Unruhe

„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir“ (Confessiones/Bekenntnisse, I, 1,1). Mit diesen berühmt gewordenen Worten wendet sich der heilige Augustinus in seinen Bekenntnissen an Gott, und in diesen Worten findet sich eine Synthese seines ganzen Lebens.“

 

Papst Franziskus bei den Augustinern

Papst Franziskus bei den Augustinern

Die ersten Worte der Papstpredigt. Papst Franziskus nahm den wohl bekanntesten Satz des großen Kirchenvaters zum Ausgangspunkt, um das Fest des Heiligen am 28. August mit dem Orden, der den Namen des Heiligen trägt, zu feiern. Die Messe fand in Sant‘ Agostino, in der Nähe der Piazza Navona statt, davor hatten stundenlang Menschen auf den Papst gewartet. Die Augustiner begannen ihr Generalkapitel und zu diesem Anlass feierte Franziskus mit ihnen die Messe, wie er auch mit den Jesuiten am Tag ihres Gründers, des heiligen Ignatius, gefeiert hatte. Die Predigt:

 

Drei Unruhen

 

Unruhe. Dieses Wort hat mich getroffen und lässt mich verweilen. Ich möchte von einer Frage ausgehen: Welche grundlegende Unruhe hat Augustinus in seinem Leben gelebt? Oder vielleicht sollte ich sagen: Welche Unruhen lädt dieser große Mensch und Heilige uns ein zu wecken und in unserem Leben zu erhalten? Ich möchte drei vorschlagen: Die Unruhe der geistlichen Suche, die Unruhe der Begegnung mit Gott, die Unruhe der Liebe.

 

Er verliert die Unruhe nicht

 

Die erste: Die Unruhe der geistlichen Suche. Augustinus lebt, wie es heute alltäglich ist, wie es unter jungen Menschen heute alltäglich ist. Er wurde von seiner Mutter im christlichen Glauben erzogen, auch wenn er nicht getauft ist. Aufwachsend hat er sich vom Glauben entfernt, er findet in ihm nicht die Antworten auf seine Fragen, auf die Sehnsüchte seines Herzens und wird von anderen Verlockungen angezogen.

Er geht zu den Manichäern, er widmet sich dem Studium ihres Denkens, er gibt derweil sein sorgloses Leben nicht auf, die Vergnügen der Zeit, intensive Freundschaften, er kennt die intensive Liebe und beginnt die Laufbahn eines Rhetorik-Lehrers, die ihn bis an den kaiserlichen Hof in Mailand bringt.

Augustinus ist ein „angekommener“ Mann, er hat alles, aber in seinem Herzen bleibt die Unruhe der Suche nach einem tieferen Sinn seines Lebens. Sein Herz ist nicht ruhig, ich würde sagen es ist nicht vom Erfolg betäubt, von den Dingen, von der Macht. Augustinus schließt sich nicht in sich selbst ein, er wird nicht ruhig, er bleibt auf der Suche nach der Wahrheit, dem Sinn des Lebens, er sucht weiterhin das Antlitz Gottes.

Sicherlich machte er Fehler, es ging falsche Wege, er sündigt, er ist ein Sünder. Aber er verliert die Unruhe der geistlichen Suche nicht.

Und dabei entdeckt er, dass Gott ihn erwartet, mehr noch, dass Gott niemals aufgehört hat, ihn zuerst zu suchen.

 

Was antwortest du?

 

Ich möchte denen etwas sagen, die sich Gott und dem Glauben gleichgültig gegenüber fühlen, denen die Gott fern sind oder ihn verlassen haben; auch uns, mit unserer Ferne und unserem Aufgeben Gottes, klein vielleicht, aber davon gibt es so viel in unserem Alltag. Ich möchte sagen: Schau in die Tiefe deines Herzens, schau in dein Innerstes, und frage dich: Hast du ein Herz, das etwas Großes sucht oder ein Herz, ruhig gestellt von den Dingen?

Hat dein Herz die Unruhe der Suche bewahrt oder hast du es von den Dingen ersticken lassen, die schließlich zur Verkümmerung führen? Gott wartet auf dich, sucht dich: Was antwortest du? Bist du zufrieden damit, wie deine Seele ist? Oder schläfst du? Glaubst du, dass Gott auf dich wartet oder ist diese Wahrheit für dich „nur Worte“?

 

Die Unruhe der Begegnung mit Gott

 

In Augustinus ist eine Unruhe des Herzens, die ihn zur persönlichen Begegnung mit Gott führt, die ihn verstehen lässt, dass dieser Gott, den er weit weg von sich suchte, ein Gott ist der jedem Menschen nah ist, der Gott der unserem Herzen nahe ist, uns näher als wir selbst uns sind (Conf III,6,11).

Aber auch in der Entdeckung der Begegnung mit Gott hält Augustinus nicht an, wird er nicht ruhig, schließt er sich nicht in sich selbst ein als wäre er schon angekommen, sondern er setzt seinen Weg fort. Die Unruhe der Suche nach der Wahrheit, der Suche nach Gott, wird zu einer Unruhe, ihn immer mehr kennen zu lernen und aus sich selbst heraus zu gehen um die Nächsten kennen zu lernen. Es ist die Unruhe der Liebe.

 

Er ließ sich von Gott beunruhigen

 

Er wollte ein ruhiges Leben des Studiums und des Gebetes führen, aber Gott rief ihn, Hirte in der Stadt Hippo zu werden, in einem schwierigen Moment, mit einer zerstrittenen Gemeinde und den Krieg vor der Tür. Und Augustinus ließ sich von Gott beunruhigen, er wurde nicht müde, ihn zu verkünden, die Frohe Botschaft mit Mut weiter zu geben, ohne Furcht. Er will das Bild Jesu des Guten Hirten werden, der seine Schafe kennt, der „ihren Geruch kennt“ und aufbricht, das verlorene Schaf zu suchen.

Augustinus lebt das, was der heilige Paulus Timotheus und uns allen schreibt: ‚Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung’ (2 Tim 4:2), wie ein Hirt, der unstet ist für seine Schafe.

