Papstkritik: Der führt uns weg von der Wahrheit

Folge 2 meiner kleinen Reihe über Kritik an diesem Papst

Es ist das Gefühl des älteren Sohnes: Wenn sich Menschen als kirchen- und papsttreu bezeichnen, dann kommt ihre Kritik am Papst im Gewand des Vorwurfs daher, der barmherzige Vater kümmere sich um diejenigen, die sich entfernt hätten, welche die Gebote nicht gehalten und nicht beim Vater geblieben seien, und denen würde jetzt das Mastkalb geschlachtet. Man selber sei immer treu geblieben, werde jetzt aber mit Missachtung gestraft.

Der Vergleich stammt nicht von mir, ich habe ihn beim Kollegen John Allen gefunden, er trifft eine weit verbreitete Stimmung. Und die konzentriert sich vor allem in einem Vorwurf:

 

Zweitens: Dieser Papst entfernt uns von der Wahrheit

 

Dieser Vorwurf 2 ist vor allem ein innerkirchlicher, und er scheint auf den ersten Blick die Debatten zu reproduzieren, die wir um „Kontinuität oder Bruch“ und dergleichen in den letzten Jahren immer wieder geführt haben. Es ist der Vorwurf, in seinem freien Reden würde der Papst sich von der Wahrheit der Kirche entfernen, etwas Neues beginnen, wo doch die Kirche auf Kontinuität, Tradition und Weitergabe baue.

Der Vorwurf ist schwerwiegend, betrifft er doch den Einsatz der Kirche für jede Form von Leben, die Lehre von den Sakramenten, die kirchlichen Gebote. Er lässt sich übersetzen mit dem Satz: während man sich gegen die alles übertönende Konsumkultur eigesetzt habe, gegen alles, was Gott entgegen steht, würde das nun aufgeweicht.

Es wäre zu einfach, das alles in eine Ecke zu stellen und zu sagen, das seien die Gestrigen, die sich dem Papst nicht anpassen wollten, die so genannten „Rechten“ oder „Konservativen“. Ich mag diese Begriffe gar nicht, weil sie nichts mehr erklären sondern nur noch Etiketten sind. Ihre Verwendung immunisiert die Debatte, weil man ja den Vorwurf zuordnen kann.Aber auch wenn es kein in die Ecke zu stellender Vorwurf ist, glaube ich nicht, dass er trifft, die bislang angeführten Beispiel in zahlreichen Debatten in US-amerikanischen und deutschsprachigen Webseiten und Blogs treffen nicht wirklich den Kern. Aber es ist schon richtig, dass wir nicht so tun dürfen, als führe dieser Papst eine Art Wohlfühlreligion ein.

Unser Glaube hat Konsequenzen, auch im Leben, auch in unseren Überzeugungen und unseren Wertehaltungen. Das pastorale Sprechen des Papstes gibt uns keine neue Lehre, sondern schafft neue Zugänge zu Christus.

Christsein ist nach Papst Franziskus kein Einhalten von Regeln oder ein Fürwahrhalten von Sätzen. Das ist alles wichtig, kommt aber nach der Begegnung mit Christus und dem Nächsten. Der Referenzpunkt des Papstes ist immer Christus und seine lebendige Gegenwart. Nichts kann das ersetzen.

Schülerinnen und Schülern hat der Papst einmal gesagt, Wahrheit sei Begegnung, nicht etwas, was man habe. Soll heißen: Es geht um Zugänge, es geht darum Jesus und sein Wort ins eigene Leben hinein zu lassen. In einer Welt, die von festen Wahrheiten und Sicherheiten geprägt war, war es einfacher, sich zu orientieren. Diese Sicherheiten gibt es aber nicht mehr. Auch in der Kirche nicht. Zu viel in unserer Welt ist in Bewegung, hat sich gewandelt, wird virtueller und mobiler, auch innerlich. Darauf muss auch das Sprechen von Gott reagieren, es kann nicht dasselbe bleiben.

Es stimmt, Franziskus richtet seine Aufmerksamkeit nicht besonders auf Menschen und Gruppen, die ihren Kern in einer besonderen Treue zu Amt und Lehre sehen. Franziskus ist viel jesuanischer, er eckt an und wendet sich denen zu, die fern sind, am Rand.

