Lernen s‘ a bisserl Geschichte, Herr Reporter!

Am vergangenen Samstag habe ich in Wien Kardinal Christoph Schönborn interviewt, die österreichischen Bischöfe kommen Ende des Monats ad limina nach Rom und dazu ist dann immer der Vorsitzenden der jeweiligen Konferenz vorab an unserem Mikro. Demnächst gibt es das also bei RV zu hören.

Drei Mal zitierte der Kardinal während des Interviews den ehemaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky: Lernen Sie Geschichte! Dies die hochdeutsche Version des charmanten Wienerisch Kreiskys. Zu meiner Verteidigung: Der Kardinal sprach damit nicht mich an, sondern es ging viel Allgemeiner darum, Dinge nur dann verstehen zu können, wenn man aus dem Gefängnis des Augenblicks heraus kommt und ein wenig Information über andere Zeiten verfügt, um Einschätzen und Urteilen zu können.

Stephansdom Wien

Stephansdom Wien

Mein erster Geschichtsprofessor an der Uni hat gerne Bonmots von sich gegeben, unter anderem „Die Realität ist in Wirklichkeit ganz anders“. Das Gleiche kann man auch über die Geschichte sagen: Es war alles etwas anders, als wir es uns im Kopf ordnen.

Es ging bei Kardinal Schönborn zum Beispiel um die Familie und das Urteil, dass früher alles besser gewesen sei und es ging um ein Ideal von Familie, wie es auch in der Kirche oft zitiert wird. Der Blick in die Geschichte zeige, dass es diese idealisierte und den Menschen heute vor gehaltene Art Familie als Normalfall nie gegeben hat.

Es ging um Pfarreistrukturen und es ging auch um die Ordensgemeinschaften und die Zusammenarbeit mit den Bistümern. Es gingt um die Ausweitung der Anzahl der Pfarreien, als ein Kaiser die mächtigen Klöster auflöste und den verbleibenden auftrug, sich in der Pfarreiseelsorge zu engagieren. Das und anderes hat zu einer Pfarreidichte geführt, die einmalig ist in Europa und die so nicht gehalten werden kann, mit schlimmen Erfahrungen für alle Beteiligten.

Aus der Geschichte lernen, dazu muss man wortwörtlich den eigenen Standpunkt verlassen und versuchen, andere Zeiten, Motivationen, Fakten und Dynamiken zu verstehen. So ganz geht das nie, weswegen man damit auch nie fertig wird.

Aus der Geschichte lernen, dazu müssen wir sie auch respektieren. Das „Gefängnis Augenblick“ mag dazu verleiten, nur das jetzt gelten zu lassen. Traditionen bringen aber etwas in unsere Gegenwart, und das gilt es zu respektieren. Wie ich meine Mitmenschen und ihre Erfahrungen in der Begegnung respektiere, so respektiere ich die Mitmenschen der Vergangenheit im respektvollen Umgang mit dem, was uns übergeben wurde. Das immunisiert nicht, darf es auch nicht, aber es gibt eine Bremse wenn es darum geht, einfach mal so was abzuschaffen.

Für mich ist das ein neuer Hinweis auf die Wichtigkeit dessen, was der Papst sagt: Die Wirklichkeit steht über der Idee (Evangelii Gaudium 231, 233). Ideen seien dazu da, die Wirklichkeit zu verstehen. Lösen sie sich von dieser Wirklichkeit, würden sie Idealismen, die an der Welt vorbei gingen. Niemand verstehe sie mehr. Und das mit Recht.

In der Tradition des geistlichen Lebens, wie sie auf Ignatius von Loyola zurück geht, gibt es ein Gebet, das vielleicht sprachlich schwierig auf deutsch „Examen“ heißt. Es ist die Gewissensrechenschaft, das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit, gleich wie man es nennt. Vor dem Abschlussgebet soll man sich für den nächsten Tag oder für die nächste Zeit Besserung vornehmen. Also den Blick nach vorne tun: Nennen wir das einmal „Reform“. Davor aber soll man zurück blicken. In der sperrigen Sprache des Ignatius:

„Rechenschaft von der Seele fordern von der Stunde an, in der man aufgestanden ist, bis zur gegenwärtigen Erforschung, Stunde für Stunde oder Zeit für Zeit.“

Etwas frei übersetzt: Es geht darum, Gott und Gottesferne im eigenen Leben zu entdecken.  Das kommt vor dem „sich mit Gottes Hilfe Besserung vornehmen“. In unserer eigenen Geschichte ist also Gott – und unser Fehlen – zu entdecken.

Also lernen wir a bisserl Geschichte und nehmen wir die Wirklichkeit Ernst.

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25 Kommentare zu Lernen s‘ a bisserl Geschichte, Herr Reporter!

