Annika und der ältere Bruder

In der Kirche hätten viele das „Problem des älteren Bruders“ heißt es in letzter Zeit immer häufiger. Der Vater über grenzenlose Barmherzigkeit aus, aber derjenige, der verzichtet hat und sich immer bemüht hat, sich an die Regeln zu halten, der treu und loyal war, der zieht den Kürzeren. Das ist die Situation der Erzählung vom verlorenen Sohn oder besser vom barmherzigen Vater, wenn wir uns eine Situation vorstellen, in der wir in so einer „älteren Bruder“ (oder Schwester) Situation handeln müssen, ging allen von uns so: das ist doch ungerecht.

Hauswand, München, im Sommer diesen Jahres

Hauswand, München, im Sommer diesen Jahres

In der vergangenen Zeit habe ich mal wieder viel über die Dynamik des Papstes geschrieben, welche er in die Kirche trägt. Die ist nicht immer schön anzusehen, die drückt sich auch in Konflikten aus und in Widerständen, in Auseinandersetzungen und so weiter. Das ist nicht glatt und wie im Film, das ist echtes Leben. Erst jetzt erkennen wir langsam, was diese „kreative Pastoral“ ist, die gefordert wird, nicht immer klinisch rein und schon gar nicht durch eine einzelne Entscheidung einführbar.

Das trifft auf eine Stimmung zumindest in unserer Gesellschaft, die das Individuelle betont und positiv besetzt – den verlorenen Sohn – und das sich Halten an Konventionen, Treue und Loyalität – den älteren Bruder – eher schlecht. Annika ist langweilig, Pippi Langstrumpf dagegen kreativ und lebendig und es ist gut, dass sie aus Annika immer mehr Pippi macht. Aber was im Film witzig ist, es es vielleicht nicht immer im echten Leben.

Da helfen auch die eher als Vertröstung verstandenen Abschlussworte des Vaters nicht, man habe ja schließlich alles geerbt, es geht nicht um Erbe, es geht um Zuneigung und Anerkennung.

 

Eine Frage der Zuneigung, nicht des Erbes

 

Kreativität überfordert meist. Ich will niemandem, der Einwände hat gegen das, was der Papst predigt, Überforderung unterstellen, das würde herablassend, wertend und psychologisierend sein. Aber als eine Möglichkeit unter vielen möchte ich es doch genannt wissen.

Der ältere Bruder ist nicht gescheitert. Der jüngere war individuell, hat sich gelöst, seinen Weg gesucht. Und er ist damit gescheitert. Dieses kleine Detail dürfen wir nicht vergessen, der liegt in der Gosse, hungernd. Mit einem solchen Scheitern auf ganzer Linie umzugehen, überfordert uns menschlich. Bis zu einem gewissen Punkt haben wir unglaubliche Reserven an Menschlichkeit, siehe Flüchtlinge bei uns, da wird geholfen, aufgenommen, versorgt, zugehört. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo das alles zu viel wird, weil es unsere Welt aus den Fugen bringt. Das ist der Punkt des großen Bruders.

Die Anerkennung und Zuwendung, die der Vater gewährt, bringt ihn durcheinander. Er war loyal und hat sich dadurch eigentlich nicht nur das Erbe, sondern auch die Zuwendung des Vaters verdient. Aber die bekommt der andere.

In uns steckt halt immer auch ein gutes Stück Annika. Nicht aus Über-Ich, weil die Eltern so sind, sondern weil wir selber so sind. Dem müssen wir ins Gesicht schauen. Hart formuliert: Kann ich mich darüber freuen, dass der andere etwas bekommt, das ich für mich erwartet habe? Persönlich oder als Gemeinschaft? Können wir ertragen, dass all die wichtigen Themen, die wir seit Jahren und Jahrzehnten debattieren, auf dem Feld bleiben, während die Party gerade woanders steigt?

Der ältere Bruder gehört zu uns, ihn zu entdecken und zu umarmen gehört zur Dynamik, welche der Papst in uns anzetteln will. Wir sind halt manchmal überfordert. Es geht uns aber besser, das zu wissen.

 

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28 Kommentare zu Annika und der ältere Bruder

  1. Heinz G. sagt:

    Einen nicht unwesentlichen Teil des Problems sehe ich in der verkürzten Verkündigung der Kirche selbst. Wir SIND in der Taufe erlöst, haben die volle und unüberbietbare Zuneigung des Vaters erfahren. Mehr geht nicht. Wer das begreift, kann eigentlich nicht mehr in die Muster des Älteren verfallen… Oder?

