „armen Kirche“ tatsächlich eine rigoros materiell arme Kirche meint, damit wäre ein Grundpfeiler ihrer Arbeit unmöglich. Die „arme Kirche“ ist wohl jene, die uns immer wieder zeigt, was wir bewirken können mit dem, das uns gegeben ist. Und das muss nicht zwingend über den Kirchenbeitrag geschehen.

    • W. Krüger sagt:

      .Herr Bichler, ich kann Ihnen nur zustimmen. Der Beamtenapparat der Kirche in Deutschland ist vollkommen aufgebläht und verweltlicht. Diese Verweltlichung sieht denn im Einzelnen so aus, dass die Ordinariate und zum Beispiel auch die katholischen Akademien geprägt sind von wohldotierten Bürokraten mit großen Büros und aber unzureichend Kreativität wie man die Menschen erreichen kann und oft zu wenig Engagement im kirchlichen Leben der Gemeinden vor Ort. Über eine befreundete Dame, die als Sekretärin dort gearbeitet hat, weiß ich, dass zumindest in unserer mittelgrossen Stadt in Nordrhein-Westfalen viele Mitarbeiter selber gar nicht aktiv am kirchlichen Leben teilnehmen. Über lange Zeit, als die Kirchensteuergelder noch reichlich flossen, wurde der Verwaltungsapparat ständig aufgestockt. Natürlich ist auch Verwaltung wichtig. Und es sind auch kirchliche Strukturen und Akademien wichtig. Aber wenn die Träger dieser Strukturen nicht mehr im praktischen Christentum verwurzelt sind, dann wird es brenzlig. Der Leiter unseres bistumseigenen Verlages antwortete mir auf die Frage, warum Hans Küng im kirchlichen Prospekt beworben werde, dass er nicht wisse, was daran problematisch sei, dass er aber auch die Positionen von Küng nicht kenne. Das verstehe ich unter Verweltlichung.

      • Andreas sagt:

        „…katholischen Akademien geprägt sind von wohldotierten Bürokraten mit großen Büros und aber unzureichend Kreativität wie man die Menschen erreichen kann und oft zu wenig Engagement… “ Das ist ziemlich pauschal und allgemein gesprochen. Die renommierte Karl Rahner Akademie in Köln bekommt seit etlichen Jahren keinen Zuschuss mehr vom Erzbistum und muß sich selber mit wenigen hochengagierten Personen über Wasser halten, ohne dass das Niveau der Veranstaltungen bisher leidet. (http://www.kath.de/akademie/rahner/)

    • Teresa_von_A. sagt:

      Hannes Marcel Bichler :-). Das hat mir gefallen. Wes Geld ich nehm, des Lied ich sing. In atheistischen Gefielden gilt der Spruch, die werden staatlich unterstützt,dann müssen sie auch tun,was wir sagen. Ich sehe an dem einen oder anderen Kommentar hier die Angs,.dass sie mehr zahlen müssen..kommen Sie alle nach Berlin. Da werden Sie sehen, wie gut das geht, entweltlichte Kirche. Kirche, die sich auf ihren Auftrag kontzentriert, das Evangelium zu verkünden. Caritas..Das Erzbistum Berlin hatte 2003 den großen Peitegeier mit einer ungeahnten Entlassungswelle.Putzen, Küster, Organist, Pfarrsekretärin..alles ehrenamtlich oder leer. Da überlegt man sich dann und erkennt auf einmal, was Kirche einem Wert ist. Das Amt überlegt es sich und die Basis. Entweltlichung: ein vielsagender Begriff für die, die keine Angst haben, ihren Alltagstrott zu verlassen.Im Tanz der Schöpfung ist Kreativität angesagt.Es ist auch bezeichnend, dass Menschen,die nur sich selber kennen, an erster Stelle schreien: wir haben auch Arme, wir haben selber….. und ich muss ja erstmal selber..selber..nur cicht selber was tun.Die Basis der katholischen Kirche zeichnet sich leider immer noch durch Erwartungshaltung aus. Der Priester hebt in die Höh vom heiligen Altar aus.Wer kein Geld hat, arbeitet anders mit.Eine private Schule kirchlich von innen betrachtet und man staunt,was möglich ist. An Eigeninitiative. Von nichts kommt nichts.

      • Silvia sagt:

        Ausschließlich ehrenamtlich zu arbeiten muss man sich aber auch leisten können. Ich kann es inzwischen auf Grund meines Alters. Aber junge Leute können es nicht. Denn wer zahlt einem die Miete, die Lebensmittel, den Unterhalt für die Kinder? Ehrenamt ist entweder ein Luxus für Reiche oder Rentner, nicht für die Mehrzahl der Bevölkerung, die muss nämlich ihren Lebensunterhalt durch ihre Arbeit VERDIENEN! Und wer die Armut hierzluande leugnet, der WILL sie nichtsehen!

        • Teresa_von_A. sagt:

          Silvia, all Ihre Energien , mit deren Hilfe Sie uns beweisen wollen: Geht-nicht könnten Sie investieren in das Thema: was könnte man trotzdem machen.Kreative Kirche. Das Erzbistum Berlin zeigt, wie es geht..Es sind doch nicht nur Senioren aktiv..also wir halten uns hier ganz gut aufrecht.Besser als behäbige andere Zeitgenossen.Das beste Beispiel bieten noch die Polen mit ihrem Einsatz immer.Bei uns wird nur noch Hochwürden bezahlt.Freundeskreise, Stiftungen..so halten die Berliner Kirche und kirchliche Schulen und Caritas aufrecht. Die Obdachlosenfürsorge ist ganz auf Spenden und MIthilfe angewiesen.Rentner gibt es genug. Junge Menschen machen etwas anderes. Was das mit reich zu tun hat,..wo hat das was mit reich zu tun?Die kirchlichen Schulen werden mit Hilfe der Schüler und Schülerinnen am Laufen gehalten. Benefizkonzerte und Artikel..die HP der Schulen ansehen und man staunt.Auch Geldverdiener haben Freizeit. Früher war es üblich, dass man ab dem 14. Lebensjahr an den Wochenenden in die Krankenhäuser ging und beim Essenausteilen half. Ehrensache war das.

