Nach der Libanonreise: Die Bilder im Kopf

Und jetzt? Einige Tage nach der Rückkehr des Papstes aus dem Libanon scheint alles schon wieder lange vorbei. Was hat es gebracht? Für die Menschen, für den Frieden, den der Papst so oft und immer wieder betont hat? Schon am Tag danach gab es erneut Aufrufe zu Demonstrationen und damit leider auch zu Spaltungen und Konflikten, auch im Libanon selber. Also: Was hat es gebracht?

Zuerst hat es den Libanesen und den Nachbarn Solidarität gebracht. Sie sind in ihrem Widerstand gegen Gewalt nicht allein. Während der Westen Politiker in die Präsidentenpaläste und ansonsten Drohnen schickt, kommt der Papst selber.

Damit hat er gezeigt, dass Dialog möglich ist. Er wird nicht über Nacht den Frieden schaffen, aber das ist es ja eben: Frieden muss wachsen, und zwar auf Versöhnung. Nach so vielen Jahren des Misstrauens, der Gewalt, auch des Einflusses von Außen, ist es nicht einfach, einander zu vertrauen. Also muss das allmählich wachsen. Gerade der Papst steht dafür, nicht auf den schnellen Effekt sondern auf das tiefer liegende, das Grundsätzliche zu setzen. Die Rolle der Religion für den Menschen, die Rolle des Glaubens für das Zusammenleben und so weiter. Das sind alles Fragen, die für den Nahen Osten virulent sind. Aber es sind keine Fragen, die sich mit einem schnellen Abkommen lösen lassen.

Der Papst hat sich nicht zu diesem unsäglichen Video geäußert: Das unterstreicht noch mal meinen Punkt. Es ging nicht um den politischen Alltag, sondern darum, das darunter Liegende anzusprechen.

Die Bilder, die wir auf dem Bildschirm und in den Zeitungen sehen, zeigen uns Gewalt. Wir haben uns schon so sehr daran gewöhnt, dass wir nur noch steinewerfende Jugendliche sehen, wenn wir „Naher Osten“ hören. So zeigen uns auch die Bilder in unserem Kopf Gewalt und Unruhe und Krieg und Unterdrückung. Um so bedauerlicher ist es, dass die Bilder von dieser Papstreise, die ein anderes Bild des Nahen Ostens zeigen wollten, so wenig Beachtung fanden.

Was hat die Reise also gebracht? Den Menschen vor Ort viel. Wir im Westen – gespiegelt von unseren Medien – wollten nicht wirklich viel davon mitbekommen. Schade eigentlich.

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