Nicht auf dem Mobiltelefon herum tippen

Der Papst in Ägypten: In etwa einem Monat wird Papst Franziskus wieder auf Auslandsreise gehen, und das besuchte Land war lange nicht auf den Listen der Vatikanbeobachter.

Auch wenn das Programm noch nicht veröffentlicht ist, braucht es nicht viel, um zu raten, was stattfinden wird. Da wird natürlich die Begegnung mit dem Staat sein, also mit Präsident Abd al-Fattah as-Sisi. Kritiker der Welt, bereitet euch jetzt schon einmal vor, dagegen an zu schreiben.

Dann wird es eine ökumenische Begegnung geben mit dem Patriarchen der koptisch-orthodoxen Kirche, Tawadros II., gerne auch Papst Tawadros genannt, denn das ist sein Titel in seiner Kirche.

Einer muss halt anfangen: Shimon Peres (l) und Mahmud Abbas, dahinter der Papst beim Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten 2014

Einer muss halt anfangen: Shimon Peres (l) und Mahmud Abbas, dahinter der Papst beim Friedensgebet in den Vatikanischen Gärten 2014 (c) Reuters

Natürlich wird er die Katholiken – dort vor allem koptisch-orthodoxe – besuchen und allgemein bei diesen Treffen die Rolle der Christen würdigen.

Und dann ist da die Azhar Moschee und Universität, eine der wichtigsten sunnitischen theologischen Institutionen des Islam. Gemeinsam hatte man erst unlängst eine Tagung veranstaltet, der Imam der Moschee war auch bereits bei Papst Franziskus, es steht also zu vermuten, dass der Papst das irgendwie erwidern wird. In einer Moschee war er bei seiner Türkeireise ja schon und der Dialog mit dem Islam steht seit Anfang an, seit seinem ersten Empfang für das diplomatische Corps im Vatikan 2013, auf seiner To-Do Liste.

Viel Dialog also. Was natürlich auch die üblichen Bedenkenträger auf den Plan rufen wird. Was wie üblich aber den Papst nicht davon abbringen wird, das zu machen, was er für nötig hält.

Und das ist nun einmal der Dialog.

 

Der Papst in Ägypten, bei Kopten und Muslimen

 

In einen Dialog kann man nicht eintreten, wie die schräge deutsche Formulierung sagt, indem man vorher festlegt, worüber man redet und sich also vorab abstimmt. Dialog ist, wenn einer anfängt und damit ein Risiko eingeht, etwa das, abgelehnt oder missverstanden zu werden. Aber so ist das zwischen uns, einer fängt an und dann ist der andere oder sind die anderen dran. Das ist Dialog.

Dialog ist nicht statisch, ist kein Nähe- und Abstandsverhältnis, Dialog entsteht im Gehen, im Reden, im Tun. Und dieser Papst wird nicht müde zu betonen, wie wichtig es ist, immer und mit allen zu reden. „Einer der Titel des Bischofs von Rom ist Pontifex, das heißt Brückenbauer – Brücken zu Gott und zwischen den Menschen. Ich wünsche mir wirklich, dass der Dialog zwischen uns dazu beiträgt, Brücken zwischen allen Menschen zu bauen, so dass jeder im anderen nicht einen Feind, einen Konkurrenten sieht, sondern einen Bruder, den er annehmen und umarmen soll!“, so die bereits angesprochene Rede des Papstes vor den Diplomaten.

Es ist ein Thema, das er nicht nur den Diplomaten mitgibt, sondern auch am Familientisch platziert, buchstäblich: „wenn man nicht mehr miteinander spricht und jeder auf seinem Mobiltelefon herum tippt“, stirbt Dialogkultur.

 

Meine eigene Identität empfangen

 

Was also braucht es für einen Dialog, und machen wir mal den Konfliktfall auf: was braucht es für den Dialog mit dem Islam? Nicht die Abgrenzung, die Schulzuweisung, die Einsortierung des gesamten Islam in die Schublade „Gewalt“. Darauf kochen einige ihr Süppchen und spielen mit der Angst, Dialog und damit Fortschritt erzielt man aber nicht.