  1. Silvia Brückner sagt:

    Lieber Pater Hagenkord,wenn ich Ihre Themen der letzten Zeit so lese, so scheint mir, Sie haben Angst vor den Reformen, die Papst Franziskus anstoßen könnte oder schon angestoßen hat und Sie beschwören immer wieder die Tradition.

    Die Tradition hat bereits mit Jesus Christus begonnen und wurde von den Urgemeinden fortgesetzt, nicht erst irgendwann im Mittelalter.

    Tradition war und ist es in der Kirche, sich vom Hl. Geist führen zu lassen und im Vertrauen auf diesen Hl. Geist das Heute zu gestalten.

    „Eccelsia semper reformanda“ ist eine gute, alte Tradition der Kirche.

  2. Claudia sagt:

    Lieber Pater Hagencord, Ihren Text verstehe ich nicht und ich hege den Verdacht, dass Sie mit Ihren Worten auch eine Keule schwingen. Da ich Sie nicht kenne, kann ich es nicht beurteilen, ob Sie immer wieder die Tradition beschwören,so wie es @Silvia Brückner vermeint. Doch denke ich, dass die meisten Menschen weder Gott noch Gottesferne entdecken müssen. Sondern sie haben, (wie auch Institutionen, dazu gehören auch die Kirchen), das Unterdrückte und Verdrängte, nicht Aufgearbeitete und nicht Integrierte aus Selbstschutz nicht zugelassen. Impulse zur Erneuerung fanden ja innerhalb der Kirchen keinen Raum, und so kam es zu einer schrittweisen, aber immer deutlicheren Trennung des eigenen geistlichen Lebens von dem, was die kirchliche Frömmigkeit anbot und darstellte. Und zum Teil ja auch immer noch tut. Die Wirklichkeit ernst nehmen: da frage ich doch mit Paul Watzlawik „Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben?

  3. Elisabeth sagt:

    Mir scheint , dass P. Hagenkord und Silivia Brückner grundsätzlich eine verschiedene Auffassung von „Reform“ haben; doch ist jede Reform ohne Tradition zum Scheitern verurteilt.
    Das aber nur nebenbei…

    Als „Schönborn-Kindl“ möchte ich zu einigen „Punkten“ Stellung nehmen.
    Das „Ideal“ der Familie ist doch im vierten Gebot begründet. Warum das der Kardinal nicht erkennt und benennt, ist mir schleierhaft. Die Beurteilung, ob es „Die Heilige Familie“ jemals gegeben hat oder geben wird, ist nicht wichtig.
    Notwendig wäre aber, das Streben nach im christlichen Glauben beheimateter Familien als „Ideal“ zu sehen und zu fördern.

    Die „Zusammenarbeit der Ordensgemeinschaften mit den Bistümern“ zu forcieren,wäre ebenfalls äußerst notwendig im Sinne einer effektiven Neuevangelisierung. Und genau in diesem Punkt scheint Kardinal Schönborn in seiner Erzdiözese Wien nicht so richtig voranzukommen; hat er doch aus großer Not heraus für Wien ein „Jahr des Betens“ ausgerufen; besser gesagt: Verordnet.
    Generell sähe ich es als große Notwendigkeit, bei „Rombesuchen“ wieder die einfache „Hinwendung zu Gott“ (auch intensiver mit IHM) zu „besprechen“, das wäre eine echte Reform!
    Wie übersetzt es P. Hagenkord so fromm & frei?
    Es geht darum, Gott und Gottesferne im eigenen Leben zu entdecken. Das kommt vor dem „sich mit Gottes Hilfe Besserung vornehmen“. In unserer eigenen Geschichte ist also Gott – und unser Fehlen – zu entdecken.

    • chrisma sagt:

      @Elisabeth, die heilige Familie wie wir sie in der Krippe darstellen, ist lediglich ein kleiner Bestandteil der Sippe zu der Maria und Josef gehörten. Ob die beiden nach irgendeinem Ritus verheiratet waren wissen wir nicht. Schauen Sie einmal geschichtlich in die Familienstruktur der Lebenszeit Jesu und Sie werden durchaus parallelen zu heute finden. So schön wie Nr. 4 ist, für „Familie“ langt es aber nicht und dafür eine Ehe zu leben, erst recht nicht. Auch der ach so schöne Katechismus ist keine Hilfe. Liebe Elisabeth, ich bin nun bald 40 Jahre verheiratet (mit dem gleichen Mann) bin vierfache Mutter, bald 5 fache Großmutter (Zwillinge sind im anrollen). Unsere Familie hat immer Kraft aus dem christlichen Glauben( Nr. 1-10 und Bibel) geschöpft. Dies sollten aber alle Formen des Zusammenlebens tun dürfen. Als Familie sind wir übrigens von jeder Form von „Ideal“ Lichtjahre entfernt.