Dieses Verhalten ist der Schatz des Augustinus: Immer gen Gott aufbrechen, immer zur Herde … Er ist ein Mann voller Spannung, zwischen diesen beiden Aufbrüchen; er „privatisiert“ die Liebe nicht … er ist immer auf dem Weg! Er ist immer auf dem Weg, immer unruhig! Das ist der Friede der Unruhe.

 

Der Friede der Unruhe

 

Wir können uns nun fragen: Bin ich unruhig für Gott, ihn zu verkündigen, ihn bekannt zu machen? Oder lasse ich mich von der geistlichen Weltlichkeit, die uns antreibt, alles nur für uns selbst zu tun, beherrschen?

Wie Geweihten denken an die eigenen Interessen, an das Funktionieren unserer Arbeiten, an die Karriere. Da können wir an vieles denken … Habe ich es mir bequem gemacht in meinem Christentum, in meinem Priestersein, in meinem Ordensleben, in meinem Gemeinschaftsleben, oder habe ich die Kraft der Unruhe für Gott, für sein Wort, die mich antreibt, aufzubrechen, zu den Nächsten?

 

Die Unruhe der Liebe

 

Wir kommen zur letzten Unruhe, der Unruhe der Liebe. Wie könnten wir hier nicht auf die Mutter schauen, auf Monika! Wie viele Tränen hat diese heilige Frau vergossen für die Bekehrung des Sohnes! Und wie viele Mütter vergießen heute Tränen, damit ihre Kinder zu Gott zurückkehren!

Verliert niemals die Hoffnung auf die Gnade Gottes! In seinem Buch „Bekenntnisse“ lesen wir diesen Satz, den ein Bischof zur heiligen Monika sagte, als sie Hilfe suchte, ihren Sohn auf den Weg des Glaubens zurück zu führen: „Es ist nicht möglich, dass ein Sohn so vieler Tränen verloren geht“ (III,12,21).

Nach seiner Bekehrung zu Gott schreibt dieser Augustinus: „Aus Liebe zu mir flehte meine Mutter zu dir und weinte, ganz und gar treu, und vergoss so viele Träne, wie sie Mütter beim leiblichen Verlust des Sohnes nicht vergießen“ (III,11,19).

Diese unruhige Frau, diese Frau spricht zum Schluss diese wunderbaren Worte: cumulatius hoc mihi Deus praestitit! [Gott hat mich ganz und gar zufrieden gestellt] (IX,10,26). Zu dem sie flehte, der hat ihr in Fülle gegeben! Und Augustinus ist der Erbe Monikas, er bekommt von ihr den Samen der Unruhe.

Das ist also die Unruhe der Liebe: Immer das Gute für den Nächsten zu suchen, nie anhalten, und das mit einer Intensität, die auch Tränen bringt.

Ich denke da an Jesus, der am Grab seines Freundes Lazarus weint, an Petrus, der nach der Verleugnung Jesu in sein barmherziges und liebendes Antlitz blickt und bitter weint; an den Vater, der am Haus die Rückkehr seines Sohnes erwartet und als er noch fern war ihm entgegen läuft; ich denke an die Jungfrau Maria die mit Liebe ihrem Sohn Jesus bis zum Kreuz folgt.

 

Lassen wir uns beunruhigen

 

Wie halten wir es mit der Unruhe des Herzens? Glauben wir an die Liebe zu Gott und zum Nächsten? Oder sind wir hier Nominalisten? Nicht nur abstrakt, in Worten, sondern im konkreten Bruder, dem wir begegnen, im Bruder, der neben uns ist!

Lassen wir uns beunruhigen von den Bedürfnissen des Nächsten oder bleiben wir in uns selbst eingeschlossen, in unseren Gemeinschaften, die für uns oft genug „Gemeinschaft – Komfort“ ist?

Man kann zusammen wohnen ohne den zu kennen, der nebenan wohnt; und man kann in einer Gemeinschaft leben, ohne wirklich den Mitbruder zu kennen: Mit Schmerz denke ich an die Ordensleute, die nicht fruchtbar sind, die „verknöcherte Junggesellen“ sind.

Von der Unruhe der Liebe wird immer der Aufbruch zum Nächsten angeregt, ohne dass er zuerst sagt, was er braucht. Die Unruhe der Liebe schenkt uns die Gabe der pastoralen Fruchtbarkeit, und wir müssen um sie bitten, jeder einzelne von uns: Wie geht es meiner geistlichen Fruchtbarkeit, meiner pastoralen Fruchtbarkeit?

Bitten wir den Herrn für euch, liebe Augustiner, die ihr euer Generalkapitel beginnt, und für uns alle, dass er in unserem Herzen die geistliche Unruhe erhalte, ihn immer zu suchen, die Unruhe ihn mit Mut zu verkünden, die Unruhe der Liebe für jeden Bruder und jede Schwester.

Così sia, so sei es.

 

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33 Kommentare zu Unruhe

  1. Claudia sagt:

    Eine sehr zu Herzen gehende Predigt, die für mich auch zugleich sehr viel Psychologie enthält und mir die Tränen in die Augen holt. Ich spüre diese gemeinte Form von Unruhe an meinem Herzschlag und meine, dass diese Predigt universell verstanden werden könnte. Unabhängig von den unterschiedlichen Religionen behaupte ich, trägt jeder Mensch diese tiefe Sehnsucht in sich. „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir“ – gilt das nicht auch für diesen Planeten und seine Bewohner? Gilt das nicht auch für die schrecklichsten Menschen unter uns, die geleitet und getrieben sind von Blindheit, Hass, Gier, Aggressionen, die selbst- und fremdschädigend sind? Man kann das ja beliebig fortsetzen……
    „Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung’ (2 Tim 4:2)“ passt auch zum vorherigen Blog in „Frei gesprochen“. Da nochmals vielen und herzlichen Dank an alle und den sehr kreativen Austausch.

