Kulturell übers Hoverboard gestolpert

Ein Priester surft nach Abschluss der Messe, vor dem Schlusssegen, auf einem Hoverboard durch die Kirche und singt ein Weihnachtslied. Jemand filmt das und der Priester wird eines dieser Internet-Hypes, schnell ein Star, ebenso schnell vergessen. Aber nicht ganz, denn sein Bischof fand das nicht so witzig wie die ganzen Facebooker und Instagrammer, er suspendierte den Priester.

Hoverboard und Weihnachtslied. Quelle: YouTube

Hoverboard und Weihnachtslied. Quelle: YouTube

Aufschrei im Netz, wie kann der nur! Wie borniert muss man sein, um einem Priester, der so was tut, zu suspendieren! „Hoverboard priest condemned by Church“, danke BBC für diese ziemlich schlichte Einsicht.

Soweit die Kurzversion der Geschichte. Es gibt auch Stimmen, welche die verordnete Ruhepause für den Pater verteidigen, die sind aber in der Minderzeit. Durch die Medien geht diese scheinbar wunderbare human-interest story mit eindeutiger Rollenzuschreibung.

Meine eigene Frage ist eine ganz andere: Wie kommen wir eigentlich dazu, von hier aus über mehrere tausend Kilometer und zig Kulturgrenzen hinweg urteilen zu wollen? Wie arrogant muss man eigentlich sein, um ein Urteil über einen Mann und die Umstände zu fällen, und zwar ein internet-kompatibles Soforturteil, ohne die Geschichte zu kennen? Ohne die Gemeinde zu kennen? Ohne den Bischof zu kennen? Ohne die Kultur zu kennen? Ohne die Sprache zu kennen? Ohne die kulturelle Bedeutung von Bildern zu kennen? An dieser Stelle beende ich die Liste, sie wäre aber zu verlängern.

 

Kulturelle Arroganz

 

Mich hat das geärgert. Sehr. Auch die Aktionen von „pro und kontra“. Natürlich hat jeder eine Meinung dazu, zumindest eine erste innere Reaktion, die sich in den Mantel der Meinung hüllt.

Dahinter liegt ein Problem. Ich würde das mal als das wirkliche Thema der vergangenen Synode bezeichnet und als das kommende Thema der weltweiten Kirche: Die Balance von Lokalität und Universalität bei medialer Gleichzeitigkeit.

Ich brauche die Universalität, um Distanz zu meiner eigenen Kultur bekommen zu können. Dagegen sind alle Fragen immer lokal, ich kann nicht von einer Univertsalität für alle gültige Anwendungen herunter deklinieren. Beides braucht eine neue Balance. Verschärft wird das, von der medialen Gleichzeitigkeit. Ich weiß in Sekundenbruchteilen, was der Bischof auf den Philippinen entschieden hat, genauso wie ich sofort das Video des Hoverboard-Priesters sehen kann. Das überspielt die lokalen Differenzen, kulturellen, sprachlichen und religiösen Grenzen und gaukelt eine falsche Universalität vor. Das unterwirft in diesem Fall alles dem Unterhaltungs-Paradigma.

Darin eine neue Balance zu finden, das ist die neue Herausforderung für eine Kirche, die beides sein will, lokal und universal.

Ein erster Schritt wäre, mit den Sofort-Urteilen aufzuhören. Die beleidigen Intellekt und Kultur. Und wenn wir uns vorstellen, dass mit demselben Unwissen über uns geurteilt würde, was würden wir dann sagen?

Diese Balance ist eine der wirklich großen Herausforderungen für die Kirche. Und die Schnell-Urteiler tragen nichts zum Finden dieser Balance bei. Absolut gar nichts.

 

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23 Kommentare zu Kulturell übers Hoverboard gestolpert

  1. KRP sagt:

    Die richtige Balance zu finden bleibt den Menschen wohl noch lange eine Aufgabe für die Welt und auch für das eigene Leben. Wie sag ich immer ein lebenslanger Weg, ein lebenslanges lernen.