  4. Katharinadiekleine sagt:

    Da haben Sie aber ein Fass aufgemacht, lieber P. Hagenkord! Wenn da nicht der Hase im Pfeffer liegt! Denn die Frage ist ja wirklich, wie begründet die Katholische Kirche das Ideal der Familie, das sie predigt, wenn wir doch alle wissen, dass es diese ideale Familie wohl nie gegeben hat? Woher nimmt sie das? Wie kommt sie darauf? Wo steht das? Ja, Elisabeth hat Recht mit dem 4. Gebot. Aber trotzdem wissen wir nicht, warum wir das sollen! Man könnte das ja mal fragen, warum sollen wir eigentlich Vater und Mutter ehren? Worin wird das begründet? Denn das Geheimnisvolle ist ja, dass kaum einer in einer idealen Familie groß geworden ist, das selbst nie wirklich erlebt hat, aber spätestens an Weihnachten weiß jeder, was das ist, eine ideale Familie, wie sie sich anfühlt, wonach man sich im Innersten sehnt. Also irgendwoher weiß das der Mensch? Nur die Katholische Kirche kann die Heiligkeit der „Familie“ nicht vermitteln, dass der Mensch es auch verstehen könnte. Dass er sich selbst verstehen könnte – ach so ist das, also dort bin ich beheimatet … Ich ahne, dass die Kirche es selbst nicht so recht weiß. Stattdessen hält sie den Menschen etwas vor, an dem man nur scheitern kann, jedenfalls sehr viele. Und wenn man’s nicht hingekriegt hat, ja dann sieht man alt aus.

    • KRP sagt:

      Sehr gute Fragen und guter Beitrag, vermutlich wird es der Grund des nicht so recht Wissens sein. Scheitern vorprogrammiert oder Stillstand. Aber irgendwo gab es da doch mal Jesus der das Scheitern auf sich nahm auch wenn er oft ausgeblendet wird. Alt aussehen lassen einen nur die Menschen, sicher nicht Gott oder wie man ihn auch immer nennen möchte.

    • AM sagt:

      Wie wäre es, zuerst mit dem Verständnis für „Sakrament“ und dieses zur Sprache zu bringen? Ausser der Definition aus der Kathpedia ist für mich  das Sakrament ein „Gottesweg“ für uns, um zur „Heiligkeit“ zu gelangen. Das Leben in der Gemeinschaft Familie gibt mir die Chance mich selbst zu entwickeln, zu wachsen, meine „Ecken“ zu polieren. Aber nur dann, wenn ich die Mitglieder der Familie „liebe“, sie achte, respektiere, auf Sie höre, aber auch mit denen streite und am Ende Konflikte löse  Dazu gehören auch die Kinder, die uns einigermaßen „widerspiegeln“ und immer wieder zeigen, wie wir selbst mal waren oder sogar sind, und uns zur Veränderung mobilisieren.
       Wenn wir unsere menschliche Geschichte betrachten, dann sehen wir, dass die Rolle des Mannes und auch der Frau sich gravierend verändert hatte. Früher war der Mann nicht für „Gefühle“ zuständig, sondern für „harte“ Arbeit. Heute Gott sei Dank hat sich das verändert, aber auch dank der Familie, die Gott durch das Sakrament „segnet“. 
      Die naturelle  Bedürfnisse sind gleich geblieben, wie z.B. ess- und sexuelle Bedürfnisse. Früher eine homosexuelle Gemeinschaft war kaum möglich. da außer sexuellen Bedürfnissen, die anderen in so einer Gemeinschaft nicht bedeckt werden konnten. 
       Genauso eine Frau. Ihre Rolle in der Familie und der Gesellschaft hat sich ebenso stark weiterentwickelt, vor allem durch die Industrialisierung, dann zusätzlich  durch die gelebte  Emanzipation aber auch durch die Änderung der Mannesrolle. 
      Trotzdem sind wir alle nicht „heilig“, und unseres Glück ist relativ gewachsen. Jeder braucht die „andere Hälfte“ um  ein „besserer“ Mensch (oder sogar eben ein Mensch) zu werden, und am Ende des Lebens eine gute Bilanz vorzuzeigen.  Die Frage lautet:  kann oder muss ich das Wort „Familie“ relativieren oder geht es auch anders? Familie hatte und hat  auch die Funktion der Fortpflanzung, um die menschliche Art zu bewahren. Kann dies eine andere Gemeinschaft? Ok, wird einer sofort sagen, es gibt doch die medizinische Entwicklung die uns versorgt, und auch gleichgeschlechtlichen Familien Kinder zur Erziehung geben kann. Kennen wir auch all die Konsequenzen, die  für das Wohl der Kinder als Erwachsene da sein werden oder entstehen können? Dass sie weiterleben, wissen wir jetzt bereits. Es geht aber um die  Qualität des Lebens und um Altwerden.  Und es geht immer noch um die Frage nach der „Heiligkeit“ – kommen sie auf diesem Weg dorthin, ohne das Sakrament der Ehe?

