Johannes Paul II.

Ein Rückblick, verfasst für Radio Vatikan anlässlich der Seligsprechung am 1. Mai 2011

 

Übertragung der Feier der Seligsprechung im ARD Radio

Die Übertragung der Seligsprechung für ARD Radio

 

Der Mensch, der Selige

Eine Seligsprechung und der vorausgehende Prozess fällen keine historischen Urteile. Der Selige Johannes Paul II. ist der Beter, der Gläubige, der Sucher, der Christ. Entscheidungen des Papstes, Entwicklungen der Kirchengeschichte und Einfluss auf die Welt gehören nicht zu den Kategorien von Seligkeit, Erfolg ist kein Name Gottes.

Und doch spielen diese Dinge bei der Seligsprechung eine Rolle, denn es sind die Dinge, die während der Zeit des Pontifikates sichtbar waren. Wir erkennen Johannes Paul II. an seinem öffentlichen und sichtbaren Wirken, so haben wir uns unsere Meinung gebildet und so ist auch viel von der Begeisterung und Verehrung für ihn entstanden. Wir müssen bei dieser Seligsprechung auch auf das öffentliche Leben des Papstes blicken.

Der Papst und sein Kreuz

Im kollektiven Gedächtnis existiert Papst Johannes Paul II. fast nur mit dem silbernen Kreuzstab mit dem expressiven, leidenden Christus. Der Papst hielt ihn meistens mit beiden Händen vor sich, halb als Signal, halb um dich – symbolisch und physisch zugleich – auf ihn zu stützen.

Den Stab selbst hat er von Paul VI. übernommen, der dieses aussagestarke Kreuz für den Schluss des Konzils hatte anfertigen lassen und der ihn bei der Schlussmesse das erste Mal trug.

Es war der gleiche Papst, der 1964 in der Konzilsaula die päpstliche Krone, die Tiara, ablegte und nie wieder trug, seine Nachfolger machten es ihm gleich. So löst dieser Kreuzstab also die Tiara gleichsam als das Papstemblem ab, Kreuz statt Krone, Dienst statt Herrschaft. Paul VI. trug damit das Konzil und dessen Umsetzung, mit dem das Kreuz untrennbar verbunden bleibt, durch sein Pontifikat. Das setzte Johannes Paul fort und er machte noch mehr daraus: durch das Grüßen und Stützen, das Hochhalten und Schwenken des Stabes wird er im optischen Gedächtnis Teil des Handelns des Papstes.

 

Aufbrüche

Der frisch gewählte Papst wagte vieles Neues im Vatikan, zuerst wurden das Wandern und das Schwimmen, das Bad in der Menge und die Interviews im Flugzeug bei den vielen Reisen wahrgenommen. Seine Persönlichkeit prägte sehr bald schon das Amt.

Er wurde der Medienpapst, um die Welt gingen Bilder mit hoher Symbolkraft wie das vom genesenen Papst in der Zelle zum Besuch bei seinem Attentäter, Ali Agca; was sie sagte, wurde nicht bekannt, aber die Kamera war dabei.

Er hatte klare Antworten für die Menschen, auch wenn sie nicht immer willkommen waren, er war klar und für alle sichtbar von seinem Glauben getragen, ein Glaube, der ihn nicht zweifeln, sondern sprechen ließ. Das half seiner Führungskraft, er hängte seine Meinung nicht nach dem Wind und wog nicht ab. Die Jugend der Welt hat hier die große Anziehungskraft des Papstes entdeckt, das Mutige, Eindeutige ist attraktiv.

Auffällig während seines Pontifikates waren die vielen Selig- und Heiligsprechungen, die vor allem im deutschsprachigen Raum nicht nur auf Verständnis stießen.

 

Andrzej Jawien

Karol Wojtyla war ein Dichter, als Schüler, Fabrikarbeiter, Student, Priester und auch noch als Bischof. Sein letztes Gedicht schrieb er kurz vor der Abreise zum zweiten Konklave 1978, das ihn zum Papst wählen sollte. Sein Dichterpseudonym lautete Andzej Jawien, eine Figur aus einem Roman eines mit ihm befreundeten Autors. Es sind dichtende Blicke aus den Augen eines Seelsorgers, immer mit den Beinen auf dem Boden bleibend, ohne Pathos. Der Dichter Wojtyla ist ein Suchender, keiner, der die Wahrheit, die er besitzt, deklamiert.

Bekannt ist, dass er unter der deutschen Besetzung Polens im Geheimen Theater spielte, ein subversiver Akt gegen die Nazis, die die polnische Kultur zerstören wollten.

Begonnen hatte er seine Ausbildung mit dem Studium der polnischen Sprache und Literatur, er schrieb neben Gedichten auch Dramen. Überliefert ist die Kritik seines Theaterlehrers, der, als er von Wojtylas Absicht erfuhr, Priester zu werden, gesagt haben soll: „Wollen sie ihr Talent denn so verschwenden?“ Nichts wurde verschwendet. Die Prägung durch das szenische Theater, dass alle Bürgerlichkeit in Gestik und Ausstattung verschmäht, macht aus Karol Wojtyla nicht nur einen guten Kommunikator, sondern auch einen Dramaturg, der versteht, seine Inhalte in Szenen umzusetzen.

