„Kirche ist Kommunikation“

Es wird weh tun. Der Vatikan wird reformiert, ich persönlich kenne auch niemanden hier in meinem Arbeitsumfeld, der das nicht mittragen würde, aber einfach wird das nicht. Immer wieder bekommen wir hier Anfragen, was denn genau wann und wie passieren wird. Ganz konkret ist es noch immer nicht, aber Papst Franziskus hat zumindest uns gegenüber – bzw. dem Sekretariat für die Kommunikation, dessen Teil wir hier im Radio sind – klar und deutlich die Grundzüge heraus gestellt. Dass er dabei das Wort „Gewalt“ verwendet hat, „gute Gewalt“, übersetze ich eben genau damit: Es wird weh tun.

Unser ehemaliger Mitarbeiter (engl. Sektion) Charles Collins hat das für seinen neuen Arbeitgeber ganz gut zusammengefasst. Erstens findet der Aufruf zur Reform unter den Mitarbeitern Applaus. Zweitens nennt er die Komplexitäten, auf die so eine Reform stößt. Drittens betrifft Reform eben nicht nur die Medien des Vatikan, sondern insgesamt den Umgang des Vatikan mit Medien und Öffentlichkeit.

In seiner Ansprache hat der Papst mehrere Sachen sehr klar gesagt.

Papst Franziskus bei seiner Ansprache an das Mediensekretariat, 4. Mai

Papst Franziskus bei seiner Ansprache an das Mediensekretariat, 4. Mai

Erstens will er nicht bisherige Institutionen reformieren, sondern mithilfe der „alten“ Institutionen eine neue schaffen. Es soll eben nicht das Bestehende den neuen Bedingungen angepasst werden, „Reform heißt nicht, die Dinge einfach neu anzustreichen. Reform heißt, den Dingen eine neue Form zu geben“. Von meiner Perspektive aus würde ich das unterstreichen und sagen, dass es für eine ‚einfache’ Anpassung an die neuen Realitäten eh zu spät wäre, das hätte längst geschehen müssen. So mag das neue Konzept vielleicht etwas rabiat daher kommen, ist aber die richtige Antwort. Auch wenn es weh tut.

 

Nicht an der „glorreichen Vergangenheit“ festhalten

 

Dazu passt die Aussage, sich nicht an einer „glorreichen Vergangenheit“ festzuhalten. Dahinter steckt die Frage nach der Identität: Wir hier werden keine Radio-Leute mehr sein, sondern Kommunikatoren, die eben auch Audio produzieren. Aber eben auch mehr. Man muss mit der eigenen Vergangenheit und Erinnerung sorgsam umgehen, auch das betont der Papst, aber sie darf kein Hemmschuh werden für etwas Neues, Dringliches.

Zweitens hat er auch die Medienarbeit in den Auftrag des Vatikan eingeordnet. Die ist eben kein Selbstzweck, wie der Vatikan auch keiner ist, sondern dient einem Auftrag. Klassisch und lateinisch: einer Mission. An der Stelle werden dann die Journalisten bei uns nervös: sind wir dann so was wie Pressesprecher? Beschränkt sich unser Arbeitsfeld? Blickfeld?

Nein, würde ich persönlich antworten. Es wird sich viel ändern, aber die Medien und deren Nutzung haben sich ja auch verändert. Jetzt so weiter machen, weil es ja immer schon gut war und von Qualität, reicht eben nicht. Relevant sein misst sich eben auch an der Menge der Menschen, die wir erreichen. Das ist kein Starren auf Klickzahlen, aber eine ehrliche Einschätzung der Realität.

„Ekklesiologie des Internets“

 

Zwei Unterpunkte kann man beim Papst da erkennen: Erstens sollen die Entscheidungskriterien für die Reform „missionarisch“ und „apostolisch“ sein, ich übersetze: Am Evangelium und dem Dienst der Kirche ausgerichtet, mit besonderer Aufmerksamkeit für die Benachteiligten. Zweitens aber darf unsere Kommunikation hier nicht an die Stelle der Kommunikation der Ortskirchen treten. Hier brauchen wir – demnächst, bald – eine „Ekklesiologie des Internets“. Wie geht das, in der grenzenlosen Welt des Digitalen lokal zu bleiben?

Zurück zur Notwendigkeit der Reform von Kommunikation. Ex-ZDF-Intendant und Mitglied im Mediensekretariat des Papstes Markus Schächter sagte uns das so: „Wir müssen effektiver kommunizieren. Kirche ist Kommunikation.” In den Papstworten: wir müssen lernen, den Auftrag unter den neuen Medien-Realitäten in den Blick zu bekommen. Noch einmal Schächter: „Viele sagen, und ich bin auch dieser Meinung, die Kirche habe den besten Kommunikator der Welt. Aber ein mittelmäßiges Kommunikationsmanagement.“ Das müssen wir ändern. Und das kann weh tun.