  5. KRP sagt:

    Meine Gedanken kreisen irgendwie um den Ausdruck den @Silvia gebraucht hat „Eccelsia semper reformanda“ und denke P. Hagenkord ist in seinem Bericht sicher auf dem rechten Weg, er schreibt ja: „Gott und Gottesferne im eigenen Leben zu entdecken“ erst wenn man Gott entdeckt hat und auch weiss das Gott einem auch mal fern sein kann weiss man was es heißt „Reform im eigenen Leben und im Leben anderer zu erkennen und zu verstehen.
    Was also heißt Ecclesia semper reformanda bzw. bedeutet das? In der reformatorischen Sicht ist die Kirche der Ausgangspunkt (und Gegenstand) der Veränderung. Es geht dabei nicht um eine unendliche Reform, auch nicht um eine Reform der Reformation, vielmehr um eine reformatorische Reform. Das heisst dann: Immer wieder entschiedene Umkehr zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn, zu seiner Verheissung und zu seinem Gebot. Es geht also weniger um Strukturveränderungen, vielmehr um geistliche Erneuerung.

    Die Reformation ist eine Sache Gottes; sie sollte nicht aus Angst (z. B. vor leeren Kirchenbänken), sondern von seiner Verheissung her geschehen bzw. erwartet werden. Sie sollte immer aus dem Motiv geschehen: Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

  6. Dies nochmal aus meinen vorigen Blogeintrag: Was mich auch sehr bedrückt ist das andere Familienformen z.B. Alleinerziehende Mütter oder Väter, Wahlfamilien, in der kath. Kirche einen so niedrigen Stellenwert einnehmen. Was sind denn, Orden, wo Geistliche Zusammen leben, ist das nicht auch eine Wahlfamiele?
    Gibt es Ideale Familie? Was ist denn eine ideale Familie? Mama, Papa, Kind in kath. Kirchlich getraut. Mutter zu Hause bei den Kindern? Ist das die Wirklichkeit?
    Was ich verstehen kann das die Kirche den Ideal Fall predigen muß, aber sie sollte andere Falilienformen anerkennen! Es fühlen sich soviel Menschen ausgeschlossen. Es kann doch nicht sein das die Kirche sagen darf, ihr die das Ideal der Kirche nicht lebt, seit zweite Klasse Christen. Vor Gott sind alle gleich aber die Kirche versucht anzugleichen. Ich bin sehr gespannt ob es in dieser Frage mit Franziskus zum Ideal Bild der Familie auch ein anders Bild geben wird.

    • chrisma sagt:

      @Carmen Fink, danke das Sie Ihre Vorstellung von“ Familie“ es nochmal wiederholt haben. Es auch die Meine.

    • Silvia Brückner sagt:

      Liebe Carmen Fink, auch meine volle Zustimmung zu dem, was Sie über Familie sagen.

      Die Kirche grenzt durch ihr einseitiges Familienbild, ja, ich möchte sagen, ihr einseitiges Bild vom idealen Menschen, nicht nur viele Menschen aus, sondern sie grenzt sich inzwischen selbst von der Gesellschaft der „normalen“ weil eben nicht idealen Menschen aus.

      Dabei wird aber weiter unverdrossen Liebe und Barmherzigkeit gepredigt.

  7. Elisabeth sagt:

    @Kathariadiekleine
    Es ist das Geheimnis der 10 Gebote Gottes, dass sie mit „Du SOLLST“ beginnen, nicht mit „Du MUSST“…
    Warum wir „sollen“…das herauszufinden liegt ja an uns! Einfach mal testen *zwinker*
    In meiner Schulzeit galt es noch folgendes auswendig zu lernen:
    4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass du lange lebest und es dir wohl ergehe auf Erden“
    Wir haben dies damals ganz normal als Richtlinie für ein gelingendes Leben aufgefasst…wie auch die Beachtung der anderen 9 Gebote.

    Natürlich ist es ein Glücksfall (immer gewesen) in einer „idealen“ Familie aufzuwachsen und Sie haben Recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass uns spätestens zu Weihnachten bewusst werden sollte, dass man zwischen (heilige) „Familien-Ideal“ und „Familien-Idylle“ sehr wohl zu unterscheiden hat!!

    • smilodon sagt:

      Es heißt im Original weder „du musst“ noch „du sollst“, sondern schlicht und einfach: „Ehre deinen Vater und deine Mutter…“, „Morde nicht!“, „Brich nicht die Ehe!“, „Stiehl nicht!“…
      Das Wort „sollen“ ist erst bei der Übersetzung passiert. Nicht dem Hieronymus, sondern erst dem Luther.