          • Silvia sagt:

            Diese Energie investiere ich dann lieber vor Ort als hier bei den „Entweltlichungstraumtänzern“, denn wie gesagt, ich kann es mir inzwischen leisten, ehrenamtlich zu arbeiten.

          • Teresa_von_A. sagt:

            Der erste Entweltlichungstraumtänzer wäre dann Papst Benedikt gewesen.Und zwar deswegen, weil Sie es beschlossen haben, ihn aus Ihrem Nichtverstehen heraus so uzu nennen. Interessant. Der eine hilft hier, der andere woanders. Seit Franziskus I wissen wir, dass Gott nicht nur bei den Katholiken ist, sondern in der gesamten Schöpfung.Ich konnte mir die Ehrenämter immer schon leisten. Als Jugendliche. Als Studentin.Mit Familie.Berufstätig..Übung macht den Meister..Wer Augen hat zu sehen, der sieht..und hört..und macht.Man stolpert ständig über irgendwas..und hilft.

  5. Arnd sagt:

    Das sind sehr interessante Gedanken, die sehr grundsätzlich sind und es ist wahrscheinlich, dass Benedikt XVI seinen Ausführungen sehr grundsätrzliche Überlegungen unterstellt hat. Was ich allerdings zum Zeitpunkt der Rede intuitiv verstanden zu haben glaubte, war, dass er befürchtete, dass die caritativen Einrichtungen und Unternehmen der Kirche in Deutschland zwar perfekt und effizient funktionieren, aber dass die Verkündigung des Evangeliums (wenn auch nur indirekt) nicht mehr im Vordergrund oder zumindest gleichwertig daneben steht. Als Beispiel fällt mir ein: die Orden sind häufig nicht mehr sichtbar in kath. Krankhäusern engagiert, viel muss von Mitarbeitern getan werden, bei denen der Broterwerb im Vordergrund steht, so dass die christliche Nächstenliebe nicht nach außen sichtbar wird. Verkündigung durch Beispiel.
    Oder: ich frage mich, da ich beruflich viel in einer Psychiatrie eines katholischen Trägers unterwegs bin, wie dort mit den bestehenden Einschränkungen materieller Art durch Einsparungen der Krankenkassen etc. umgegangen wird usw. Für mich meinte er auch fehlende Unterscheidbarkeit gegenüber weltlichen Einrichtungen oder sogar Opposition gegen die offizielle Lehre der Kirche (aus seiner Sicht unberechtigt) usw.
    Die Option für die Armen ist für mich noch mehr, hier fällt die sorgsame Abwägung zwischen Hilfeleistung und Effizienz dann insoweit ganz weg, als der Helfende mit den Armen oder zumindest selbst arm lebt, emotional und selbstgewählt ein Armer wird.

  6. Andreas sagt:

    Die Freiburger Konzerthausrede Benedikt des XVI. zur Entweltlichung ist genial und steht ganz im Symbol des Kreuzes: Das kirchliche Wirken und das Wirken jedes einzelnen in der Welt (horizontale Achse) darf die geschenkte Beziehung zu Gottes Liebe und Erbarmen (vertikale Achse) nicht aus den Augen verlieren. Eine arme Kirche hat beide Arme des Kreuzes im Blick.

