Jeder Sünder ist heiliger Boden

Die Barmherzigkeit Gottes ist immer größer als jede Sünde: Es sind Sätze wie dieser, die seit Amtsantritt von Papst Franziskus immer wieder zu hören sind. Gott ist barmherzig, der Name Gottes ist Barmherzigkeit, und so weiter. Das Ganze ist aber nicht abstrakt, sondern wird in einen Punkt sehr konkret, und auch hier ist der Papst sehr klar. Es geht um das Sakrament der Versöhnung, um die Beichte. Immer wieder weist er darauf hin, hört selber beichte, beichtet sichtbar selber, bevor er beichte hört, spricht zu Beichtvätern, über Beichtväter und so weiter.

Weil das im Heiligen Jahr nicht ganz unwichtig ist, habe ich mich mal umgesehen, was der Papst alles zum Thema zu sagen hat, und eine kleine, sehr kleine Auswahl getroffen.

Papst Franziskus beichtet in Sankt Peter

Papst Franziskus beichtet in Sankt Peter

„Die Barmherzigkeit übersteigt stets das Maß der Sünde, und niemand kann der verzeihenden Liebe Gottes Grenzen setzen“, schreibt Papst Franziskus in der Verkündigungsbulle zum Heiligen Jahr, Misericordiae Vultus. Unter einer Bedingung: „Es gibt keine Sünde, die Gott nicht vergeben kann! Keine! Nur das, was der göttlichen Barmherzigkeit entzogen ist, kann nicht vergeben werden – so wie jemand, der sich der Sonne entzieht, weder erleuchtet noch gewärmt werden kann.“ (Ansprache 12. März 2015) Eine Anspielung auf die Beichte, oder besser, auf das nicht zur Beichte gehen? Wer sich nicht vergeben lassen will, im Sakrament, entzieht sich der Barmherzigkeit, könnte man das verstehen. Viele hätten vergessen, wie wichtig die Beichte sei. Man müsse immer daran denken, dass die Beichte „ein Gespräch mit dem unendlich barmherzigen Vater“ sei. (Angelus 2.8.15)

 

Ein Fest

 

„Gott versteht uns auch in unseren Grenzen, er versteht uns auch in unseren Widersprüchen. Und nicht nur das: Er sagt uns mit seiner Liebe, dass er gerade dann, wenn wir unsere Sünden bekennen, uns noch näher ist, und spornt uns an, nach vorn zu schauen. Er sagt noch mehr: Wenn wir unsere Sünden bekennen und um Vergebung bitten, wird im Himmel ein Fest gefeiert. Jesus feiert ein Fest: Das ist seine Barmherzigkeit, lassen wir uns nicht entmutigen. Vorwärts, vorwärts auf diesem Weg!” (GA 16.12.15) Die Vergebung der Sünden – so der Papst – ist kein Ergebnis unserer eigenen Anstrengungen, sondern Geschenk des Heiligen Geistes, der heile. „Ich kann nicht sagen: Ich vergebe mir die Sünden. Um Vergebung bittet man, bittet man einen anderen, und in der Beichte bitten wir Jesus um Vergebung.“ (GA 19.2.2014) Aber nicht nur Jesus: „Ja, du kannst zu Gott sagen: ‚Vergib mir’, und deine Sünden bekennen, aber unsere Sünden richten sich auch gegen die Brüder, gegen die Kirche. Daher ist es notwendig, die Kirche, die Brüder in der Person des Priesters um Vergebung zu bitten.” (ebd)

Was braucht es dazu? „Auch die Scham ist gut, es ist gesund, etwas Scham zu empfinden, denn sich schämen ist heilsam. Wenn ein Mensch keine Scham empfindet, dann sagen wir in meinem Land, dass er ein ‚schamloser’ Mensch ist: ein Mensch ‚sin verguenza’. Aber auch die Scham tut wohl, denn sie macht uns demütiger” (ebd)