      • smilodon sagt:

        Ergänzung:
        Wenn man es ganz genau nimmt, steht im Original so eine Art Futurum (also in etwa: „Du wirst nicht töten.2, „Du wirst nicht stehlen.“). Das klingt sogar noch schärfer als ein Imperativ. In manchen ganz neuen Übersetzungen wird an diesen Stellen auch das Futurum verwendet, was sich aber (zumindest meiner Meinung nach) etwas seltsam anhört, nicht wegen des Anspruches der Gebote, sondern wegen der Grammatik.
        Wie dem auch sei: Es ist nichts mit dem allzu harmlosen „sollen“. Das sind schon ziemlich heftige Forderungen, die keinen Widerspruch dulden. Zumindestens im Original.

  8. Katharinadiekleine sagt:

    Ich möchte noch auf etwas anderes hinaus. Das Interessante ist ja, dass die Katholische Kirche dieses Familien-Ideal hat. Und die Ehe als Sakrament. Die Evangelische Kirche hat diese Orientierungshilfe herausgegeben, in der sie betont, dass alle Formen des gedeihlichen Zusammenlebens segenswürdig sind. Der Familienbegriff wird stark erweitert. Es gibt also beides, auf der einen Seite die Betonung der „Heiligen Familie“ und auf der anderen Seite die Betonung der erweiterten Familie, es zählt, was gelebt wird. Die Katholische Kirche hat ihre Schwierigkeiten ihren Familienbegriff den Menschen verstehbar zu machen, weiß selbst nicht so genau, woher sie diese „Heiligkeit“ der Familie nimmt. Und die Evangelische Kirche ihrerseits ist sich uneins mit dieser Orientierungshilfe, scheint auch nicht so genau zu wissen, warum sie diesen Familienbegriff vertritt. Ja, und jetzt wäre es doch einmal interessant zu fragen, worin jede Kirche Recht hat. Auf welche Wahrheit bezieht, stützt sich da die jeweilige Seite? Und wäre eine Zusammenschau, ein Sowohl als Auch, statt ein Entweder-Oder nicht die ganze Wahrheit? Familie ist heilig und Familie ist, was gelebt wird?

  9. chrisma sagt:

    Wir dürfen nicht einfach unsere Geschichte mit all ihren Irrtümern abschaffen. Sie ist nicht zuletzt das Gebäude aus dem die europäische Geistesgeschichte „gebaut“ wurde. Den Ausgangspunkt dafür liefert die Bibel und da herum haben wir „auftragsgemäß“ unsere Kirche gebaut. Aber wir dürfen und müssen überdenken was erhaltenswert ist und auf was wir verzichten können. Dazu gehört zuerst, ob wir im globalen Zeitalter der schnellen Kommunikationswege noch einen unbeweglichen Apparat erhalten müssen. Wir haben ja bereits in der Anlage vorhanden eine – wie wir es nennen- synodale Struktur und die gilt es mit Leben und Inhalten zu füllen, erfinden müssen wir sie nicht, sie muss nur wieder belebt werden und mit Kompetenzen gefüllt werden. Ein anderes was wir überdenken müssen, ist das unglückselige Pflichtzölibat. Längst ist der Grund dafür in Vergessenheit geraten, es wurde mit seltsamen Inhalten umrankt und hat nie und zu keiner Zeit je wirklich geklappt. Wir müssen es nicht zur Gänze abschaffen, bei unseren Orden ist es richtig angesiedelt. Die unierten Kirchen geben gute Beispiele wie es gehen kann. Was ist an dem guten, alten lutherischen Pfarrhaus so schlecht? Der Zölibat ist noch nicht mal ein Dogma. Aber schon der gedachte Gedanke an eine Veränderung hier löst bei einigen „Rothüten „ Schnappatmung aus.
    Die Wirklichkeit steht schon lange über der “Idee“ wenn wir vom Familienideal der katholische Kirche ausgehen, schon im 19. Jahrhundert, als es als Klischee im neu entstehenden Bürgertums aufkam, war es eine viktorianische Postkarte mehr nicht. Realität in Familie, meint heute Ehepartner die beide arbeiten wollen und müssen, alleinerziehende Mütter oder Väter, Patchworkfamilien, gleichgeschlechtliche Paare die Kinder großziehen, Wahlfamilien, dies verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung nicht unseren „Ausschluss. Unsere Kirche hat gerade im 19. Jahrhundert ein paar Vorstellungen entwickelt die wir getrost über Bord des Kirchenschiffs werfen können. Dazu gehört auch die von Prüderie geprägte Vorstellung was „Sexualität“ ist. Belassen wir es dabei. Geschichte, Tradition JA, aber starres Festhalten an überkommenen, überlebten Vorstellungen NEIN. Geistige Erneuerung ja hundertmal ja, aber sie kann nur gelingen wenn wir die gelebte Wirklichkeit der Menschen akzeptieren, respektieren, anstatt Ihnen ein starres Glaubensgebäude „aufzuzwingen“. Dies verdeckt Gott und seine grenzenlose Liebe zu uns.

    • Silvia Brückner sagt:

      Liebe Chrisma, Sie glauben gar nicht, wie sehr Sie mir mal wieder aus dem Herzen sprechen.