 

Kein Wohlfühlglauben, keine Anpassung

 

Aber lassen wir uns nicht täuschen: Wenn er von „Wegwerfkultur“ des Lebens und von der „Mondanità“ spricht, was man als Weltlichkeit übersetzen kann, dann sind das keineswegs Worte einer Wohlfühlspiritualität. Es geht Franziskus nicht darum, sich der Welt und der Moderne und dem Zeitgeist und all den Dingen anzupassen. Im Gegenteil. Er ist hier sehr kompromisslos, auch hier ganz jesuanisch.

Noch ein kurzer Nachtrag: Wenn man diesen Vorwurf bespricht, dann muss man auch das Verhältnis Franziskus – Benedikt besprechen. Lange wurde versucht, die eigene Identität entweder über die Position „Franziskus bricht mit Benedikt“ oder über „Franziskus ist die Kontinuität mit Benedikt“ zu definieren. Wer jetzt vom Abweichen von der Wahrheit spricht, gehört meistens zu der Gruppe, die zuvor die Kontinuität zwischen den Päpsten reklamiert hat.

Diese Kontinuität will ich auch gar nicht abstreiten, im Gegenteil, im Sprechen von „Mondanità“ ist Franziskus wenn überhaupt noch radikaler als Benedikt mit dem Thema der „Entweltlichung“.  Aber letztlich ist diese Debatte müßig, weil es eigentlich um das Reklamieren des Papstes – zweier Päpste – für die jeweils eigene Position geht. In diesem Fall wird nun die Liebe nicht erwidert, wenn ich das so ausdrücken darf. Das Gefühl des älteren Sohnes, der so lange treu war und nun sieht, dass die Aufmerksamkeit jemand anderem gilt, ist also echt.

Was uns zur Barmherzigkeit bringt: Wahrheit bringt Sicherheit, jedenfalls wenn ich mich in ihrem Besitz wähne. Barmherzigkeit ist anstrengend, will sie doch vor allem dort lebendig werden, wo ich normalerweise nicht hin möchte. Dieser Papst führt nicht Weg von der Wahrheiten. Er öffnet – anstrengende – Wege zu Jesus Christus. Er tut das auf seine Weise, wie auch Benedikt das auf seine eigene Weise getan hat. In keinem Fall aber geht das Weg von dem, was der Kern unseres Glaubens ist. Es führt in dessen Zentrum.

 

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39 Kommentare zu Papstkritik: Der führt uns weg von der Wahrheit

  1. Silvia Brückner sagt:

    Das Stichwort in diesem 2. Teil ist „jesuanisch“.

    Das beschreibt Papst Franziskus perfekt.
    Bisher sind alle Päpste auf die ein oder andere Weise angeeckt, das ist unvermeidlich.

    Dieser aber eckt an, weil er so kompromisslos jesuanisch ist. Und, wenn ich mir eine ganz persönliche Bemerkung erlauben darf, dafür liebe und bewundere ich ihn.

    Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht das Bewahren der Asche! Und dieser Papst entfacht das Feuer neu und trägt es in die Welt hinaus!

  2. AM sagt:

    „Dieser Papst entfernt uns von der Wahrheit. 
    Dieser Vorwurf 2 ist vor allem ein innerkirchlicher“ 

    Ja, das mehr  Blockaden und Kritik als Begeisterung in der innerkirchlichen Kreisen geben wird, war von Anfang zu erwarten. Es ist das, was ich meinte, wie kann der Papst das lang Gelernte und Etablierte umändern? Ich denke mir, es geht fast gar nicht. Trotzdem hoffe ich auf Gottes Hilfe und aufs Fortsetzen. Denn dies ist der Anfang für die Zukunft, für die unsere „gesunde“ Kirche. 

  3. KRP sagt:

    Danke P. Hagenkord für diesen 2. Teil es trifft den Nagel auf den Kopf.

  4. Guardianus sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag, der uns mehr als deutlich vor Augen führt, dass Franziskus uns wirklich weg von der Wahrheit führt…von jener, die wir uns selber gebaut haben und somit „nur“ u n s e r e Wahrheit, nicht aber jene Wahrheit, die das Wort Gottes selber ist und somit diese Wahrheit für uns greifbar, fühlbar und sichtbar ist, da dieses Wort eben Fleisch und Blut angenommen hat und der Mensch somit unentschuldbar ist, wenn er daraus sich eine eigene Wahrheit zimmert….