  7. Capricornus sagt:

    Papst Benedikt XVI. hat in seiner Freiburger Rede zur „Entweltlichung der Kirche“ von einer „ihres weltlichen Reichtums entblößten“ Kirche als Ideal gesprochen, wie das im Mittelalter Prediger des Franziskanerordens, der hl. Bonaventura, u. v. a. mehr getan haben.
    Er spricht von Scheidung von civitas terrena und civitas Dei, wie auch schon Augustin.
    Für mich heißt das nichts anderes, dass sich die Kirche aller weltlichen Einflüsse entledigen soll, z.B. Finanz- und Spekulationsgeschäfte, eigenes Bankenwesen, Beteiligung an weltlichen Institutionen , aber auch von einem Leben in Fülle innerhalb des kirchlich institutionellen Amts, Reichtum und weltlicher Bequemlichkeit u. v. a. mehr.
    Ich spare es mir hier mal die üppigen Gehälter im Einzelnen, vor allem die der Bischöfe und Kardinäle, aufzulisten).
    Ihre ganze Kraft soll die Kirche, dazu gehören auch besonders befähigte Laien im Rahmen ihrer Möglichkeiten, dem „Volk der gläubigen Christen“ und „dem Haus Gottes“ im Sinne der Hl. Schrift und der Lehre unseres Herrn „Jesus der Christus“ widmen.
    Einmischung in weltliche Dinge nur noch dann, wenn etwas gegen Menschenrechte, den Glauben und den Menschen als Wesen Gottes, gerichtet ist. Aber dann auch mit Fingerspitzengefühl und gebührender Zurückhaltung.
    Priester sein ist m. E. kein Beruf, sondern eine Berufung, also Dienst für Gott und am Nächsten und an den Gläubigen mit dem Ziel, sie vorbehaltlos im Glauben zu führen und sie für Gott zu gewinnen.
    Sowohl hier, aber auch in ihrer weltlichen Gier gegenüber dem Mammon , ihrem Anspruchs-, Macht-, Regelungs- und Wohlstandsdenken, soll das kirchliche Amt und seine Vertreter, sich zurückhalten im Sinne von Gott gegebener Liebe und Fürsorge gegenüber den Gläubigen.
    Die Priester und sonst. Kleriker und Ordensangehörige sollten sich wieder auf das besinnen, was früher mal ihre oberste Pflicht und Aufgabe war. Nämlich die Hirtenaufgabe, das Gebet, das Beispiel für die Gläubigen und der Dienst für Gott und das Volk.
    Wenn ich den Beitrag von Pater Hagenkord lese, habe ich an dieser Umsetzung und Verwirklichung massive Zweifel, weil ich fürchte, dass so mancher dieser Klerikergeneration ihrer Pfründe wegen dazu gar nicht bereit sein wird.
    Es ist Aufgabe der Geistlichkeit, das Vertrauen in Gott und sein Heilswerk bei den Gläubigen wieder herzustellen und zu festigen. Ich gebe zu, das wird größte Anstrengung erfordern, aber es wird sich lohnen.
    Hierin stimme ich Ihnen zu:
    – Wir nehmen den Bezugspunkt unseres Lebens aus dem, was Benedikt XVI. “Welt” genannt hat, weil auch die Welt auf göttliche Ordnung begründet ist und aus dem Vertrauen in Gott, dessen uneingeschränkter Liebe und Barmherzigkeit wir uns sicher sein dürfen.
    – Es geht auch um die Art und Weise, sich selber wieder zu erkennen, zu sehen und sich selbst wieder zu verstehen.
    – Wir sind geliebte und durch „Jesus der Christus“ erlöste Geschöpfe Gottes, auch dann, wenn wir uns aber selber in den Mittelpunkt rücken.
    – Auch darin wird eine neue Herausforderung für die Geistlichkeit resultieren.
    – Wir verdunkeln alles nur dann, wenn wir uns von Gott abkehren.
    – Um das zu verhindern, vertrauen wir uns gerne einer Kirche an, die zu uns hält, mit uns geht, uns, wie auch Gott es tut, frei entscheiden lässt und uns, wie auch die Priester und Diakone im Zölibat nicht durch kaum erfüllbare Kirchengesetze knebelt, sondern Nächstenliebe lebt.

    • Silvia sagt:

      Auch Priester brauchen ein Einkommen, von dem sie leben können. Und wenn sie nicht im Zölibat leben sondern Frau und Kinder haben, brauchen sie mehr Geld. Man sollte hier auch mal realistisch bleiben und keine völlig weltfremden Forderungen an den Klerus stellen.

      Diese „Entweltlichungsdebatte“ wird immer abgehobener weil jeder nur „die Anderen“ meint. Kirche sind wir alle, nicht nur der Klerus.

      Und wer die Abschaffung des Zölibats will, muss sich bewusst sein, dass auch Priesterfamilien nicht unter Brücken schlafen können, dass Kinder Geld kosten.Oder soll die Ehefrau des Priesters das Geld für den Lebensunterhalt für die Familie beim nichtkirchlichen Arbeitgeber verdienen, weil Priester kein Beruf ist sondern eine Berufung, für die man kein geld bekommen darf?

      • Capricornus sagt:

        @Silvia
        Man muss hier schon sehen, dass der Zustand, den sie oben beschreiben bisher noch nicht erreicht ist und bei dem Denken des derzeitlichen kirchlichen Amtes nie erreicht werden wird. Wäre schön, wenn endlich mal die alten Zöpfe abgeschnitten würden und Priester heiraten dürften, dann wären auch diese hohen Gehälter gerechtfertigt. Nicht aber bei bei alleinstehenden Priestern, unverheirateten Bischöfen und Kardinälen .
        Mit keinem Wort deutete Jesus an, dass er in seiner Jüngerschaft ein neues Priestertum und einen neuen Opferkult wollte. Er selbst war nicht Priester, auch keiner der ‘Zwölf’, keiner der Apostel, auch Paulus nicht. Ebenso wenig soll es nach den übrigen Schriften des Neuen Testamentes ein neues Priestertum geben.“
        Jesus wollte nicht Christen erster und zweiter Klasse, aber schon die Vorsteher der damals jungen Kirche haben diese Hierarchie eingesetzt (Herbert Haag, renommierte Bibelwissenschaftler und Professor für katholische Theologie).
        Ganze Abhandlung ist nachzulesen unter: http://www.das-weisse-pferd.com/97_24/jesus_wollte_keine_priester.html.

        Jesus war und blieb Laie. Auch stammte er nicht aus einem priesterlichen Hause. Die ersten christlichen Gemeinden waren Laiengemeinschaften, die sich Brüder und Schwestern nannten. Sie gaben den Aufgaben in der Gemeinde schlichte Bezeichnungen: Diakon = Diener, Bischof = Verwalter, Kassenwart (von episkopus = darauf sehen, auf etwas aufpassen.) Dies waren Laiendienste und keine Ämter, schon gar keine Berufe.
        Wer so argumentiert wie Sie, liebe Silvia, hat sich m. E. schon zu sehr an diese amtskirchlichen Strukturen gebunden bzw. kann u. U. mit ihnen ganz gut gebettet leben. Ich kann mich hier aber auch irren und einem falschen Schluss aufgesessen sein. Ich finde vor Gott hat jeder seine persönliche Freiheit, auch wenn er sein Leben ohne Anbindung an eine kirchliche Institution lebt.

