„Neuvermessung des öffentlichen Raumes“

Es hat etwas von Entdeckungsreise: Vermessung der Welt, dazu gab es einen Roman mit dem Titel. An diesem Mittwoch ist der Begriff bei einem Vortrag in Rom gefallen, der Intendant des BR, Ulrich Wilhelm, hat ihn in die Debatte um Digitalisierung und Ethik der Medien geworfen.

Wir können immer mehr und immer schneller, gleichzeitig trennen uns die Medien zunehmend voneinander, weil wir zunehmend individualisiert mit Nachrichten und Posts beliefert werden. Die Suchmaschinen kennen uns sehr gut und bieten und nur an, was uns in unseren Haltungen konsumverstärkend bestätigt.

BR Intendant Ulrich Wilhelm bei dem Vortrag in Rom

Ulrich Wilhelm bei dem Vortrag in Rom

Eine Lösung wäre, so Wilhelm, andere Algorithmen zu programmieren, die Menschen auch das anzeigen, was nicht in ihre Filterblase gehört. Der BR arbeite gerade daran, man wolle sich nicht auf die großen Konzerne verlassen und ihnen die Regelungsmacht für die Öffentlichkeit überlassen.

So könnten auch Menschen, die Teile der Realität ignorierten, mit Inhalten in Kontakt gebracht werden, die sie von sich aus eher nicht aufsuchen würden.

Was sich wie eine Erziehungsmaßnahme anhört, ist finde ich ein spannendes Experiment. Dahinter liegt die Frage, wem wir den öffentlichen Raum, die Öffentlichkeit, überlassen wollen. Wer darf das bestimmen? Facebook? Google?

 

Wer bestimmt?

 

Die Debatte um neue Gesetze zeigt ja, dass das akut ist. Und es hat ja auch Auswirkungen auf unsere Demokratie. Wilhelm brachte das schöne Beispiel des Brexit: viele junge Menschen meinten, das Engagement im Netz gegen den Austritt sei genug, sie hätten dann aber nicht gewählt. Netz-Debatte reicht also nicht, sie muss sich in die Realität der Wahlzettel übersetzen.

Dahinter liegt immer die Frage, wie wir unseren öffentlichen Raum eigentlich bestimmen. Was ist das heute, die Öffentlichkeit? Sie ist eine andere als noch vor zwanzig Jahren, flüssiger, aufgeteilter.

Neuvermessung, das wäre nun der Versuch, auf Entdeckungsreise zu gehen und sich zu fragen, wo heute alles Öffentlichkeit ist und wie Demokratie da funktionieren kann. Zukunftsfähig funktionieren kann. Dass der BR-Intendant das tut, finde ich ermutigend, denn gerade die öffentlich-rechtlichen Medien müssten hier voran gehen, weil sie einen anderen gesellschaftlichen Auftrag haben, als die anderen Medien. Organisierte Gesellschaft will diese Medien ja, weil sie nicht abhängig sind vom Markt. Oder besser: nicht so abhängig sein müssten.

Man müsste diese Medien nun von der Leine lassen, sie auch in der digitalen Welt mehr machen lassen, auch wenn das den Verband der Zeitungsverleger nicht amüsiert. Es wäre jedenfalls ein Experiment wert, öffentlich-rechtliche Digitalmedien zu unterhalten.

Schreihälse, die mit Unwahrheiten Wahlen gewinnen (wollen) gibt es nun wirklich genug, denen muss man die Öffentlichkeit nicht überlassen.

 

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7 Kommentare zu „Neuvermessung des öffentlichen Raumes“

  1. Heidi sagt:

    Die GEZ-Medien, zu denen auch der BR gehört, konnten es bis heute nicht überwinden, daß es in Großbritannien Zeitungen gibt, die ihr Ziel des sozialistischen Zentraleuropas nicht teilen.
    Jetzt gilt ihr Kampf den neuen (freien) Medien in Deutschland, denen es zunehmend gelingt, ihr Meinungsmonopol zu brechen, natürlich um den dummen Wählern vor Gedanken zu schützen, die sein Wahlverhalten negativ beeinflussen können.