  2. Carmen sagt:

    Ja, diese Predigt geht wieder mitten ins Herz, beim lesen kamen mir die Tränen.
    Franziskus spricht jeden Menschen guten Willens an unruhig zu bleiben hinaus zu gehen den Menschen zu begegnen. Ich nehme mir Franziskus Worte zu Herzen und bete demütig um die Gnade eines unruhigen Herzens.
    Danke hl. Vater.

  3. veruschka sagt:

    Diese Predigt enthält so viele tiefsinnge Gedanken, dass man sie öfter lesen muss, damit sich einem der volle Sinn erschließt. Ich möchte sie noch genauer studieren (vielleicht schreibe ich nochmal etwas dazu).
    Nur eines möchte ich hier kurz und vorab anfügen:
    Zu Augustinus‘ „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir.“
    Mein Vater ist Arzt und hat seine beiden Eltern beim Sterben begleitet.
    Seine Mutter war ihr Leben lang eine wirklich sehr „unruhige“ Frau. Sie war sehr lebendig und klug im Geist aber sie konnte auch nirgends länger als zwei Stunden sitzen.
    Ihr Gesicht war eigentlich immer angespannt.
    In der Nacht wo sie sterben sollte, rief mein Großvater meinen Vater an und bat ihn darum zu ihnen zu fahren (wir leben auf dem Land und eigentlich alle in unmittelbarer Nähe). Mein Vater war das gewöhnt… meine Großmutter hatte oft Unruhezustände/Probleme mit dem Herzen (ich nenn‘ es einfach einmal so). Diese Nacht muss schrecklich gewesen sein… Sie stand ständig auf und hatte furchbare Angst (ihr Herz pochte wie wild).
    Aber als sie gestorben war muss sie wunderschöne, völlig gelöste Züge besessen haben. Mein Vater war da sehr gerührt… und er ist kein Mann der viel weint bzw. gerne Gefühle zeigt.

  4. KRP sagt:

    Mein Lieblingsspruch von Augustinus, wenn ich einen sehr unruhigen, stressigen Arbeitsalltag habe und überhaupt keine Ruhe sich einstellen will und meine Gedanken kreisen, dann sage ich mir leise diesen Spruch. So als Meditationshilfe zum Stille werden „Mein Herz ist unruhig in mir bis es Ruhe findet Herr in dir“ und dann kommen die besten Ideen, Gedanken und Gebete. Danke für die Übersetzung der Predigt.

  5. veruschka sagt:

    Was mir bei den Predigten vom Papst doch auffällt, ist immer diese Dreiteilung. Wieso macht er das? Wieso sind es nicht mal vier oder fünf Aspekte zu einem Thema?
    In der katholischen Kirche verwendet man gerne Zahlensymbolik: 33 rote Knöpfe auf den Gewändern der Kardinäle stehen symbolisch für die 33 Lebensjahre Jesu, dann gibt es die Siebenerzahl (die Todsünden, die Sakramente, die Werke der Barmherzigkeit etwa) oder die Vierergruppen (etwa die Evangelien, die Kardinaltugenden etc.) und besonders auch die Zahl Drei ist wichtig (die Trinität, die drei göttliche Tugenden etc.). Wieso liebt Papst Franziskus gerade die Drei so sehr? Ich versteh‘ es nicht ganz 🙂

    Dann beschäftigt mich der Satz: „Er sucht das Antlitz Gottes weiterhin.“ Die Kirche geht ja davon aus, dass der Mensch nach dem Tod Gott „von Angesicht zu Angesicht schauen wird“… und dass dieses tiefe Anblicken ihm Frieden bringt. Ist das korrekt? Im Alten Testament verhüllt Mose sich etwa um Gott nicht anschauen zu müssen… ein Sterblicher darf ihn nicht anschauen. (Deshalb versteh‘ ich das mit den Mystikern auch immer nicht so ganz… Was wollen sie eigentlich genau erreichen? Das was dem Himmel vorbehalten ist? Aber verbessern Sie mich alle hier bitte! Das ist meiner Meinung nach fast schon größenwahnsinnig.
    Und dann der „Friede der Unruhe“. Ein Oxymoron ist immer schön! Ein Mensch der wahrhaft liebt, bekommt viel zurück… wenn man solch einen Menschen mit etwa Tabletten ruhig stellt, wird er erst schätzen, wie wertvoll die „Unruhe“ ist.

    Und zu den Tränen der Monika: Es gab im 18. Jahrhundert etwa die Literaturströmung der Empfindsamkeit. Friedrich Gottlieb Klopstock schrieb ein Bibelepos, den „Messias“. Man kann sich gar nicht vorstellen, welchen Widerhall dieser beim Leserpublikum fand (Religion als Mode). Darin geht der Dichter auch davon aus, dass die Tränen von lieben Menschen nötig seien, um bei Gott Gnade für eine Person erwerben zu können. Es gab sogar einen ganz speziellen Modeartikel: Die „Tränenvase“… in diesem wohl verschlossenen Gefäß verwahrte man Tränen von nahen Bekannten auf. Die Träne hatte in dieser Zeit einen enormen Stellenwert. Alles sehr skurril.

    Was aber sehr schön ist, ist, dass der Papst so ein unübertrefflicher Unruhestifter ist. Er hat manchmal fast etwas von einem anstrengenden Kind! Allein wie er redet, der Tonfall seiner Sprache… einmal so sanft, ein anderes mal aufbrausend und durch und durch lebendig, dann wieder leise und laut… Er hat zwar vor kurzem vor asiatischen Jugendlichen gemeint, dass er nicht Singen könnte… aber er kann es irgendwie doch!