        • Silvia sagt:

          Was die Ämter in der Urkirche angeht, haben Sie Recht. Ob ich damit „gut“ leben kann, weiß ich nicht, ich versuche nur, in der Realität zu leben. Ansonsten bin ich wohl eher jemand, der dazu neigt, unangepasst zu sein.

        • Teresa_von_A. sagt:

          Zumal Ordensleute ganz anders klarkommen müssen inzwischen..Capricornus. Die zeigen, was Armut ist. Hat ein Jesuit neulich gepredigt: anstatt den Weltpriestern den Zölibat aufzuzwingen, sollte man ihnen die Armut aufzwingen. Unsere Evangelen hier fahren Taxi nebenbei..

    • H.Sattel sagt:

      Geehrter P.Hagenkord, vielen Dank dass Sie dieses Thema der „Entweltlichung“ nochmals aufgegriffen haben, im Besonderen auf den Bezug der Freiburger Rede Benedikt XVI. ; nicht weniger danke ich Gott dafür, dass Er auch Ihren Geist ob dieses Theams in eine gesunde Unruhe versetzt und somit auch wieder in eine Lebendigkeit, die in uns allen vielleicht ermüdet und eingeschlafen war und teilweise noch ist. Genau mit diesen Gedanken eines Benedikt XVI. -zwar nicht in deren Brillianz und Wortgewandtheit- beschäftigte ich mich in meiner Ordenszugehörigkeit bei den Franziskaner (ofm), was mir aber als „Auflehnung“ und „Ungehorsam“ gegenüber Papst und Kirche ausgelegt worden ist und ich diesen Orden gegen meinen Willen zu verlassen hatte.
      Ich denke, dass der Rückzug Benedikts XVI. aus dessen „aktiven Pontifikat“ auch etwas mit dessen Ideal der Kirche zu tun hat und er einfach die Kraft nicht mehr hatte, hier -vielleicht gravierende und einschneidende- Änderungen vorzunehmen:
      der Gegenwind von Unwillen und vielleicht auch wirkliches Aufbegehren so mancher Würdenträger, zu groß war und auch für einen Franziskus noch ist.
      Nach all`dem was ich persönlich erlebt habe, schaue ich sehr besorgt auf jenes Bemühen, zumindest die Gemeinde Rom entweltlichen zu wollen. Mag das einem kleinen jungen Franziskaner nicht gelungen sein und einem Benedikt XVI. alle Kraft genommen haben…..vielleicht gelingt es anfangsweise einem Franziskus als Papst.
      Ihm wünsche ich von hier aus „Friede und Heil“…..hierfür!

      • Teresa_von_A. sagt:

        H.Sattel, der Zahn der Zeit wird es richten.- Das Arme..

      • Silvia sagt:

        Ich bin als Kind – teilweise noch vor dem Konzil – in einer Franziskanerpfarrei aufgewachsen. Von Armut war da nichts zu sehen und zu spüren im Leben der franziskaner. Die wurde nur von den einfachen Gläubigen eingefordert, die in dieser Pfarrei sowieso nicht zu den Reichen gehört haben. Aber wie gesagt, das war zum Teil noch vor dem Konzil, als die Priester noch in jeder Predigt unwidersprochen auf den Gläubigen herumhacken durften. Meine Mutter hat dann immer gesagt, dass man das alles nicht so ernst nehmen darf. Und auch damals schon haben die Menschen so gelebt, wie sie es für richtig hielten, haben versucht, ihren Kindern gute Schulen zu ermöglichen , oft unter Opfern, die frauen haben versucht, etwas dazu zu verdienen, damit die Familien über die Runden kamen und haben am Sonntag die Schimpfpredigten über sich ergehen lassen und gedacht „die haben doch keine Ahnung“. Nach dem Konzil hat dann wenigstens das Geschimpfe in den Predigten nachgelassen.

  8. Guardianus sagt:

    Ist eine „verweltlichte Kirche‘ überhaupt noch eine „Kirche“? Und wenn wir „entweltlichen“ müssen, wo fängt diese an, wenn nicht in einem jeden Einzelnen? Wieviel „Welt“ stickt in einem jeden von uns und wieviel „Himmel“ sind wir?…

    • Teresa_von_A. sagt:

      ja, guardianus. besonders der letzte satz spricht mich persönlich sehr an.der himmel senket sich, er kommt und wird zur erden,wann steigt die erd empor und wird zum himmel werden?und wäre christus hundertmal in bethlehem geboren und nicht in dir,du wärest ewiglich verloren.. frei nach silesius.aber: wer nicht will, der ist unbelehrbar. da wird immer ein ja,… aber kommen..