  2. Ihrem Text ist nichts hinzuzufügen, wer sind wir um zu urteilen?!

    „Meine eigene Frage ist eine ganz andere: Wie kommen wir eigentlich dazu, von hier aus über mehrere tausend Kilometer und zig Kulturgrenzen hinweg urteilen zu wollen?“

    Ich glaube diese Frage sollten wir, ich uns im tägl.Umgang viel häufiger stellen.

    Danke für ihren Text.

  3. Hartwig Pomper sagt:

    Gegen welches Gebot bzw. gegen welchen Canon des CIC hat der Priester verstoßen, dass er von seinem Bischof suspendiert worden ist. Wir sollten froh sein dass es noch Männer gibt, die der Berufung zum geistlichen Leben folgen. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Da gebe ich Recht, aber es gilt auch, dass die Messe nicht dem Priester „gehört“ und er der Diener ist, immerhin geht es um ein Sakrament. Die Urteile darüber sollten wir vor Ort belassen.

      • Sara sagt:

        Es heißt, ein Priester surft nach
        ABSCHLUSS DER MESSE, vor dem Schlusssegen, auf einem Hoverboard durch die Kirche und singt ein Weihnachtslied.Das Sakrament wurde bereits gespendet.Ich finde, wenn mit dieser „Show“ (anstatt am Schluss der Klang der Kirchenorgel) junge Leute in die Messe kommen, sollte dies jedes Wochenende nach der Messe vor dem Schlusssegen stattfinden. Mit der Zeit gewöhnen sich auch die Senioren daran.

      • JLTD sagt:

        Danke, Pater!

  4. Rosi Steffens sagt:

    Ich fände es wirklich sinnvoll, wenn sich Kirche dieser Thematik annehmen könnte, denn unglaublich viele Menschen kümmern sich um einzelne Sachverhalte und vergessen darüber oft ihr eigenes, ganz privates Kleinod zu gestalten, um damit das zu Hause zu schaffen, das zu einem erfüllten Leben beiträgt, in dem man auch Mitmenschen dafür begeistern kann. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte die Masse den Bezug zu sich selbst verloren und hofft nun darauf diesen Selbstbezug in der Masse wiederzufinden. Ich glaube es ist sehr schwer Informationen als zeitlosen Gewinn und zeitgemäßen Ertrag zu filtern, denn die heutige Medienpräsenz suggeriert oft genug eine Informationsabhängigkeit, die nur mit erhöhtem Selbstwertgefühl auszugleichen ist. Im Zeitalter von Facebook, Google und Co. darf man den Einfluss des Individuums nicht unterschätzen, das uns mit seinen Kenntnissen manipulieren kann und dies auch bewusst tut, um ganz persönliche Vorteile daraus zu schöpfen.

    Ich habe keine Ahnung wie ein Priester darauf kommt mit einem Board durch die Kirche zu fahren, doch das sollte er selbst wohl am besten wissen.

    Sicher haben sich die Lebensinhalte verändert, doch wir sollten trotz alledem erkennen können, was uns an unsere Verständnisgrenzen führt, denn dafür hat Gott uns erschaffen, um die Würde zu erhalten, die das Leben erst als Mensch wertvoll macht. Empfundene Wirklichkeit verleiht uns die Kompetenz Entscheidungen zu treffen, die uns als Wohlgefühl vermitteln, was echtes Leben präsentiert und nicht in der medialen Welt zu finden ist, da sich dort nur Wörter und Bilder präsentieren, ohne einen menschlichen Hintergrund außer dem, den wir selbst hineininterpretieren. Kontakt mit der Außenwelt scheint uns sehr wichtig zu sein, doch statt ihn wirklich zu leben verbringen wir unsere Zeit mit virtuellen Partnern, die im echten Leben fehlen. Alles im Leben hat die Berechtigung durch seinen Sinn, und jeder sollte selbst entscheiden, wie viel Sinn im Einzelnen steckt. Dafür ist es zwingend nötig, die Privatsphäre so zu schützen, dass sie auch in den Medien nur denen zur Verfügung steht, denen man sie auch vermitteln möchte. Wer seine Dienste unentgeltlich zur Verfügung stellt, um damit Gewinne auf Kosten derer einzufahren, die diese Dienste benötigen, um zeitgemäß leben zu können, der stellt sich damit auf die Seite des Unrechts, denn diese Art der Dienstleistung hat nichts mehr mit dem Dienst am Menschen zu tun, der das Gemeinwohl fördert. Das ist Manipulation auf höchster Ebene. Es sollte keinen rechtsfreien Raum geben, denn für menschenwürdige Rechte haben wir viel Zeit investiert, die nun an Systeme vergeudet wird, deren Motivation immer fragwürdiger erscheint.