    • KRP sagt:

      Ich sehe nicht das die Auslegungen von Franziskus von der Wahrheit weg führen genauso wie es die Auslegungen von Benedikt dem XVI nicht tun eher zu der einen Wahrheit am Kreuz hinführen.

      • Guardianus sagt:

        KRP: ich befürchte, dass Sie meinen Beitrag entweder falsch verstanden oder falsch gelesen haben…vielleicht habe ich mich auch falsch oder zu unklar ausgedrückt. Ich meine, dass Franziskus uns von unserer selbst gebildeten Wahrheit zuzuführen sucht, die eben nicht mehr jene Wahrheit ist um die es uns allen gehen und in der wir bleiben…bzw. wieder hineingehen sollen und die das fleischgewordene Wort, das Gott ist, selber ist. Insoweit führt Franziskus uns also weg von einer Wahrheit, die eigentlich „nur“ eine scheinbare, bzw. uns selbst in die Irre führende Lüge ist, die wir zuweilen „Tradition“ nennen und die „nur“ insoweit mit der Wahrheit etwas zu tun hat, als dass diese die Wahrheit mehr oder weniger außer Kraft setzt. Diesbezüglich schafft sich Franziskus natürlich im Besonderen in den eigenen Reihen Feinde, Kritiker u.ä.! Wenn es dem Herrn also genau so ergangen ist mit den Traditionalisten etc., wie sollte es Seinen Diener anders ergehen? Wahrheit ist keine abstrakte Vorstellung, die sich der Mensch im Laufe von Generationen gemacht und immer wieder gewechselt hat. Die Wahrheit ist Fleisch und Blut geworden und mit ihr die Gerechtigkeit Gottes und Seine Liebe und schließlich auch zum Weg in der Wahrheit zu bleiben: nicht wahrhaftig zu scheinen, sondern tatsächlich wahrhaftig zu sein. Das will Franziskus und das will auch sein Vorgänger….!

        • KRP sagt:

          Sorry Guardianus Sie haben Recht ich in Ihrem ersten Beitrag „…von jener, die wir uns selber gebaut haben…“ überlese. wird nicht wieder vorkommen 😉

        • Peter Lehmann sagt:

          Hallo Guardianus !
          Schön mal wieder was zu lesen. Wenn ich hier die allgemein doch ziemlich deutliche Zustimmung des „Fußvolkes“ zu diesem neuen Papst sehe kann ich nicht ganz nachvollziehen warum Sie denken, dass er uns den Weg zur Wahrheit aufzeigt. Es scheint mir doch eher so zu sein, dass die gläubige Masse Jesus/die Wahrheit ziemlich gut verstanden hat. Und nun kommt eben einer, einer der Oberen, nimmt die Schaufel und legt die zugedeckte Wahheit wieder frei, so dass die Menschen nicht mehr an ihrem eigenen Verstand zweifeln müssen.

          • Guardianus sagt:

            …Geehrter Peter Lehmann, ich denke mal: sowohl als auch. Und es gibt noch viel „Erde“ von uns abzukratzen…. 😉

          • Peter Lehmann sagt:

            Geehrter Guardianus.
            Für wahr. Manchmal mach wir uns leider auch wohl wissend um die Wahrheit schmutzig.

  5. Claudia sagt:

    Auch ich möchte mich bei Ihnen, Pater Hagencord, für diesen 2. Teil ganz besonders von Herzen bedanken. Im Juni diesen Jahres konvertierte ich zum Katholizismus, weil mich Papst Franziskus in seinem „Jesuanisch-Sein“ nicht nur überzeugt, sondern für mich ganz klar und deutlich den Weg aufzeigt, auf den ich seit vielen Jahren berufen wurde.

  6. Claudia sagt:

    PS. Bei Benedikt lerne ich zu „glauben“. Seine Sprache ist wunderschön, tief und eindringlich.

  7. veruschka sagt:

    Zum Begriff der „Wahrheit“:
    Der Satz an die Jugendlichen, dass Wahrheit Begegnung sein würde, nicht etwas das man in sich haben würde, ist eine sehr spannende Aussage.