Als man den damaligen Primas Polens und Widerstandskämpfer gegen die Kommunisten, Stefan Kardinal Wyszynski, fragte, was denn dieser neuernannte Erzbischof von Krakau – Wojtyla – eigentlich für einer sei, antwortete er: „Ein Dichter“.

 

Das Leiden eines Papstes

Das Bild des Papstes heute wird beherrscht vom kranken Mann der letzten Jahre. Erste Anzeichen wurden bereits 1994 bemerkt, Zeitungen berichteten über den schwächer werdenden Zustand der Gesundheit des Papstes. In den Jahren vor 2005 hat dieses Leiden und Siechen sichtbar zugenommen. Es wurde Kritik laut, der Papst könne doch offensichtlich sein Amt nicht mehr ausüben und müsse zurück treten. Johannes Paul aber war überzeugt davon, dass auch das Alter und die Schwäche zum Leben dazu gehört. Und wie er seine gesamte Amtszeit über alles was er tat kommuniziert hat, so wurde auch dieser Teil seines Lebens öffentlich. Nicht aus Taktik, nicht aus Absicht, sondern weil es Teil des Papst- und Menschenverständnisses Karol Wojtylas war.

Die Leidensgeschichte des Papstes beginnt aber nicht erst mit der Parkinson-Krankheit. Sie beginnt am 13. Mai 1981. Es war während der gewohnten Mittwochsaudienz, als Ali Agca, ein damals 23. Türke, auf den Papst schoss und ihn fast tötete. Es ist viel geschrieben und spekuliert worden über die Hintergründe: Bulgarien sei der Strippenzieher gewesen, oder Russland mit bulgarischer Hilfe. Erste Festnahmen gab es relativ schnell, aber wirklich aufgeklärt werden konnte das Attentat bis heute nicht. Nicht zur Klarheit beitragen tun auch die immer wirrer werdenden Interviews und Statements des Attentäters selbst, vom Kardinalstaatssekretär bis zur CIA hat er so ziemlich alles beschuldigt, was sich so beschuldigen lässt.

Direkt daraus und schon im Krankenbett beginnend schreibt Johannes Paul II. einen Text, Salvifici Doloris, von der heilbringenden Kraft des Leidens (erschienen im Februar 1984):

„Christus hat seinen Zuhörern die Notwendigkeit des Leidens nicht verborgen. Er sagte ganz klar: ‚Wer mein Jünger sein will…, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach’. An seine Jünger richtete er sittliche Forderungen, die sich nur unter ‚Selbstverleugnung’ erfüllen lassen. Der Weg, der zum Himmelreich führt, ist ‚eng und schmal’. … Verschieden ist die Bereitschaft, die der Mensch bei seinem Leiden zeigt. Man darf jedoch voraussetzen, dass jeder fast immer mit einem typisch menschlichen Protest und mit der Frage nach dem »Warum« in sein Leiden eintritt. Ein jeder fragt sich nach dem Sinn des Leidens und sucht auf seiner menschlichen Ebene eine Antwort auf diese Frage. Gewiss richtet er diese Frage auch wiederholt an Gott und an Christus. Darüber hinaus kann er nicht übersehen, dass derjenige, an den er seine Frage richtet, auch selbst leidet und ihm vom Kreuz herab, aus der Mitte seines eigenen Leidens her, antworten will. Doch manchmal braucht es Zeit, sogar lange Zeit, bis diese Antwort innerlich wahrgenommen werden kann. Denn Christus antwortet nicht direkt, und er antwortet nicht in abstrakter Weise auf diese Frage des Menschen nach dem Sinn des Leidens. Der Mensch hört seine rettende Antwort erst, wenn er selbst mehr und mehr an den Leiden Christi teilnimmt.“

Der gefüllte Petersplatz abends vor der Seligsprechung

Der Petersplatz am Vorabend der Seligsprechung

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4 Kommentare zu Johannes Paul II.

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    Wir beten zu Hl. Johannes Paul // um den wahren Weg in unserem Glauben. Er war treu , stark , mutig obwohl er gelitten hat. Wir danken ihm für vorbildliche Arbeit in der Kirche auf der Welt, Segne uns Maria auch!

  3. Christine Promny sagt:

    Gott ist in meinem Leben,in meinem Alltag gegenwärtig.Thema Exerzitien im Alltag :Spielzeit: Leben.Ich empfinde auf meinem Spielfeld viel Barmherzigkeit ,Traurigheit, Leid und Liebe, Hoffnung, Vetrauen zu mir selbst ,zu Mitspieler und den Respekt für den Gegner. DerTor schießen bringt Freude .Wir dürfen nicht vergessen die Verstorbenen die viele gute Erinnerungen hinter sich für die Kirche gelassen haben.

  4. Christine Promny sagt:

    Ich danke und nichts mehr

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