Auf der anderen Seite darf die Beichte selber das nicht ausnutzen. Beichten ist ja ein Augenblick der Schwäche, der Scham, wenn man zu dem steht, was in einem nicht gut ist. In den Worten von Papst Franziskus: Beichte darf keine Folter sein, Beichtväter müssen voller Respekt für die Würde der Geschichte der Menschen sein. „Auch der größte Sünder, der vor Gott tritt, um Vergebung zu erbitten, ist ‚heiliger Boden’, und auch ich, der ich ihm im Namen Gottes vergeben muss, kann noch schlimmere Dinge tun als die, die er getan hat. Jeder gläubige Büßer, der in den Beichtstuhl kommt, ist ‚heiliger Boden’, heiliger Boden, der mit pastoraler Hingabe, Sorgfalt und Aufmerksamkeit bebaut werden muss.“ (12.3.2015) Alle sollen mit Hoffnung aus der Beichte kommen, in Freude.

„Das Sakrament, mit allen Bußakten, darf nicht zu einem harten, lästigen und aufdringlichen Verhör werden. Im Gegenteil, es muss eine befreiende Begegnung voller Menschlichkeit sein, durch die man zur Barmherzigkeit erziehen kann, die nicht ausschließt, sondern im Gegenteil auch das rechte Bemühen versteht, das begangene Übel soweit wie möglich wieder gut zu machen.” (ebd)

Dabei gilt es, zwei Dinge zu umschiffen: „Aber denkt daran: Weder ein ‚nachsichtiger’ noch ein strenger Beichtvater ist barmherzig. Keiner von beiden. Der erste nicht, weil er sagt: ‚Geh voran, das ist keine Sünde, geh, geh!’ Der andere nicht, weil er sagt: ‚Nein, im Gesetz steht …’ Keiner von beiden behandelt den Büßer jedoch als Bruder, nimmt ihn bei der Hand und begleitet ihn auf seinem Weg der Umkehr! Der eine sagt: ‚Geh ruhig hin, Gott vergibt alles. Geh, geh!’ Der andere sagt: ‚Nein, das Gesetz ist dagegen.’ “ (ebd)

 

Zweite Taufe, sozusagen

 

Die Beichte steht dabei nicht einzeln als Sakrament im Kirchenraum, sie gehört zur Taufe. In der Taufe sind ein für allemal die Sünden vergeben worden, es ist das Geschenk der Erlösung. „Ich kann mich nicht mehr als einmal taufen lassen, aber ich kann beichten und so die Taufgnade erneuern. Es ist, als empfinge ich eine zweite Taufe. Unser Herr Jesus Christus ist sehr gütig und wird nie müde, uns zu vergeben. Auch wenn die Pforte, die die Taufe uns geöffnet hat, um in die Kirche einzutreten, sich ein wenig schließt, aufgrund unserer Schwachheit und unserer Sünden, dann öffnet die Beichte sie wieder, eben weil sie gleichsam eine zweite Taufe ist, die uns alles vergibt und die uns erleuchtet, um mit dem Licht des Herrn voranzugehen.” (GA 13.11.13)

Während der Fastenzeit wird der Papst „Missionare der Barmherzigkeit“ aussenden, die vor allem mit einer Vollmacht für die Beichte ausgestattet kommen. Das mag in der Praxis nicht sehr viele Auswirkungen haben, weil die reservierten Sünden, die davon betroffen sind, nicht wirklich oft vorkommen. Angriff auf den Papst und so weiter. Aber trotzdem ist es ein starkes Zeichen in diesem Heiligen Jahr.

Print Friendly
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Franziskus, Glaube und Vernunft, Glaube und Welt, Rom, Spiritualität / Geistliches Leben, Sprechen von Gott, Vatikan abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

22 Antworten auf Jeder Sünder ist heiliger Boden

  1. Andreas sagt:

    „… wird im Himmel ein Fest gefeiert.“ Wie soll ich mir das vorstellen?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das ist poetische Sprache, die das Jesuswort aufgreift Lk 15:8-10 „Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.“ Oder im selben Kapitel: „So wird im Himmel mehr Freude über einen Sünder sein, der umkehrt, als über 99 Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.“

  2. Rosi Steffens sagt:

    Ich danke allen, die mir dabei geholfen haben mich selbst zu finden, ganz besoders aber danke ich Ihnen lieber Pater Hagenkord.