  9. Elasund sagt:

    „Kirche der Armen“ schwirrt für mich (Anfang der 70er geboren) durch Religionsunterricht, Gruppenstunden und Jugendgottesdienste. Die Vorstellung was „Kirche der Armen“ bedeutet ist bei manchen geprägt durch die Befreiungstheologie (deren deutsche Anwendung oder Ablehnung). Wenn Franziskus sich also eine arme Kirche wünscht, wird bei manchen etwas abgerufen. Die Zuhörer wissen genau, was er meint, oder glauben das zumindest.
    Der Begriff Kirche der Armen wurde nicht von Papst Franziskus entwickelt. Er greift ihn nur auf. Deswegen habe ich Mühe mit der Vorstellung, dass Benedikt XVI. an dieser Stelle durch Franziskus eine Weiterentwicklung findet. Könnte es genau umgekehrt sein, dass Benedikt eine Antwort gibt auf die Forderung nach einer Kirche der Armen? Das erscheint mir logischer. Benedikt spricht in seiner Konzerthausrede eindeutig von materieller Armut. Er führt Armut und Entweltlichung im selben Abschnitt ein und ich denke er verwendet die Begriffe aufeinander bezogen und teilweise synonym. (Und er redet wesentlich verständlicher als Bischof Overbeck.)
    Ich habe an einer anderen Stelle eine Kontinuität gehört zwischen Benedikt und Franziskus. (These: Verkündigung ist wichtiger als äußere Besitzstände aufbauen oder halten.)
    Ein Beitrag zur Diskussion um Entweltlichung (durch Manfred Lütz) ist, dass wir in Deutschland den „Etikettenschwindel“ beenden sollten und die Zahl der katholischen Einrichtungen senken. Dann können in den verbleibenden Krankenhäusern und Kindergärten Christen arbeiten, die den Verkündigungsanspruch der kath. Kirche auch erfüllen wollen. Benedikt „Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage.“
    Papst Franziskus am 14.03.13: „… wir können vieles aufbauen, aber wenn wir nicht Jesus Christus bekennen, geht die Sache nicht. Wir werden eine wohltätige NGO, aber nicht die Kirche, die Braut Christi.“

    • Teresa_von_A. sagt:

      Martin Maier sj, Oscar Romero, Kämpfer für Glaube und Gerechtigkeit. Herder Verlag. Dieses Buch erklärt. Wer dann noch fragt…..man könnte nebenher noch die Apostelgeschichte lesen.Spätestens Weihnachten müßte auch einem Deutschen übel werden beim Thema Armut und medienwirksamer Almosenverteilung.Bevor ein gutes Gewissen ein sanftes Ruhekissen wird, muss viel getan werden.Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

  10. H.Sattel sagt:

    Wenn Papst Benedikt XVI. die Kirche im Zustand einer allgemeinen Verweltlichung sieht und erkennt, dann -so meine ich- erübrigt sich die Frage, ob die Kirche es nun ist oder nicht. Ein weitere Antwort auf diese Ihre Frage gibt uns -so meine ich zu erkennen- die Heilige Schrift selbst, wenn Gott durch den Propheten Ezechiel verheisst, dass Er den Menschen einen neuen Geist und ihm ein neues Herz schenken will, bzw. uns aus unseren Gräbern heraus holt, womit sicherlich nicht allein die Gräber auf unseren Friedhöfen gemeint sind, sondern -wie es in nicht wenigen geistlichen Schrift zu lesen ist- eben auch unser mittlerweile immer mehr irdisch gesinnter Geist, der sich weniger mit dem Wort Gottes verbunden, als sich mit der Welt immer mehr verstrickt hat. „Entweltlichung“ bezieht sich somit nicht allein auf die „Armut“ an Güter, sondern eben auch auf die „Entweltlichung“ unseres Geistes, wie es ein Guardianus andeutet. „Entweltlichung“ der Kirche hat also bei uns selber zu beginnen und diese kann „nur“ beginnen wie auch Beständigkeit aufweisen, wenn wir uns nach dem Wort Gottes ausrichten und wir uns an Gott und Seinen Geboten freuen, an Stelle am Geist der Welt, was nicht gleichsam bedeutet -wie ich meine-, dass dies ein Rückzug aus dieser Welt ist.
    Wie also sich der weltliche Geist in unser Wesen eingeschlichen hat und uns irgendwie doch beherrscht, so haben wir -so meine ich- umzukehren, darin wir den Geist Gottes wieder in die Welt tragen: den Geist der Liebe und Wahrheit….die Erde so zu sagen „entweltlichen“ und nicht allein „nur“ die Kirche von Rom.
    Und Franziskus hat recht: ohne Jesus Christus, ohne unser Glaubenszeugnis für Ihn, mit Ihm und durch Ihn, geht das nicht…..sind wir nicht „nur“ arm, sondern irgendwie auch – tot: Erde eben, die zur Erde zurück kehrt.

    • Ich denke auch, dass sich der Geist Gottes in den Geboten ausdrückt. Um den Geist Gottes in die Welt zu tragen, so dass er ankommen und angenommen werden kann, sollte ihn doch zumindest der Verkündende selbst in hohem Maße glaubhaft vorzuleben. Das ist ein hoher Anspruch, den sich die hirarchisch aufgebaute Kirche als Gesamtheit stellt, stellen muss und dem sie augenscheinlich oftmals, zumindest in großen Teilen nicht gerecht geworden ist. Die Kirche müsste daher meines Erachtens zumindest für öffentlichkeitswirksame Mitglieder/“Verkünder“ eine „Gütekontrolle“ einführen und erforderlichenfalls konsequent handeln.

      • Guardianus sagt:

        Lieber Peter Lehmann, die Gebote umfassen den ewigen Bund. den Gott durch Moses mit unseren Vätern in der Wüste geschlossen hat und jeder von uns mit in und durch die Taufe mit Gott schließt. Der Getaufte quasi zum Bundespartner Gottes geworden ist und alle Getauften das „neue Volk Gottes“ ergeben, das sich natürlich im Einzelnen wie auch Gemeinschaftlich an die Einhaltung dieses Bundes zu halten hat. Und dieser ewige Bund ist durch das geopferte „Lamm Gottes“ und durch das eigene „Ja“ in Kraft. Es stellt sich also die Frage, inwieweit das Volk Gottes im Einzelnen wie Gemeinschaftlich diesem Bund gerecht wurde, bzw. wird, darin sich jeder die Antwort (für sich selbst) selber geben muss. Als Gemeinschaft sieht die Bilanz wohl eher schlecht(er) aus….

