Katholisch Wählen gehen?

Xaphod Beeblebrox war für kurze Zeit der Präsident des Universums. Zumindest in der Romanserie Douglas Adams, The Hitchhikers Guide to the Galaxy. Ein Lektüre-Muss.

Die Aufgabe dieses Präsidenten ist es, Aufmerksamkeit zu erregen und damit den wirklichen Politikmachern im Hintergrund freie Bahn zu geben. Ich verkürze stark, aber genau darauf läuft seine Arbeitsbeschreibung hinaus. Und manchmal fühle ich mich an Xaphod erinnert, wenn ich die us-amerikanische Politik betrachte, vor allem während der Wahlkampfzeiten. Und wann ist in den USA kein Wahlkampf?

Immerhin hat der US-Präsident wirkliche Vollmacht und entscheidet. Aber nach draußen scheint es mir so – zugegeben aus der Ferne – dass alle Signale auf Beliebtheit gestellt werden.

Beide Kandidaten für das große Rennen im November, wenn der neue Präsident gewählt wird, haben ihre eigenen Katholiken-Fischer-Gremien aufgebaut. ‚Catholics vor Romney’ wurde dicht gefolgt von ‚Catholics for Obama’.

Man will bei Katholiken für die jeweils eigenen Positionen werben. Oder sollte es nicht besser heißen: Man will möglichst vielen Katholiken den jeweiligen Kandidaten schmackhaft machen? Den anderen noch schlechter dastehen lassen? Den Menschen, denen an ihrem Glauben etwas liegt, den eigenen Kandidaten gut aussehen lassen?

Und das läuft dann so: Romney betont, dass er auf der Werteliste ziemlich weit im katholischen Lager ist, vor allem was gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibung angeht. Obama setzt dagegen, dass er viel mehr das ureigendste Anliegen der Kirche, sich um die Armen zu kümmern und Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, bediene als der superreiche Romney das könne.

Das sind echte politische Positionen, die haben nichts mit Xaphod Beeblebrox zu tun. Oder doch? Ich kann mich jedenfalls des Verdachtes nicht erwehren, dass es auch um die geschmeidige Anpassung einer Botschaft an Überzeugungen zwecks Gewinnung von Wählerstimmen geht. Nicht dass an der Werbung für Stimmen etwas unmoralisch wäre, ganz im Gegenteil. Aber wenn jemand gezielt Überzeugungen einer größeren Gruppe anpielt und dabei andere Überzeugungen von nicht so Wählerstimmen-starken Gruppen weglässt, dann wird das problematisch: Katholische Stimmen ja, wegen der Latinos; jüdische Stimmen ja, weil Florida ein Swing-State ist, wie das im polit-Jargon heißt. Aber andere Wählergruppen nein, weil die in Staaten leben, die eh an die eine oder andere Partei gehen. Wenn dergleichen Wahltaktik den Wahlkampf und damit das Programm des Kandidaten bestimmt, wird es ungemütlich.

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