    Vielleicht könnte man diese mit einer Stelle aus dem Neuen Testament in Bezug setzen (ein Bibelzitat freut jeden Katholiken, egal welchen Lagers!):
    „Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und(!) die Wahrheit und(!) das Leben.“ (Joh 14, 6)
    Ganz sachlich, mathematisch betrachtet heißt das nun:
    Jesus = Weg + Wahrheit + Leben
    Es bedeutet nicht: Jesus = Weg = Wahrheit = Leben

    Drei Dinge kennzeichnen die Person Jesu demnach: Weg/zielgerichtete Bewegung, Wahrheit und Leben, wobei der „Weg“ mit dem Begriff „Leben“ (vgl. etwa wiederum die „Vitalität“ und das „Wachsen“ hiermit) eng zusammen hängen. Da diese beiden Begriffe aber ähnlich sind, wird der dritte Begriff (die Wahrheit) wohl auch Ähnlichkeiten zu den beiden anderen aufweisen müssen (das heißt eine Gruppe mit ihnen bilden). Ansonsten müsste es heißen: „Ich bin der Weg und das Leben aber auch die Wahrheit.“
    Also meint Wahrheit demnach einen Begriff, der nicht dasselbe wie Weg meint, aber etwas mit Dynamik/beziehungsweise einem Wachsen zu tun haben muss.
    An späterer Stelle heißt es in diesem Kapitel zudem: „Wer an mich glaubt, wird die Werke(!), die ich vollbringe, auch vollbringen; denn ich gehe zum Vater.“ (Joh. 14, 12)

    Insofern kann ein Papst der (lebendig) agiert und Werke vollbringt, nicht ganz so falsch sein. Und nur weil unsere Welt schnelllebig ist bzw. sich bewegt/verändert, heißt dass noch lange nicht, dass die Kirche nicht auch dynamisch sein darf.

    • AM sagt:

      Sehr weise, @Veruschka 🙂 Leider unter uns Menschen gibt es nicht viele, die so in  die Tiefe gehen, die so auslegen. Die meisten bauen auf dem, was sie hören, oder wie sie die Worte verstehen auf. Da es bis jetzt keiner da war, der so klare deutliche Worte gesprochen  hatte, wie jetzt Papst Franziskus dies tut, könnte die „innere persönliche Wahrheit“ schmerzlos leben. Es kommt noch dazu, dass die innere manchmal fundamentalische Überzeugung die man „Wahrheit“ nannte, jahrelang durch autoritäre Predigten gepflegt wurde . Die Priester, die diese Interpretationen weitergaben, sind auch mit dieser Wahrheit „gross geworden“, dh, diese Lehre selbst aus dem Theologiestudium mitgenommen haben. Wenn ich an manche polnische Priester und Bischöfe denke, dann frage ich mich, wie bringt man diesen „Führungskräften“ den „Neugeist“? 
      Wenn sie bereits jetzt die Papstworte umdrehen und umdeuten.  Wahrscheinlich aus Unfähigkeit, oder aus der menschlichen Angst vor dem „Neuen“.

      • veruschka sagt:

        Liebe(r) AM,

        danke für Ihr Kompliment!
        Wenn meine Herleitung wirklich korrekt und in sich schlüssig ist (was ich noch stark bezweifle), dann müssen Sie allein Jesus als weise bezeichnen (Der Satz stammt ja defintiv nicht von mir… ich habe das aber auch wissenschaftlich korrekt angegeben, nicht?). Für Weisheit bin ich defintiv noch zu jung… ich bin eher grasgrün hinter den Ohren… aber so was von! :-)))
        Eine gute Nacht! Aber vorher müssen Sie noch aus dem Fenster schaun: Was für ein Sternenhimmel!!!!!! Aaaaa! Dafür braucht es keine Worte! Wie schön ist das denn!

    • Andreas sagt:

      Ihre Beweisführung zur Wahrheit wirkt auf mich etwas erzwungen. „Das Wesen der Wahrheit ist die Freiheit“, sagt Martin Heidegger und Papst Benedikt XVI. hat hierzu ebenfalls seine Gedanken niedergelegt:
      http://ivv7srv15.uni-muenster.de/mnkg/pfnuer/Freiheit-u-Wahrheit.html

      • veruschka sagt:

        Sie, das war ja auch nur ein Versuch von meiner Seite… siehe oben.
        Aber Ihren Link werde ich mir sehr gerne morgen nachmittag durchlesen … jetzt muss ich echt schlafen gehen!
        Bis bald!

      • AM sagt:

        Jezus ist Freiheit, lieber Andreas. Sie beanstanden doch nicht Jezus Worte -(Joh 14, 6)?