        • Sehr geehrter Herr Guardianus. Da muss ich ihnen „leider“ (was die Billanz der Gemeinschaft betrifft) recht geben. Wenn man die kirchliche Institution, als Mittler zwischen Gott und den Menschen, als Verbreiter des Geistes Gottes sieht, ist sie doch um ihrer Glaubhaftigkeit Willen in der Pflicht zumindest bei der Auswahl ihrer Repräsentanten äußerste Sorgfalt walten zu lassen und das Verhalten der ausgewählten Repräsentanten in der Folge, quasi als laufende Eigenkontrolle, weiter zu beobachten, um den Schaden Einzelner auf die Glaubwürdigkeit der Gemeinschaft zu minimieren.
          Das Thema würde ich zumindest als Leiter der Fa. Kirche anschieben.

          • Guardianus sagt:

            Lieber Peter Lehmann, Ihr Beitrag verunsichert mich zwar nicht, aber etwas Irritation steigt doch in mir auf, derweil Sie für mich davon ausgehen, dass die Institution Kirche sich als „Mittler zwischen Gott und den Menschen sieht“. Für mich ist das Jesus Christus, darin die Kirche (als Institution) maximal ein Täufer Johannes sein kann, der zu Jesus Christus führt…..und daher auch „nur“ den „Boden“ für den Geist Gottes bereiten, aber niemals selber verbreiten kann, wenn ich (hoffentlich!!!) den Herrn im Evangelium richtig verstanden habe?-!-?
            Vielleicht sollte die Kirche generell einmal innehalten, anhalten, um so manche Verwirrung und Irrungen abzuschütteln……und dies im „Kopf“ der Kirche beginnen muss: im Einzel- wie auch im gemeinschaftlichen Fall…..! Ein solches Stehenbleiben durchaus auch heilsam sein kann…..

          • Pater Hagenkord sagt:

            Verwirrungen und Irrungen: Lesen Sie die Bibel, da wird berichtet von der Vollmacht, die die Kirche von Jesus bekommen hat. Da ist mehr in der Kirche als die Rolle des Täufers. Wenn wir vom „Leib Christi“ sprechen, der die Kirche ist, ist das nicht nur symbolisch gemeint.

          • Peter Lehmann sagt:

            Lieber Herr Guardianus
            Ich denke, das sich die Kirche selbst in dieser Rolle sieht.
            Und solange die Kirche „nur“ das Wort Gottes/Jesus verbreitet, verbreitet sie damit auch den Geist Gottes. Diese Rolle sollte schon jemand übernehmen. Allein, von selbst wird er sich nicht verbreiten. Aber in dem Augenblick, wenn die Kirche anfängt an den Worten zu deuten, an ihnen herumzuinterpretieren kommt der Mensch ins Spiel und beginnt die Worte/den Geist Gottes zu verfälschen. Da ist dann sicher ein Innehalten und ein Abschütteln von Irrungen und Verwirrungen erfoderlich.

  11. Teresa_von_A. sagt:

    Die 2. Pfarrerstelle in der Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche wird ausschließlich mit Spenden finanziert.

  12. H.Sattel sagt:

    @P.Hagenkord: Ich gebe Ihnen unumwunden Recht und wenn ich die Bibel lese, darin der Herr fürwahr gerade dem Apostelamt alle Vollmachten gibt, die Er -Jesus- selber hat („wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch…“), dann frage ich mich, weshalb diese Vollmacht nicht in deren ganzen Umfang gebraucht und angewendet Word. Und wenn Sie sagen, bzw. glauben, dass die Kirche der „Leib Christi“ ist, weshalb ist in diesem Leib ein in sich gespaltener Geist? Weshalb hängt das Herz dieses Leibes an irdischen Schätzen u.v.a.m.?
    Ich lese also sehr wohl die Bibel….und glaube auch jenen Worten voller Geist und Leben und lasse mich auch von diesem Wort ansprechen ohne zu versuchen „nur“ das zu glauben was ich will und das Übrige so auslege, so dass es mir und dem herrschenden Zeitgeist passt. Ich erwarte von der Kirche genau das, was der Herr sagt….lesen Sie hierzu die Bibel, dann werden Sie mich vielleicht besser verstehen was ich meine. Ich bin leider kein studierter Theologe, „nur“ ein Glaubender.
    Danke übrigens für Ihren Einwand!

    • Pater Hagenkord sagt:

      Aber die Bibel selbst ist doch genauso Frucht des Geistes wie der Kirche, sie ist nicht vom Himmel gefallen sondern in der Gemeinschaft der Kirche erst entstanden. Die Trennung verstehe ich also nicht. Weswegen es die Trennung gibt? Warum gibt es das Böse? Sünde? Weil wir so sind, wie wir sind.

      • H.Sattel sagt:

        Das verstehe ich jetzt nicht ganz P.Hagenkord, darin die Bibel in der Gemeinschaft der Kirche entstanden ist und wir so sind wie wir sind. Ist das die Aussage der Bibel? Ist dies der Grund dafür, dass „Gott sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen hat…“? Ist das die Erkenntnis der Kirche nach über 2000 Jahren der Zeit, in der Erkenntnis Gottes, wie auch seiner selvst, zu wachsen? „Ich bin hält wie ich bin“…..darin ich persönlich keinen (großen) Veränderungs- u. Umkehrwillen erkennen kann. Eine wahrhaft weltliche Einstellung. Ein Vorwand, eine Entschuldigung dafür,sich nicht ändern zu wollen und so bleiben wie man eben ist?
        Verstehe ich Sie da richtig?