  2. Elasund sagt:

    Wie geht es weiter mit dem jüngeren Sohn? Am nächsten Morgen ist die Party vorbei! Was macht er jetzt? Papst Benedikt predigte irgendwann über den jüngeren Sohn dass dieser begreift, dass gerade die Arbeit, die Demut, die Disziplin eines jeden Tages das echte Fest und die echte Freiheit hervorbringen. Wenn es so einfach wäre, könnte sich der ältere Sohn wohl auch irgendwann mit dieser besonderen einmaligen Begrüßung seines Sohnes abfinden.
    Wenn ich das Gleichnis mal weiterspinnen darf: Am nächsten Tag um 10 Uhr bedankte sich der jüngere Sohn für das tolle Fest und zog wieder los …. der ältere Sohn sprach um 6 Uhr morgends seine Gebete, arbeitete den ganzen Tag, sprach abends seine Gebete und ging früh ins Bett.

  3. Silvia Brückner sagt:

    Es kommt ja auch auf die eigene Persönlichkeit an:

    Wenn ich – das nur als Beispiel – eher eine Annika als eine Pippi Langstrumpf bin, dann ist das Brav sein für mich ok., weil es eben zu meiner Individualität gehört und ich mit der Lebensweise der Pippi gar nicht glücklich wäre.

    Andererseits habe ich in mir auch schon mal etwas vom „älteren Bruder“ entdeckt und mich gefragt, wozu war all die Quälerei mit den kirchlichen Geboten und Normen gut, all das schlechte Gewissen und die Konflikte, die unsensiblen Beichtväter, die halt auch nicht aus ihrer Haut konnten, wenn nun nach der neueren kirchlichen Lehre sowieso „Alle“ in den Himmel kommen….

    Wie auch immer, vielleicht gelingt es dem Papst mit seiner Barmherzigkeit, dass die „Braven“ vielleicht zu einem Stückchen „Pippi Langstrumpf“ in sich stehen können.

    Denn „immer nur brav sein kann man nicht“ habe ich als Kind mal auf die Standartfrage des Pfarres, ob ich denn auch immer brav war, geantwortet. Das hat er jedes Kind zur Begrüßung immer und überall gefragt.

    Und er war ganz schön verblüfft über meine Antwort.

    Also raus mit dem „inneren Kind“, Franziskus sei Dank!

    • Hallo liebe Silvia. Sie haben meine Gedanken „geklaut“ NEIN ,besser hätte ich es nicht ausdrücken können!!

      ich wollte trotzdem gerade einen Beitrag senden.. Und dann
      Meldung FALSCHE E- MAIL ADRESSE HM HM.. das stimmte aber nicht
      schade, dass man nicht nochmal neu senden kann aber das System lässt es bei diesem Blog leider nicht zu!?
      Also verlieren können..
      trotzdem der Blog gemeinde guten Abend

      • Silvia Brückner sagt:

        Lieber Ullrich, wir sind eben eine Generation, von daher haben wir dieselben Grunderfahrungen mit unserer Kirche gemacht.

        Ich frage mich nur, warum von allen christlichen Kirchen ausgerechnet die unsere mit ihrem zölibatären Klerus so extrem auf das Thema Sexualität fixiert ist.

        Man könnte doch ein gewisses Grundvertrauen haben, dass gläubige Christen auch in ihrem Sexualleben ethisch handeln ohne den Menschen detailierte Vorschriften zu machen und sie in permanenter Süündenangst zu halten.

        • @liebe Silvia,gestern Abend in einer bayerischen Wirtschaft: ein Paar sicher nicht unter 75J.sprechen offensichtlich voller Empathie über die ersten „Erfahrungen“ ihrer flügge werdenden Enkel. man kann die Freude der beiden richtig sehen..
          und dieses Paar lebt selbst durchaus sichtbar ihre Zuneigung, und die LEBENDIGEN Augen strahlen vor Dankbarkeit und lustvoller Zuneigung..
          mich hat das berührt-dieses offensichtlich glückliche alte-junge Paar..
          ein Wort Jesu: ich bin gekommen, dass sie das Leben haben in FÜLLE…ist mir dabei in den Sinn gekommen

          • Silvia Brückner sagt:

            Lieber Ullrich danke für die schöne Schilderung des „alten“ liebenden Paares.