        • Andreas sagt:

          Wie kommen Sie darauf?

          • AM sagt:

            Vereinfacht, mathematisch (logisch) gesehen- wenn Jezus zur Wahrheit führt dann führt mich Jezus auch automatisch zur Freiheit. Denn  in dem Ratzinger’s Referenzpapier lese ich:
            „Nur die Wahrheit macht frei“ 

            Jezus schränkt meine Freiheit nicht ein. Höchstens die heutigen Vorschriften der Kirche. Da Ratzinger sagte, dass das  Evangelium  vor den Gesetzen der Kirche steht, dann ist dies nur mein Gewissen, das freie Entscheidungen trifft.

        • Andreas sagt:

          Wenn die Wahrheit als Richtigkeit (veritas) verstanden nicht gleichen Wesens mit der Wahrheit als Entdeckbarkeit bzw.Unverborgenheit (aletheia) ist, ist möglicherweise auch die jeweilige Freiheit inwendig eine andere. Die Unfreiheit würde sich dann einmal in Unrichtigkeit und Ungültigkeit widerspiegeln, das andere mal in Verborgenheit und Verstelltheit. Wenn Jesus nun sagt, ich bin die Wahrheit, könnte er dann damit nicht gemeint haben, das durch ihn erst der Zugang zum Vater nicht mehr verstellt und verborgen bleibt, wie es noch im Alten Bund war? Er hat ja keineswegs gesagt, das der Alte Bund unrichtig, falsch oder ungültig sei.

          • AM sagt:

            „Die Unfreiheit würde sich dann einmal in Unrichtigkeit und Ungültigkeit widerspiegeln, das andere mal in Verborgenheit und Verstelltheit“ – so einfach den Umkehrschlüßel zu nehmen, ist es nicht. Da die Argumentation und Austausch hier den Rahmen sprengen würde, denke ich mir, ist es besser an dieser Stelle zu unterbrechen. Vielleicht wird mal in diesem Blog noch Beiträge geben, die das Wesen der Wahrheit und Freiheit berühren, dann haben wir die Chance dies zu vertiefen 🙂

      • Guardianus sagt:

        Geehrter Andreas, ich denke, dass Veruschka deren eigene Gedanken hierzu beitragen möchte und somit auch ein Glaubenszeugnis für das gibt was sie, Anuschka, ganz persönlich glaubt und das sicherlich nicht erzwungen ist. Ich selbst bin der Meinung, dass das Wesen der Wahrheit nicht die Freiheit, als vielmehr die Liebe ist: frei nach Johannes, der Gott als die Liebe selbst erkennen durfte. Wahrheit und Freiheit sehe ich persönlich als „Kinder“ der Liebe – als deren Frucht.
        Aber jeder sieht das eben ein wenig anders, auch wenn am Ende das Gleiche gesagt ist und jeder drückt sich entsprechend seiner Persönlichkeit aus, was eben auch ein Teil der uns wieder geschenkten Freiheit sein soll.
        Das bedeutet nicht für mich persönlich, wie hier vermutet, dass Sie das Wort Gottes beanstanden, wohl aber, dass Sie Veruschka die Freiheit nehmen, sich so ausdrücken zu dürfen wie sie selbst in deren Freiheit fühlt und deshalb kein Zwang dahinter steckt, als vielmehr eine Überzeugung und ein Glaube entsprechend deren Erkenntnis ob jenes Wortes an und in das zu glauben ist.
        Und ich meine, dass die Wahrheit im strengsten Sinn keine Beweisführung benötigt, als vielmehr allein: Glauben!…..darin sich eben die Wahrheit als Wahrheit bezeugt kann, was bei einer Beweisführung wohl eher das Gegenteil bewirkt, weshalb der Herr uns auch ans Herz legt, dass wir nicht schwören sollen…..was eben u.U. die Wahrheit beflecken kann und nicht unbedingt von einer Reinheit des Herzens und der Aufrichtigkeit zeugt…..