  3. Amica sagt:

    Mehrere Fragen zur Beichte:
    1. Wieso darf man eigentlich die Kommunion jeden Sonntag empfangen ohne vorher gebeichtet zu haben? Früher – wohl vor dem II. VK (?) war das ja nicht so. Im Mittelalter waren Menschen sogar so zurückhaltend, dass sich da eine sogenannte „Schaufrömmigkeit“ entwickelt hat: die Laien schauten aus Ehrfurcht die gewandelte Hostie nur noch an, nahmen sie nicht mehr auf. Das tat nur noch der Priester.
    2. Kann ein Bußgottesdienst den ein Priester hält die Beichte ersetzen? Nicht, oder? Ich frage vorsichtshalber nach, weil am Ende eines Bußgottesdienstes den ich vor zwei Jahren besucht hatte und den der Pfarrer selbst hielt, der Priester eine Art Pallium um die Schultern trug und die Laien mit einem Kreuzzeichen von ihren Sünden losgesprochen hatte. Da war ich irgendwie verunsichert. Was hat eigentlich ein Bußgottesdienst wirklich für einen Sinn? Sollte ich streng genommen nach einem Bußgottesdienst noch zur Beichte gehen? Erhalte ich in einem Bußgottesdienst wirklich schön Vergebung meiner (mittelschweren) Sünden oder ist der eigentlich als Vorbereitung für die Beichte gedacht?
    3. Wie ist das jetzt genau mit dem Nüchternsein vor der Kommunion? Wieso sollte man eine Stunde vor der Beichte nichts gegessen haben? Was hat das für Gründe?
    4. Was passiert eigentlich wenn wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen? Nehmen wir hypothetisch an, dass sich manche eventuell gar nicht bewusst sein könnten, dass sie das nicht dürfen… also etwa solche Menschen, die zwar Kirchensteuer zahlen aber die Lehre gar nicht groß kennen und eben nur zu bestimmten Anlässen in die Kirche gehen. Unter was fällt so ein „Delikt“?
    5. Und das ist ganz wichtig für mich: ich darf die Krankenkommunionen seit kurzem spenden. Jetzt ist mir gesagt worden, dass ich die jedem geben soll – solange dieser einigermaßen bei Bewusstsein ist. Und bevor man mit dem „Vaterunser“ und dem „Herr ich bin nicht würdig…“ anfängt, soll man immer ein kleines Gespräch mit den Kommunionempfängern führen. Also hab ich das getan… Da war nun aber ein Mann der mich provozieren wollte und nicht unbedingt – um das vorsichtig auszudrücken – bußfertig war. In unserem Gespräch schimpfte der über die Kirche wie ein Rohrspatz und dann erzählte er mir im Anschluss irgendwelche perversen Sexgeschichten von Hitler und Eva Braun und so weiter und so fort. Ich fragte ihn vorsichtshalber zweimal, ob er denn wirklich die Kommunion empfangen möchte und er bejahte zweimal – natürlich wollte er die Mundkommunion (eh klar). Also hab ich das gemacht. Ich hab dann nochmal nachgefragt und den Fall geschildert und die Pastoralreferentin meinte, ich könne das nicht selbst entscheiden und müsse in solchen Fällen dem Patienten immer die Kommunion geben. Rein vom Gefühl her fand ich’s aber sehr sehr falsch. Also die Frage hierbei wäre: Gibt es Situationen wo ein Priester einem Katholiken die Kommunion verweigern kann und wie sehe diese aus? Wo ist da eine Grenze überschritten?