        • Pater Hagenkord sagt:

          Es ist kein Vorwand, im Gegenteil. Aber die Bibel ist kein Solitär, nicht vom Himmel herabgefallen, sie ist Wort Gottes und doch in der Kirche entstanden. Ich kann schon rein theologisch nicht Bibel von Kirche trennen, beides gehört zusammen.

          • H.Sattel sagt:

            Da stimme ich Ihnen zu, lieber P.Hagenkord, darin die Bibel und die Kirche zusammen gehört: aus der Heiligen Schrift erst Kirche entstanden ist und durch die Heilige Schrift auch Bestand und Zukunft hat. Aber, lieber P.Hagenkord, wie definieren Sie, bzw. der Vatikan, „Kirche“? Kirche heisst nach ihrem ursprünglichen Sinn „Zusammenrufung“, „Versammlung der Gläubigen, derer nämlich, die durch den Glauben zum Licht des Glaubens und der Erkenntnis Gottes gerufen wurden, die Finsternis von Unwissen und Irrtum zerstreut haben, mit kindlicher Ehrfurcht und Heiligkeit den lebendigen und wahren Gott anbeten und Ihm von ganzem Herzen dienen. …Zusammenrufung, Berufung, Ruf: Gott ruft uns innerlich durch den zur Einheit rufenden Heiligen Geist. Und dies geht logisch dem voraus, was wir Kirche nennen: diese ergibt sich aus diesem sammelnden Ruf, der nicht von ihr abhängt, sondern sie begründet.“ Nunmehr schreibt aber Pierre Ganne, dass nach dem Trienter Konzil sich bezüglich der Kirche eine ganz andere Richtung durchgesetzt hat:“statt an erster Stelle die Gabe des Geistes, seine Inspiration, das Gotteswort an jedes menschliche Herz zu setzen, ein Wort, das niemand nach Erlaubnis fragt, ist man zu einem Kirchenbegriff hinübergeglitten, in dessen Zentrum die heute sog. Institution steht, die der inneren Freiheit fremd gegenüber steht. …man ist bei einer Buchstaben-Kirche, einer klerikalen Kirche gelandet- und dieser Buchstabe tötet. … “ („Selten Bedachtes über den Heiligen Geist“). Wie sehen Sie die Kirche, bzw. was meinen Sie zu diesen Worten von Pierre Ganne?

  13. Guardianus sagt:

    P.Hagenkord, ich lese die Bibel seit ich denken kann und bin zum Glauben an Jesus Christus gekommen…

  14. Guardianus sagt:

    @Lieber Peter Lehmann, das sehe ich genau so, zumal in einem Deuten und Auslegen des Wortes Gottes eben jene Gefahr besteht, die Sie richtig erkennen durften und somit das Wort Gottes dann quasi gar nicht mehr der „Gegenstand des Glaubens“ ist, sondern dann die Deutung…..was mehr als katastrophal wäre, wollen wir der Offenbarung glauben….

  15. Guardianus sagt:

    @P.Hagenkord:.. oder sind Sie der Meinung, dass mein Geist der Verwirrung und der Irrung Anteil gefallen ist? Da hätte ich mich in der Tat sehr in Ihnen getäuscht! Bin ich der Verwirrung/Irrung anheim gefallen oder nicht? Jesus hat alle Vollmacht dem Apostel gegeben, die Er selber hat:“wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch…“ Lebt, wirkt und handelt die Kirche gemäß dieser Sendung? Lesen wir gemeinsam die Bibel und lassen uns vom Wort Gottes an die Sendung und deren Auftrag erinnern und wie wir diesen zu erfüllen haben. Vielleicht stellen wir keine Verwirrung oder Irrung fest, sondern „nur“ den Balken im jeweils eigenen Auge, der uns mit Blindheit schlägt…..

    • Pater Hagenkord sagt:

      Bleiben Sie doch beim Text: Sie haben mit den Irrungen begonnen. Ich zitiere sie bloß. Und ich bleibe dabei, das Erfüllen der Sendung Christi ist ganz und gar eine gemeinschaftliche Sache, keine Einzelaufgabe. Wir sind Volk Gottes und sind Leib Christi, das Lesen der Bibel reicht dem Individuum nicht aus.

      • Guardianus sagt:

        Ach, lieber P.Hagenkord, ich befürchte, dass ich mich schon wieder falsch ausgedrückt habe, sorry! Selbstverständlich ist die „Offenbarung“ des Leibes Christi eine gemeinschaftliche Sache, darin Sie vielleicht der „rechte Arm“ sein sollen und ich der „kleine Zeh“. Aber wenn Sie im Glauben sind, dass die Kirche als Gemeinschaft der „Leib Christi“ ist, so erlauben Sie mir an Sie die Frage stellen zu dürfen, weshalb in diesem „Leib Christi“ der Tod herrscht, nach dem dieser doch besiegt ist? Das verwirrt mich, zumal bereits ein Paulus schreibt, dass das Gesetz des Geistes und Lebens in Jesus Christus, uns frei gemacht hat vom Gesetz der Sünden…! Und mit verlaub, P.Hagenkord, ich glaube Paulus diese Worte ob Seiner Erkenntnis, auch wenn diese mein Vorstellungsvermögen übersteigt, darin ich aber gerade von dieser Kirche gelehrt ward, dass für Gott alles möglich, bzw. für Ihn nichts unmöglich ist……Nur ein reines deutsches Lippenbekenntnis oder ein allgemein gültiges Glaubensbekenntnis in der Kirche?