            Zum Leben in Fülle gehört eben auch die Liebe, auch die sexuelle, und wenn diese Liebe in gegenseitiger Verantwortung gelebt wird, kann sie keine (schwere) Sünde sein, egal wie der juristische und kirchenrechtliche Status des Paares ist.

            Was mich auch wundert, wie sehr sich manche Laien den Kopf über die Schlafzimmer ihrer mitchristen zerbrechen und das nicht nur im Internet. Was bringt die Leute nur dazu?

  4. Rosi Steffens sagt:

    Ich glaube es geht gar nicht um den älteren Bruder, es geht um die erste Liebe, die sich jeder so sehr wünscht, dass er dafür all das tut, was das Leben zu vermitteln sucht. Es geht um Jesus und das, was er in der Lage ist an uns, seine Brüder und Schwestern auszusenden, um uns dazu zu bewegen umzukehren, zurückzugehen zum Ausgangspunkt unserer langen Reise, dem Punkt an dem wir seine Liebe empfinden konnten. Das sollten wir tun, wir sollten umkehren, zurückgehen, um das empfangen zu können, was wir bereits selbst empfangen haben. Liebe gibt es nur einmal im Leben und es ist die Aufgabe der Jüngeren sie in den Älteren zu suchen, um sie im Suchenden selbst zu entdecken. Diese Liebe ist der Einsatz für das eigene Leben, den die Zeit fordert, die man dafür benötigt um all die Gefühle dieser Liebe zum eigenen Leben zu wandeln. Jesus drängt sich ins Bild, sodass man im Spiegel kaum sich selbst erkennen kann und doch nach dem sucht, was Er hat und Du nicht. Ich glaube Gott trifft am Ende die Entscheidung selbst, was man dem älteren Bruder abgewinnen kann, um sich nicht selbst opfern zu müssen, denn nur Gott kennt den langen Weg zum Ich, er hat ihn geebnet und führte seinen Sohn in dieses Erbe ein, das der gesamten Menschheit zu Grunde liegt. Es ist die Zeit, die sich über all das Werden erstreckt, das Gott zum Leben erwecken kann, um es mit all den Generationen zu teilen, die seine Erscheinung nicht selbst miterleben konnten, nichts desto trotz jedoch ihren Anteil daran hatten. Jesus als Mensch liegt in der Erkenntnis Gottes, ist für die Menschheit jedoch das Erbe des Vaters. Sicher ist es erstrebenswert Pippi zu sein, wenn man Annika ist, doch was, wenn Pippi plötzlich fordert Annika zu sein? Wir sehen das Bild mit unseren eigenen Augen und es ist sehr schwer die Welt mit fremden Augen zu erblicken. Einzig die Treue zu sich selbst hilft über all den Schmerz hinweg, der das Leben begleitet und damit die Prüfungen auferlegt, die die Menschheit zu jeder Zeit fordert. Es geht um die Treue der eigenen Person gegenüber, die vom Vater gefordert wird, und damit dem Erbe aus der eigenen Existenz entspricht. Die Erbschaft war Gott als Wort im Anfang, ins Leben geführt durch Jesus seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn. Die Kirche als Lebensgemeinschaft, entstand aus Jesus und kann für den gesamten Lebensweg Zeugnis ablegen, um daraus das zu bauen, was Gott will. „Ich“ kann immer nur der Versuch sein, dem älteren Bruder zu folgen, sodass dabei das Selbst nicht verloren geht, das vom eigenen Vater als die Generation weiter gereicht wird, die sich in der Nachfolge an ihre Vorgänger zurückgeben muss, um daraus das zu schöpfen was das Leben verwirklicht. Im Heiligen Geist liegt all das verborgen, was Liebe und Zeit hervorrufen können, um die Weisheit des Lebens so zu Tage zu fördern, dass sie im Herrn ihren Anklang findet. Von dort gestaltet sich das Leben täglich neu und der Mensch sollte endlich dazu in der Lage sein, dieses eine Leben als Gottes Schöpfung anzunehmen und sich selbst als lebendigen Teil dessen zu sehen, was im Glauben an Gott daraus schöpfen kann. Annika kann Pippi vermitteln warum sie lieber Pippi wäre und Pippi kann Annika vermitteln wie sie wirklich ist. Es ist jedoch das vorangegangene Leben, das zu dem Zeitpunkt führt, an dem beide aufeinandertreffen, um sich mit der Wahrheit zu konfrontieren und damit ein liebevolles Miteinander begründen.