    Kein Mensch sollte vergessen, dass wir nur in Summe aller das Ergebnis erzielen können, das der Einzelne für erreichbar hält.

  5. S.G. sagt:

    Zentrale liturgische Handlung der katholischen Kirche ist die Eucharistiefeier, meist Heilige Messe oder einfach Messe genannt. In der Einleitung zum Messbuch heißt es: „Als Werk Christi und des hierarchisch gegliederten Volkes Gottes ist die Feier der heiligen Messe für die Welt- und Ortskirche wie auch für jeden einzelnen Gläubigen Mitte des ganzen christlichen Lebens. Denn in ihr findet das Wirken Gottes seinen Höhepunkt, durch das er in Christus die Welt heiligt, aber auch der Kult, den die Menschen dem Vater erweisen, indem sie ihn durch Christus, seinen Sohn, im Heiligen Geist verherrlichen. In der Eucharistiefeier werden zudem die Mysterien der Erlösung im Jahresablauf so begangen, dass sie in je bestimmter Weise gegenwärtig werden. Alle anderen gottesdienstlichen Feiern und alle Werke christlichen Lebens stehen mit der Messe in Zusammenhang: sie gehen aus ihr hervor und führen zu ihr hin.“

    Deshalb gehört die Teilnahme an der sonn- und feiertäglichen Messe zu den Kirchengeboten; wer den Gottesdienst ohne gewichtigen Grund versäumt, “begeht eine schwere Sünde” (KKK 2181). Dahinter steht die katholische Überzeugung, dass der Gottesdienst und somit die Liturgie keine Privatsache ist, sondern eine gemeinschaftliche Feier der Kirche, das „Sakrament der Einheit“ des Volkes Gottes unter dem Bischof. Die Teilnahme ist natürlich nicht auf die Menschen beschränkt. Es ist ja Christus selbst, der zelebriert. Wenn die Kirche singt und betet, ist Er da. Wenn das Wort Gottes gelesen wird und wenn die Sakramente gefeiert werden, ist Er anwesend. Gott und Mensch sind aufeinander bezogen; in der Sprache des Konzils gesprochen: Gott wird verherrlicht und die Menschen werden geheiligt. Die Kirche feiert nicht sich selbst, sondern das Pascha des Herrn, das Mysterium des Lebens, Todes und der Auferstehung Jesu Christi.

  6. S.G. sagt:

    Wenn der Priester das in einem Wortgottesdienst gemacht hätte -> ok -> coller Typ! Aber in der Messe bitte nicht. Der Priester handelt in Persona Christi -> Jesus ist somit durch die Kirche mit dem Hoverboard gerauscht…

    In dieser Messe hat der Priester sich gefeiert, anstatt dass er der Herold Jesu Christi war.

    Der Bischof als Verantwortlicher hat korrekt gehandelt und wenn man das als falsch bezeichnet hat das nichts mit falscher Beurteilung zu tun, da man nichts von der Kultur weiß, usw.
    (Meine eigene Frage ist eine ganz andere: Wie kommen wir eigentlich dazu, von hier aus über mehrere tausend Kilometer und zig Kulturgrenzen hinweg urteilen zu wollen? Wie arrogant muss man eigentlich sein, um ein Urteil über einen Mann und die Umstände zu fällen, und zwar ein internet-kompatibles Soforturteil, ohne die Geschichte zu kennen? Ohne die Gemeinde zu kennen? Ohne den Bischof zu kennen? Ohne die Kultur zu kennen? Ohne die Sprache zu kennen? Ohne die kulturelle Bedeutung von Bildern zu kennen?).