      • Guardianus sagt:

        ….und auf das Thema der „Entweltlichung“ bezogen, so ist es doch recht suspekt, lieber P.Hagenkord, dass der „Leib Christi“ entweltlicht werden muss, so dass die eingangs gestellte Frage wohl an diesen „Leib Christi“ gestellt werden muss:“bist du es oder bist du es nicht“, da in dir so viel widersprüchliches ist und so viel, was eben dem Glauben und Jesus Christus schon gleich gar nicht entspricht, wohl aber einer von Menschen geformten und gebildeten Institution: eine Körperschaft des öffentlichen Rechts…eine juristische, nicht aber eine natürliche Person. Eine solche „natürliche Person“ war und ist insoweit aber Jesus Christus, obgleich Er natürlich das Wort ist, das Fleisch ward….! Ich bemühe mich also nicht „nur“ beim Text, sondern auch in der Wahrheit zu bleiben (und die ist Jesus Christus)

    • Peter Lehmann sagt:

      Jetzt kommt wieder die „begründete Ausflucht“: der Apostel (in diesem Fall die Kirche) ist ein Mensch und Menschen machen Fehler. Und damit ist man/die Kirche aus dem Schneider und kann jeden Fehler, jedes Fehlverhalten rechtfertigen. Das ist in höchstem Maße unbefriedigend. Und da kommt dann die aus meiner Sicht dringend erforderliche „Qualitätskontrolle/laufende Eigenkontrolle“ zum tragen. Weil eben Menschen Fehler machen, darf das Fehlverhalten Einzelner die Gemeinschaft so wenig wie möglich schaden. Bei z.B den Missbrauchsfällen hat es die Eigenkontrolle der Kirche nicht gegeben bzw. hat diese völlig versagt. Hier kann man nicht einmal nur von vereinzelten Fällen sprechen. Die Kirche ist hier ihrem seelsorgerischen Anspruch auf die Sorge des seelischen Heils der Kinder nicht gerecht gworden. Das muss doch zu systemischen und personellen Konsequenzen innerhalb des „Unternehmens“ Kirche führen. Zumindest in diesem speziellen Fall, des Umgangs mit Kindesmissbrauchsfällen (Aufarbeitung, Maßnahmen zur künftigen Verhinderung und Bestrafung der Sünder) hinkt die Kirche mit ihrem angeblich hohen, moralischen/GEISTLICHEN Anspruch den WELTLICHEN Institutionen weit hinterher.

  16. Elasund sagt:

    Die Diskussionen zu „Kirche der Armen“ und „Entweltlichung“ haben eine interessante Gemeinsamkeit: Wir überlegen allzu leicht, was „die anderen“ machen sollen; seien es die Bischöfe in Deutschland, etwas allgemeiner das „kirchliche Amt“, die Kurienmitarbeiter in Rom oder der Papst selbst. Das Problem ist, dass wir in Gefahr sind zu urteilen wo uns kein Urteil zusteht. Wenn mein Bischof sagt, dass seine 3-Zimmer-Dachterrassen-Wohnung im Stadtzentrum „so bleiben darf“, ist das Thema –spätestens!- abgeschlossen. Er hat sein Gewissen geprüft – fertig. Und jetzt kann ich überlegen, ob denn bei mir alles so bleiben darf. Dürfen meine Wohnverhältnisse, meine Urlaubsplanungen, meine nächsten Anschaffungen – ganz konkret – so bleiben?
    Ich hoffe, dass es beim neuen Papst nicht so leicht für uns ist, sich durch akademische Diskussionen z. B. über interessante ekklesiologische Fragestellungen an der Frage nach der (auch materiell) armen Kirche „vorbeizudrücken“. Wenn jede/r (Bischof, Pfarrer, Gläubige) vor allem über die Bereiche nachdenkt, die sie/er auch beeinflussen kann, kann sich was ändern.
    (Natürlich gibt es gute Beispiele gelebter Armut in der kath. Kirche in Deutschland. Ich hoffe das ist klar.)

  17. Der Satz von der „Entweltlichung“ war in der Tat eine Schlüsselaussage, die mich bis heute tief beeindruckt. Eigentlich gibt Papst Franziskus mit seiner Radikalität, sich für die Armen und Machtlosen zu identifizieren, die lateinamerikanische Version; aus einer Welt, in der das Christentum rasant wächst. Die Kontinuität der beiden Päpste ist in der gemeinsamen Enzyklika von Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI jedenfalls spürbar. Es ist spannend sie zu lesen. Guten Gründe, dass die Enzyklika mehr als ein abstraktes Schreiben ist, sondern ein Dokument einer Kirche im Aufbrauch; einer Kirche, die selbstbewusst eine Antwort auf außer Fugen geratenen Globalisierung gibt. Waren die wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen zu Zeit des zusammenbrechenden römischen Reiches ähnlich ist die heute Antwort diametral anders: Es gibt eine absolute Wahrheit außerhalb dieser Welt, außerhalb von Macht, Geld und „Eliten“ die sich selbst absolut setzen oder totalitären Ideologien nachlaufen. Franziskus hat sich jedenfalls den ganzen Text zu Eigen gemacht, er zeigt, dass er sich theologisch in der Kontinuität Benedikts sieht (und umgekehrt). In den Handlungen beiden Päpsten steckt erkennbar ein Plan der mit dem „Entweltlichung“ gut harmoniert

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