 

Kulturwandel

 

Der dritte Punkt, den ich noch anschließen möchte, kommt eher unschuldig daher, als etwas, was man halt so sagt. Aber dahinter verbirgt sich dann doch eine Botschaft: Der Papst sagt abschließend, dass es eine gemeinsame Anstrengung braucht, auf die neuen Herausforderungen der Medienwelt zu antworten, „ohne gleich in Weltuntergangsstimmung zu fallen“, so meine zugegeben etwas freie Übersetzung seines Zusatzes. Ohne Angst, das wird nicht einfach, wenn etwas droht, weh zu tun. Wichtiger aber ist, dass wir – der Vatikan – reagieren muss. Nicht wir geben vor, wir stellen uns ein. Dahinter verbirgt sich an vielen Stellen und nicht nur in der Medienarbeit des Vatikan ein Kulturwandel. Viel davon kann man schon sehen. Anderes aber wird sich erst durchsetzen müssen. Und das kann weh tun.

 

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13 Kommentare zu „Kirche ist Kommunikation“

  1. Elasund sagt:

    Als Betriebswirtin habe ich schon einige Umstrukturierungen, Reformen, Organisationsänderungen etc. erlebt. Deswegen war meine spontane Assoziation beim Lesen dieses Artikels, dass hier ein Mitarbeiter aus der komfortablen Zone schreibt. Sie sprechen wie der festangestellte Kollege zum Zeitarbeitnehmer, der Chef der sicher irgendwo im Unternehmen bleiben wird an seine Mitarbeiter, der Mitarbeiter aus dem kaufenden Unternehmen zu den Kollegen aus dem aufgekauften Unternehmen…. Es wird weh tun. Klar, aber nicht allen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Richtig, nicht allen. Aber mir schon. Uns schon. Vielen, Mitarbeitern wie Hörern und Usern, von denen wir jetzt schon Rückmeldungen bekommen, dass sich dies oder jenes doch hoffentlich nicht ändern wird. Ich sage ausdrücklich nicht, dass man sich bitteschön ändern solle. Das betrifft auch den Schreiber dieser Zeilen.

  2. Roswitha Steffens sagt:

    Ich denke in einer Zeit in der die Kommunikation viel schneller voranschreitet als es einem manchmal lieb sein könnte muss sich auch die Kirche etwas einfallen lassen, um sich gut und effektiv zu vernetzen, zu etablieren im Alltag derer, die sich auf das Internet verlassen, wenn es um Informationen geht und nicht nur um persönliche Kontakte mit den Mitmenschen. Hält die Kirche nicht Schritt mit der innovativen Technik, so wird sie zurückbleiben, sich in ihren eigenen Sorgen um die Menschen verlieren, statt in die Sorgen mit einzutreten indem man sie ernst nimmt und mit dem Gottesdienst durch das Internet die Richtung aufzeigt, wie auch Sorgen oft so schnell verschwinden können wie sie gekommen sind.

    Ich sehe Veränderungen dieser Art positiv, gerade wenn sie die Richtung aufzeigen, die sowieso schon eingeschlagen ist, um auch wirklich alle Menschen mitzunehmen, auch die, die heute vielleicht mit dem Internet keinen Kontakt pflegen. Es ist eine Umstellung für jeden und am Anfang vielleicht etwas holperig die richtigen Strippen zu ziehen, doch mit der Zeit spielen sich neue Rhythmen ein und finden in den Klang, der auch dem Alltag der Kirche gut tut.

    Im Freien sitzen, und die Predigt vom vergangenen Sonntag aus dem Vatikan anhören, die Vögel zwitschern dazu und man genießt in Ruhe Worte, die bereits schon zigtausend anderen Menschen Trost und Frieden gespendet haben, weil sie ihren Weg vom Vatikan an jeden Ort dieser Welt finden können. Ich finde das eine schöne Vorstellung für jemanden, den im eigenen Umfeld Trost und Frieden kaum noch erreichen können. Für Neuerungen müssen auch keine Köpfe rollen, man muss sie nur effektiv einsetzen, um sich nicht selbst damit in den Vordergrund zu rücken sondern alle mitzunehmen und am Ende noch die einzusammeln, die doch ins straucheln geraten sind.

  3. danke @Pater Hagenkord für diese erste „Impression“ des „Neuen“.

    …wird aber hoffentlich nicht so wie bisweilen in manchen Unternehmungen wo „der Markt“ bestimmt…?

    ich denke da an die GESAMMTE Mannschaft- durch den Streaming lernt man ja so ein wenig diese engagierten Menschen „kennen“..

    mit dem Denken und Leben von Papst Franziskus kann ich mir DAS auch gar nicht vorstellen…

    ich hoffe doch sehr dass uns Ihr Blog – diese gelungene – nur in der deutschsprachigen Sektion ?? – Plattform des Austausches erhalten bleibt..!!