    Hier zeigt sich mal wieder der von Benedikt XVI. erwähnte Relativismus der sich in angeblicher Toleranz widerspiegelt….

    • Brigitta sagt:

      Für mich hat das nichts mit Relativismus zu tun, sondern mit dem Versuch mal etwas Neues zu wagen.
      Das Ganze passierte vor dem Schlusssegen als statt des letzten Liedes vor dem Segen.
      Abgesehen davon sind Mentalitäten unterschiedlich. Ansonsten kann ich nur allen recht geben. Wir waren alle nicht vor Ort und können es nicht beurteilen.

  7. Amica sagt:

    Schwieriger Teilssatz: „Die Balance von Lokalität und Universalität bei medialer Gleichzeitigkeit.“ Und immer wenn was schwierig zu verstehen ist, ist es entweder spannend oder Schwachsinn. Letztgenanntes gilt hier nicht.
    Ich möchte zwei Gedanken anfügen: 1. Diese Sache mit der „Balancesuche“ innerhalb der Kirche. Das ist irgendwie ein Problem für mich. Diese Haltung der Kirche wirkt immer so extrem überlegt, kompromissorientiert, diplomatisch und deshalb so unglaublich durchdacht, dass es so scheint, als ob die einflussreichen Kirchenmänner viel zu weltlich denken würden. Was ist mit dem heiligen Geist, ist der ein Diplomat? Das ist mein persönlicher – leider sehr subjektiver – erster Eindruck bei solchen Formulierungen… nur sehr subjektiv. Aber eventuell könnte dieses Wort viele junge Menschen irgendwie stören.
    2. Und das find ich sehr viel spannender: der Begriff „Gleichzeitigkeit“ in Bezug auf die Medienwelt. Das ist ein echtes Problem. Was bedeutet Zeit, ein linearer Zeitstrang, in unserer Medienwelt? Man kann alle möglichen Videos und Texte und Bilder völlig kontextfrei abrufen – etwa bei Google. Wenn man kein Hintergrundwissen besitzt, kann irgendwie alles frei und wahllos kombiniert werden. Eine Art „Zeitcollage“ entsteht da im Kopf des Konsumenten. Aber man braucht doch (so war das zumindest bisher) auch die zeitliche Einordnung, einen Zeitstrang mit Anfangs- und Endpunkt. Der Begriff „Zeit“ gewinnt eine völlig neue Dimension dadurch. Alles wird tatsächlich gleichzeitig im Internet. Das ist total komplex. Wie werden wir „Zeit“ in 100 Jahren wahrnehmen? Die Definition dieses Begriffs wird eine völlig andere sein.

    • Rosi Steffens sagt:

      Vielleicht liegt in der Wahrnehmbarkeit der Zeit die menschliche Möglichkeit Antworten auf all unsere Fragen zu finden, wenn wir dies nicht auf unsere eigene Lebenszeit begrenzen sondern auf Reversibilität zurückführen, die dem Widerstand geschuldet ist, der uns ein Bewusstsein offenbart, das Zeit so aufarbeiten kann, wie es der individuelle Werdegang zulässt. Wie wahrscheinlich klingt es für Sie, dass zusammengefasst in einen Augenblick all die Dinge gleichzeitig passieren, die den Priester in seine Entscheidung führen, auf dem Hoverboard zu fahren, weil Motivation durch die Sensibilität für den Augenblick ausgelöst wird und eine Entscheidung verlangt? Wenn alle Menschen in der Lage sind Zeit so zu empfinden, dann wäre es doch auch möglich, dass Zeit das Prinzip ist, das dem Leben als solches zu Grunde liegt, um in die Bestandteile zu führen, deren transzendente, also göttliche Eigenschaften für uns Menschen als wesentlich realisierbar wären. Übernatürlichkeit ist als Zeit so vermittelbar, dass ihre Wahrnehmbarkeit verwirklicht werden kann. Ich glaube Gott ist die Feste für Zeit, denn er löst den Widerstand, der neue Zeit ins Leben führt, um damit die Sensibilität der Menschheit im Glauben an Gott zu dienen und sich selbst als lebendiger Teil des Ganzen zu etablieren, sodass die Gewissheit wachsen kann, die Gott durch seine Allmacht trägt.