    • KRP sagt:

      : “Er sucht das Antlitz Gottes weiterhin.” verstehe ich so das Augustinus wusste das er jeden Tag neu sich Gott zuwenden sollte, muss, in Gebet, Gedanken, Worten und Werken. Es ist nicht selbstverständlich ihn einmal gefunden zu haben und dann brauch ich nicht mehr viel dazu tun. Das denke ich haben die Mystiker allen voraus sich täglich, jede Stunde und auch Nachts in wachen Zeiten nicht mit Unnötigen sondern mit Gott beschäftigen. Die Unruhe bezieht sich sicher darauf nicht müde zu werden sondern sich jeden Tag immer wieder neu Gott zuwenden in Gedanken, Worten und den dazugehörigen Taten. Menschen die mit Tabletten ruhiggestellt werden haben sicher eine andere Unruhe in sich die sie nicht mehr steuern können, wie zum Beispiel Menschen mit Demenz, die Tag und Nacht laufen und sich höchstens mal kurz setzen und gleich wieder aufstehen. Ich weiss nicht ob man so eine Art Unruhe schätzen kann, weder der Kranke noch dessen Angehörige. Das nur am Rande war nur meine Meinung und Gedanke zu Ihrem Beitrag.

    • Tina sagt:

      @veruschka
      Soweit ich das mitbekommen habe, hat die Art von Papa Franziskus, stets 3 Punkte in seinen Predigten zu wählen, mit der Tradition des Hl. Ignatius von Loyola zu tun, dem Gründer des Jesuitenordens, dem Franziskus angehört. Dieser Dreierrhythmus hängt irgendwie mit den Geistlichen Übungen der Jesuiten zusammen. Pater Hagenkord als Jesuit kann das sicher besser erklären…

      • Pater Hagenkord sagt:

        Das kann ich gut erklären, werde das auch mal ausführlich machen, hier nur soviel: Im Exerzitienbuch folgen die Übungen einem bestimmten Muster, da gibt es immer drei Vorbereitungsschritte und dann drei „Punkte“, die zu bedenken, meditieren sind. Das geht einem nach Jahren schlicht in Fleisch und Blut über. Die Drei hat nichts Geheimnisvolles, es schlicht die Art und Weise, wie Ignatius seine Übungen aufbaut.

    • Chrisma sagt:

      @Veruschka Was ist Mystik??? Gute Frage nächste Frage…. Ich kann es auch nicht in kurz und knapp fassen. Natürlich kann man an dieser Stelle lang und episch breit über die traditionellen Mystiker berichten. Aber kurz gesagt ist es die Sehnsucht nach Gott. Mystik ist immer das „antiautoritäre Element in jeder Religion“. Sie führt uns zu einer jahrtausendlangen übergreifenden Gemeinschaft von „Freigeistern“, die das Autoritäre -das jeder Religion innewohnt- in Frage stellt. Papst Benedikt hat sinngemäß gesagt: „unsere Kirche wird in der Zukunft eine mystische Kirche sein oder sie wird nicht sein“. Noch nie war der persönliche Weg zu Spiritualität wichtiger als heute angesichts von geistlosem Materialismus und kalter Zwischenmenschlichkeit. Dies meint aber in keinem Fall „Rückzug“ oder „Selbstbespiegelung“. Alle, ausnahmslos alle großen katholischen Mystiker waren in ihrer Zeit „Unruhestifter“. Das innehalten in der Stille ist ein wichtiges Merkmal, die Gottesschau wie es die großen Mystikerinnen der deutschen Frauenmystik des frühen Mittelalters , Meister Eckhart und andere beschreiben führt immer auch in eine Auseinandersetzung mit den realen „Jetzt“. Vielleicht der Hinweis auf die Heilige Edith Stein (Karmeliterin), die ihre Mystik erfahrbar macht vor dem Hintergrund einer Zeit, die uns in ihrem Grauen noch „nahe“ ist. Abschließend: Mystik ist nichts was wir in einem Rutsch „studieren“ können. Es ist eine lebenslange Auseinandersetzung mit unserer eigenen Suche nach Gott. Hier finden wir dann auch die Antwort auf „Was ist Mystik?“
      Unruhe, ja unbedingt. Unser Papst ist ein sehr lebendiger Unruhestifter und er verlangt von der Jugend, dass sie sich laut einmischt. Ob er singen kann??? Wir haben ihn alle noch nicht gehört. Ich sehe in seinen Predigte eigentlich mehr eine jesuitische Form: präzise, knapp und kurz die wesentlichen Punkte benennen ohne Schnörkel, aber Ihren kleinen Exkurs in Zahlenmystik habe ich mit großem Vergnügen gelesen.
      Sie sprechen in Ihrem Beitrag die medikamentöse Behandlung von Menschen an. Ich „wedel“ ungern mit meinem Beruf (Neurologin). Es ist erforderlich die krankheitsbedingten „Unruhezustände“ medikamentös zu behandeln, da sie für den Patienten oft sehr schmerzhaft sind. Hier ist ärztliche Sorgfaltspflicht gefordert. Sie haben aber recht. Es „grasiert“ eine Unsitte gegen alles und jedes ein Medikament zu verschreiben, besonders bei rebellischen Kindern und Jugendlichen um sie ruhig zu stellen und einfacher „handlebar“ zu machen. Aber genau diese Kinder sind unsere Zukunft, da sie eine große gestalterische Kraft in sich tragen. Auch die Visionen der großen Mystiker werden heute vielfach von kranken Menschen als Vorlage für eigene Visionen genutzt. Hier müssen wir eine Grenze ziehen. Meistens ist es aber erkennbar, ob es sich um „wirkliche“ Visionen handelt oder um Erscheinungen die mit seelischen Krankheiten einhergehen.

      • H.Sattel sagt:

        Geehrte Chrisma, wenn in jeder Religion Autorität inne wohnt, welche die durch die Mystik, wiederum als Element der Religion, in Frage gestellt wird, wie sollte die Religion an sich deshalb nicht eine „menschliche Erfindung“ sein, die den Glauben in das Wort Gottes außer Kraft setzt….aufgrund dessen, dass eben jede Religion im Gründe genommen „nur“ eine Übernahme von bestimmten Sichtweisen sind, die dann eben mit der Zeit und durch Generationen hindurch als „Glaubensgegenstand“ manifestiert wurde und somit auch keine Erkenntnisse beinhalten…im Gegensatz zum Wort Gottes selbst? Wenn also Glaube allein durch die Liebe wirksam: das Wesen Gottes ist, wie kann dann von Gott dahingehend Autorität ausgehen….?