  5. Amica sagt:

    Für mich hat dieses Gleichnis eine sehr starke (persönliche) Bedeutung (ich habe auch zwei sehr unterschiedliche Brüder und die entsprechen zumindest in ihrem Verhalten den beiden Brüdern des Gleichnisses).
    Nun gibt es aber auch eine Bildfolge zum Thema von einem französischen Künstler des 19. Jahrhunderts, Tissot heißt er:
    Im Bild das den Abschied vom jüngeren Bruder zeigt, wird der ältere Bruder ohne Anteilnahme dargestellt: er schaut aus dem Fenster Richtung Hafen. Er will das, was der jüngere tatsächlich in die Tat umsetzt: die Welt sehen und Grenzen ausloten. Dabei ist dem Älteren der beiden die dramatische Szene die sich zwischen dem Jüngeren und dem Vater abspielt vollkommen egal. Er ist nur auf sich konzentriert und sitzt bequem auf dem Stuhl.
    Im letzten Bild, der Rückkehr, schaut er (in treueren Pelz gehüllt) den Jüngeren (in Lumpen) nur verächtlich an. Der Jüngere entspricht nicht den oberflächlichen Normen.
    Es gibt in diesem Bild aber – entgegen der Bibelüberlieferung – noch eine Tochter. Sie besitzt Mitleid. Auf beiden Bildern konzentriert sich ihr Blicke auf den jüngeren Bruder. Sie schaut aber nur – wie Frauen im 19. Jh. das so gemacht habe und bleibt ebenfalls daheim beim Vater. Vielleicht ist sie der eigentliche Liebling vom Vater (sie vereint nämlich in ihrer Person Treue und Liebesfähigkeit und sie leidet mit dem Vater).
    Der jüngere Bruder erforscht sich nun selbst, während der ältere dem gerecht wird, was von ihm verlangt wird. Schlussendlich kennt er aber nur noch die Pflicht und das Geld. Er ist Kaufmann. Ist er aber noch Mensch? Er entwickelt sich nicht, hat sich nie entwickelt.

    Mit solchen jüngeren Brüdern kann man unglaublich gut reden.
    Und eines darf man nicht vergessen: Der Jüngere ist einfach leidenschaftlicher und deshalb muss und will der Vater ihm auch mehr Liebe entgegenbringen. Insofern ist der Vater gerecht, denn er behandelt jeden der Brüder eben nach dem individuellen Grad seiner Liebesfähigkeit und die ist nunmal beim älteren Bruder – zumindest auf dem Bild – nicht sonderlich entwickelt.

    Aber, es stimmt sicherlich, dass man beide Brüder braucht und beide auch Teil von einem selbst sind.
    Hoffentlich war das jetzt nicht zu viel Geschwafel, aber das Gleichnis ist nunmal eines der seltsamsten im NT.

    • Chrisma sagt:

      @Amica, nein es war für mich überhaupt kein „Geschwafel“. Danke für diese Interpretation, sie hat mich zum nachdenken angeregt.

  6. Paul Compes sagt:

    Für mich wird die Geschichte vom verloren Sohn / gütigen Vater richtig spannend, wenn man versucht, sie fortzuschreiben: Was wird wohl aus den beiden Söhnen geworden sein?
    Ich stelle mir vor, dass der Ältere zu Hause geblieben ist; die Güte des Vaters wird ihm weiterhin ein Rätsel sein. Dagegen hat der Jüngere völlig überraschend die grenzenlose, unentgeltliche Barmherzigkeit des Vaters erlebt. Gut denkbar, dass er nach dem Festmahl wieder in die Fremde zog, um dort seinen ehemaligen Bekannten von der Güte des Vaters zu berichten. Stichworte der Geschichte wären dann: Grenzen überschreiten, sein eigenes Glück suchen, Umkehr, Barmherzigkeit erfahren, wieder an die Grenzen gehen, Evangelisieren.

  7. KRP sagt:

    Ich denke es sind beide der ältere und jüngere im Menschen und die meisten schätzen eher die Nähe, Sicherheit und Geborgenheit genauso wie sie auch mal ausbrechen möchten. Was am Ende zählt sowohl für den einen wie für den anderen, ist die Erkenntnis der Liebe. Die Liebe des einen der sie immer hatte und die Liebe zum verlorenen der sie erst auf Umwege wiederfinden musste.