    • Amica sagt:

      Verbesserung: Stola nicht Pallium – ich bin halt kein Fachmann… aber die war violett.

    • Chrisma sagt:

      @ Amica, es gibt dieses „Herr ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund.“ Wenn Sie sich diesen Satz einmal vor Augen führen oder über ihn meditieren, wissen Sie die Antwort auf Ihre Fragen. Nicht wir bestimmen oder die Regeln unserer Kirche wer würdig ist unter das Dach unseres Herrn zu gehen, sondern Gott ganz allein. Die Seele des Mensch den Sie beschreiben liegt im Erbarmen Jesu Christi und nicht in unserem Ermessen. Oft sehr oft war mir das Wissen darum, dass meine Seele gesund werden kann wenn ich Jesus zulassen kann Trost, Hilfe und Kraft.

      • S.G. sagt:

        @Chrisma: Sie haben Amica wunderbar geantwortet… Ich habe so ähnliche Fragen wie Amica gehabt.. Ich wusste aber keine Antwort auf Amicas Fragen, weil ich hin und her gerissen war mit den Antworten. Ich weiß sehr wohl die Vorschriften der Kirche und negiere sie nicht. Sie sind sehr sinnvoll und sind Richtlinien, damit der Glaube sich nicht verflüchtigt und die Hostie als das behandelt wird, was sie ist: Der tatsächliche Leib Christi!
        Aber: Ich bin durch „unwürdige“ Kommunion (nicht mehr gebeichtet seit der Jugend!!!!!!!)erst zum Glauben gekommen. Ich denke, Jesus Christus will, dass man zur Kommunion geht, damit er wirken kann.
        Ich durfte am eigenen Leib den Satz erfahren:
        „Werdet zu dem, was ihr empfangt – Leib Christi“. Wäre ich nicht zur Kommunion gegangen, hätte ich höchstwahrscheinlich nicht die Wandlung erfahren, die ich durch die Gnade Gottes erfahren durfte.
        Heute gehe ich alle zwei Monate zur Beichte – das hätte ich vor 6 Jahren nicht von mir gedacht!!!!!!!!!!

        • Chrisma sagt:

          Liebe S.G.Die Vorschriften unserer Kirche haben einen Sinn, dies sehe ich genauso wie Sie. Leider leider dienen sie sehr oft zur Gängelung der Gläubigen. Ein Grund mehr für mich das Pontifikat Franziskus so sehr zu lieben, stellt er doch die Barmherzigkeit die Jesus uns gelehrt hat in den Mittelpunkt nicht die Regeln. Mit der Beichte halte ich es so: einmal im Jahr gehe ich zu einem umfassenden Beichtgespräch. Immer kurz vor Ostern in der Fastenzeit. Dies 1x im Jahr habe ich von meinem Schwiegervater gelernt, rheinischer Katholik durch und durch. Der fuhr vor der Fastenzeit nach Kevelaer, beichtete, betete ausführlich zur Muttergottes und aß nach getanem Bußwerk ein sehr ausführliches Mittagessen. Vor Weihnachten gab es dann noch eine Bußmesse. Was nun die Kommunion anlangt, ich kann den Gang zum Tisch des Herrn auch mal ausfallen lassen, wenn ich zu unkonzentriert bin, das „wibergibbern“ in meinem Kopf nicht aufhören will…..

  4. S.G. sagt:

    Selig sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden das Angesicht Gottes schauen (Mt.5,8).

    Nichts, gar nichts anderes ermächtigt uns Gott zu schauen, als
    ein reines Herz, als die Reinheit unseres Wesens (Dietrich Bonhoeffer).

    Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern ! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein (Lk 17,11-14).

  5. Antonius Theiler geb.1941 sagt:

    Wenn ein Mann zehn Drachmen hatte und neun davon verliert, zündet er dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis er die Geldstücke findet? Und wenn er sie nicht findet, ruft er nicht Freunde und Nachbarn zusammen und sagt: Helft mir, ich habe neun Drachmen verloren, helft mir die neun Drachmen wieder zu finden.

