Sein und Bewusstsein

Erst einmal tief Luft holen. Dass die Weltkirche es nicht einfach hat, die deutsche Kirche zu verstehen, ist nicht überraschend. Dass viele die Verbindung von Geld und Struktur nicht gut finden – auch in Deutschland nicht – ist auch keine Überraschung. Und dass auch inhaltlich einiges an der Kirche in Deutschland ausgesetzt wird, ist nichts Neues. Noch nie aber habe ich all das in einen einzigen Kausalzusammenhang eingefügt gesehen.

Ein Herr Jon Anderson hat in einer britischen katholischen Zeitung einen vernichtenden Artikel geschrieben: Warum die deutsche Kirche reich und arrogant ist.

Kurzversion: Viel Geld, wenig Gläubige, viel Struktur, und weil viel Geld großer Einfluss in Rom, Kardinal Kasper und die wiederverheirateten Geschiedenen (bei diesem Themenwechsel musste ich Luft holen, um nicht aus der Kurve zu fliegen), Unauflöslichkeit der Ehe, deutsche Kirche will das ändern, zurück zur Kirchensteuer und den leeren Bänken und Klappe zu.

Beeindruckend. Zur Diskussion um die Kirche hat es ja in den vergangenen Wochen auch bei uns einige Artikel gegeben, so total daneben hat aber sonst niemand gelegen.

Viel Intelligentes und Polemisches ist geschrieben worden, und das tut der Debatte ja auch gut. Diaspora Deutschland, vor dem Kollaps, Restkirche und so weiter. Solche Artikel bringen uns weiter. Was aber perfide an dem Stück von Herrn Anderson ist und worin er sich unterscheidet von den Autoren, welche die deutsche Kirche auch wirklich kennen, ist die ideologisierende Verbindung von leeren Bänken und theologischen Anliegen.

 

Volle Kassen, leere Bänke

 

Was Anderson “Pope Francis’s mystifying decision” nennt, also die Entscheidung Kardinal Walter Kasper beim Konsistorium vor einem Jahr über die Familie sprechen zu lassen, liegt ihm wohl quer. Und all das liegt nur am Kirchensteuersystem. Wirr.

Nun könnte man das als überzogenen Kommentar abtun, wenn es nicht genau die Bruchstelle wäre, die immer wieder in Argumenten vorkommt: Weil die deutsche Kirche reich ist, sei sie moralisch/theologisch nicht auf der Linie Roms und nicht auf der Linie des katholischen Glaubens. Und umgekehrt: Nur eine arme Kirche des heiligen Restes kann wirklich für den Glauben stehen, nur wenn wir all die Strukturen los werden, all die Institutionen, Arbeitskreise, Arbeitsstellen und Stabsstellen, nur dann kommt auch der Glaube wieder zum Vorschein so wie er soll.

Fangen wir bei den leeren Bänken an. Hier ist ein wichtiger Punkt, die Debatte zur Entkirchlichung Deutschland (und ich füge ganz frei Österreich und die Schweiz hinzu) muss geführt werden. In meiner Jugend kann ich mich noch gut an all die kirchlichen Aktionen erinnern, die mit Glauben wenig, mit Moral aber viel zu tun hatten. Fastenzeit-Aktionen, ohne das Wort „Ostern“ auch nur in den Mund zu nehmen, wir kennen das alle. Die Religionssoziologen sprechen von „Traditionsabbruch“, die kommenden Generationen wissen all die Dinge nicht mehr, die man für ein normales Glaubensleben braucht. Sie lehnen sie noch nicht einmal ab, sie wissen sie einfach nicht. Und das ist die Verantwortung der vorherigen Generationen. Soweit stimmt die Klage und darüber muss man reden.

Der nächste Schritt stimmt dann aber nicht mehr. Die Struktur der Kirche wie sie Deutschland kennt ist nicht verantwortlich für theologische oder pastorale Ansichten. Das Sein bestimmt nicht das Bewusstsein. Die deutsche Kirche zwingt auch nicht mit ihrem Geld andere Kirchen auf Linie, das ist absurd.

Der Rest ist nicht heiliger als die Menge, nur weil er ein Rest ist. Das Wiederholen von alten Sätzen ist nicht katholischer, weil es vor 30 oder 50 Jahren einmal richtige Sätze waren.