  8. 1234556 sagt:

    Schönes Foto!

    • FÜR ALLE ABT JEREMIAS INTERSSIERTE:
      Grade habe ich fast 10 Min mit ihm in St. Ottilien telefoniert.
      Schönes-auch sehr humorvolles -kurzes Gespräch..

      geplant:ist ei Buch über seine Rom Erfahrungen..
      katholisch.de hat ihn angefragt, ob er monatlich
      so einen „Standpunkt“ schreiben könnte..
      er ist noch am überlegen..

      • B. Mütsch sagt:

        Abt Jeremias schrieb über Tag 12 der Synode am 16.10.2015: „Bei so einer Synode geht es natürlich auch um Sex, aber das heißt dann „ehelicher Akt“ oder – besonders gelungen – „unitive Dimension des ehelichen Lebens“. Man kann auch auf dieser Sprachebene wichtige und kluge Sachen sagen, aber es ist doch wohltuend, wenn dann einmal Tacheles geredet wird. Ein Erzbischof: „Versöhnung in der Ehe passiert beim Liebe Machen – when making love. Ein Ehepaar hat mir gesagt: ‚Wir haben eine Dreifaltigkeit des Ehelebens: Bett, Tisch, Altar‘. … In der Eucharistie geht es auch um Sex. Hören Sie einmal hin: ‚Das ist mein Leib, den ich für Euch hingebe.‘ Eucharistie ist sexuell, und Sexualität ist eucharistisch.“

        Ich kann gut auf solche Erfahrungen von ihm verzichten.

      • Silvia Brückner sagt:

        Danke für die Info. Ich hoffe, dass uns Abt Jeremias erhalten bleibt.

        • der Beitrag über Lucetta Scaraffia in der RV-Website spricht mir aus dem Herzen!
          ich habe oft wunderbare Pastorinnen erlebt gerade auch mit Kindern ,nicht nur in der Familienpastoral -grundsätzlich -könnten Priesterinnen mit ihren Dimensionen die Kirche positiv mitgestalten..
          es gibt doch nirgendwo in der Schrift–AUSSER historischen Zeit Bezügen- ein Hinweis ,dass Frauen keine P-Berufung erfahren dürften. Oder?

          • Christina sagt:

            Was Frau Scaraffia erlebt hat in diesem Männerkreis, das erfahren wir noch seltenen Kaderfrauen täglich in den Direktionssitzungen. Unser Votum geht ins Leere, bis nach 2 Diskussionsrunden ein begnadeter Herr genau dasselbe, oft nicht einmal mit anderen Worten sagt, und dann ist das ein bedenkenswerter Beitrag. Übrigens gibt es zu diesem „lustigen“ Kommunikationsphänomen beobachtende Untersuchungen, die dieses statistisch belegen. Der in der Synode wirkende Heilige Geist ist wohl auch männlich. Doch die Sofia ist weiblich.

  9. im Gleichnis die uralte fragende Spannung zwischen der Wechselwirkung BBARMHERZIGKEIT LIEBE. und GERECHTIGKEIT
    vor einigen Tagen wieder mal im „Raskolnikow“ gelesen. aus dem Monolog des Trinkers Marmeladow in seinem Delir; Dostojewski der oft Zerrissene mit seinen vielen Süchten, Widersprüchen und dem Sehnen nach dem barmherzigen Gott spricht selbst durch diese Figur über die absolute Vergebung:
    Mitleid müsste es geben“ murmelt er vor sich hin, doch: „Wer soll denn schon Mitleid haben mit einem solchen wie mir?“ Aber dann fährt er fort:“ Mitleid haben allein wird er, welcher der Richter aller ist
    Wenn er kommen wird, wird er sagen zu den Guten und zu den Gerechten:kommt her, ihr Guten, kommt her ihr Gerechten, in die Hallen, die ich euch bereitet habe
    Und dann wird er sagen: Jetzt kommt her auch ihr, ihr Mörder, Huren,Säufer.kommt her auch ihr .
    Und die Weisen und die Guten werden sagen: Aber Herr warum denn berufst du auch sie? Sie tragen das Antlitz des Viehs!
    Und er wird zu ihnen sagen: Deshalb ja, ihr Guten, deshalb ja ihr Weisen ,berufe ich gerade sie, weil kein einziger von diesen je hat glauben können, dass er dessen würdig sei.
    DANN WERDEN ALLE ALLES VERSTEHEN
    DANN WERDEN ALLE ALLES VERSTEHEN.
    Dein Reich, Herr, komme! “

    Vielleicht muss man Künstler, Musiker, Maler oder eben Dichter sein ,um so etwas von Jesus dem Christus zu spüren…?