      • Amica sagt:

        Wieder sind Ihre Aussagen sehr kompliziert, liebe Frau Steffens. Da muss ich echt genauer lesen… Ich muss es nochmal lesen – und bei diesem kleinen Beispiel erleben wir beide Zeit schon ganz anders: Während Sie das hier lesen, bekommen Sie nicht mit, wie lange ich brauche um ihren Text überhaupt nochmal durchzulesen, einigermaßen zu verstehen und schließlich etwas Sinnvolles zu schreiben. Also, meine Pause beim Schreiben kriegen Sie während des Lesens nicht mit. Anders wäre das, wenn wir uns tatsächlich unterhalten würden. Das Medium Blog hat seine eigenen Konversationsgesetze – auch was die Zeit betrifft. Aber das nur nebenbei – jetzt lese ich mal… 🙂
        Ergebnis: Ich muss kapitulieren. Ich habe nicht sehr viel verstanden. Sorry.
        Was allerdings den Begriff „Augenblick“ angeht, meine ich mal sagen zu können, dass das Erleben eines Augenblicks, also das Jetzt, sogar etwas zeituntypisches ist: Wieso? Während Sie etwas Erleben (also wirklich etwas nicht Geplantes erleben und nicht nur über etwas nachdenken) gibt es in diesem Moment keine Vergangenheit aber auch keine Zukunft. Es gibt nur das Jetzt das etwas mit Ihnen macht. Sobald dieses Erlebnis abgeschlossen ist, wird es Vergangenheit und dann können Sie drüber reflektieren – sind wieder Herr über die Lage.
        Dann noch etwas zu unserem Verständnis von Zeit: bisher kennen wir den traditionellen linearen Zeitstrang: Ein Leben verläuft so, mit Anfangs- und Endpunkt und ohne Unterbrechungen.
        Filme dagegen sind etwas sehr Spezielles: dort kann ich immer und immer wieder eine bestimmte Folge von Augenblicken anschauen. Da das aber innerhalb meines linearen Lebenszeitstrangs erfolgt, innerhalb dem ich mich selbst verändere, werde ich den Film jedesmal anders wahrnehmen. Also, unser tatsächliches Leben gewährleistet mir, dass ich einen Augenblick nie öfter als einmal erlebe. Und das ist gut für den Kopf. Was wäre aber nun, wenn der Mensch sein Leben immer mehr im Internet lebt? Also tatsächliche augenblickliche Erlebnisse vermeidet? Heißt: Nur noch mit dem Kopf arbeitet, nicht mehr physisch agiert – oder nur noch wenig? Vielleicht hätte sowas enorme Folgen für unseren Verstand. Dieser zeitliche, einfach lineare Rahmen unseres Lebens ist sehr gut, weil er Ordnung schafft. Wir können ihn irgendwann aber eventuell manipulieren – dann wird’s allerdings sehr schräg werden im Köpflein des Einzelnen. Waren meine Ausführungen verständlich? Ich hoffe es mal.

        Was den Priester mit diesem Hoverboard angeht, geh ich mal davon aus, dass das keine spontane Aktion war, sondern dass er sich diese vorher überlegt hat. Dieses Board musste ja irgendwo vorher deponiert worden sein.

        • Rosi Steffens sagt:

          Ich glaube der Hauptunterschied zwischen Ihnen und mir ist der, dass ich das Gefühl habe in einem Zeitvolumen zu leben und darin das zu erkennen vermag, was das Leben bietet und noch bieten kann und Sie offensichtlich auf einer Zeitlinie existieren, was Ihnen die Möglichkeit gibt das Erlebte entsprechend des Auftretens zu analysieren bzw. zu verarbeiten und daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen. Diese Antwort habe ich ohne großartigen Zeitaufwand verfasst, dahingegen beansprucht es mich sehr, Inhalte, die ich aus meinem Leben erkennen kann so in Worte zu fassen, dass ich zumindest das Gefühl habe, sie könnten über die Zeit in ein Verständnis führen, das uns einander näher bringt.