    Nein, nein, er geht zum Beichten und fragt: „Kann es Sünde sein, wenn ich jetzt eine Drachme von zehn verliere und nach der einen verlorenen suche?“ Und er sagt nicht seinem Beichtvater und schämt sich auch nicht, dass er neun schon vor Jahren verloren hat und die eine noch nicht verloren ist. Er verliert dann wirklich diese letzte Drachme beim Suchen nach der einen, die er gar nicht verlieren konnte, weil er sie schon alle verloren hatte. Jetzt beschuldigt er den Beichtvater und sagt: „Ich hätte die eine Drachme nicht verloren, wenn ich einen besseren Beichtvater gehabt hätte, ich bin zu meinem Unglück an den geraten.“

    Papst Franziskus sagt:
    Was braucht es dazu? „Auch die Scham ist gut, es ist gesund, etwas Scham zu empfinden, denn sich schämen ist heilsam. Wenn ein Mensch keine Scham empfindet, dann sagen wir in meinem Land, dass er ein ‚schamloser’ Mensch ist.“

    Sigmund Freud sagt:
    „Wenn die Scham verloren geht, ist der Irrsinn nicht mehr weit.“

    Nun Freunde des Forums, hätte der Mann nicht besser nach seinen verlorenen Drachmen suchen müssen, als Halbheiten zu bekennen und seinen Beichtvater ins Verderben stürzen?

  6. Nun, an Konflikten dort arbeiten, wo sie auch tatsächlich sind. Dies ist ebenso optimal wie es schwer ist.
    – Gegensätze und Widersprüche mit Fassung und Geduld ertragen;
    – Vernünftige Vereinbarungen treffen, die länger als fünf Minuten halten;
    – Vergebung einüben, was vielleicht einmal gelingt und dafür 99mal scheitert.

    Und wenn sich dies alles in die Länge zieht wie ein Strudelteig, sich in einem wirren Kabelsalat verknäult, kann professionelle Hilfe notwendend sein; Coaching, Psychotherapie; wohl auch Seelsorge und geistliche Begleitung im weiteren Sinn und sakramentale Beichte im engeren Sinn. Da ich allerdings mit den drei letzt Genannten kaum erfahrung habe, kann ich dazu nichts Qualifiziertes sagen.

    Dieses Jahr 2016 kann ich für mich selbst ein kleines, aber feines Jubiläum begehen, nämlich zehn Jahre psychotherapeutische Begleitung; zehn Jahre gemeinsamer Weg und gute Zusammenarbeit mit EINER Psychotherapeutin, kein Wechsel erforderlich weder von ihrer noch von meiner Seite. Dafür bin ich dankbar.

    Worum geht es?
    – Die eigene Lebensrealität immer besser zu verstehen;
    – mich zu erinnern und daraus neue Gestaltungsmöglichkeiten zu lernen;
    – meinem eigenen Schatten zu vergeben, der mir beharrlich nachgeht, seine Zugehörigkeit zu mir ständig einfordert und nicht von mir weichen mag.

    Es geht um spürbare, nachvollziehbare und konkret erlebte Entwicklung. Ich nehme an, dass Seelsorge ebenfalls in dieser Richtung hilfreich sein kann. Schnittstellen zwischen Psychotherapie und Seelsorge gibt es ja ganz konkret: zB ist Bischof Benno Elbs Priester und Psychotherapeut.

    A propos geistlich: sehr lesens- und empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang folgendes Buch:

    RICHARD ROHR
    Ins ]Herz geschrieben
    Die Weisheit der Bibel als spiritueller Weg
    HERDER, FREIBURG BASEL WIEN
    https://www.herder.de/religion-theologie-shop/ins-herz-geschrieben-gebundene-ausgabe/c-25/p-2171/

    Zum Thema Vergebung passt:
    Zweites Kapitel: Wer Gott ist – wer wir sind … S49
    Unterkapitel sind u.a.:
    – Die Ur-Scham … S56
    – Noachs Arche der Vergebung … S61

    Der Mensch sei „ein gemischter Segen“, schreibt Richard Rohr auf den genannten Seiten; ein sprechend, bildhafter Ausdruck, finde ich.