    Auch wenn ich mich über manch „katholisch reaktionären“ Beiträge ereifern kann-grins..-

    … bin ich immer noch ziemlich begeistert Pater Hagenkord ,ja und danke dass es diesen in seiner Art singulären Blog gibt!!

    und ich vertraue der sprichwörtlichen „Jesuiten Schläue“ (soll eine etwas andere Liebeserklärung für DIESEN Orden sein..),dass Sie diesen Blog „retten“..

    außerdem gibt’s da ja in der Person des Franziskus noch einen besonderen Mitbruder

  4. Christa sagt:

    Ich bin aus meinem 28-Jährigen Berufsleben ebenfalls Reformen und Änderungen gewohnt. Einige waren negativ, andere tatsächlich positiv. Wenn ich mir bewusst anschaue, mit welchen Mitteln und wie ich damals und heute arbeite, liegen Welten dazwischen. Von der Technik wagte man nicht zu träumen.

    Ich denke, dass die Beziehung „Vatikan-Kirche-Kommunikation“ auch so dermaßen ungewohnt ist, dass es den Leuten, aber auch Ihnen als direkte Betroffene schon auch Sorgenfalten ins Gesicht zaubert. Eine Reform aus dem Vatikan zu diesem Thema ist wirklich was Großes.

    Gedanklich meinen viele den Vatikan noch beim alten, schwarzen Bakelittelefon.

    Kirche an der Basis, ja, da gibt es den Gottesdienstanzeiger. Aber Nachrichten auf der Homepage? Das scheuen viele noch wie der Teufel das Weihwasser.

    Schade, in der Änderung gibt es auch eine Chance: Ich hätte z. B. nie gedacht, dass ich an meinem Arbeitsplatz mal eine Homepage betreue. Die Leute nutzen das Angebot und ich freue mich darüber.

    Ich wünsche Ihnen und Ihren Kollegen, dass das Ganze in die Richtung „positive Änderung“ geht.

  5. Carmen Fink sagt:

    Ich fühle mich von Radio Vatikan bestens informier und danke für ihre hervorragende Arbeit. Ich wünsche Ihnen und Ihren Kollegen*innen, dass der Prozess nicht zu schmerzlich wird.

    Wir alle hängen an alten Zöpfen, dieser Papst verlangt viel, gut so.

    Außerdem danke für Ihre Erklärung für den Begriff „Gewalt“ nur wo wie sie es deuten ist er zu verstehen.

  6. Klemens sagt:

    Beim Wort „Gewalt“ musste ich auch erstmal innehalten…das soll wohl eine Andeutung sein, dass dies ein schmerzhafter Prozess wird !

    Von Außen betrachtet ist das Kommunikationsmanagement des Vatikans und seiner Diskastiren durchaus fragmentiert. Da gibt es sicher genügend Reformbedarf – weniger für die Medien als solche. Klar, mögliche Synergien werden nicht genutzt. Ich denke es geht stärker in eine einheitliche Kommunikation, natürlich sollte die Diversität der Medien nicht darunter leiden.

    Das mit dem mittelmäßigen Kommunikationsmanagement ist eigentlich Quatsch – die Stimme des Papstes hat in der Welt durchschlagende Wirkung – dank seiner Kommunikationskanäle !

    Wenn ich Papst wäre (angenommen) würde ich alles unter der großen Marke „Radio Vatikan“ subsumieren und strukturieren. Radio Vatikan hat die größte globale Sichtbarkeit, d.h. Bekanntheit. Ich finde Radio Vatikan hat sich gerade im Internetzeitalter zur besten Informationsquelle über die Weltkirche entwickelt und ist bis heute das ganz große Sprachrohr des Papstes. Das soll bleiben auch der große Name !

    „Missionarisch“ und „apostolisch“ – in den Ortskirchen würde ich alle Medien kostenlos verteilen z.B. die Kirchenzeitungen an alle katholischen Haushalte, das gehört heute zu einem guten Service dazu. Und klar könnten die auch 1 zu 1 Artikel aus Rom übernehmen.

    Es lebe „Radio Vatikan“ !

  7. Ro sagt:

    „Wenn der Wind der Veränderung weht,

    bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“

    Wichtig wird nur sein, dass es fruchtbringende Windmühlen sind,

    und nicht nur Windspiele, wie sie die heutige Medienlandschaft

    allzu oft offeriert.

    Viel Erfolg dabei!

    • Gabriele Luzia sagt:

      Ja, mir drängt sich da bei „heutige Medienlandschaft“ z.B. auf, die Bistums-Kirchenzeitung kann ihr Layout ändern, aber sie könnte auch g e k o n n t zu mehr Kommunikation mit den Lesern herausfordern, um die Beziehung lebendig und nutzbar für Andere zu machen …!

      Oder – was noch dazu ökonomisch sinnvoll wäre, man nutzt ein vorhandenes, in diesem Sinn erfolgreiches Konzept für das eigene Haus nach… Jedenfalls ist es wichtig, Mit-zu-tun, anstatt sich zu verweigern.

    • Suarez sagt:

      Windmühlen bringen keine Früchte – das machen Äcker und Weinberge. Windmühlen mahlen Korn.

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