        • Chrisma sagt:

          Verehrter H. Sattel, der Einwand sitzt!!! (Im positiven Sinne) Ich denke ich bin hier zu stark in die “Religionswissenschaft“ gerutscht und habe mich nicht vom „Glauben“ leiten lassen. Ihr letzter Satz hat es besonders „in sich“… Mein Gatte und ich haben schon angefangen darüber zu diskutieren und werden diese Diskussion auf unserem Spaziergang durch den wunderschönen Spätsommersonntag fortführen. Ihnen danke dafür und einen gesegneten Sonntag

          • Guardianus sagt:

            Ich bin für Ihr „Hineinrutschen“ in Religionswissenschaften sehr dankbar, was meine Unruhe ob der Religionen sehr gut wie auch mit wenigen aber dafür präzisen Worten bestätigt (wenn von Ihnen vielleicht auch weder beabsichtigt noch gewollt).
            Für mich persönlich zeigt Ihre Ausführung, weshalb Religion eigentlich mit sich selbst „im Streit liegt“ und vielleicht Teil der Ursache vieler religiösen Unruhen wie auch Kriege sind. Vielleicht ist die wahre „Autorität“ von Religionen der Mensch selbst, der eben bestimmt wie und wieviel zu glauben ist…..so dass fürwahr die Religionen dieser Welt zu einem Kreisen nicht um das Wort Gottes, sondern zu einem Kreisen um sich selber führt….zu einem Teufelskreis geworden ist, dessen Ursprung ohne jeden Zweifel das Wort Gottes ist, sich dann aber irgendwie von demselbigen abgekoppelt hat. Anders kann ich mir diese innere Unruhe der Religionen nicht vorstellen, da Jesus Christus als Urheber und Vollender des Glaubens ja jede trennende Wand der Feindschaft nieder gerissen hat und der Friede ist: einen Frieden, nicht wie die Welt ihn gibt, sondern sich eben vom Friedensverständnis der Welt wesentlich unterscheidet. Vielleicht haben wir eben auch dahingehend zu unterscheiden, was der „Gegenstand des Glaubens“ ist: das Wort Gottes, und wie das Wort geglaubt wird, bzw, geglaubt und ausgelegt werden kann. Letzteres wäre… ist aber m.E. kein Zeugnis von „glauben“ wie z.B. ein Abraham Gott geglaubt hat. „Abraham glaubte Gott. Und das rechnete ihm Gott als Gerechtigkeit an…“ Danke Chrisma für den kleinen „Ausrutscher“, der ein wenig mehr in mein (Glaubens-)Leben gebracht und zur Klärung vieler Fragezeichen wohl einen nicht unbeachtlichen Beitrag leisten wird.

          • KRP sagt:

            Ich finde es eigentlich gar nicht so schlecht wenn „Glaube und Wissenschaft“ ineinander gerutscht sind, weil ich glaube das sich das gar nicht trennen lässt und alles eine Ganzheit bildet und bestimmt zusammen gehört. Vielleicht ist das ja auch wirklich der Grund das es so viele Unterschiede gibt innerhalb der Religionen.

      • Andreas sagt:

        Das war ursprünglich Karl Rahner, der sagte: »Der Christ des 21. Jahrhunderts wird Mystiker sein – oder er wird nicht sein.« Und Mystik als solche ist sicherlich weiter gefasst als nur die „Sehnsucht nach Gott“ des Christentums.

        • Chrisma sagt:

          @Andreas, Karl Rahner ist immer gut. Natürlich ist Mystik wesentlich mehr. ich hatte diesen Aspekt gewählt um deutlich zu machen, dass „Mystik“ keine nur innen gekehrte „Vergeistigung“ ist, sondern auch zum Handel und zum Widerstand aufruft. ich denke hier besonders an die von mir tief verehrte Katharina von Siena und ihre herrlichen Wutausbrüche gegen die Kleriker.

          • veruschka sagt:

            Liebe Chrisma,
            Katharina von Siena? Sie ist unter anderem die Patronin der Studenten. Ich finde die Legende um ihre Verlobung so wunderbar… und die hat was mit (Braut-)Mystik zu tun (also Mystik ist doch nicht so übel): Katharina war so klug und schön, dass sie keinen ebenbürtigen Mann finden konnte. Was tun? Sie „heiratete“ das Jesuskindlein (Da gibt es zahlreiche Gemälde, also zur „Mystischen Vermählung der heiligen Katharina von Siena“: Das Christuskind sitzt dabei auf dem Schoß von Maria und steckt der vor ihm knienden Katharina einen Ring an den Finger). Also ist sie auch Vorbild für die Nonnen.
            Aber, bitte, bitte, könnten Sie, liebe Chrisma, ein paar kleine Geschichtchen zu den „herrlichen Wutausbrüchen“ dieser weisen Frau hier anfügen?
            Ich liebe Geschichtchen… 🙂
            Liebe Grüße

          • H.Sattel sagt:

            Ich denke, dass Mystik das Wesen des Glaubens ist und somit naturbedingt prophetischen Charakter hat, da der Glaube auf das Kommende verweist, bzw. der Glaubende auch aus der Zukunft her lebt. Diese „Spannung“ ist wohl jene Unruhe, die ein solcher „Mystiker“ dann auch in sich erlebt, aber nicht weniger auch in dessen Umfeld verbreitet. Mit „Widerstand“ eines „Mystikers“ ist wohl eher der Widerstand gegen das Böse gemeint: ein Handeln das dem leidenden Gottesknecht gleicht…wie wir ja den mystischen Christus (nach Paulus) darstellen sollen.