      Und @Elisabeth, was das 4. Gebot angeht, das gilt auch umgekehrt. Respekt und Fürsorge im Alter können nur diejenigen Eltern erwarten, die zuvor ihre Kinder mit Liebe und Respekt vor deren Persönlichkeit großgezogen haben.

      Vater wird man nicht nur, indem man ein Kind gezeugt hat und Mutter nicht nur, indem man das gezeugte Kind ausgetragen und geboren hat, damit fängt das Elternsein erst an.

      • chrisma sagt:

        @Liebe Silvia genau, ganz genau. Auch Sie haben die wichtigsten Punkte im verhältniss Kind- Eltern angesprochen.

        • Carmen Fink sagt:

          Liebe Silvia, liebe Chrima sie sprechen mir beide aus dem Herzen. Beten wir dafür das alte Zöpfe abgeschnitten werden und allen Lebensformen die hier beschrieben wurden der nötige Respekt und Anerkennung entgegen gebracht wird.

  10. Katharinadiekleine sagt:

    Ich möchte meine Gedanken hier noch zu Ende denken, bzw. die Fragen beantworten, die ich (mir) gestellt habe und darauf zurückkommen, warum ich eingangs von einem „aufgemachten Fass“ und dem Hasen im Pfeffer geredet habe:
    1. Das Ideal. Es kann ja nun nicht darum gehen, das Ideal abzuschaffen oder zu relativieren, nur weil wir es nicht schaffen, das Ideal zu leben. Das Ideal ist eben das Ideal. D. h. es ist eine Orientierung, es ist ein Fixstern am Himmel, der uns leitet, der uns „idealerweise“ Mut und Kraft und Freude, Klarheit schenken sollte. Das Ideal wird erst dann zur Bürde, wenn es als Moralkeule geschwungen wird. Das ist dann Missbrauch des Ideals. Wir beten immer wieder im Vaterunser diesen Satz „Wie im Himmel so auf Erden“. Da beten wir um das „Ideal“.
    2. Die Katholische Kirche vertritt die Heiligkeit der Familie, die Evangelische Kirche betont die Segenswürdigkeit allen gedeihlichen Zusammenlebens. Welche Wahrheit („wie im Himmel“) steckt da jeweils dahinter?
    Ich fange bei der Evangelischen Kirche an. Jesus Christus hat uns alle zu einer großen Menschheitsfamilie gemacht. Er hat uns in ein familiäres Verhältnis und in eine familiäre Verantwortung zu anderen Menschen gestellt und eingebunden. Das ist die Wahrheit hinter der Segnungswürdigkeit des Zusammenlebens von Menschen in Liebe und Respekt füreinander. Es geht sogar noch weiter. Das familiäre Verhältnis wird auf die ganze Schöpfung ausgedehnt, auch auf Schwester Sonne, Bruder Wind und Schwester Wasser, Bruder Tier, wie der Hl. Franziskus uns gelehrt hat. Mutter Erde können wir gleich noch hinzufügen.
    Jetzt beschäftigt mich noch die Frage, warum die Katholische Kirche die Heiligkeit der Vater-Mutter-Kind-Familie zwar vertritt, aber nicht vermitteln kann, dass die Menschen es verstehen könnten. Der „Hase im Pfeffer“ ist die Rolle der Frau … Die Rolle Marias. Maria gehört nicht zur Trinität – sagt die Katholische Kirche. Die Trinität ist also ein „Vater-Sohn-Unternehmen“, obwohl Maria Gottesmutter genannt wird und Königin aller Engel. Obwohl sie Gottesgebärerin ist, den Gottessohn groß gezogen hat, sein Leben begleitet hat und sein Sterben. Jede Mutter weiß, was es bedeutet, das eigene Kind leiden zu sehen, da reicht eine simple Krankheit. Da möchte man lieber selbst als Mutter leiden, als das eigene Kind leiden zu sehen. Mit ansehen zu müssen, wie das eigene Kind gefoltert und zu Tode gequält wird, das ist das Leiden des Kindes in potenzierter Form! Maria ist in den Himmel eingegangen. All das ist passiert, trotzdem lässt die Katholische Kirche jedes Jahr an Maria Himmelfahrt die Gottesmutter kurz vor ihrer Landung an der Seite von Vater und Sohn und zwar auf Augenhöhe!, kurz vorher abstürzen. Mit abstrusen verbalen, theologischen Verrenkungen, die kein Mensch begreifen kann. Nein! Die Heilige Trinität, die Dreiheit ist diese Heilige Familie, Vater, Mutter, Sohn. Und in dieser Dreiheit als Einheit wirkt der Heilige Geist. Da haben wir sie – die Heilige Familie. Die Trinität ist die Heilige Familie. Würde die Katholische Kirche Maria als gleichwertiges Gegenüber von Vater und Sohn anerkennen, das Weibliche genauso trinitarisch – tja, sie hätte, na ja, ein dickes Problem, gelinde gesagt. So kann man halt weiterhin die Frauen etwas kleiner halten, als sie in Wirklichkeit sind … aber die Menschen fangen an, selber zu denken … vor allem die Frauen!
    Und hier schließt sich der Kreis: die ganze Schöpfung ist trinitarisch und sie ist Familie! Deswegen ist das Sowohl-als auch der beiden Kirchen, die Ökumene, die ganze Wahrheit.