Ich erwarte von meiner Kirche, dass sie unter allen Umständen – mit Struktur oder ohne, mit Geld oder ohne – sich um Glauben und die Menschen kümmert. Darüber müssen wir reden. Innerhalb der Bedingungen, wie sie sind, Kirche sein und sich nicht einen anderen Zustand herbei träumen. Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee, nennt das Papst Franziskus in Evangelii Gaudium (231 ff).

Wenn wir also über die Krise der Kirche in unseren Ländern sprechen, dann müssen wir das mit offenen Augen tun. Die Bänke sind leer, die Kassen voll ist eine Problemanzeige. Dass die Bänke voller wären, wenn die Kassen leer wären ist aber ein Fehlschluss.

 

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29 Kommentare zu Sein und Bewusstsein

  1. Ralf sagt:

    Nun ja,

    der Punkt, daß hierzulande (Deutschland) das Geld bei zahlungskräftigen Katholiken eher über die Zulassung zu den Sakramenten und kirchlichen Diensten entscheidet als der Lebensstil, ist nicht zu betreiten – und ein Musterbeispiel von „kleiner“ Simonie.
    Man kann zwar einen Dienst (bspw. Kommunionhelfer) nicht kaufen, aber man kann sich ausschließen, wenn man nicht ins gängige System zahlen will.

    Was ist daran bitte nicht arrogant?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das System ist nicht „gängig“, es ist eines, auf das sich die Kirchen verständigt haben. Ich finde das auch nicht wirklich ungerecht, man kann auch gut darüber debattieren, wie Andreas Püttman zeigt. http://www.bku.de/index.php?ka=1&ska=5&idn=67 . Simonie ist das nicht, auch keine kleine. Man schließt sich auch nicht durch Nichtzahlen aus, sondern durch die Aussage, nicht dazu gehören zu wollen.

      • Elasund sagt:

        Lieber Pater Hagenkord,
        was soll dann Ihrer Meinung nach ein deutscher Katholik tun, der durchaus zur römisch-katholischen Kirche dazu gehören möchte, aber eben nicht Kirchensteuer in der vorgesehenen Höhe bezahlen möchte (oder meint nicht zu könnnen)?

        • Pater Hagenkord sagt:

          Wenn er oder sie es nicht kann, dann fällt er oder sie bestimmt auch unter die Bemessungsgrenze. Ich möchte aber die Schreie all derjenigen hören, die sehen, dass dann der Pfarrer abgezogen oder der Kindergarten zugemacht oder jene Förderung für ein Hilfsprojekt nicht mehr gezahlt werden kann.

          • Elasund sagt:

            Ich habe bewußt geschrieben, dass die Leute nicht bezahlen möchten. Das ist etwas anderes als (tatsächlich) nicht können. Ich höre z. B. „Wir können keine Kirchensteuer zahlen, weil wir sonst mit den Kindern aus der Stadt rausziehen müssten.“ oder „Ich kann keine Kirchensteuer mehr zahlen, weil ich meine Wohnung auch nach der Scheidung behalten will.“ Das sind natürlich Aussagen von Leuten, die einen relativ hohen Lebensstandard haben und halten wollen. (So wie jeder Mensch halt vom status quo ausgeht.) – Trotzdem finde ich nicht, dass die Kirche das Recht hat solche Personen auszuschließen. Und genau das tut die Kirche in Deutschland. Wer nicht bezahlen möchte ist draußen – von den Sakramenten ausgeschlossen – und wenn er diese Konsequenz noch so wenig wünscht.

          • Peter Lehmann sagt:

            Geehrter Herr P. Hagenkord
            Betreiben Sie hier absichtliche Verdummung ? Wie Sie vermutlich wissen (ich muss davon ausgehen) wurden kirchlichen (welch ein Ettikettenschwindel) Kindertagesstätten im Jahr 2000 zu etwa
            75 % durch staatliche Mittel (staatliche Sozialausgaben) finanziert. Der Elternanteil betrug im Mittel etwa 15 %. Maximal 10 % trugen die Kirchen zur Finanzierung bei. Und die Kirchen wollen und haben ihren Beitrag weiter herabgeführt. So beträgt der staatliche Anteil an den „Kirchlichen Kindertagesstätten“ im Bundesland inzwischen Hamburg 100 %.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Dann fragen Sie mal einen beliebigen Stadtkämmerer, ob er die Institutionen zum gleichen „Preis“ auch als städtische Institutionen unterhalten könnte, und die Antwort ist immer „Nein“. Da gibt es viel zu viel Unterstützung von außen, von Freiwilligen mal ganz abgesehen.
            Und Ihre Sprache ist eine Frechheit.