  10. Die biblische Erzählung vom barmherzigen Vater hat ein offenes Ende. Während drinnen das Fest in vollem Gange ist, stehen Vater und älterer Bruder draußen (Lk 15,32). Wie geht es weiter? Ich stelle es mir so vor:

    Schließlich geht der ältere Bruder doch hinein; er möchte vom Mastkalb kosten, Wein trinken, Musik hören und vor allem seinen jüngeren Bruder betrachten. Und dann beginnt ein Lernprozess, ein schwieriger Weg.

    Was lernt der jüngere Bruder?
    – Sich neu in den Familienbetrieb einfügen;
    – Einen Chef akzeptieren; seinen Platz in einer Struktur finden mit allen notwendigen Regeln;
    – Neue Arbeitsabläufe kennen lernen, neue Aufgaben und Verantwortungen übernehmen;
    – Um seine Anerkennung kämpfen.

    Was lernt der ältere Bruder?
    – Er ist nicht mehr der vermeintlich einzige Sohn;
    – Verantwortung teilen, Aufgaben neu verteilen und delegieren;
    – Um Entscheidungen ringen und sie gemeinsam treffen;
    – Und ganz viel übers Scheitern; zwar ist „nur“ sein kleiner Bruder gescheitert, doch früher oder später wird auch er diese Erfahrung machen.

    Und in den ganz schwierigen Momenten wenden sie sich beide, einzeln oder gemeinsam, an ihren Vater, der über genügend Großherzigkeit und Lebenserfahrung verfügt.

    Die Erfahrung des Scheiterns ist fundamental und prägend, sowohl für denjenigen, der sie macht als auch für seine unmittelbare Umgebung. Im günstigsten Fall, väterliche Unterstützung inclusive, führt sie zu einer guten Weiterentwicklung aller Beteiligten; in der Familie, in der Pfarrgemeinde und in der großen universalen Kirche.

    Herzlichst, Euer Lese-Esel

  11. Silvia Brückner sagt:

    Ich denke, dass es auch Jesus bewusst war, dass es die „älteren Brüder“ sind, die dafür sorgen, dass in den Familien das Meiste rund läuft, die Gesellschaft insgesamt „funktioniert“.

    Und dass diese „älteren Brüder“ deshalb für jede Gesellschaft unverzichtbar sind.

    Ich denke, Jesus wollte damit auf die Barmherzigkeit Gottes, die jedes menschliche Maß übersteigt, hinaus.

  12. Paolo sagt:

    Ich denke sie haben diese Stelle vergessen bei der Auslegung:
    LK 21 Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.

    Das ist leider eine der Grundvoraussetzungen. Das Erkennen der Sünde und das umkehren wollen. Mit Pippi Langstrumpf hat das recht wenig zu tun

    • @lieber Paolo, ich respektiere Ihre Deutung ,WENN Sie das für sich PERSÖHNLICH und Gleichgesinnten so sehen und leben. Kein Problem damit!!

      Aber entschiedener Einspruch ,wenn Sie daraus eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung machen wollen!!

      auch im NT gibt’s viele Aussagen, die mich, und meine Generation
      belasten.. wenn ich mich als nicht ganz unsensiblen Zeitgenossen
      erlebe ,stoße ich doch ständig auf meine eigenen Widersprüche und Grenzen meiner Offenheit und tätiger Liebe meinen Nächsten gegenüber..
      und wenn DAS stimmt, das Gott mich im INNERSTEN kennt-also auch Strukturen-die ich selbst gar nicht war nehme!!,dann muss ich nicht vor IHM als „seelischer Krüppel“-(@CHRISMA, sorry für das nicht korrekte med. Vokabular)- mit verkrampften Schuldgefühlen oder mit echtem Fehlverhalten zu „Kreuze Kriechen.. ER kennt doch unser Innerstes mit all seinen Verästelungen und macht sich so sehr mit uns eins: er nimmt uns an der Hand ,dann gehen wir weiter; irgendwann stolpern wir wieder und ständig bietet er neue Geh-Hilfen an, so sehe unseren Gott..
      nicht nur viele Kinderherzen sind daran zerbrochen;