  6. veruschka sagt:

    Liebe(r) KRP,
    ich bezweifle nicht, dass es Mystiker gibt, sie machen mir nur ehrlich gesagt ein bisschen Angst. 🙂 Auf Gemälden (wie etwa der „Katharina von Emmerich“ von Gabriel von Max) werden solche besonderen Menschen immer so schrecklich bleich und krank und im Bett liegend dargestellt… sich zwischen den Welten befindend.
    Liebe Tina und sehr geehrter Pater Hagenkord,
    das mit dem Exerzitienbuch finde ich sehr spannend. Wäre wirklich schön, wenn man im Blog darüber mehr erfahren könnte.
    Viele liebe Grüße!

    • Claudia sagt:

      Liebe veruschka, sehr spannend ist folgender Beitrag zur Katharina v. Emmerick: http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Katharina_Emmerick. Da erfahren Sie auch einiges über die Deutung und Symbolik des Bildes. Was ich Ihnen aber auch empfehlen kann – oder Sie kennen es vielleicht schon, ist die „Wolke des Nichtwissens“ eines unbekannten engl. Autors (ca. 1390) . Dieser Autor ist für viele Menschen zu einem spirituellen Begleiter und Ratgeber geworden. Wer sich ihm anvertraut, dem sagt er, wie wichtig und hilfreich es sein kann, von kurzen, möglichst einsilbigen Worten seinen meditativen Ausgang zu nehmen und dann sie auch zu „löschen“, um in die Stille der Kontemplation einzutauchen, wo es keine Bilder und Vorstellungen mehr bedarf. Der Autor nährt nicht die Illusion der Leute, die den inneren Weg mit einer sublimen Spielerei verwechseln, wie es in manchen Meditationen anklingt. Andrerseits ermutigt er, die Härte und Schwere dieses Unternehmens auf sich zu nehmen, weil es letztlich Gott selbst ist, der Wollen und Vollbringen bestimmt. Praktisch sitzt man jeden Tag möglichst 45 Minuten in Stille und Ruhe, mit einem gleichmäßigen Atmen. Sehr hilfreich ist auch das Buch von Herman Andriessen “ Der Sehnsucht in mir einen Namen geben“ Lebensweg und Spiritualität, erschienen im Grünwald Verlag. Ich selber habe „Die Geistlichen Übungen des hl. Ignatius von Loyola“ von Peter Köster SJ vorliegen und möchte mich damit beschäftigen.

      • veruschka sagt:

        Liebe Claudia,

        zunächst einmal finde ich es wirklich sehr schön, dass Sie hier in diesem Blog sind und uns Ihre Gedanken so umfangreich mitteilen… Sie haben viel zu sagen! Die beiden Bücher die Sie mir genannt haben, möchte ich unbedingt lesen.
        Ich möchte Ihnen auch einen kleinen Literaturhinweis geben (vielleicht interessiert es Sie ja):
        Eine frühere Freundin von mir (leider sind wir jetzt zerstritten… vielleicht sollte ich sie wieder einmal kontaktieren… ich war schuld) hat sich in ihrer Magisterarbeit mit jenem Bild von Gabriel von Max beschäftig (also ca. 75 Seiten darüber geschrieben). Sie konnte dann einen fünfseitigen Katalogaufsatz hierüber publizieren: Andrea Fronhöfer, Die Ekstatische Jungfrau Katharina Emmerich“, in: Gabriel von Max. Malerstar, Darwinist, Spiritist, Ausst.Kat. München 2010.
        Was das Meditieren angeht, leider bin ich nicht der richtige Typ für Meditieren oder auch Yoga. Aber ich hatte früher immer eine andere Methode, Zeit und Raum zu vergessen:
        Ich brauche nämlich die Bilder (vielleicht ist das meine bevorzugte Art zu Sprechen; Bilder sprechen auch nur anders): Ich hatte eine polnische Freundin – ein sehr begabtes und einzigartiges Mädchen – das dann auf der Kunstakademie in Dresden studierte: Sie liebte es in der Natur zu Zeichnen (und ein bisschen kann ich auch zeichnen 🙂 ). Wir gingen öfter zu den Innauen, suchten uns ein Motiv und setzen uns mitten in die wilde Natur und fingen an. Jede hatte ihr eigenes Motiv… ein knorriger Baumstamm, Wurzelwerk oder auch das Gewirr der Äste faszinierten uns. Keiner von uns sprach dabei… aber die Natur „sprach“… das Rauschen des Inns, das Vogelgezwitscher, der Wind der durch die Blätter hindurchwehte etc.
        Wenn man sich auf einen kleinen Ausschnitt der Natur konzentriert, vergisst man so ziemlich Alles… sogar, dass es sich dabei um einen Baumstamm handelt. Ich sah nur noch das Linienspiel, das ich so naturgetreu oder auch wahrhaftig wie möglich aufs Blatt zu bringen versuchte. Dabei vergaß ich mich selbst. Und da haben Sie dann recht: Hier gab es dann – obwohl wir’s mit Bildern beziehungsweise der Produktion von Bildern zu tun haben – keinerlei „Bilder und Vorstellungen“.
        Das ist für mich eine Art von Meditation.
        Viel Liebes für Sie!

        • Claudia sagt:

          Liebe Veruschka, auch ich bin „nur“ ein Laie, Aber ich liebe es über Gott zu sprechen. Daher mag ich auch dieses Forum und da ich von Natur aus neugierig und sehr interessiert an Menschen bin, sind die Gedanken der Frauen und Männer hier für mich ein wahres Eldorado des Entdeckens. Auch das Thema „Mystik“. das mich übrigens schon seit einigen Jahren beschäftigt, hat mich heute Vormittag für einige Stunden am Computer beschäftigt: http://de.wikipedia.org/wiki/Mystik. Wer Zeit und Lust hat und den Link noch nicht kennt, kann dort unglaublich stöbern und dabei noch so manches Kleinod finden. Da finden Sie Veruschka auch noch eine ganz andere Mystikerin, die ich heute erst kennenlernte: Margareta Porete, die zum Schluss zwar leider verbrannt wurde für ihr Werk „Spiegel der einfachen Seelen“. Es ist ein Lehrbuch in Form eines oft leidenschaftlich geführten Gesprächs zwischen der Seele, der Vernunft und der Liebe. Das Buch, so Margareta Poreta, richtet sich an all jene, „die sich im Zustand der Verirrten befinden und die nach dem Weg ins Land der Freiheit fragen“.
          Diesen Zustand kenne ich auch, alles um sich vergessen, sogar die eigene Biographie; bei was auch immer – und was Sie beim Zeichnen erfahren, drückt Margareta Poreto folgendermaßen aus: Die in Gott zunichte gewordenen sind „königliche Menschen. Denn sie wären nicht imstande, Werke von geringen Wert zu vollbringen, noch auch eine Sache zu beginnen, die sie nicht zu ganzer Vollkommenheit brächten. Die Magisterarbeit Ihrer Freundin ist sicherlich nicht öffentlich – ich fände es schon interessant, wie das Thema bearbeitet wurde. Bis bald Veruschka

          • veruschka sagt:

            Da Andrea ein sehr kontaktfreudiger Mensch ist, hätte sie sicherlich kein Problem damit, Ihnen eine Kopie der Arbeit – vielleicht per Mail zuzusenden. Ich gebe dem Pater kurz die E-Mail-Adresse. sicherlich leitet er diese an Sie weiter.
            Viel Spaß mit dem Text und danke für Ihren Link!

          • Gabriele sagt:

            Liebe Claudia, darf ich nur eine kleine Anmerkung machen? Ich hatte ursprünglich evang. Religionsunterricht. Die wichtigste Aussage meiner Religionslehrerin, die mir im Gedächtnis haften geblieben ist, war die: Über Gott können wir Menschen nicht sprechen, denn wir stehen nicht über Ihm. Wir können nur von Gott sprechen.
            Ein Satz, der mir sehr eingeleuchtet hat, und den ich seither auch nie wieder von jemandem gehört habe …
            Herzliche Grüße Gabriele

    • KRP sagt:

      Von bezweifeln denke ich habe ich nichts geschrieben wollte nur anmerken was Mystiker uns „sogenannte einfachen Glaubenden“ voraus haben. Das Mystiker mit Gott leben vom erwachen bis zum einschlafen. Eben ständig mit Gott im Gebet und Gespräch verbunden sind. Was bestimmt auch anstrengend ist, meistens auch Entbehrungen mit sich bringt, gewollt oder ungewollt. vielleicht deshalb die schrecklichen Darstellungen und vielleicht weil man sich Mystiker leidend vorstellt.

      • KRP sagt:

        Noch eine kurze Anmerkung die Mystikerin Terese von Avila z.B. war ja auch krank und für eine lange Zeit ans Bett gebunden, laut ihrer Vita. Ich denke da sieht ein Mensch dann sicher bleich und krank aus wenn er nichts essen kann, sich nicht äußern.

  7. veruschka sagt:

    Das waren jetzt aber viele Informationen. Ihnen allen hierfür recht herzlichen Dank!
    Sie kommen ja alle regelrecht ins Schwärmen wenn es um die Mystik geht.
    Also sollte ich meine Bildchen lieber einmal verräumen und mehr die Texte/Primärtexte durchgehen.
    Schönes Wochenende Ihnen allen! Ich genieße heute jedenfalls noch die Natur… werde also keinesfalls lesen… aber die Herbsttage kommen ja auch bald wieder und nun habe ich einige gute Tipps erhalten!

  8. H.Sattel sagt:

    Ich bin froh, dass Franziskus das Thema der Unruhe anspricht und auch den Schmerz nicht außen vorlässt, welchen er selber verspürt, wenn er an die Unfruchtbarkeit so mancher Ordensleute denkt. Als ehemaliger Franziskaner kann ich diesen Schmerz nachempfinden und teile somit dieses Leid. Dennoch stelle ich mir immer wieder die Frage, inwieweit eine Unruhe innerhalb der Kirche zugelassen wird – inwiweit die Kirche sich in Frage stellen lässt, darin ich persönlich eine Infragestellung weniger als Kritik sehe, als vielmehr das Interesse des gesitigen Wachsenwollens in der Erkenntnis Gottes und Jesu Christi sowie Seiner Worte….wie es eben auch die innere Unruhe eines Apostels Paulus ist. Ich hoffe, dass so mancher Ordensmann sich von diesem Schmerz des Franziskus berühren wie auch beunruhigen lässt (im besten Sinne des Wortes)……Eine gesunde Unruhe, wie z.B. jener Unruhe in einer mechanischen Uhr, bringt uns sicherlich vorwärts und verhindert somit einen Automatismus, der eben wegen der fehlenden Unruhe eine Ruhe schafft, die eben uns nicht wirklich vorwärts bringt.

  9. Chrisma sagt:

    @Veruschka nun sind Sie mit Katharina von Emmerich ohne Umwege in die Leidensmystik eingetaucht. Alle großen Mystiker haben in ihren Gottesschauen auch die Leiden Jesu Christi am Kreuz erfahren, nicht nur rein geistig sondern auch in unmittelbaren körperlichen (Schmerz) Erfahrungen. Besonders sei hier an Johannes vom Kreuz erinnert, der in den Folterkellern der spanischen Inquisition das Leiden unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz nachempfunden hat. Hier ist Edith Stein eine Mittlerin zwischen den Zeiten, da sie an Johannes vom Kreuz an knüpft . Was nun Katharina von Emmerich angeht: sie hat sich mir nie erschlossen. Für mich als Ärztin ist hier ein „Grenzfall“. Historisch werden sie und anderen unter Leidensmystik des 19. Jahrhunderts eingestuft. Für Sie als kleine alltagstaugliche Meditationshilfe „Mach aus mir einen Regenbogen“ Mitternachtsmeditationen von Bischof Helda Camara. (Macht kleine Plaudertaschen wie wir zwei es sind still.)
    @KRP Neben unserem Glauben und dem Austausch in diesem Blog haben wir auch die gleiche kleine Mediationshilfe. Ich kann den Text den Sie geschrieben haben Wortgetreu übernehmen. Danke dafür.

