Päpstliche Rauferei

„Wenn du was gegen deinen Bruder hast, sag’s ihm ins Gesicht. Vielleicht endest du in einer Rauferei, aber besser dies als der Terror des Geschwätzes“. Es sind solche Sätze, die Papst Franziskus immer wieder äußert und die immer noch Aufsehen erregen.

Recht hat er ja, der Papst, und er hat es auch schon vielfach gesagt, nur tut er das normalerweise nicht mit der farbigen Metapher einer Schlägerei.

Das Zitat stammt übrigens aus einer Ansprache vor Ordensleuten in der vor-vergangenen Woche.

Hier kam eines seiner Lieblingsthemen zum Tragen: Der Tratsch. Dabei geht es nicht um leichte Lästerei, der Papst sieht darin eine schwere geistliche Verformung. Wer über andere rede, verborgen und nie wirklich der Wahrheit verpflichtet (= Tratsch), der stellt sich selbst in den Mittelpunkt. Tratsch ist nicht nur eine schlechte Form der Kommunikation, sie ist eine Selbstrechtfertigung, ohne Scham, ohne Freundschaft.

Zu viel gibt es davon unter uns Menschen, und das zersetzt Gemeinschaften.

Aber zurück zur farbigen Formulierung einer „Rauferei“. Den Bericht über die Rede des Papstes habe ich so angelegt, dass diese Formulierung gar nicht vorkam. Es geht in der Ansprache um das zeugnishafte Leben von Ordenschristen, individuell und als Gemeinschaft. Natürlich ist die oben genannte Formulierung packend und drückt den Gedanken sofort verstehbar aus. Aber darüber hinaus hat der Papst noch mehr zu sagen, und das gerät dann etwas in den Hintergrund.

Denn die Botschaft ist letztlich unbequem: Ordensleben sei prophetisch in dem Sinn, als es als Widerspruch zum Zeitgeist zu verstehen sei, wie auch Jesus Widerspruch gewesen sei.

Und er spricht davon, dass man die Charismen der Orden nicht wie destilliertes Wasser behandeln kann, also sichern und abdichten, sondern dass sie sich ausschließlich in der herrschenden Kultur und Realität voll entfalten können, ein Plädoyer wider den Rückzug.

Das sind Botschaften, die wichtig sind.

Bei der Berichterstattung bleibt es spannend – und es ist fast täglich eine Debatte in der Redaktion hier bei uns – wie stark die bunten Formulierungen und wie wichtig die eher trockenen Inhalte in der Berichterstattung sind. Eine abstrakte Lösung gibt es nicht, wir sind Journalisten, wir wollen irgendwie beides.

Auch das gehört zum Spannenden in diesem Pontifikat.

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9 Kommentare zu Päpstliche Rauferei

  1. Wenn man die Überschrift liest „Päpstliche Rauferei“ könnte man fast geneigt sein den heutigen Artikel von em.Papst Benedikt XVI. http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/kirche_2/141117_interview_schockenhoff_benedikt_xvi.php einzufügen. Sorry das ich Abweiche aber das beschäftigt mich heute sehr.

  2. Chrisma sagt:

    Liebe Carmen, liebe Silvia hier ein- wie ich finde- recht guter Kommentar aus der Süddeutschen. Ich teile die Meinung von Eberhard Schockenhoff. Das was nun einige dieser seltsamen Portale gern daraus machen wollen, aber nicht wirklich können, sollten wir getrost ignorieren. Ihnen Beiden einen schönen Abend.

    • Silvia Brückner sagt:

      Liebe Chrisma, wenn es nur die „gewissen“ Portale wären….

      Der Zeitpunkt ist sehr ungünstig und es machen weitaus mehr Menschen was draus als nur die User der erwähnten Portale.

    • AM sagt:

      „(…)dass eine Ehe wegen psychischer Unreife von Anfang an ungültig war, einer zweiten Heirat stünde dann nichts im Weg.(…)“ Ja, das ist der Punkt. So dachte ich auch, als ich die Meinungsänderung las. Der em. Papst hatte sich weiter mit der Psychologie und mit der Anthropologie beschäftigt.

      • AM sagt:

        Kleine Ergänzung. Ich meine es steht in dem Kath. Katechismus auch, dass eine Ehe nur unter reifen Partner geschlossen werden kann. Auf jeden Fall in dem Koanonischen Eherecht finde ich unter 4.3.5.1 „(…) Es liegt in der Natur begründet, dass die Ehe einen „bestimmten Reifegrund der Partner voraussetzt. Folglich gilt es als Naturrecht, dass eien Person eheunfähig ist, wenn Sie diese Reife nicht erlangt hat; eine gleichwohl geschlossene Ehe muss folglich als ungültig angeshenen werden(…)“

  3. KRP sagt:

    Meines erachtens ist dieser Artikel gut platziert und nur wieder mal ein Aufhänger um eine Seite gegen die andere Seite auszuspielen. Und der Mensch geht natürlich wie üblich auf dieses Spiel ein und spielt mit. Guter Papst – böser Papst. Die Kirche zerstört sich selber, die Menschen die diese Kirche bilden zerstören sich selber.

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