          • Peter Lehmann sagt:

            Geehrter Herr P. Hagenkord
            Sie haben einen Zusammenhang zwischen Kirchensteuererhebung und etwaiger Schließung von Kindertagesstätten hergestellt. Dieser Zuammenhang erschließt sich für mich nicht, wenn z.B. in Hamburg 100 % der finanziellen Aufwendungen für die Betreibung „kirchlicher Kindertagesstätten“ ohnehin vom Staat übernommen werden.

          • Pater Hagenkord sagt:

            Wie ich in meiner vorherigen Antwort bereits gesagt habe: Da sind mehr Kosten als die reinen Betriebskosten.

    • Toribio sagt:

      Dass man austreten kann ist das Menschenrecht der Selbstbestimmung.
      Ich weiß, damit tut sich die RKK und ihre Glaubensgewaltigen aus Klerus und Orden schwer.
      Aber das „Erkaufen von Sakramenten??????“ ist entweder einer opulenten Schieflage der Kritiker oder der Schwachheit und Führungsschwäche des Ordinarius und/ oder der Kleriker zu verdanken.
      Aber in Reichtum und Geld (siehe Gehälter)lässt sich halt gut leben und dem schönen,angenehmen und ggf. auch nichtchristlichen Eigenheiten fröhnen.
      Alles im Namen Gottes!!!

      • Pater Hagenkord sagt:

        Haben Sie auch Argumente zu liefern, oder nur Ressentiments? Es gibt kein „Erkaufen von Sakramenten“. Man kann die Praxis kritisieren, soll das auch, aber Ihr Beitrag lebt ja nur von Unterstellungen.

  2. AR35 sagt:

    Nun, der Artikel von Herrn Anderson prescht tatsächlich ziemlich weit über das Ziel hinaus. Dennoch legt er seinen Finger in eine offene Wunde, ob es einem gefällt oder nicht.

    Tatsache ist doch, dass die Kirche in Deutschland in nichts so rigoros ist, wie in Sachen Geld. In fast allem läuft sie den Menschen hinterher, aus Mitgefühl und Barmherzigkeit natürlich 😉 , aber bei Geld hört ja bekanntlich die Freundschaft schnell auf.

    Wie kommt es, dass auf die Weigerung, die Kirchensteuer zu bezahlen, die faktische Exkommunikation steht? Das bedeutet also im Unkehrschluss, Sakramente gegen Geld. Das ist Ablasshandel! Ich weiss, dass ist jetzt sehr polemisch ausgedrückt, aber ich möchte es einfach mal so bezeichnen.

    Die Bischöfe und Priester in Deutschland reden unentwegt davon, barmherzig und gütig mit Menschen umzugehen (Stichwort wiederverheiratete Geschiedene, weil gerade aktuell), andererseits agieren sie unbarmherzig bis ins Mark, wenn es um die Kirchensteuer geht. Exkommunikation ist in deutschen Landen eigentlich ein Fremdwort, in Deutschland kann man sich ja fast alles erlauben, ohne Angst haben zu müssen, aus der Kirche hinauszufliegen, aber wenn es ums Geld geht, dann schwirrt das Gespenst der Exkommunikation auf einmal über den Köpfen. Das kann so einfach nicht gut sein.

    Ich möchte betonen, dass ich kein prinzipieller Gegner der Kirchensteuer bin. Ich weiss, dass sehr viel Gutes mit dem Geld getan wird (Mission, Kinder- und Altenbetreuung, Krankenhäuser,Unterstützung von Diasporagemeinden). Nur, was mich unheimlich stört ist, dass die Kirche in Deutschland in allem Samthandschuhe trägt, um ja nirgends anzuecken, beim Geld einen aber mit dem eisernen Handschuh verprügelt. Das geht so einfach nicht, und ich denke, die Kirche in Deutschland sollte sich mit dem Thema doch auch mal ernsthaft auseinandersetzen.