  10. Gabriele sagt:

    @Chrisma und Veruschka: Liebe Chrisma, vielen Dank erst einmal für Ihren kurzen Umriss zur Frage der Mystik. Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen und finde mich darin ganz und gar wieder. Es ist genau dieser Weg zu Gott, der mich umtreibt. Der mich bereits seit meiner Konfirmation mit 14 Jahren unruhig sein ließ. „Weise mit Herr, Deinen Weg, damit ich wandle in Deiner Wahrheit.“ Das war damals mein Konfirmationsspruch. Er begleitet mich bis heute. Bestimmt mein Leben. Ich bin 1997 in die RKK konvertiert. Ich habe bereits einige Gnadenerweise erlebt, die ich nur als Gnade Gottes erklären kann. Immer verbunden mit der Frage an Gott: Warum ich? Warum eine einfache Katholikin, eine einfache Laiin? Was erwartest Du von mir? Es ist genau das, was Sie beschreiben: Die Erfahrung Gottes, Christi und des Heiligen Geistes in der Stille. Im Gebet. Manchmal völlig unerwartete Antworten auf meine Fragen, das Bewusstsein dazu – das ist Seine Antwort auf meine Frage. Was Veruschka vor einigen Tagen schon beschrieb, die Suche nach Gott, nach dem Frieden in Ihm der Freude und dem Ruhen in Ihm, das habe ich auch jetzt gefunden, ein zweites Mal in meinem Leben bereits und bete jede Stunde darum, diesen wunderbaren Seins-Zustand nicht mehr zu verlieren. Ich bin wach, an allem interessiert, aber innerlich frei und glücklich in Gott. Meine Seele hat endlich Heil und Frieden gefunden. Glauben Sie mir bitte, dass ich diese Sätze nicht leichtfertig schreibe. Ich habe viele Jahre damit verbracht, mich zu prüfen, mich immer wieder durch Gott prüfen zu lassen. Habe während dessen geschwiegen, um kein falsches Zeugnis abzulegen. Um Gottes Namen nicht zu missbrauchen.
    Diese innere Unruhe, Gott zu verkünden, die ist in mir, verbunden mit der Ruhe in Gott, mit der Zuversicht, Er ist da, Er lässt uns nicht im Stich. Ich fühle mich von Gott gerufen. – Ich wünschte, ich könnte diesen Ruf endlich leben. Dieser Blog ist vielleicht ein erster Schritt in diese Richtung.
    Da ich keine Theologin bin, versuche ich mit meinen Äußerungen sehr vorsichtig zu sein, vor allem, da hier doch einige im Blog sind, die doch theologisch auf festerem Grund stehen als ich.

    • veruschka sagt:

      Liebe Gabriele,

      ich denke nicht, dass Sie unbedingt theologisch vorgebildet sein müssen um sich hier zu artikulieren. Schauen Sie mich an… ich hab‘ davon auch nicht viel Ahnung… und die Leute hier sind trotzdem recht nett zu mir… und doch auch zu Ihnen.
      Dann machen wir halt Fehler! Ist das so schlimm?

  11. Chrisma sagt:

    @Veruschka Katharina von Siena ist Lehrerin unserer Kirche zusammen mit den Mystikerinnen Hildegard von Bingen und Teresa von Avila. Also alle drei hochintelligente Frauen, die energisch in das Geschehen ihrer Zeit eingriffen. Das Bild das Sie beschreiben lässt mir die Haare zu Berge stehen. Ich mag diese Art von Verniedlichungen so ganz und gar nicht (erinnert mich an die Fleissbildchen, die wir im Internat bekamen, mit und ohne Glitzer, ich hatte nie viele….) Also ran an die Originaltexte, in unserem Fall „Briefe an die Männer der Kirche“ (3 Bände) und weg von den „Bildchen“. Sie haben – so Gott es möchte“ noch so viel Zeit und ich hoffe das“ Mystik“ sie ein Leben lang begleiten wird, ist sie doch das Wesen unseres Glaubens und unsere Suche nach Gott. In dunklen Tagen war sie mir Trost, Halt und gab mir immer wieder die Kraft zur inneren Erneuerung. Bleiben Sie mir gewogen….

    @H.Sattel. Ich meine aber mit Widerstand nicht nur den Widerstand gegen das Böse, nein ich meine den ganz konkreten Widerstand gegen Verhältnisse die so nicht hinnehmbar waren und sind. Eben diese Unruhe, wie Sie ja an anderer Stelle bemerken, war und ist sehr oft nicht gewollt. Abschließen möchte ich mit den Worten des Mystikers Helder Camara: „ Genug mit einer Kirche, die bedient sein will; die immer die Erste zu sein verlangt; die nicht die Demut und den Realismus besitzt, den Zustand des religiösen Pluralismus zu bejahen“. Marien’s Schutz für Sie.

    • veruschka sagt:

      Liebe Chrisma,
      natürlich bleibe ich Ihnen zugetan… denn ich kann Vieles von Ihnen lernen und Sie sind ein äußerst sympathischer Zeitgenosse.
      Aber ich dachte hierbei nicht an Kitschbildchen… weiß Gott, nein.
      Googeln Sie die „Die mystische Vermählung der heiligen Katharina von Siena“ und Sie werden sehen, dass das ein äußerst gängiges Motiv war und in Hochphasen der Kunst genau so dargestellt wurde: Also in der italienischen Renaissance, im Manierismus im Barock … und zwar sehr großformatig und für Altäre. Ich füge nur einige Künstler an: Jusepe de Ribera, Lorenzo Lotto, Correggio, Fra Bartolomeo oder Parmigianino. Und diese Künstler malten nicht einfach mal und so larifari drauf los, sondern sie fertigten hauptsächlich Auftragsarbeiten an. Und Auftraggeber war die Kirche.

      Liebe Grüße und eine gute Nacht! 🙂

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