    Das kann man Neuvermessung des Raumes nennen, aber auch den Versuch, eine Meinungsdiktatur zu errichten.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Mit Verlaub, das ist doch Unfug. Wir haben eine großartige Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit bei uns. Sie stößt nur da an rechtliche Grenzen, wo es üble Nachrede und Verleumdung gibt. Außerdem, den öffentlich rechtlichen Medien den Traum eines „sozialistischen Zentraleuropa“ zu unterstellen, zeugt entweder von zu viel Phantasie oder von Paranoia.

  2. Stefan sagt:

    Vielen Dank für den guten Denkansatz!

    Aber es muss, statt „andere Logarithmen zu programmieren“ sicherlich „andere Algorithmen zu programmieren“ heißen. Ich bin normalerweise nicht pingelig mit Tippfehlern, aber das ist eine ziemlich heftige Bedeutungsänderung …

    • Roswitha Steffens sagt:

      Ich denke, Logarithmen brauchen die persönliche Identität des Menschen. Algorithmen hingegen sind der natürliche Anspruch durch den der Mensch seinen persönlichen Logarithmus finden kann.

  3. Roswitha Steffens sagt:

    Manchmal denke ich, das Internet bietet uns die Wahrheit, mit der wir lernen müssen in der Wirklichkeit umzugehen. Menschen machen sich anonym, um dadurch der Wahrheit ihre Identität zu entziehen und damit der Macht den Einfluss zu geben, den sie durch das Vertrauen von Menschen hat.

    Wir glauben was wir sehen, lesen und hören, denn es sind tatsächliche, menschliche Vorgänge. Nur welche Menschlichkeit legen wir diesen Tatsachen zu Grunde? Ist es wirklich ein Gutes zu sagen, der Mensch sei schlecht, verlogen, unaufrichtig und ein nicht bezwingbares Übel in unserer Gesellschaft? Ich glaube allein Gott kann uns die Kraft geben, die wir brauchen, um Wahrheit zu unterscheiden, zu differenzieren wer uns Informationen vermittelt und wer uns in seiner Welt einsperren möchte.

    Eine Welt ohne Gott ist die Wahrheit ohne Gott und eine Welt mit Gott ist die Wahrheit mit Gott. Wer oder was also ist Gott? Für mich sammelt sich in Gott all das, was uns zur Verfügung steht, weil wir aus dem Nichts geboren sind, um es für Gott zu identifizieren und ihm zu sagen, woraus unser Wort die Kraft schöpft, die über alle Zeiten hinaus bestehen kann, um die Menschheit im Guten anzuleiten. Worte können vermitteln was uns Energie schenkt, die wir so dringend brauchen, um als Mensch mitzuerleben, was es bedeutet dem Leben das Gute abzugewinnen, indem man sein Wesen dafür einsetzt, ihm Identität als Person zu schenken.

    Der öffentliche Raum ist also der Platz an dem Wahrheit durch ihre Identität vertritt, wer ihr mit Herz und Verstand seine Stimme gibt. Ich vertrete Gott überall dort, wo er mir in Form des Wesens begegnet, das mir das Leben schenkte, um es mit denen zu teilen, die all ihre Kraft aus eben diesem Wesen schöpfen, welches sich in Gott sammelt, mit ihm lebt und durch ihn ausspricht, was Er zulässt, um uns vor uns selbst zu beschützen. Wir sind die Menschheit, die vor Gott stand mit all den Eigenschaften, die die Natur in uns legte um daraus das Wesen zu gewinnen, dessen Lebensraum sich selbst anlegte, um bewusst Mensch zu werden.

    Gott dient dem Willen des Volkes, das seinen wahren Herrn durch die Wahrheit erhört, um den Lebensraum der Menschheit zu erhalten. Er stellt sich denen entgegen, deren anonyme Wahrheit nur Macht über die erzeugt, die sich selbst nicht als Menschen hinterfragen.

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