      wenn meine Mutter- sie war das, was man früher eine anständige Frau nannte- aus diesem Beichtstuhl herauskann meist mit hochrotem Gesicht- geradeaus zum Absitzen-einem Kriegs Handikap geschuldet, durfte sie ihre Strafe in der in der Kirchenbank verrichten, meist waren das für Erwachsene 5 Vaterunser und 5 Ave Maria: für uns Kinder gabs Rabatt, also nur 3 an der Zahl aber mindestens 3 Kadetten danach mussten aus dem Beichtstuhl herauskommen.. diese“Schülerbeichten“ gingen bis zur Untersekunda (10. Klasse)
      danach bin ich im Stand der Sünde geblieben.. wir hatten einen „Beichtspiegel“ und meist wurden die gleichen Sünden gebeichtet.. als Spätentwickler habe ich damals lange neugierig vor dem Mysterium des 6.Gebots verharrt, um dann den geistl. Präfekten, der auch unser R-Lehrer war zu zu fragen ,der dann aber nur noch vor sich hin „stotterte“
      was ich jetzt fast kabarettistisch anhört, waren damals oft Auslöser für Ängste bei einigen sogar handfeste Depressionen.
      das war ZWAR Anfang der 60er Jahre ,aber dieses Demütigen von Menschen ist immer noch-abgemildert-vorhanden. noch schlimmer ist es, wenn dieses Bewusstsein sich festgesetzt hat und dann entsprechende seelische und körperliche Spätfolgen zur Folge hat

      ich glaube nur das Vertrauen in einen großzügigen Gott ist zielführend ..und erlöst uns wirklich hin zur Liebe!
      deswegen hab ich gestern den Dostojewski sprechen lassen..

      gemeinsam auf dem Weg jeder mit seinen eigenen Schritten
      schönen Abend noch Ulli Hopfener

  13. Bayerin sagt:

    Mal ab vom Begriff der Sünde, Pater Hagenkord:
    Ich fürchte, wir werden tatsächlich mehr auf die KonservativERen schauen müssen, wenn wir wissen wollen, wie Kirche in Zukunft aussehen wird. Zumal bereits laufende Konzepte tatsächlich den Vorteil haben, bewiesen zu haben, dass mit ihnen eben „die Gesellschaft insgesamt funktioniert“ – ob sie optimal funktioniert, interessiert in diesem Zusammenhang ebenso wenig wie die Zukunftsperspektive.
    Gerade vorgestern wurde in einem Kommentar in der FAZ (zu einem ganz anderen Thema) vom besseren Gespür der Konservativen für das Machbare und für den Zusammenhalt der [gesellschaftlichen] Mitte gesprochen.

    Außerdem: Wenn man nicht mehr weiter weiß… noch ein Arbeitskreis?
    Gerade dort, wo Veränderung wohl am meisten gewünscht wird – also bei uns – dürfte es an Schultern fehlen, die die Erneuerung von der Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes in der Gemeinde über den Abgleich mit den Perspektiven, die das päpstliche Schlusswort bieten wird und die Strategieentwicklung bis zur Umsetzung der Strategie tragen.

    • Gabi sagt:

      Liebe Bayerin, wem fühlen Sie sich persönlich denn verpflichtet? Wenn ich es richtig verstehe, repräsentiert der Erzbischof die Ortskirche. Das heißt für mich, er wird sein /Erz-)Bistum leiten, nach wie vor, in dieser jetzigen Zeit, in diesem Leben. Das heißt weiterhin für mich, die Bischöfe, Weihbischöfe, Priester, GemeindereferentInnen usw.,- kurz alle, die in seinem Dienst stehen – sollten im Sinne der Einheit der Kirche ihn ernst nehmen. Da gibt es noch viel zu tun und viel nachzuholen an Umsetzung des Evangeliums… Z.B.: Heute hatte ich mitten in Bayern eine interessante Nachfrage meiner Arbeitsvermittlerin (Zitat): „Denken sie wirklich, dass es gut ist, im Rahmen ihrer Bewerbung bei einer Einrichtung der Katholischen Kirche von einem Down-Syndrom-Enkelkind zu sprechen?“. Ich bin neu in Bayern. Wo so viel Unkenntnis blüht, braucht es dringend einer lauten Stimme, einer franziskanischen, einer klaren, die es bis an die Oberfläche schafft!

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