        • veruschka sagt:

          Lieber Guardianus,
          also, nein, im Gegenteil, ich finde es sehr gut, dass mir Andreas einen Text vom früheren Kardinal Ratzinger hier einstellt. Ich will ja was lernen hier! Und der Mann konnte nicht nur „wunderschön, tief und eindringlich“ schreiben/sprechen, sondern er ist auch ein großartiger Analytiker! Also ist der Verweis auf diesen Text an dieser Stelle außerordentlich angemessen, ja, sogar nötig!
          Also, lieber Andreas, wenn es nach mir geht, haben Sie defintiv und jederzeit die „Freiheit“ mich hier zu kritisieren bzw. zu verbessern.
          Lieber Guardinanus, „Anuschka“ (die kleine Anna) ist natürlich ein sehr schöner Name… meine kleine/jüngere Cousine heißt etwa Anna. 🙂
          Übrigens auch vielen Dank für Ihre Hinweise von gestern! Trotzdem werde ich jetzt leider keine christlichen Werke vollbringen können, sondern mir fürs Erste den Text vom Kardinal durchlesen.
          Viele Grüße

          • Guardianus sagt:

            Geehrte Veruschka, vielleicht werden Sie keine Werke des Glaubens (nicht:“christliche Werke“) gleich Jesus vollbringen können, dennoch empfiehlt es sich auch hier, den Worten Jesu zu glauben, weil Er ja die Wahrheit ist, bzw. offenbar auch von Ihnen als solche erkannt werden durfte! Deshalb auch:“Abraham glaubte Gott und das rechnete Gott ihm als Gerechtigkeit an.
            Im Übrigen freue ich mich über Ihren Eifer ob der Jüngerschaft Jesu, was wir ja alle sein, bzw. werden sollen nach dem Willen des Herrn.

      • veruschka sagt:

        Hallo Andreas,
        ich habe leider gestern etwas mehr um die Ohren gehabt als gedacht… also hoffentlich sind Sie noch da!
        Heute erst habe ich mir den Text des Papstes gründlich durchgelesen und möchte nun auf ein paar Punkte doch näher eingehen.
        Erst einmal muss ich Sie jetzt verbessern (aber Sie werden es verkraften 🙂 ): Gemäß dem Text Benedikts ist nicht „das Wesen der Wahrheit die Freiheit“, wie Sie geschrieben haben, sondern er spricht der Wahrheit definitiv einen wichtigeren Stellenwert als der Freiheit zu: Im Aufsatz wird konstatiert, dass die Freiheit auf der Wahrheit basieren müsse!
        Auf Heidegger gehe ich jetzt nicht ein, Sie müssten mir dazu Ihre Quelle genau nennen… Aber ich denke, dass das gar nicht nötig ist, Benedikt wird uns schon reichen.
        Zudem muss ich Sie darauf hinweisen, dass es im Aufsatz Benedikts primär um die Frage geht, wie denn eine sozial vertretbare Freiheit zu gestalten sei.
        Aber, und insofern ist Ihr Hinweis auf diesen Aufsatz sehr nützlich, wird vom Autor auch das Wesen der Wahrheit kurz skizziert:
        Die wichtigste Frage zur Klärung des Wahrheitsbegriffes formuliert Benedikt/Kardinal Ratzinger wie folgt: „Was sind wir (also der Mensch) in Wahrheit?“
        Und die Antwort auf diese Frage sieht er im Dekalog. Die Zehn Gebote würden das Wesen Gottes näher definieren und somit auch das des Menschen. Der Kardinal führt weiter aus, dass ein Leben, das sich am Dekalog ausrichte, den Mensch dazu führen würde „die eigene Gottähnlichkeit zu leben, der Wahrheit unseres Wesens zu antworten und so das Gute zu tun.“
        Und nun heißt es weiter im Text, und das stützt meine obigen Ausführungen sogar noch, dass der Dekalog im Wandel der Zeit(!) immer anders zu verstehen sei bzw. sich zeitabhängig immer neue Dimensionen bei der Auslegung desselben eröffnen würden.
        Hierzu gibt der Autor noch eine Bibelstelle an: Joh 16,12f.: „Noch vieles habe ich euch zu sagen; aber ihr könnt es jetzt noch nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zur vollen Wahrheit führen.“
        Folglich ist die Wahrheit, auch nach Benedikt, nichts Statisches, nichts Absolutes, nichts wirklich Persönliches sondern sie ist – zumindest die des Diesseits – eine relative, keine absolute bzw. durch den Menschen nicht völlig zu erschließen.
        Dazu passt der Satz Papst Franziskus an die Jugendlichen: Man kann der Wahrheit also begegnen; aber Begegnung meint auch ein Kommen und Gehen und insofern kann der Mensch die Wahrheit tatsächlich nicht permanent besitzen (eben auch nicht die Kirche)… Man muss immer wieder nach ihr suchen, neue Wege einschlagen!
        Viele Grüße

        • Andreas sagt:

          Wie Sie schreiben, ist uns als in der Zeit lebende Menschen die Wahrheit nie absolut und die Freiheit nie total gegeben. Es wäre nebenbei auch angesichts der raumzeitlichen Weite und Größe des Universums vermessen. Erst wenn unsere Lebenszeit im Tod endet, mag es sein, dass das Wahrsein des Menschen mit dem Freisein für Gott eins und absolut wird.