    Sollten meine Ausführungen zu kompliziert oder zu wortreich geraten sein, eempfehle ich wärmsstens:

    Delphine Galou, contralto
    Video zu „matthäus passion+erbarme+dich“
    https://www.youtube.com/watch?v=BBeXF_lnj_M

    Bach – Julia Hamari – Matthäus Passion – Erbarme dich …
    https://www.youtube.com/watch?v=aPAiH9XhTHc

    Christa Ludwig „Erbarme Dich, mein Gott“ Matthäus-Passion …
    https://www.youtube.com/watch?v=KVF57QamkLs

    Herzlichst, Euer Lese-Esel

  7. @lieber „Lese-Esel“-Beate Hattinger.
    DANKE auch für Ihre Musiklinks!

    ich gestehe freimütig, dass Musik( Vorwiegend sog E- Musik-aber auch gute Chansons..) letztendlich mehr gibt, als manche trockene Exegese. die großen Messen von Bach und Beethoven haben mich da stark sensibilisiert.
    Bachs Matthäus Passion hab ich mal in Hamburg in der Choreographie von John Neumayr erlebt. hatte mich sehr bewegt..

    Zu @AMICA mich erinnern die Punkte 1-4 Ihres Posts stark an hoffentlich längst vergangene Zeiten..
    Als ich jung war hab ich darunter gelitten, HEUTE habe ich keine falschen Skrupel mehr,dieses Medikament zu empfangen, gerade im Kontext mit dem realen Leben.

    zu Punkt 5 kann ich von außen nichts sagen, gibt’s denn aus der Gemeinde keine-in solchen Situationen erfahrene- Menschen die da helfen können,die richtigen Entscheidungen zu finden? wahrscheinlich wird’s keine schwarz-weiße Antwort geben… jedenfalls alles Gute!

    • Amica sagt:

      Ich bin jedenfalls sehr unsicher und versuche mich an irgendwelche Regeln zu klammern. Ich bin einfach kein Fachmann und im Krankenhaus, wo ich die Kommunion ausgebe, gibt es immer wieder Situationen, wo ich nicht weiß, ob ich irgendwas falsch gemacht habe. Und ich hab sicherlich einiges falsch gemacht. Wenn ich rein von meinem Gefühl ausgehen dürfte, wäre alles klar für mich, aber die katholische Lehre widerspricht in manchen Dingen meiner Gefühlswelt und je länger ich dieses Ehrenamt mache, desto mehr merke ich, dass ich mich von mir selbst wegbewege aber zugleich merke ich, dass ich einiges an mir selbst neu entdecke. Ich empfinde das Christentum jedenfalls als etwas sehr Gutes und will das Menschen vermitteln. Aber ich muss da einfach auch wissen, was Christentum bedeutet und dafür brauche ich Markierungspunkte bzw. Grenzlinien.

      • Amica sagt:

        Kleiner Anhang zum besseren Verständnis (etwas das vielleicht lächerlich wirken könnte): Wenn ich selbst die Kommunion empfange, versuche ich die Hostie nicht zu zerbeißen sondern mit der Zunge und meinem Speichel vorsichtig zu zerdrücken. Ich habe irgendwie das Gefühl sanft sein zu müssen damit Jesus nicht zu sehr strapaziert wird. Und ich bin leider ein Mensch der sich viel einbilden kann, aber heute hatte ich eine Entzündung am Zahnfleisch und als ich die Hostie wie gewohnt aufgenommen habe, war die Entzündung plötzlich weg. Also, ich habe Ehrfurcht vor dem Empfang der Kommunion und ich freue mich wenn ich sie empfangen darf, deshalb ist es sehr wichtig für mich Gott in diesem Sakrament nicht zu beleidigen und deshalb Frage ich so genau nach.