    • Pater Hagenkord sagt:

      Nur ein Drittel der Katholiken in Deutschland muss überhaupt Kirchensteuer zahlen. Zwei Drittel sind also Katholiken, ohne zu zahlen, weil sie die Kriterien nicht erfüllen. Die Logik Sakramente gegen Geld stimmt also nicht so ganz.

      • AR35 sagt:

        Lieber Pater Hagenkord!

        Danke für Ihre Antwort. Ich habe ja geschrieben, dass meine Äusserungen durchaus leicht polemisch sind. Dennoch hat für mich die Verquickung von Sakrament und Geld ein eindeutiges Geschmäckle, egal ob jetzt 1/3 oder nur 1/4 der Katholiken bezahlen MÜSSEN!
        Andererseits ist mir durchaus klar, dass die Kirche auch Geld braucht für ihre Aufgaben. Von Luft und Liebe kann auch die Kirche nicht leben. Das weiss auch Papst Franziskus, weshalb er auch die Vatikanbank behalten hat, was ich im Übrigen richtig finde.

        Ich habe nur ein Problem damit, wie sich die Kirche in Deutschland in Sachen Geld verhält. Knallhart und unbarmherzig in Sachen Geld, aber bei der Verkündigung des Glaubens ängstlich und durchaus im Bereich der Beliebigkeit. Ich würde mir sehr wünschen, die Kirche in Deutschland würde sich ein grosses Beispiel am Heiligen Vater nehmen. Zurückhaltend und bescheiden in Auftreten, aber kompromisslos in der Nachfolge Jesu und in der Verkündigung des Evangeliums. Manchmal habe ich das Gefühl, in der deutschen Kirche ist es gerade anders herum.

        Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend!

  3. „Sakramente nur gegen Geld“ etc., das ist sicher eine wirre Diskussionslinie. Meines Erachtens sehr viel bedenkenswerter in dem Zusammenhang Geld/Kirche ist die Unabhängigkeit bzw. deren Mangel. Wer wollte bestreiten, dass auch die Kirche nur ungern „die Hand schlägt, die sie füttert“ (Kirchensteuer = Staats-/Politiknähe)?

    • Pater Hagenkord sagt:

      Das möchte ich bestreiten, siehe den Streit jetzt gerade zwischen Ministerpräsident Seehofer und Kardinal Marx. Außerdem, der Staat gewährt der Kirche ja das Geld nicht, er füttert sie nicht, die Kirchen entscheiden selber, ob und wie viel sie einziehen.

      • Wovor diese Angst? In fast keinem Land der Erde gibt es ein staatlich betriebenes Kirchensteuersystem… Und der so genannte Streit zw. Kardinal Marx und Seehofer ist doch wohl eher ein „guter Cop-böser Cop“-Spiel…

        • Pater Hagenkord sagt:

          Das ist schön einfach, alles, was der eigenen These widerspricht, als „Spiel“ abzutun. Und was die „Angst“ angeht: Ich habe keine Angst, ich wünsche mir nur eine ehrliche, keine polemische, Debatte.

  4. Videns sagt:

    Mit dem Geld hat der Schwund der Kirchenbesucher nichts zu tun. Hier tragen die Verweltlichung der deutschen Katholischen Kirche und ein Religionsunterreicht Früchte, der über politkorrektes Sozialgesülze nicht hinauskommt.

    Wo es kein Glaubenswissen gibt, gibt es auch keinen Grund zum Gottesdienstbesuch.

    • Gabi sagt:

      Ja, das kann ich mir auch vorstellen, wenn die jetzige und eventuell schon zwei vorhergehende Generationen (und dann wohl mehr in den alten als den jungen Bundesländern) solcherart Religionsunterricht als einzige Glaubensunterweisung erfahren haben. Wenn Schüler nur Musikunterricht in der Schule haben, zu Hause aber sich kein Mensch fürs Musizieren / Singen interessiert, wird wohl in den seltensten Fällen ein Musiker draus werden… Soll heißen: was in der Familie nicht g e l e b t wird, hat kaum Chancen, im weiteren Leben eines Menschen eine große Rolle zu spielen (Wunder gibt es natürlich!). Ich hoffe doch sehr, dass meine Enkelkinder einen besseren Religionsunterricht heutzutage haben, als Sie ihn offenbar kennen. Abgesehen davon, dass ich selbst drei Religionslehrer persönlich kenne, denen ich kein „sozialpolitisches Gesülze“ oder wie Sie es bezeichnen, unterstellen mag, und wenn „sozial“, dann ganz im Sinne der jesuanischen Bergpredigt und konform mit Papst Franziskus – also abgesehen davon reden wir in unseren Familien schon immer über das, was wir glauben, auch mit den Kindern.
      Ich denke, der Schwund in den Kirchenbänken hängt auch damit zusammen, dass es andere Prioritäten im Leben eines Teils der „eingeschriebenen“ Katholiken gibt, als diesen Glauben. Vielleicht sind es auch äußere Umstände, wie z. B. Priester, die zwar seit Jahren / Jahrzehnten hier eine Gemeinde leiten, aber nicht der deutschen Sprache mächtig sind, und schlichtweg nicht verstehbar sind, und vor denen man einfach woandershin „fliehen“ kann, so man mobil ist.