          • Amica sagt:

            Sie sind, glaub ich, eine sehr emotionale Frau. 🙂
            Wenn Sie nun solche emotionalen Erfahrungen einem fremden Menschen mitteilen wollen, müssen Sie erst Mal davon ausgehen, dass der nicht in Ihr Gehirn schauen kann. Also, Sie müssen sehr überlegt formulieren und Dinge die Ihnen selbstverständlich sind, aufdröseln so dass das Gegenüber einigermaßen verstehen kann, wie Sie denken. Solche Texte zu formulieren, da haben Sie sehr recht, brauchen Zeit.

            Sie sind aber auch eine im Denken sehr komplizierte Frau. Also: Sie lieben es, sich über komplizierte Vorgänge tiefsinnige Gedanken zu machen. Das ist eben wieder nicht emotional an Ihnen.
            Wenn Sie das dann in Worte fassen, berücksichtigen Sie nur bitte eines: Vermeiden Sie zu lange Sätze – auch wenn die sehr schön sein können. 😉 Da ist das Gegenüber einfach überfordert – also ich zumindest. Bis bald! Ich freu mich auf ein nächstes Mal!

        • Rosi Steffens sagt:

          Ich versuche eine Erklärung für meine Aussage mit einer Anekdote aus meinem Leben zu geben. Mein Mann und ich schauen uns ein und denselben Film zusammen an und doch hat man hinterher den Eindruck, wir hätten an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen. Jeder von uns „sieht“ den Film mit seinen „Augen“ und verbindet ihn dann mit den persönlichen Erfahrungen, um daraus Worte zu formulieren, die den wahrgenommenen Inhalt des Filmes in seiner Aktualität wiedergeben können. Zwei Wochen später kann ich mich dann nur noch an die Gefühle erinnern, die dieser Film in mir wachgerufen hat und an die entsprechenden Bilder dazu, mein Mann dahingegen schwört auf die technischen Details, die den Film für ihn erst sehenswert machten und hat die anderen Scenen bereits aus seinem Gedächtnis gestrichen. Der Unterschied zwischen ihm und mir liegt also in der Wahrnehmung, denn er nutzt seine Sinne um damit zu erfassen, und ich meine, um damit zu empfinden. Erst im Austausch unserer Gedanken verbinden sich diese beiden Sichtweisen wieder zu der Einheit die wir gemeinsam „erleben“ konnten.

  8. „Die Balance von Lokalität und Universalität bei medialer Gleichzeitigkeit.“

    Ja, das ist ein sehr interessantes und spannungsgeladenes Thema und ich bin sehr froh, dass es innerhalb der Weltkirche immer offener, dringender und wohl auch heftiger diskutiert und behandelt wird.

    Langsame, abwägende Urteile mit den nötigen Hintergrundinformationen sind natürlich schnellen Verurteilungen ohne viel Nachdenken und Wissen eindeutig vorzuziehen. Treten Schnellgerichte vermehrt auf den Plan, ist dies ein Grund zu ernsthafter Besorgnis.

    Doch nun zur Balance von Lokalität und Universalität. Ich denke, Balance ist hier das entscheidende Schlüsselwort; weder die eine noch die andere Seite sollte sich durchsetzen; ansonsten kippt die Sache leicht in allerhand despotische Zustände. Zur Veranschaulichung hier zwei schlechte Beispiele, bitte keinesfalls nachahmen!

    1. Das universelle Recht auf Bildung gilt … überall auf der Welt, oder? Doch immer wieder heißt es da und dort in der Welt, es gebe Personengruppen, für die Bildung nicht so wichtig oder gar nicht vorgesehen sei.