  11. Elisabeth sagt:

    @chrisma schreibt mir zu viel von „Wir“…machen, füllen, erfinden, beleben…ja, was eigentlich?
    Es sollte der HERR sein, der dies durch uns tun könnte, wenn „Wir“ es zuließen.
    Das Ego steht halt so oft im Wege…*seufz*.

    Natürlich gab es vor und zur Zeit Jesu verschiedene Formen des Zusammenlebens, die aber bekanntermaßen nicht immer fromm gelebt wurden und auch nicht selig endeten.
    Das AT ist beredtes Zeugnis genug!
    „Familie“ war damals wie heute nicht leicht zu leben, aber gibt es was Besseres?
    chrisma scheint es ja ganz gut hinbekommen zu haben, vielleicht auch deswegen, weil Sie ( unbewusst?)das Ideal der „Heiligen Familie“ vor Augen hatten?

    In meiner Familie lebten durch lange Jahre vier ledige Großtanten, ein lediger Großonkel, unsere beiden Elternteile und wir fünf Kinder unter einem Dach.
    12 Personen bildeten also die „Lebensform einer Sippschaft“; die alten Leute starben im“ Zweijahresrythmus“ daheim im Beisein der Familie und wurden auch in der Stube aufgebahrt.
    Bei dieser Gelegenheit lernten wir Kinder nebenbei das Rosenkranzgebet durch die (betende)Anteilnahme der Dorfbevölkerung kennen ….
    Könnte dieses „Familienmodell“ heute überhaupt noch gelebt werden? Ohne staatliche „Überwachung“??
    (Es wird aber in absehbarer Zeit wieder BE-lebt werden (müssen), wenn wir nicht alle eines Tages aus ökonomischen Gründen „vor der Zeit“ entsorgt werden sollen; ich denke, dass sich die Zeit, wo jeder/jede seine „Lebensform“ ohne Rücksichtnahme (auf die nächste Generation=Gesellschaft) wählen kann, die ihm / ihr grade behagt, neigt sich eh dem Ende zu!)

    Da ich hier schon lange mitlese, verfolge ich mit einer gewissen Erheiterung (sorry, das musste sein!) die Behandlung (vorwiegend durch Frauen?) des Themas „Zölibat“ .
    „Pflichtzölibat“ gibt es nicht; es ist niemand verpflichtet, zölibatär zu leben; man(n) wird ja nicht gezwungen, Priester zu werden. Da hat Gott ja das letzte Wort, oder??
    Der Zölibat kann genau so glückselig gelebt werden, wie unglückselig. Beides gilt auch für die „Pflichtehe“. Oder sollte die (Pflicht)Monogamie abgeschafft werden, weil eh jeder/jede im Laufe der verordneten Zweisamkeit (=Ehe?) „bigamistisch “ leben möchte??

    @Carmen Fink
    Man ist gerade dabei, alte Zöpfe abzuschneiden und allen nur erdenklichen Lebensformen zu huldigen; die Folgen sind sicht-und spürbar, werden aber brett-vorm-kopf-mäßig ignoriert. Im Sinne von „ist nicht so schlimm, wir schaffen und ja grade selber ab“!

    @smilodon
    Ruth Lapide hat das „Original“ einmal wunderbar ausgeleuchtet; auf den ersten 3 Geboten fußten die restlichen 7:
    Du WIRST nicht verachten, töten, stehlen, lügen, ehebrechen….WENN du an EINEN Gott glaubst, SEINEN Namen nicht verunehrst und SEINEN Tag heiligst…einleuchtend, nicht?

    • chrisma sagt:

      @Elisabeth, das Ideal von Familie hatte mein Gatte immer vor Augen, in einer ähnlichen Familientradition wie Sie sie beschreiben aufgewachsen, hat er es nie aus den Augen verloren. Selbst sind mein Bruder und ich durch den frühen Tod unseres Vaters in katholischen Internaten groß geworden. Als ich das Internat nach dem Abitur verließ, war erst mal „Frauenbewegung „ angesagt, naheliegend, denn unsere Nonnen hatten uns auch zu denkenden jungen Frauen erzogen. Ich war also, als ich meinen Mann kennenlernte, sehr weit von der „heiligen“ Familie entfernt. In die Welt wollte ich als junge Ärzte hinaus, Menschen helfen, die Welt verändern. Mein Mann auch, der meinte aber was brauch ich „Sozialismus“, ich hab die Bergpredigt!!!!! Wir brachen auf nach Lateinamerika, meinem Wunschkontinent, hatten aber ohne es zu wissen im Himmel bereits zwei Kinder (Zwillinge/Buben) bestellt. Kurz drauf kamen kurz hintereinander noch zwei Buben. In den Anden habe ich meinen Glauben wiedergefunden, habe durch das „Teilen der Bibel“ auch spanisch gelernt, zuerst aber die unverfälschte Botschaft der Bibel neu gesehen, habe den Rosenkranz wiederentdeckt, der in den Internatsjahren oft zur „Buße“ gebetet werden musste. Aber es war und ist auch eine politische Kirche, eine Kirche für die Armen, die ich dort kennengelernt habe, so wie sie heute von Papst Franziskus vertreten wird. Jesus hat uns eine eindeutige Botschaft hinterlassen, aus dieser Botschaft heraus handeln wir. Zurück in Europa war es GroMa 86 Jahre alt. (Mutter meines Mannes), die unseren Kindern, mehr als ich, den Glauben in seinen europäischen Traditionen nahebrachte, sie unterstütze unsere Familie als ich eine Facharztausbildung machte. So bekreuzen auch heute noch unsere Söhne mit ihren Familien jeden Laib Brot der gekauft wird, es werden Tischgebete gesprochen, katholisch sein ist ganz natürlich. Aber wir sind eine „rheinisch-katholische“ Familie (auch GroMa). Lachen, Humor, nicht katholischer sein als der Papst, leben und leben lassen, wenn der „noch Kardinal“ mal wieder über die Stränge schlägt: nun gut jeder Jeck ist anders….. Mein ganzes Credo geht dahin die anderen Formen des Zusammenlebens in unserer Gemeinschaft mit aufzunehmen, sie als gleichberechtigt zulassen. Daran gehen wir nicht zu Grunde, daran wachsen wir. Über Ihre Bemerkung zu Frauen und der Betrachtung des Zölibat habe ich herzlich gelacht, sicher kann es erfüllend sein den Zölibat zu leben, aber nirgendwo ist zwingend festgeschrieben das ein Priester nur zölibatär ein Priester sein darf. Jeder kann und soll seine Ehe, das zusammenleben so leben wir er es möchte und kann, persönlich glaube ich, dass Monogamie eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen einer Ehe oder welcher Form des Zusammenlebens auch immer ist.
      Zu Ihrem Anfang liebe Elisabeth WIR meint uns als Kirche, das ICH erscheint mir zu individuell. „machen, erfinden, füllen, beleben“ finde ich gut, war ich aber in den letzten Beiträge nicht, hört sich mehr nach der kleinen Katharina an. Aber die Begriffe passen gut zu einer Kirche die sich im Aufbruch und Umbruch befindet. Gott hat seine Kirche bis an diesen Punkt geführt und er wird sie auch in dieser Phase nicht verlassen. Ihnen einen gesegneten Sonntag

    • Carmen Fink sagt:

      Liebe Elisabeth,
      ich möchte sagen ein Brett vor dem Kopf habe ich nicht, dass möchte ich mi verbieten. Ansonsten sehe ich es genauso wir Chrisma: Mein ganzes Credo geht dahin die anderen Formen des Zusammenlebens in unserer Gemeinschaft mit aufzunehmen, sie als gleichberechtigt zulassen. Daran gehen wir nicht zu Grunde, daran wachsen wir, Danke Charisma.
      In diesen Sinne einen schönen Sonntag.

  12. Arnd sagt:

    Ich denke die Kirche hat hier einen anderen Ansatz und unter Franziskus wird er hoffentlich auch praktisch werden: Das Ideal ist die Familie Vater Mutter Kind. Als Patchwork-Kind kann ich aus eigender Erfahrung diese Wahrheit für mich anerkennen, das fällt mir leicht. Dass die Realität immer oder meistens nur aus Annäherungen an das Ideal besteht, ist aber ebenso wahr und hier ist das Versäumnis der Kirche, nicht eine Theologie der „Annäherung an das Ideal“, die u.a . von Kardinal Schönborn vorsichtig propagiert wird, zu vertreten. Es ist nicht sachgerecht und unbarmherzig, jede Abweichung vom Ideal einfach moralisch zu verwerfen und mit Nichtachtung oder gar der „Strafe“ des Nichtkommunizierendürfens zu belegen. Ich frage mich aber abdersherum oft, warum Beziehungen, die dieses Ideal nicht verwirklichen, unbedingt auch ideal genannt werden wollen und laut den „Toleranten“ auch sollen. Dies verdunkelt die Wahrheit. Es ist nicht alles gleich und nicht alles gleich viel wert.
    Aber vielleicht ist die eine Haltung nur die Reaktion auf die andere und wenn die Kirche sich in Sachen Familienmoral öffnet, werden auch die Betroffenen insgesamt gelassener.

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