  5. Elasund sagt:

    Zur Kirchensteuer allgemein:
    Das mindeste was geändert werden sollte ist, dass das Kirchenmitglied in ihrer/seiner Pfarrgemeinde austreten muss. Momentan ist es ja so, dass die Willenserklärung vor einem staatlichen Beamten/Angestellten von der Kirche als Willenserklärung vor der Kirche angesehen wird. Das kann es wirklich nicht sein. Das geht so nicht! – Ich habe einen Bekannten der wieder in die kath. Kirche eingetreten ist. Der meinte, es müsste so eine Art „Pflichtberatung“ durch die katholische Kirche geben, bevor man austreten kann. Er hätte damals überhaupt nicht gewußt, was er macht…. Die Leute im Standesamt haben ihn auf gar nichts hingewiesen und von seinem Pfarramt kam nur so ein unverständlicher Brief. Also selbst bei Beibehaltung der Kirchensteuer besteht Verbesserungsbedarf!

  6. NaSt sagt:

    Es erschrickt und entsetzt mich immer mehr in welchen Chaos und Durcheinander von und über Kirche und Glaube gesprochen wird, aber kaum über und mit dem, der uns diese Würde geschenkt hat: Gott. Es wird kaum differenziert, weil alles in eine schlagfertige Antwort gesetzt werden muss, welche man anschließend einem rechten oder einen linken Flügel zu sortieren kann/darf/soll/muss. Und anschließend beschimpfen sich viele gegenseitig und man darf sich dann doch fragen, ob sie den Sinn von Weihnachten wenigstens erahnt haben. Wenn wir es nicht haben, dann ist es auch egal ob wir Sakramente mit Kirchensteuern gleichsetzen oder in eine allgemeine Verballhornung „gegen alles“ gelangen. Ob es nun zu viele Strukturen mit zu viel Geld und zu wenig Glauben ist, oder umgekehrt oder gar nichts davon, kann doch als Christ nicht ernsthaft eine Frage sein. Die Frage als glaubender Mensch müsste in unserer Zeit doch eine andere sein: Wo und Wie kann ich heute Gott erfahren? Und kann es nicht auch sein, dass Gott mit uns heute nicht genau so unterwegs ist, wie er es seit den Zeiten des Bundes mit uns ist? Und kann es nicht auch sein, dass dort wo Menschen miteinander um den Glauben ringen oder ihn schon vermeintlich verloren haben, dass dort Gott schon längst ist, wir ihn aber nicht vermuten und erkennen. Und da wo wir Gott erleben und erfahren kann Kirche, kann Glaube, kann Zwischenmenschlichkeit, Wärme und Liebe sein. Das nennt die Bibel Wunder! Wunder zwischen Gott und Mensch finden nämlich nicht in der Öffentlichkeit statt, sondern in einem Moment tiefster Intimität zwischen Mensch und Gott. Unsere jüdisch/christlichen Wurzeln liegen doch in der Erfahrung, dass unser Gott rettet. Wir haben an Weihnachten den Retter gefeiert. Warum sollte Gott das in 2015 nicht mehr vorhaben?