Man braucht eine eigene Identität, das ist richtig. Die bekomme ich aber nicht dadurch, dass ich mich auf einem festen Fundament wähne und Bücher oder Sätze heran ziehe. Auch der Verweis auf das „Abendland“ hilft nicht, das ist so dermaßen schillernd durch die Geschichte, dass man schon genauer werden muss.

Christlich gesehen bekomme ich Identität durch den Namen, den Gott mir gibt. Also durch Berufung. Identität ist also etwas, was ich suchen und hören muss, nicht etwas, was ich habe und das ich in Abwehrstellung bringen kann.

Was braucht es noch für den Dialog? Zeit. Bereitschaft. Theologie. Offenheit, auch die kritischen Dinge anzusprechen. Klugheit. Geduld. Fragen. Orte des Dialogs. Einen eigenen Glauben (auf englisch heißt „interreligiöser Dialog“ passenderweise „interfaith“). Und was die Angst vor dem Islam angeht, gab es an diesem Mittwoch ein interessantes Zitat von Kardinal Walter Kasper bei einer Buchvorstellung. Dort sagte er „Ich habe keine Angst vor dem Islam, ich habe aber Angst vor der Angst der Christen vor dem Islam.“

Papst Franziskus hat keine Angst. Wenn ihn etwas charakterisiert, dann sicherlich das. Er agiert angstbefreit. Und wenn er in einem Monat in Ägypten sein wird, dann können wir hoffen, dass der Dialog – oder besser die vielen einzelnen Dialoge – einen Anstoß bekommen.

Es wäre natürlich einfacher, auf dem eigenen Mobiltelefon herum zu tippen, sprich die Wirklichkeit nur gefiltert wahr zu nehmen und den Dialog, das Risiko, nicht zu suchen. Weiter bringen tut uns das nicht. Und genau deswegen fährt der Papst nach Ägypten.

 

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7 Kommentare zu Nicht auf dem Mobiltelefon herum tippen

  1. 31-03-2017 sagt:

    18. Sep. 2006:
    Kasper: Die Alternative zu Konflikt heißt Dialog. Dafür optieren die Kirchen, dafür ist auch der Papst. Wir wollen eine friedliche Auseinandersetzung. Die besteht freilich auch auf Gegenseitigkeit. Über die Schwierigkeiten darf man sich keine Illusionen machen…
    Man darf bei diesem Dialog nicht blauäugig sein. Der Islam verdient zweifellos Respekt. Er hat manches mit dem Christentum gemeinsam, wie den gemeinsamen Stammvater Abraham und den Ein-Gott-Glauben. Aber er hat sich schon am Anfang gegen das orthodoxe Christentum gebildet und versteht sich als dem Christentum überlegen. Tolerant verhält er sich bisher nur dort, wo er in der Minderheit ist. Wo er die Mehrheit hat, kennt er keine Religionsfreiheit in unserem Sinn. Der Islam ist eine andere Kultur, was nicht heißt, eine minderwertige Kultur, wohl aber eine Kultur, welche bis jetzt keinen Zugang zu dem gefunden hat, was die positiven Seiten unserer modernen westlichen Kultur ausmacht – die Religionsfreiheit, die Menschenrechte oder die Gleichberechtigung der Frau. (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-48902698.html)

    Folglich besteht hierzulande eine berechtigte Furcht davor, dass der Islam die (politische) Mehrheit in einem Staatswesen erlangt.

    • 31-03-2017 sagt:

      … und es folgt in diesem Sinne aus den Worten Kardinal Kaspers eine deutsche/europäische Obergrenze von <50% für muslimische Mitbürger im Verhältnis zu anderen Religionszugehörigkeiten, will man die bisher errungenen Freiheits- und Menschenrechte bewahren.