    • Guardianus sagt:

      Geehrte Veruschka, das Wort Gottes ist sicherlich nicht mit mathematischern Formeln zu erklären, bzw. zu erfassen genau so wenig Sie mathematisch zu erklären sind. Sie sind Fleisch und und Blut aber im ganz Besonderen ein Geistwesen. Und wenn Sie auf jenes Wort des Herrn verweisen, dass jeder der zum Glauben an Ihn gekommen ist, jene Werke zu tun vermag, die auch Er getan hat – ja sogar noch größere Werke in Seinem Namen tun kann, dann ist wohl noch keiner zu diesem Glauben gekommen, da jene Werke eben ausbleiben und somit eigentlich zu erkennen geben, dass unser Glaube noch nicht einmal so groß ist wie ein Senfkorn; es mir so dünkt, dass bereits der Glaube zum Glauben fehlt, dass wir diese Werke tatsächlich tun können, wenn wir wirklich so glauben wie es das Wort Gottes von „mir“ „fordert“, wenn „ich“ sage, dass ich zum Glauben an Ihn gekommen bin und Ihn somit als die Wahrheit (sogar in Person) erkannt haben will….
      Das ist nicht mathematisch berechnend, sondern eigentlich „nur“ logisch. Insoweit scheint mir die Frage des Herrn, ob den der Menschensohn, wenn er kommt, noch Glauben vorfinden wird, jeden von uns anzusprechen, darin wir eben nicht der Versuchung erliegen, uns auf dem Weg des Glaubens und der Erkenntnis auszuruhen oder sogar „Hütten“ als dauernde Bleibe für uns bauen und insoweit vom Weg des Glaubens abkommen, bzw. abgekommen sind und deshalb jene besagten Werke ausbleiben…

  8. Chrisma sagt:

    @Pater Hagenkort Danke für diesen Beitrag. Ich bin sicher, dass Franziskus eines nicht so fernen Tages auch die „älteren, seriösen“ Brüder wieder stärker mit einbeziehen wird. Das Wort seriös ist mir in diesem Zusammenhang wichtig, da sich an unseren eigenen Rändern eine unschöne Hetzkampagne gegen dieses Pontifikat abspielt. Ihre Betrachtung zur Barmherzigkeit hat mich sehr inspiriert. Ich nehme sie mit in die neue Woche.

    • Chrisma sagt:

      Entschuldigung Pater Hagenkord, es war die Eile heute Morgen……

    • Silvia Brückner sagt:

      Liebe Chrisma, wenn man es genau nimmt, gehören Sie und ich ja auch irgendwie zu den „älteren Brüdern“, die das Vaterhaus = Kirche nicht verlassen haben.

      Aber ich fühle mich keineswegs vom Papst vernachlässigt. Er weiß mit Sicherheit, dass es Christen wie uns gibt, die er nicht erst überzeugen muss und dass diese Christen für sein Reformwerk wichtig sind, weil sie ihn dabei unterstützen.

      Ja, der Begriff „seriös“ ist sehr wichtig in diesem Zusammenhang. Die Hetzkampagne und das nicht verstehen Wollen an unseren Rändern macht mir große Sorgen.

      Aber es gibt auch einen unseriösen Rand, das sind die Anhänger der Piusbruderschaft und ein paar Sedisvakantisten, die könnte wahrscheinlich nicht mal Jesus selbst überzeugen. Und an diesem Rand werden die schlimmsten (und dümmsten) Verleumdungen gegen dieses Pontifikat verbreitet, und das lässt mich um die Sicherheit des Papstes fürchten, wel da so viel Hass ist.

  9. Silvia Brückner sagt:

    Die Piusbruderschaft schießt jetzt aus allen Rohren gegen Papst Franziskus.