  7. S.G. sagt:

    Ich habe vor 3 Jahren den Nuntius in Deutschland angeschrieben, weil ich wissen wollte, ob ich aus der Kirche austreten kann (keine Kirchensteuer zahlen), weil ich bestimmte Vorgänge, die in der deutschen Kirche passieren, nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte. Für mich stellte sich ernstlich die Frage, ob ich mich gegenüber Gott versündige, wenn ich dieses System finanziell unterstütze (Katholische Theologen, die gegen Rom wettern, bestimmte Sonderwege der deutschen Kirche, die nicht romkonform sind, usw.). Ich hätte das hierfür eingesparte Geld gerne direkt unserer Pfarrei zu Gute kommen lassen…
    Der Nuntius antwortete lapidar, dass in Deutschland bei Kirchenaustritt die Exkommunikation droht. Ich brauche mir kein Gedanken machen, dass ich mich gegen Gott versündige, da ich als gläubige Christin dem Bischof unterstellt bin und mich somit keine Verantwortung trifft, wenn etwas in der deutschen Kirche schief läuft. Der Bischof ist derjenige, der sich gegenüber Gott zu verantworten hat. Ich trat also nicht aus, da ich die Kirche, als Leib Christi, liebe.
    Ich denke, dass viele Christen (katholisch oder evangelisch) nur noch in der Kirche sind, weil sie die Kirche als Dienstleisterin für ihre Feste sehen (Taufe, Kommunion, Firmung, Konfirmation, Hochzeit, Begräbnis). Der Glaube selbst ist leider am Schwinden. Viele Kinder erfahren erst im Kommunionsunterricht, dass es Gott gibt, weil ihre Eltern mit dem Glauben nichts mehr anfangen können. Es gibt ein schönes Sprichwort: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Die deutsche Kirche wird frischen Wind durch die Flüchtlinge erhalten. Die meisten Flüchtlinge sind Muslime, die vor den eigenen Glaubensbrüdern flüchten müssen, weil diese den Islam als Vorwand für ihren Terror benutzen. Wenn wir Christen diese Flüchtlinge in Liebe aufnehmen, kann ich mir gut vorstellen, dass dadurch die Menschen ins Grübeln kommen, und sie sich wieder für das Evangelium öffnen werden: Dort wo die Liebe ist, da ist keine Angst mehr vor dem Fremden, vor dem anderen Glauben. Da gibt es kein rassistisches Gedankengut mehr. Katholisch ist allumfassend und nimmt alle Menschen in seine Nächstenliebe hinein. Ich durfte an Heiligabend eine Christmette in meinem deutschen Urlaubsort erleben, wo zwei schwarze Priester zelebriert haben. Ich musste zuerst sehr aufpassen, da beide einen starken Akzent hatten. Aber dann, als die Eucharistie begann, fühlte ich mich sofort zu Hause. Jesus verbindet doch alle Menschen miteinander! Wenn alle an das Evangelium glauben würden, gäbe es kein PEGIDA und auch keinen Kirchenschwund. ☺

  8. Gast auf Erden sagt:

    Dass die Bänke voller wären, wenn die Kassen leer wären ist aber ein Fehlschluss.

    Ein sehr wahrer Satz!

    Der Fehlschluss des guten Mr. Anderson ist vielleicht durch die Überlegung zustande gekommen, dass die Bischöfe in Deutschland vielleicht zu sehr auf ihre Bankkonten achten und zu wenig auf die Menschen, die ihnen anvertraut sind.

    Dieses Gefühl ist mir auch in Deutschland oft genug begegnet, besonders seit dem kläglichen Abgang des Herrn Tebartz van Elst, aber auch schon vorher, wenn von den Kirchenfinanzen allgemein die Rede war; zum Beispiel von den wenig transparenten doppelten Kassen der Diözesen, deren Gebaren in katholischen Einrichungen, die fast zur Gänze aus allgemeinen Steuern finanziert werden, oder der für viele Menschen völlig unbekannten Tatsache, dass römisch-katholische Bischöfe ihre Alimentation wie ganz normale deutsche Beamte vom säkularen(?) Staat beziehen. Und zwar nicht zu knapp!