    • https://www.Youtube.com/watch?v=2YkNKh6XqhE

      ergänzend zu meinem Beitrag noch diesen Link.
      meine deutschen Lieblings -Liedermacher Hannes Wader+ Reinhard Mey+ Konstantin Wecker singen das alte Lied: ES IST AN DER ZEIT!

      aktuell-gerade wieder dem Geschachere zwischen Bund und Ländern -der Tanz um das goldene Kalb der “ schwarzen Null“- wegen benötigter weiterer Gelder für die wichtige Integration !

      Gleichzeitigt werden einfach mal 150 MILLIARDEN!!! für neue Panzer für die Bundeswehr bzw. die Waffenindustrie rausgeworfen..

      Das ist Sünde, jedenfalls in dem Sinne wie es uns Franziskus immer wieder „einschärft“

      Diese 3 Sänger sind sicher keine ausgewiesenen Christen, aber vielleicht drücken sie in Ihren Liedern etwas aus was uns besser verstehen lässt…?

  8. S.G. sagt:

    Ich habe das Buch auch vor kurzem gelesen und ich finde es das zur Zeit beste Buch zur Spiritualität:
    A propos geistlich: sehr lesens- und empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang folgendes Buch:

    RICHARD ROHR
    Ins ]Herz geschrieben
    Die Weisheit der Bibel als spiritueller Weg
    HERDER, FREIBURG BASEL WIEN
    https://www.herder.de/religion-theologie-shop/ins-herz-geschrieben-gebundene-ausgabe/c-25/p-2171/

  9. Chrisma sagt:

    Beichte, nicht nur im Jahr der Barmherzigkeit. Weites Feld in der katholischen Kirche, aber bitte nie, nie mit Therapie oder als Ersatz für Therapie zu verwechseln. Beichte und Therapie haben unterschiedliche Aufgaben. Eine Psychotherapie/Therapeut macht den Menschen frei von Angst und Zwängen die vielleicht oder auch nicht aus einer vermeintlichen Schuld entstehen, gibt ihm die Freiheit zurück frei zu handeln. Angst, Depression andere seelische Störungen schränkt den Menschen ein. Nur ein Mensch der frei ist kann unterscheiden was gut und böse ist. Der Beichtvater zeigt die moralische Dimension des Handels auf, ist – so er ein guter Hirte – über bezahlte Therapiestunden hinaus für den/die Menschen da. Und vergessen wir eines nicht : die Beichte ist und bleibt ein Sakrament. Ich weiß nicht ob es wirklich von Vorteil ist das unsere Seelsorger eine psychotherapeutische Ausbildung haben… .. aber ich bin für klare Abgrenzung zwischen „Couch und Stuhl“.

    • @liebe CHRISMA,
      vermutlich ist die Situation im Beichtstuhl heute modifizierter als in den frühen 1960er Jahren,
      vor allem wenn man die Beichtväter ( Beichtmütter gibt’s ja noch nicht..)die Anliegen von Franziskus beherzigen.
      Keine Demütigungen oder sonstiges; von daher kann es doch nicht schaden, wenn gewisse Grundkenntnisse der „Psyche“ existieren, um gegebenfalls(!) im Beichtgespräch den Weg zur notwendig seelenärztlichen Klärung vorzuschlagen.
      xxxx

      kennt jemand eine NACHVOLLZIEBARE deutsche Biographie über Jean Vianney (der legendäre Pfarrer von Ars)?

      zu ihm sind die Menschen zum beichten geströmt-in einer Zeit wo die kirchliche Macht noch sehr repressiv war.. und dieser Heilige muss wohl schon damals etwas ganz andere ausgestrahlt haben..

  10. SORRY der Beitrag enthält einige grammatische uä. Fehler
    passiert normalerweise nicht.. wohl zu schnell geschrieben…

  11. Pingback: Varje syndare är helig mark | Signum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*