    • Suarez sagt:

      Ich repliziere frech:

      „Man darf bei diesem Dialog nicht blauäugig sein. Das Christentum verdient zweifellos Respekt. sr hat manches mit dem Islam gemeinsam, wie den gemeinsamen Stammvater Abraham und den Ein-Gott-Glauben. Aber es hat sich schon am Anfang gegen das Judentum gebildet und versteht sich als dem Judentum und allen anderen Religionen überlegen. Tolerant verhielt es sich bisher nur dort, wo er in der Minderheit ist. Gerade die katholische Denomination hat Gegner jahrhundertelang nicht nur mundtot gemacht. Wo es die Mehrheit hat, kennt es auch heute noch in einigen Denominationen (Evangelikale, Piusbrüder) keine Religionsfreiheit in unserem Sinn. Das Christentum ist eine andere Kultur als der Islam, was nicht heißt, eine minderwertige Kultur, wohl aber eine Kultur, welche bis jetzt keinen Zugang zu dem gefunden hat, was die positiven Seiten unserer modernen westlichen Kultur ausmacht – die Religionsfreiheit (s.o.), die Menschenrechte (in katholischen Kirchenrecht bis heute nicht) oder die Gleichberechtigung der Frau.“

      Pardon, aber argumentativ sollte man mehr zu bieten haben. All das kann man genauso gegen das Christentum wenden.

      • Roswitha Steffens sagt:

        Da muss ich Ihnen widersprechen, denn „das Christentum“ ist der Glaube, den das Volk trägt. Ich denke zwar, dass diesbezüglich von Seiten der Kirche nicht immer dem entsprechend gehandelt wurde, doch das ist unsere Geschichte, von der jeder seinen Teil zu tragen hat. Gerade Papst Franziskus zeigt dem Volk, den Armen, den Kranken, den Schwachen, aber auch den Eingesperrten, wie er sie trotz ihrer Positionen vom Rande weg holen möchte, um ihr Leben in den Mittelpunkt derer zu stellen, die das Sagen haben, die regieren und damit Macht für sich in Anspruch nehmen, die eigentlich Gott gehört und damit dem Volk zugesprochen ist. Ich finde, argumentativ sollte sich jeder einzelne Bürger selbst an der Nase packen und überlegen, wo er denn eigentlich hingehört, zu denen die Macht für sich in Anspruch nehmen, ohne sie mit dem Volk zu teilen oder zum Volk, dessen Mitglieder durch Gott gesegnet sind, weil Jesus die einzigartige Seinsbestimmung des Lebens dem überlassen hat, der sie aus dem Herrn als sein eigenes Ich annimmt. Gott hat sich als Mensch klein gemacht, um Würde in der Person zu bestimmen, die seines Lebens würdig ist. Um sicher zu stellen, dass diese Würde erfüllt werden kann, teilt er sie im Geiste mit der Mutter seines Sohnes.

        Nur angenommen, die Aussage „Ich bin nicht würdig dass Du eingehst unter mein Dach…“ kommt von Gott und ist an die Mutter seines Sohnes gerichtet, was würde das für uns, das Volk und die Kirche als Mutter bedeuten?

  2. Carmen Fink sagt:

    Ich bin froh, dass Papst Franziskus sich von keinem Kritiker irritieren lässt und seinen Weg unbeirrt mit dem heiligen Geist weiter geht.
    Für mich ist PF DER Brückenbauer in unserer Zeit.

    Mir gefiel eine Bespiel ganz besonders, als er muslimische Vertreter im Vatikan traf. „Wir sind alle Brüder, als Brüder, wir sind alle verschieden und dieselben, wie die Finger an einer Hand. Es sind fünf Finge, alle sind unterschiedlich, eine Hand.“ Was für ein schönes Bild.

    http://www.romereports.com/2017/03/29/iraq-s-political-and-religious-delegation-invites-pope-francis-to-visit-kurdistan#.WNzCkSLvaLc.twitter

  3. Den Brunnen tiefer graben

    Zum fruchtbaren Dialog zwischen Christen und Muslimen gibt es das schöne Buch von Christian Salenson, Den Brunnen tiefer graben. Meditieren mit Christian de Chergé, Prior der Mönche von Tibherin.