    Diese ganze Mixtur aus schwer durchschaubaren Finanzfakten ist sicher nicht der alleinige Grund, warum die Glaubwürdigkeit des römisch-katholischen Klerus etwas gelitten haben mag; auch ein Gefühl der Ohnmacht und des zu-kurz-gekommen-seins, nicht nur auf pekuniärem Gebiet, sondern ganz allgemein gegenüber den Männern mit dem purpurnen Zingulum kann den Besuch der Messe und der Kirche recht unerquicklich machen.
    Tatsächlich kenne ich Einzelfälle, bei denen solche Überlegungen zum endgültigen Bruch mit der Kirche geführt haben.
    Wie auch immer, dies alles ist nicht unbedingt eine Einladung sich voll und ganz hinter die Institution katholische Kirche zu stellen und das öffentlich jeden Sonntag.
    Aber wie Sie völlig richtig anmerken, wenn das alles schlagartig sich ins Gegenteil verkehren würde, wenn alle Bischöfe leben würden, wie Bischof Kamphaus, oder auch nur wie Kardinal Wölki in Berlin gelebt hat, wenn die Kirche darauf verzichten würde, sich ihre Institutionen und Bischöfe vom Staat zu fast hundert Prozent bezahlen zu lassen und sich damit natürlich einer säkularen Institution nähert, „anbiedert“ wie manche das bezeichnen, kaum einer der Vertriebenen würde morgen wieder auf der Matte stehen.
    Was also tun? Weiter so für die Kirche? Manche wünschen sich nicht mehr als das. Andere würden lieber heute als morgen alles erneuern und keinen Stein auf dem anderen lassen dabei.
    Eines wissen wir. Es wird nie wieder so wie früher und die Glaubwürdigkeit wieder zu erlangen wird die Kirche virl Schweiss und Tränen kosten und einen erneuten Machtverzicht bedeuten.

  9. Gabi sagt:

    Ich empfinde diesen Artikel von Herrn Anderson inhaltlich verquer und schlecht recherchiert, und es bedrückt mich, dass es auch in der europäischen katholischen Kirche kein einvernehmlicheres Miteinander gibt, sondern die einschlägig bekannten Ressentiments damit befördert werden.
    Aber: Wer wird jetzt was richtig stellen?
    Ist dieser Artikel überhaupt der Rede wert? Warum haben Sie, Pater Hagenkord, ihm soviel Beachtung geschenkt?
    Mir als ganz normaler Katholikin stellte sich diese Frage nach „Geld – oder keine Sakramente!“ überhaupt noch nie. Das Ureigenste ist doch unverkäuflich! Mag sein, ich habe da was noch nicht ganz kapiert … DAS wäre m.M. ein Armutszeugnis erster Klasse!!!
    Ich zahle Kirchensteuer, damit die Kirche auch ihre Aufgaben an den sog. Peripherien tun kann, zumal wenn dieser Aufwand nicht ersetzt wird…

  10. Stephan sagt:

    Lieber Pater Hagenkord,

    ich habe den verlinkten englischen Artikel und Ihren Kommentar gelesen.
    Wir leben ja in einer Zeit, in der es fast normal erscheint, daß es jedem nur um eigene Interessen geht und darum, andere wegzudrücken, auszuschliessen etc.. Oft wird ja z.B. auch bei Papstwahlen von der Presse so kommentiert, als würde in dem Konklave hart um Interessen gekämpft. In der Kirchengeschichte mag das ja gelegentlich auch so gewesen sein. Ich glaube aber wirklich, daß die Kardinäle die Päpste im Gebet und im Dialog finden, wie sie es auch behaupten.
    Der Autor des Artikels hat nun aber wohl eher die erstere, ja sogar eine materialistische Argumentationsweise – aber er hat darin verborgen auch die Vorstellung, daß es dem Kardinal Kasper darum geht, nicht mehr zu überlegen, wie man andere ausschliesst, sondern wie man sie hereinholt oder hält, auch wenn er ihm dabei niedere, materialistische Beweggründe unterstellt – die hat Kardinal Kasper wohl nicht. Es kommt mir aber so vor, als wäre es doch eine Überlegung wert: Wenn die Kirche ihre Steuereinnahmen durch Gebet, durch gute Theologie und gute Sorge, gute Verkündigung des Evangeliums erwerben würde, hätte sie dann nicht unsäglich mehr Autorität, wäre sie wirklich ein Ort ausserhalb dieses weltlichen Interessengedrückes, wie beispielsweise die kath. Kirche im früheren Ostblock eine ganz andere Kraft besitzt.

    • Christine Promny sagt:

      Die Kirche braucht unbedingt Geld.Das Geld ist für andere Menschen zuständig .die arm sind. Deshalb brauchen wir die Barmherzigkeit dazu unbedingt, so Gottes Wille.

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