    In ihrer aggressiven, militanten Art ist diese Gruppe als Gefahr für den Papst durchaus ernst zu nehmen, auch versucht man, konservative Katholiken gegen das Pontifikat von Papst Franziskus aufzuhetzen und die Leute auf ihre Seite zu ziehen.

    Der Vatikan sollte überlegen, gegen solche Hetzseiten gerichtlich vorzugehen.

    • AM sagt:

      Liebe Silvia, ja zu Jezus Zeiten  war es nicht möglich gegen diese „Hetzer“ aus dem „Gottesvolk“ vorzugehen, jetzt könnte man das wagen. Dies ist aber nicht der „Weg“, den Franziskus gehen würde, denke ich mir.

      Was aber helfen würde, wäre die lokale Kirche mit ihren Priester, die das was Franziskus tut, erklären würden.  Vorausgesetzt, die verstehen das selbst. Das tun die nicht – ich meine das Erklären. Ich meine hier die Gegenrhetorik zu dem „konservativen“, ungesunden manchmal selbstrichtenden Denken und Handeln. Warum? Fehlt der Mut? Fehlt Überzeugung? Herrscht da Angst, dass man die „Hetzeranhaenger“ verlieren würde? Es ist falsch, man wird die Leute nicht verlieren, wenn man sagt, dass der Papst keiner der Gottesgebote abschaffen möchte, sondern das „Richten“ und „Urteilen“ Gott überlassen will. Wir in der Kirche sollten aber nur mit Barmherzigkeit, Liebe und Respekt gegeneinander „kämpfen“.

      • Silvia Brückner sagt:

        Bei uns in der Gemeinde wird leider kein Wort über Papst Franziskus verloren, weder im Gottesdienst noch außerhalb.

        Mir persönlich hat der Pfarrer schon vor ein paar Monaten geraten, „mich nicht so sehr von einem Papst abhängig zu machen“. Meine Begeisterung fand da keine Resonanz, wohlgemerkt, es ist ein sehr aufgeschlossener Pfarrer und eine sehr lebendige Gemeinde.

        • AM sagt:

          „Aufgeschlossener Pfarrer“? Darunter verstehe ich was anderes. Es geht hier nicht um Abhängigkeit. Wie kann eine „Schaf“ über seinen Hirten nicht Bescheid wissen? Um die Frage: Was meint er, wenn er die Hand bewegt? 

          Papst Franziskus hat die Türen für „Aufgeschlossensein“ geöffnet, Er gibt kein Gefühl von – es ist nur für „bestimmte Kreise“.

          Wir haben auch das Recht zu wissen, was unser Papst sagt und damit meint. Wenn mir der Pfarrer diese Antwort gibt, dann bedeutet dies, dass er mich für „klein“ hält oder seine Ruhe und Bequemlichkeit mehr schätzt als ein Gespräch mit einem Gläubiger.  

          Es geht hier um „Richtigstellung“. So oft höre ich irgendwelche Berichtigungsberichte, über das „Gesagte“ in der Öffentlichkeit, manchmal  über total unwichtige Dinge.  In einer so wesentlichen Frage – die Umdeutung der Papstaussage – schweigt man. Da hätte man hier die Chance endlich mit dem neuen Geist und der Neuevangelisierung  zu starten. 

          • Silvia Brückner sagt:

            Ich glaube, dass sehr viele Gemeindepfarrer in Deutschland in erster Linie ihre Ruhe haben wollen, vor allem vor selbständig und kritisch denkenden „Schafen“ wie mir. Ein einzelnes „blökendes Schaf“ kann man schnell zum Schweigen bringen, man kann es sogar „schlachten“, dann herrscht auch Ruhe.
            Man darf nicht vergessen, dass unser Klerus verbeamtet ist, unter Beamten ist auch im säkularen Bereich diese Einstellung weit verbreitet.

          • AM sagt:

            Ok , dann reagieren die Priester bestimmt erst auf Anweisung des Bischofs. 

            In dem Fall – der Papst kann zur Aufklärung eigener Aussage nichts verordnen. Da die Bischöfe meistens gegen den neuen Kurs des Papstes sind, können wir auch von dieser Seite nicht viel erwarten. Tja, dann u. U. ist der Papst alleine gegen alles „Böse“ was in Seine Richtung adressiert wird. Eine arme Kirche 🙁 Hat sich dann nichts seit Jezuszeiten geändert?

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