    Die einzelnen Meditationen lassen sich vom Austausch zwischen dem Prior und seinem muslimischen Freund Mohamed inspirieren. So heißt es, dass beide für ihre Gespräche die Chiffre ‚den Brunnen tiefer graben’ gefunden haben (S. 48). Und weiter: „Einmal stellte ich (Christian de Chergé) ihm (Mohamed) im Scherz die Frage: ‚und was werden wir auf dem Grund des Brunnen finden: muslimisches oder christliches Wasser?’ Halb ärgerlich, halb lächelnd blickte er mich an: ‚Jetzt sind wir schon so lange gemeinsam unterwegs, und du stellst mir immer noch so eine Frage?! Du weißt doch: Was man auf dem Grund dieses Brunnens findet, ist das Wasser Gottes.“

    Für Christian Salenson wird mit dem Symbol des Brunnens das Thema Begegnung angesprochen. „Sie treffen sich nicht nur, sondern indem sie ‚ihre Brunnen tiefer graben’ (kursiv im Original), suchen sie nach dem Band, das sie eint – indem sie die Unterschiede ins Spiel bringen. … Den eigenen Brunnen tiefer graben, das bedeutet, in einer tiefen Begegnung mithilfe des anderen dem Geheimnis nachzuspüren, das tief in einem jeden ‚beheimatet’ ist, jenem Geheimnis, das uns eint.“ (S. 49) Vielleicht ist so die Aufforderung Christi zu verstehen, dass wir eins werden mögen.

    • Roswitha Steffens sagt:

      Wieder einmal etwas spät, doch erst heute kann ich ihren Kommentar reflektieren, um ihm noch meine Gedanken mitzugeben:

      Ich glaube es ist das Gewissen, das uns Menschen miteinander verbindet, denn jeder trägt den Teil davon, der sich im Leben als solcher einbringt. Dabei nicht zu vergessen, dass dieses Gewissen nur der kleinste Teil eines Ganzen ist, um das Leben sinnvoll zu gestalten, das scheint mir die Anforderung an jede Person darzustellen. Heute werden nur Fragmente aus dem Wissen der Menschheit genutzt, um sie dem Nutzen der eigenen Person zu unterstellen, dadurch verliert es sein globales Verantwortungsbewusstsein als menschliche Gemeinsamkeit. Erst als globale Einheit ergibt sich aus Wissen die Wahrheit an der man, ihr gegenwärtig, arbeiten kann, um sie für alle erträglich zu machen und in eine Zukunft zu investieren mit der jeder einzelne Mensch glücklich werden kann.

      Manchmal denke ich, ohne Internet wären wir heute nicht in der Lage dem eigenen Wissen all seine Möglichkeiten zu vermitteln, doch dann wieder glaube ich, Gott erreicht uns auch ohne Internet, nur sahen wir die Notwendigkeit uns mit seiner Hilfe zu vernetzen, um ihn nicht mehr zu verlieren. Erst über die unzähligen Fragen, die ich mittlerweile an das Internet stellen musste, um mein Gewissen zu beruhigen, fand ich heraus, dass Gott im Internet sehr „aktiv“ vertreten ist und das beruhigte mich persönliche ungemein.

      Gemeinsamkeiten zu entdecken ist eine Sache der Kommunikation von Unterschieden, um durch sie zu erfahren und gleichzeitig zu lernen was eine gelebte Vielfalt ausmacht. Wasser ist und bleibt unser aller Lebenselixier, schon im Bauch der Mutter dient es uns zum Überleben. Wir brauchen dazu nicht mehr als die Vernunft, um uns als Menschen fortzupflanzen und wir sollten daran glauben, dass wir nur mit der Natur ein Leben bauen können und ohne sie einfach nur wieder aus dieser Welt verschwinden. Alles was daraus folgt können wir uns selbst erarbeiten, einzig Wasser trägt den Spiegel, den wir brauchen, um aus seinem Kern die Fruchtbarkeit zu gewinnen, die auf dem Boden Gottes augesäht wurde, der uns die Stabilität schenkt, die unsere Geschichte prägt.

      Ihr Beispiel mit dem Brunnen im Gespräch eines Moslems und eines Christen gefällt mir, denn es führt genauso in die Tiefe, wie es auch die Breite der Gedanken aus der eigenen Gegenwart zulässt.

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