    2. Eine aggressive Sprachpolitik: Wie geht ein Staat mit Regional- und Minderheitensprachen um? Wer den Menschen ihre sprache nimmt, nimmt ihnen auch ihre Seele; hat dies Charles De Gaulle gesagt? In der Linguistik spricht man im Extremfall sogar vom Sprachtod.

    In meinen beiden Beispielen ist jegliche Balance verloren gegangen und die beiden Pole Universalität und Lokalität haben sich in etwas anderes verwandelt, etwas Unterdrückendes, Gewalttätiges. Also, Vorsicht!

    Herzlichst, Euer Lese-Esel

    • Rosi Steffens sagt:

      Für mich zeugt diese Handlungsweise von menschlichen Defiziten, die jedoch durch konsequentes und pflichtbewusstes Handeln gemäß rechtlicher Vorgaben so ausgeglichen werden können, dass in Liebe der eigene Anspruch auch für das Fremde in Kraft tritt, um aus der Seele zu schöpfen, was individuell für die Entwicklung persölicher Eigenschaften zur Verfügung steht. Es geht meines Erachtens im Leben nicht um die Fähigkeiten, die sind uns angeboren, es geht darum diese Fähigkeiten so einzusetzen, dass sie durch menschenwürdige Handlungen in ein friedliches und freies Leben für alle Menschen führen können. Wenn jeder an sich arbeitet, um dieses Ziel zu erreichen, dann ist damit allen gedient, die für dieses Ziel arbeiten.

  9. Silvia Brückner sagt:

    Ich halte den Vorfall für viel zu unbedeutend, um hier im Blog darüber zu berichten und zu diskutieren.

  10. Christopherus E. sagt:

    Hm also ich stehe diesem Video nicht positiv und auch nicht negativ gegenüber. Ich finde es einen guten Schritt vom Priester einmal etwas neues auszuprobieren. Klar, das erhitzt vielleicht die Gemüter aber wenn sich nie etwas ändert, gehen wir immer auf der Stelle.

    Vielleicht sollten sich einmal andere auch so ein Hoverboard kaufen. Das macht nämlich ziemlich Spaß und ich denke, dann kann man auch verstehen, warum der Priester auf so einem gefährt unterwegs war.

    Wie steht ihr zu den Hoverboards allgemein? Ist es nicht auch eine Erleichterung für Menschen, die nicht mehr so einfach gehen können? Die Geräte können bis zu 15 Kilometer weit fahren. Ideal für die Stadt würde ich sagen.

    Grüße,
    Christopherus E.

  11. Pete sagt:

    Ja gut kann passieren und sollte wohl nicht unbedingt großartig Diskutiert werden ^^

  12. Dominique sagt:

    Hallo allerseits! Ich bin gerade auf diesen Artikel hier gestoßen. Da ich selbst Betreiber einer Hoverboard-Vergleichsseite bin, finde ich diesen ihn besonders interessant.

    Zu dem Vorfall fällt mir der folgende Spruch ein „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.“ Ich denke, dass gilt genauso für die Kirche. Auch diese muss sich an aktuelle Gegebenheiten anpassen, um ihren Fortbestand zu sichern.

    Möglicherweise wollte der Priester mit seiner Aktion genau das zum Ausdruck bringen. Dass er dafür ein Hoverboard gewählt hat, halte ich für besonders passend. Das Hoverboard ist aktuell wohl eines der innovativsten Produkten und ist damit ein passendes Symbol für die aktuelle Zeit.

  13. Marina sagt:

    Das ist ja wirklich hausgemachter Schmarrn! Die Kirche, egal auf welchem Kontinent, muss realisieren, dass wir im 21. Jahrhundert angekommen sind. Und wenn es dann solche Priester gibt, die mit einem Hoverboard durch die Kirche flitzen finde ich das mega! Hätten wir so einen Prediger, würde sogar ich Kirchenmuffel mal wieder den Gottesdienst besuchen, bei unserem schläft man leider Sonntag morgens einfach weiter. Die Kirche sollte sich in jeder Hinsicht modernisieren, sonst bleiben die Kirchenbänke bald leer.

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